Etappe 11: Hallo Schicksal? Ich würd gern zahlen..!
Langsam lies er das Rasiermesser seine linke Wange herab gleiten. Irgendwie war es schon komisch: Wenn er sich auch nur eine Woche nichts rasierte, so wuchs ihm in der vergleichsweise geringen Zeit ein durchaus stattlicher Bart, aber an den Wangen hatte er so gut wie keinen Bartwuchs. Er schüttelte diesen Gedankengang dann ab und besann sich wieder darauf, die Arbeit mit dem Rasiermesser zu vollenden. Doch auch das war nicht ganz so einfach, denn nach einem Wutanfall einer gewissen Person hatte dieser mehre von diesen lustigen, kleinen Rissen, die aussehen, als wären sie Spinnweben. Ja, es wäre mal an der Zeit den Spiegel auszutauschen. Generell wäre es an der Zeit in seinem Leben ein paar Dinge auszutauschen….. Der Gedanke kam ihm schon öfter, und während er nun nach vollendetet Arbeit das Rasiermesser mit einem Bad im heißen Wasser belohnte, machte er sich schon einmal daran in Gedanken eine Liste zu erstellen.
Die Wochen gingen ins Land und mit ihnen, wie sollte es auch anders sein, die Monate. Wenn man jeden Tag einzeln betrachten würd, so würde man am Ende jeden Tages sagen „Es ist nichts neues passiert!“ . Doch sieht man die Wochen und Monate in einem großen Rückblick, so hat sich doch wieder einiges getan. Die Herberge blühte auf, die ersten Stammgäste kamen zum allabendlichen Umtrunk und auch die Zimmer waren beinahe alle vermietet. Mit den neuen Gästen kamen auch einige neue Menschen in Rogans Leben, und das Zusammenleben mit einigen altbekannten änderte sich. Auf und ab, wie irgendwie immer.
Nachdem Talana sich eingelebt hatte, lies er ihr alle erdenklichen Freiheiten, immerhin war sie kein Kind mehr. Und dennoch verhielt sie sich des Öfteren wie eines. Kopfschüttelnd nahm er hin dass sie als Strafe für mehrere, sie nannte es stets „Streiche“, über Wochen die Ställe in Berchgard ausmisten musste. Nach ihrem neuerlichen Vergehen hatte er keine Lust mehr dabei zuzusehen wie sie alle paar Wochen von bewaffneten Männern abgeholt wurde, und so empfahl er Rafael eine ganz besondere Strafe zu erteilen. Als er diese dann auch prompt offiziell verkündete, konnte Rogan sich ein Grinsen nicht verkneifen, aber irgendwie hatte er die Hoffnung, dass sie sie es nun endlich begreifen würde….
Aber immerhin war sie regelmäßig da um in der Herberge zu helfen, und Hilfe konnte er sehr gut gebrauchen. Das war wohl auch der Grund warum er direkt Neyla nach ein paar Besuchen in der Herberge überredete, ebenfalls dort zu arbeiten. Diese Frau war einfach ein Geschenk des Himmels. Sie war beinahe jeden Abend da, ihr war nichts zu viel und ihre Motivation war beinahe unerschöpflich. Durch die gemeinsame Arbeit entwickelte sich gleichzeitig eine wunderbare Freundschaft und Rogan freute sich immer sie zu sehen, auch mit der ständigen Eifersucht ihres Freundes lernte er nach einiger Zeit umzugehen. Lucien war im Grunde ein nettes Kerlchen, und auch mit ihm entwickelte sich eine Freundschaft, zumindest nachdem er nicht mehr gleich ein Kalb gebar wenn er sah das Rogan und Neyla sich alleine unterhielten. Außerdem war Lucien recht unkompliziert, und so hatten die beiden schon mehr als eine Nacht zusammen durchgezecht.
Doch in letzter Zeit schien irgendwas einfach nicht zu stimmen. Neyla zog sich immer mehr zurück, brummelte nur noch vor sich hin, fing mit allen möglichen Leuten Streit an, und nach seinem letzten Gespräch mit ihr hätte Rogan ihr am liebsten die Gurgel herum gedreht…und natürlich färbte ihre Laune auch auf Lucien ab, das war Zwangsläufig. Doch da keiner von beiden mit ihm darüber reden wollte, so konnte er im Moment nichts anderes tun als ihre Launen so hinzunehmen. Die Stimmung würde sich in Zukunft bestimmt wieder ändern….hoffentlich…..und Rogan konnte Worte, welche von Freunden im Streit gesagt wurden, auch schnell wieder vergessen.
