Allerich und die Ankunft in Adoran.
Allerich saß auf den Fellen am Boden neben seinem Bett und kramte leiser in seiner Truhe, da Tjark heute bei ihm schlafen durfte, und er ihn nicht wecken wollte. Auf manche Habseeligkeiten in seiner Truhe war er sehr stolz und immer wenn er nicht schlafen konnte, oder traurig war, setzte er sich vor seine Truhe, und besah sich all seine Sachen. So auch in der letzten Nacht. Er sah immer wieder die Monster und die sterbenden Wachleute die gefressen wurden, wenn er die Augen zumachte, also beschloß er sie solange aufzuhalten, wie er konnte. Und was half da am Besten? Genau, Ablenkung. Das hatte er schon gelernt.
Sein Augenmerk fiel auf das große Buch, das ihm der Ritter Sir Alessandro geschenkt hatte. Es war am Buchrücken schon ein wenig kaputt, weil Allerich es wütend durch sein Zimmer geschleudert hatte, kurz nach dem er es geschenkt bekam. Seine Gedanken sollte er dort hinein schreiben, erklärte ihm der Ritter und erzählte ihm weiterhin, das dieses Buch etwas ganz besonderes sei. Für Allerich sah es aus wie ein ganz normales Buch, nur etwas größer und die leeren Seiten darin, fand er weniger interessant. Er hatte sich dennoch ordentlich und artig für das Geschenk bedankt und auch als er später wütend auf den Ritter war und es ihm am liebsten zurückgegeben hätte, hatte er das Buch noch immer in seiner Truhe. Aber Sir Alessandro hatte sich ja auch entschuldigt und so konnte er das Buch doch auch weiterhin behalten. Jetzt hatte Allerich das Buch in der Hand und überlegte was er denn hineinschreiben könnte. Er hatte dem Ritter gesagt, wenn er etwas ins Buch hineinschreibem würde, könne es ja doch irgendwann einer lesen, vielleicht wäre es nicht so gut, zu schreiben was man dachte. Denn einmal gesagt oder geschrieben konnte man es nicht mehr zurücknehmen, auch das hatte Allerich bereits gelernt.
So leise wie möglich, erhob Allerich sich von den Fellen, nahm Federkiel, Kohlestifte und das Buch mit und setzte sich an den Tisch neben dem Fenster, so konnte er, so dachte er es sich, sich gleichzeitig ablenken und aufpassen, dass keine weiteren Monster in seine Nähe kamen. Eigentlich hatte er noch soviel anderes zutun. Er wollte die Zwerge zeichnen, und seiner Mutter und seinem Vater schreiben. Seinen Großeltern sollte er auch schreiben. Und dann war da noch das Konzept für das Fest in Adoran. Doch all das war im Moment keine Ablenkung. Er dachte an seine Mutter, und dass sie vielleicht schon auf dem Weg wäre nach Adoran um ihn zu besuchen und was sie alles nicht wusste. Auch Allerich musste schon in kurzer Zeit, und er war gerade erst ein paar Mondläufe in Adoran, sovieles lernen und erleben, also beschloss er alle gelernten Dinge in das Buch zu schreiben und alles was wichtig war, für das Leben allein in der Fremde und in Adoran und auf Gerimor, für immer festzuhalten. Er klappte das Buch auf und nahm sich vor alles aufzuschreiben, damit er es nicht vergaß und auch seiner Mutter später ausführlich erklären konnte.
Als erstes dachte er an seinen zehnten Geburtstag und der Nachricht am Vortag, und den traurigen Blick seiner Mutter, der ihm Angst machte. Seine Eltern und Großeltern hatten beschlossen ihn nach Adoran zu seinter Tante zu schicken und er sollte dort alles über das Leben lernen. Er verstand nicht recht, wieso er das nicht auch daheim konnte. Allerich hatte versucht mit seiner Mutter eine Lösung zu finden, und sie hatte ihm gesagt wie lieb sie ihn hatte, aber an der Entscheidung des Vaters und des Großvaters nichts hatte ändern können. Sie nahm Allerich das Versprechen ab, immer ihr lieber Junge zu bleiben, weiterhin fleissig zu lernen und alle stolz auf sich zu machen. Sie würde ihn sobald wie möglich besuchen und es würde alles gut werden. Die letzten Worte wiederholte sie so oft, das Allerich an ihnen zu zweifeln begann. Ohne seine Mutter irgendwohin zu reisen, auch wenn es Verwandte waren, hatte im Angst gemacht. Er versuchte damals seiner Mutter zu erklären, dass er auf alle Geschenke in diesem Jahr verzichten würde, wenn er doch nur daheim bleiben dürfte. Doch seine Mutter konnte nur versuchen ihn zu trösten. An der Entscheidung der Familienoberhäupter hatte sie nichts zu rütteln, so sehr sie und ihr Sohn es sich auch gewünscht hatten. Sein Geburtstag ging seiner Ansicht nach viel zu schnell vorüber, und es war nicht so ein freudiger Tag gewesen wie sonst all die Jahre.
Der Reiseantritt war am gleichen Tag wie sein Geburtstag und die Reise hatte über vier Wochenläufe gedauert. Und in der ersten Woche hatte Allerich sich richtig krank gefühlt und sich mehrfach übergeben müssen. Er wäre am liebsten gleich wieder heimgefahren, und das teilte er den anderen auch ständig mit. Er war noch nie krank gewesen, ohne dass seine Mutter ihn liebevoll gesundpflegen konnte. Überhaupt war er noch nie ohne seine Mutter irgendwo gewesen. Gunnhold Brynn, der Knappe seines Vaters hatte ihn auf die lange Reise begleitet und ihm immer gut zugeredet und gesagt, dass alles gut werden würde, er müsse nur dafür beten und daran glauben. Die Fischer und Seefahrtleute, machten sich lustig über Allerich, der noch nie einen einzigen Fisch gefangen hatte und der sich zu Anfang stur stellte, wenn sie ihn fragten, ob er es denn nicht mal versuchen möchte. In der zweiten Woche auf dem Schiff, begann Allerich die Reise Spaß zu machen und er sah den Fischern und Seefahrtleuten bei ihrer Arbeit zu. Zumindest musste er kein Fleisch essen, auch wenn Gunnhold und ein paar andere ihn davon immer überzeugen wollten. Am Ende der Reise hatte er sich auch getraut einen Fisch zu fangen, aber töten wollte er ihn nicht. Irgendwie tat er ihm leid, auch wenn er Fisch, im Gegensatz zu Fleisch, aß. Seinen eigenen gefangenen Fisch wollte er seiner Tante mitbringen, schliesslich wartete sie auf ihn und er hatte kein Geschenk für sie dabei. Später machten sich auch nicht mehr allzuviele über Allerich lustig, schliesslich hat er ja auch gefischt und sogar einen ganz großen Fisch an der Angel gehabt. Einer der Seeleute tötete den Fisch für Allerich und packte ihm jenen sorgfältig ein.
Als Gunnhold und Allerich dann in Adoran ankamen, dachte Allerich bei sich, das ein Fisch als Geschenk vielleicht nicht ausreichen würde, auch wenn er selbst gefangen worden war. Also machten sie sich auf in die Tavernen und Läden um Gebäck und Blumen zu finden. Doch ihre Suche blieb ergebnislos. Es war zu spät am Abend, das meiste war schon ausverkauft, und weiter wollten sie nicht die Geschäfte absuchen, denn Allerich war müde und aufgeregt zugleich, und lange herumlaufen konnte er noch nie leiden.
Gunnhold schlug dann vor, gleich zum Anwesen zu gehen, doch Allerich war mulmig zumute. Was würde ihn erwarten, und würden sie sich freuen, konnten sie ihn leiden oder würden sie sich lustig machen? Gab es dort auch jemanden der so nett war wie seine Mutter oder Lena? - Er hoffte zumindest Gunnhold würde eine Weile bleiben und versuchte ihn zu überreden, das Schiff am nächsten Morgen noch nicht zu nehmen. Er könnte doch auch etwas länger bleiben oder ihn einfach wieder mit zurück nehmen. Doch all seine Überredungskünste waren erfolglos. Bei seiner Mutter klappte das besser. Gunnhold lachte nur und sprach dem Jungen wieder gut zu, erklärte das alles gut werden würde, dann läutete er auch schon an dem großen Tor des Anwesens.
Allerich überlegte eine Weile, was er da auf der Reise alles gelernt hatte, und was er unbedingt festhalten müsse, in diesem besonderem Buch und für das wichtige Leben, und so notierte er als erstes:
Wenn jemand traurig guckt, wird man weggeschickt.
