Am Abend des 5. Alatnar läuft ein Schiff in den Hafen Berchgards ein. Eigentlich kein besonders aufregendes Ereigniss, eine Alltäglichkeit sogar. Nur dieses mal scheint die Besatzung eine Reihe zwielichter Gestalten an Bord zu haben. Als die meisten bereits von Bord sind und der Kapitän sich auf die Reling lehnt um verträumt auf die weite See hinauszublicken wird er von einer kräftigen Hand gepackt und zur Seite gezogen.
Einer der Passagiere blickt ihn an, das Gesicht förmlich zur Faust geballt vermag der Kapitän sofort zu sehen, das könnte übel ausgehen...
"Soso, meine Ausrüstung hast du also verloren? Setzt mich auch noch an einem anderen Hafen ab als Rell? Wir haben dir eine unverschämte Summe bezahlt dass du uns rausbringst und das reicht dir jetzt nicht sodass du auch noch meine Ausrüstung stiehlst was?"
Der arme Kapitän versucht jede nur mögliche Ausrede die ihm auf die schnelle einfällt, doch offenbar hat der Mann jegliches Interesse daran verloren ihn glimpflich davonkommen zu lassen. So wächst sich das kleine Streitgespräch zu einer handfesten Keilerei aus an deren Ende schließlich beide auf dem Deck sitzen und Schnaufen. Der alte Seebär ist es, der als erster wieder das Wort erhebt nachdem er laut lacht.
"Ha, so hat den alten Bjorn schon lange keiner mehr angefasst Jüngelchen. Gefällt mir, guter Mann, sicher dass ihr nicht Seemann werden wollt? Hm... dacht ich mir schon fast aber gut. Wie wärs damit, ich gebe euch das hier mit, eine Lagerliste oder so etwas. Ein kleiner Nebenauftrag um die Reise mit zu finanzieren. Soll zu einer 'Allianz des Lichtes'" daraufhin verfallen sie beide wieder in Gelächter "... komische Leute gibts schon ja. Wurde aber gesagt die zahlen gut und warten schon eine Weile darauf. Also hier, hol dir die Belohnung ab Junge, sicher nicht soviel Wert wie deine Ausrüstung aber sollte riechen für den Anfang."
Dabei schenkt ihm der Seebär ein Grinsen, in dem nur nicht mehr ganz jeder Zahn sitzt. Nachdem er kurz überlegt hat meint der jüngere Mann zu ihm.
"Halsabschneider, aber gut. Soll mir recht sein, findet sich schon neues Zeug hier."
Der Mann richtet sich auf und reicht dem Kapitän den Arm runter auf dass dieser sich mit seiner Hilfe hochziehen kann. Nachdem er den Brief bekommen hat, ebenso wie eine einzige lumpige Robe, macht er sich auf den Weg zum besagten Gebäude der Allianz. Dort angekommen muss er feststellen, dass keiner da ist. Kurzerhand entschließt er sich einen Gang durch die Umgebung zu unternehmen. Hunger allein war es, der ihn dazu ermutigt denn von dem bisschen Gold was er bei sich trug war nichts mehr übrig nachdem er sich einen alten, fast schon zerborstenen Bogen, eine Hand voll schlecht gefertigter Pfeile und eine schartige Axt besorgt hatte.
Im Wald angekommen verfolgt er eine Hasenspur, gut erkennbar im Schnee und für jemanden wie ihn, der sein Leben lang mehr oder weniger ein Nomade war, nicht besonders schweirig zu verfolgen. Nach nur wenigen Minuten jedoch hält er inne und lugt durch das Dickicht. Eine Gruppe von Gestalten befindet sich vor ihm auf einer Lichtung und unterhält sich so lautstark, dass er selbst aus einer guten Entfernung noch ganz gut versteht.
Bandit 1:"Habt ihr das Geischt von dem gesehen? Ha dieser dumme Tropf, sicher wird er jetzt zu Hause hocken eingerollt in eine Decke und seine Wunden lecken."
