Es ist eine von den Nächten die niemand gern hat. Gleichmäßige Atemzüge aus dem Nachbarbett die irgendwann hinter der Flut von Erinnerungen verblassen, während man selbst eigentlich einen tiefen Schlaf herbeisehnt, einen der ewig anhalten möge, einen der einem nicht vergönnt ist.
Das Gespräch mit Shaya hatte vieles an die Oberfläche geholt, Tage der Kindheit, der Jugend, des Heranwachsens, des Bestehen müssens, Jahre der Suche, finden und Beisammenseins, des gemeinsamen Weiterziehens, bis wir im Haushalt von Elbenau landeten.
„Entweder wollte man uns bestrafen oder es musste alles passieren, weil wir hier her sollten? Wobei ich mich bei dem Esel frage, warum?“
Eine zufriedenstellende Antwort konnte ich Shaya wohl nicht geben und der Esel war wohl eher eine Eselin, eine schwangere eben, mehr nicht oder doch?
"Merkt Euch. die Bedeutung. des Wortes ... R-i-t-t-e-r. Und nun geht nach Hause."
„Und ich brauche hier keinen Gefängniswärter mehr, ich werde die Bettruhe schon einhalten, Savea...“
„So Ihr neben dem Tor steht, Shaya, soll ich Euch herzlich begrüßen und Savea nicht?“
„… und manches Mal schützt Ihr sie auch indirekt, Shaya, denn manches Mal hatte ich auch bereits den Eindruck, dass sie bereits nicht mehr bei uns wäre, würde dieses nicht das Abweisen zweier Personen statt einer bedeuten.“
„Ich bin nicht Euer Feind, Milady.“
„Ihr merkt das gar nicht, wann Ihr das werdet Savea. Also bildet Euch das meinetwegen so lange ein, wie Ihr wollt.“
„Wenn Ihr Krieg wollt, Savea, könnt Ihr ihn haben.“
Geduldet, damit Shaya den Haushalt nicht verließ.
War es Zufall, dass Shaya ausgerechnet gestern mich von meinem Versprechen entband? Dem vor vielen Jahren gegebenen Versprechen zusammenzubleiben und auf sie Acht zu geben?
Nein, ich will keinen Krieg, hatte ihn nie gewollt.
Sorge ist Gängelei. Fürsorge ein Einsperren. Verantwortung übernehmen, dass nichts geschehe ein Machtkampf.
Euer Zorn Milady, der mir entgegen schlägt will mich verbrennen, die Eiseskälte in Eurem Blick droht mich erfrieren zu lassen.
Ja Milady, Ihr habt gewonnen. Einen Kampf den ich nicht einmal geführt habe… nicht so, wie Ihr denkt.
Ich strecke die Klinge Milady, die nur Ihr seht, die nie in meiner Hand war.
Da sie Euch aber so präsent erscheint, werde ich Euch davon befreien und nein, keine Sorge, ich werde Shaya nicht mitnehmen.
Gestreckte Klinge
-
Savea Falkenlohe
- Beiträge: 1
- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Duell am Tisch
Ich hatte bereits die Klinge gestreckt und Milady wollte sich den Anschein geben die Geste anzunehmen?
„Ich würde es begrüßen, wenn Ihr Eure Kündigung noch einmal überdenkt und zu uns zurück kehrt, Fräulein Savea.“ So, würdet Ihr?
„Aus welchem Grunde würdet Ihr das begrüßen Eure Erlaucht?“
„Weil Ihr wichtige Funktionen erfüllt und Leuten fehlen würdet.“ Ja, das waren natürlich unschlagbare Argumente. Wichtige Funktionen wie kochen? Und Leuten fehlen? Unpersönlicher ging es wohl nicht, Milady.
„Welche Funktionen, die nicht auch jemand anderer übernehmen könnte.. jemand wie Shaya?“ „Sie kann nicht kochen.“ Aha! Den Punkt strich ich mir ein.
„Was möchtet Ihr hören, Fräulein Savea?“
„Was möchtet Ihr sagen Eure Erlaucht?“
„Dass ich es übertrieben finde, was Ihr getan habt. Alles. Kündigung eingeschlossen. Und Ihr quält Shaya damit.“ Ach? Shaya würde jederzeit wissen wo ich zu finden bin, zudem hatte ich ihr zugesagt soweit wie möglich in der Nähe zu bleiben. Ich war nicht aus der Welt für sie.
„Ein Zustand, der lästig ist und vermieden werden könnte, ist es trotzdem.“ Natürlich Milady und mit lästigen Zuständen kennt Ihr Euch ja bestens aus!
„Und weil es Euch lästig erscheint und ich Eurer Meinung nach Shaya _quäle_ soll ich zurückkommen? Vergesst es.“
„Die Bedingung wäre stattdessen, dass Ihr mich künftig herum schubsen dürftet, wie Ihr das für richtig haltet...? Vergesst es.“
Da hatten wir wohl ein wundervolles Patt.
Es folgte Schlag auf Schlag und es endete in einem Finalen:
„Wenn Ihr nicht ertragen könnt, was ich bin und tue und damit nicht mal im selben Haus leben könnt, ohne es mir _weg_ nehmen zu wollen, dann bleibt fort, ja!“ Schön Milady, hatte auch nichts anderes vor! Auch wenn es völliger Unsinn war, dass ich ihr etwas wegnehmen wollen würde!
