Das Leben verlief schnell und machte in nur 2 Tagen eine wundersame Wandlung für das kleine Mädchen durch, welches zerlumpt und verlaust einer Karawane davon gelaufen war, um in dieser prächtigen Stadt bleiben zu können.
Wieso oft hatte der Hunger ihr beinahe ein Loch in den Magen gebrannt, als ihr Blick auf eine Schüssel Dattelmus fiel, die jemand zum abkühlen auf ein Fensterbrett gestellt hatte. Geduckt und sich kurz nach allen Seiten umsehend, wollte sie gerade die Hände danach ausstrecken, als jemand sie ansprach. Eine feine, hoch aufgerichtete Dame in edlen Kleidern. Unter ihrem Schleier fielen rotblonde, lockige Haarsträhnen über die Schultern.
Ameena fühlte sich ertappt und so wie sie niemandem traute, wollte sie nichts als weg. Die Dame sprach freundlich und sanft mit ihr und doch wich sie Schritt für Schritt zurück, bereit zur Flucht. In einem ihr günstig erscheinenden Moment rannte sie los und prallte direkt in eine andere Dame, die plötzlich vor ihr auftauchte. Nun war die Gasse von beiden Seiten abgesperrt und sie fühlte sich in der Falle.
Doch - oh Wunder - beide erwiesen sich als überaus freundlich und nach einer Weile bemerkte das Mädchen, dass von ihnen wohl keine Gefahr ausging. So folgte sie ihnen in ein Haus, in dem die kostbarsten Teppiche lagen. Stets darauf bedacht, diesen wertvollen Untergrund nicht mit ihren dreckigen Füssen zu beschmutzen, hielt sie sich nur am Rand auf. Sie hatte schmerzvoll erfahren müssen, wie schnell die großen Leute zornig wurden, wenn man ihre edlen Teppiche verdreckte. Dann geschah das nächste Wunder: Man brachte ihr eine große Schüssel noch warmen Dattelmus', gierig und sehr hungrig schlang sie es hinunter.
Mittlerweile hatten sich die beiden Damen als Shaymaa Yazir und Radhiyaa Mazari vorgestellt. Soweit sie es beurteilen konnte, waren sie nicht nur wunderschön, sondern auch freundlich und gut. Eine sehr neue Erfahrung für das verlotterte Waisenkind. Doch schon ging es weiter. Die Kleine kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus: Aufgewachsen in einem windigen und staubigen Nest, irgendwo in der Wüste, dessen einziger Reichtum ein Brunnen und einige Dattelpalmen waren, welche den durchreisenden Karawanen eine Gelegenheit zur Rast bot - und den Einwohnern ein karges Einkommen sicherte - war sie es gewohnt mit wenig, ja sogar sehr wenig Wasser auszukommen. Waschen war ein Fremdwort. Ab und an mal ein feuchter Lappen, um die Finger und das Gesicht vom Gröbsten zu befreien, mehr wurde ihr nicht zugestanden. Und nun sollte sie BADEN!
Der Wasserreichtum in dieser Stadt war ihr bereits aufgefallen, einer der Gründe, warum sie hierbleiben wollte, doch was sie jetzt sah, ließ sie aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kommen: Ein riesiges Becken gefüllt mit dem kostbaren Nass! Sogar einen Wasserfall gab es! Und sie sollte da hinein steigen! Zunächst kniete sich sich nur vorsichtig an den Rand, plätscherte mit den Händen darin herum, schöpfte das Wasser und befeuchtete sich ihr Gesicht, doch dann war sie unachtsam und fiel Hals über Kopf hinein. Sie tauchte unter, Panik machte sich breit, sie wusste nicht mehr, wo unten und oben war, schluckte Wasser, schlug wild mit den Armen um sich - als sie plötzlich hochgehoben wurde. Hustend und spuckend kam sie an die Oberfläche und wurde auf die Stufen gesetzt.
Sie merkte sich: Wasser war nicht nur lebensnotwendig, es war auch gefährlich!
Und doch genoss sie es in der nächsten Stunde, einfach auf der Stufe zu sitzen, ein Holzlama schwimmen zu lassen und das Wasser um sich herum zu spüren. Bis... ja bis der Blick der beiden Frauen auf ihr verfilztes und verlaustes Haar fiel. Solange sie sich erinnern konnte, wurde ihr noch nie das Haar gewaschen. Meist von einem Tuch mehr schlecht als recht verdeckt, hatte es niemanden gestört. Niemand kam ihr so nahe, dass es hätte stören können. Sie war Ameena - die kleine Magd, das Kind, welches seine Aufgaben bekam und ansonsten aus dem Weg zu gehen hatte. Das weitere Maul, das man stopfen musste. Ameena - die Kamelfütterin. Und nun wollte man ihr Haar waschen, oder gar ganz abschneiden! Sie hielt sich mit beiden Händen das verzottelte Haar fest. Sie hatte geahnt, dass es einen Haken an dieser Sache gab!
Es kam ein wenig Unruhe in das Bad, der Grund war ihr nicht ganz klar. Dann sagte man ihr, dass sie hinaus kommen solle, der Statthalter! wolle sie sehen. Ihr wurde ganz übel vor Angst. Sie war der Karawane davon gelaufen und sie hatte einen Apfel geklaut, gestern. Sicherlich war er gekommen, um sie erst auszupeitschen und dann zurück zu bringen. Rasch schlüpfte sie - nass wie sie war - in ihre ebenso nassen, verdreckten Sachen. Unsicher und zitternd vor Angst, verließ sie das Bad und dann stand sie vor ihm: Vielleicht geschah für die kleine Ameena nun das größte Wunder dieses Tages.
Ein ehrfurchtsgebietender Mann mit hellem Haar und in schönster Kleidung, aber einem jugendlichen Gesicht stand vor ihr und sah sie zwar streng musternd, aber keineswegs unfreundlich an. Und dann bat er sie auf die Bank neben sich. Er bat sie! Er befahl es nicht. Und in diesem Moment spürte sie, wie ihr Herz aufging. Sie wollte es eigentlich gar nicht, es war nicht gut - und doch geschah es. Sie vertraute ihm sofort und setzte sich neben ihn. Er redete freundlich mit ihr, legte schließlich die Hände auf ihren Kopf und eine wohltuende Wärme durchtströmte sie, ein nie gekanntes Gefühl von Sicherheit. Es kribbelte auf ihrem Kopf und dann schmiegte sich ihr Haar in leichten Locken um ihr Gesicht und fiel auf die Schultern. Unfassbar! Nur die Allmutter selbst konnte da ihre Finger im Spiel haben! Er war sicher von ihr gesegnet.
Und so nahm das Märchen, welches in diesem Moment für Ameena begann, seinen Lauf: Sie bekam ein neues, sehr schönes Kleid, sie wurde mit kostbaren und wohlriechenden Essenzen gewaschen, sie bekam zu Essen und zu Trinken, sie wurde mit den schönsten Namen belegt und schließlich brachte ihr Retter sie in die Herberge, zeigte ihr einen Platz, an dem sie schlafen könnte und versprach ihr für den nächsten Tag neue Wunder. Den Ring, den er ihr geschenkt hatte und der nun an einer Kette um ihren Hals baumelte, fest umschlossen, fiel sie völlig übermüdet in den weichen Kissen in einen traumlosen Schlaf.
Wüstenblumenblatt
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Ameena
Der 2. Tag - Wie aus Ameena eine Azeezah wird
Fast wäre sie in dem etwas zu langen Kleid die Treppe hinunter gefallen. Sie hatte wunderbar geschlafen, doch nun verspürte sie Durst. Sie rief laut seinen Namen, doch niemand antwortete ihr. Aber es dauerte nicht lange, als die freundliche Shaymaa auftauchte, ihr zu Essen und zu Trinken gab und dann war auch ER wieder da. Ihr Held, ihr Prinz! Er hatte etwas für sie vorbereitet und so machten die 3 sich auf durch die Straßen der großen Stadt. Es war nicht weit und er schloß ein kleines Tor auf. Handwerker liefen ein und aus, es war viel Trubel dort. Er führte sie die Treppe hinauf, zu einer kleinen Brücke und dann legte er ihr die Hände auf die Augen, sie vorsichtig vor sich herschiebend.
Als er sie endlich wegnahm mit den Worten: "Dies ist nun dein Reich!" wollte sie weder ihren Augen, noch ihren Ohren trauen. Ein Dachgarten lag vor ihr, an dem die Handwerker noch beschäftigt waren, ihn herzurichten. Ein wunderbarer, dunkelblauer Baldachin spendete Schatten und an die Ecke des Hauses geschmiegt war ein kleiner Stall mit einem Schweinchen darin, welches eine rote Schleife um den Hals gebunden hatten: Porkie! - wie er ihr erklärte. Das sei nun ihr Schweinchen und sie müsse sich darum kümmern. Sie konnte es kaum fassen, alles geschah so schnell. Sie begrüßte Porkie liebevoll - dann ging es auch schon weiter, noch eine Treppe hinauf und in ein Zimmer hinein. Dies würde nun ihr Zimmer sein. Ein riesiges Zimmer, ganz für sie allein! Die Wände waren mit dunkelblauem Stoff bedeckt, auf denen echte Sterne funkelten. Sie war sich sicher, diesen Stoff hatte die Allmutter höchstpersönlich bemalt! Sie war wirklich ein gesegnetes Kind!