Nicht vergessen hingegen konnte er einen bestimmten Satz : „Ich werde das mit Raindri besprechen müssen!“ Alles was Rogan dazu einfiel war : Huh ? Das war eine Sache die ihn in der Tat komplett verwirrte. Womit er nämlich gar nicht umgehen konnte waren Aussagen, welche ständig nur in Rätsel verpackt wurden. Und dann gerade noch Raindri, der sprach stets noch viel viel rätselhafter.
Da waren ihm die direkten Worte, und vor allem Taten, von Chandra doch gleich viel lieber, wenn auch um einiges schmerzhafter. Der Bluterguss nach ihrem Tritt gegen sein Schienbein schien nie abschwellen zu wollen, und er fragte sich des Öfteren wie jemand der noch so jung ist schon so frustriert und brummelig sein konnte. Jedes mal wenn jemand nicht ihrer Meinung war, würde sie am liebsten mit einer Bratpfanne auf diese Person losgehen. Als sie eines Abends mal wieder aus der Herberge lief, weil ihr einer der Aussagen einer der Anwesenden Personen nicht passte, sagte ein Gast zu ihm dass diese Frau „Temperament“ hätte. Er selbst würde das ja eher „Konfliktpotential“ nennen, aber all das Nachdenken brachte ja nichts, also musste er, und auch die anderen, sie eben so akzeptieren wie sie war. Immerhin konnte sie manchmal, wenn auch nicht oft, ganz anders sein.
Aber alles in allem war Rogan sehr zufrieden mit der Entwicklung in den letzten Wochen, seine Laune war in der Regel gut und abends ging er meistens mit einem Lächeln in sein leeres Bett. Und Lächeln war auch das erste was er tat, wenn Karawyn daher kam. Es war anscheinend ein Talent von ihr sämtliche Menschen in ihrem Umkreis die Sorgen vergessen zu lassen und einfach zu Lächeln, zumindest hatte Rogan das auch bei anderen beobachtet. Mit ihren 17 Jahren war sie auf einer Seite manchmal noch lebensfremd, auf der anderen Seite stand sie jedoch auch mit beiden Beinen fest im Leben, was nicht zuletzt auch an ihrem Beruf lag, denn andauernd wurden ihre Dienste von allem möglichen Leuten in Anspruch genommen. Umso mehr freute es ihn als gestern Abend in die Herberge spaziert kam um ihm sein bestelltes Päckchen zu bringen. Und so kam es dann auch das die beiden einige Stunden gemeinsam mit Gesprächen verbrachten. Auch der kurze „Zwischenfall“ mit der verwirrten Frau und ihrem lispelndem Freund konnte die Stimmung nicht trüben.
Nachdem er nun endlich mit dem anziehen fertig war, „wuschelte“ er seine Haare in die altbekannte Frisur zurecht. Doch was war das…? Das durfte doch nicht wahr sein! Rogan beugte sich weiter in Richtung des Spinnenwebenspiegels und hob die linke Hand an. Sorgfältig klemmte er das Objekt seines Unglaubens zwischen Daumen und Zeigefinger, und ein kurzes ziehen später hielt er den Bösewicht in der Hand. Es war tatsächlich ein graues Haar! „Tja Rogan, heute ist wohl der erste Tag vom Rest deines Lebens!“, meinte er mit einem abfälligen Tonfall zu sich selbst. Er betrachtete sich das Haar in seiner linken Hand noch einige Momente, ganz so, als könnte er dieses Haar durch seine Blicke wieder schwarz färben….Aber es half alles nicht….So spreizte er dann einfach den Daumen und Zeigefinger und lies das Haar in die Waschschüssel fallen. Erst einen Moment später lies er dann die Hand sinken. Dabei viel sein Blick wie durch Zufall auf seinen Ringfinger. Der Abdruck, welcher sein Verlobungsring damals an jenem Finger hinterlassen hatte, war inzwischen vollkommen verblasst und war nicht mehr zu sehen. Rogan drehte sich um und nahm seinen Mantel von der Kommode. In aller Ruhe zog er ihn an und ging die Stufen hinauf in die Herberge. Ein ganz besonderes Abendessen musste vorbereitet werden, und Ideen hatte er schon jede Menge. Das würde heute ein langer Tag werden, aber wenn er den Großteil heute schon erledigen konnte, so könnte das überraschende Essen bereits am Ende der Woche statt finden. Aber bis dahin müsste jeder Punkt penibel genau vorbereitet werden, immerhin sollte es etwas ganz besonderes werden….
Stationen eines Werdegangs......
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Rogan Virr
Etappe 12: Alle für einen, aber den „Einen“ für alle….?