Bandit 2:"Musstest du ihn auch so zurichten? Der arme Kerl versucht auch nur um die Runden zu kommen wie wir."
daraufhin fängt sich der zweite Redner eine schallende Ohrfeige ein
Bandit 3:"Pah, hätte Achim das nicht gemacht würde er sicherlich zur Dorfwache rennen. War schon recht so."
Die kleine Gruppe spricht noch weiter aber die Aufmerksamkeit des Mannes gilt nicht mehr ihnen sondern dem klapprigen Bogen.
'Mal sehen ob man damit noch einen Pfeil über eine kurze Strecke halbwegs gerade bekommen kann...' sind seine Gedanken als er vorsichtig den Bogen spannt.
Danach geht alles ganz schnell, der erste Pfeil trifft den Banditen, der sich die Ohrfeige eingehandelt hat in den Rücken und er kippt beinahe sofort um. Die beiden anderen blicken ungläubig auf den leblosen Körper ihres Kameraden, als dann aber ein zweiter Pfeil an ihnen vorbeisaust erwachen sie aus ihrer Starre und stürmen auf den Angreifer zu.
nur wenige Schritte entfernt schafft es dieser noch einen Treffer zu landen der einen der beiden zu boden reißt. Röchelnd liegt er da, und hustet Blut in den Schnee.
Bevor der Angreifer den dritten Banditen auch noch von den Beinen fegen kann ist dieser in Reichweite heran und schwingt eine große Sense nach ihm. Erschrocken lässt der angreifende sich nach hinten fallen und kullert sich zur Seite unter dem Schlag weg.
Im folgenden Handgemenge wird auch der dritte Bandit zu Boden gerungen und während der Mann immer weiter auf ihn eintritt brüllt er ihm wütend entgegen.
"Mich also erschlagen wollen was? Du und deine kleinen Bauernfreunde was? Spielt hier Wegelagerer mit Farmgeräten bestück, ha euch werd ichs zeigen!"
Erst gute fünf Minuten nachdem der Körper am Boden aufgehört hat zu atmen, hört der Mann auch auf nach ihm zu treten. Leise verschnauft er einen Moment ehe er sich daran macht den leblosen drei Körpern alles abzunehmen, ja sie sogar zu entkleiden. Einen Teil der blutigen Kleidung wirft er einfach zur Seite, dann kullert er die Körper eine Böschung herunter.
Jetzt mit einigen neuen Hemden und Farmgeräten bestückt zieht er noch einmal nach Berchgard um sein Glück zu versuchen. Dieses mal hat er dabei mehr Erfolg und bekommt die versprochene Belohnung,
'500 Münzen für einen einfachen Brief, ich glaube hier bin ich wirklich auf Gold gestoßen...' denkt er sich als der Mann, sofort fälschlicherweise als Sekretär eingeordnet, ihm den Goldbeutel reicht.
'Nun also nur noch den Rell finden, dann sehen wir mal weiter.'
Mit diesen Gedanken verlässt er die Stube der Allianz und macht sich auf die Suche.
Erst erheblich später findet der Mann schließlich seinen alten Freund und Waffenbruder. Kurzerhand beschließen die beiden, mal in einem Dorf namens Bajard vorbeizusehen um das erbeutete Farmgerät unter das Volk zu bringen. Dort angekommen fällt ihnen nach der Abwicklung des Handels auf dem Markt ein Ladenschild ins Auge.
Rell:"Hm... sieh mal ein Schneider. Du könntest sicher einige Sachen vertragen oder?"
Egill:"Das kannst du laut sagen, aber du weißt ja, der Kapitän hat mir nicht viel gelassen und die Münzen von dem Sekretär sind auch schon wieder weg."
Die beiden tauschen einen vielsagenden Blick aus und ohne weiter darüber zu sprechen scheint man sich im Geiste einig zu sein, dass Bezahlung eine recht flexible Angelegenheit ist.