Aber all dies war noch nicht genug. Er zeigte ihr auch noch den restlichen Teil des Hauses, in dem er wohnen würde und machte einige Späße mit ihr, welche sie beinahe überforderten. Shameera - ihre Tante, bei der sie Unterkunft gefunden hatte, nachdem ihr Vater immer öfter weg war und schließlich ganz fort blieb - hatte es ihr immer gesagt: "Nimm dich vor dem bösen Blick in acht! Du ziehst das Unglück an, Ameena!" Die Furcht davor saß tief in ihr und als er einige Zaubereien vorführte, war sie auf der Hut und voller Angst. Ja er bestätigte ihr sogar, dass er sie mit seinem Blick verfluchen könne, aber dass er das nur mit unartigen Kindern tun würde. Genauso, wie die unartigen Kinder in die Grube voller Schlangen und Skorpionen geworfen wurden, an der sie vorbei gekommen waren!
Sie musste aufpassen! Vielleicht war er doch gefährlich und tat nur so freundlich, um einen günstigen Moment abzuwarten? Auf jeden Fall musste sie unbedingt artig sein, denn weder wollte sie verflucht werden, noch in dieser Grube landen!
Als er ihre Angst bemerkte, wurde er ganz weich und sanft und sprach mit ihr. Und dann gab er ihr sein Ehrenwort, dass ihr so etwas niemals geschehen würde und er von nun an auf sie aufpassen würde. Sie glaubte ihm. Denn nichts wünschte sich das kleine Mädchen mehr, als jemanden zu haben, der gut zu ihr war, zu dem sie gehören durfte, der sie beschützen würde.
Und dann kam Onkel Ghaazi! Er hatte wohl zu große Stiefel an, denn bevor sie ihn noch über die Treppenbrüstung erblicken konnte, hörte sie ihn auch schon wieder herab poltern. Er sah etwas wild aus, aber auch er schien freundlich zu sein. Und Saajid stellte ihn als seinen Cousin vor.
Einige der Handwerker zogen nun ab und sie stiegen wieder in ihr Reich hinauf - doch was war da in der Zwischenzeit geschehen! Ein kostbarer Teppich in den schönsten himmelblauen Farben bedeckte den Boden, Pflanzen überall und weiche Kissen, auf denen man sitzen konnte. Nach ihrer Bitte ließen sich alle auf die Kissen nieder. Sie war überglücklich! Doch es sollte noch besser kommen, denn das Gespräch lenkte sich nun in eindeutige Bahnen.
Saajid Tamam Azeezah bot ihr an, sie als Vater anzunehmen!
Ernst und vor Zeugen sprach er dies aus. Ihr größter Wunsch ging damit in Erfüllung. Er wollte tatsächlich ihr Vater sein! Ihrer! Und von diesem Moment an gehörte sie zu der ehrenwerten Familie der Azeezah. Somit war Ghaazi ihr richtiger Onkel! Es gibt kaum Worte, um zu beschreiben, was mit dem Mädchen nun geschah. In der großen, unendlichen Wüste, in der sie nur ein winziges Sandkörnchen war, hatte die Allmutter sie - ausgerechnet sie erkoren, um ihr Glück zuteil werden zu lassen.
Dass nun auch ihr Zimmer mit den wundervollsten Dingen angefüllt war, nahm sie kaum noch wahr, in dem Überschwang der Gefühle, die sich in ihr breit gemacht hatten. Sie war in diesem Moment einfach nur ein kleines, glückliches Mädchen.
Dann klopfte der Hunger wieder an und alle gingen in die Taverne. Auch Radhiyaa, die sich mittlerweile zu ihnen gesellt hatte. Shaymaa musste die Gruppe jedoch leider, wegen anderer Verpflichtungen, verlassen. Und so saßen sie dort, aßen, tranken und plauderten. Ameena neben ihrem Vater - es war noch so ungewohnt, dies überhaupt zu denken - sich immer mal wieder an ihn kuschelnd. Er war ungewohnt schweigsam, doch seine Nähe allein gab ihr Sicherheit und ein großes Maß an Unbeschwertheit.
Als Radhiyaa ihr jedoch gerade erklären wollte, was ein Schiff sei und das Meer und wie man sie benutzte, da stand Papa auf und verschwand einfach mit einem 'Inshallah!' Ameena blinzelte kurz verwirrt. Warum war er einfach gegangen? Warum hatte er sie nicht mitgenommen? Sie war müde. Sie wollte bei ihm sein. Sie wollte nach Haus, mit ihm! Aber er war einfach verschwunden! Panik stieg in ihr auf. Warum? Hatte sie etwas falsch gemacht?
Ghaazi und Radhiyaa versuchten auf das Kind einzureden, dass er sicher Verpflichtungen hätte, wo sie nicht mitkönnte, doch ihre Worte erreichten Ameena schon nicht mehr. Sie lief los, wollte ihren Vater suchen, den sie doch erst vor wenigen Stunden gefunden hatte. Blind vor Tränen, die ihr unablässig über die Wangen rannen, lief sie durch die dunklen Gassen. Vor einer Wache blieb sie stehen und fragte schluchzend nach dem Büro des Statthalters. Er wies ihr den Weg, doch auch dort war er nicht. Er war fort! Das Unglück schwappte über dem Kind zusammen, wie eine große Welle.
"Es ist alles nur ein Traum gewesen. Es ist alles nicht wahr. Er ist einfach gegangen, ohne dir zu sagen, wohin und wann er wiederkommen würde. Er hatt dich allein gelassen. Du hast dich getäuscht, Ameena." wisperten die Stimmen in ihrem Kopf. Sie wollte zu den Kamelen. Dort würde sie sich sicherer fühlen. Die Geräusche, die sie machten, die warmen Körper, der leise schnaufende Atem, das Rascheln. Aber niemand konnte sie dorthin bringen.
Als Radhiyaa und Ghaazi sie endlich fanden, hatte sie wieder den Schutzpanzer um ihr Herz gelegt. Sie würde artig sein. Sie würde nach 'Hause' gehen. Sie würde dort die Nacht verbringen. Aiwa - das würde sie. Sie fror erbärmlich in diesem dünnen Kleidchen in der kühlen Nachtluft. Als sie endlich alleine war, nahm sie eine dicke Decke und ging in Porkies Stall. Ein Schweinchen war kein Kamel und ein Schweinestall nicht so bequem, wie ein Kamelgehege. Aber immerhin war dort ein Lebenwesen. Sie suchte sich ein halbwegs trockenes Plätzchen, scharrte sich etwas Stroh zusammen und schlang die Decke um sich. Das letzte, was sie hörte, war das leise Grunzen, dann fiel sie in einen unruhigen Schlaf, der von allerlei Träumen heimgesucht wurde.
Ameena Azeezah - die kleine Schweineprinzessin.
Fast wäre sie in dem etwas zu langen Kleid die Treppe hinunter gefallen. Sie hatte wunderbar geschlafen, doch nun verspürte sie Durst. Sie rief laut seinen Namen, doch niemand antwortete ihr. Aber es dauerte nicht lange, als die freundliche Shaymaa auftauchte, ihr zu Essen und zu Trinken gab und dann war auch ER wieder da. Ihr Held, ihr Prinz! Er hatte etwas für sie vorbereitet und so machten die 3 sich auf durch die Straßen der großen Stadt. Es war nicht weit und er schloß ein kleines Tor auf. Handwerker liefen ein und aus, es war viel Trubel dort. Er führte sie die Treppe hinauf, zu einer kleinen Brücke und dann legte er ihr die Hände auf die Augen, sie vorsichtig vor sich herschiebend.
Als er sie endlich wegnahm mit den Worten: "Dies ist nun dein Reich!" wollte sie weder ihren Augen, noch ihren Ohren trauen. Ein Dachgarten lag vor ihr, an dem die Handwerker noch beschäftigt waren, ihn herzurichten. Ein wunderbarer, dunkelblauer Baldachin spendete Schatten und an die Ecke des Hauses geschmiegt war ein kleiner Stall mit einem Schweinchen darin, welches eine rote Schleife um den Hals gebunden hatten: Porkie! - wie er ihr erklärte. Das sei nun ihr Schweinchen und sie müsse sich darum kümmern. Sie konnte es kaum fassen, alles geschah so schnell. Sie begrüßte Porkie liebevoll - dann ging es auch schon weiter, noch eine Treppe hinauf und in ein Zimmer hinein. Dies würde nun ihr Zimmer sein. Ein riesiges Zimmer, ganz für sie allein! Die Wände waren mit dunkelblauem Stoff bedeckt, auf denen echte Sterne funkelten. Sie war sich sicher, diesen Stoff hatte die Allmutter höchstpersönlich bemalt! Sie war wirklich ein gesegnetes Kind!
Aber all dies war noch nicht genug. Er zeigte ihr auch noch den restlichen Teil des Hauses, in dem er wohnen würde und machte einige Späße mit ihr, welche sie beinahe überforderten. Shameera - ihre Tante, bei der sie Unterkunft gefunden hatte, nachdem ihr Vater immer öfter weg war und schließlich ganz fort blieb - hatte es ihr immer gesagt: "Nimm dich vor dem bösen Blick in acht! Du ziehst das Unglück an, Ameena!" Die Furcht davor saß tief in ihr und als er einige Zaubereien vorführte, war sie auf der Hut und voller Angst. Ja er bestätigte ihr sogar, dass er sie mit seinem Blick verfluchen könne, aber dass er das nur mit unartigen Kindern tun würde. Genauso, wie die unartigen Kinder in die Grube voller Schlangen und Skorpionen geworfen wurden, an der sie vorbei gekommen waren!
Sie musste aufpassen! Vielleicht war er doch gefährlich und tat nur so freundlich, um einen günstigen Moment abzuwarten? Auf jeden Fall musste sie unbedingt artig sein, denn weder wollte sie verflucht werden, noch in dieser Grube landen!