Rogan saß auf dem verkümmerten Schößling, die Beine über Kreuz, und starrte nun schon seit einer geschlagenen Stunde den Schnee an. In ihm fochten Hoffnung und Resignation einen unerbitterlichen Krieg aus. Und er würde wohl so ausgehen, wie er es seit nunmehr einigen Tagen beinahe immer ausging: Die Resignation gewann die Oberhand, und die Hoffnung zog sich zurück und beteuerte, dass sie zwar die Schlacht, aber noch lange nicht den Krieg verloren hatte. Da knackte es im Geäst hinter ihm. Schnell dreht er den Kopf, und auf seinen Lippen bildete sich schnell ein hoffnungsvolles Lächeln. Doch alles, was er so, war ein Schneeweises Kaninchen…Knurrend nahm er einen Stock in die Hand und warf es nach dem Tier. Dann drehte er den Kopf wieder nach vorne, und starrte in die Stelle im Schnee, welche er schon vor Tagen zu seiner Lieblingsstelle erkoren hatte….sie war weiss….
Zuckerbrot und Peitsche, das waren die Dinge, welche ihn seltsamerweise schon seit dem Kindesalter zu verfolgen schienen. Dabei gab es auf den ersten Blick gar keinen Grund sich zu beschweren: Die Herberge blühte immer mehr auf, Tag für Tag kamen neue, aber vor allem immer mehr Gäste. Sämtliche Zimmer waren auf unbestimmte Zeit vermietet und auch ein neuer Lieferant für die Aufstockung der Vorräte war gefunden. Ha! Man muss es eben nur wollen ! Auch eines seiner größten Probleme hatte sich gelöst, denn er hatte endlich jemanden für die Taverne einstellen können. Nach vielen Gesprächen mit anderen Bewerbern dachte Rogan schon, eher würdem ihm die Haare ausfallen, bis jemand kam der geeignet war. Doch Sarah Liia erwies sich als wahrer Segen. Gut, sie war anfangs noch sehr verschlossen und scheu, aber nach und nach blühte sie auf. Vor allem aber was sie hübsch, geschickt und nicht auf den Kopf gefallen…für Rogan genau das, was er für die Herberge gesucht hatte.
Beinahe beiläufig wurde ihm dann auch noch gesagt das Neyla und Lucien ein Kind erwarten! Aber irgendwie hatte er das Gefühl, dass er selbst sich mehr über den Nachwuchs freuen würde, als die beiden, die ihn gezeugt hatten. So wurde er mit Beschimpfungen überhäuft als er Lucien eine Stunde, nachdem er von der Schwangerschaft erfahren hatte, ein Schaukelpferd schenkte. Ja, natürlich, keiner konnte wissen ob das Kind ein Junge oder ein Mädchen werden würde, aber ein Schaukelpferd ist doch für beides geeignet…
Dann war da noch seine Schwester. Sie hatte das Talent seine Ilussionen zu zerstören, denn immer dann, wenn er davon ausging das sie nichts schlimmeres mehr anstellen könnte, kamen ein wütender Cedric und ein verbitterter Rafael in die Herberge. Beim letzten Vorfall sogar beide zusammen… Aber Rogan lies sich ja gerne überraschen, und so war er in der Tat überrascht als man ihm ausrichten lies, dass Talana brav und artig ihrer Strafarbeit nachging, und auch ohne zu murren den Kochunterricht bei Rahel wahr nahm. Sollte sie doch eines Tages mal vernünftig werden….?
