Knusper knusper Knäuschen

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Zelika Farenta

Knusper knusper Knäuschen

Beitrag von Zelika Farenta »

Diese vermaledeiten Feiglinge!
Blaue Flecke hatte sie, und eine riesige Beule am Kopf, aber dafür auch selber kräftig ausgeteilt. Gewiss, sie sollte sie dafür hassen, tat sie aber nicht. Eigentlich fand sie die Rauferei und die Streiterei im Nachhinein eher lustig. Immerhin wusste sie nun, wo der Nerv der beiden Schwestern lag und musste feststellen, dass das Hasenfüßlein mal eine ganz andere Seite von sich gezeigt hatte, die so gar nicht ängstlich und verheult war.
Was sie aber viel mehr beschäftigte, war dieses seltsame Haus, die noch seltsamere Ratte und überhaupt war da alles seltsam! Zum Platzen vor Neugier seltsam! Jawohl!

Es war gar nicht so weit bis dorthin von diesem Hof, zu dem Hanna und Magda sie mitgenommen hatten. Die Leute waren sehr nett, und sie würde wohl bald mal fragen müssen, womit sie zur Hand gehen konnte, um wenigstens einen gewissen Ausgleich zu schaffen dafür, dass sie dort schlief und Essen auf den Tisch bekam.
Aber was sie gerade viel viel neugieriger machte, war dieses seltsame Haus mit der seltsamen Ratte mit dem seltsamen Wind und den seltsamen Ranken, mit dem seltsamen Topf und dem noch seltsameren Gebräu darin und wo überhaupt alles so seltsam zu sein schien.

Noch nie hatte sie erlebt, dass Ranken nach ihren Knöcheln griff, dass der Wind von jetzt auf gleich fast schon dahergestürmt kam, dass eine Ratte sich mit ihr unterhielt (ja ja, die hatte nur gequiekt, nicht gesprochen, aber sie schien wirklich alles zu verstehen!), noch nie hatte eine Tür nach ihr geschlagen, als sie auf komische Ritzen im Boden getreten war und noch nie gar nicht hatte ein eiserner Wetterhahn sie so komisch angeglotzt!

Hanna und Magda plapperten ständig etwas von Dämonen und Hexen und Dämonen und noch mehr Hexen und überhaupt war das alles ach so furchterregend. Zelika fand es spannend. Gut, jaaa.. ein wenig Angst hatte sie schon gehabt, aber die Neugier war einfach viel zu groß, als dass sie darauf gehört hätte oder sie gar wirklich wahrgenommen hatte in dem Moment. Das war erst später passiert, als sie allein war.
Überhaupt, wer gab schon zu Angst zu haben vor anderen? Sie bestimmt nicht!
Und, sie hatte auch schon etwas beschlossen! Sie musste da noch mal hin und das würde sie vorbereiten, oh ja! Ohne Hanna und ohne Magda. Sie musste einfach wissen, was es mit diesem seltsamen Haus auf sich hatte und der seltsamen Ratte und allem anderen seltsamen darin und darum herum.
Das würde ein Abenteuer werden! Und zwar ein nächtliches! Wenn das Poppelchen und das Pickelchen schliefen. Mhm! Heimlich still und leise, aber so was von still und heimlich leise!

Wenigstens würden sie dann nicht zetern, meckern und hinterher wieder prügeln wollen, nur weil sie die Wahrheit nicht vertrugen. Die Einzige, die dann mit ihr schimpfte, war sie selbst mit sich, wenn überhaupt.

Da sie nur ein einfaches Kleid, einen einfachen Rock und ein Hemd besaß, musste sie sich wohl oder übel auf den Weg machen, um irgendwoher eine Hose zu bekommen. In Hosen und Stiefel lief es sich einfach besser. Damit blieb man nicht überall hängen. Aber sie wusste schon, woher. Oh ja! Das wusste sie! Da waren sie ja kürzlich erst gewesen. Wenn sie die Hose hatte, würde sie ihre Haare hochbinden, damit sie nicht sich nicht in den Ästen verhedderte. Und dann! Ja dann wollte sie noch mal dort hin gehen. Allein. Im Dunkeln. Und wenn sich nichts muckte, würde sie eben dort sitzen bleiben, bis jemand kam.
Das wäre doch gelacht! Und es gäbe eine unglaublich gute Spukgeschichte, um die beiden Hasenfüße zu erschrecken. Ha!
Hanna Radenbruck