Ich bat seine Hoheit um ein Empfehlungsschreiben, ein Zeugnis für meine bisherigen Dienste im Hause.
Zwischenspiel
Endlich waren sie weg, alle.
Halt, weg? Wie weg, Euer Hoheit? Ihre Erlaucht und Shaya verschwunden?
Lediglich Bruder Cassian wusste zu berichten, dass sie zu einem der Schreine aufgebrochen sein sollten. Natürlich, am späten Abend… zu einem der Schreine, macht ja nichts.
Bei allen verdammten Kreaturen, keine Nachricht von Shaya zu welchem Schrein, wie lange, zu welchem Zweck! Großartig!
Ich packte Proviant ein, warf ein Fell über die Pferdedecke von Silbersturm, der mir seit Herrn Mondins Tod ein mehr als treuer Begleiter geworden war, an dem ich besonders die Eigensinnigkeit liebte, die ihn seinem früheren Herrn so ähnlich wirken ließ und mich stets an Zyran Mondin erinnerte. Ein leises Schnauben aus den Nüstern des Hengstes, als würde er meine Gedanken erahnen und vor allem wissen, dass dies kein normaler Ausritt werden würde.
Schrein um Schrein ritt ich ab, gönnte dem Hengst und mir lediglich kleine Verschnaufpausen, ehe ich ihn in scharfem Galopp weitertrieb. Nichts, nichts und wieder nichts. Fünfmal nichts!
Die Nacht hindurch, den Tag hindurch, die Nacht hindurch, den Tag hindurch und irgendwann gelangten wir an den Rand des Nebelwaldes. Die letzten beiden Schreine… und eine fast undurchdringliche Suppe, die mir am Rande des Waldes entgegen waberte.
Mehr der Erinnerung folgend, denn einen Weg erkennend gelangte ich zum Schrein des Mitgefühls und auch hier: Nichts.
Ab hier verdichtete sich der Nebel nochmals derart, dass ich gerade die Hand noch vor Augen sah,
dort würde ich niemanden finden, vermutlich nicht einmal den Weg zum letzten Schrein.
Kraft hatte ich ohnehin nicht mehr, die Erschöpfung zwang mich in die Knie, und auf das ausgebreitete Fell. Nur ein wenig ruhen, nur bis der Nebel sich etwas verzogen hätte und mich mehr sehen ließ als nur die Hand vor Augen.
Die Nacht verging, der Tag verging und ich gab auf. Ritt zurück zum Kloster, um dort zu erfahren, dass ihre Erlaucht und Shaya vor einer Weile eingetroffen seien und sich zur Ruhe begeben hätten… und ja, sie seien wohlauf. Großartig!
„Milady wollte mir den Schrein zeigen und ich hatte viele Fragen und sie hatte viel zu erzählen. Da haben wir die Zeit aus den Augen verloren.“ Das tat fast mehr weh als alles andere. Natürlich nur den Schrein zeigen, da muss man am späten Abend losreiten und der vielen Fragen wegen musste man drei Tage wegbleiben, selbstverständlich! Ich kannte Shaya zu gut, als dass ich ihr diese billige Erklärung abgekauft hätte, aber dass sie glaubte ich würde das auch so hinnehmen, enttäuschte mich. Bisher gab es keinerlei Geheimnisse zwischen uns, nichts, was wir nicht geteilt hätten. „Praktische“, wie „unpraktische“ Dinge.
Die Erschöpfung und Enttäuschung zerrte an mir, ich würde nicht weiter fragen, aber es hatte einen kleinen Riss gegeben, das spürte ich. Welche Tür sich da auch immer für Shaya geöffnet hatte, sie war hineingegangen und hatte mich draußen stehen lassen. Ich wäre die Letzte, die ihr irgendetwas nicht gönnen würde, aber nicht drüber zu sprechen verletzte mich, zumal niemand erklärte, _weshalb_ nicht gesprochen werden durfte.
Waffenstillstand
Tatsächlich, ein paar Stunden Schlaf und dennoch hatte ich den Eindruck ich könnte noch Tage schlafen, um die Müdigkeit aus Kopf und Gliedern zu bekommen.
Es war wohl dem Umstand zu verdanken, dass ich samt Hemd und Hose auf dem Bett eingeschlafen war und somit nicht im Nachthemd mit dem Eimer zum Teich hinterm Haus schlurfte, um Wasser für die Pferde zu holen und mich der Peinlichkeit aussetzte derart unter Sir Thelors und Miladys Augen zu treten, die sich ausgerechnet dort unterhielten.
Schön, sollten sie, ich tränkte die Pferde und wollte ins Haus zurück, als Milady mir mit ihrer Präsenz quasi den Weg versperrte. Sie wollte reden? Verdammt, ich war zu müde zum Streiten, hätte ihr nichts entgegenzusetzen. Aber gut, wenn sie nochmal nachlegen wollte, was könnte noch schlimmer sein als das was schon gesagt wurde? Ich bat sie herein.
„Ich bin nur hergekommen, um mich bei Euch zu entschuldigen.“ Häh, wie? Komm Savea, du hast dich verhört. Das hat sie nicht gesagt. Entschuldigen, Unsinn. Entschuldigen? Entschuldigen! Wofür?
„Es war unangemessen, in welcher Art und Weise ich Eure Bemühungen zurückwies. Zu harsch, zu unbeherrscht. Und wenn Ihr… Und wollte zum Ausdruck bringen, dass mir das leid tut.“ Zu harsch, zu unbeherrscht. Ja, da war der Haken. Den erkannte ich selbst in müdem Zustand. Das nahm ja nichts von dem _was_ sie gesagt hatte, sondern nur das _wie_.