Und dann war da noch Cara…wer hätte gedacht, dass aus einem Abend, den man um sich ein wenig abzulenken, in einer Taverne verbrachte, so etwas entwickeln würde. Es folgten mehrere kleine, beinahe zufällige Begegnungen….Gespräche…Erlebnisse…und dann der Abend, als sie in die Herberge kam, von Erschöpfung gebeutelt…und es war auch dieser Abend, nach welchem es um Rogan geschehen war…und die folgenden beiden Wochen waren wunderschön. Cara verstand es perfekt ihn auf der einen Seite zu verzaubern und auf der anderen Seite ihm die Zähne zu zeigen, und er genoss jede einzelne Minute mit ihr genauso, wie er sie jede Minute, in der er sie nicht sah, vermisste. Aber es liegt in der Natur des Menschen, dass immer etwas geschah wenn man meinte die Sonne scheint einem tagein und tagaus ins Gesicht…
Zum einen begab es sich das Neyla ihr Kind verlor. Gleichzeitig hatten sie und Lucien sich getrennt..und mit ihm und dem gemeinsamen Kind ging wohl auch ihr Lebensmut…So hatte Rogan sie noch nie gesehen, und so wollte er sie auch nie sehen. Ja, sie erholte sich langsam von der Fehlgeburt, und auch wenn er ihr ständig beteuerte, das alles wieder gut werden würde, so wußte er, dass dem nicht so war. Aber sie war seine beste Freundin, also würde er sich um sie kümmern, er würde sie nicht im Stich lassen…Und er würde dafür sorgen das sie die nächste Zeit die Herberge nicht verlassen würde. Er schuldete ihr viel, und nun hatte er die Möglichkeit einen Teil der Schuld zu begleichen…
Ebenso überrascht als Cara ihm erzählte aus welchem Hause sie stammt. Diese Tatsache alleine bereitete ihm keinerlei Kopfschmerzen oder gar Sorgen. Er war schon immer der Meinung gewesen, dass es für jedes Problem eine Lösung geben würde, und so würde er auch für dieses eines finden. Doch spätetestens als er an diesem einen Morgen ihrem Onkel begegnete, wußte er, das es diesmal alles andere als leicht werden würde. Er war von dieser Begegnung doch recht überrascht gewesen, und es war Cara, welche die Situation gerettet hatte. Das ihr Onkel von nun an davon ausging das er Händler war. Mit einem inneren Grinsen nahm er hin das ihm aufgetragen wurde mit Cara nach Menekur zu reisen, um sie dort dann in die Kunst des verhandelns einzuweisen. Und als Rogan dann gleich drei Tage später die bestellten Prunkrüstungen an ihren Onkel lieferte, wuchs wieder seine Zuversicht, auch dieses Problem meistern zu können, wurde er doch sogar von ihm zu einem Mahl eingeladen. Sie sahen sich oft, beinahe täglich, und von Tag zu Tag verzauberte sie ihn mehr…Und es begab sich, dass er nach und nach mehr Mitglieder von ihrer Familie kennenlernte. Natürlich war ihm bewußt das von ihnen niemand wissen durfte, was zwischen ihm und Cara war, aber ihm war ebenso bewußt das man dies nicht auf Dauer verheimlichen konnte…Zumal er den Verdacht hatte, das Cara´s Cousine die beiden schon durchschaut hatte. Aylia hatte zwar nie etwas zu ihm gesagt, aber manchmal drücken Gesten mehr aus als Worte, und vielleicht bildete Rogan es sich auch nur ein, aber er glaubte einen Hauch von Verständnis in ihren Augen zu erkennen…
Als eines Abends dann ein Großteil von Cara´s Familie in der Herberge auftauchte um zu Speisen, war Rogan mehr als überrascht. Natürlich versuchte er sich nichts anmerken zu lassen, doch konnte er es nicht verhindern ab und an verstohlene Blicke mit Cara zu wechseln. Innerlich quälte es ihn, dass er nicht einfach zu ihr gehen konnte, ihr einen Kuss auf die Lippen hauchen konnte…Diese Qual war mehr, als er auf Dauer ertragen konnte….und so war es an diesem Abend, als Rogan bei einem Schluck Wein auf der Dachterasse saß, als er seinen Entschluss fasste: Er würde mit ihrem Onkel reden, er würde ihm alles erzählen…Er würde ihm schon nicht den Kopf abschlagen…..oder…? Vielleicht hätte er sogar Verständnis….oder…? Schlimmer konnte es ja nicht werden....oder…? Zumindest war der Zeitpunkt günstig, denn Rogan wusste das Cara am nächsten Abend mit ihrer Arbeit beschäftigt war. Er wollte und er konnte sie nicht in seinen Plan einweihen, sie würde versuchen es ihm auszureden. Aber manchmal muss ein Mann eben tun, was er tun muss…
