Wie man(n) von einem Fettnäpfchen ins nächste springt...

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Niel Finrias

Wie man(n) von einem Fettnäpfchen ins nächste springt...

Beitrag von Niel Finrias »

... weil man nur Augen für eine hat

Einige wenige Tage nach den letzten Ereignissen trat Niel gespannt erneut durch die von Sir Thelor aufgehaltene Tür. Niowe war offenbar nicht da… auf einen Wink des Hausherrn ging er dann in Richtung Wohnstube und schaute sich in den Raum um. Dort am knisternden Kaminfeuer erblickte er sogleich tief in einem Sessel sitzend die junge Frau, die zu besuchen er gekommen war. Sie sah noch immer so abgezehrt aus, so dünn, so blass. So schön, bei Temora und Eluive!

Paradoxerweise kam ihm Lucianna jedes Mal hübscher vor, wenn er sie sah. Diesmal so sehr, dass es ihm glatt die Sprache verschlug. Dass sie ihn dann auch noch anblickte, machte es nicht gerade besser. Unvermittelt scheuchte das alle seine Gedanken auf wie einen Vogelschwarm, und wirr schossen sie durch den Kopf hin und her. Wenn es ihr nur schnell besser ginge…

Sir Thelors Gegenwart hatte etwas überaus Beruhigendes, solange er da war, hatte Niel Zeit, sich auf den nächsten Blick dieser blau-grauen Augen gefasst zu machen. Das Gespräch nahm seinen Gang, doch als der Ritter seinen wichtigen Beschäftigungen nachzugehen den Raum verließ, entstand unweigerlich eine verlegene Pause. Ein funkelnder Blick aus den im blassen Gesicht hervorstechenden Augen brachte Niel erneut völlig durcheinander, entsprechend konnte er auch kaum einen Anfang finden, um mit ihr ins Gespräch zu kommen. Und als er es versuchte, bereute er es beinahe: Das, was er heraus brachte, passte nicht zu dem, was er Lucianna eigentlich sagen wollte, und er rang um Worte, wie er es selten zuvor erlebt hatte. Alles, was er sagte, war falsch, und er wollte sich schon fast verabschieden, um sie nicht weiter aufzuregen.

Doch eine leise, nichtsdestotrotz furchtbar hartnäckige Stimme wurde in seinem Kopf laut: Ich möchte aber bei dir bleiben… Also gab er sich weiter Mühe, Lucianna zu umsorgen, und vermied einfach, ihr allzu oft in die Augen zu sehen. Er ergriff dankbar die Möglichkeit, etwas Unverfängliches zu tun, und brachte ihr eine dünne Suppe zu ihrem Platz vor dem Kamin.

Zu allem Überfluss war Lucianna total ruhig, schweigsam und gelassen, und Niels innere Stimme begann, in die wortlose Stille hinein, die unglaublichsten waghalsigen Vorschläge auf seine ohnehin verwirrten Gedanken loszulassen. Solche, die seine Hände zum Zittern brachten und ihn beinah ein Stück im Sessel versinken ließen vor Verlegenheit. Ganz, ganz unmöglich konnte er das tun! Ich kann dich doch nicht… einfach …! Der Gedanke wurde mutiger, machte sich breit im Schweigen zwischen ihnen. Und Niel tat sich schwer damit, vor sich zuzugeben – zögerte sich einzugestehen, dass das gerade sein Wunsch war – geschweigedenn, dass er wagen sollte, diesen umzusetzen.
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