Nebelwelten

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Akyrlaer

Nebelwelten

Beitrag von Akyrlaer »

Gedanken, scharf, klar wie Kristall, eine Linse auf den rötlichen Schleier der mich umgibt. Träume voller Gewalt. Voller Kampf. Wir bekämpfen einander. Warum kämpfen wir? Macht, das Recht des Siegers, zerhacken unsere Leiber, wir sterben, unsere Glieder finden zueinander, verschmelzen, zwei neue Krieger entstehen, tragen unsere Kämpfe weiter aus. Noch mehr Krieger, Dämonenkrieger wie wir, die Schlacht, die Lust, das Blut, der Untergang.
Lüge, Intrige, Wahrheit und Schmerz. Schmerz. Ich verletze, ich heile, genese, Dein Garten aus Dornenranken in dem ich lustwandelte, ich schritt Seit' an Seit' mit den Kreaturen des Abgrundes, kalt ist meine Haut von Stahl, heiß ist mein Fleisch von meinem Blut. Sickernd läuft es schwarz-rot aus den Wunden, die die Dornen durch meinen Panzer stachen. Zerschlissen sind meine Flügel. Ich kann nicht mehr.
Ordnung und Chaos, Genie und Wahn, was bin ich wenn nicht nichts und alles verloren im Nichts und in allem Deiner selbst Herr?
Ich verbrenne im Feuer. Schwarzes Feuer auf meiner Seele, Hass, er frißt sich hindurch, verzehrt meine Seele, verzehrt alle Hoffnung und ich weiß, daß ich bei Ihm liegen will.
Schatten, sie sind eingebrannt in meine Haut, brennen heiß, tief, tiefer, bis aufs Mark, ich schreie, es ist noch viel zu hell. Schleier aus Finsternis. Schleier kann man lüften doch wie lüftet man den sengenden Blendstrahl? Die durch die Finsternis schreiten müssen das Licht sehen.
Ein Gleißen in meinem Kopf. Licht! Ich taumle. Ich bin getroffen. Diese Wunde ist tödlich, ich lächele, so werde ich auf ewig Dein sein. Die Wunde schließt sich, läßt nur eine Narbe zurück, Enttäuschung, noch nicht meine Zeit, ich weiß, daß ich noch nicht bereit für Dich bin, ich muß lernen, muß begreifen, muß mich wandeln.
Gestalt zerfalle, Formen zerfließet, altes vergeht, neues besteht, Meister der Zeit, was hat noch Bestand, wenn in vollem Schwalle Deine zermalmende Hand zum Ausdruck Deiner Gerechtigkeit uns wie Metalle in neue Formen gießet?
Unbeständig und unstet, das ist mein Wesen schon immer gewesen. Wer sich mit dem Krieg einläßt, der ist verloren an den Krieg, ist verloren an Dich. Laß meine gestaltlose Form verloren sein in Dir um sich stetig neu zu finden und zu begründen in Dir.
Ich falle. Kein Netz, das mich trägt. Kein Boden auf dem ich zerschellen könnte. Keine Form. Nur Stille. Ich falle. Ich bin verdammt. Auf ewig. Finsternis umhülle mich, Verdammnis empfange mich, Herr, ich bin Dein.
Forme mich wie es Dir gefällt, zerstöre mich wie es Dir beliebt. Doch kämpfe mit mir. Noch kämpfe ich um Dich und doch, schenken werde ich Dir mich nicht. Zeige mir meinen Wert indem Du um mich kämpfst. Erhebe Deine Klinge gegen mich und zerschmettere mein Innerstes selbst.
Ich liebe Dich Herr und werde Dich immer lieben. Haßt Du mich auch? Ein kleines Stück wenigstens?
Akyrlaer

Beitrag von Akyrlaer »