Nach einer nahezu schlaflosen Nacht erledigte er sein Tagewerk, ehe er sich dann auf den Weg machte. An der großen Tür aus Massiveiche angekommen atmete er einmal tief durch, ehe seine Faust drei mal dagegen klopfte. Man könnte es Erleichterung nennen, was sich in ihm ausbreitete, als Aylia ihm mit einem Lächeln auf den Lippen die Türe öffnete. Einen Moment später stand er auch schon im Vorraum, doch dauerte es nur wenige Blicke bis er schwere Schritte auf der Treppe vernahm. Gut, er war also doch da…aber wegen ihm war Rogan ja auch eigentlich gekommen. Doch zwischen Tür und Angel wollte er diese Angelegenheit sicherlich nicht besprechen, also lies Rogan sich einen fadenscheinigen Grund für sein Kommen einfallen. Zumindest ein kleines Stück seines Plans konnte er abhaken, denn er wurde erneut in den Speisesaal geführt und gebeten Platz zu nehmen. Als Cara´s Onkel ihn dort fragte, was denn der eigentliche Grund seines Kommens wäre, lies Rogan einen Moment lang den Blick über jenen Mann schweifen, wie er dort in voller Rüstung und ausdrucksloser Miene in dem Thronsessel saß. Rogan schürzte einmal die Lippen, und kam dann ohne große Umschweife zum Punkt. Als der Mann ihm gegenüber ungläubig ansah, und ihn dann nochmals fragte ob dies sein Ernst wäre, versicherte er ihm mit Nachdruck, dass er es toternst meinte…Als der Mann daraufhin seine gepanzerte Faust auf den Tisch donnerte, befürchtete Rogan im ersten Moment, dieser würde bersten. Als eben jene Hand dann zum Schwertknauf wanderte, während die Raue Stimme Rogan aufforderte das Haus zu verlassen und nie wieder zu kommen, versuchte er dennoch Haltung zu bewahren…Natürlich ging er….was hätte er auch sonst tun sollen…Wieder war es Aylia die ihn zur Türe geleitete. Und wieder meinte er in ihren Augen Verständniss für ihn…und vor allem für Cara zu sehen…
Er ging langsam zurück zur Herberge…wo sollte er auch sonst hin? Dutzende von Gedanken strömten durch seinen Kopf. Das Gespräch war geführt, die Katze aus dem Sack…und die Konsequenzen, die hätten ihm eigentlich klar sein müssen… In Gedanken versunken stolperte er beim Laufen beinahe über Cara…Er musste es ihr sagen…er konnte sie nicht ins offene Messer laufen lassen….Und nachdem er ihr alles gesagt hatte….und ihren Blick sah…wäre er am liebsten gestorben…Doch anstatt ihm eine Ohrfeige zu verpassen, ihm die Augen auszkratzen, oder zu beschimpfen…begab sie sich in seine Arme…er hatte das Gefühl, dass sie ihm sein Tun, so töricht es auch gewesen sein mag, doch hoch anrechnete…
Er hätte es sich eigentlich denken können, wie die Reaktion ihres Onkels aussehen würde. Natürlich verbot er ihr sich mit Rogan alleine zu treffen, und natürlich gab er ihr zu verstehen, dass sollten sie sich wieder alleine sehen, Rogan um seinen Kopf fürchten müsste. Und so wurden die folgenden Tage für Rogan unerträglich. Schlaf fand er stets nur wenige Stunden, wenn die natürliche Erschöpfung ihn übermannte, und er zermaterte sich das Hirn. Und so machte er sich daran einen Brief an einen alten Bekannten zu schicken. Wenn es daran scheitern sollte, das Rogan an nichts „glaubte“, dann liese sich das ändern! Und „er“ war derjenige, der ihm, zumindest für den Anfang, helfen könnte…
Rogan atmete erleichtert auf als er die Taverne betrat und die Person bereits auf ihn wartete. Und ohne Umschweife kam Rogan auf den Punkt. Der Mann dachte zuerst Rogan wolle ihn auf den Arm nahmen, doch war es wohl der Tonfall seiner Worte, welcher sein Gegenüber überzeugte wie ernst es ihm war. Zwar brachte das Gespräch nicht die Lösung, welche er sich erhofft hatte, aber zumindest konnte sein Bekannter ihm weiterhelfen, und weitere Maßnahmen wurden eingeleitet. Gut, der Grundstein wurde gelegt, es ging also voran. Ebenso hatte Rogan sich angewöhnt nicht mehr den Gruß aus seiner Heimat zu verwenden, ein weiterer, kleiner Schritt in die richtige Richtung….So ging er dann wieder nach Hause…er würde wie besprochen einen Tag warten, und dem Mann dann einen erneuten Brief zukommen lassen…In der Zeit würde er in dem Buch über „den Einen“ stöbern, welches er für ein kleines Vermögen von einem dubiosen Händler erstanden hatte…..
Er würde kämpfen….und am Ende….würde er bekommen was er wollte…
„Psssst…!“, ertönte es auf einmal hinter ihm. Er drehte den Kopf und eine komplett vermummte Gestalt stand auf einmal dort hinter ihm. Er presste kurz die Lippen zusammen, dann murmelte er : „Cara…..?“ Sie verdrehte die Augen ehe sie leise zischelte :“Nein, Karina….!“ Da war es wieder! Rogan grinste auf und erhob sich. Er drehte sich zu ihr um, nahm ihre Hand, und führte sie etwas mehr abseites des Weges. Sie war gekommen……Er würde jede Sekunde ihres Treffens genießen…Es waren diese wenigen, verstohlenen Stunden, die ihm die Kraft gaben weiter zu machen…es war um ihn geschehen….er hatte sich in dieser Frau verloren….