Väter haben mehr zu sagen als Mütter. Mütter müssen auf die Väter hören.
Geschenke für Geburtstage sind nicht immer gute Sachen.
Lange Schiffsreisen machen krank. Man wird auch gesund wenn die Mutter nicht dabei ist, es dauert nur länger.
Wenn man nicht krank ist, kann es auf einem Schiff toll sein.
Ein Knappe eines Ritters wird auch krank auf einem Schiff, sogar mehrfach.
Man kann auch selbstgefangenen Fisch essen ohne ihn selbst zu töten. Töten kann man ihn auch lassen.
Sie machen sich lustig wenn Du keinen Fisch fängst und Du kein Fleisch isst.
Alles wird gut.
Danach legte er den Federkiel wieder beiseite, besah sich seine Sätze und dachte über die erste Begegnung mit seiner Tante und den anderen Bewohnern des Anwesens nach. Den ersten Blick seiner Tante hatte er immer noch nicht vergessen,wie sie ihn entgeistert, und mit diesen großen Narben im Gesicht ansah. Sie wirkte mit diesem Blick sehr böse und sie hatte nicht die geringste Ahnung von dem Besuch ihres Neffen. Kurz keimte an diesem ersten Abend Hoffnung in Allerich auf, dass er wieder heim konnte, an die Seeluft war er ja noch gewohnt. Doch Gunnhold schob ihn direkt vor seine Tante und er sollte sie begrüßen. Er begrüßte sie, so wie Mutter es ihm beigebracht hatte, naja fast. Seine Tante starrte ihn mit diesem bösen Blick einfach eine Weile lang weiter an, und er dachte, er hatte etwas falsch gemacht und fragte gleich nach, ob die Anrede 'Tante Darna' nicht richtig sei. Sie brauchte noch eine Weile, bis sie ihn bemüht freundlich begrüßen konnte. So richtig verstand Allerich nicht, wieso sie ihn so ansah und warum sie erst nichts sagte. Und sie erklärte, dass der erste Brief von Elbenau bei ihr nicht angekommen sei, sie von seinem Besuch nichts wusste und erst als Gunnhold ihr den Brief von Veltin, dem Vater Allerich's und Bruder Darna's reichte, begann sie langsam zu verstehen. Der nächste Anblick war auch nicht so schön. Blitz der große Hund. Er bellte und sah bedrohlich und riesig aus. Allerich blieb weiterhin in Gunnholds Nähe und eigentlich wäre er am liebsten gleich wieder umgedreht und gegangen. Doch Gunnhold schob ihn weiter ins Haus und sie setzten sich an einen großen Tisch.
Allerich hatte zwei Briefe bei sich. Einen von seinem Vater, den er seiner Tante geben sollte und einen von seiner Mutter den er einer Magd oder dem Koch des Hauses geben sollte. Von dem Brief seiner Mutter wusste auch Knappe Gunnhold bis zu dem Abend des Eintreffens der beiden nichts. Aber Allerich dachte, er fragt besser nach, wer denn Magd oder Koch sei, dann wüsste er zumindest wem er den Brief geben könnte. Die Antwort war allerdings nicht so erfreulich. Er sollte beide Briefe gleich an Tante Darna abgeben, oder einen an Hoheit Onkel Adrian. Allerich's Mutter hatte ihm genau gesagt wem er welchen Brief geben sollte und er hatte ihr versprochen, das genau so zu machen. Aber er sollte hier in Adoran auch auf seine Tante und seinen Onkel hören und sie wollten den Brief von seiner Mutter ebenfalls sehen. Eine Zwickmühle. Er kannte das Wort und dessen Bedeutung und er überlegte wie er da wieder heraus kam. Nach einer Weile des Nachdenkens beschloss Allerich, den Brief einfach vor sich abzulegen. So hatte er ihn niemandem direkt gegeben, aber zumindest abgegeben. Irgendwie hatte er somit doch auf alle artig gehört. Adrian las den Brief seiner Mutter dann sogar allein in der Bibliothek und nicht bei seiner Tante, so wie seine Mutter es wollte. Er beobachtete auch seine Tante, dessen Gesichtszüge sich stetig veränderten, beim Lesen des Briefes, seines Vaters. Er hatte beide Briefe selbst nicht gelesen, weil er es versprochen hatte, und Versprechen hielt er ein.
Seine anfängliche Hoffnung am nächsten Morgen mit Gunnhold wieder auf dem Schiff zu sein um die Heimreise anzutreten verflüchtigte sich rasch, als seine Tante versprach, der Bitte ihres Bruders nachzukommen. Er verstand nicht wieso alle etwas taten, das keinen glücklich machte. Seine Mutter war traurig, er war traurig, seine Tante und sein Onkel schienen nicht begeistert zu sein und warum sollte er bleiben. Selbst die Mägde und Köche waren nicht da und seine Tante musste selbst Essen machen für ihn, wenn das seine Mutter gesehen hätte... Alle Überredungsversuche an Gunnhold, ihn wieder mit heim zunehmen, blieben fruchtlos. Da half kein Betteln und kein Flehen. Gunnhold blieb eisern. Hoheit Onkel Adrian erklärte ihm, das er ihn mit Hoheit anzusprechen habe, um seinen Benimm nicht zu schmälern. Allerich empfand es als eigenartig seinen Onkel so zu nennen, aber vielleicht machten das hier alle so und dann musst er sich daran auch halten.
Hoheit Onkel Adrian's Interesse war groß, als es darum ging was Allerich schon alles gelernt hatte und welchen Unterricht er bisher hatte, sollte er ihm genauer ausführen. Allerich war müde und erklärte alles nur ein wenig und als seine Tante den Tisch gedeckt hatte, und alle ohne ein Tischgebet anfingen zu essen, war ihm bereits klar, das hier alles anders war als daheim. Hoheit Onkel Adrian wollte ihm gleich am ersten Abend einer Laufübung unterziehen oder .. was er auch immer damit meinte. Allerich bekam etwas Angst und lenkte das Gespräch wieder auf die schmutzige Kleidung um. Als es dann später auch um die Kleidung und viele andere Themen ging, bemerkte er die ersten spitzen Bemerkungen, die auch in den nächsten Tagen immer häufiger wurden. Und er merkte das hier vieles anders und unbekannt war, ja selbst die Verhaltensweisen, und das was man durfte oder nicht durfte hier ganz anders gehandhabt wurde. Auch die Fragen die ihm gestellt wurden oder die er stellte, wurden nicht immer gut aufgenommen.
Doch die Gespräche an dem Abend seiner Ankunft wurden jäh unterbrochen, als erst die Türglocke ertönte und dann kurz darauf der Ruf seiner Tante von den Toren zum Haus zu vernehmen war, das Piraten am Anwesen seien. Von ihnen hatte er bisher nur gehört, noch nie einen gesehen, höchstens mal in einem Buch. Alles wurde hektisch und Hoheit Onkel Adrian, der ihm vorher noch von den Gefahren dieses Landes erzählte, sagte ihm, er solle sich von den Fenstern fernhalten und sich am besten verstecken und still sein. Allerich versteckte sich in der ersten Nacht unter dem Bett seiner Tante und hatte sich fest gewünscht ganz schnell wieder daheim und bei seiner Mutter sein zu dürfen und in seinem eigenem Zimmer und seinem eigenem Bett. Bei den bittenden Gebeten an Temora schlief er allerdings rasch und erschöpft ein und bekam gar nicht mehr mit, was mit den Piraten dann wirklich geschehen war.
Allerich sah wieder auf das Buch auf dem Tisch vor sich und notierte ein paar Sätze die ihm für das Leben hier wichtig erschienen und von den Dingen, die er an diesem ersten Tag im Anwesen gelernt hatte, festgehalten werden mussten:
Obwohl es alle traurig macht, machen Leute Sachen, die man nicht will.
Ein Knappe eines Ritters handelt so ähnlich wie sein Ritter und lässt sich nicht so gut zu Sachen überreden.
Großen Hunden geht man besser erst einmal aus dem Weg.
Verwandte werden mit dem Titel angesprochen, anfangs und vor wichtigen Leuten.
Piraten sind böse. Aber wenn sie kommen muss man keine Übungen machen.
Man wird auch an Orte geschickt die gefährlich sind, aber da gibt es gute Verstecke.
Speisen die Verwandte kochen, schmecken auch.