So betreten diese zwei den Schneiderladen der jungen Frau. Nichtsahnend versorgt sie die beiden mit allem was sie wollen, Sogar noch mit einigen zusätzlichen Sachen. Egill staunt nicht schlecht als er an sich herabsieht, 'wie ein feiner Herr, ich werd verrückt' denkt er zu sich und auch die Schneiderin hat lobende Worte übrig.
Auch der zweite Mann lässt sich noch einiges fertigen, die junge Schneiderin ist auch hier sehr sorgfältig und erfüllt alle Wünsche. Als sie zur Bezahlung kommt und ihnen den Preis nennt schreitet Rell schließlich zur Tat.
Kurzerhand zückt er seinen Langdolch und bedroht die nun völlig aufgelöste und verzweifelte junge Frau. Tränen rinnen ihr über das ganze Gesicht und sie schluchzt ununterbrochen.
Nach nur einer knappen Stunde verlassen die beiden, jetzt ein völlig anderer Anblick dank der neuen Gaderobe, den Schneiderladen und hinter ihnen fällt die Tür sehr schnell ins Schloss.
Rell:"Nett die Kleine, sollten wir öfters besuchen."
Egill:"Ich sags dir, das ist das Land von Honig und Milch, Bauerntölpel versuchen sich als Banditen, weit und breit keine Wachen hier in diesem Ort, würde mich nicht wundern wenn wir hier bald Könige sind."
Ein dreckiges Lachen kommt dazu von den beiden und schon zieht das Gespann weiter. Nächster Anlaufort war die befestigte Stadt Rahal, hier würden sie aber die Ware bezahlen. Zum einen, weil man einen Schmied immer brauchte und es sich nicht mit ihm verscherzen sollte, zum Anderen weil diese Stadt im Gegensatz zu dem Fischerdorf eine große Wachmannschaft zu haben schien...
Rauhe Länder rauhe Sitten
-
Egill Valgaror
Am 9. Alatnar, sehr sehr spät am Abend erst, wird der Mann, einigen wohl als Egill bekannt, von Leleane aus der Bajarder Taverne befördert. Eine noch immer auf den Straßen herumirrende Schar Reisender blickt die Wirtin dabei strafend an.
Wie kann sie nur einen Kerl, der so offenkundig oben von unten nicht mehr unterscheiden kann auf die Straße werfen?
Schließlich erbarmt sich eine kleine Gruppe den armen Kerl mitzunehmen und ihn in einem billigen Herbergszimmer abzuladen.
Am Morgen danach stellt Egill fest, dass auch sie nicht völlig uneigennützig handelten sondern ihn bei dieser Gelegenheit auch ordentlich filzten. Keine müde Münze mehr in den Taschen... eigentlich für einen Mann wie ihn das Schlimmste auf der Welt aber an diesem Morgen stört es ihn erstaunlich wenig.
Im Gastbereich der Herberge sucht er sich erst einmal sein Frühstück zusammen. Schnell wird ihm dabei klar, hier lässt sich einiges holen. 'Wer nicht wählerisch ist leidet in diesem Lande wohl nie Hunger' denkt er zu sich selbst, grinst zu seinen eigenen Gedanken und reibt sich dann den Kopf. Fürchterlich schmerzt dieser, der billige Fusel in dem Fischerdorf hatte also auch diese Eigenschaft des anderen, ebenfalls billigen Fusels seiner Heimat. Aber warum war er eigentlich dort mit dem frisch erarbeiteten Geldbeutel? Eigentlich wollte er ihn ja sparen um beim Schmied den Rell ihm gezeigt hatte einzukaufen, was war also geschehen?
Die anderen Herbergsgäste beginnen langsam einen Bogen um den ungepflegt wirkenden Mann zu machen. Wer alleine an einem Tisch sitzt, sich bis vor wenigen Minuten dreist jeden Rest einverleibt hat der in Umlaf war und dann plötzlich mit geschlossenen Augen und angetsrengtem Stirnrunzeln da hockt... der MUSS ja seltsam sein! So beginnen sie auch langsam zu tuscheln miteinander.
