"Aalim, Yaamal, Jaabar, Wahid!" laut schallten ihre Rufe nach einer Weile durch das ganze Haus. Tief seufzend verdrehte Haniya die Augen. Immer, wenn man einmal jemanden brauchte, war das Haus leer. Dabei mussten sie dieses Mal nicht vor irgendwelchen Arbeiten zu fliehen, die Haniya sonst gerne einmal verteilte. Keine Stoffballen, Flachsbündel oder große, schwere Teppiche sollten herum getragen werden.
Einen Brief an den Erhabenen, einen zum Tempel und einen...ja, an wen denn noch? den Hauptmann, ja den Statthalter..., grübelnd rieb sie sich die rechte Schläfe und erneut ging sie unschlüssig auf und ab. Was sollte sie da überhaupt schreiben. Sie wusste ja nicht, wie weit die Nachforschungen wegen der Muscheln und den Meereswesen gediehen waren. Sie konnte sich ganz entsetzlich in die Nesseln setzen, wenn sie jetzt so wichtig tat, und man aber bereits alles wusste. Aber alles was Savea zu berichten wusste, musste ja an die entsprechenden Stellen weiter getragen werden, zudem hatte sie ihr Wort gegeben. Wieso musste Savea auch ausgerechnet ihr, einer einfachen Teppichweberin begegnen, hätte es nicht auch einer der Gelehrten sein können?
Wo waren die ganzen klatschenden Frauen, wenn man sie einmal brauchte. Man musste zwar mindestens die Hälfte von ihrem 'Wissen' abziehen, aber ein Körnchen Wahrheit steckte meistens doch darin.
Einmal ganz tief durchatmend, fasste sie sich dann ein Herz. Der wichtigste Brief war der an den Erhabenen. Sorgsam musste sie da ihre Worte wählen und nicht wie sonst so reden, wie es ihr gerade in den Sinn kam. " Augen zu und durch, Haniya..." redete sie sich selbst gut zu. "Findest du dich in der Schlangengrube wieder, dann weißt du, das irgendetwas nicht richtig war."
Mit schnellen Schritten sauste sie in Jaabars Arbeitszimmer und kramte das beste Papier heraus, das sie finden konnte, setzte sich an den Schreibtisch und begann die Briefe zu verfassen. Als sie fertig war, drückte sie einem jedem Schreiben noch das Siegel der Ifreys auf.
Einen kurzen Moment war sie unschlüssig, den Brief an den Emir noch einmal in den Händen hin und her drehend, gab sich dann aber doch einen Ruck und schickte den Boten mit den Briefen und eindringlichen Worten, sich unbedingt zu beeilen und zu aller erst zum Palast zu gehen, los.
Salam, mein ehrenwerter Emir
Es wird Dich verwundern, das Du von mir einen Brief erhälst, aber ich traf heute in unserer Stadt auf das Fräulein Savea, eine Angestellte des Hauses von Hohenfels, die sich darüber erkundigen wollte, ob diese Muscheln, wie auf dem Festland auch auf unserer Insel, aufzufinden sind und ob das menekanische Volk schon zu Erkenntnissen gelangt sei. Alles, was ich Ihr sicher beantworten konnte, war, das diese Muscheln auch an den Küsten unserer sonnigen Insel liegen. Da wir im Tempel und in der Akademie niemanden antreffen konnten, habe ich sie in mein Haus eingeladen und das Fräulein berichtete mir alles, was man auf dem Festland schon heraus gefunden hat.
Ich habe mein Wort gegeben, das ich alles weiter gebe, was sie mir erzählt hat. So bitte ich darum, den Palast aufsuchen zu dürfen, um dir, mein weiser Emir, von allem Bericht zu erstatten. Aus diesem Grunde bitte ich um eine Audienz im Palast. Ebenso bat sie mich darum, dem Tempel , dem Sekban und der Akademie einen Bericht zukommen zu lassen.
Möge Eluive deine Wege immer beschützen
Ähnlich geartete Briefe mit einer Bitte um ein Treffen erreichen den Tempel und den Sekban Fareed Sihab Masari. Im Hause Ifrey liegt ein Schreiben mitten und gut sichtbar auf dem Tisch, das sie mit den Cousins unbedingt sprechen müsse.