Einige Tage waren vergangen seitdem viele von ihnen das Schreiben des Provosts in der Kommandantur gesehen hatten, die anderen hatten später davon erfahren als es bereits vom Hauptmann eingezogen war. Man munkelte unter den Männern, dass die "Blauen" ihn sich bereits geholt hätten trotz der Vorsichtsmaßnahmen seinerseits und beratschlate bereits untereinander wie weiterzuverfahren sei. Der Hauptmann würde ihnen dabei ja offenbar keine Hilfe sein, darüber herrschte im Allgemeinen Einigkeit. Das Staunen der Torwachen war dementsprechend groß als sie am späten Nachmittag ein ihnen nur allzu bekanntes Gesicht erblickten. Der Provost war zurückgekehrt und erfreute sich offenbar guter Gesundheit. Gleich wurde er von einer kleinen Traube umringt und mit Fragen überhäuft. Nach einigen kurzen Erklärungen wählte er sich eine Hand voll Soldaten aus die ihn in das innere der Stadt begleiten sollten um ihm bei seinem Unterfangen zur Hand zu gehen. Gemeinsam mit dem gut gerüsteten Trupp steuerte er diverse belebte Orte in der Stadt an und brachte gut lesbare Pergamente an. Zwischendurch sprach er hier und da mit den beliebten Persönlichkeiten die viel Kontakt zu den Menschen hatten, mit dem Tavernenpersonal, dem Bänker und sogar Nando im Rathaus wurde kurz ein Besuch abgestattet.
Jeder Bürger Rahals der des Lesens mächtig ist und Interesse hat wird auf den Pergamenten lesen können:
Seinen Segen Mitbürger und Mitbürgerinnen der heiligen Stadt.
An euch richtet das Wort Provost Xontor, derzeit dienstältester Soldat neben dem Hauptmann der Armee und wohl so gut wie jedem von euch bekannt.
Freunde und Bekannte, Landsleute, Brüder und Schwestern im Glauben. Ein Geschwür bildet sich im herzen unserer geliebten heiligen Stadt. Ein Geschwür, vor dem wir nicht ewig wegsehen können oder wir werden einer nach dem anderen von ihm vereinnahmt werden. Viele werden wissen wovon ich spreche und viele werden es auch aus erster Hand kennen. Zu lange haben wir weggesehen, das soll sich nun ändern.
Die Rede ist von den Kindern des Herrn. Stets genossen sie Vorrechte gegenüber anderen Bürgern der Stadt, stets wurde ihnen mit gebührendem Respekt begegnet doch das scheint ihnen nicht mehr zu genügen. Der Provost sah sich gezwungen, den Heerführer der letharischen Armee auf das Überschreiten seiner Kompetenzen hinzuweisen. Sofort wurde ihm mit dem Tode auf mannigfaltige Weise gedroht, sofort auch von einem der älteren wenn nicht gar ältesten Kind des Einen. Ins Feuer der Läuterung wollte man ihn werfen, am liebsten gleich vor Ort trotz der nicht unerheblichen Menschentraube die sich um die drei Letharen angesammelt hatte. Als Ketzer beschimpft, frei heraus vor allen Menschen.
Hiermit wird zum offenen Protest ausgerufen. Ein jeder Bürger der sich beteiligen möchte um dem Unrecht Einhalt zu gebieten kann das auf die für ihn mögliche Art und Weise handhaben. Verschließt eure Läden vor ihnen, verweigert ihnen den Zutritt in eure Werkstätten, bittet die Soldaten der Armee gegebenenfalls euch zu schützen. Zeigt dem Volk der Letharen, dass dies eure Heimat ist und auch für sie Regeln und Gesetze gelten.
Zu gegebener Zeit wird ein jeder der Interesse hat zu weiteren Schritten informiert werden.
säuberlich unterzeichnet und tatsächlich mit dem Siegelring des Provosts und damit einem gängigen Zeichen der Armee abgestempelt
Als ein edler Schneidersmann daher kommt, "Blasphemie" schreit und versucht, sich an dem Schreiben zu schaffen zu machen wird er beinahe sofort an der Schulter gepackt und zur Seite gezogen. Spät am Abend erst wird er, ein wenig bearbeitet, wieder nach Hause schlurfen.