Allerich bemerkte wie das Denken über all die wichtigen Sachen des Lebens ihn müde machte. Es lenkte auch nicht allzu gut ab. Noch einmal sah er aus dem Fenster und lauschte an der Tür. Die anderen konnten auch nicht schlafen und sprachen wohl noch lange über die Geschehnisse. Er selbst legte sich wieder in sein Bett und sah rüber zu Tjark.
Sein Freund Tjark schlief etwas unruhig und sein Hund, der zum Glück nicht von den Monstern gefressen wurde, lag still schlafend zwischen den beiden Betten auf seinem Fell. Er würde noch weiter schreiben, in das besondere Buch, das nahm er sich fest vor. Er konnte dann die wichtigen Sachen immer nachlesen oder seiner Mutter oder wem anderen erklären, wenn jemand neu hier in Adoran war. Und er hatte viel gelernt, doch nun wollte er auch ein bisschen schlafen. Vorher bedankte er sich nocheinmal bei Temora, und betete dafür, dass es weiterhin allen gut ging, das Tjark und er selbst besser schlafen konnte und weder er noch sein Hund oder sonst jemand den er gern hatte, von den Monstern gefressen werden sollte.
Allerich und die wichtigen Dinge des Lebens.
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Allerich von Elbenau
Allerich und die wichtigen Dinge des Lebens.
Zuletzt geändert von Allerich von Elbenau am Dienstag 16. November 2010, 16:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Allerich von Elbenau
Allerich und die verschiedenen Konsequenzen I.
Allerich hatte wieder viel gelernt in den letzten Tagen, aber was genau konnte er noch immer nicht so recht einordnen. Eigentlich wollte er sein Buch so weiter führen, das er die wichtigen Dinge des Lebens, und alles was er von Anfang an seit seiner Ankunft in Adoran gelernt hatte, der Reihe nach und zeitlich geordnet niederschrieb. Doch sein Kopf war voll mit den Dingen der letzten Ereignisse und über Sachen wie seine Familie und den Angestellten, Monster und Feste, Freunde, fremde Menschen und Völker sowie das Schwanger werden durch Beten, konnte er auch später noch schreiben. Die neuesten Ereignisse waren wichtiger und Sir Allessandro hatte ihm gestern noch gesagt er sollte auch die schlechten Dinge aufschreiben. Allerich saß allein in seinem Zimmer, den Hund hatte er wieder bei Torwen abgegeben und sah bereits seit zwei Stunden auf die Zeilen in sein Buch. So recht wusste er noch nicht was er niederschreiben könnte, er fühlte sich noch immer recht durcheinander.
Neben dem Hausarrest, dem seine Tante Darna ihm nach seinen Taten als Strafe gegeben hatte, hatte er sich selbst noch Zimmerarrest auferlegt. Genau konnte er auch noch nicht einordnen warum, aber es fühlte sich richtig an. Was aber genau richtig war und was nicht, und ob er das noch wirklich wusste, darüber war er sich ebenfalls nicht sicher. Natürlich würde er, so er zum Essen runter kommen sollte, kurz sein Zimmer verlassen, aber dann würde er doch wieder gleich nach oben verschwinden zum nachdenken. Und Allerich musste seit gestern soviel nachdenken, daß ihm der Kopf wehtat, was ihn aber ein bisschen von den anderen Schmerzen ablenkte die er auch noch fühlte. Er versuchte alle Gedanken noch einmal zu sortieren aber so genau klappte das nicht und er überlegte noch mal ganz genau wie alles vor einigen Wochenläufen angefangen hatte:
Seine Tante hatte ihm damals angeboten, sie hinter die Osttore der Stadt Adoran zu begleiten, um die Ritter bei ihren Lanzenreitübungen für ein Turnier zu beobachten. Er musste nicht lange überlegen und wollte sich das sehr gern zusammen mit seiner Tante anschauen. Zudem war er gern mit ihr zusammen und soviel Zeit hatte seine Tante ja meist auch nicht. Als sie dort ankamen, war noch kein Ritter da, also konnten sie sich noch den Festplatz anschauen, den Allerich auch noch nicht kannte, aber vielleicht für sein geplantes Fest ins Konzept mit aufnehmen könnte. Nach wenigen Augenblicken kamen aber alle Ritter zum Übungsplatz auf ihren Schlachtrössern angeritten, reihten sich nebeneinander ein und begannen ihr Training für das Turnier.
Allerich und seine Tante standen an der Seite neben Ilbert und Shaya und schauten zu. Seine Tante war zwischenzeitlich von einem Raben abgelenkt worden und er wurde hinter sie geschoben, mit der Erklärung, das Raben auch böse verwandelte Menschen sein konnten. So konnte er eine zeitlang fast nichts mehr sehen, bis Sir Rafael die Übungen verändern wollte und auf Holzstangen deutete, die mit vielen kleinen Ringen bestückt waren, die jeder Ritter mit seiner Lanze versuchen sollte aufzuspießen. Allerich bekam einen Pfirsich gereicht und aß ihn langsam und schaute weniger begeistert zu. Sir Rafael bat dann aber auch Allerich zu helfen und erklärte, er könnte die Ringe dann immer wieder aufheben und wieder an den Holzstangen befestigen. Allerich lehnte nicht ab, ihm war ein wenig langweilig geworden, weil die Ritter vorher nur im Kreis geritten waren und nur ein einziger leicht gestürzt war. Doch nun hatte er eine Aufgabe bekommen und er aß seinen Pfirsich rascher auf und steckte den Kern in seine Hosentasche als der erste Ritter mit den Ringen fertig war. Rasch machte Allerich sich an seine neue Aufgabe und begann die Ringe wieder aufzuhängen. Das ganze machte er genau drei Mal. Dann begannen die Ereignisse.
Allerich stand wieder bei seiner Tante, die noch immer an der Wegseite stand, zuschaute und mit ihrem Pfirsich beschäftigt war. Irgendwann wurde er von ihr und Shaya umgestoßen und stürzte zu Boden, er hatte nicht gleich verstanden warum, und es wurde ein bisschen hektisch. Rafael's Pferd hatte plötzlich einen Sprung zur Seite gemacht und den Ritter dabei von seinem Rücken geworfen. Rafael stürzte direkt gegen Darna, die Shaya mitriss und beide stießen Allerich, der vor ihnen stand, mit um. Allerich erschrak als er auf die Knie geschubst wurde und er schaute zu seiner Tante, die noch am Boden saß und zudem auch schwanger war. Seine Tante fragte ihn noch irgendetwas, doch das bekam er nicht mehr mit, denn in dem Moment sah er das Schlachtross von Sir Rafael auf sich zukommen und erstarrte augenblicklich.
Shaya, die das Pferd ebenfalls bemerkt hatte zog Allerich hinter sich doch das Schlachtross folgte. Große Angst überkam Allerich und er lief davon, und auch daß Pferd lief eilig hinter ihm her. Er verstand nicht warum das Pferd hinter ihm her war und er hatte auch keine Zeit darüber nachzudenken. Er hatte nur große Angst und als er dann auch noch zum zweiten Mal zu Boden stürzte, er alle Erwachsenen hektisch reden hörte und das große Schlachtross auf sich zu kommen sah, dachte er, das wäre sein Ende. Raindri war ihm nachgelaufen, was er vor lauter Angst nicht mitbekommen hatte, und kurz bevor das Pferd in Allerich's Nähe war, warf sich Raindri gerüstet und mit vollster Kraft gegen das Pferd. Alle begannen wieder zu hektisch zu reden und Sir Rafael begann sich heraus zu reden mit Worten die Allerich wütend machten, doch er hatte noch viel zu viel Angst um sich aufzuregen und er blieb weinend am Boden bis sein Onkel ihm aufhalf.
Allerich wollte nur noch zu seiner Tante die er zu dieser Zeit als größten Schutz empfand, schließlich hatte sie immer Temora's Schwert bei sich. Alle sprachen weiterhin aufgebracht und Sir Rafael redete sich weiterhin heraus. Allerich vernahm alle Worte schweigend und ängstlich an seine Tante gedrückt. Erst als seine Tante mit ihm sprach und sagte, das Sir Rafael wieder in der Nähe sei, begann er sich wieder zu regen und hob den Blick zu Rafael an. Als er jedoch sah, daß er mit seinem Pferd auf ihn zukam, erfasste ihn erneute Angst und er lief davon. Dieses mal drehte er sich nicht um und lief und rannte, bis er die Kirche in Adoran erreichte. Dort sucht er sich eine verstecktere Ecke hinter einem großen Blumentopf und begann zu zittern und zu weinen.