Egill freilich bekommt davon herzlich wenig mit, er lässt angestrengt die Dinge noch einmal vor seinem inneren Auge ablaufen und kommentiert dabei seine eigene Erinnerung. Für ihn die übliche Methode Erinnerungslücken zu füllen...
Könnte jemand in seinem Kopf dabei zusehen würde sich ihm folgendes Schauspiel darbieten:
Egill ist zu sehen, in dieser Version, der seines Verstandes, erheblich ansehnlicher als das wohl in Wahrheit der Fall ist. Mutig hält er den Bogen hoch der hier wie eine mächtige Waffe aussieht, nicht zu vergleichen mit dem schäbigen Stück Gehölz.
'Hm ja, ich war dabei Gold aufzutreiben... dieser Schmied hat unverschämt hohe Preise und verkauft keine Altware, aber Rell hat gemeint das wäre es wert. Oller Rell, vielleicht hat er mich nur hinters Licht geführt...'
Während er das denkt, läuft der kleine Film in seinem Kopf weiter. Froschling um Froschling fällt dabei zu Boden vor ihm, einer größer und furchteinflößender als der andere versteht sich. Den erlegten Ungetümen entnimmt er mit einer brachialen Zange etwas, was man vielleicht als Zähne bezeichnen kann.
Er wusste nicht wieso, aber die Händler in den dunklen Seitenstraßen der befestigten Stadt Rahal zahlten ein kleines Vermögen für jedes dieser Teile, mitunter eine Viertelkrone für den vermeintlichen Zahn eines der größeren Exemplare.
So läuft das eine ganze Weile, ab und an bedankt man sich sogar bei ihm was er zwar nicht ganz versteht, aber das scheint ihm nichts auszumachen...
*Einige Minuten Später ist er beim Aufrollen seiner Erinnerung an einem Punkt angekommen wo er wieder in sich hineingrinst.*
An einem kleinen Feuer sitzt er, eines der großen Froschwesen ausgenommen neben ihm im Schnee als eine Frau des Weges kommt. Ihr Gesicht ist nur verschwommen, die Statur hingegen Messerscharf.
'Hm naja, war schon spät und so... hatte Hunger, sicher war sie vermummt, ja genau das wars!'
...entschuldigt sich Egill paradoxer Weise vor seinem eigenen Verstand. Jetzt sieht man die Bilder weiter ablaufen, die Frau schien offenbar sichtlich schockiert darüber, dass sich jemand an den Resten solch einer Kreatur labt.
*Dabei grinst der Teil Egills, der nicht auf dieser Wunderfahrt durch den eigenen Verstand ist sondern nach wie vor in der Herberge hockt breit. Die übrigen Gäste, ohnehin schon einen Bogen um ihn machend, verlassen nun zusehends das Haus. Er selbst bekommt davon nichts mit sondern rollt nur weiter die Erlebnisse des vergangenen Tages ab. Das Grinsen weicht ihm aber aus dem Gesicht als er zu der Stelle kommt, die wohl Auslöser für das hemmungslose Konsumieren des billigen Fusels am Vorabend war....*
Zu sehen ist Egill, auf der Jagd nach Federn. Die zartbesaiteten Menschen dieses Landes hatten ihn mehrfach gebeten nur lose herumliegende Federn zu sammeln oder einen Bauer aufzusuchen. Kommentiert wird das von seinem Vertsand nur mit....
'Ha, kein Wunder dass diese armen Schlucker so schäbig aussehen. Wenn ich die Gans habe nehm ich doch nicht nur den Schnabel, sondern auch den Rest!'
Diese eigentümliche Erklärung scheint zumindest für Egill absolut einleuchtend denn sein Verstand saust weiter, vorbei an den tierliebenden Wanderern hin zu einem speziellen Vogel. Aus der ferne sieht er auch in seiner Erinnerung aus wie ein normaler Rabe. Doch dieser ist anders als die davor, selbst nach einigen Pfeilen fliegt er noch davon.