Credo

Ich glaube an den ewigen Zwist, den Kampf Bruder gegen Bruder, Schwester gegen Schwester. Ich bin gekommen, dem Vater die Tochter abspenstig zu machen und die Mutter auf ewig mit dem Sohne zu entzweien. Wer Frieden in Dir sucht wird Streit finden, doch wer für Dich streitet, Herr, wird ein Bote des Friedens sein. Lass uns streiten.
Was jaulte ich auf, als Deine Klinge mich nieder stach. Ich bin eine Wölfin. Wir alle sind Wölfe, gewandet in flauschig samtene Gewänder, sie verbergen unser wahres Ich, verbergen Dich vor ihren Augen und doch sickerst Du durch die Ärmel hindurch, dringst durch jede Pore meiner Haut, mir ist heiß, ich schwitze und doch frohlocke ich, möchte jeden Schweißtropfen auflecken wie die Ziege den Salzstein, Dein Glaube strömt aus meiner schattenumwobenen Haut heraus. Kleider machen Leute, doch nur Du vermagst mich zu formen, zu zerbrechen, weckst in mir den Wunsch, verloren zu sein in Dir. Bleib bei mir Herr, ich will Dich nicht verlieren.
Nimm Dir was Du auch halten kannst, verliere was nicht rechtmäßig Dein. Reiße, schlage, kämpfe für das was Du willst, Geschenke, welchen Wert haben sie gemessen an dem worum man gerungen, was man an sich gerissen hat, was man verteidigen mußte, damit es einem nicht wieder genommen ward. Ich kämpfe um Dich, Geliebter und werde immer um Dich kämpfen.
Ich glaube an den Kampf. Kampf ist mein Leben. Du bist mein Leben. Du bist der Kampf, Du bist der Sieg, bittersüß war Dein Geschmack auf meiner Zunge, was genoß ich Deine Gewalt mit der Du mich zu Boden geschickt, der Schmerz als Dein Blick mich traf, er trieb mir den Atem aus den Lungen, ward benommen von Deiner Macht, noch immer wallt mein Blut, kocht in sehnsüchtiger Hitze Deines Zornes in Gedanken an den Augenblick in dem Du mich unterwarfst. Es ist niemals genug. Niemals werde ich genug von Dir haben. Mich dürstet es nach Dir, trocken ist meine Kehle. Netze mich, laß mich nicht verdorren.
Kein Meer vermag diesen Durst zu stillen, dies vermagst Du allein. Und doch treiben wir alle verloren in den stillen Fluten, hörst Du unsere Rufe? Wer wird unsere Seelen retten wenn nicht Du? Geschenke. Nein, meine Seele schenkte ich Dir nie, Du mußtest darum kämpfen, nur so wird sie sicher sein, wenn das Meer sie zu verschlingen trachtet in seinem Strudel.
Und doch sind wir blind. Wir zwängen uns in ein Korsett, schnüren unseren Seelen die Luft zum Atmen ab, bauen uns ein Floß aus Regeln in einem Meer aus Chaos und nennen es Ordnung. Niedlich sind wir, wie wir dahin schippern auf diesem Meer, denkend, wir hätten es bezwungen, vergessend, daß alles, was von Menschenhand erbaut wurde auch von Menschenfaust zerschmettert werden kann. Da ist keine Ordnung, kein Bestand ohne Dich und wo Statuen zerfallen und Büchern vermodern bist Du es mein Gebieter, der Du ewig bist und mit Dir Dein Werk und Wille, Deine Gedanken mit denen Du uns knechtest.
Auf Deinem Acker blute ich, tränke ihn mit meinem Lebenssaft, doch die Früchte die er trug waren schwarz und verdorben und doch, wie leicht war es, die Ungläubigen damit zu füttern, sie zu mästen, wie süß muß Dein Gift sein, so willig wie sie sich ihm hin gaben, wo die Frucht die ich gekostet bitter war auf meiner Zunge und doch aß ich sie, Stück für Stück, schluckte Bissen um Bissen um Dir nah sein zu können. Bin Gift geworden, meine Gedanken, meine Worte, mein ganzes Sein ist Gift und es verzehrt mich. Nach Dir. Es verlangt mich nach noch mehr Gift. Es verlangt mich nach Dir. Beiß' mich. Friß mich mit Haut und Haar, will verschlungen sein von Dir, will verschlungen sein in Dir.
Gleich dem Abgrund, der mich irgendwann verschlucken wird. Du kennst das dünne Seil, das darüber gespannt, die beiden Seiten, Licht und Schatten, wie besessen tanzte ich auf dem Seile, Dir zum Wohlgefallen, wie weit war ich gekommen, weißt Du es noch?
Der Weg in die Finsternis ist gangbar, ein schmaler Grat, nur einen Fehltritt vom Abgrund entfernt und doch, wie lachte ich ob der Klauen, Tentakeln und Scheren der Kreaturen des Abgrundes, die emsig nach meinen wirbelnden Beinen fischten, genoß die Steine in meinem Weg, tanzte mich bis zur Ekstase bis hinein in Deine Arme. Hat mein Tanz Dir gefallen? Dir allein war er gewidmet und noch immer tanze ich zwischen Licht und Schatten, Dir zum Trotz, Dir zum Wohlgefallen. Was lecken sich die Kreaturen des Abgrundes die Mäuler nach meinem Leib. Leichtsinn, gewiß und doch, nur in Deinem Angesicht wachsen wir über uns selbst hinaus. Sieh her, dieser Tanz sei Dir geweiht.
Ich lebe.
Akyrlaer