Als die anderen die Kirche betraten und er die Stimme seiner Tante vernahm, begann er sich zu schämen. Er war schmutzig von den Stürzen und er weinte noch immer und hatte Angst. Seine Tante konnte ihn nach einer Weile beruhigen und sie erzählte ihm von der Tugend der Tapferkeit und das man Angst haben dürfe, auch vor Pferden. Dann begannen sie gemeinsam zu beten, zu Temora und auch seine kleinen Schrammen an den Händen und die Verletzung an den Knien verschwanden. Er fühlte sich auch so besser, die Angst war nicht mehr so groß und seine Tante hatte ihn wieder beschützt. Auch Hoheit Onkel Adrian mit dem er sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so gut verstand und Raindri, der sich tapfer vor das Pferd geworfen hatte um Allerich zu beschützen, waren in der Nähe. Und Raindri erklärte ihm, daß wer frei von Angst sei, die Gefahren auch nicht immer wahrnehmen würde, Allerich jedoch lernen müsse nicht mehr vor seinen Ängsten davon zulaufen, sondern sich ihnen stellen sollte. Die beiden brachten ihn dann auch sicher nach Hause und Allerich fiel erschöpft in einen unruhigen Schlaf.
Allerich, der weiterhin in seinem Zimmer vor seinem Buch saß, und über all die anfänglichen Geschehnisse nachdachte, überlegte weiter, wie er denn auf die Idee kam, das er Rafael's Pferd töten ließ:
Die Sache mit dem Pferd war für Allerich der Anfang von vielen weiteren Ereignissen. Am nächsten Tag war er krank geworden und blieb es auch viele Tage lang. Deshalb konnte er auch nicht rasch genug davon laufen, als ein Ork ihn angriff und er wurde verletzt. Und immer hatte er Raindri's Worte im Kopf, das das Weglaufen auch nicht gut sei. Er war auch immer noch krank und verletzt, als er ins Kloster gebracht wurde wegen den vielen Kreaturen die die Lande bedrohten.Im Kloster hatte er sehr viel Zeit zum nachdenken, und nicht alle Gedanken machten gute Laune. Doch nach vielen Tagen nahm er sich nach sehr vielem Nachdenken und etlichen Gebeten vor, nicht mehr wegzulaufen. Er wusste nur nicht genau wie er das machen sollte. Raindri hatte ihm angeboten das Kämpfen zu lernen und er nahm sich vor dies auch zu lernen, das wäre sicher gut um nicht mehr weglaufen zu müssen. So hatten ihm das auch die meisten anderen erklärt. Aber wenn er an das Pferd dachte fiel ihm nicht so gut ein, wie er sich verhalten sollte und außerdem war er noch immer wütend auf Sir Rafael der sich lustig gemacht, und sich auch bisher nicht entschuldigt hatte.
Eine Weile danach waren auch andere Dinge passiert über die er nachdenken musste und er dachte in dieser Zeit weniger über das Pferd nach. Jil beispielsweise. Seine Freundin die durch einen Unfall gestorben sein soll. Er wollte das eigentlich nicht glauben und er fragte jeden, der helfen konnte, mehr zu erfahren um Antworten und eventuell doch die Gewissheit zu haben das es ihr gut ging. Doch da er heute darüber nicht schreiben oder nachdenken wollte, dachte er weiter:
Nachdem er erfahren hatte, das Jil durch einen Unfall starb, musste Allerich wieder an seinen Tag mit der großen Angst vor dem Pferd nachdenken, und auch er dachte an dem Tag er würde sterben, aber das war er nicht. Er wusste jetzt auch warum, weil für ihn sehr gut zu Eluive gebetet wurde als sich seine Eltern ihn gewünscht hatten. Seine Eltern waren auch verheiratet und lebten an einem guten Ort, der auch nicht gefährlich war. Er hatte also das gesamte Paket Schutz, so wie seine Tante es ihm erklärt hatte. Aber würde das Pferd nun Tjark oder Mo, die er auch schon vor dem weißen Schlachtross des Pferdes gewarnt hatte, verfolgen, hatten sie vielleicht nicht soviel Glück.
Sir Rafael hatte ja auch kein Einsehen, schließlich hat er sich nicht einmal entschuldigt. So dachte Allerich jedenfalls darüber, auch wenn er danach nie wieder mit Rafael gesprochen hatte. Und dieses Einsehen wollte er Sir Rafael jetzt schenken. Er sollte wissen, daß es besser ist, sein Tier zu erziehen, gut darauf aufzupassen und es nicht gut ist, sich darüber lustig zu machen, auch wenn es ein Kind verfolgt, das gut geschützt ist. Und dann hatte er gedacht, das er darüber sicher nicht einmal nachdenken würde und Worte da auch nichts bringen würden. Eine Weile fiel ihm auch nicht ein, wie er es ihm beibringen sollte, bis er an einen Abend seinen Freund und Zwerg Ingosch traf.
Er erzählte Allerich bereits Tage zuvor, daß er in Berchgard die ganzen vielen Tiere gegessen habe und das es ganz toll sei, daß er nicht mehr soweit laufen müsste, um gutes Fleisch zu finden. Und an diesem Abend erzählte Ingosch ihm, daß er ihm eine Harpie aus Wulfgard mitbringen würde. Als Allerich dann jedoch erklärte das seine Tante Darna keine weiteren Tiere im Haus haben wollte, schlug Ingosch vor, er könnte dafür ja ein paar Pferde mitnehmen, die hatte er zum essen gern. Ohne lange zu überlegen fiel Allerich dabei das Pferd von Sir Rafael ein. Als Allerich dann vom Schlachtross des Ritters erzählte, das ihn verfolgt hatte, wedelte der Zwerg aufgeregt mit einer schlabbrigen Wurst vor Allerich's und Tjark's Gesicht herum, und versprach aus dem Pferd die beste Wurst zu machen. Es dauerte auch nicht lange und die drei hatten den Plan ausgeheckt. Allerich hatte ihm das Pferd des Ritters genau beschrieben und Ingosch stets erzählt, wo er das Pferd zuletzt gesehen hatte. Tjark und Allerich verbrachten auch manche Tage damit, gezielt nach dem Pferd zu suchen und brachten Ingosch mit Hinweisen in Briefen dazu, immer zu wissen wo das Pferd gerade stand. Allerich wollte das Rafael's Pferd nie wieder wen verfolgte und am Ende noch jemanden tötete, wie seinen besten Freund Tjark, der nicht das gesamte Paket Schutz hatte. Und auch der Ritter Sir Rafael würde daraus sicher etwas lernen, wenn sein Pferd nicht mehr da war und er müsste auf das nächste Pferd besser aufpassen oder hatte endlich ein Schlachtross das erzogen war. Allerich dachte fest daran, das das was er tat, eine gute Sache war.
Und jetzt seit vorgestern, hatte Allerich erst langsam angefangen zu verstehen, das seine Ideen und Taten, die er für gute Sachen hielt, eigentlich nicht gut waren. Auf dem Tauffest im Theater, hatte Sir Rafael ihm traurig erklärt, das sein Pferd bereits vor einer Weile von den Monstern gefressen wurde und hatte ihm gleichsam berichtet, das auch der Herzog und Sir Thelor solch ein Pferd besaßen. Wieder überkam Allerich große Angst als er die Worte vernahm, lief rasch aus dem Theater und versuchte Ingosch zu finden. Vielleicht würde nun das falsche Pferd zu Wurst verarbeitet, dann bekämen alle großen Ärger und Sir Rafael hätte dann auch nichts dazugelernt.
Allerich konnte Ingosch jedoch nicht finden und hinterließ ihm eine Nachricht am Kontor. Seine Angst wurde nicht kleiner, eher immer größer und auch Luca und Tiia und diese seltsame Hexenfrau in der Taverne konnten ihn nicht ablenken. Als er dann bei Luca war und ihn fragte, was jemand denn für einen Ärger bekäme, wenn er vielleicht etwas schlimmes angestellt hatte, machte seine Frage alles noch schlimmer. Luca wollte wissen was Allerich angestellt hatte und nach einigem hin und her berichtete er ihm, das er einen Zwerg auf Sir Rafael's Pferd angesetzt hatte und sein Pferd bereits tot war. Ingosch war aber bereits unterwegs um das Pferd zu suchen und Allerich konnte die ganzen Erklärungen nicht einmal zu Ende führen, weil Luca recht wütend wurde. Allerich hatte noch darüber nachgedacht, daß er es Luca auch nicht sagen sollte, aber er die ganze Angelegenheit wohl am ehesten verstehen würde. Mit soviel Wut von Luca hatte Allerich allerdings nicht gerechnet und er bekam noch mehr Angst, fing zu weinen an und wollte fort. Luca öffnete ihm diesmal sogar freiwillig und recht rasch die Tür und Allerich lief zum Anwesen und packte seine Sachen. Auf die Rufe von Luca hörte er nicht mehr. Er musste und wollte zu Ingosch bevor er das falsche Pferd schlachtete und zu Wurst verarbeitete.