Beitrag von Hanna Radenbruck »

Die Schritte wurden zaghafter, zögerlicher und tastend hob sie da auch die Hände, um sich gegen die stechenden und piekenden Attacken der kleineren Nadelbäume im Unterholz zu wehren. Nur wenige Armeslängen entfernt bewegte sich Magda durch den finsteren Tann. Geschmeidig, anmutig und lautlos pirschend, wie eine grazile Jungwöfin auf der Jagd. Nunja, jene zumindest wäre erfolglos, denn Magda konnte noch so leise sein, ihr ungleicher Zwilling stolperte hinterher und machte mehr Lärm als eine Bande Wildschweine.
Knacks! Kaum hatte jene seufzend diese Erkenntnis gewonnen, da war sie auch schon auf den nächsten Ast getreten und obwohl sie Magdas Blick nicht sehen konnte, so spürte sie eben doch den Unmut in den hellen Augen der geliebten Schwester, als jene den Kopf mit einem Ruck zu ihr drehte. Danach aber folgte eine Geste, ein rascher Wink und Magda deutete voran, noch tiefer in den Wald hinein. Doch als Hanna da den Kopf hob, verstand sie den Deut und atmete erleichtert auf. Eine Lichtung - und der Tann schien sich dort hinten wieder mehr mit luftigeren Laubbäumen zu mischen. Ein weiteres Mal trieb sie die Schritte an und versuchte ihre Angst mit der steten Neugierde zu bekämpfen, die sie doch erst in jene Lage gebracht hatte. Sicher, es war Magdas Idee gewesen mitten in der Nacht den Wald aufzusuchen.... den Wald, den die ältere Zwillingsschwester ja so liebte und ihn wie die eigene Westentasche kannte. Hanna hingehen spielte den Hasenfuß, das verzagte Mäuschen, das unsichere Pummelchen - "Hannerl" eben. Doch diesmal hatte Magda ein Argument vorgebracht, welches die besagte Neugierde und den meist schlummernden Sinn fürs Abenteuer anfachte und die Angst sowie die Vorsicht erbarmungslos herabdrückte.... und zwar...
Verwirrt blinzelnd hielt Hanna inne und sah sich irritiert auf der Lichtung um. Was hatte Magda denn noch einmal gesagt? Eine jähe Leere schien sich an der Stelle auszubreiten, wo doch Magdas Worte noch in Hannas Erinnerung liegen mussten. Nichts, da war nichts... was hatte sie gesagt?
Mit der Frage auf den Lippen hob sie den Kopf wieder an, um den Zwilling zu fragen und zuckte zusammen, als habe man sie geschlagen.
Magda war aus der Sicht verschwunden und das obwohl das Mondlicht die Lichtung in ein bleiches, fahles Licht, welches an ältere Knochen erinnerte, getaucht hatte. Dafür stiegen die Bodennebel so rasch auf, dass die Bewegung in ihnen schon für das Auge sichtbar wurden. Panik stach hell im Nacken der jungen Frau auf und sorgte dafür, dass sich nicht nur dort, sondern auch auf den blanken Armen die feinen Härchen aufrichteten. Hier stimmte nicht nur etwas nicht, sondern gar nichts mehr!
Ängstlich drehte Hanna den Kopf schnell und die aschfarbenen Locken wippten. Doch wohin der Blick auch glitt, nicht einmal der Hauch ihrer Schwester war zu finden - was nicht zuletzt am seltsamen Nebel lag, der die Umgebung nach und nach in feste, grauweißliche Schlieren packte und dann langsam vorankroch. Von allen Seiten nur, um sie einzuschließen. In heller Angst wollte Hanna da nach ihrer Magda rufen, doch kam nur ein helles, kindliches und eher leises Wimmern über ihre Lippen, als würde irgendetwas dafür sorgen, dass ihr die Laute in der Kehle stecken blieben. Dennoch schien die Schwester sie gehört zu haben, den da war sie wieder... die Bewegung innerhalb des Nebels, direkt vor Hanna. Sie wollte schon aufjauchzen, als sie mit einem Male voller Entsetzen realisierte, dass der Schatten, welchem die Bewegungen gehörten merklich größer und bulliger als Magda war und - Mutter! - er kroch unglaublich schnell auf Hanna zu.
Jetzt erst löste sich ein Schrei gut hörbar von ihren Lippen. Unartikuliert, hell und kurz, doch hörbar. Hastig machte sie einen Schritt rückwärts und merkte noch, wie sich der leichte Absatz ihrer Stiefel in einer Wurzel oder Schlinge verfing, da stürzte sie auch schon. Im selben Moment duckte sich der Schatten und brach mit wenigen Sätzen durch die Nebel. Hanna hatte keine Chance sich aufzurappeln, schon war das Wesen über ihr und der Anblick genügte, um jede Bewegung der jungen Frau erstarren zu lassen. Der maskuline Körper war pechfarben, muskulös und bar jeglicher Kleidung. Lange Krallen sprossen aus den Fingerspitzen und inmitten einer Haarpracht aus lebenden Schlangen, bohrten sich zwei Widderhörner seitlich aus dem Kopf hervor. Das Gesicht wirkte beinahe anmutig, doch auch hier war die Haut wie mit Tinte schwarz eingefärbt und die dunklen Augen, mit einem hellen Schlitz durchzogen, als gehörten sie einer Schlange, musterten Hanna nun beinahe höhnend.
Sie spürte nur, wie ihr die Tränen über die Wangen liefen und etwas befremdet hörte sie die eigene Stimme, die winselnd bettelte:
'Bitte nicht.. oh bitte bitte... tut mir nichts... bitte...'
Da erklang ein amüsiertes Lachen... Magdas Lachen und schmunzelnd trat die geliebte Schwester neben das Wesen und starrte belustigt zu Hanna herab.
'Nun hör aber auf, Hannerl... ich hab dir doch gesagt, dass ich unseren Vater gefunden habe und er wollte dich unbedingt so bald wie möglich kennenlernen!'
Ja, richtig - DAS war der Grund! Vater? VATER?!
Das Wesen genoß Hannas Entsetzen und das hübsche, schwarze Gesicht verzog sich in einer Grimasse zu einem hässlichen, boshaften Grinsen.
'Jaaa, Hannerl!', selbst die Stimme klang dumpf und lauernd, wie das Locken eines Gruftunholds, 'Ich hab auf dich gewartet und... ich weiß was du getan hast!' Als das Ding, welches Magda Vater nannte, da schallend zu lachen begann, schrie Hanna ein weiteres Mal auf...