Als er ihre Angst bemerkte, wurde er ganz weich und sanft und sprach mit ihr. Und dann gab er ihr sein Ehrenwort, dass ihr so etwas niemals geschehen würde und er von nun an auf sie aufpassen würde. Sie glaubte ihm. Denn nichts wünschte sich das kleine Mädchen mehr, als jemanden zu haben, der gut zu ihr war, zu dem sie gehören durfte, der sie beschützen würde.
Und dann kam Onkel Ghaazi! Er hatte wohl zu große Stiefel an, denn bevor sie ihn noch über die Treppenbrüstung erblicken konnte, hörte sie ihn auch schon wieder herab poltern. Er sah etwas wild aus, aber auch er schien freundlich zu sein. Und Saajid stellte ihn als seinen Cousin vor.
Einige der Handwerker zogen nun ab und sie stiegen wieder in ihr Reich hinauf - doch was war da in der Zwischenzeit geschehen! Ein kostbarer Teppich in den schönsten himmelblauen Farben bedeckte den Boden, Pflanzen überall und weiche Kissen, auf denen man sitzen konnte. Nach ihrer Bitte ließen sich alle auf die Kissen nieder. Sie war überglücklich! Doch es sollte noch besser kommen, denn das Gespräch lenkte sich nun in eindeutige Bahnen.
Saajid Tamam Azeezah bot ihr an, sie als Vater anzunehmen!
Ernst und vor Zeugen sprach er dies aus. Ihr größter Wunsch ging damit in Erfüllung. Er wollte tatsächlich ihr Vater sein! Ihrer! Und von diesem Moment an gehörte sie zu der ehrenwerten Familie der Azeezah. Somit war Ghaazi ihr richtiger Onkel! Es gibt kaum Worte, um zu beschreiben, was mit dem Mädchen nun geschah. In der großen, unendlichen Wüste, in der sie nur ein winziges Sandkörnchen war, hatte die Allmutter sie - ausgerechnet sie erkoren, um ihr Glück zuteil werden zu lassen.
Dass nun auch ihr Zimmer mit den wundervollsten Dingen angefüllt war, nahm sie kaum noch wahr, in dem Überschwang der Gefühle, die sich in ihr breit gemacht hatten. Sie war in diesem Moment einfach nur ein kleines, glückliches Mädchen.
Dann klopfte der Hunger wieder an und alle gingen in die Taverne. Auch Radhiyaa, die sich mittlerweile zu ihnen gesellt hatte. Shaymaa musste die Gruppe jedoch leider, wegen anderer Verpflichtungen, verlassen. Und so saßen sie dort, aßen, tranken und plauderten. Ameena neben ihrem Vater - es war noch so ungewohnt, dies überhaupt zu denken - sich immer mal wieder an ihn kuschelnd. Er war ungewohnt schweigsam, doch seine Nähe allein gab ihr Sicherheit und ein großes Maß an Unbeschwertheit.
Als Radhiyaa ihr jedoch gerade erklären wollte, was ein Schiff sei und das Meer und wie man sie benutzte, da stand Papa auf und verschwand einfach mit einem 'Inshallah!' Ameena blinzelte kurz verwirrt. Warum war er einfach gegangen? Warum hatte er sie nicht mitgenommen? Sie war müde. Sie wollte bei ihm sein. Sie wollte nach Haus, mit ihm! Aber er war einfach verschwunden! Panik stieg in ihr auf. Warum? Hatte sie etwas falsch gemacht?
Ghaazi und Radhiyaa versuchten auf das Kind einzureden, dass er sicher Verpflichtungen hätte, wo sie nicht mitkönnte, doch ihre Worte erreichten Ameena schon nicht mehr. Sie lief los, wollte ihren Vater suchen, den sie doch erst vor wenigen Stunden gefunden hatte. Blind vor Tränen, die ihr unablässig über die Wangen rannen, lief sie durch die dunklen Gassen. Vor einer Wache blieb sie stehen und fragte schluchzend nach dem Büro des Statthalters. Er wies ihr den Weg, doch auch dort war er nicht. Er war fort! Das Unglück schwappte über dem Kind zusammen, wie eine große Welle.
"Es ist alles nur ein Traum gewesen. Es ist alles nicht wahr. Er ist einfach gegangen, ohne dir zu sagen, wohin und wann er wiederkommen würde. Er hatt dich allein gelassen. Du hast dich getäuscht, Ameena." wisperten die Stimmen in ihrem Kopf. Sie wollte zu den Kamelen. Dort würde sie sich sicherer fühlen. Die Geräusche, die sie machten, die warmen Körper, der leise schnaufende Atem, das Rascheln. Aber niemand konnte sie dorthin bringen.
Als Radhiyaa und Ghaazi sie endlich fanden, hatte sie wieder den Schutzpanzer um ihr Herz gelegt. Sie würde artig sein. Sie würde nach 'Hause' gehen. Sie würde dort die Nacht verbringen. Aiwa - das würde sie. Sie fror erbärmlich in diesem dünnen Kleidchen in der kühlen Nachtluft. Als sie endlich alleine war, nahm sie eine dicke Decke und ging in Porkies Stall. Ein Schweinchen war kein Kamel und ein Schweinestall nicht so bequem, wie ein Kamelgehege. Aber immerhin war dort ein Lebenwesen. Sie suchte sich ein halbwegs trockenes Plätzchen, scharrte sich etwas Stroh zusammen und schlang die Decke um sich. Das letzte, was sie hörte, war das leise Grunzen, dann fiel sie in einen unruhigen Schlaf, der von allerlei Träumen heimgesucht wurde.
Ameena Azeezah - die kleine Schweineprinzessin.
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Ameena
Der Traum
Das Wort brannte sich in ihre Ohren, kaum dass sie es vernahm: ungebeten!
Dabei wollte sie doch nur einen kurzen Blick erhaschen, ihm zuhören. Sie hatte ihr Ehrenwort gegeben, keinen Mucks zu sagen und sie hatte sich daran gehalten. Sogar schon, als sie ihn kurz auf der Brücke traf.
Aber als sie das Wort vernahm, rannte sie los.
"Ungebeten, Ungebeten, Ungebeten!" hämmerte es in ihrem Kopf bei jedem Schritt, den sie lief. Wieder einmal senkten sich Zweifel und Verzweiflung über sie, wie ein schwarzes Tuch. In die Ecke des Stalls gekauert, saß sie dort eine Weile, bis Onkelchen sie fand. Aber sie wollte nicht reden. Sie wollte auch nicht zuhören. Sie war wütend. Sie war verletzt. Sie war trotzig. Sie war nur ein kleines Mädchen und sie wollte weg. Weg zu ihren Kamelen, zu einer Karawane. Dorthin, wo sie alles kannte, wo sie alles einschätzen konnte.
Onkelchen Ghaazi redete auf sie ein, aber sie hörte schon gar nicht mehr zu. Wollte es nicht, konnte es nicht und so fiel ihr nicht einmal auf, dass er sicherlich mit vielen Worten, die er sprach Recht hatte.
Also stapfte sie los, aus dem Stall heraus, um die Ecke. Dann geschah es: sie war unachtsam und trat auf eine Schlange. Ehe sie blinzeln konnte, schnappte das Reptil auch schon zu, ein kurzer Schmerz nur an ihrer linken Wade, doch sie wusste, welche Folgen dies haben konnte. Sie ließ sich rasch auf den Boden nieder und rief, so laut sie konnte, nach Ghaazi. Doch es war schon zu spät. Rasch breitete sich das Gift in ihrem kleinen Körper aus, sie verlor das Bewusstsein.
Es wurde dunkler und immer dunkler - dann das Nichts.
Sie wusste nicht, wo sie war, noch wieviel Zeit vergangen war. Aber plötzlich sah sie ein Licht im Dunkel. Ganz fern war es und es glänzte und glitzerte in den schönsten Farben der Sonne. Hellgelb, weiß, orange und tiefrot. Sie rannte los, doch ihre Füsse kamen nicht voran. Ihr Bein schmerzte und der Boden unter ihr, der aus dem reinsten Schwarz bestand, schien an ihren Füssen zu kleben. Sie wollte dorthin - unbedingt. Und so kämpfte sie sich voran, Stückchen für Stückchen. Es war mühsam. Es war anstrengend. Schweissperlen standen auf iher Stirn.
Sie musste dorthin - zu dem Licht!
Und je mehr sie kämpfte, desto weiter rückte es in die Ferne. Dann konnte sie nicht mehr und sie gab auf, gab sich der Schwärze hin, das immer kleiner werdende Licht jedoch nicht aus den Augen lassend. Und in dem Moment raste es auf sie zu, wurde größer und heller, überstrahlte sie schließlich, so dass alle Schwärze verschwand und sie in das gleißende Licht der Sonne getaucht da stand.
"Ameena, du bist gesegnet. Öffne die Augen und sieh dich um. Vertraue und lerne! Übe dich in Geduld. Gib ihnen Zeit ebenfalls zu lernen. Du bist gesegnet!"
Die Stimme war sanft und dunkel, hell und fröhlich, voller Wärme und Licht. Sie war in ihr und um sie herum, erfüllte sie vollkommen.
Und dann fiel sie in einen tiefen Schlaf. Das Gift der Schlange wich langsam aus ihrem Körper und als die Nacht vorrüber war, stand fest, dass das kleine Mädchen schon bald ihre Augen öffnen würde.
Das Wort brannte sich in ihre Ohren, kaum dass sie es vernahm: ungebeten!