Eine Weile später stand Allerich trotz aller Verbote, die Stadt Adoran niemals zu verlassen, vor den Torwachen Nilzadan's und wurde von Kunna empfangen. Er war so dankbar das er so gute Freunde hatte wie die beiden Zwerge Kunna und Balir. Er erzählte ihnen aufgebracht alles und das Ingosch aufgehalten werden müsse. Gleichsam berichtete er das sogar Luca total wütend geworden wäre, er sicher allen erzählen würde, was Allerich gemacht hatte und alle anderen dann sicher noch wütender seien als Luca. Allerich durfte bei seinen Zwergenfreunden bleiben und auch schlafen, bekam sogar den Schlüssel zu Balir's Behausung und nach und nach schafften die beiden Zwerge es auch, ihn ein wenig zu beruhigen. Die Nacht verbrachte Allerich dann auch neben dem Käfer und Steinbeißer von Balir und fand ein wenig Schlaf.
Als er am nächsten Tag von Geräuschen geweckt wurde, sah er sich in der Behausung von Balir ein wenig um. Doch die Geräusche kamen von außerhalb und so probierte Allerich seinen neuen Schlüssel aus und staunte nicht schlecht als sein Freund Ingosch und Hoheit Onkel Adrian vor der Tür standen. Allerich sprach erst mit Ingosch allein und als dieser ihm berichtete, das er bereits ein Pferd geschlachtet habe, erschrak Allerich sich so sehr, das er umfiel und Ingosch ihn für tot hielt. Rasch holte er Hoheit Onkel Adrian dazu und nach ein wenig tätscheln seiner Wangen und das kühle Nass von Bier in seinem Gesicht erwachte Allerich wieder. Kurz schlug er um sich, denn in der Behausung von Balir war es recht dunkel und er merkte nur das jemand in seiner Nähe war. Erst als er sich den Ellenbogen an Hoheit Onkel Adrian's Rüstung anschlug, wusste er wieder was geschehen war. Er berichtete seinem Onkel alles und weinte und zitterte und hoffte, daß Ingosch kein Ärger bekam. Und als er berichtete, wunderte sich Allerich, das Hoheit Onkel Adrian so ruhig blieb und auch er selbst beruhigte sich langsam wieder, doch die Angst vor den Konsequenzen blieb. Er hatte mehr Angst das Ingosch Ärger bekam oder das er die Zwerge nie wieder sehen durfte. Hoheit Onkel Adrian erklärte, daß Rafael mehrere solch Schlachtrösser besaß oder sicher bereits ein Neues hatte. Der Ort, an dem das Pferd geschlachtet worden war, bedeutete, daß es nicht dem Herzog oder Sir Thelor gehörte, sondern das es eines von Sir Rafael war. Erst als er mit seinem Onkel wieder in Adoran ankam, fühlte er die Angst vor dem Ärger der auf ihn zukommen würde. Allerich fragte sich warum sein Onkel so ruhig blieb und warum er kein bisschen böse wirkte, und ob er vielleicht genauso dachte, daß ihn seine Tante eh wegen den ganzen schlimmen Sachen zurück nach Hause schicken würde, und er deshalb so ruhig blieb.
Der gestrige Abend wurde dann noch sehr sehr lang. Luca kam mit ins Anwesen um den Streit vom Vorabend zu klären, doch Allerich war noch zu aufgeregt und eingeschüchtert und ängstlich um überhaupt irgendetwas zu sagen. Dann kam Balir zum Glück dazu und stand Allerich wieder bei. Allerich bekam erneut einen großen Schreck, als Sir Rafael plötzlich im Anwesen stand und noch von nichts eine Ahnung hatte. Hoheit Onkel Adrian bat Allerich Rafael alles zu erklären und stand ihm zusammen mit Balir bei. Auch Sir Rafael blieb recht ruhig und nahm sogar die Entschuldigung von Allerich an. Er wollte aber den Namen des Schlachters wissen, und sagte etwas von Krieg und Angriff auf den König. Das Rafael auch weiterhin so ruhig blieb, machte Allerich aber eher Angst, als das es ihn beruhigte und er hatte mit einer ganz anderen Reaktion gerechnet, als sie sich ihm geboten hatte. Also erklärte Allerich die ganze Zeit, daß es seine Idee gewesen war und das er auch den Namen des Schlachters nicht preisgeben würde. Allerich verstand nicht warum sie alle nicht wütend auf ihn selbst wurden, es war doch seine Idee gewesen. Nur Luca sagte ab und an, was Allerich falsch gemacht hatte und das man Freunde nicht zu solch Taten überreden dürfte, alle anderen blieben ruhig.
Ohne Balir hätte er den ganzen Abend wohl nicht überstanden, denn selbst als Balir auch Angst vor seiner Tante bekam, die inzwischen nicht nur Allerich sondern auch Balir mit bösem Blick fixierte, blieb er bei ihm. Allerich musste seinen Schlüssel abgeben, weil er weggelaufen und die Stadt verlassen hatte. Ansonsten bekam er keine Strafe zu hören. Er erwartete aber noch eine, vom ersten Moment an, seit er wieder in Adoran war. Abgesehen von seiner Tante, die sich ein bisschen aufregte, war keiner wütend auf ihn. Später sprach er noch von seinem Fenster aus mit Luca und Sir Alessandro. Luca und er klärten ihren Streit und redeten lange und viel über die ganze Angelegenheit. Allerich hatte Angst das Luca auch auf Tjark böse sein würde, wenn er erfährt, das Tjark von der Pferdesache wusste. Irgendwann sagte er es ihm aber doch und Luca wurde nicht wütend. Allerich empfand es schwer die Reaktionen seiner Mitmenschen einzuschätzen und irrte sich oft, und am liebsten hätte er gar nicht mehr geredet, auch wenn Luca immer ständig sagte er rede zu wenig.
Sir Alessandro wollte auch erfahren, was geschehen war und er erzählte ihm in kurzen Sätzen von dem Pferdemord. Auch Sir Allessandro wurde nicht wütend, oder ein bisschen böse und erklärte ihm, das kein Mensch unfehlbar sei, und wenn Allerich wirklich bereuen würde, auch Temora und Eluive ihm vergeben würden. Er wies ihn wieder auf das Buch das er ihm schenkte, und in das Allerich all die Wichtigen Sachen hinein schreiben sollte und erklärte, er solle auch die schlechten Dinge niederschreiben. Die Worte des Ritters macht ihm wieder soviele Gedanken und Allerich fühlte sich noch mehr durcheinander. Er redete noch ein bisschen mit Luca allein, als der Ritter wieder verschwand, bis seine Tante an der Zimmertür klopfte. Und als diese später merkte und erfuhr, das Allerich die ganze Zeit mit Luca, der extra vorher von Hoheit Onkel Adrian fortgeschickt wurde, und Sir Alessandro am Fenster geredet hatte, legte er die Stirn auf dem Tisch vor sich ab und wollte aufhören zu denken.
Er wusste das auch die Sache mit dem Fenster sicher wieder ein Fehler war und eigentlich hätte er seiner Tante auch sagen können wer da unten gewesen war, aber er dachte das sei vielleicht doch nicht richtig Luca gegenüber. Am Ende erfuhr sie es aber doch von dem Gardisten in der Nähe des Fensters und Allerich fühlte sich überfordert und ahnungslos, wie er sich bei all diesen vielen Menschen noch richtig verhalten sollte. Er hatte gelernt das Worte nicht immer gut waren und vielleicht wäre in nächster Zeit einfach das Schweigen gut. Seine Tante wollte aber noch weiter reden und er sollte ihr zuhören, aber sein Kopf fühlte sich schon so voll an und jeder Gedanke den er in einem Moment noch hatte, wurde im nächsten Augenblick schon von einem neuen verscheucht. Er fühlte soviel Wut in sich und Ärger und schob es auf seine Tante, die auch einfach aufgehört hatte wütend auf ihn zu sein und ganz ruhig mit ihm reden wollte.