*Unmerklich schüttelt sich sein Körper im Herbergsstuhl, wäre noch einer der anderen Gäste da, spätestens jetzt würden sie ihn wohl für wahnsinnig befinden und an den nächsten Priester verweisen.*
'Es wird schwieriger, das ist in der Regel ein gutes Zeichen ha, ja gleich weiß ichs wieder!'
Jubelt sein Verstand vor sich her während er den Erinnerungsfetzen wieder aufgreift. Da fliegt der Vogel in die Büsche und Egill setzt ihm nach. Doch dann das Unerwartete, direkt vor ihm schlägt ein Blitz ein, der ihn erstmal von den Füßen fegt. Als ob das nicht schon der Ungewöhnlichkeit genug wäre scheint das Tier noch einen drauf setzen zu wollen. Es platzt förmlich vor seinen Augen und ein wilder Federwirbel verdeckt für einige Momente die Sicht.
Dann der Schock, wo zuvor der Vogel, dann die wilden Federn, steht jetzt eine humanoide Gestalt.
Der vorher in der Erinnerung so mutige Froschmonsterbezwinger Egill liegt nun am Boden, wimmernd, stammelnd und so ängstlich und irritiert wie es ein Mann mittleren Alters nur sein kann.
Selbst die Stimme in seinem Kopf die die vorherige Erinnerung kommentiert hat schweigt, so gefesselt von grausiger Faszination ist er auf jeder Ebene.
Seine Erinnerung hingegen ist unnachgiebig, einmal aufgerüttelt läuft sie durch, ohne Halt zu machen und dem Verstand eine Pause zu gönnen.
Die Gestalt will wissen wer er ist. Alles um sie herum scheint wie elektrisiert, kein Wunder dass in dieser Erinnerung die Stimme der Gestalt schrecklicher klingt als das wohl der Fall wahr.
Egill, so ängstlich wie selten zuvor bringt keine sinnvolle Antwort hervor. Sein in diesem Moment lichterloh brennender Verstand wittert einen Geist, vielleicht sogar den Tod selbst. Diesen sollte man besser keine Fragen beantworten, sind es doch heimtückische Kreaturen die Seelen verzehren, so wurde es ihm beigebracht und so blieb es auch hängen im Gegensatz zu den meisten anderen Sachen.
Auf die Weigerung hin wirkt die Gestalt nicht sehr erbaut, schon züngeln wieder wild Blitze um seine Gliedmaßen, die zwar sicher Hände waren, in Egills Erinnerung aber eher eine Mischung aus Tentakeln und Krallen sind.
Doch dann tritt ein neues Gespann auf, die vermeintliche Frau des Schmiedes, zwar wurde das mehrfach dementiert aber in Egills Verstand wird sie immer noch damit assoziiert, und ein anderer Mann den er nicht kennt.
Die Frau scheint das Ding, und zumindest in seinem Kopf ist es kaum mehr als eine Monstrosität die einem Alptraum entsprungen sein könnte, noch nicht voll zur Kenntniss zu nehmen denn sie bemüht sich zunächst dem armen Egill zu helfen. Ihre Hand streckt sich herunter, wird jedoch nicht ergriffen, zu verwirrt scheint Egill von dem Schauspiel.
*Selbst diese Erinnerung, läuft sie auch nur in seinem Verstand ab, bringt ihn ins Schwitzen und bereitet ihm Kopfschmerzen.*
Jetzt tritt der Mann auf das Spielfeld. Groteskerweise wirft er spöttelnde Worte, gegen wen geht dabei nicht klar hervor aber offenbar auch gegen die Reinkarnation des Todes da im Schnee. Als ihm Worte scheinbar nicht mehr reichen greift er zu handfesteren Argumenten in Form eines Schneeballs. Als dieser schließlich durch die Luft fliegt bricht offenbar irgendetwas in Egills Verstand, denn die nachfolgenden Bilder sind seltsam.
Die Gestalt raubt ihm weder die Seele noch zehrt sie von diesem wagemütigen Mann...
'Sicher ein Geisterjäger oder dergleichen, ein Priester spezialisiert auf das Vertreiben solcher Erscheinungen. Sicher war das auch kein gewöhnlicher Schnee....'