Rogan saß auf dem verkümmerten Schößling, die Beine über Kreuz, und starrte nun schon seit einer geschlagenen Stunde den Schnee an. In ihm fochten Hoffnung und Resignation einen unerbitterlichen Krieg aus. Und er würde wohl so ausgehen, wie er es seit nunmehr einigen Tagen beinahe immer ausging: Die Resignation gewann die Oberhand, und die Hoffnung zog sich zurück und beteuerte, dass sie zwar die Schlacht, aber noch lange nicht den Krieg verloren hatte. Da knackte es im Geäst hinter ihm. Schnell dreht er den Kopf, und auf seinen Lippen bildete sich schnell ein hoffnungsvolles Lächeln. Doch alles, was er so, war ein Schneeweises Kaninchen…Knurrend nahm er einen Stock in die Hand und warf es nach dem Tier. Dann drehte er den Kopf wieder nach vorne, und starrte in die Stelle im Schnee, welche er schon vor Tagen zu seiner Lieblingsstelle erkoren hatte….sie war weiss….
Zuckerbrot und Peitsche, das waren die Dinge, welche ihn seltsamerweise schon seit dem Kindesalter zu verfolgen schienen. Dabei gab es auf den ersten Blick gar keinen Grund sich zu beschweren: Die Herberge blühte immer mehr auf, Tag für Tag kamen neue, aber vor allem immer mehr Gäste. Sämtliche Zimmer waren auf unbestimmte Zeit vermietet und auch ein neuer Lieferant für die Aufstockung der Vorräte war gefunden. Ha! Man muss es eben nur wollen ! Auch eines seiner größten Probleme hatte sich gelöst, denn er hatte endlich jemanden für die Taverne einstellen können. Nach vielen Gesprächen mit anderen Bewerbern dachte Rogan schon, eher würdem ihm die Haare ausfallen, bis jemand kam der geeignet war. Doch Sarah Liia erwies sich als wahrer Segen. Gut, sie war anfangs noch sehr verschlossen und scheu, aber nach und nach blühte sie auf. Vor allem aber was sie hübsch, geschickt und nicht auf den Kopf gefallen…für Rogan genau das, was er für die Herberge gesucht hatte.
Beinahe beiläufig wurde ihm dann auch noch gesagt das Neyla und Lucien ein Kind erwarten! Aber irgendwie hatte er das Gefühl, dass er selbst sich mehr über den Nachwuchs freuen würde, als die beiden, die ihn gezeugt hatten. So wurde er mit Beschimpfungen überhäuft als er Lucien eine Stunde, nachdem er von der Schwangerschaft erfahren hatte, ein Schaukelpferd schenkte. Ja, natürlich, keiner konnte wissen ob das Kind ein Junge oder ein Mädchen werden würde, aber ein Schaukelpferd ist doch für beides geeignet…
Dann war da noch seine Schwester. Sie hatte das Talent seine Ilussionen zu zerstören, denn immer dann, wenn er davon ausging das sie nichts schlimmeres mehr anstellen könnte, kamen ein wütender Cedric und ein verbitterter Rafael in die Herberge. Beim letzten Vorfall sogar beide zusammen… Aber Rogan lies sich ja gerne überraschen, und so war er in der Tat überrascht als man ihm ausrichten lies, dass Talana brav und artig ihrer Strafarbeit nachging, und auch ohne zu murren den Kochunterricht bei Rahel wahr nahm. Sollte sie doch eines Tages mal vernünftig werden….?