„Ich hörte... dass Ihr... - nein, ich hörte die Vermutung, dass Ihr der Meinung wäret, ich würde Euch hassen. Das ist nicht korrekt. Und es ist nicht so, dass ich Euch im Hause lediglich geduldet hätte, weil... es mit Shaya zusammenhinge.“ Halt, halt, ich versuchte mich zu konzentrieren, was ich gesagt hatte betraf ihren Blick, der mich an die Zeiten ihres Fluches erinnerte. Und nun auf einmal ist es nicht so, dass sie mich geduldet hätte wegen Shaya? Sie hatte es ihr doch selbst geschrieben? Was konnte ich noch glauben? Was durfte ich noch glauben?
„Das kommt darauf an, was Ihr in Frage stellt.“
„Ihr seid gekommen, Euch für die harsche Art zu entschuldigen… aber das sagt noch nichts darüber aus, ob das andere alles nicht noch genauso da ist. Euer glauben, ich würde Euch etwas wegnehmen wollen, Eure Mündigkeit, ich wolle Euch bevormunden und natürlich auch das, was Ihr Shaya geschrieben hattet. Nicht zuletzt... ich würde über Euch stehen wollen.“
„Nein, diese Ansicht hat sich etwas geändert. Ich unterstelle Euch keine Bösartigkeit. Und dies meine ich ehrlich als mein Wort: dies hätte ich _nie_. Was ich nachholen musste war, mir darüber bewusst zu werden, dass Ihr es wohl einfach... nur gut meint, als Fürsorge versteht. Mir helfen wollt. Nicht in böser Absicht. Der bedauerliche Umstand ist lediglich, dass ich mit der Art und Weise, wie Ihr das tut, nicht im Geringsten einverstanden bin, aber das ist ein anderes Blatt Papier, wenn Ihr das hoffentlich versteht.“ Und ja beim Dämon, verstand ich und so sehr die Entschuldigung mein Ego streicheln wollte, es war nicht stimmig. Noch einen Versuch, Milady… einen Versuch der Erklärung, aus meiner Sicht.
„Erinnert Ihr Euch an den Abend am Pass? Ihr sagtet, Ihr würdet gleich selbst hingehen um mit dem Drachen zu sprechen... und Shaya sagte: Ausgeschlossen. Ihr habt darauf nichts geantwortet.
Hätte ich im gleichen Tonfall wie Shaya zu Euch gesagt: Ausgeschlossen… wärt Ihr mir ins Gesicht gesprungen, hättet auf dem Absatz kehrt gemacht und wärt zum Sumpf gelaufen. Versteht Ihr was ich meine? Ich kann mich drehen und wenden wie ich will... ich kann etwas so sagen oder so sagen.. es kommt bei Euch von mir stets gleich an. Milady.. den einzigen Kampf, den ich geführt habe war der, Euch zu zeigen, dass ich nicht das bin, was Ihr seht oder hört. Und diesen Kampf will ich nicht mehr... kann ich nicht mehr. Milady… ich hätte mich zwischen Euch und jeden Pfeil geworfen... ich hätte meinen Kopf hingehalten, damit es nicht Euer Haar ist, welches der Rabe riss... so es nur möglich gewesen wäre. Ich wollte Euch nie etwas wegnehmen... es ist alles was ich zu geben habe. Und ich tat es gern und aus Überzeugung.“
Ich wollte gern glauben, dass da so etwas wie verstehen war und auch Milady gab mir einen kleinen Einblick in ihre Gefühlswelt. Nicht, dass ich da so zugehören würde wie Shaya, aber immerhin war sie hier und hatte sich entschuldigt?
„Ihr werdet Euch nicht mehr wehren müssen, Milady.“
„Wir brauchen Euch aber.“
„Ich meinte eher, ich werde versuchen mich zurückzunehmen, damit ein wehren nicht nötig ist.“
Ich hatte noch keine Ahnung wie das anzustellen wäre und irgendwie ließ mich auch das Gefühl nicht los, dass meine Zusage wie eine Niederlage schmeckte. Es klang wie ein eingestehen, von etwas was ich nicht getan hatte, aber nun seinlassen würde. Es schmeckte irgendwie bitter, aber ich war bereit gegebenes Wort zu halten und nahm die sinnbildlich ausgestreckte Hand Miladys an.
„Danke Milady.“
„Ich hab zu danken.“
Am nächsten Tag trug ich meine persönlichen Dinge ins Anwesen zurück.
Verfluchter Fluch
Shaya und ich traten durch die Tür der Bibliothek und entdeckten Milady am oberen Treppenabsatz, einen Stuhl tragend. Innerlich musste ich fast schmunzeln, hatte ich doch zuvor schon zu Herrn Katuri gesagt, Frauen, die so durchs Haus schleichen wie Milady, wenn ihnen langweilig zu werden droht, stellen die Einrichtung um oder lassen gleich ein neues Haus bauen.
Sie sah zu uns herunter, drehte sich wie ertappt herum und stellte den Stuhl in einer Nische ab, als hätte sie ihn tatsächlich nur dort abstellen wollen. Es hatte fast etwas von einem kleinen Mädchen an sich, was Kuchen vom Fensterbrett stiehlt und dabei erwischt wird.