Versucht die Gedankenstimme jetzt das Gesehene zu erklären.
Der rest der Erinnerung verläuft wieder in den Bahnen, die ihm eher bekannt sind. Man sieht Egill zur Taverne hasten und einen Becher nach dem anderen Bajarder Küstennebel in sich hineinschütten....
Schockiert reißt Egill die Augen auf, erst jetzt bemerkt er, er ist alleine in der Herbergshalle. Was war da geschehen? Bei allem was ihm heilig ist, und viel ist das nie gewesen, das war mit Abstand das Merkwürdigste was er je erlebt hatte.
Er würde umgehend Rell davon berichten, auch wenn er sich dessen Reaktion schon vorstellen konnte. Ja er konnte ihn förmlich vor sich sehen, diesen Lümmel namens Adhar Rell, lachen würde er über ihn, gemein lachen....
Mit diesen Gedanken und dem Vorsatz, Rell zur begrüßung eine schallende Ohrfeige zu verpassen verlässt er schließlich die Herberge...
Wie kann sie nur einen Kerl, der so offenkundig oben von unten nicht mehr unterscheiden kann auf die Straße werfen?
Schließlich erbarmt sich eine kleine Gruppe den armen Kerl mitzunehmen und ihn in einem billigen Herbergszimmer abzuladen.
Am Morgen danach stellt Egill fest, dass auch sie nicht völlig uneigennützig handelten sondern ihn bei dieser Gelegenheit auch ordentlich filzten. Keine müde Münze mehr in den Taschen... eigentlich für einen Mann wie ihn das Schlimmste auf der Welt aber an diesem Morgen stört es ihn erstaunlich wenig.
Im Gastbereich der Herberge sucht er sich erst einmal sein Frühstück zusammen. Schnell wird ihm dabei klar, hier lässt sich einiges holen. 'Wer nicht wählerisch ist leidet in diesem Lande wohl nie Hunger' denkt er zu sich selbst, grinst zu seinen eigenen Gedanken und reibt sich dann den Kopf. Fürchterlich schmerzt dieser, der billige Fusel in dem Fischerdorf hatte also auch diese Eigenschaft des anderen, ebenfalls billigen Fusels seiner Heimat. Aber warum war er eigentlich dort mit dem frisch erarbeiteten Geldbeutel? Eigentlich wollte er ihn ja sparen um beim Schmied den Rell ihm gezeigt hatte einzukaufen, was war also geschehen?
Die anderen Herbergsgäste beginnen langsam einen Bogen um den ungepflegt wirkenden Mann zu machen. Wer alleine an einem Tisch sitzt, sich bis vor wenigen Minuten dreist jeden Rest einverleibt hat der in Umlaf war und dann plötzlich mit geschlossenen Augen und angetsrengtem Stirnrunzeln da hockt... der MUSS ja seltsam sein! So beginnen sie auch langsam zu tuscheln miteinander.
Egill freilich bekommt davon herzlich wenig mit, er lässt angestrengt die Dinge noch einmal vor seinem inneren Auge ablaufen und kommentiert dabei seine eigene Erinnerung. Für ihn die übliche Methode Erinnerungslücken zu füllen...
Könnte jemand in seinem Kopf dabei zusehen würde sich ihm folgendes Schauspiel darbieten:
Egill ist zu sehen, in dieser Version, der seines Verstandes, erheblich ansehnlicher als das wohl in Wahrheit der Fall ist. Mutig hält er den Bogen hoch der hier wie eine mächtige Waffe aussieht, nicht zu vergleichen mit dem schäbigen Stück Gehölz.
'Hm ja, ich war dabei Gold aufzutreiben... dieser Schmied hat unverschämt hohe Preise und verkauft keine Altware, aber Rell hat gemeint das wäre es wert. Oller Rell, vielleicht hat er mich nur hinters Licht geführt...'
Während er das denkt, läuft der kleine Film in seinem Kopf weiter. Froschling um Froschling fällt dabei zu Boden vor ihm, einer größer und furchteinflößender als der andere versteht sich. Den erlegten Ungetümen entnimmt er mit einer brachialen Zange etwas, was man vielleicht als Zähne bezeichnen kann.