Beitrag von Akyrlaer »

Ordnung

Ich bin gewesen, vom Anbeginn der Zeit., so steht es geschrieben am Tor der Welt. Mir Dir kam Deine Ordnung.
Ich kann schwer sagen was davor war, wir Menschen pflegen es Chaos zu nennen oder auch das Nichtsein, ein alles verschlingender Strudel der sich wandelte zur Zeit. Doch wo selbst das Nichts und das Chaos einst standen und fielen warst Du ewig und mit Dir die Ordnung die Du gebracht.
Wer sich gegen Dich erhebt, erhebt sich gegen Deine Ordnung, tritt ein für das Chaos, das uns umgibt. Wenn aber die Ordnung ordentlich und alles Chaos chaotisch, wenn Chaos zu verbreiten heißt sich gegen Deine Ordnung zu erheben, wofür treten wir dann ein?
Macht. Dreht sich nicht letztendlich alles hierum? Ein gefährliches Spiel auf das wir uns dort einlassen, Macht verführt zum Hochmut, Du bist Macht, Du versuchst uns, prüfst uns, liest aus, das Schwache vergeht in Deinem Angesicht, wird hinfort gefegt wie Herbstlaub im harschen Sturm. Nur Stärke kann Bestand haben. Nur stark werden wir Dir widerstehen können. Und doch sind wir so erbärmlich schwach gemessen an Dir. Erbärmlich, aber nicht erbarmungswürdig.
Läuft es nicht oftmals darauf hinaus? Erbarmen. Lachhaft. Mitgefühl mit den Schuldigen, nein, es war ihr freier Wille, sich gegen Deine Ordnung zu erheben, wie sollen sie jemals aus Fehlern lernen wenn man sie ihnen nicht aufzeigt? Mitgefühl vor Gerechtigkeit, selbst denen die gegen Dich stehen sollte dieser Gedanke blasphemisch vorkommen, kann doch keine der sogenannten Tugenden Temoras die andere wirklich überwiegen.
Nein, wir müssen sie zerschmettern, müssen sie unterwerfen, müssen jede Spur von Auflehnung zerschlagen und diese Saat des Chaos im Keime ersticken. Nur so kann Gerechtigkeit entstehen. Nur dies kann Ordnung sein. Nur dies kann Stärke sein. Und stark, das müssen wir sein, wenn wir Dir trotzen wollen.
Und das müssen wir. Wollen wir nicht alle hoch hinaus, über uns selbst hinaus wachsen? Bist nicht auch gerade Du über Dich selbst hinaus gewachsen als Du Dir nahmst was Du begehrtest, den eigenen Bruder nieder strecktest weil er Dir vorenthalten wollte was er zu schwach war Deinem Zugriff zu entziehen? Nur die fähigen dürfen herrschen. Nur die machtvollen dürfen nach Macht greifen. Macht.
Nimm Dir was immer Du willst. Tu' was immer Dir beliebt. Das ist die eine Seite. Doch sei Dir der Konsequenzen bewußt, denn Du wirst verlieren was Du nicht halten kannst und es mag Dich mit sich in den Abgrund ziehen so Du Dich im Falle daran klammerst. Das war die andere.
Macht hieß Verantwortung. Und Furcht. Kein Abschied fiel so schwer wie der Abschied von der Macht. Keine Macht die nicht auch von anderen begehrt wurde. Du hast sie an Dich gerissen. Andere werden sie Dir entreißen wollen. Sei wachsam. Behüte Deine Macht wohl, nutze sie weise, sie allein ist der Schlüssel zu ihrer Bewahrung. Macht will benutzt werden. Doch mißbrauche sie nicht.
Alle Macht geht vom Herren aus. Alles andere ist nur ein Abklatsch. Die geschenkte Macht der Ungläubigen, ihnen in die Wiege gelegt, nie hinterfragt, nie verdient, was ist das schon außer einem Schatten der wahren Macht? Sie haben nichts für sie erbracht. Sie mußten sie nie schützen. Sie werden sie nie verstehen. Nie den Umgang mit ihr erlernen. Nur geraubte Macht ist wahre Macht. Raube sie dem Herren, entreisse sie seinen gierigen Fingern, nur so wirst Du verstehen können, was Macht überhaupt bedeutet, was ihre Bestimmung ist und was Deine Bestimmung sein soll.
Doch wage es nicht, ihn zu Deiner Hure machen zu wollen, wage es nicht, seine Macht nicht mehren zu wollen. Was immer Du genommen hast Du nur erlangt, weil er es so wollte. Wie leicht könnte er sie Dir wieder entziehen, wie leicht ist es sein Mißfallen auf Dich zu lenken?
Du wirst stark sein müssen, machtvoll und weise. Nutze seine Macht, nutze Ihn, aber tue es verantwortungsbewußt, verletze seine Ordnung nicht dabei und Du wirst noch machtvoller werden. Stürze seine Ordnung ins Chaos und Du wirst vergehen. Ordnung und Macht sind untrennbar miteinander verknüpft. Nur wer sich in seiner Ordnung zu bewegen versteht gelangt zu Macht. Nur wer mächtig ist wird sich in seiner Ordnung behaupten können. Gegen andere aber auch gegen Ihn.
Bedenke, Du wächst mit Deinen Herausforderungen. Auch der Herr, so mächtig er sein mag, will wachsen, will seine Macht erhalten und mehren. Auch er braucht die Herausforderung, er ist der Kampf und nur der Kampf kann ihn schärfen, seine Perfektion erhalten. Fordere ihn. Ringe mit ihm. Unterliege, doch tue es so, daß er Dich am Leben erhalten will. Zeige ihm Deinen Trotz, gib Dich ihm hin, im Kampf, messe Dich mit ihm, lass ihn an Dir erstarken, zeige ihm, daß Du einen Nutzen hast. Sei wie er und Du wirst ewig sein. Teil seiner Macht. Teil seiner Ordnung.
Akyrlaer

