Das fein verarbeitete Weinglas wurde sachte an seinen ursprünglichen Platz, auf dem dunklen Steintisch niedergelassen, worauf die spinnenbeinartige Hand einen Finger nach dem anderen öffnete und von jenem abließ. Daraufhin lehnte sich der Lethyr zurück in einen ähnlich farbigen Steinstuhl und schloss die leicht hellviolett pulsierenden Augen. Um ihm herum befand sich Dunkelheit und Stille, so wie fast immer im Letharen Unterschlupf. Viel war geschehen in der letzten Zeit. Der Angriff auf Varuna, seine Aufgabe die er während der Schlacht erledigen durfte um Alatar sowie seinem damaligen Lehrmeister Mory’tael die Gunst zu erweisen. Der anschließend abgehaltene Gottesdienst für den Vater sollte seinen Aufstieg perfekt machen. Der steinige Weg auf dem er sich zu anfangs befand schien gar nicht mehr so uneben zu sein. Er war jetzt ein Lethyr und wohl bald würde er einen Schüler unter sich haben dem er selbiges beibringen kann wie es ihm einst gelehrt wurde.
Das kleine Geplänkel mit Ari’derya hatte sich gelegt, Shan’Rhyl hatte sich von ihr zurückgezogen, wie von fast allen Letharen. Er kehrte immer mehr in sich selbst und betrat die Oberebene meist nur noch mit der Knochenmaske sowie der Robe der Bruderschaft. Er hatte es satt den Menschen ins Gesicht lächeln zu müssen, doch war es im Moment noch notwendig. Die Macht müsse erst gefestigt werden, ehe sich die Letharen offenbaren könnten, doch lange würde dies sicher nicht mehr auf sich warten lassen. Sein Hass stieg von Tag zu Tag an, doch wusste er ihn nun zu kontrollieren. Die Kreaturen in den Höhlen erfuhren es bei jeder Jagd wie intensiv seine Bindung zum Vater war, und jene Kraft die aus dieser ausging. Doch durfte er von diesem Weg nicht abkommen, nichts unüberlegtes tun, und diese Kontrolle bei der Ausprägung seines Hasses würde ihn noch einiges abverlangen.
Dann war da noch seine Lethra, Rhy’Xaryl! Noch nicht lange befand sie sich in seinem Besitz, doch beobachtete er sie beizeiten und war zufrieden mit ihrer Entwicklung. Doch konnte er sich bis jetzt nicht wirklich an seinem Eigentum erfreuen, ja er mied es fast schon mit ihr alleine zu sein. Natürlich bemerkte er wie stolz sie war einem Lethyren zu dienen, und auch das sie wollte das er sie sich nahm. Doch wenn ein Lethar überhaupt einen funken Gefühl für jemanden anderen in sich tragen konnte, dann wäre jener sicher mit Ari’derya erloschen. Er hatte damals einen Fehler begangen, und diesen bitter zu spüren bekommen und niemals wieder würde er sich so etwas anmaßen. So betrachtete er Rhy’ im Moment nicht mehr als sein Eigentum, als eine Sache die für alle anderen Tabu war. Vergriff sich jemand an ihr, wäre es das letzte was dieser angefasst hätte. Shan’Rhyl würde sich in nächster Zeit nur noch um seine Steigerung der Macht kümmern. Immerhin musste er vorbereitet sein wenn die Masken der Letharen fallen.................