Und jetzt als Allerich vor seinem Buch saß und wieder über alles nachgedacht hatte, fühlte er sich wieder wütend und auch wieder durcheinander. Vielleicht sollte er sagen, das er heim möchte, zu seiner Mutter. Seine Mutter wusste immer was er brauchte und er hatte daheim auch nie etwas schlechtes gemacht oder auch nur ein einziges Tier getötet. Er besah sich die leere Seite und überlegte was er schreiben sollte über all die Geschehnisse und was er darüber gelernt hatte, aber er konnte nicht mehr so gut denken und dachte daran, was Sir Allessandro gesagt hatte, daß er auch das Schlechte aufschreiben sollte und so schrieb er heute nur:
Eric ist schlecht.
Allerich hatte wieder viel gelernt in den letzten Tagen, aber was genau konnte er noch immer nicht so recht einordnen. Eigentlich wollte er sein Buch so weiter führen, das er die wichtigen Dinge des Lebens, und alles was er von Anfang an seit seiner Ankunft in Adoran gelernt hatte, der Reihe nach und zeitlich geordnet niederschrieb. Doch sein Kopf war voll mit den Dingen der letzten Ereignisse und über Sachen wie seine Familie und den Angestellten, Monster und Feste, Freunde, fremde Menschen und Völker sowie das Schwanger werden durch Beten, konnte er auch später noch schreiben. Die neuesten Ereignisse waren wichtiger und Sir Allessandro hatte ihm gestern noch gesagt er sollte auch die schlechten Dinge aufschreiben. Allerich saß allein in seinem Zimmer, den Hund hatte er wieder bei Torwen abgegeben und sah bereits seit zwei Stunden auf die Zeilen in sein Buch. So recht wusste er noch nicht was er niederschreiben könnte, er fühlte sich noch immer recht durcheinander.
Neben dem Hausarrest, dem seine Tante Darna ihm nach seinen Taten als Strafe gegeben hatte, hatte er sich selbst noch Zimmerarrest auferlegt. Genau konnte er auch noch nicht einordnen warum, aber es fühlte sich richtig an. Was aber genau richtig war und was nicht, und ob er das noch wirklich wusste, darüber war er sich ebenfalls nicht sicher. Natürlich würde er, so er zum Essen runter kommen sollte, kurz sein Zimmer verlassen, aber dann würde er doch wieder gleich nach oben verschwinden zum nachdenken. Und Allerich musste seit gestern soviel nachdenken, daß ihm der Kopf wehtat, was ihn aber ein bisschen von den anderen Schmerzen ablenkte die er auch noch fühlte. Er versuchte alle Gedanken noch einmal zu sortieren aber so genau klappte das nicht und er überlegte noch mal ganz genau wie alles vor einigen Wochenläufen angefangen hatte:
Seine Tante hatte ihm damals angeboten, sie hinter die Osttore der Stadt Adoran zu begleiten, um die Ritter bei ihren Lanzenreitübungen für ein Turnier zu beobachten. Er musste nicht lange überlegen und wollte sich das sehr gern zusammen mit seiner Tante anschauen. Zudem war er gern mit ihr zusammen und soviel Zeit hatte seine Tante ja meist auch nicht. Als sie dort ankamen, war noch kein Ritter da, also konnten sie sich noch den Festplatz anschauen, den Allerich auch noch nicht kannte, aber vielleicht für sein geplantes Fest ins Konzept mit aufnehmen könnte. Nach wenigen Augenblicken kamen aber alle Ritter zum Übungsplatz auf ihren Schlachtrössern angeritten, reihten sich nebeneinander ein und begannen ihr Training für das Turnier.
Allerich und seine Tante standen an der Seite neben Ilbert und Shaya und schauten zu. Seine Tante war zwischenzeitlich von einem Raben abgelenkt worden und er wurde hinter sie geschoben, mit der Erklärung, das Raben auch böse verwandelte Menschen sein konnten. So konnte er eine zeitlang fast nichts mehr sehen, bis Sir Rafael die Übungen verändern wollte und auf Holzstangen deutete, die mit vielen kleinen Ringen bestückt waren, die jeder Ritter mit seiner Lanze versuchen sollte aufzuspießen. Allerich bekam einen Pfirsich gereicht und aß ihn langsam und schaute weniger begeistert zu. Sir Rafael bat dann aber auch Allerich zu helfen und erklärte, er könnte die Ringe dann immer wieder aufheben und wieder an den Holzstangen befestigen. Allerich lehnte nicht ab, ihm war ein wenig langweilig geworden, weil die Ritter vorher nur im Kreis geritten waren und nur ein einziger leicht gestürzt war. Doch nun hatte er eine Aufgabe bekommen und er aß seinen Pfirsich rascher auf und steckte den Kern in seine Hosentasche als der erste Ritter mit den Ringen fertig war. Rasch machte Allerich sich an seine neue Aufgabe und begann die Ringe wieder aufzuhängen. Das ganze machte er genau drei Mal. Dann begannen die Ereignisse.
Allerich stand wieder bei seiner Tante, die noch immer an der Wegseite stand, zuschaute und mit ihrem Pfirsich beschäftigt war. Irgendwann wurde er von ihr und Shaya umgestoßen und stürzte zu Boden, er hatte nicht gleich verstanden warum, und es wurde ein bisschen hektisch. Rafael's Pferd hatte plötzlich einen Sprung zur Seite gemacht und den Ritter dabei von seinem Rücken geworfen. Rafael stürzte direkt gegen Darna, die Shaya mitriss und beide stießen Allerich, der vor ihnen stand, mit um. Allerich erschrak als er auf die Knie geschubst wurde und er schaute zu seiner Tante, die noch am Boden saß und zudem auch schwanger war. Seine Tante fragte ihn noch irgendetwas, doch das bekam er nicht mehr mit, denn in dem Moment sah er das Schlachtross von Sir Rafael auf sich zukommen und erstarrte augenblicklich.
Shaya, die das Pferd ebenfalls bemerkt hatte zog Allerich hinter sich doch das Schlachtross folgte. Große Angst überkam Allerich und er lief davon, und auch daß Pferd lief eilig hinter ihm her. Er verstand nicht warum das Pferd hinter ihm her war und er hatte auch keine Zeit darüber nachzudenken. Er hatte nur große Angst und als er dann auch noch zum zweiten Mal zu Boden stürzte, er alle Erwachsenen hektisch reden hörte und das große Schlachtross auf sich zu kommen sah, dachte er, das wäre sein Ende. Raindri war ihm nachgelaufen, was er vor lauter Angst nicht mitbekommen hatte, und kurz bevor das Pferd in Allerich's Nähe war, warf sich Raindri gerüstet und mit vollster Kraft gegen das Pferd. Alle begannen wieder zu hektisch zu reden und Sir Rafael begann sich heraus zu reden mit Worten die Allerich wütend machten, doch er hatte noch viel zu viel Angst um sich aufzuregen und er blieb weinend am Boden bis sein Onkel ihm aufhalf.
Allerich wollte nur noch zu seiner Tante die er zu dieser Zeit als größten Schutz empfand, schließlich hatte sie immer Temora's Schwert bei sich. Alle sprachen weiterhin aufgebracht und Sir Rafael redete sich weiterhin heraus. Allerich vernahm alle Worte schweigend und ängstlich an seine Tante gedrückt. Erst als seine Tante mit ihm sprach und sagte, das Sir Rafael wieder in der Nähe sei, begann er sich wieder zu regen und hob den Blick zu Rafael an. Als er jedoch sah, daß er mit seinem Pferd auf ihn zukam, erfasste ihn erneute Angst und er lief davon. Dieses mal drehte er sich nicht um und lief und rannte, bis er die Kirche in Adoran erreichte. Dort sucht er sich eine verstecktere Ecke hinter einem großen Blumentopf und begann zu zittern und zu weinen.
Als die anderen die Kirche betraten und er die Stimme seiner Tante vernahm, begann er sich zu schämen. Er war schmutzig von den Stürzen und er weinte noch immer und hatte Angst. Seine Tante konnte ihn nach einer Weile beruhigen und sie erzählte ihm von der Tugend der Tapferkeit und das man Angst haben dürfe, auch vor Pferden. Dann begannen sie gemeinsam zu beten, zu Temora und auch seine kleinen Schrammen an den Händen und die Verletzung an den Knien verschwanden. Er fühlte sich auch so besser, die Angst war nicht mehr so groß und seine Tante hatte ihn wieder beschützt. Auch Hoheit Onkel Adrian mit dem er sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so gut verstand und Raindri, der sich tapfer vor das Pferd geworfen hatte um Allerich zu beschützen, waren in der Nähe. Und Raindri erklärte ihm, daß wer frei von Angst sei, die Gefahren auch nicht immer wahrnehmen würde, Allerich jedoch lernen müsse nicht mehr vor seinen Ängsten davon zulaufen, sondern sich ihnen stellen sollte. Die beiden brachten ihn dann auch sicher nach Hause und Allerich fiel erschöpft in einen unruhigen Schlaf.
