Alles scheint nicht so zu sein, wie es ist....

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Erinya Erlias

Alles scheint nicht so zu sein, wie es ist....

Beitrag von Erinya Erlias »

Die Augen geschlossen sog sie die salzgeschwängerte Meeresluft tief in ihre Lungen. „Land in Sicht“ brüllte der Matrose weit oben im Mast zu den Passagieren herunter. Es war also soweit... Die Suche konnte beginnen.

Den letzten Brief fest in ihrer Hand blickte sie auf das langsam näherkommende Fischerdorf. Hier sollte also alles beginnen.

„[...] sehne mich so sehr danach [...].... Ach wärst du doch nur hier. Etwas geht in mir vor. Etwas passiert mit mir. Licht wird zu Schatten und Schatten wird zu Licht [...]“

Es war der letzte Brief, den sie von ihrer Schwester bekommen hatte. Danach Stille.... kein Wort, keine Meldung... einfach nichts.

Nur wenige Goldmünzen in der Hand und ihr Schwert immer an ihrer Seite stieg sie langsam die Stufen hinunter und endlich nach der langen Segelei spürte sie wieder festen Boden unter den Füßen. Wo sollte sie nur beginnen.... Tirell. Die erste und für Erinya auch die letzte Möglichkeit etwas herauszufinden.

Der Weg schien weit und der Regen peitschte stetig gegen den hageren Körper der zierlichen Frau. Die rabenschwarzen Locken hingen schlaff an ihrem Gesicht herunter, doch endlich konnte sie jene Hallen sehen, in der ihre Schwester so viele Jahre verbracht hatte.

...

Wie lange konnte das denn noch dauern, bis endlich jemand kam, der ihr auch Auskunft geben konnte? Endlich ....

Ein schlacksiger Mann trat an sie heran und bat sie mitzukommen. Wohlig prasselte und zischte das Feuer im Kamin. „Ich suche meine Schwester. Irgendjemand muss doch wissen wo sie ist?“. Ohja er konnte ihr etwas erzählen... aber wenig. „[...] hörte, dass sie im Kloster der Temora verweilt. [...]". Wusste denn keiner was mit Nuridanya vorgegangen war? Wusste denn niemand warum sie offensichtlich fortlief?

Langsam erhob sich Erinya und drehte nur leicht den Kopf Richtung Aldred „Sie war einsam...“ und schritt langsam Richtung Ausgang.
Alles schien sich zu drehen, es passte nicht zusammen. Das Dunkel hatte sich nicht einmal verhellt. Nur dieser Mann... als er ihr vor den Toren Tirells den Umhang gab. Dankbar für ein wärmendes Stück... ein wärmendes Stück von ihm. Sie konnte sich selbst nicht erklären, was da geschehen war. Doch es passte nicht in ihren Plan. Wenn nur nicht so viele aber wären...
Aldred Ravenor

Beitrag von Aldred Ravenor »

Etwas bewegte ihn tief in seinem Innern, als er die hagere Gestalt in der Vorhalle der Akademie sah. Wollte doch ihre Mimik so gar nicht zu der einfachen, schon fast schäbigen Kleidung passen, die sie am Leibe trug. Und das Gesicht..... es kam ihm vage bekannt vor und eine Jahre alte Erinnerung schien in ihm hochzukommen, auch wenn er sie nicht recht fassen konnte.

Eine Ahnung – kaum greifbar – war langsam in ihm aufgestiegen, doch als sie ihren Namen nannte, riss der Magier dennoch die Augen auf und sein Erstaunen musste klar zu lesen gewesen sein.
Wie hätte er die Arcomaga Erlias vergessen können, hatte er doch als Scolar unter Ihren Launen wahrlich zu leiden gehabt. Glasklar stand es mit einem Mal wieder vor ihm, wie verwundert er damals wahrgenommen hatte, dass die starke, temperamentvolle Frau, die er im ersten Moment bewundert hatte, zum Ende ihrer Anwesenheit immer abwesender wirkte und kaum noch Notiz von ihm nahm. Als wäre sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Und nun.... ihre Schwester..... auf der Suche.