... und erwachte schweißgebadet in der Schlafkammer der Mädchen am Bockhof. Mit einem Ruck setzte sie sich auf und blickte sich suchend um. Zelika schlief im Bett gegenüber und hatte ob der Kälte die Laken dicht an den Körper gepresst. Am Boden hingegen, nur auf einem Fell schlafend, hatte Magda sich eingerollt, wie ein kleiner Welpe und beide Gesichter, das der neuen Freundin und das ihrer Schwester, waren friedlich. Leise seufzend drehte Hanna da den Kopf und merkte wie die Anspannung in ein müdes Zittern überging. Alpträume - seit dem Unfall mit Ulrich waren sie ihr ein stetiger Begleiter des Nachts und die Erinnerungen an die bösen Lügenmärchen des Vaters und der Brüder wurden entfacht.
Stirnrunzelnd drehte sie den Kopf und wagte einen Blick aus dem Fenster, welches direkt neben ihrem Bett lag. Sie konnte den Wald sehen, den Wald, in welchem die Hütte lag... und die Erfahrungen dort hatten eher nicht dafür gesorgt, dass der Alpdruck aufhörte.
Im Gegenteil, schon wieder fragte Hanna sich, ob nicht sie tatsächlich auch an dieser unseligen Zauberei irgendwo schuld war...
Selene Ainaan

Beitrag von Selene Ainaan »

Manchmal ging Horteras wirklich makabere Wege, um der Junghexe Dinge aufzuzeigen. Wenn sie dachte, bizarrer könnte ihr Werdegang ja kaum werden, hatte sie ihre Rechnung ohne die neuen Gesichter gemacht, welche sie bemerkte.

Maja und Selene vereinbarten, Vefa aufzusuchen. Es gab im Moment aufgrund mehrerer Vorkommnisse im Zusammenhang mit Vulkanen und Meeren ja genug zu tun, und ihre Lehrmeisterin sollte informiert werden. Es war... - mal wieder... - der richtige Zeitpunkt, wie so üblich.