Allerich, der weiterhin in seinem Zimmer vor seinem Buch saß, und über all die anfänglichen Geschehnisse nachdachte, überlegte weiter, wie er denn auf die Idee kam, das er Rafael's Pferd töten ließ:
Die Sache mit dem Pferd war für Allerich der Anfang von vielen weiteren Ereignissen. Am nächsten Tag war er krank geworden und blieb es auch viele Tage lang. Deshalb konnte er auch nicht rasch genug davon laufen, als ein Ork ihn angriff und er wurde verletzt. Und immer hatte er Raindri's Worte im Kopf, das das Weglaufen auch nicht gut sei. Er war auch immer noch krank und verletzt, als er ins Kloster gebracht wurde wegen den vielen Kreaturen die die Lande bedrohten.Im Kloster hatte er sehr viel Zeit zum nachdenken, und nicht alle Gedanken machten gute Laune. Doch nach vielen Tagen nahm er sich nach sehr vielem Nachdenken und etlichen Gebeten vor, nicht mehr wegzulaufen. Er wusste nur nicht genau wie er das machen sollte. Raindri hatte ihm angeboten das Kämpfen zu lernen und er nahm sich vor dies auch zu lernen, das wäre sicher gut um nicht mehr weglaufen zu müssen. So hatten ihm das auch die meisten anderen erklärt. Aber wenn er an das Pferd dachte fiel ihm nicht so gut ein, wie er sich verhalten sollte und außerdem war er noch immer wütend auf Sir Rafael der sich lustig gemacht, und sich auch bisher nicht entschuldigt hatte.
Eine Weile danach waren auch andere Dinge passiert über die er nachdenken musste und er dachte in dieser Zeit weniger über das Pferd nach. Jil beispielsweise. Seine Freundin die durch einen Unfall gestorben sein soll. Er wollte das eigentlich nicht glauben und er fragte jeden, der helfen konnte, mehr zu erfahren um Antworten und eventuell doch die Gewissheit zu haben das es ihr gut ging. Doch da er heute darüber nicht schreiben oder nachdenken wollte, dachte er weiter:
Nachdem er erfahren hatte, das Jil durch einen Unfall starb, musste Allerich wieder an seinen Tag mit der großen Angst vor dem Pferd nachdenken, und auch er dachte an dem Tag er würde sterben, aber das war er nicht. Er wusste jetzt auch warum, weil für ihn sehr gut zu Eluive gebetet wurde als sich seine Eltern ihn gewünscht hatten. Seine Eltern waren auch verheiratet und lebten an einem guten Ort, der auch nicht gefährlich war. Er hatte also das gesamte Paket Schutz, so wie seine Tante es ihm erklärt hatte. Aber würde das Pferd nun Tjark oder Mo, die er auch schon vor dem weißen Schlachtross des Pferdes gewarnt hatte, verfolgen, hatten sie vielleicht nicht soviel Glück.
Sir Rafael hatte ja auch kein Einsehen, schließlich hat er sich nicht einmal entschuldigt. So dachte Allerich jedenfalls darüber, auch wenn er danach nie wieder mit Rafael gesprochen hatte. Und dieses Einsehen wollte er Sir Rafael jetzt schenken. Er sollte wissen, daß es besser ist, sein Tier zu erziehen, gut darauf aufzupassen und es nicht gut ist, sich darüber lustig zu machen, auch wenn es ein Kind verfolgt, das gut geschützt ist. Und dann hatte er gedacht, das er darüber sicher nicht einmal nachdenken würde und Worte da auch nichts bringen würden. Eine Weile fiel ihm auch nicht ein, wie er es ihm beibringen sollte, bis er an einen Abend seinen Freund und Zwerg Ingosch traf.
Er erzählte Allerich bereits Tage zuvor, daß er in Berchgard die ganzen vielen Tiere gegessen habe und das es ganz toll sei, daß er nicht mehr soweit laufen müsste, um gutes Fleisch zu finden. Und an diesem Abend erzählte Ingosch ihm, daß er ihm eine Harpie aus Wulfgard mitbringen würde. Als Allerich dann jedoch erklärte das seine Tante Darna keine weiteren Tiere im Haus haben wollte, schlug Ingosch vor, er könnte dafür ja ein paar Pferde mitnehmen, die hatte er zum essen gern. Ohne lange zu überlegen fiel Allerich dabei das Pferd von Sir Rafael ein. Als Allerich dann vom Schlachtross des Ritters erzählte, das ihn verfolgt hatte, wedelte der Zwerg aufgeregt mit einer schlabbrigen Wurst vor Allerich's und Tjark's Gesicht herum, und versprach aus dem Pferd die beste Wurst zu machen. Es dauerte auch nicht lange und die drei hatten den Plan ausgeheckt. Allerich hatte ihm das Pferd des Ritters genau beschrieben und Ingosch stets erzählt, wo er das Pferd zuletzt gesehen hatte. Tjark und Allerich verbrachten auch manche Tage damit, gezielt nach dem Pferd zu suchen und brachten Ingosch mit Hinweisen in Briefen dazu, immer zu wissen wo das Pferd gerade stand. Allerich wollte das Rafael's Pferd nie wieder wen verfolgte und am Ende noch jemanden tötete, wie seinen besten Freund Tjark, der nicht das gesamte Paket Schutz hatte. Und auch der Ritter Sir Rafael würde daraus sicher etwas lernen, wenn sein Pferd nicht mehr da war und er müsste auf das nächste Pferd besser aufpassen oder hatte endlich ein Schlachtross das erzogen war. Allerich dachte fest daran, das das was er tat, eine gute Sache war.
Und jetzt seit vorgestern, hatte Allerich erst langsam angefangen zu verstehen, das seine Ideen und Taten, die er für gute Sachen hielt, eigentlich nicht gut waren. Auf dem Tauffest im Theater, hatte Sir Rafael ihm traurig erklärt, das sein Pferd bereits vor einer Weile von den Monstern gefressen wurde und hatte ihm gleichsam berichtet, das auch der Herzog und Sir Thelor solch ein Pferd besaßen. Wieder überkam Allerich große Angst als er die Worte vernahm, lief rasch aus dem Theater und versuchte Ingosch zu finden. Vielleicht würde nun das falsche Pferd zu Wurst verarbeitet, dann bekämen alle großen Ärger und Sir Rafael hätte dann auch nichts dazugelernt.
Allerich konnte Ingosch jedoch nicht finden und hinterließ ihm eine Nachricht am Kontor. Seine Angst wurde nicht kleiner, eher immer größer und auch Luca und Tiia und diese seltsame Hexenfrau in der Taverne konnten ihn nicht ablenken. Als er dann bei Luca war und ihn fragte, was jemand denn für einen Ärger bekäme, wenn er vielleicht etwas schlimmes angestellt hatte, machte seine Frage alles noch schlimmer. Luca wollte wissen was Allerich angestellt hatte und nach einigem hin und her berichtete er ihm, das er einen Zwerg auf Sir Rafael's Pferd angesetzt hatte und sein Pferd bereits tot war. Ingosch war aber bereits unterwegs um das Pferd zu suchen und Allerich konnte die ganzen Erklärungen nicht einmal zu Ende führen, weil Luca recht wütend wurde. Allerich hatte noch darüber nachgedacht, daß er es Luca auch nicht sagen sollte, aber er die ganze Angelegenheit wohl am ehesten verstehen würde. Mit soviel Wut von Luca hatte Allerich allerdings nicht gerechnet und er bekam noch mehr Angst, fing zu weinen an und wollte fort. Luca öffnete ihm diesmal sogar freiwillig und recht rasch die Tür und Allerich lief zum Anwesen und packte seine Sachen. Auf die Rufe von Luca hörte er nicht mehr. Er musste und wollte zu Ingosch bevor er das falsche Pferd schlachtete und zu Wurst verarbeitete.