Beitrag von Akyrlaer »

Blutige Splitter in meinem Kopf, rot wie die Rinnsale, die aus meiner Hand rinnen, doch benetzen sie den Boden nicht, kein Tropfen ihn erreicht bevor er aufgesogen vom ewigen Durst des Herren.
Bruchstücke, ganze Buchbände, Zeiten, Vergangenes und Zukünftiges schwappen im Gezeitenstrom dieses Meeres an mir vorüber. Gewinn, Verlust, Wiederkehr und Neubeginn, alles ist im Wandel. Wie hatte Carray gesagt?

Als ich an Jahren noch jung, als unschuldig mein Wesen noch war
da träumte ich einen hehren Traum von Gerechtigkeit und Frieden,
es zog mich weit hinfort, an des Fürsten Schloß,
beugte mein Knie, beugte das Haupt, als Ritter wollte ich ihm dienen.
Die Rüstung, die ich trug ward gleißend Silberstrahl im Sonnenlicht,
Loden, Banner und Helmzier flatterten weiß im Wind,
des Feindes Schar, ich spottete ihrer, sie schreckte mich nicht,
solang die Schalen des Schlachtenglücks mir gewogen schienen.
Die Lieder der Barden, sie ließen mich hungern und dürsten,
bewahrten die Flamme der Hoffnung tief in meinem Herz
und so zog auf Schwingen aus Edelmut ich aus in die Welt,
die voller verstorbener Helden keine Hoffnung mehr kannte.
Ich ward umfangen von des Krieges eisigem Hauch,
die Flamme, sie wandelte sich in gleißenden Schmerz,
sie flackerte, erlosch, zurück blieb nur kalter Aschenrauch,
der mattschwarz in die Rüstung ein sich brannte.
Ich lernte, Hunger und Durst zu ertragen,
mein Mantel ward getränkt von meiner Opfer Blute,
die Schwingen, sie waren von Pfeilen und Schwertern zerschlissen,
vermochten mich nicht mehr zu tragen,
So stürzte ich hinab in eine unwirkliche Welt die keine war,
betrat und verließ, ward durch Schreie meiner Opfer ihr entrissen.
Mein Träume waren wie mein Mantel so rot,
nur eines das blieb: Ich ward zum Ritter geschlagen.
Akyrlaer