Aldred half so gut er konnte, vermochte jedoch nicht viel auszurichten. Auf seinen Meister Anius verwies er, der sollte sich erinnern können....

Hilflos fühlte er sich. Ein Gefühl, dass ihm mit der Zeit fremd geworden war. Diese zarte, abgemagerte Frau weckte seinen Beschützerinstinkt und als er sie in die Kälte der Nacht hinausgehen sah, drückte er ihr unbeholfen seinen Mantel in die Hände..... hatte er doch sonst nichts für sie tun können.

Als er wahrnahm, wie sie sich in den warmen Mantel kuschelte, stieg etwas in ihm hoch....... er schaute ihr nach........ und noch eine ganze Weile stand er fröstelnd vor den Toren Tirells und schaute in die Nacht hinaus.
Erinya Erlias

Beitrag von Erinya Erlias »

Der Nebel zog sich langsam durch das Unterholz und zitternd zog sich Erinya den Mantel um den hageren Leib. Anstrengend waren die letzten Wochen und deutlich konnte man die Spuren an ihrem Körper erkennen. Auf den letzten Krümeln Brot kaute sie herum, angelehnt an einen Baum und die Augen geschlossen.

Zuviel war in den letzten Stunden passiert. Niemand konnte ihr Auskunft über den Verbleib ihrer Schwester geben. Doch wollten sie nicht oder konnten sie nicht? Es waren keine ratlosen Gesichter, es waren Gesichter, die ihr versuchten etwas zu verbergen. Bildete sie sich das oder hatte Nuridanya etwas schlimmes begangen, von dem keiner mehr reden wollte?

Dann die Begegnung mit Aldred. Als müsse er vor einer Krankheit fliehen wollte er ihr entkommen. Er stellte sie immer wieder vor Rätsel. Erst abweisend und dann dieser.... dieser Kuss. Voller Leidenschaft und Hingabe. Gefährlich und doch so vertraut zugleich. Warum konnte sie sich ihm nicht vollkommen öffnen? War es reiner Selbstschutz, den sie aufbaute, als sie ihm erklärte. Keine Versprechen. Keine Bindung. Keine Lügen. Was war nur in sie gefahren?

Endlich ein Mensch, der ihr scheinbar die gleichen Gefühle entgegenbrachte, die sie selbst empfand. Warum konnte sie ihm nicht vertrauen? Konnte ihre wirklichen Gefühle nicht so zum Ausdruck bringen, wie er es eigentlich verdient hätte? Er wollte sie. Er hatte es selbst bestätigt. Und warum musste sie ihm dann an den Kopf werfen, ob sie sich jemals wiedersehen würden? Hatte sie einfach Angst? Angst sich zu öffnen und dann doch enttäuscht zu werden?

Sie müsse nie wieder alleine sein und man konnte ihm anmerken, wie ungern er ging. Und doch... saß sie wieder alleine mitten im Wald. Kalt... frostig und stetig die Gefahr hier entdeckt zu werden. Eine Frau alleine im Wald, zwar nicht ganz schutzlos, hatte sie ihr Schwert immer bei sich. Doch im Schlaf... im Schlaf sind wir alle schutzlos. Ausgeliefert jedem, der die Situation ausnützen würde.

War es so schrecklich jetzt in einem warmen Heim zu sein, in den Armen seiner Liebsten und zu wissen, dass einem nichts mehr auf dieser Welt passieren kann? War Erinya bereit das Risiko einzugehen vielleicht ihre Gefühle aufs Spiel zu setzen, aber vielleicht etwas Großes zu gewinnen?
Aldred Ravenor

Beitrag von Aldred Ravenor »

Es war jedes mal das gleiche, wenn er sie sah...... erst rutschte ihm das Herz in die Hose, dann schlug es ihm bis zum Hals. Dabei kannte er diese Frau kaum.......