Der Wald lag einschläfernd da. Die Blätter waren gold gefärbt und fielen langsam ab, der Spätherbst setzte ein, und nun war die Luft von Gerüchen von feuchtem Laub und Schlafengehen erfüllt, wie Selene es nannte. Sie mochte den Winter nicht. Es gab einfach Jahreszeiten, die für sie nur öde und grau waren. Als Frühlingsgeborene mochte sie den Vollfrühling demnach auch am liebsten.

Nun also waren sie an Vefas Haus angekommen, und die Tiere waren etwas eigenartig. Manche flitzten herum und meckerten die junge Hexe an. Sie hoffte inständig, maja wäre bald zurück. Doch als sie plötzlich ein Knacken im Geäst vernahm hielt sie inne. Vielleicht nur ein tollpatschiger Bär... - wer weiß?

Selene beschloss, hineinzugehen um Vefa zu suchen, die jedoch war nicht zu Hause. Entweder hatte sie Wichtigeres zu tun, oder ihr war klar, dass Maja und Selene ein wichtiges Ereignis bevorstand. Nun, solange konnte sich Selene auch einen Tee aufsetzen und warten. Und so ließ sie sich auch genug Zeit, um ein halbwegs genießbares Gebräu zusammenzupantschen.

Sie bemerkte nicht, dass draußen zwei Augenpaare auf jenes Haus gerichtet war...
Zelika Farenta

Am Tage geht der Mond auf

Beitrag von Zelika Farenta »

Wer auch immer das war, aber da war wer.
Und hinter ihr auch. Hanna. Die war so laut, die hätte selbst ein Bär im Winterschlaf gehört!
Sie verdrehte kurz die Augen. Sich noch zu verstecken machte keinen Sinn, weil das Pummelchen wieder alles aufdeckte. Unmöglich. Was schlich sie ihr auch nach…
Also stand sie auf, gab ihre Deckung im Gehölz des Waldes auf, und ging auf die Lichtung hinaus, auf der dieses seltsame Haus stand. Ja, und mittlerweile wusste sie sogar, dass seltsam eigentlich gar nicht so wirklich passte. Verrückt, meschugge, oder gar vollkommen irre traf wohl mehr zu. Nein, nicht für das Haus, sondern für das, was ihr da begegnete – oder die, der sie da begegnete. Die Blinde konnte nicht mal was dafür. Die hatte nicht viel gesagt und schien ja ganz nett zu sein. Aber dieses weißhaarige Ding…

Erst gab sie irgendwelche Sprüche von sich, die wohl weise sein sollten und Zelika hatte die ganze Zeit das Bild von einer Hecke, der sämtliche Blätter abfielen – und zwar auf einmal – vor Augen, einer wohlgemerkt sehr weißen Hecke mit sehr weißen Blättern. Danach folgte das Bild eines leeren Schrankes, die Tassen daneben und teils zersprungen…
Ihre Fantasie hatte da wirklich keine Grenzen.
Je länger das Gerede ging, desto mehr verlor sich ihre Begeisterung und Neugier für das Haus und sie wollte wieder gehen. Was sie auch direkt anging. Die Ernte dafür war eine, die ihren Eindruck von dem weißhaarigen Geschöpf noch verstärkte: Die musste einen ganz gehörigen Sprung in der Schüssel haben.
Erst schrie sie Zelika an und wollte ihr brüllend befehlen nirgendwohin zu gehen – aber wer war die denn schon, dass die ihr was zu sagen hätte – und dann, nicht einen einzigen Satz später, wollte sie Zelika auf einen Tee einladen.
Also vergiften konnte sie sich wirklich selber.
Und was sollte schon diese blöde Aussage, dass ihre nächste Begegnung Zelikas Leben verändern würde? Das täte es erst, wenn nachts die Sonne aufging und tags drauf der Mond!
Und da dies nicht geschehen würde, gab es folglich auch keine Veränderung. Sie ging. Das wollte sie sich keineswegs länger antun. Entweder zu viel Alkohol, zu viele Rauschkräuter, oder dieses Weib hatte irgendwann mal einen gehörigen Schlag an die Rübe bekommen. Eventuell war sie aber auch schon so geboren. So wie die aussah, würde das auch nicht weiter verwundern, befand Zelika für sich.