Dabei wollte sie doch nur einen kurzen Blick erhaschen, ihm zuhören. Sie hatte ihr Ehrenwort gegeben, keinen Mucks zu sagen und sie hatte sich daran gehalten. Sogar schon, als sie ihn kurz auf der Brücke traf.
Aber als sie das Wort vernahm, rannte sie los.
"Ungebeten, Ungebeten, Ungebeten!" hämmerte es in ihrem Kopf bei jedem Schritt, den sie lief. Wieder einmal senkten sich Zweifel und Verzweiflung über sie, wie ein schwarzes Tuch. In die Ecke des Stalls gekauert, saß sie dort eine Weile, bis Onkelchen sie fand. Aber sie wollte nicht reden. Sie wollte auch nicht zuhören. Sie war wütend. Sie war verletzt. Sie war trotzig. Sie war nur ein kleines Mädchen und sie wollte weg. Weg zu ihren Kamelen, zu einer Karawane. Dorthin, wo sie alles kannte, wo sie alles einschätzen konnte.
Onkelchen Ghaazi redete auf sie ein, aber sie hörte schon gar nicht mehr zu. Wollte es nicht, konnte es nicht und so fiel ihr nicht einmal auf, dass er sicherlich mit vielen Worten, die er sprach Recht hatte.
Also stapfte sie los, aus dem Stall heraus, um die Ecke. Dann geschah es: sie war unachtsam und trat auf eine Schlange. Ehe sie blinzeln konnte, schnappte das Reptil auch schon zu, ein kurzer Schmerz nur an ihrer linken Wade, doch sie wusste, welche Folgen dies haben konnte. Sie ließ sich rasch auf den Boden nieder und rief, so laut sie konnte, nach Ghaazi. Doch es war schon zu spät. Rasch breitete sich das Gift in ihrem kleinen Körper aus, sie verlor das Bewusstsein.
Es wurde dunkler und immer dunkler - dann das Nichts.
Sie wusste nicht, wo sie war, noch wieviel Zeit vergangen war. Aber plötzlich sah sie ein Licht im Dunkel. Ganz fern war es und es glänzte und glitzerte in den schönsten Farben der Sonne. Hellgelb, weiß, orange und tiefrot. Sie rannte los, doch ihre Füsse kamen nicht voran. Ihr Bein schmerzte und der Boden unter ihr, der aus dem reinsten Schwarz bestand, schien an ihren Füssen zu kleben. Sie wollte dorthin - unbedingt. Und so kämpfte sie sich voran, Stückchen für Stückchen. Es war mühsam. Es war anstrengend. Schweissperlen standen auf iher Stirn.
Sie musste dorthin - zu dem Licht!
Und je mehr sie kämpfte, desto weiter rückte es in die Ferne. Dann konnte sie nicht mehr und sie gab auf, gab sich der Schwärze hin, das immer kleiner werdende Licht jedoch nicht aus den Augen lassend. Und in dem Moment raste es auf sie zu, wurde größer und heller, überstrahlte sie schließlich, so dass alle Schwärze verschwand und sie in das gleißende Licht der Sonne getaucht da stand.
"Ameena, du bist gesegnet. Öffne die Augen und sieh dich um. Vertraue und lerne! Übe dich in Geduld. Gib ihnen Zeit ebenfalls zu lernen. Du bist gesegnet!"
Die Stimme war sanft und dunkel, hell und fröhlich, voller Wärme und Licht. Sie war in ihr und um sie herum, erfüllte sie vollkommen.
Und dann fiel sie in einen tiefen Schlaf. Das Gift der Schlange wich langsam aus ihrem Körper und als die Nacht vorrüber war, stand fest, dass das kleine Mädchen schon bald ihre Augen öffnen würde.
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Ameena
Der Tag des schwarzen Skorpions
Der Tag begann so normal. Ein wenig Unterricht bei ihrem Papa, das Schreiben und Lesen fielen ihr noch sehr schwer, einem Kind, welches sich nie darin geübt hatte, bis jetzt. Dann Porkie füttern und seinen Stall ausmisten, ein wenig mit den neuen Sachen spielen. Aber irgendwie wurde sie unruhig. Es war langweilig so allein und sie durfte das Haus nicht verlassen, wegen der Monster am Tag zuvor. Um so mehr freute sie sich, als dieses Monsterwesen plötzlich um die Ecke rauschte:
Das war ihr Papa!
Mächtig groß, rosa-grau, mit weiten Schwingen auf dem Rücken schwebte er über die Dächer und landete vor dem Haus. Irgendwie war ihr das immer noch etwas unheimlich, wenn Papa sich verwandelte, aber diese Gestalt kannte sie ja schon. Und kaum, dass sie blinzeln konnte, stand er vor ihr, so wie sie ihn kannte und liebte. Sie strahlte ihn an, offensichtlich hatte er nun etwas Zeit für sie.
Doch kaum saßen sie gemütlich in den Kissen, da hörte sie laut ihren Namen rufen. "AMEENA!" Far'iah stand unten, mit einem Korb voller Bananenbrot und einigen Milchkrügen. Sie bedankte sich artig und als Far'iah sich zum Gehen wenden wollte, da sah sie ihn:
Ein schwarzer Skorpion hatte sich an Far'iahs Kleid hochgehangelt und war anscheinden bereit zuzustechen. Einem Impuls folgend wollte Ameena ihn einfach herunterwischen, doch sie wurde durch strenge Worte zurück gehalten, also konnte sie nur tatenlos zusehen, was nun geschah.
Papa streckte seine Hand aus und dann begann der Skorpion zu schweben, er schwebte direkt auf ihn zu! Sie solle ein Glas für ihn holen, Papa wollte den Skorpion wohl darin einfangen. Sie flitzte los und gab ihm schließlich das Gewünschte. Sie atmete auf, denn für diesen Moment schienen sich alle sicher vor diesem Ungeziefer zu sein, als Papa ihn in dem leeren Glas versenkte.
Doch dann geschah etwas, dass sie für diesen Moment Glauben machte, ihr Papa sei verrückt geworden. Er sprach etwas von einem Zeichen und dann...
... öffnete er das Glas, machte Hand und Arm frei und ließ den Skorpion mit dem tödlichen Gift auf seine nackte Haut laufen!
Sie hielt für einen Moment den Atem an, dann begann sie zu beten, inbrünstig, leise, voller Angst, auf den krabbelnden Skorpion dabei starrend, der sich immer weiter nach oben arbeitete, bis er auf Papas Schulter saß. Der Skorpion hob eine seiner Scheren, doch das Kind sah nur die gefährliche Bewegung so dicht am Hals ihres Vaters und schon liefen ihr die Tränen über die Wangen.
Aber dann geschah das Wunder! Eluive sei Dank! Abeer Eluiv!
Die Scheren wurden gesenkt, ebenso wie der Stachel - ganz ruhig saß der Skorpion auf Papas Schulter und als er ihm die Hand hinstreckte, krabbelte das Tier sogar darauf.
Eluive hatte diesen schwarzen Skorpion geschickt, um dem Hause Azeezah ein Zeichen zu geben. Und von nun an würde dies Tier das Wappen des Hauses schmücken!
Alle Angst fiel von ihr ab. Wie hatte sie nur zweifeln können, dass sie und das gesamte Haus, dem sie nun angehörte, von der Allmutter gesegnet waren?
Später am Abend, nachdem sie mit Far'iah Datteln gefüllt hatte, ging sie noch einmal in den Tempel, von einer Wache begleitet.
Dieser Ort war ihr vertraut und sie ging ohne zu zögern die Stufen hinauf, durchschritt den Raum, bis sie direkt vor dem Altar stand. Dort kniete sie sich demütig nieder, die Stirn berührte den heiligen Boden, ihre Hände lagen neben dem Kopf und sie dankte Eluive aus ganzem Herzen für all das, was sie ihr in den letzten Tagen und Wochen hatte zukommen lassen. Wärme und Geborgenheit durchströmte sie, wie immer, wenn sie hier war - im Zwiegespräch mit ihrer Göttermutter. All die Ängste fielen von ihr ab und wieder flossen die Tränen, rannen aus den Augenwinkeln, benetzten die langen Wimpern und fielen dann auf den Boden.
Nachdem das Kind schon lange wieder fort war, wehte ein sanfter Wind auch die letzten Spuren von Feuchtigkeit fort und zurück blieben nur die winzigen, salzigen Kristalle, für kein menschliches Auge sichtbar, auf dem Boden vor dem Altar der Eluive.
Der Tag begann so normal. Ein wenig Unterricht bei ihrem Papa, das Schreiben und Lesen fielen ihr noch sehr schwer, einem Kind, welches sich nie darin geübt hatte, bis jetzt. Dann Porkie füttern und seinen Stall ausmisten, ein wenig mit den neuen Sachen spielen. Aber irgendwie wurde sie unruhig. Es war langweilig so allein und sie durfte das Haus nicht verlassen, wegen der Monster am Tag zuvor. Um so mehr freute sie sich, als dieses Monsterwesen plötzlich um die Ecke rauschte:
Das war ihr Papa!
Mächtig groß, rosa-grau, mit weiten Schwingen auf dem Rücken schwebte er über die Dächer und landete vor dem Haus. Irgendwie war ihr das immer noch etwas unheimlich, wenn Papa sich verwandelte, aber diese Gestalt kannte sie ja schon. Und kaum, dass sie blinzeln konnte, stand er vor ihr, so wie sie ihn kannte und liebte. Sie strahlte ihn an, offensichtlich hatte er nun etwas Zeit für sie.