Wir machten zuvor keinerlei Anstalten ihr den Stuhl aus der Hand zu nehmen, noch verließ unsere Lippen auch nur ein Ton.
Weil Milady aber indes auch keine Anstalten machte herunterzukommen und es den Eindruck machte, als würde sie nur drauf warten, dass wir verschwinden, um sich vielleicht größerer Möbelstücke anzunehmen, holten wir uns jeder ein Buch und setzten uns, ihr den Rücken zukehrend auf die unterste Treppenstufe und warteten.
Es gelang uns sogar der Situation Humor abzugewinnen und so rätselten wir, wie lange Milady uns da unten würde warten lassen und wir mussten feststellen, dass sie Ausdauer bewies.
Hätten wir da bereits geahnt, was wir damit auslösten, vermutlich hätten wir nicht mal um die Ecke zu ihr gesehen.
Seine Hoheit hatte alle Mühe sie zu beruhigen und dann war sie weg. Einfach weg. Wieder einmal.
„Gebt mir euer Wort, ihr nicht zu folgen.“ Natürlich Hoheit. „Ich wollte ihr einfach zeigen, dass wir sie hier nicht einsperren und sie frei hingehen kann wo sie will.“ Großartig Hoheit. Es war Nacht, sie ging allein. Hochschwanger. Nicht einmal seine Hoheit wusste wohin.
Das Einzige was Shaya und mir klar war: Miladys neu gewonnene Freiheit würde ihr bestätigen, dass sie im Anwesen „gefangen“ war.
Wegen eines Stuhles?!?
„Sie murmelte noch etwas, von der Zeit des Fluchs, ob es wirklich die ganze Zeit wir um sie herum gewesen seien... möglicherweise, fühlt sie sich deshalb eingesperrt .. zieht Vergleiche... und sieht uns ständig wieder um sich herum… ich weiß es doch auch nicht, ich will es eigentlich nicht aussprechen aber.. es scheint als ... nein ich sage es nicht. Ich will es nicht einmal denken.“
„Aber Hoheit... damals hatte sie uns doch als etwas gesehen, was wir nicht sind?“
„Ja richtig.. aber das es waren dennoch wir... in den Handlungen auch wenn sie es nicht erkannte. Vielleicht daher die... Überschneidungen.“
„Nein... oder?”
„Es ist nur eine Vermutung anhand dessen was sie von sich gab.“
„Lasst mich das… nochmal... zur Zeit des Fluches sah sie uns hauptsächlich als Alatars Kreaturen... im seltenen Wechsel zu uns selbst... und sie fühlte sich gefangen, eingekerkert, den Tod vor Augen...
und nun.. fühlt sie _das Gleiche_?“
„Sie fühlt sich eingesperrt, kontrolliert... gefangen, ja. Wäret ihr ihr gestern nachgelaufen, um sie zurückzuholen, hätte es den Eindruck wohl verstärkt.“
Da war nur noch Entsetzen, blankes Entsetzen.
Wie betäubt ließen wir seine Hoheit am Küchentisch sitzen und trennten uns dann.
Shaya ritt zur Klosterkirche, ich suchte die Kirche Adorans auf.
„Gütige Herrin, weil du es besser weißt,
nimm alte Schrecken von Miladys Geist.
Lass Reste noch des Fluchs vergehen
und sie, was wahr ist deutlich sehen.
Nimm Fluches Last von ihrer Seele,
auf dass es sie nicht länger quäle,
schließ alten Leides böse Wunden,
sie haben sie genug geschunden.
Ich bitte, gib du auf sie Acht,
mit deiner Wehr, mit deiner Wacht,
mit deinem Schild, mit deinem Schwert,
bis in ihr Heim zurück sie kehrt.“
Ich hatte bereits die Klinge gestreckt und Milady wollte sich den Anschein geben die Geste anzunehmen?
„Ich würde es begrüßen, wenn Ihr Eure Kündigung noch einmal überdenkt und zu uns zurück kehrt, Fräulein Savea.“ So, würdet Ihr?
„Aus welchem Grunde würdet Ihr das begrüßen Eure Erlaucht?“
„Weil Ihr wichtige Funktionen erfüllt und Leuten fehlen würdet.“ Ja, das waren natürlich unschlagbare Argumente. Wichtige Funktionen wie kochen? Und Leuten fehlen? Unpersönlicher ging es wohl nicht, Milady.
„Welche Funktionen, die nicht auch jemand anderer übernehmen könnte.. jemand wie Shaya?“ „Sie kann nicht kochen.“ Aha! Den Punkt strich ich mir ein.
„Was möchtet Ihr hören, Fräulein Savea?“
„Was möchtet Ihr sagen Eure Erlaucht?“
„Dass ich es übertrieben finde, was Ihr getan habt. Alles. Kündigung eingeschlossen. Und Ihr quält Shaya damit.“ Ach? Shaya würde jederzeit wissen wo ich zu finden bin, zudem hatte ich ihr zugesagt soweit wie möglich in der Nähe zu bleiben. Ich war nicht aus der Welt für sie.
„Ein Zustand, der lästig ist und vermieden werden könnte, ist es trotzdem.“ Natürlich Milady und mit lästigen Zuständen kennt Ihr Euch ja bestens aus!
„Und weil es Euch lästig erscheint und ich Eurer Meinung nach Shaya _quäle_ soll ich zurückkommen? Vergesst es.“
„Die Bedingung wäre stattdessen, dass Ihr mich künftig herum schubsen dürftet, wie Ihr das für richtig haltet...? Vergesst es.“
Da hatten wir wohl ein wundervolles Patt.