Eine Weile später stand Allerich trotz aller Verbote, die Stadt Adoran niemals zu verlassen, vor den Torwachen Nilzadan's und wurde von Kunna empfangen. Er war so dankbar das er so gute Freunde hatte wie die beiden Zwerge Kunna und Balir. Er erzählte ihnen aufgebracht alles und das Ingosch aufgehalten werden müsse. Gleichsam berichtete er das sogar Luca total wütend geworden wäre, er sicher allen erzählen würde, was Allerich gemacht hatte und alle anderen dann sicher noch wütender seien als Luca. Allerich durfte bei seinen Zwergenfreunden bleiben und auch schlafen, bekam sogar den Schlüssel zu Balir's Behausung und nach und nach schafften die beiden Zwerge es auch, ihn ein wenig zu beruhigen. Die Nacht verbrachte Allerich dann auch neben dem Käfer und Steinbeißer von Balir und fand ein wenig Schlaf.
Als er am nächsten Tag von Geräuschen geweckt wurde, sah er sich in der Behausung von Balir ein wenig um. Doch die Geräusche kamen von außerhalb und so probierte Allerich seinen neuen Schlüssel aus und staunte nicht schlecht als sein Freund Ingosch und Hoheit Onkel Adrian vor der Tür standen. Allerich sprach erst mit Ingosch allein und als dieser ihm berichtete, das er bereits ein Pferd geschlachtet habe, erschrak Allerich sich so sehr, das er umfiel und Ingosch ihn für tot hielt. Rasch holte er Hoheit Onkel Adrian dazu und nach ein wenig tätscheln seiner Wangen und das kühle Nass von Bier in seinem Gesicht erwachte Allerich wieder. Kurz schlug er um sich, denn in der Behausung von Balir war es recht dunkel und er merkte nur das jemand in seiner Nähe war. Erst als er sich den Ellenbogen an Hoheit Onkel Adrian's Rüstung anschlug, wusste er wieder was geschehen war. Er berichtete seinem Onkel alles und weinte und zitterte und hoffte, daß Ingosch kein Ärger bekam. Und als er berichtete, wunderte sich Allerich, das Hoheit Onkel Adrian so ruhig blieb und auch er selbst beruhigte sich langsam wieder, doch die Angst vor den Konsequenzen blieb. Er hatte mehr Angst das Ingosch Ärger bekam oder das er die Zwerge nie wieder sehen durfte. Hoheit Onkel Adrian erklärte, daß Rafael mehrere solch Schlachtrösser besaß oder sicher bereits ein Neues hatte. Der Ort, an dem das Pferd geschlachtet worden war, bedeutete, daß es nicht dem Herzog oder Sir Thelor gehörte, sondern das es eines von Sir Rafael war. Erst als er mit seinem Onkel wieder in Adoran ankam, fühlte er die Angst vor dem Ärger der auf ihn zukommen würde. Allerich fragte sich warum sein Onkel so ruhig blieb und warum er kein bisschen böse wirkte, und ob er vielleicht genauso dachte, daß ihn seine Tante eh wegen den ganzen schlimmen Sachen zurück nach Hause schicken würde, und er deshalb so ruhig blieb.
Der gestrige Abend wurde dann noch sehr sehr lang. Luca kam mit ins Anwesen um den Streit vom Vorabend zu klären, doch Allerich war noch zu aufgeregt und eingeschüchtert und ängstlich um überhaupt irgendetwas zu sagen. Dann kam Balir zum Glück dazu und stand Allerich wieder bei. Allerich bekam erneut einen großen Schreck, als Sir Rafael plötzlich im Anwesen stand und noch von nichts eine Ahnung hatte. Hoheit Onkel Adrian bat Allerich Rafael alles zu erklären und stand ihm zusammen mit Balir bei. Auch Sir Rafael blieb recht ruhig und nahm sogar die Entschuldigung von Allerich an. Er wollte aber den Namen des Schlachters wissen, und sagte etwas von Krieg und Angriff auf den König. Das Rafael auch weiterhin so ruhig blieb, machte Allerich aber eher Angst, als das es ihn beruhigte und er hatte mit einer ganz anderen Reaktion gerechnet, als sie sich ihm geboten hatte. Also erklärte Allerich die ganze Zeit, daß es seine Idee gewesen war und das er auch den Namen des Schlachters nicht preisgeben würde. Allerich verstand nicht warum sie alle nicht wütend auf ihn selbst wurden, es war doch seine Idee gewesen. Nur Luca sagte ab und an, was Allerich falsch gemacht hatte und das man Freunde nicht zu solch Taten überreden dürfte, alle anderen blieben ruhig.
Ohne Balir hätte er den ganzen Abend wohl nicht überstanden, denn selbst als Balir auch Angst vor seiner Tante bekam, die inzwischen nicht nur Allerich sondern auch Balir mit bösem Blick fixierte, blieb er bei ihm. Allerich musste seinen Schlüssel abgeben, weil er weggelaufen und die Stadt verlassen hatte. Ansonsten bekam er keine Strafe zu hören. Er erwartete aber noch eine, vom ersten Moment an, seit er wieder in Adoran war. Abgesehen von seiner Tante, die sich ein bisschen aufregte, war keiner wütend auf ihn. Später sprach er noch von seinem Fenster aus mit Luca und Sir Alessandro. Luca und er klärten ihren Streit und redeten lange und viel über die ganze Angelegenheit. Allerich hatte Angst das Luca auch auf Tjark böse sein würde, wenn er erfährt, das Tjark von der Pferdesache wusste. Irgendwann sagte er es ihm aber doch und Luca wurde nicht wütend. Allerich empfand es schwer die Reaktionen seiner Mitmenschen einzuschätzen und irrte sich oft, und am liebsten hätte er gar nicht mehr geredet, auch wenn Luca immer ständig sagte er rede zu wenig.
Sir Alessandro wollte auch erfahren, was geschehen war und er erzählte ihm in kurzen Sätzen von dem Pferdemord. Auch Sir Allessandro wurde nicht wütend, oder ein bisschen böse und erklärte ihm, das kein Mensch unfehlbar sei, und wenn Allerich wirklich bereuen würde, auch Temora und Eluive ihm vergeben würden. Er wies ihn wieder auf das Buch das er ihm schenkte, und in das Allerich all die Wichtigen Sachen hinein schreiben sollte und erklärte, er solle auch die schlechten Dinge niederschreiben. Die Worte des Ritters macht ihm wieder soviele Gedanken und Allerich fühlte sich noch mehr durcheinander. Er redete noch ein bisschen mit Luca allein, als der Ritter wieder verschwand, bis seine Tante an der Zimmertür klopfte. Und als diese später merkte und erfuhr, das Allerich die ganze Zeit mit Luca, der extra vorher von Hoheit Onkel Adrian fortgeschickt wurde, und Sir Alessandro am Fenster geredet hatte, legte er die Stirn auf dem Tisch vor sich ab und wollte aufhören zu denken.
Er wusste das auch die Sache mit dem Fenster sicher wieder ein Fehler war und eigentlich hätte er seiner Tante auch sagen können wer da unten gewesen war, aber er dachte das sei vielleicht doch nicht richtig Luca gegenüber. Am Ende erfuhr sie es aber doch von dem Gardisten in der Nähe des Fensters und Allerich fühlte sich überfordert und ahnungslos, wie er sich bei all diesen vielen Menschen noch richtig verhalten sollte. Er hatte gelernt das Worte nicht immer gut waren und vielleicht wäre in nächster Zeit einfach das Schweigen gut. Seine Tante wollte aber noch weiter reden und er sollte ihr zuhören, aber sein Kopf fühlte sich schon so voll an und jeder Gedanke den er in einem Moment noch hatte, wurde im nächsten Augenblick schon von einem neuen verscheucht. Er fühlte soviel Wut in sich und Ärger und schob es auf seine Tante, die auch einfach aufgehört hatte wütend auf ihn zu sein und ganz ruhig mit ihm reden wollte.
Und jetzt als Allerich vor seinem Buch saß und wieder über alles nachgedacht hatte, fühlte er sich wieder wütend und auch wieder durcheinander. Vielleicht sollte er sagen, das er heim möchte, zu seiner Mutter. Seine Mutter wusste immer was er brauchte und er hatte daheim auch nie etwas schlechtes gemacht oder auch nur ein einziges Tier getötet. Er besah sich die leere Seite und überlegte was er schreiben sollte über all die Geschehnisse und was er darüber gelernt hatte, aber er konnte nicht mehr so gut denken und dachte daran, was Sir Allessandro gesagt hatte, daß er auch das Schlechte aufschreiben sollte und so schrieb er heute nur:
Eric ist schlecht.
Zuletzt geändert von Allerich von Elbenau am Sonntag 5. Dezember 2010, 03:16, insgesamt 1-mal geändert.