Doch kaum saßen sie gemütlich in den Kissen, da hörte sie laut ihren Namen rufen. "AMEENA!" Far'iah stand unten, mit einem Korb voller Bananenbrot und einigen Milchkrügen. Sie bedankte sich artig und als Far'iah sich zum Gehen wenden wollte, da sah sie ihn:
Ein schwarzer Skorpion hatte sich an Far'iahs Kleid hochgehangelt und war anscheinden bereit zuzustechen. Einem Impuls folgend wollte Ameena ihn einfach herunterwischen, doch sie wurde durch strenge Worte zurück gehalten, also konnte sie nur tatenlos zusehen, was nun geschah.
Papa streckte seine Hand aus und dann begann der Skorpion zu schweben, er schwebte direkt auf ihn zu! Sie solle ein Glas für ihn holen, Papa wollte den Skorpion wohl darin einfangen. Sie flitzte los und gab ihm schließlich das Gewünschte. Sie atmete auf, denn für diesen Moment schienen sich alle sicher vor diesem Ungeziefer zu sein, als Papa ihn in dem leeren Glas versenkte.
Doch dann geschah etwas, dass sie für diesen Moment Glauben machte, ihr Papa sei verrückt geworden. Er sprach etwas von einem Zeichen und dann...
... öffnete er das Glas, machte Hand und Arm frei und ließ den Skorpion mit dem tödlichen Gift auf seine nackte Haut laufen!
Sie hielt für einen Moment den Atem an, dann begann sie zu beten, inbrünstig, leise, voller Angst, auf den krabbelnden Skorpion dabei starrend, der sich immer weiter nach oben arbeitete, bis er auf Papas Schulter saß. Der Skorpion hob eine seiner Scheren, doch das Kind sah nur die gefährliche Bewegung so dicht am Hals ihres Vaters und schon liefen ihr die Tränen über die Wangen.
Aber dann geschah das Wunder! Eluive sei Dank! Abeer Eluiv!
Die Scheren wurden gesenkt, ebenso wie der Stachel - ganz ruhig saß der Skorpion auf Papas Schulter und als er ihm die Hand hinstreckte, krabbelte das Tier sogar darauf.
Eluive hatte diesen schwarzen Skorpion geschickt, um dem Hause Azeezah ein Zeichen zu geben. Und von nun an würde dies Tier das Wappen des Hauses schmücken!
Alle Angst fiel von ihr ab. Wie hatte sie nur zweifeln können, dass sie und das gesamte Haus, dem sie nun angehörte, von der Allmutter gesegnet waren?
Später am Abend, nachdem sie mit Far'iah Datteln gefüllt hatte, ging sie noch einmal in den Tempel, von einer Wache begleitet.
Dieser Ort war ihr vertraut und sie ging ohne zu zögern die Stufen hinauf, durchschritt den Raum, bis sie direkt vor dem Altar stand. Dort kniete sie sich demütig nieder, die Stirn berührte den heiligen Boden, ihre Hände lagen neben dem Kopf und sie dankte Eluive aus ganzem Herzen für all das, was sie ihr in den letzten Tagen und Wochen hatte zukommen lassen. Wärme und Geborgenheit durchströmte sie, wie immer, wenn sie hier war - im Zwiegespräch mit ihrer Göttermutter. All die Ängste fielen von ihr ab und wieder flossen die Tränen, rannen aus den Augenwinkeln, benetzten die langen Wimpern und fielen dann auf den Boden.
Nachdem das Kind schon lange wieder fort war, wehte ein sanfter Wind auch die letzten Spuren von Feuchtigkeit fort und zurück blieben nur die winzigen, salzigen Kristalle, für kein menschliches Auge sichtbar, auf dem Boden vor dem Altar der Eluive.
-
Ameena
Drum prüfe, wer sich ewig bindet oder Hochzeit auf menekanisch
Ihre erste Hochzeit! Aufgeregt wartete das kleine Mädchen, welches schön zurecht gemacht war, auf die Ankunft ihrer Familie. Wann geht es nur endlich los? Dann endlich waren sie alle versammelt und eilten durch die Straßen und Gassen Menek'urs zum Tempel. Kaum dort angekommen, ging es mit der Hochzeitsgesellschaft, angeführt durch den Emir auch schon weiter. Der Weg wurde durch Rosen angezeigt, die am Wegesrand standen. Es ging zum Stadttor hinaus, in die Wüste - aber nicht weit. Dann breitete sich der kleine Pfad zum Weg aus, über und über bestreut mit Blütenblättern, umsäumt von allerlei menekanischen Gewächsen.
Die Hochzeitsstätte ein schlichter, weißer Schrein, vor dem kostbare, mit Silber durchwirkte Teppiche und Kissen ausgebreitet waren. Man nahm Platz und wartete auf das Brautpaar. Nebel breitete sich zwischen den Säulen des Schreines aus und wie aus dem Nichts erschien der Priester, von der Allmutter selbst entsandt, die Zeremonie vorzunehmen. Kurz blickte das Kind staunend nach vorne, ehe sie demütig den Blick senkte.
Dann war es soweit: Das Brautpaar trat mit leisem Geklingel heran und bei ihrem Anblick öffnete Ameena den Mund und vergaß ihn für längere Zeit wieder zu schließen. Atemberaubende Gewänder, die in der Sonne glitzerten und funkelten, zierten die Beiden. Der Bräutigam ganz in Gold - die Braut ganz in flammendes Rot gehüllt in kostbare Brokat- und Seidenstoffe, die über und über mit Pailetten und Perlen bestickt waren. Es war schöner, als sie es sich in ihren wildesten Phantasien hätte ausmalen können.
Die Zeremonie begann.
Gespannt verfolgte sie das Geschehen, nur ab und zu unterbrochen von dem lauten Jammern und Klagen ihres Vaters, der nun seine Schwester verlor. Ein wenig befremdete sie dies, so hatte sie ihn bisher noch nicht kennen gelernt. Nach einer kurzen Einleitung des Priesters durfte die Braut das Wort erheben. Gebannt lauschte das Mädchen:
"Eine Priesterin die keine Worte findet.
Eine Frau deren Herz zerspringt bei jedem Klopfen wenn sie dich ansieht.
Ein Kopf der verdreht ist vor aller Pracht die vor mir liegt.
Ich Nazeeya Rafa aus dem Haus Ifrey, schwöre dir Fareed Shihab aus dem Haus Masari, ewige Treue, ewige Liebe und ewig dein zu sein, denn an jenem Tag als du in mein Leben tratst änderte sich alles. Mein Leben und meine Sicht bekamen eine neue Ebene hinzu, die Ebene der wahren Liebe. Eine Liebe die über das Leben hinausgeht und ewig bestehen wird. Und Eluive ist mein Zeuge... ich liebe dich Wüstensohn."
Dann ging die Braut vor ihrem Gemahl in die Knie und ihre Stirn berührte den Boden.
Nun war es an dem Bräutigam, seine Stimme zu erheben:
"Nazeeya Rafa, aus dem Hause Ifrey, als ich hierherkam, Leibwächter einer Salzkarawane, war mein einziges Ziel, Hadcharim zu werden, ich kannte kein anderes, doch im Moment als ich dich dort sah, am Brunnen in ein Gebet vertieft, merkte ich was mir fehlte, was ich brauchte um vollends glcklich zu sein, mir fehlte die Wärme Eluives im Herzen und nicht nur auf meiner Haut. Wie du dort gesessen hast, zuerst gar keine Kenntniss von mir nahmst. Ich war mir gar ungewiss, ob du je Kenntniss von mir nehmen würdest, doch irgendwann hörte Elui'v meine Gebete ... und auch mein Tun trug Früchte, bis zu jenem Tag, als ich den Mut fasste und Jabaar um deine Hand bat, ja dieser Tag ist schon eine Weile her, doch seitdem haben wir all die Prüfungen bestanden die man uns auferlegte soviel Liebe keimte zwischen uns, auf das sie schon bald Früchte im Bett tragen mag. Ja Nazeeya Rafa aus dem Hause Ifrey, ich liebe dich und du wirst immer meine erste Frau sein, niemals werde ich es zulassen das dir etwas geschieht und egal welch Prüfung es gibt, gemeinsam werden wir sie schaffen, meine geliebte Nazeeya ...", mit diesen Worten ergriff er die Hand Nazeeyas und zog sie zu sich herauf.
Das Kind rückte - sehr unüblich - von ihrem Vater etwas ab, der mittlerweile von seinem Bruder festgehalten wurde, damit er keine Dummheiten machte. Zu schwer traf ihn wohl der Verlust der geliebten Schwester.
Am Altar nahm die Segnung des ehelichen Bundes weiterhin ihren Lauf. Das Paar wurde mit geheiligtem Salz berieselt und anschließend tauschten sie die Ringe, als Zeichen der neuen Verbundenheit zwischen den beiden Familien. Der Priester sprach die Segnung und ein Gebet und dann war es ihr, als tauche Eluive selbst das Paar in ihr gleißendes, wärmendes Licht. Voller Demut verneigte sich das Mädchen, bis ihre Stirn den Boden berührte und auch sie spürte die Wärme und Geborgenheit der Allmutter.
Nachdem der heilige Akt vollzogen war, brach die Hochzeitsgesellschaft zum Festplatz auf. Auch hier war der Weg wieder über und über mit Blütenblättern bestreut. Sie kamen zu einem riesigen, goldenen Baldachin, der den großen Platz vor der Nachmittagssonne beschattete. Edelste Teppiche und Kissen, sowie flache Tische, beladen mit den köstlichsten Speisen und Getränken breiteten sich vor den Blicken der Gäste aus. Zu linker Hand eine Bühne mit Musikanten, die sogleich leise zu spielen begannen, zu rechter Hand ein Podest, wohl um den Tänzern etwas Raum zu bieten. Alles mit den schönsten Blumen und Blüten geschmückt, mit Kerzen und Laternen erleuchtet um auch dem kommenden Abend und der Nacht ihren Glanz zu verleihen. Das Mädchen kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Wer auch immer dies gestaltet hatte - es war wahrlich meisterlich gelungen.