Einmal erschien Sie ihm so verletzlich und bedürftig, dann wieder aufbrausend und abweisend. Ihre Worte waren es gewesen. Keine Versprechen. Keine Lügen. Keine Bindung. Aldred wollte sie nicht drängen, ging willig auf ihre Bedingungen ein und schon wurde sie wieder kalt wie die Nachtluft, die sie atmeten.

Waren alle Frauen so wechselhaft? War das nicht genau das, was er all die Jahre zu meiden gesucht hatte?
Und schon war er der Narr, der beteuerte, erklärte, sie umwarb mit seinen Worten und Gebärden. Seine Gefühle konnten kaum mit den Ereignissen mithalten, die sich förmlich überschlugen. Noch immer kannte er diese Frau kaum und doch hatten seine Lippen den Weg auf die ihren gefunden. Es schien so richtig...... so einfach, wenn sie vor ihm stand.

Im nächsten Moment floh sie wieder vor ihm, entzog ihm ihr Vertrauen, suchte Ausflüchte und ließ ihn die Schmerzen spüren, die sie angeblich so fürchtete. Oder sollte das nur ein Spiel sein? Was hatte es mit dieser Aufgabe auf sich? Konnte man mit Vertrauen handeln wie mit Samt und Seide? Ihr Vertrauen bot sie, eine Aufgabe verlangte sie ihm ab. War es so einfach?
Deutlich wurde ihm, dass er sich zum Spielball ihrer Launen machte....... er, Aldred Ravenor......... der Magister!........ der Erzmagus!.......... der Mann........... der Suchende?

Mitten in seinem Gedankenfluss hielt er inne......... sah auf.......... und ließ ihr Bild kurz durch den Raum schweben........

Schon regte sich sein Herz.

Eines war klar......... mit dem Verstand kam er hier nicht weiter, doch genauso wenig würde er ihn ausschalten........ er würde sie wiedersehen............. und er würde auf der Hut sein.
Erinya Erlias

Beitrag von Erinya Erlias »

Mit ein paar Münzen in der rechten Hand stand sie vor der Dame im Gasthaus zu Bajard. „Nur ein kleines Zimmer für eine Nacht...Bitte...“ flehte sie fast. Die linke Hand hing etwas schlaff an der Seite und nur bei genauerem Hinsehen konnte man das kleine Blutrinnsal sehen, dass langsam aber stetig ihren Arm hinabfloss.

„Hm... Naja... wenn du es morgen früh selbst putzt. Und wehe ich sehe auch nur einen Fleck!“ herrschte die Wirtin sie an. „Da... trag dich ein. Zimmer 5“ und hielt ihr etwas widerwillig das Gästebuch hin. Die Münzen auf den Tresen geknallt hob sie langsam die Feder und begann ihren Namen in die letzte Zeile zu schreiben. Aus purer Neugier flog ihr Blick hastig über die anderen Namen, ehe sie stutzte ... Ravenor.... Er war hier? Doch ehe sie die Zimmernummer lesen konnte, klappte die Wirtin das Buch vor ihrer Nase zu und deutete mit den wulstigen Fingern in den oberen Stock.