Es folgte Schlag auf Schlag und es endete in einem Finalen:
„Wenn Ihr nicht ertragen könnt, was ich bin und tue und damit nicht mal im selben Haus leben könnt, ohne es mir _weg_ nehmen zu wollen, dann bleibt fort, ja!“ Schön Milady, hatte auch nichts anderes vor! Auch wenn es völliger Unsinn war, dass ich ihr etwas wegnehmen wollen würde!
Ich bat seine Hoheit um ein Empfehlungsschreiben, ein Zeugnis für meine bisherigen Dienste im Hause.
Zwischenspiel
Endlich waren sie weg, alle.
Halt, weg? Wie weg, Euer Hoheit? Ihre Erlaucht und Shaya verschwunden?
Lediglich Bruder Cassian wusste zu berichten, dass sie zu einem der Schreine aufgebrochen sein sollten. Natürlich, am späten Abend… zu einem der Schreine, macht ja nichts.
Bei allen verdammten Kreaturen, keine Nachricht von Shaya zu welchem Schrein, wie lange, zu welchem Zweck! Großartig!
Ich packte Proviant ein, warf ein Fell über die Pferdedecke von Silbersturm, der mir seit Herrn Mondins Tod ein mehr als treuer Begleiter geworden war, an dem ich besonders die Eigensinnigkeit liebte, die ihn seinem früheren Herrn so ähnlich wirken ließ und mich stets an Zyran Mondin erinnerte. Ein leises Schnauben aus den Nüstern des Hengstes, als würde er meine Gedanken erahnen und vor allem wissen, dass dies kein normaler Ausritt werden würde.
Schrein um Schrein ritt ich ab, gönnte dem Hengst und mir lediglich kleine Verschnaufpausen, ehe ich ihn in scharfem Galopp weitertrieb. Nichts, nichts und wieder nichts. Fünfmal nichts!
Die Nacht hindurch, den Tag hindurch, die Nacht hindurch, den Tag hindurch und irgendwann gelangten wir an den Rand des Nebelwaldes. Die letzten beiden Schreine… und eine fast undurchdringliche Suppe, die mir am Rande des Waldes entgegen waberte.
Mehr der Erinnerung folgend, denn einen Weg erkennend gelangte ich zum Schrein des Mitgefühls und auch hier: Nichts.
Ab hier verdichtete sich der Nebel nochmals derart, dass ich gerade die Hand noch vor Augen sah,
dort würde ich niemanden finden, vermutlich nicht einmal den Weg zum letzten Schrein.
Kraft hatte ich ohnehin nicht mehr, die Erschöpfung zwang mich in die Knie, und auf das ausgebreitete Fell. Nur ein wenig ruhen, nur bis der Nebel sich etwas verzogen hätte und mich mehr sehen ließ als nur die Hand vor Augen.
Die Nacht verging, der Tag verging und ich gab auf. Ritt zurück zum Kloster, um dort zu erfahren, dass ihre Erlaucht und Shaya vor einer Weile eingetroffen seien und sich zur Ruhe begeben hätten… und ja, sie seien wohlauf. Großartig!
„Milady wollte mir den Schrein zeigen und ich hatte viele Fragen und sie hatte viel zu erzählen. Da haben wir die Zeit aus den Augen verloren.“ Das tat fast mehr weh als alles andere. Natürlich nur den Schrein zeigen, da muss man am späten Abend losreiten und der vielen Fragen wegen musste man drei Tage wegbleiben, selbstverständlich! Ich kannte Shaya zu gut, als dass ich ihr diese billige Erklärung abgekauft hätte, aber dass sie glaubte ich würde das auch so hinnehmen, enttäuschte mich. Bisher gab es keinerlei Geheimnisse zwischen uns, nichts, was wir nicht geteilt hätten. „Praktische“, wie „unpraktische“ Dinge.
Die Erschöpfung und Enttäuschung zerrte an mir, ich würde nicht weiter fragen, aber es hatte einen kleinen Riss gegeben, das spürte ich. Welche Tür sich da auch immer für Shaya geöffnet hatte, sie war hineingegangen und hatte mich draußen stehen lassen. Ich wäre die Letzte, die ihr irgendetwas nicht gönnen würde, aber nicht drüber zu sprechen verletzte mich, zumal niemand erklärte, _weshalb_ nicht gesprochen werden durfte.
Waffenstillstand
Tatsächlich, ein paar Stunden Schlaf und dennoch hatte ich den Eindruck ich könnte noch Tage schlafen, um die Müdigkeit aus Kopf und Gliedern zu bekommen.
Es war wohl dem Umstand zu verdanken, dass ich samt Hemd und Hose auf dem Bett eingeschlafen war und somit nicht im Nachthemd mit dem Eimer zum Teich hinterm Haus schlurfte, um Wasser für die Pferde zu holen und mich der Peinlichkeit aussetzte derart unter Sir Thelors und Miladys Augen zu treten, die sich ausgerechnet dort unterhielten.
Schön, sollten sie, ich tränkte die Pferde und wollte ins Haus zurück, als Milady mir mit ihrer Präsenz quasi den Weg versperrte. Sie wollte reden? Verdammt, ich war zu müde zum Streiten, hätte ihr nichts entgegenzusetzen. Aber gut, wenn sie nochmal nachlegen wollte, was könnte noch schlimmer sein als das was schon gesagt wurde? Ich bat sie herein.