Sie nahmen Platz und bevor es ans Essen ging, wurden die Geschenke und Glückwünsche dem Paar überbracht. Eine Familie nach der anderen - der Erhabene vorweg - trat vor das Brautpaar. Nazeeya und Fareed strahlten soviel Liebe und Glück aus, dass es den Glanz all der Lichter und das Lächeln der Gäste überragte. Dann endlich... endlich durfte man sich den Speisen widmen, sie hatte Hunger und hier gab es Fleisch! Ansonsten überschüttet mit Süßigkeiten, langte die kleine Wüstenblume kräftig bei den deftigen Speisen zu, um ihren Hunger zu stillen.
Doch dann erklangen Trommeln, die sich langsam näherten. Neugierig erhob sie sich, um eine bessere Sicht auf die Dinge zu haben und dann sah sie sie: Eine Schönheit, wie sie sie noch nie gesehen hatte, in durchsichtige Schleier nur gehüllt - Arme und Bauch frei - die sich zu den Trommeln rhythmisch bewegte, in einer Anmut und Eleganz, die ihresgleichen suchte. Als die märchenhaft anmutende Gestalt näherkam, weiteten sich ihre Augen. Der Körper war, soweit man ihn erkennen konnte, mit Hennablüten bemalt. Das konnte doch nur... sie stockte... oh nein! Das war Nazeeya, die sich dort zu den Trommeln bewegte, beinahe nackt! Rasch stupste sie Onkelchen Ghaazi an, der unverhohlen auf die Frau blickte: "Schau nicht hin, das ist Nazzeya...", raunte sie ihm zu und ließ sich auch schon wieder auf die Kissen nieder. Sie senkte den Blick - ohne zu wissen warum, war es ihr auf einmal peinlich, was sich dort abspielte. Sie wusste instinktiv, dass das so nicht richtig sein konnte.
Von da an überschlugen sich die Ereignisse, das Kind bekam kaum etwas mit, zu sehr verwirrte sie das Ganze. Geschrei - Aufbruch - ihr Vater, der eine Harfe in Flammen aufgehen ließ - die fliehenden Frauen der Kapelle - Tränen - die Braut - der Sandsturm - die Scherben, die umherflogen - Angst! Die Scherbe, die knapp ihr Auge verfehlte, bemerkte sie kaum. Tränen und Blut vermischten sich auf dem Gesicht des Kindes, sie stürzte sich schutzsuchend in die Arme ihres Vaters, der sie jedoch sogleich an Onkelchen Ghaazi weitergab. Sie wollte nichts mehr von Hochzeiten wissen, es machte ihr Angst - der Ausbruch der Elemente, der Emotionen.... Sie klammerte sich an Ghaazi und wollte nur fort von diesem Ort der Zerstörung.
Als sie schließlich einige Zeit später in ihrem Bettchen lag, die Wunde mit einigen Stichen genäht, nahm sie sich ingesheim eines vor:
Ich werde nie, niemals heiraten! Hochzeiten enden böse!
Ihre erste Hochzeit! Aufgeregt wartete das kleine Mädchen, welches schön zurecht gemacht war, auf die Ankunft ihrer Familie. Wann geht es nur endlich los? Dann endlich waren sie alle versammelt und eilten durch die Straßen und Gassen Menek'urs zum Tempel. Kaum dort angekommen, ging es mit der Hochzeitsgesellschaft, angeführt durch den Emir auch schon weiter. Der Weg wurde durch Rosen angezeigt, die am Wegesrand standen. Es ging zum Stadttor hinaus, in die Wüste - aber nicht weit. Dann breitete sich der kleine Pfad zum Weg aus, über und über bestreut mit Blütenblättern, umsäumt von allerlei menekanischen Gewächsen.
Die Hochzeitsstätte ein schlichter, weißer Schrein, vor dem kostbare, mit Silber durchwirkte Teppiche und Kissen ausgebreitet waren. Man nahm Platz und wartete auf das Brautpaar. Nebel breitete sich zwischen den Säulen des Schreines aus und wie aus dem Nichts erschien der Priester, von der Allmutter selbst entsandt, die Zeremonie vorzunehmen. Kurz blickte das Kind staunend nach vorne, ehe sie demütig den Blick senkte.
Dann war es soweit: Das Brautpaar trat mit leisem Geklingel heran und bei ihrem Anblick öffnete Ameena den Mund und vergaß ihn für längere Zeit wieder zu schließen. Atemberaubende Gewänder, die in der Sonne glitzerten und funkelten, zierten die Beiden. Der Bräutigam ganz in Gold - die Braut ganz in flammendes Rot gehüllt in kostbare Brokat- und Seidenstoffe, die über und über mit Pailetten und Perlen bestickt waren. Es war schöner, als sie es sich in ihren wildesten Phantasien hätte ausmalen können.
Die Zeremonie begann.
Gespannt verfolgte sie das Geschehen, nur ab und zu unterbrochen von dem lauten Jammern und Klagen ihres Vaters, der nun seine Schwester verlor. Ein wenig befremdete sie dies, so hatte sie ihn bisher noch nicht kennen gelernt. Nach einer kurzen Einleitung des Priesters durfte die Braut das Wort erheben. Gebannt lauschte das Mädchen:
"Eine Priesterin die keine Worte findet.
Eine Frau deren Herz zerspringt bei jedem Klopfen wenn sie dich ansieht.
Ein Kopf der verdreht ist vor aller Pracht die vor mir liegt.
Ich Nazeeya Rafa aus dem Haus Ifrey, schwöre dir Fareed Shihab aus dem Haus Masari, ewige Treue, ewige Liebe und ewig dein zu sein, denn an jenem Tag als du in mein Leben tratst änderte sich alles. Mein Leben und meine Sicht bekamen eine neue Ebene hinzu, die Ebene der wahren Liebe. Eine Liebe die über das Leben hinausgeht und ewig bestehen wird. Und Eluive ist mein Zeuge... ich liebe dich Wüstensohn."
Dann ging die Braut vor ihrem Gemahl in die Knie und ihre Stirn berührte den Boden.
Nun war es an dem Bräutigam, seine Stimme zu erheben:
"Nazeeya Rafa, aus dem Hause Ifrey, als ich hierherkam, Leibwächter einer Salzkarawane, war mein einziges Ziel, Hadcharim zu werden, ich kannte kein anderes, doch im Moment als ich dich dort sah, am Brunnen in ein Gebet vertieft, merkte ich was mir fehlte, was ich brauchte um vollends glcklich zu sein, mir fehlte die Wärme Eluives im Herzen und nicht nur auf meiner Haut. Wie du dort gesessen hast, zuerst gar keine Kenntniss von mir nahmst. Ich war mir gar ungewiss, ob du je Kenntniss von mir nehmen würdest, doch irgendwann hörte Elui'v meine Gebete ... und auch mein Tun trug Früchte, bis zu jenem Tag, als ich den Mut fasste und Jabaar um deine Hand bat, ja dieser Tag ist schon eine Weile her, doch seitdem haben wir all die Prüfungen bestanden die man uns auferlegte soviel Liebe keimte zwischen uns, auf das sie schon bald Früchte im Bett tragen mag. Ja Nazeeya Rafa aus dem Hause Ifrey, ich liebe dich und du wirst immer meine erste Frau sein, niemals werde ich es zulassen das dir etwas geschieht und egal welch Prüfung es gibt, gemeinsam werden wir sie schaffen, meine geliebte Nazeeya ...", mit diesen Worten ergriff er die Hand Nazeeyas und zog sie zu sich herauf.
Das Kind rückte - sehr unüblich - von ihrem Vater etwas ab, der mittlerweile von seinem Bruder festgehalten wurde, damit er keine Dummheiten machte. Zu schwer traf ihn wohl der Verlust der geliebten Schwester.
Am Altar nahm die Segnung des ehelichen Bundes weiterhin ihren Lauf. Das Paar wurde mit geheiligtem Salz berieselt und anschließend tauschten sie die Ringe, als Zeichen der neuen Verbundenheit zwischen den beiden Familien. Der Priester sprach die Segnung und ein Gebet und dann war es ihr, als tauche Eluive selbst das Paar in ihr gleißendes, wärmendes Licht. Voller Demut verneigte sich das Mädchen, bis ihre Stirn den Boden berührte und auch sie spürte die Wärme und Geborgenheit der Allmutter.
Nachdem der heilige Akt vollzogen war, brach die Hochzeitsgesellschaft zum Festplatz auf. Auch hier war der Weg wieder über und über mit Blütenblättern bestreut. Sie kamen zu einem riesigen, goldenen Baldachin, der den großen Platz vor der Nachmittagssonne beschattete. Edelste Teppiche und Kissen, sowie flache Tische, beladen mit den köstlichsten Speisen und Getränken breiteten sich vor den Blicken der Gäste aus. Zu linker Hand eine Bühne mit Musikanten, die sogleich leise zu spielen begannen, zu rechter Hand ein Podest, wohl um den Tänzern etwas Raum zu bieten. Alles mit den schönsten Blumen und Blüten geschmückt, mit Kerzen und Laternen erleuchtet um auch dem kommenden Abend und der Nacht ihren Glanz zu verleihen. Das Mädchen kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Wer auch immer dies gestaltet hatte - es war wahrlich meisterlich gelungen.
