der Panther wetzt seine Krallen

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Faolan Tianarch

der Panther wetzt seine Krallen

Beitrag von Faolan Tianarch »

Nur die Silhouette seines Körpers war in der stürmischen Nacht am Bug des kleinen Schiffes zu sehen, welches ihn in seine neue Heimat bringen sollte. Wind und Gischt peitschen in sein Gesicht und ließen den Umhang wild umher tanzen, ohne ihm eine Regung ab zu zwingen. Sein Blick war geradeaus gerichtet, stolz und unbeugsam, dorthin wo ihn seine neue Aufgabe erwartete die er von Ihm erhalten hatte. Lange war es her dass der Sieg über die einstige Reichsstadt gefeiert wurde, zu lange. Verbrannte Erde war der Geruch den er gewohnt war und der ihm folgte wie ein Schatten auf seinem Weg. Vielleicht war er deshalb geschickt worden zu vollenden was vor langer Zeit begonnen hatte doch nie zu Ende gebracht wurde. Sieg oder Niederlage durch Tod, es würde keine Alternative geben. So hatte er es von klein auf gelernt und so würde er auch den Posten ausfüllen der ihm zugedacht war. Er wusste nicht was ihn in der fremden Stadt erwarten würde, gehört hatte er bereits von ihr, mehr aber auch nicht. Sein Leben bestand außerhalb Gerimors, bis zu jenem Tag in dem er von seiner Berufung als Alka erfahren hatte. Alka! Wieso er? Er hatte sich oft diese Frage gestellt, doch er würde an seinem Willen nicht zweifeln und ihn schon gar nicht in Frage stellen. Es war nur nicht das was er gewohnt zu tun war, als sein ergebener Untertan, als Soldat. Seine Diplomatie war bislang die des Schwertes und weniger der Worte. Es war etwas anderes eine Truppe, die unterstellt wurde, zusammen zu halten und zum Sieg zu führen als eine Stadt, ein Reich voller Neid und Misstrauen zu regieren. Er durfte nicht scheitern…


Die Fahrt dauerte nicht lang, doch lang genug das er mit dem einen oder anderen an Bord sprechen konnte um mehr über das Land zu erfahren. Leider kannten die meisten der Matrosen eine Taverne die sie ‚feuchte Meerjungfrau‘ nannten besser als das was er wissen wollte. Würde er es darauf an kommen lassen, sich blind und ohne weiteres Wissen in seine Aufgabe zu stürzen, auch auf die Gefahr hin nur das zu erfahren was er erfahren sollte, oder sollte er einen anderen Weg vorziehen? Lange dachte er über diese eine Frage nach, bis endlich das Schiff anlegte und er von Bord gehen konnte.


Schon die Wachen im Hafen beäugten ihn skeptisch, stellten unangebrachte Fragen. Haltung und Gesichtszüge legten nahe dass er Soldat war. Im Widerspruch dazu stand seine Kleidung, die ihn durchaus als Edelmann oder gut betuchten Händler durchgehen ließ. Und genauso sollte es auch sein, vorerst. Es kostete wenig Mühe ihnen zu erklären dass er Soldat gewesen war, Offizier, und nun Urlaub machen wollte. Vielleicht würde er ein paar Geschäfte tätigen, oder wollte nur einen Platz finden wo er sich heimisch fühlten konnte, um sich eines Tages nieder zu lassen. Die Hafenwachen waren schnell zufrieden gestellt, ließen ihn passieren, gingen weiter ihren Tätigkeiten nach.


Die erste Nacht verlief anders als erwartet. Er hatte schnell eine Taverne gefunden als er durch die menschenleeren Straßen ging, und sich dort eingemietet. Als er so noch im Garten saß um sich vor dem Schlafen einen Wein zu gönnen trat eine Gauklerin, zumindest gab sie sich als solche aus, zu ihm und sah sich ängstlich um. Vielleicht war es ein Zeichen. Er bat sie an den Tisch um mehr zu erfahren. Es dauerte auch einen kleinen Augenblick bis sie genug Vertrauen fasste um ihm zu erzählen vor was sie Angst hatte. Die Stadt sei düster. Na sicher war sie das, doch konnte er wohl kaum mit blauer oder weißer Farbe die Häuser an streichen nur damit sie sich wohl fühlen würde. Nein es waren nicht die Farben. Sie erzählte von den strengen Gesetzen und das wenn man nicht die Gebetsverse kannte man ausgepeitscht wurde. Seine Skepsis wuchs. Konnte es sein das diese Stadt so anders war als das, was er sie sich vorgestellt hatte? Wieso wurden solche Texte den Unwissenden nicht gelehrt? War es nicht das was die Aufgabe seiner Dienerschaft war? War es vielleicht nur dummes Gerede? Zumindest war es Grund genug seine Maskerade noch ein wenig aufrecht zu erhalten um zu erfahren was er wissen wollte, und nicht das was er als Alka erfahren sollte.


So verstrichen die ersten Abende damit sich weiterhin den leeren Straßen zu widmen. Ab und wann traf er einen Bewohner doch alle klagten über dasselbe Leid. Nach und nach schien er zu verstehen was das Problem war, und wo er vielleicht ansetzen musste. Düstersee war abgespalten, die Konflikte innerhalb der Stadt waren intensiver als erhofft, und der Feind den es zu schlagen galt, war scheinbar vergessen. Vielleicht nicht vergessen, doch schienen interne Streitigkeiten alles zu hemmen wofür er eigentlich gekommen war.


„Hier ist die Grenze wo sein Einfluss schwindet,“ sprach die junge Frau die ihn aus Bajard zurück begleitete als sie an die Grenzsteine traten. „Nein,“ antwortete er ruhig und ohne Zorn. Vor ein paar Wochen hätte er noch jedem der so etwas zu sagen wagte den Kopf abgeschlagen. Doch die Zeit war noch nicht reif. Sein Zorn sollte auf die treffen, die hinter dieser Grenze warteten. "Hier ist die Grenze an der ihr Einfluss zunimmt, nicht der seine schwindet, und das ist unsere Schuld. Wir sind es die den Kampf vergessen haben zu führen für den wir geschaffen wurden. Wir sind es die versagt haben, doch auch das wird sich wieder ändern." Für einen Moment strahlte sie, als wären das die Worte auf die sie so lange gewartet hatte. Nicht nur sie war es dem seine Worte, auch wenn er ein Fremder war, Zuspruch gab. Es schien als würde eine Last von vielen fallen die er in den nächsten Tagen traf und mit denen er redete. Die Zeit schien gekommen, die Maskerade fallen zu lassen, und das anzutreten für das er gekommen war. Den Kampf gegen Temora und all jenen anderen, die sich seiner endgültigen Herrschaft in den Weg stellten, neben einer weiteren Kleinigkeit, die ihm noch aufgetragen wurde.


Sein Weg führte ihn in den Tempel an diesem letzten Abend, doch war außer den Tempelwachen niemand zugegen. Das er seine ‚Bitte‘ nicht vorbringen konnte war nun nebensächlich geworden. Er würde dafür sorgen, dass sie am letzten Tag der Woche einen Gottesdienst halten solle. Vielleicht war das dann der geeignete Moment.

Der geeignete Moment für den Beginn einer neuen Ära in Rahal.
Zuletzt geändert von Faolan Tianarch am Samstag 12. Februar 2011, 15:39, insgesamt 1-mal geändert.
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