Hanna hatte sie einfach auf der Lichtung zurückgelassen. War das Pummelchen doch selbst schuld, wenn sie meinte, ihr nachschnüffeln zu müssen. Hätte sie eben mit dem dicken Hintern im Bett bleiben sollen, wenn sie nicht allein sein wollte. Da hätte sie immerhin noch Magda gehabt und wäre nicht allein gewesen.
„Bin nur von … nicht ganz echten Leuten umgeben, glaub ich“, murmelte sie vor sich hin, während sie sich wieder ins Zimmer zurückstahl, ins Bett legte und die Decke über sich zog. Nur der Schlaf wollte sich irgendwie nicht einstellen.
Das Ganze ärgerte sie nicht nur, es verwirrte sie auch zunehmend. Vielleicht wäre sie doch besser da geblieben, wo sie hergekommen war…
Hanna Radenbruck

Beitrag von Hanna Radenbruck »

Eine ganze Weile schon ruhte ihre Hand auf der groben Maßerung der Holztüre und obwohl ihr Körper sich nach der Wärme der gemütlichen Bauernstube, dem prasselnden Feuerchen, den Umarmungen Magdas und deren tröstlichen Worte, sowie dem Schlafplatz unter warmen Decken, sehnte, so brachte sie es doch nicht fertig den nächsten Schritt zu vollführen und die Türe einfach aufzustoßen. Nein, sie stand stumm davor, starrte ihre Hand an und fühlte das unendliche Raschen tief in ihrer Seele, die aufgewühlt worden war und nun den Kopf dazu brachte, eine Flut an Gedanken hervorbrodeln zu lassen, als würde man das Wasser in einem Kesselchen zum überkochen bringen und dem Blubbern und Zischen dann noch sinnierend lauschen.
Ah, Kessel... Tee
"Bleibt doch, ich habe das ernst gemeint. Ich hätte euch zum Tee eingeladen!" Dem grazilen und galanten Wink gen Feuerstelle und besagtem Kessel war Hannas Blick nicht gefolgt. Sie hatte noch mit den sich überschlagenden Ereignissen zu kämpfen gehabt. Nicht nur, dass sie Zelika hatte beschützen wollen, um von eben just jener alleine auf der verzauberten Lichtung zurück gelassen zu werden, nein, auch ihr Alptraum war wahr geworden. Statt dem pechfarbenen Mann stand nun eine schneeweiße Frau vor ihr und lächelte sanft, doch strahlten die schönen Augen in einem seltsamen Rot und der Blick alleine genügte, um Hannas Beinen den Dienst zu versagen. Wie angewurzelt war sie auf dem Fleck stehen geblieben und hatte innerlich mit ihrem Dasein abgeschlossen. Als würde sie ein unsichtbarer Teilnehmer des Spektakels sein, hatte sie sich selber wieder einmal Stammeln gehört und mit einer Mischung aus Trauer und Zorn festgestellt, dass das armselige, verängstigte Mädchen nicht wirklich sie selbst sein konnte... nur noch ein Abbild, nur noch eine Hülle, der etwas fehlte.

Während sie bei Zelikas Spitzen vor Zorn bebte, reagierte die junge Frau, die ihre Haut trug, nicht einmal mehr und ließ jede Kränkung über sich hinwegrauschen, wie sie es schon bei den harten Worten des Vaters und den Gemeinheiten der Brüder getan hatte - nur nicht bei Ulrich, da hatte sie sich getraut an die Oberfläche zu kommen und hatte für wenige Momente einmal die Zügel selber in die Hand genommen - so vieles musste sich ändern!

Während sie vor Spannung und Neugierde kaum noch Luft bekam, rang "Hannerl" rein aus Panik und Angst um Luft und schloss irgendwann sogar die Augen, als versuche sie so, wie ein Kind, dem Ganzen zu entfliehen. Sie nicht, sie lauschte und zwang ihr bibberndes alter Ego irgendwann doch noch zu Antworten, die zwar hektisch und erstickt klangen, doch wenigstens da waren - so vieles musste sich ändern!