Sie nahmen Platz und bevor es ans Essen ging, wurden die Geschenke und Glückwünsche dem Paar überbracht. Eine Familie nach der anderen - der Erhabene vorweg - trat vor das Brautpaar. Nazeeya und Fareed strahlten soviel Liebe und Glück aus, dass es den Glanz all der Lichter und das Lächeln der Gäste überragte. Dann endlich... endlich durfte man sich den Speisen widmen, sie hatte Hunger und hier gab es Fleisch! Ansonsten überschüttet mit Süßigkeiten, langte die kleine Wüstenblume kräftig bei den deftigen Speisen zu, um ihren Hunger zu stillen.
Doch dann erklangen Trommeln, die sich langsam näherten. Neugierig erhob sie sich, um eine bessere Sicht auf die Dinge zu haben und dann sah sie sie: Eine Schönheit, wie sie sie noch nie gesehen hatte, in durchsichtige Schleier nur gehüllt - Arme und Bauch frei - die sich zu den Trommeln rhythmisch bewegte, in einer Anmut und Eleganz, die ihresgleichen suchte. Als die märchenhaft anmutende Gestalt näherkam, weiteten sich ihre Augen. Der Körper war, soweit man ihn erkennen konnte, mit Hennablüten bemalt. Das konnte doch nur... sie stockte... oh nein! Das war Nazeeya, die sich dort zu den Trommeln bewegte, beinahe nackt! Rasch stupste sie Onkelchen Ghaazi an, der unverhohlen auf die Frau blickte: "Schau nicht hin, das ist Nazzeya...", raunte sie ihm zu und ließ sich auch schon wieder auf die Kissen nieder. Sie senkte den Blick - ohne zu wissen warum, war es ihr auf einmal peinlich, was sich dort abspielte. Sie wusste instinktiv, dass das so nicht richtig sein konnte.
Von da an überschlugen sich die Ereignisse, das Kind bekam kaum etwas mit, zu sehr verwirrte sie das Ganze. Geschrei - Aufbruch - ihr Vater, der eine Harfe in Flammen aufgehen ließ - die fliehenden Frauen der Kapelle - Tränen - die Braut - der Sandsturm - die Scherben, die umherflogen - Angst! Die Scherbe, die knapp ihr Auge verfehlte, bemerkte sie kaum. Tränen und Blut vermischten sich auf dem Gesicht des Kindes, sie stürzte sich schutzsuchend in die Arme ihres Vaters, der sie jedoch sogleich an Onkelchen Ghaazi weitergab. Sie wollte nichts mehr von Hochzeiten wissen, es machte ihr Angst - der Ausbruch der Elemente, der Emotionen.... Sie klammerte sich an Ghaazi und wollte nur fort von diesem Ort der Zerstörung.
Als sie schließlich einige Zeit später in ihrem Bettchen lag, die Wunde mit einigen Stichen genäht, nahm sie sich ingesheim eines vor:
Ich werde nie, niemals heiraten! Hochzeiten enden böse!
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Anele Namok
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- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:41
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Ameena
Bfäääärguuus, Bfääärdäää, Khuuutschään und Luuutschien!
Seitdem sie den jungen Mann mit den goldenen Haaren gesehen hatte, der zwar roch wie ein Abfallhaufen, den die Karawane zurück ließ, aber trotzdem nett war - seitdem freute sie sich auf das Abenteuer. Aiwa - er hatte ihr von seinem Haar zwei Strähnen geschenkt und sie hatte mit ihm richtig hart verhandelt, wie die Großen! Dachte sie jedenfalls. Die zwei Hände Sand, die der Knecht von ihr forderte schienen ihr zu wenig und das bisschen Obst auch. Also handelte sie ihn gnadenlos hoch! Zufrieden und glücklich steckte sie nach diesem Handel die beiden Strähnen ein, die er sich mit einem Brotmesser abgesäbelt hatte.
Und dann war da ja noch die Aussicht auf diese Reitschule, von der er erzählt hatte! Das würde ein Abenteuer geben!
Doch 1. kommt es anders und 2. als geplant.
Als sie an diesem Tage Maawiya traf, konnte sie es kaum glauben. Er wollte gerade aufbrechen, um sich die Reitschule anzusehen. Sie war im Begriff ihren 'Hundedackelbettelblick' aufzusetzen, um ihn zu überzeugen, dass sie heute schon mitkommen musste, als sie draussen ein Stöhnen hörten. Verärgert über diese Störung, lief sie Maawiya nach, der sogleich dem Stöhnen nachging. Nazeeya! Sie hielt ihren Bauch und stöhnte vor sich hin. Relativ mitleidslos betrachtete Ameena sie. Aiwa, sie war eine Weile gut zu ihr gewesen, doch schon seit Wochen hatte sie sie nicht gesehen. Verschwunden, verkrümelt, weg, nicht da. Genauso wie Fareed.
Wenigstens das hatte sie hier auf Menek'ur gelernt: Auf Erwachsene war kein Verlass!
Und wenn Eluive beschlossen hatte, dass ihr Sohn hier und jetzt zur Welt kam? Maktoub - so steht es geschrieben im großen Schicksalsbuch. Maawiya jedoch brachte sie hinein ins Haus und Ameena lief los, um Hilfe zu holen. Wenn jemand da war, der sich kümmern konnte, dann wurde es ja vielleicht doch noch etwas mit ihrem Ausflug. Zurückgekommen wartete sie noch eine Weile, setzte sich draussen auf die Stufen, doch als Maawiya heraus kam, konnte sie es auf seinem Gesicht lesen. Es würde heute nicht geschehen. Wut brandete in ihr hoch und der Wille, es doch zu tun - egal was das bedeuten würde.
Rasch lief sie zum Hafen, wuselte in dem geschäftigen Treiben hindurch und schlich sich auf die Fähre nach Bajard. Keiner der Wachen schien sie bemerkt zu haben. Und schon ging es los. Unsicherheit befiel sie für einen Moment, aber nun würde sie den Mut nicht sinken lassen.
In Bajard angekommen lief sie zum ersten Gebäude, das sie kannte. Das Zeichen war ähnlich wie in Menek'ur, es waren Goldstücke darauf zu erkennen, also musste das die Bank sein. Zum Glück hatte sie die Haarsträhne dabei und so betrat sie nach einigem Zögern die Bank und sprach den ersten Mann an, der vor ihr stand: "Bfääääärguuuus?" Sie hielt ihm die goldene Haarsträhne entgegen. Sie wiederholte es mehrmals, seine Worte nicht verstehend. Doch dann machte er eine tippelnde Geste mit den Fingern und sie verstand. Er fragte sie, ob er sie dorthin bringen solle und sie nickte. Zur Sicherheit ahmte sie noch einige Male das Wiehern eines Pferdes nach.
Und schon ging es weiter. Oh, was für ein Abenteuer! Sie kamen an ein komisches Gefährt aus Holz mit Pferden davor. Der Mann deutete ihr an, ihm zu folgen. Sie kletterte hinterher. Es rumpelte, als der Wagen anfuhr. Der Mann sagte zu ihr ein Wort: "Kutsche!" Sie wiederholte es: "Khuuutschääää!" und deutete auf ihn. Er schmunzelte und schüttelte den Kopf. Zeigte dann auf den Innenraum und wiederholte das schwere Wort. Aaah - nun hatte sie verstanden! "Khuuuutschäää" war das Ding, in dem sie saß. Schließlich deutete er auf sich und sagte: "Lucien" Bei der großen Mutter, all diese schweren Worte! "Luuutschiiieeenn!" wiederholte sie und er nickte. 'Luutschieen' musste dann wohl sein Name sein.
Irgendwann war aber auch die Reise in der Kutsche zu Ende und sie fand sich an einem Ort wieder, der so grün war, wie sie es noch nie gesehen hatte. Grün! Überall grün! Auf dem Boden, an den Bäumen, sogar an den Häusern! Sie folgte ihm ein Stückchen und da standen sie nun vor einem Zaun. Auch dieser war grün. Sie stieg auf die Bank und schaute hinüber, während er an der Glocke zog. Aufgeregt deutete sie auf die Pferde, die dort standen. Niemand öffnete. "Pferde!" sagte Lucien - "Bfäääärdäää!" wiederholte die kleine Wüstenprinzessin und strahlte über das ganze Gesicht. Was für ein spannendes Abenteuer es doch war!
Er schaute sie an, machte eine kleine Handbewegung und auf einmal hatte er eine Blume in der Hand! Das war Zauberei! Aiwa! Bestimmt war er ein Zauberer, so wie ihr Papa, oder Radhiyaa, oder Yaamal. Begeistert nahm sie die Blume und auf einmal schlich sich Erkennen in ihren Blick. Dieser Mann war auch dort gewesen, als sie mit Maawiya in der großen Stadt war, wo man sie rausgeworfen hatte. Aber er schien ganz freundlich, sogar ein wenig Bedauern lag in seinem Blick, warum auch immer.
Und hinter den Pferden standen noch Kühe, so schöne dicke, gefleckte. Eine davon hatte sogar eine Laterne unter dem Bauch! Und dann am Haus stand ein Pferd, das zu schlafen schien! Was für eine wundersame Welt tat sich für das Mädchen auf. Doch ebenso wie es spannend war, begann sich nun ein nagendes Gefühl in ihrem Bauch breit zu machen. Und beinahe erleichtert nickte sie, als Lucien das Wort "Menek'ur" sagte und dazu wieder diese Trippelgeste machte. Er war nur ein Festländer, darum konnte er es nicht richtig aussprechen, aber sie nickte.