Und dann war da noch Cara…wer hätte gedacht, dass aus einem Abend, den man um sich ein wenig abzulenken, in einer Taverne verbrachte, so etwas entwickeln würde. Es folgten mehrere kleine, beinahe zufällige Begegnungen….Gespräche…Erlebnisse…und dann der Abend, als sie in die Herberge kam, von Erschöpfung gebeutelt…und es war auch dieser Abend, nach welchem es um Rogan geschehen war…und die folgenden beiden Wochen waren wunderschön. Cara verstand es perfekt ihn auf der einen Seite zu verzaubern und auf der anderen Seite ihm die Zähne zu zeigen, und er genoss jede einzelne Minute mit ihr genauso, wie er sie jede Minute, in der er sie nicht sah, vermisste. Aber es liegt in der Natur des Menschen, dass immer etwas geschah wenn man meinte die Sonne scheint einem tagein und tagaus ins Gesicht…
Zum einen begab es sich das Neyla ihr Kind verlor. Gleichzeitig hatten sie und Lucien sich getrennt..und mit ihm und dem gemeinsamen Kind ging wohl auch ihr Lebensmut…So hatte Rogan sie noch nie gesehen, und so wollte er sie auch nie sehen. Ja, sie erholte sich langsam von der Fehlgeburt, und auch wenn er ihr ständig beteuerte, das alles wieder gut werden würde, so wußte er, dass dem nicht so war. Aber sie war seine beste Freundin, also würde er sich um sie kümmern, er würde sie nicht im Stich lassen…Und er würde dafür sorgen das sie die nächste Zeit die Herberge nicht verlassen würde. Er schuldete ihr viel, und nun hatte er die Möglichkeit einen Teil der Schuld zu begleichen…
Ebenso überrascht als Cara ihm erzählte aus welchem Hause sie stammt. Diese Tatsache alleine bereitete ihm keinerlei Kopfschmerzen oder gar Sorgen. Er war schon immer der Meinung gewesen, dass es für jedes Problem eine Lösung geben würde, und so würde er auch für dieses eines finden. Doch spätetestens als er an diesem einen Morgen ihrem Onkel begegnete, wußte er, das es diesmal alles andere als leicht werden würde. Er war von dieser Begegnung doch recht überrascht gewesen, und es war Cara, welche die Situation gerettet hatte. Das ihr Onkel von nun an davon ausging das er Händler war. Mit einem inneren Grinsen nahm er hin das ihm aufgetragen wurde mit Cara nach Menekur zu reisen, um sie dort dann in die Kunst des verhandelns einzuweisen. Und als Rogan dann gleich drei Tage später die bestellten Prunkrüstungen an ihren Onkel lieferte, wuchs wieder seine Zuversicht, auch dieses Problem meistern zu können, wurde er doch sogar von ihm zu einem Mahl eingeladen. Sie sahen sich oft, beinahe täglich, und von Tag zu Tag verzauberte sie ihn mehr…Und es begab sich, dass er nach und nach mehr Mitglieder von ihrer Familie kennenlernte. Natürlich war ihm bewußt das von ihnen niemand wissen durfte, was zwischen ihm und Cara war, aber ihm war ebenso bewußt das man dies nicht auf Dauer verheimlichen konnte…Zumal er den Verdacht hatte, das Cara´s Cousine die beiden schon durchschaut hatte. Aylia hatte zwar nie etwas zu ihm gesagt, aber manchmal drücken Gesten mehr aus als Worte, und vielleicht bildete Rogan es sich auch nur ein, aber er glaubte einen Hauch von Verständnis in ihren Augen zu erkennen…
Als eines Abends dann ein Großteil von Cara´s Familie in der Herberge auftauchte um zu Speisen, war Rogan mehr als überrascht. Natürlich versuchte er sich nichts anmerken zu lassen, doch konnte er es nicht verhindern ab und an verstohlene Blicke mit Cara zu wechseln. Innerlich quälte es ihn, dass er nicht einfach zu ihr gehen konnte, ihr einen Kuss auf die Lippen hauchen konnte…Diese Qual war mehr, als er auf Dauer ertragen konnte….und so war es an diesem Abend, als Rogan bei einem Schluck Wein auf der Dachterasse saß, als er seinen Entschluss fasste: Er würde mit ihrem Onkel reden, er würde ihm alles erzählen…Er würde ihm schon nicht den Kopf abschlagen…..oder…? Vielleicht hätte er sogar Verständnis….oder…? Schlimmer konnte es ja nicht werden....oder…? Zumindest war der Zeitpunkt günstig, denn Rogan wusste das Cara am nächsten Abend mit ihrer Arbeit beschäftigt war. Er wollte und er konnte sie nicht in seinen Plan einweihen, sie würde versuchen es ihm auszureden. Aber manchmal muss ein Mann eben tun, was er tun muss…