Beitrag von Akyrlaer »

Lügen, Intrigen, Wahrheit, Hohn und Spott, tückisch war sein Pfad, tückisch die Worte seiner Gläubigen. Was man sagte und was man dachte war nicht immer dasselbe. Was man sagte und was man glaubte erst Recht nicht. Gut in diesem Falle war sie sich sehr sicher, daß der Lethyr an das glaubte was er aussprach. Der Glaube an die eigene Dominanz war schon immer verbreitet. Sie bleckte die Zähne. Ihr lief sein Glaube zutiefst zuwider. Macht ohne Verdienst, Gunst ohne Aufopferung, Respekt ohne Furcht, das alles entzog sich ihrem Verständnis. Gut, nachvollziehen konnte sie es, auch warum manche daran glauben mochten, aber das Verständnis für derlei ging ihr schon lang ab. Nahmen wir nur einmal die Fakten.
Seine Worte waren, daß der Gedanke, daß ein Angehöriger des auserwählten Volkes Ketzerei begehen könnte zumindest lachhaft, wenn nicht gar selbst blasphemisch war. Ebenso hatte er gesagt, daß der Herr nicht dulden würde, daß ein Sterblicher der nicht zu diesem Volke zählte Hand an einen der Ihren legt. Und das ergab schlicht keinen Sinn. Wobei, doch, Sinn machte es, aber es war ein Widerspruch. Eine dieser Aussagen mußte falsch sein.
Beließ man alle Überlegungen außen vor kam man zu folgenden Beobachtungen:
Einer der sieben ersten war abtrünnig geworden, sein Lebensfunke, genommen vom Herren, auf daß dieses Licht für einem besseren zu leuchten vermochte. Diese Beobachtungen ließen folgende Schlüsse zu:
Eine Möglichkeit war, daß dieser eine tatsächlich abtrünnig geworden war und sich hiermit der Ketzerei schuldig gemacht hatte.
Die zweite war, daß dies falsch wieder gegeben wurde und keine Abtrünnigkeit in einem solchen Maße vor lag, daß hier von Ketzerei zu sprechen ward. Dennoch ward ihm das Leben genommen, was man zweifelsfrei als Strafe durch den Herren auslegen konnte. Der Herr legte also Hand an sein eigenes Volk, so es ihm den Dienst versagt.
Stellt sich die Frage ob er das Recht, sein Volk zu strafen für sich allein beanspruchte. Durchaus eine Möglichkeit. Nicht unbedingt eine, die sie akzeptieren konnte, aber eine Möglichkeit. Doch so diese Möglichkeit zuträfe, wo waren die Überlieferungen? Es kam ihr eher wie Brauchtum vor denn so oft sie auch die Schriften wälzte, so oft wurde sie nicht fündig auf der Suche nach einer Stelle, die die Lethare vom Glauben und dessen Prinzipien, dessen Hingabe und Erfüllung ausnahm. Im Gegenteil.
So oder so konnte das Volk der Letharen entweder sich der Ketzerei schuldig machen oder es war nicht halb so unberührbar wie es dies gerne hätte. Das einem Gläubigen verwehrt sein sollte, sich gegen die, die zu schwach für den Herren waren zu erheben oder die zu strafen, die sich einzig durch fehlenden Diensteifer auszeichneten war unlogisch. Der Herr will die Stärke. Der Herr will den Dienst. Das der Herr seinerseits das Schwache und Unfähige schütze, nein, dieser Gedanke war abwegig. Man konnte also festhalten, daß auch ein Angehöriger des Volkes der Lethare sich durch Dienstbeflissenheit und Erfolg auszeichnen muß, wenn er nicht vom Zorn Alatars getroffen werden wollte. So wie ein jeder andere auch. Was keinen Nutzen für ihn hat wird vernichtet. In diesem Falle halt durch ihn persönlich.
So oder so, mindestens eine Aussage des Erzlethyren mußte falsch gewesen sein. Vielleicht lehrte er ja ähnlich wie sie selbst es tat. Sie legte gerne Fallstricke aus um zu sehen ob ihre Schüler noch selbst denken konnten.
Bis hierhin waren es nur Beobachtungen. Doch die Überlegungen gingen noch weiter.
Wenn der Herr diejenigen strafte, die ihm den Dienst versagten, dann war das Volk der Lethare über alle Maßen auf das Volk der Menschen angewiesen. Es waren Menschen, die den Willen des Herren nicht nur zu ergründen versuchten, sondern auch aus zu führen. Kein Lethar stand auf dem Schlachtfeld. Ihre Agenten schienen auch Schnee von gestern zu sein. Und am Amboß hatte sie noch keinen einzigen je stehen gesehen. Es waren Menschen, die den Willen Alatars in die Welt hinaus trugen. Gut, das brachte ihnen den Ruf von Puppen ein an deren Fäden die Lethare gerne ziehen wollten... jedoch, was wenn sie diesen Dienst versagten? Wenn sie die Lethare als Zwischenglied ausschalteten, ohne sie den Willen des Herren zu ergründen versuchten?
Fakt war, daß der Herr sich einige der Seinen unter den Menschen auserwählt hatte. Vielleicht mochten jene nicht wissen aber sie waren gut im erahnen. Der Herr würde ihnen zürnen, da diese Weigerung eine Schwächung bedeutete aber dennoch, es würde funktionieren. Es hat bereits funktioniert. Doch ohne die Menschen konnten die Lethare nicht dienen. Sie konnten ihr eigenes Süppchen kochen, aber dafür waren sie nicht geschaffen. Ihr Element war nicht Offenheit sondern Intrige und List. Sie brauchten die Menschen als Hände. Sie waren auf sie angewiesen. Mehr als die Menschen auf sie.
Dennoch sahen die Lethare einen Säugling ihres Volkes als weit über einem Ahad oder Hohetempler der Menschen stehend an. Immerhin... waren die Letharen unantastbar. Oder zumindest wären sie es gerne. Unabhängig von Glaubenstiefe und -eifer. Und dieser Gedanke lief allem zuwider, was sie je über den Glauben gelernt hatte. Der gesamten Ordnung. Dem gesamten Konzept.