Während das junge Fräulein den Weg zum Hause irgendwann beinahe gerannt war und sich nach der infantilen Sicherheit unter der eigenen Bettdecke sehnte, so war sie es nun gewesen, die die Schritte gebremst hatte, die die Ehrlichkeit der beiden, seltsamen, jungen Frauen nochmals hatte Revue passieren lassen und schließlich dem geschundenen Selbstvertrauen Hannerls ein wonniges Bad in den liebevollen Worten der Blinden gegönnt hatte.
"Ich bin hä.. hä... nunja, nicht sehr schön."
"Wirklich? Du hast aber eine sehr schöne Stimme..."
Hatte sie? Hatte sie und mehr... ach Hannerl, so vieles musste sich ändern!

Mit einem Ruck machte sie da auf dem Absatz kehrt und beschloss noch eine weiter Runde über den Hof und die anliegenden Äcker zu drehen, um tief in sich nach Antworten zu fühlen und die Verbundenheit zu verstehen, die ihr die beiden jungen, unbekannten Frauen Majalin und Selene entgegenbrachten.
Selene Ainaan

Beitrag von Selene Ainaan »

Horteras, und da waren sich maja und Selene offensichtlich einig, hatte einen sehr eigenwilligen Humor. Da waren zwei Frauen, und sie hatten alle den Funken in sich. Die eine war zickick, viel zu neugierig, die andere war ängstlich und viel zu vorsichtig. Zwei junge Kaninchen, die beide nicht lange überleben würden. Die eine würde vorzeitig gefressen, die andere würde verhungern. Die Situation war reichlich bizarr und eigenartig.

Während die eine wutschnaubend ging, blieb die andere wie angewurzelt stehen und wurde nun doch etwas vertrauensseliger. Scheinbar machten sie schon zuvor Bekanntschaft mit Vefas wunderlicher Hütte und wenn man es recht bedachte, war das ja die beste Geschichte von allen.

Als sie weg waren nun berieten sich ihre Schwester und Selene über das eben erlebte. Schwestern waren sie - ausgesucht, und, darüber waren sich ebenfalls beide einig, würde das nächste Treffen das Leben der zwei jungen Frauen ändern. Sie hatten bereits zusammengefunden. Und so würde für die ängstliche Hanna und die ungestüme Zelika schon sehr bald ein neues Abenteuer beginnen. Es galt nun abzuwarten, was da noch kommen mochte. Doch eines war jetzt schon ganz klar. Selenes Nerven würden auf eine harte Probe gestellt werden...

Ohja, die beiden waren eine Prüfung!
Zelika Farenta

Hexen hexen

Beitrag von Zelika Farenta »

Sie saß mit dem Rücken an die Wand gelehnt auf eines der unzähligen Kissen und starrte vor sich hin.
Da war sie nun, in diesem fremden Haus, unter fremden Frauen, und was am schlimmsten war, in der Nähe von dieser Verrückten. Und warum? Nur wegen Hanna. Was hatte sie da nur geritten zu sagen, wenn sie sich traute, bliebe sie auch?
Weder fühlte sie sich wohl, noch aufgehoben, noch am richtigen Platz. Für sie stand nach wie vor fest, dass sie nicht hierher gehörte, allem Gesagten und Gehörten zum Trotz. „Schwestern“, schnaubte sie leise vor sich hin und zog die Beine an, um die Arme darum zu legen. Sollten sie doch alle meinen, was sie wollten. Da kamen einfach irgendwelche fremden Frauen daher und meinten, sie wüssten über sie und ihr Leben bescheid. Völliger Unsinn. Gewiss, sie gaben sich größte Mühe damit überzeugend zu sein, aber überzeugt war sie noch lange nicht. Nicht nur mit Händen und Füßen wehrte sie sich dagegen, im Grunde tat sie es mit allem was sie hatte.
Was sie dazu veranlasste, waren diese dämlichen Demonstrationen der Verrückten. Wie konnte man so eine nur auf die Menschheit loslassen? Völlig verrückt! Das machte diese anderen Frauen – auch die Alte – nicht eben vertrauenswürdiger in Zelikas Augen.
Putzen sollte sie erst, für ihre Frechheiten. Putzen wäre wenigstens etwas mit Hand und Fuß gewesen, aber selbst das war letztlich dann doch wieder zurückgenommen worden. Wie gütig!
Wieder stieß sie ein leises Schnauben aus.
Sie wollte keine Schwestern, schon gar nicht so welche. Aber Hanna konnte man ja wohl kaum allein lassen. Hanna…
Wie gutgläubig sie war, wie leicht zu überzeugen, wie… naiv! Trotzdem hatte das Pummelchen etwas an sich, was Zelika dazu verleitete sie zu mögen. Vielleicht war es gerade ihre Unbedarftheit, oder das Gefühl, dass sie vermittelte: Hilf mir bitte…
Trotzdem war Zelika ein bisschen sauer. Warum hatte das feige Huhn dieses Mal nicht gekniffen? Eigentlich hatte sie fest damit gerechnet, dummerweise war es gänzlich anders gekommen. Krötenschleim und Entengrütze!
Am liebsten würde sie sich gleich wieder davon machen. Was sollte sie auch hier? Ein Haufen verrückter Weiber – wobei, die Blinde war ganz nett eigentlich.
Unwillig verzog sie ihre Lippen, legte sich aufs Fell und zog ein weiteres über sich. Hanna hatte sie draußen am Feuer zurückgelassen. Sie zog es vor bequem zu liegen, und vor allem dieser Verrückten damit zu entfliehen.
Verrückt, alle, allesamt!
Zelika Farenta