„Ich bin nur hergekommen, um mich bei Euch zu entschuldigen.“ Häh, wie? Komm Savea, du hast dich verhört. Das hat sie nicht gesagt. Entschuldigen, Unsinn. Entschuldigen? Entschuldigen! Wofür?
„Es war unangemessen, in welcher Art und Weise ich Eure Bemühungen zurückwies. Zu harsch, zu unbeherrscht. Und wenn Ihr… Und wollte zum Ausdruck bringen, dass mir das leid tut.“ Zu harsch, zu unbeherrscht. Ja, da war der Haken. Den erkannte ich selbst in müdem Zustand. Das nahm ja nichts von dem _was_ sie gesagt hatte, sondern nur das _wie_.
„Ich hörte... dass Ihr... - nein, ich hörte die Vermutung, dass Ihr der Meinung wäret, ich würde Euch hassen. Das ist nicht korrekt. Und es ist nicht so, dass ich Euch im Hause lediglich geduldet hätte, weil... es mit Shaya zusammenhinge.“ Halt, halt, ich versuchte mich zu konzentrieren, was ich gesagt hatte betraf ihren Blick, der mich an die Zeiten ihres Fluches erinnerte. Und nun auf einmal ist es nicht so, dass sie mich geduldet hätte wegen Shaya? Sie hatte es ihr doch selbst geschrieben? Was konnte ich noch glauben? Was durfte ich noch glauben?
„Das kommt darauf an, was Ihr in Frage stellt.“
„Ihr seid gekommen, Euch für die harsche Art zu entschuldigen… aber das sagt noch nichts darüber aus, ob das andere alles nicht noch genauso da ist. Euer glauben, ich würde Euch etwas wegnehmen wollen, Eure Mündigkeit, ich wolle Euch bevormunden und natürlich auch das, was Ihr Shaya geschrieben hattet. Nicht zuletzt... ich würde über Euch stehen wollen.“
„Nein, diese Ansicht hat sich etwas geändert. Ich unterstelle Euch keine Bösartigkeit. Und dies meine ich ehrlich als mein Wort: dies hätte ich _nie_. Was ich nachholen musste war, mir darüber bewusst zu werden, dass Ihr es wohl einfach... nur gut meint, als Fürsorge versteht. Mir helfen wollt. Nicht in böser Absicht. Der bedauerliche Umstand ist lediglich, dass ich mit der Art und Weise, wie Ihr das tut, nicht im Geringsten einverstanden bin, aber das ist ein anderes Blatt Papier, wenn Ihr das hoffentlich versteht.“ Und ja beim Dämon, verstand ich und so sehr die Entschuldigung mein Ego streicheln wollte, es war nicht stimmig. Noch einen Versuch, Milady… einen Versuch der Erklärung, aus meiner Sicht.
„Erinnert Ihr Euch an den Abend am Pass? Ihr sagtet, Ihr würdet gleich selbst hingehen um mit dem Drachen zu sprechen... und Shaya sagte: Ausgeschlossen. Ihr habt darauf nichts geantwortet.
Hätte ich im gleichen Tonfall wie Shaya zu Euch gesagt: Ausgeschlossen… wärt Ihr mir ins Gesicht gesprungen, hättet auf dem Absatz kehrt gemacht und wärt zum Sumpf gelaufen. Versteht Ihr was ich meine? Ich kann mich drehen und wenden wie ich will... ich kann etwas so sagen oder so sagen.. es kommt bei Euch von mir stets gleich an. Milady.. den einzigen Kampf, den ich geführt habe war der, Euch zu zeigen, dass ich nicht das bin, was Ihr seht oder hört. Und diesen Kampf will ich nicht mehr... kann ich nicht mehr. Milady… ich hätte mich zwischen Euch und jeden Pfeil geworfen... ich hätte meinen Kopf hingehalten, damit es nicht Euer Haar ist, welches der Rabe riss... so es nur möglich gewesen wäre. Ich wollte Euch nie etwas wegnehmen... es ist alles was ich zu geben habe. Und ich tat es gern und aus Überzeugung.“
Ich wollte gern glauben, dass da so etwas wie verstehen war und auch Milady gab mir einen kleinen Einblick in ihre Gefühlswelt. Nicht, dass ich da so zugehören würde wie Shaya, aber immerhin war sie hier und hatte sich entschuldigt?
„Ihr werdet Euch nicht mehr wehren müssen, Milady.“
„Wir brauchen Euch aber.“
„Ich meinte eher, ich werde versuchen mich zurückzunehmen, damit ein wehren nicht nötig ist.“
Ich hatte noch keine Ahnung wie das anzustellen wäre und irgendwie ließ mich auch das Gefühl nicht los, dass meine Zusage wie eine Niederlage schmeckte. Es klang wie ein eingestehen, von etwas was ich nicht getan hatte, aber nun seinlassen würde. Es schmeckte irgendwie bitter, aber ich war bereit gegebenes Wort zu halten und nahm die sinnbildlich ausgestreckte Hand Miladys an.
„Danke Milady.“
„Ich hab zu danken.“
Am nächsten Tag trug ich meine persönlichen Dinge ins Anwesen zurück.