Kopfschüttelnd erhob sie sich von dem Stuhl und schritt im Raum umher, bis ihr Blick auf einen Stapel Pergamente fiel. Sie ergriff sich eines und notierte folgende Zeilen darauf:

These: Es ist abwegig, ggf. sogar blasphemisch an zu nehmen, daß ein Angehöriger des Volkes der Letharen vom wahren Glauben abkommen könnte.
Beweis: These stützt sich auf Aussage des höchsten Priesters des Volkes der Letharen.
Beobachtung: Einer der sieben ersten Letharen wandte sich vom Glauben an Alatar ab.
Theologie: Jeder Glaube, der nicht einzig und ausschließlich auf Alatar fußt ist Ketzerei.

These: Ein jeder Angehöriger des Volkes der Letharen steht von Geburt an höher in der Gunst Alatars als ein jeder Angehöriger des Volkes der Menschen jemals zu erreichen vermag.
Beweis: These stützt sich auf Aussagen des höchsten Priesters des Volkes der Letharen.
Beobachtung: Einer der sieben ersten Letharen versagte Alatar den Dienst.
Theologie: Der Glaube erfordert die Tat für den Herren. Was immer dem Herren nicht nutzt wird zerstört oder umgeformt bis es einen Nutzen für den Herren hat.
In diesem Fall bestand die Umformung darin, daß die Lebenskraft des Letharen auf den Alka übertragen wurde. Im Zuge dieser Übertragung ist der Lethar verstorben.

These: Der Herr wird nicht dulden, daß irgend jemand, der nicht er selbst oder Angehöriger des Volkes der Letharen ist, Hand an einen seines Volkes legt.
Beweis: These stützt sich auf Aussage des höchsten Priesters des Volkes der Letharen.
Beobachtung: In der Schlacht um Varuna wurden mehrfach Letharen angegriffen und verwundet. Hierauf konnte keinerlei feststellbare, körperliche, geistige oder seelische Veränderung an denjenigen welche das Schwert führten festgestellt werden.
Ansatz: Diejenigen welche die Klingen führten wurden von deren Gottheiten beschützt.
Antithese: Kein Dämon, Halbgott oder sonstiger Götze hat die Macht, den rechtschaffenen Zorn eines Gottes von seinem erkorenen Ziel ab zu lenken.
Ansatz: Der Herr behält sich alleinig vor, Angehörige des Volkes der Letharen zu strafen. Dieses Recht könnte er an einige Angehörige dieses Volkes weiter gegeben haben, dies als Nichtangehörige ergründen zu wollen ist allerdings müßig.