Fort, nur fort

Beitrag von Zelika Farenta »

Sie hörte die Stimmen leise und in einiger Entfernung. Was gesprochen wurde, wusste sie nicht, wollte es auch nicht wissen. Zwei Tage erst, oder drei, waren vergangen und sie fühlte sich zunehmend fehl am Platz.
Sicher, sie wusste nur zu gut, was sie Hanna versprochen hatte, aber alles in ihr drängte danach einfach zu verschwinden. Am besten grußlos, am besten ohne zurückzuschauen und am besten über das Meer hinweg, weit weit weg von hier, wo nur Verrückte zu leben schienen.
Ein bisschen schade fand sie es um den Hof und die Leute dort, um Hanna und Magda, um ihre Verwandtschaft, sie waren alle sehr freundlich gewesen, aber nun ja, man konnte ja nicht alles haben. Und es war nichts, was sie davon überzeugen konnte, unbedingt bleiben zu müssen.
Also stahl sie sich hinaus aus dem Hain, schlenderte gemütlich nach vorn zu der Brücke, die von der Insel hinunter führte und ging über diese hinüber, als wollte sie nur mal so auf einen Spaziergang gehen. Da sie nichts mitgebracht hatte, außer dem, was sie am Leib trug, nahm sie auch nichts weiter als genau das mit.
Zurückkehren wollte sie jedoch nicht mehr. Mochten sie davon halten, was sie wollten, enttäuscht sein bis ins Mark, das war ihr alles egal. Sie sah keine Schwestern in wildfremden Frauen, sie sah keinen Grund von denen irgendwem zu vertrauen oder ihnen Glauben zu schenken. Erzählen konnte man wahrlich viel, wenn der Tag lang war und das Ganze schien ihr doch ein wenig sehr an den Haaren herbeigezogen, was man ihnen aufgetischt hatte.
Mochten die andern beiden es glauben, sie tat es nicht.
Dann diese Machtdemonstrationen, dieses alberne Hervortun, diese Wichtigtuerei und Angeberei… diese Verrückte. Warum sollte sie so einer auch nur einen Fingerbreit über den Weg trauen? Wer mit genug Verstand tat so was?
Hanna würde sie wohl nicht davon überzeugen können mitzukommen, also unterließ sie es gleich. Die andere kannte sie nicht gut genug, um es als wichtig zu empfinden es überhaupt in Erwägung zu ziehen sie zu fragen, ob sie mitkommen wollte.
Schade fand sie es ein bisschen um Majalin. Sie schien ein wenig verwirrt, aber sonst sehr vernünftig zu sein. Welch ein Unfug, das alles. Nein, nichts von all dem ging sie etwas an. Mit nichts von all dem, wollte sie zu tun haben.
So setzte sie den ersten Schritt auf der gegenüberliegenden Seite der Brücke auf das Festland und setzte ihren Weg unbeirrt fort. Ihr Ziel war das nicht weit entfernte Bajard und der Hafen dort.
Nein, sie wollte nicht bleiben sie wollte nur noch fort. Fort, nur fort.
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