Nach einer nahezu schlaflosen Nacht erledigte er sein Tagewerk, ehe er sich dann auf den Weg machte. An der großen Tür aus Massiveiche angekommen atmete er einmal tief durch, ehe seine Faust drei mal dagegen klopfte. Man könnte es Erleichterung nennen, was sich in ihm ausbreitete, als Aylia ihm mit einem Lächeln auf den Lippen die Türe öffnete. Einen Moment später stand er auch schon im Vorraum, doch dauerte es nur wenige Blicke bis er schwere Schritte auf der Treppe vernahm. Gut, er war also doch da…aber wegen ihm war Rogan ja auch eigentlich gekommen. Doch zwischen Tür und Angel wollte er diese Angelegenheit sicherlich nicht besprechen, also lies Rogan sich einen fadenscheinigen Grund für sein Kommen einfallen. Zumindest ein kleines Stück seines Plans konnte er abhaken, denn er wurde erneut in den Speisesaal geführt und gebeten Platz zu nehmen. Als Cara´s Onkel ihn dort fragte, was denn der eigentliche Grund seines Kommens wäre, lies Rogan einen Moment lang den Blick über jenen Mann schweifen, wie er dort in voller Rüstung und ausdrucksloser Miene in dem Thronsessel saß. Rogan schürzte einmal die Lippen, und kam dann ohne große Umschweife zum Punkt. Als der Mann ihm gegenüber ungläubig ansah, und ihn dann nochmals fragte ob dies sein Ernst wäre, versicherte er ihm mit Nachdruck, dass er es toternst meinte…Als der Mann daraufhin seine gepanzerte Faust auf den Tisch donnerte, befürchtete Rogan im ersten Moment, dieser würde bersten. Als eben jene Hand dann zum Schwertknauf wanderte, während die Raue Stimme Rogan aufforderte das Haus zu verlassen und nie wieder zu kommen, versuchte er dennoch Haltung zu bewahren…Natürlich ging er….was hätte er auch sonst tun sollen…Wieder war es Aylia die ihn zur Türe geleitete. Und wieder meinte er in ihren Augen Verständniss für ihn…und vor allem für Cara zu sehen…
Er ging langsam zurück zur Herberge…wo sollte er auch sonst hin? Dutzende von Gedanken strömten durch seinen Kopf. Das Gespräch war geführt, die Katze aus dem Sack…und die Konsequenzen, die hätten ihm eigentlich klar sein müssen… In Gedanken versunken stolperte er beim Laufen beinahe über Cara…Er musste es ihr sagen…er konnte sie nicht ins offene Messer laufen lassen….Und nachdem er ihr alles gesagt hatte….und ihren Blick sah…wäre er am liebsten gestorben…Doch anstatt ihm eine Ohrfeige zu verpassen, ihm die Augen auszkratzen, oder zu beschimpfen…begab sie sich in seine Arme…er hatte das Gefühl, dass sie ihm sein Tun, so töricht es auch gewesen sein mag, doch hoch anrechnete…
Er hätte es sich eigentlich denken können, wie die Reaktion ihres Onkels aussehen würde. Natürlich verbot er ihr sich mit Rogan alleine zu treffen, und natürlich gab er ihr zu verstehen, dass sollten sie sich wieder alleine sehen, Rogan um seinen Kopf fürchten müsste. Und so wurden die folgenden Tage für Rogan unerträglich. Schlaf fand er stets nur wenige Stunden, wenn die natürliche Erschöpfung ihn übermannte, und er zermaterte sich das Hirn. Und so machte er sich daran einen Brief an einen alten Bekannten zu schicken. Wenn es daran scheitern sollte, das Rogan an nichts „glaubte“, dann liese sich das ändern! Und „er“ war derjenige, der ihm, zumindest für den Anfang, helfen könnte…
Rogan atmete erleichtert auf als er die Taverne betrat und die Person bereits auf ihn wartete. Und ohne Umschweife kam Rogan auf den Punkt. Der Mann dachte zuerst Rogan wolle ihn auf den Arm nahmen, doch war es wohl der Tonfall seiner Worte, welcher sein Gegenüber überzeugte wie ernst es ihm war. Zwar brachte das Gespräch nicht die Lösung, welche er sich erhofft hatte, aber zumindest konnte sein Bekannter ihm weiterhelfen, und weitere Maßnahmen wurden eingeleitet. Gut, der Grundstein wurde gelegt, es ging also voran. Ebenso hatte Rogan sich angewöhnt nicht mehr den Gruß aus seiner Heimat zu verwenden, ein weiterer, kleiner Schritt in die richtige Richtung….So ging er dann wieder nach Hause…er würde wie besprochen einen Tag warten, und dem Mann dann einen erneuten Brief zukommen lassen…In der Zeit würde er in dem Buch über „den Einen“ stöbern, welches er für ein kleines Vermögen von einem dubiosen Händler erstanden hatte…..
Er würde kämpfen….und am Ende….würde er bekommen was er wollte…
„Psssst…!“, ertönte es auf einmal hinter ihm. Er drehte den Kopf und eine komplett vermummte Gestalt stand auf einmal dort hinter ihm. Er presste kurz die Lippen zusammen, dann murmelte er : „Cara…..?“ Sie verdrehte die Augen ehe sie leise zischelte :“Nein, Karina….!“ Da war es wieder! Rogan grinste auf und erhob sich. Er drehte sich zu ihr um, nahm ihre Hand, und führte sie etwas mehr abseites des Weges. Sie war gekommen……Er würde jede Sekunde ihres Treffens genießen…Es waren diese wenigen, verstohlenen Stunden, die ihm die Kraft gaben weiter zu machen…es war um ihn geschehen….er hatte sich in dieser Frau verloren….