These: Ein jeder Angehöriger des Volkes der Letharen muß dem Herren dienen.
Beweis: Der Herr tötete einen der Ihren als jener ihm den Dienst verweigerte.
Ansatz: Als Strippenzieher im Hintergrund benötigt das Volk der Letharen Puppen auf die sie einwirken können. Das macht das Volk der Menschen für sie und ihren Dienst nicht nur wertvoll, sondern zwingend erforderlich, solange das Volk der Letharen die Geschicke seines Dienstes nicht selbst in die Hand nähme, da ohne direktes Eingreifen durch das Volk der Lethare in die Geschicke Alathairs ansonsten kein Dienst zu verzeichnen wäre.

Conclusio: Ihr seht mich verwirrt.


Sie nickte zufrieden, als sie die Zeilen abermals las, dann streute sie Löschsand darüber, wartete bis jener die Tintenreste aufgesogen hatte, blies den Sand vom Pergament, faltete es und steckte es in ein Kuvert, welches sie versiegelte.
Anschließend begab sie sich zum Tempel und als sie dort nicht fand nach wem sie suchte drückte sie das Kuvert einem der diensthabenden Soldaten in die Hand mit der Anweisung, es dem höchsten Priester des Volkes der Letharen zukommen zu lassen, sobald jener den Tempel das nächste mal betrat.

Dann wandte sie sich ab. Ihre Gedanken kreisten um den Erzlethyren. "Wenn Du tanzen willst... komm' abklatschen."
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Mory'tael
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Registriert: Sonntag 6. September 2015, 14:17

Beitrag von Mory'tael »

Fluchend vernahm der Lethyr die Botschaft jener die um so viel Wissen zu verfügen schien. Sie schien auf seltsame Art an Wissen gekommen zu sein welches, sein Volk so behutsam zu sichern versuchte, Wissen welches einen Bruch zwischen Mensch und Lethar bedeuten könnte. Ihre freien Gedanken wahren fehl am Platze, ihre Fragen ein Hindernis für des Vaters Weg. Ihre Fragen würden das Gefüge welches in Rahal stand zum Einsturz bringen können so ihre Gedanken weiter solchen Launen unterworfen seien. Wie konnte sie nur über ein solches Wissen verfügen so es einzig den Letharen und dem Alka bekannt war? Verrat? War dies die Antwort, oder war es gar Eluive, welche die Gedanken dieser wankelmütigen Menschen nun zu verzerren begann? Wie dem auch sei würden die Letharen sich dieses Problemes annehmen müssen, bevor ihre Gedanken auch jene antasten würden, welche starken Glaubens seien. Würde das gemeine Volk wissen das im Körper des Alka ein Letharf schlummert würden alle Finger erneut auf das Volk der Letharen deuten, ein Umstand welchen sie lieber nicht ausgesetzt seien wollten. Dieses Gewürm hatte seine Chance in der neuen Weltordnung sich einen gehobeneren Posten zu erkaufen, durch Treue und einem festem Glauben würden sie über das Gewürm stehen welches den Kindern des Vaters am ende der Zeit als Getier dienen würde. Doch wusste auch ein jeder Lethar dieses Wissen zu hüten um sich und die seinen zu schützen. Die Wahrheit um des Vaters Wille galt es zu hüten und es zu offenbaren schwerwiegender als die gesamte Varunesiche Armee. Im Namen des Vaters und seines Weges würden das Volk der Letharen nun entscheiden müssen das einige fragende Menschen als überflüssig und für den Plan untragbar angesehen werden müssen. Der Freund der Uneinigkeit in eigenen Reihen schafft ist schlimmer als der eigene Feind. Ihre freien Gedanken waren dem Vater ein Dorn im Auge. Auch wenn sein Name freier Gedanke bedeutete, so duldet Alatar diese von seinen Untertanen nicht. Sofort begann der Lethyr ein Antwortschreiben in der Handelssprache aufzusetzen, auf das jene Verwirrte eine Antwort erhalten solle.
Folgende Zeilen würde jene zu lesen bekommen.