Verfluchter Fluch
Shaya und ich traten durch die Tür der Bibliothek und entdeckten Milady am oberen Treppenabsatz, einen Stuhl tragend. Innerlich musste ich fast schmunzeln, hatte ich doch zuvor schon zu Herrn Katuri gesagt, Frauen, die so durchs Haus schleichen wie Milady, wenn ihnen langweilig zu werden droht, stellen die Einrichtung um oder lassen gleich ein neues Haus bauen.
Sie sah zu uns herunter, drehte sich wie ertappt herum und stellte den Stuhl in einer Nische ab, als hätte sie ihn tatsächlich nur dort abstellen wollen. Es hatte fast etwas von einem kleinen Mädchen an sich, was Kuchen vom Fensterbrett stiehlt und dabei erwischt wird.
Wir machten zuvor keinerlei Anstalten ihr den Stuhl aus der Hand zu nehmen, noch verließ unsere Lippen auch nur ein Ton.
Weil Milady aber indes auch keine Anstalten machte herunterzukommen und es den Eindruck machte, als würde sie nur drauf warten, dass wir verschwinden, um sich vielleicht größerer Möbelstücke anzunehmen, holten wir uns jeder ein Buch und setzten uns, ihr den Rücken zukehrend auf die unterste Treppenstufe und warteten.
Es gelang uns sogar der Situation Humor abzugewinnen und so rätselten wir, wie lange Milady uns da unten würde warten lassen und wir mussten feststellen, dass sie Ausdauer bewies.
Hätten wir da bereits geahnt, was wir damit auslösten, vermutlich hätten wir nicht mal um die Ecke zu ihr gesehen.
Seine Hoheit hatte alle Mühe sie zu beruhigen und dann war sie weg. Einfach weg. Wieder einmal.
„Gebt mir euer Wort, ihr nicht zu folgen.“ Natürlich Hoheit. „Ich wollte ihr einfach zeigen, dass wir sie hier nicht einsperren und sie frei hingehen kann wo sie will.“ Großartig Hoheit. Es war Nacht, sie ging allein. Hochschwanger. Nicht einmal seine Hoheit wusste wohin.
Das Einzige was Shaya und mir klar war: Miladys neu gewonnene Freiheit würde ihr bestätigen, dass sie im Anwesen „gefangen“ war.
Wegen eines Stuhles?!?
„Sie murmelte noch etwas, von der Zeit des Fluchs, ob es wirklich die ganze Zeit wir um sie herum gewesen seien... möglicherweise, fühlt sie sich deshalb eingesperrt .. zieht Vergleiche... und sieht uns ständig wieder um sich herum… ich weiß es doch auch nicht, ich will es eigentlich nicht aussprechen aber.. es scheint als ... nein ich sage es nicht. Ich will es nicht einmal denken.“
„Aber Hoheit... damals hatte sie uns doch als etwas gesehen, was wir nicht sind?“
„Ja richtig.. aber das es waren dennoch wir... in den Handlungen auch wenn sie es nicht erkannte. Vielleicht daher die... Überschneidungen.“
„Nein... oder?”
„Es ist nur eine Vermutung anhand dessen was sie von sich gab.“
„Lasst mich das… nochmal... zur Zeit des Fluches sah sie uns hauptsächlich als Alatars Kreaturen... im seltenen Wechsel zu uns selbst... und sie fühlte sich gefangen, eingekerkert, den Tod vor Augen...
und nun.. fühlt sie _das Gleiche_?“
„Sie fühlt sich eingesperrt, kontrolliert... gefangen, ja. Wäret ihr ihr gestern nachgelaufen, um sie zurückzuholen, hätte es den Eindruck wohl verstärkt.“
Da war nur noch Entsetzen, blankes Entsetzen.
Wie betäubt ließen wir seine Hoheit am Küchentisch sitzen und trennten uns dann.
Shaya ritt zur Klosterkirche, ich suchte die Kirche Adorans auf.
„Gütige Herrin, weil du es besser weißt,
nimm alte Schrecken von Miladys Geist.
Lass Reste noch des Fluchs vergehen
und sie, was wahr ist deutlich sehen.
Nimm Fluches Last von ihrer Seele,
auf dass es sie nicht länger quäle,
schließ alten Leides böse Wunden,
sie haben sie genug geschunden.
Ich bitte, gib du auf sie Acht,
mit deiner Wehr, mit deiner Wacht,
mit deinem Schild, mit deinem Schwert,
bis in ihr Heim zurück sie kehrt.“
- Shaya Nyrloth
- Beiträge: 176
- Registriert: Freitag 29. September 2006, 06:30
Die Tage in der klösterlichen Kirche hatten mich auch nicht weitergebracht. Ein Ort der Ruhe, der Kraft, der Besinnung? Das Einzige worauf ich mich besann war das betäubende Gefühl, das nicht vergehen wollte. Das Gespräch mit seiner Hoheit hatte uns die Tage des Fluches wieder schmerzhaft ins Bewusstsein gerufen. Das Entsetzen, das seine Worte in uns hervorrief, war dennoch anders. Anders als das Entsetzen, dass wir zu Zeiten des Fluches verspürt hatten, als uns bewusst wurde wie Milady alles wahrnahm, was sie wahrnahm und was sie in uns gesehen hatte. Es war anders. Es war irgendwie größer, war mehr. Und Savea und ich waren uns einig: Wir konnten das einfach nicht… und wollten es nicht… wollten es schon gar nicht 'auslösen'. Es war unerträglich. Es war zuviel... ein Klumpen Resignation und Selbstaufgabe zusammen mit einem gewaltigen Klumpen Selbstschutz. Wir würden ihr also aus dem Weg gehen, ihr fernbleiben. So wie Milady es brauchte, es wollte. Sollte es zumindest einer Person Hilfe sein.