Sie nahm seine Hand und lief neben ihm her. Kaum hatten sie jedoch einige Schritte gemacht, da standen altbekannte Gestalten vor ihr: "Maawiya!" Schon stürzte sie los, in seine Arme, drückte ihn überfroh. Seinem Gesicht war anzusehen, dass auch er froh war, doch dann sah sie Radhiyaa. Und die sah richtig wütend aus! Schweigend und demütig nahm das Kind die nun folgende Standpauke entgegen. Sie wusste es ja im Grunde ihres Herzens, dass sie das nicht hätte tun dürfen, aber im Großen und Ganzen war es das wert gewesen. Die Hitze, die Radhiya ausstrahlte, erinnerte sie fern an ihren Papa, dessen Erinnerung schon langsam verblasste.
Als sie sich dann wieder Maawiya zuwandte, der sehr laut mit dem armen Lucien schimpfte - als ob der nette Kerl was dafür könne - traf sie schlussendlich ein Blick von ihm, der ihr mehr weh tat, als Radhiyaas Worte. Stumm und schweigend trottete sie danach hinter den anderen her - nicht ohne sich von Lucien gebührend verabschiedet zu haben. Die Stimmung auf der Rückreise war gedrückt, doch endlich wieder in Menek'ur angekommen, legte sich der Mißmut aller schließlich. Endlich wieder zurück in Eluives gesegnetem Land!
Und als sie schließlich in ihr Bett fiel, murmelte sie noch einmal die heute gelernten Worte leise vor sich hin: "Bfääärguuus, Bfääärdäää, Khuuutsche, Luuutschien."
Seitdem sie den jungen Mann mit den goldenen Haaren gesehen hatte, der zwar roch wie ein Abfallhaufen, den die Karawane zurück ließ, aber trotzdem nett war - seitdem freute sie sich auf das Abenteuer. Aiwa - er hatte ihr von seinem Haar zwei Strähnen geschenkt und sie hatte mit ihm richtig hart verhandelt, wie die Großen! Dachte sie jedenfalls. Die zwei Hände Sand, die der Knecht von ihr forderte schienen ihr zu wenig und das bisschen Obst auch. Also handelte sie ihn gnadenlos hoch! Zufrieden und glücklich steckte sie nach diesem Handel die beiden Strähnen ein, die er sich mit einem Brotmesser abgesäbelt hatte.
Und dann war da ja noch die Aussicht auf diese Reitschule, von der er erzählt hatte! Das würde ein Abenteuer geben!
Doch 1. kommt es anders und 2. als geplant.
Als sie an diesem Tage Maawiya traf, konnte sie es kaum glauben. Er wollte gerade aufbrechen, um sich die Reitschule anzusehen. Sie war im Begriff ihren 'Hundedackelbettelblick' aufzusetzen, um ihn zu überzeugen, dass sie heute schon mitkommen musste, als sie draussen ein Stöhnen hörten. Verärgert über diese Störung, lief sie Maawiya nach, der sogleich dem Stöhnen nachging. Nazeeya! Sie hielt ihren Bauch und stöhnte vor sich hin. Relativ mitleidslos betrachtete Ameena sie. Aiwa, sie war eine Weile gut zu ihr gewesen, doch schon seit Wochen hatte sie sie nicht gesehen. Verschwunden, verkrümelt, weg, nicht da. Genauso wie Fareed.
Wenigstens das hatte sie hier auf Menek'ur gelernt: Auf Erwachsene war kein Verlass!
Und wenn Eluive beschlossen hatte, dass ihr Sohn hier und jetzt zur Welt kam? Maktoub - so steht es geschrieben im großen Schicksalsbuch. Maawiya jedoch brachte sie hinein ins Haus und Ameena lief los, um Hilfe zu holen. Wenn jemand da war, der sich kümmern konnte, dann wurde es ja vielleicht doch noch etwas mit ihrem Ausflug. Zurückgekommen wartete sie noch eine Weile, setzte sich draussen auf die Stufen, doch als Maawiya heraus kam, konnte sie es auf seinem Gesicht lesen. Es würde heute nicht geschehen. Wut brandete in ihr hoch und der Wille, es doch zu tun - egal was das bedeuten würde.
Rasch lief sie zum Hafen, wuselte in dem geschäftigen Treiben hindurch und schlich sich auf die Fähre nach Bajard. Keiner der Wachen schien sie bemerkt zu haben. Und schon ging es los. Unsicherheit befiel sie für einen Moment, aber nun würde sie den Mut nicht sinken lassen.
In Bajard angekommen lief sie zum ersten Gebäude, das sie kannte. Das Zeichen war ähnlich wie in Menek'ur, es waren Goldstücke darauf zu erkennen, also musste das die Bank sein. Zum Glück hatte sie die Haarsträhne dabei und so betrat sie nach einigem Zögern die Bank und sprach den ersten Mann an, der vor ihr stand: "Bfääääärguuuus?" Sie hielt ihm die goldene Haarsträhne entgegen. Sie wiederholte es mehrmals, seine Worte nicht verstehend. Doch dann machte er eine tippelnde Geste mit den Fingern und sie verstand. Er fragte sie, ob er sie dorthin bringen solle und sie nickte. Zur Sicherheit ahmte sie noch einige Male das Wiehern eines Pferdes nach.
Und schon ging es weiter. Oh, was für ein Abenteuer! Sie kamen an ein komisches Gefährt aus Holz mit Pferden davor. Der Mann deutete ihr an, ihm zu folgen. Sie kletterte hinterher. Es rumpelte, als der Wagen anfuhr. Der Mann sagte zu ihr ein Wort: "Kutsche!" Sie wiederholte es: "Khuuutschääää!" und deutete auf ihn. Er schmunzelte und schüttelte den Kopf. Zeigte dann auf den Innenraum und wiederholte das schwere Wort. Aaah - nun hatte sie verstanden! "Khuuuutschäää" war das Ding, in dem sie saß. Schließlich deutete er auf sich und sagte: "Lucien" Bei der großen Mutter, all diese schweren Worte! "Luuutschiiieeenn!" wiederholte sie und er nickte. 'Luutschieen' musste dann wohl sein Name sein.
Irgendwann war aber auch die Reise in der Kutsche zu Ende und sie fand sich an einem Ort wieder, der so grün war, wie sie es noch nie gesehen hatte. Grün! Überall grün! Auf dem Boden, an den Bäumen, sogar an den Häusern! Sie folgte ihm ein Stückchen und da standen sie nun vor einem Zaun. Auch dieser war grün. Sie stieg auf die Bank und schaute hinüber, während er an der Glocke zog. Aufgeregt deutete sie auf die Pferde, die dort standen. Niemand öffnete. "Pferde!" sagte Lucien - "Bfäääärdäää!" wiederholte die kleine Wüstenprinzessin und strahlte über das ganze Gesicht. Was für ein spannendes Abenteuer es doch war!
Er schaute sie an, machte eine kleine Handbewegung und auf einmal hatte er eine Blume in der Hand! Das war Zauberei! Aiwa! Bestimmt war er ein Zauberer, so wie ihr Papa, oder Radhiyaa, oder Yaamal. Begeistert nahm sie die Blume und auf einmal schlich sich Erkennen in ihren Blick. Dieser Mann war auch dort gewesen, als sie mit Maawiya in der großen Stadt war, wo man sie rausgeworfen hatte. Aber er schien ganz freundlich, sogar ein wenig Bedauern lag in seinem Blick, warum auch immer.
Und hinter den Pferden standen noch Kühe, so schöne dicke, gefleckte. Eine davon hatte sogar eine Laterne unter dem Bauch! Und dann am Haus stand ein Pferd, das zu schlafen schien! Was für eine wundersame Welt tat sich für das Mädchen auf. Doch ebenso wie es spannend war, begann sich nun ein nagendes Gefühl in ihrem Bauch breit zu machen. Und beinahe erleichtert nickte sie, als Lucien das Wort "Menek'ur" sagte und dazu wieder diese Trippelgeste machte. Er war nur ein Festländer, darum konnte er es nicht richtig aussprechen, aber sie nickte.
Sie nahm seine Hand und lief neben ihm her. Kaum hatten sie jedoch einige Schritte gemacht, da standen altbekannte Gestalten vor ihr: "Maawiya!" Schon stürzte sie los, in seine Arme, drückte ihn überfroh. Seinem Gesicht war anzusehen, dass auch er froh war, doch dann sah sie Radhiyaa. Und die sah richtig wütend aus! Schweigend und demütig nahm das Kind die nun folgende Standpauke entgegen. Sie wusste es ja im Grunde ihres Herzens, dass sie das nicht hätte tun dürfen, aber im Großen und Ganzen war es das wert gewesen. Die Hitze, die Radhiya ausstrahlte, erinnerte sie fern an ihren Papa, dessen Erinnerung schon langsam verblasste.
Als sie sich dann wieder Maawiya zuwandte, der sehr laut mit dem armen Lucien schimpfte - als ob der nette Kerl was dafür könne - traf sie schlussendlich ein Blick von ihm, der ihr mehr weh tat, als Radhiyaas Worte. Stumm und schweigend trottete sie danach hinter den anderen her - nicht ohne sich von Lucien gebührend verabschiedet zu haben. Die Stimmung auf der Rückreise war gedrückt, doch endlich wieder in Menek'ur angekommen, legte sich der Mißmut aller schließlich. Endlich wieder zurück in Eluives gesegnetem Land!
Und als sie schließlich in ihr Bett fiel, murmelte sie noch einmal die heute gelernten Worte leise vor sich hin: "Bfääärguuus, Bfääärdäää, Khuuutsche, Luuutschien."