Seinen Segen entbiete ich dir verirrte zweifelnde Seele,

Eure Fragen haben mich wohl erreicht und gern werde ich euch antwort auf eure zweifelnden Fragen geben. Doch sehe ich mit Sorge um euer Seelenheil so ihr ob euer Zweifel, wohl dem Vater und seinem Wege die untreue erweist. Des Vaters Weg ist die Stärke, ob es Körperlich oder Geistig sei. Er vertritt die Ordnung, welche ihr nun in Frage stellt, um dem Chaos eintritt in das heilige Reich zu gewähren. Eine Prüfung eurer, so es Möglich sei, durch Eluives Einfluss verwirrter Gedanken wird man der Kirche der heiligen Stadt empfehlen müssen, um euch wenn nötig auf dem rechtem Weg zu helfen.


Gern werde ich jedoch eure Fragen bezüglich eures angeblichen Wissens über seine Kinder mit euch erörtern. So entsende ich euch eine Möglichkeit zu einem Gespräch unter vier Augen auf das ich mich selbst von eurem Glauben zu überzeugen vermag und euch Antworten auf eure Fragen zu geben. Es würde uns sicher helfen so wir uns persönlich treffen würden um uns einmal ein Bild von dem anderen zu machen. Seht euch von mir in aller Freundschaft eingeladen euch meinen Gast zu nennen.

Den Segen des einzigen Wahren über euch

Hochlethyr zu Rahal



Als der Bote sich auf den Weg begab die Botschaft zu übergeben, lies Mory seine besten gedungenen Meuchler rufen. Klar und deutlich war der Befehl der Letharen diese zweifelnde ausfindig zu machen. Man würde sich um sie zu kümmern wissen so ihre Gedanken weiter einen solch seltsamen Weg gehen würden. Rahal wird nicht durch die Wahrheit gesichert, es ist die Lüge die jene Menschen den Weg des Vaters und den des Letharenvolkes gehen lassen. Sie wird die Lüge als Wahrheit sehen müssen so sie im Reiche zu bestehen wünscht.
Kaum als seine Meuchler im Dunkel verschwanden machte sich der Lethyr auf dem Ahad seine Bedenken Kund zu tun.
Akyrlaer

Beitrag von Akyrlaer »

Nachdenklichen Blickes überflog sie die Zeilen. Immer mal wieder zuckte sie mit den Schultern. Als sie fertig war lehnte sie sich zurück, faltete das Pergament und fächelte sich damit etwas Luft zu. Gedankenverloren strich ihre Hand über den Einband auf dem Tisch. Ein mal trommelten ihre Finger darüber, dann erhob sie sich und brachte das Buch zurück an seinen angestammten Platz.
In ihren Gedanken malte sie sich aus, wie sie dem Lethyren das Buch links und rechts um die Ohren schlug. Sie spielte mit dem Gedanken, eine der Dämonenbuhlen zu fangen auf daß sie die Stimme des Praefectors ein weiteres male in diesen Hallen erklingen lassen möge. Sie hatte Lust einen Dämonen aus dem Abgrund herbei zu rufen auf daß jener einmal seine Sicht der Dinge offen legen möge, malte sich wieder und wieder aus wie sie Dinge tat die sie am Ende dann doch ablehnen würde. Wenn auch nicht aus dem Grunde, den der Lethyr wohl vermuten würde. Jedoch das Grinsen, das diese Vorstellungen in ihr Gesicht und ihre Gedankenwelt zauberten sprach Bände. Entsprechend kurz fiel ihr Antwortschreiben aus.

Dem Gottkönig zum Gruße Hochwürden.

Zuvorderst sei Euch mein Dank für Eure rege Anteilnahme an und Sorge ob meines Seelenheiles ausgesprochen.
Ansonsten kann ich nur sagen, daß ich das Angebot jederzeit anzunehmen gewillt bin. Zu jenem Zeitpunkt würde ich dann allerdings der Grund für das Zerwürfnis zwischen den Ahads und dem Volk der Letharen interessieren, an dessen Ende eine wohl noch nicht gänzlich auszulotende Kluft zwischen beiden Parteien entstanden sei, die in sich eine Schwächung der Glaubensgemeinschaft darstellt.

Hochachtungsvoll
Legata Praetoria Akyrlaer
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