Er wusste nicht wieso, aber die Händler in den dunklen Seitenstraßen der befestigten Stadt Rahal zahlten ein kleines Vermögen für jedes dieser Teile, mitunter eine Viertelkrone für den vermeintlichen Zahn eines der größeren Exemplare.
So läuft das eine ganze Weile, ab und an bedankt man sich sogar bei ihm was er zwar nicht ganz versteht, aber das scheint ihm nichts auszumachen...
*Einige Minuten Später ist er beim Aufrollen seiner Erinnerung an einem Punkt angekommen wo er wieder in sich hineingrinst.*
An einem kleinen Feuer sitzt er, eines der großen Froschwesen ausgenommen neben ihm im Schnee als eine Frau des Weges kommt. Ihr Gesicht ist nur verschwommen, die Statur hingegen Messerscharf.
'Hm naja, war schon spät und so... hatte Hunger, sicher war sie vermummt, ja genau das wars!'
...entschuldigt sich Egill paradoxer Weise vor seinem eigenen Verstand. Jetzt sieht man die Bilder weiter ablaufen, die Frau schien offenbar sichtlich schockiert darüber, dass sich jemand an den Resten solch einer Kreatur labt.
*Dabei grinst der Teil Egills, der nicht auf dieser Wunderfahrt durch den eigenen Verstand ist sondern nach wie vor in der Herberge hockt breit. Die übrigen Gäste, ohnehin schon einen Bogen um ihn machend, verlassen nun zusehends das Haus. Er selbst bekommt davon nichts mit sondern rollt nur weiter die Erlebnisse des vergangenen Tages ab. Das Grinsen weicht ihm aber aus dem Gesicht als er zu der Stelle kommt, die wohl Auslöser für das hemmungslose Konsumieren des billigen Fusels am Vorabend war....*
Zu sehen ist Egill, auf der Jagd nach Federn. Die zartbesaiteten Menschen dieses Landes hatten ihn mehrfach gebeten nur lose herumliegende Federn zu sammeln oder einen Bauer aufzusuchen. Kommentiert wird das von seinem Vertsand nur mit....
'Ha, kein Wunder dass diese armen Schlucker so schäbig aussehen. Wenn ich die Gans habe nehm ich doch nicht nur den Schnabel, sondern auch den Rest!'
Diese eigentümliche Erklärung scheint zumindest für Egill absolut einleuchtend denn sein Verstand saust weiter, vorbei an den tierliebenden Wanderern hin zu einem speziellen Vogel. Aus der ferne sieht er auch in seiner Erinnerung aus wie ein normaler Rabe. Doch dieser ist anders als die davor, selbst nach einigen Pfeilen fliegt er noch davon.
*Unmerklich schüttelt sich sein Körper im Herbergsstuhl, wäre noch einer der anderen Gäste da, spätestens jetzt würden sie ihn wohl für wahnsinnig befinden und an den nächsten Priester verweisen.*
'Es wird schwieriger, das ist in der Regel ein gutes Zeichen ha, ja gleich weiß ichs wieder!'
Jubelt sein Verstand vor sich her während er den Erinnerungsfetzen wieder aufgreift. Da fliegt der Vogel in die Büsche und Egill setzt ihm nach. Doch dann das Unerwartete, direkt vor ihm schlägt ein Blitz ein, der ihn erstmal von den Füßen fegt. Als ob das nicht schon der Ungewöhnlichkeit genug wäre scheint das Tier noch einen drauf setzen zu wollen. Es platzt förmlich vor seinen Augen und ein wilder Federwirbel verdeckt für einige Momente die Sicht.
Dann der Schock, wo zuvor der Vogel, dann die wilden Federn, steht jetzt eine humanoide Gestalt.
Der vorher in der Erinnerung so mutige Froschmonsterbezwinger Egill liegt nun am Boden, wimmernd, stammelnd und so ängstlich und irritiert wie es ein Mann mittleren Alters nur sein kann.