Kaum hatte sie die Türe hinter sich geschlossen, zog sie sich... nein riss sie sich fast die Rüstung vom Leibe. Nur im schwachen Kerzenschein konnte man die Wunden und blutenden Schrammen erkennen. Wie hätte sie sonst zu Geld kommen sollen... Um wenigstens eine Nacht in einem warmen Bett zu verbringen. Es war ihr schon peinlich genug, als das Gift ihr den Atem raubte und ihre Beine sie keinen Zentimeter mehr trugen. Mitten in Bajard... und das passierte ihr! Ihr, die sie immer glaubte, dass sie keine Schwäche zeigen dürfte. Noch viel schlimmer war aber, dass man so einen Aufstand wegen ihr machte war, dass – als sie endlich wieder auf den Beinen war – Aldred diesem Tumult folgte. Lange war sie in der Nacht davor durchgegangen, wie sie aus dieser brenzligen Lage mit ihm wieder herauskam. Und doch... als er vor ihr stand... Jeglicher Verstand ausgeschaltet, jeglicher Vorsatz über Bord geworfen. Sie wollte ihm nur eines sagen... „Es ist mir gleichgültig was ich von anderen höre, es ist mir gleichgültig, wenn du mich in wenigen Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren verlässt... Denn ich weiß es waren die schönsten meines Lebens. Und ich weiß ich bin kein einfacher Mensch. Ich bin jähzornig, stur, doch ich weiß was mein Herz mir sagt...[...]“

Diese Sekunden des Wartens, ehe er eine Antwort verlauten ließ, waren schier unendlich. Doch sie hatte eine erhalten, und sie machte sie glücklicher denn je.

Und nun... saß sie hier. Auf einem Hocker im spärlich beleuchteten Zimmer. Immer wieder den Stofffetzen in Wasser getaucht, um ihre Haut von dem Schmutz und dem getrockneten Blut zu befreien. Außer ihrem linken Oberarm. Die Blutung wollte nicht aufhören, doch konnte sie das kleine metallene Ding nicht aus dem Fleisch ziehen. Zu tief steckte es.

Die Nacht schon weit voran geschritten, lauschte sie doch immer wieder den leisen Stimmen, die über den Flur hallten. Immer in der Hoffnung seine erkennen zu können. Vielleicht... vielleicht würde er sie ja entdecken... flammte eine kleine Hoffnung in ihr auf, ehe sie sich fest eine Bandage über den Oberarm wickelte. Für die Nacht würde es reichen, und wer weiß, vielleicht würde das auch die Blutung stillen.

Bekleidet in einem ärmellosen, knielangen Stoffkleid legte sie den geschundenen Körper auf, das für sie herrlich warme und weiche, Strohbett. Rasch fiel sie in einen unruhigen, aber tiefen Schlaf und das Blut aus der kleinen Wunde sickerte und sickerte.....
Aldred Ravenor

Beitrag von Aldred Ravenor »

Es war ein langer Tag voller Hochs und Tiefs gewesen...... nein, halt, eigentlich hatte er nur eine gute Erinnerung an diesen Tag behalten. Je später der Abend desto mehr wünschte er sich, bloß nicht aufgestanden zu sein diesen Morgen.

Der Schreck saß tief, doch ließ er sich das kaum anmerken, als er Erinya endlich wieder im Arm hielt. Blutbefleckt die Wangen, Schrammen und Kratzer am ganzen Körper, selbst Teile ihrer Rüstung hingen zerfetzt an ihr herab und so schwach sah sie aus, dass es ihn schmerzte.
Doch sagte er kein Wort und zog sie nur an sich, ignorierte das Metall, dass sich in seinen Körper bohrte..... wollte ihr so nah sein, wie nur möglich.
Sollte der Magier sich verhört, das alles nur geträumt haben? Oder hatte sie sich grade mit Herz und Seele in seine Hände gegeben?

Kaum fassen konnte er diesen Augenblick, diesen glückseligen Moment und als sie ihm ein ums andere Wort zärtlich ins Ohr flüsterte, entflammte seine Leidenschaft und er presste seine Lippen stürmisch auf die ihren. Seine Hände fanden nur die Rüstung und doch stieg die Lust zwischen ihnen jede Sekunde spürbar an. Als sie sich, rote Flecken auf den Wangen von ihm löste, sah Aldred erst wie schwach sie wirklich war und so hielt er sie eine Weile einfach nur fest. Als sie einen Moment später erschöpft und sichtlich mitgenommen davonging, machte er sich Vorwürfe, sie so gefordert zu haben und der Anflug von Sorge, der ihn zu Anfang überkommen hatte, meldete sich nun stärker denn je zurück.