Ich hatte schlussendlich auch zurück ins Anwesen gefunden. Die Nacht war weit fortgeschritten, als wir zu zweit am Küchentisch mehr oder weniger saßen und vor uns hinstarrten, die Blicke Miladys wenn auch nicht sahen zumindest auf uns spürten. Die Stimmung war unverändert bedrückt, zumindest bei uns. Wir erhielten die Bestätigung der Worte seiner Hoheit von Milady höchstselbst. Und wir bestätigten dumpf die für uns draus gezogenen Konsequenzen und innerlich wuchsen die Klumpen weiter an. Milady nahm es hin, war sicher zufrieden … befreit. Es war also zumindest doch einer Person Hilfe.
Es folgte eine dieser schlaflosen Nächte, in der man Löcher in Decke und Wände starrte, bis man es nicht mehr aushielt. Die Mäntel waren schnell gegriffen und bemüht leise, um Mo nicht zu wecken, führte uns der Weg aus der Stube und an die kalte Nachtluft. Ein tiefer Atemzug vermochte jedoch auch keine Linderung zu bringen. Ein paar ziellos gesetzte Schritte durch den Garten fanden wir uns schließlich am Treppenabsatz zu den Gästezimmern wieder. Starr sahen wir die Stufen hinauf. Mir der dicken Klumpen im Innern nur zu deutlich bewusst führten mich die Schritte hinauf. Es gab mehrere Stühle zur Auswahl, aber ich war nicht wählerisch. Egal welcher, er würde als Symbol des vermeintlichen Stuhles sein Werk schon zu vollbringen wissen. Und so dauerte es nicht lange bis ich mit einem Stuhl die Stufen wieder hinunterkam. Unser Weg führte uns fort vom Anwesen, etwas abseits mit dem nötigen Platz und fernab der Gefahr jemanden wecken zu können. Und so machten wir uns ausgiebig Luft, verarbeiteten den Stuhl mit aller Kraft zu Kleinholz.
Die Augen auf die kläglichen Überreste gerichtet lauschte ich in mich hinein. Aber da war nichts. Es hatte sich nichts geändert, fühlte sich noch immer alles erschreckend taub an. Und ein stummer Blick zur Seite verriet mir, dass es Savea ähnlich ging. Mit einem tiefen Seufzen gab ich mich endgültig geschlagen.
Im Anwesen überantworteten wir die Reste dem Kaminfeuer. Und übrig blieben einzig die inneren Klumpen zusammen mit der notwendigen Notiz auf der Liste der zu besorgenden Dinge, die sich um einen Stuhl ergänzt fand und das Wissen, dass Milady geholfen war.
Ich hatte schlussendlich auch zurück ins Anwesen gefunden. Die Nacht war weit fortgeschritten, als wir zu zweit am Küchentisch mehr oder weniger saßen und vor uns hinstarrten, die Blicke Miladys wenn auch nicht sahen zumindest auf uns spürten. Die Stimmung war unverändert bedrückt, zumindest bei uns. Wir erhielten die Bestätigung der Worte seiner Hoheit von Milady höchstselbst. Und wir bestätigten dumpf die für uns draus gezogenen Konsequenzen und innerlich wuchsen die Klumpen weiter an. Milady nahm es hin, war sicher zufrieden … befreit. Es war also zumindest doch einer Person Hilfe.
Es folgte eine dieser schlaflosen Nächte, in der man Löcher in Decke und Wände starrte, bis man es nicht mehr aushielt. Die Mäntel waren schnell gegriffen und bemüht leise, um Mo nicht zu wecken, führte uns der Weg aus der Stube und an die kalte Nachtluft. Ein tiefer Atemzug vermochte jedoch auch keine Linderung zu bringen. Ein paar ziellos gesetzte Schritte durch den Garten fanden wir uns schließlich am Treppenabsatz zu den Gästezimmern wieder. Starr sahen wir die Stufen hinauf. Mir der dicken Klumpen im Innern nur zu deutlich bewusst führten mich die Schritte hinauf. Es gab mehrere Stühle zur Auswahl, aber ich war nicht wählerisch. Egal welcher, er würde als Symbol des vermeintlichen Stuhles sein Werk schon zu vollbringen wissen. Und so dauerte es nicht lange bis ich mit einem Stuhl die Stufen wieder hinunterkam. Unser Weg führte uns fort vom Anwesen, etwas abseits mit dem nötigen Platz und fernab der Gefahr jemanden wecken zu können. Und so machten wir uns ausgiebig Luft, verarbeiteten den Stuhl mit aller Kraft zu Kleinholz.
Die Augen auf die kläglichen Überreste gerichtet lauschte ich in mich hinein. Aber da war nichts. Es hatte sich nichts geändert, fühlte sich noch immer alles erschreckend taub an. Und ein stummer Blick zur Seite verriet mir, dass es Savea ähnlich ging. Mit einem tiefen Seufzen gab ich mich endgültig geschlagen.
Im Anwesen überantworteten wir die Reste dem Kaminfeuer. Und übrig blieben einzig die inneren Klumpen zusammen mit der notwendigen Notiz auf der Liste der zu besorgenden Dinge, die sich um einen Stuhl ergänzt fand und das Wissen, dass Milady geholfen war.