Selbst die Stimme in seinem Kopf die die vorherige Erinnerung kommentiert hat schweigt, so gefesselt von grausiger Faszination ist er auf jeder Ebene.
Seine Erinnerung hingegen ist unnachgiebig, einmal aufgerüttelt läuft sie durch, ohne Halt zu machen und dem Verstand eine Pause zu gönnen.
Die Gestalt will wissen wer er ist. Alles um sie herum scheint wie elektrisiert, kein Wunder dass in dieser Erinnerung die Stimme der Gestalt schrecklicher klingt als das wohl der Fall wahr.
Egill, so ängstlich wie selten zuvor bringt keine sinnvolle Antwort hervor. Sein in diesem Moment lichterloh brennender Verstand wittert einen Geist, vielleicht sogar den Tod selbst. Diesen sollte man besser keine Fragen beantworten, sind es doch heimtückische Kreaturen die Seelen verzehren, so wurde es ihm beigebracht und so blieb es auch hängen im Gegensatz zu den meisten anderen Sachen.
Auf die Weigerung hin wirkt die Gestalt nicht sehr erbaut, schon züngeln wieder wild Blitze um seine Gliedmaßen, die zwar sicher Hände waren, in Egills Erinnerung aber eher eine Mischung aus Tentakeln und Krallen sind.
Doch dann tritt ein neues Gespann auf, die vermeintliche Frau des Schmiedes, zwar wurde das mehrfach dementiert aber in Egills Verstand wird sie immer noch damit assoziiert, und ein anderer Mann den er nicht kennt.
Die Frau scheint das Ding, und zumindest in seinem Kopf ist es kaum mehr als eine Monstrosität die einem Alptraum entsprungen sein könnte, noch nicht voll zur Kenntniss zu nehmen denn sie bemüht sich zunächst dem armen Egill zu helfen. Ihre Hand streckt sich herunter, wird jedoch nicht ergriffen, zu verwirrt scheint Egill von dem Schauspiel.
*Selbst diese Erinnerung, läuft sie auch nur in seinem Verstand ab, bringt ihn ins Schwitzen und bereitet ihm Kopfschmerzen.*
Jetzt tritt der Mann auf das Spielfeld. Groteskerweise wirft er spöttelnde Worte, gegen wen geht dabei nicht klar hervor aber offenbar auch gegen die Reinkarnation des Todes da im Schnee. Als ihm Worte scheinbar nicht mehr reichen greift er zu handfesteren Argumenten in Form eines Schneeballs. Als dieser schließlich durch die Luft fliegt bricht offenbar irgendetwas in Egills Verstand, denn die nachfolgenden Bilder sind seltsam.
Die Gestalt raubt ihm weder die Seele noch zehrt sie von diesem wagemütigen Mann...
'Sicher ein Geisterjäger oder dergleichen, ein Priester spezialisiert auf das Vertreiben solcher Erscheinungen. Sicher war das auch kein gewöhnlicher Schnee....'
Versucht die Gedankenstimme jetzt das Gesehene zu erklären.
Der rest der Erinnerung verläuft wieder in den Bahnen, die ihm eher bekannt sind. Man sieht Egill zur Taverne hasten und einen Becher nach dem anderen Bajarder Küstennebel in sich hineinschütten....
Schockiert reißt Egill die Augen auf, erst jetzt bemerkt er, er ist alleine in der Herbergshalle. Was war da geschehen? Bei allem was ihm heilig ist, und viel ist das nie gewesen, das war mit Abstand das Merkwürdigste was er je erlebt hatte.
Er würde umgehend Rell davon berichten, auch wenn er sich dessen Reaktion schon vorstellen konnte. Ja er konnte ihn förmlich vor sich sehen, diesen Lümmel namens Adhar Rell, lachen würde er über ihn, gemein lachen....
Mit diesen Gedanken und dem Vorsatz, Rell zur begrüßung eine schallende Ohrfeige zu verpassen verlässt er schließlich die Herberge...