Die Ratssitzung. Ewig schien sie zu dauern und wenig erfolgreich war der Verlauf. Die Sonne war lange am Horizont versunken, als Calor die Sitzung schloss. Und doch war noch nicht alles diskutiert worden, so dass man sich erneut treffen wollte. Ärger und Erschöpfung standen ihm ins Gesicht geschrieben, als er sich wieder auf den Weg nach Bajard machte.

Bevor er sich zur wohlverdienten Ruhe begab, wollte er kurz bei Leanne vorbeischauen. Wie es ihr wohl ging? Rechnete er auch mit den schwersten Vorwürfen, so machte er sich doch genug Sorgen um sie, um eine Auseinandersetzung zu riskieren.
Doch sachlich und ein wenig abweisend bat sie ihn hinein, wo er eine maskierte Dame vorfand, die sich ihm als Akyrlaer, Korporalin der Rahaler Garde, vorstellte. Er war kaum zu weiteren mühsamen Diskussionen aufgelegt, doch fühlte er sich Leanne verpflichtet und immerhin schien es um Belange Bajards zu gehen, so dass er ihr geduldig zuhörte......

........ bis zu dem Augenblick, als er sich eine Beleidigung nach der anderen anhören musste. Er selbst war kaum zu Wort gekommen und doch wusste er immer noch nicht, was diese Frau von ihm wollte. Aldred war nicht in der Stimmung, sich vor einer wildfremden rechtfertigen zu müssen und hielt er auch anfangs seine Wut im Zaum........ nun, es war vergeudete Zeit so schien es.

Müde und verwirrt von dieser geschwätzigen Frau saß er dann Leanne gegenüber. Doch so sehr Aldred auch wünschte, er könnte......... welchen Trost hatte er ihr schon zu bieten. Wie verlogen klang es in seinen eigenen Ohren, dass seine Worte, seine Taten alle ernst gemeint waren....... wie sollte sie ihn da nicht verlachen?! Ihr zu sagen, wie kurz davor er gewesen war....... es würde nur ihren Schmerz vergrößern. Und er hätte nicht zu glauben gewagt, dass sie seiner Bitte nachgeben würde.

„Ich werde Euch nicht hinauswerfen“ waren ihre Worte gewesen. Zwar hatte er das Gefühl, es nicht verdient zu haben, doch atmete er innerlich auf. Er würde wieder einen Fuß auf ihren Hof setzen dürfen.

Kaum konnte er die Augen offen halten, als er ins Gasthaus kam, wo sein weiches, warmes Daunenbett schon auf ihn wartete. Die Wirtin schenkte ihm nur ein kurzes Lächeln, wohnte er doch schon lange bei ihr. Und nur schwach hörte er sie weiterzetern.... scheinbar mit einem Zimmermädchen. Über was genau sie sich aufregte, bekam er nicht mehr mit.... und hörte er auch einige Wortfetzen als er nach oben schlich........“zerzaustes Weibsbild“........“Blut im Gesicht“........“Gesindel“........“kostet extra“........war er doch viel zu müde, um sich darauf einen Reim zu machen. Doch wer weiß, ob es ihm nicht in Kürze wie Schuppen von den Augen fallen würde....
Erinya Erlias

Beitrag von Erinya Erlias »

Unruhig wälzte sie sich hin und her. Jedes mal, wenn sie sich auf den linken Arm legen wollte, stöhnte sie auf vor Schmerz. Die Bandage war längst blutdurchtränkt. So konnte sie keinen Schlaf finden. Kleine Schweißperlen standen ihr auf der Stirn, setzte sie sich aufrecht ins Bett.

Es gab nur eine Möglichkeit, die zwar anfangs noch schmerzhafter, doch dann hoffentlich Linderung verschaffte. Auf der Unterlippe herumkauend betrachtete sie zuerst die blutige Bandage, dann den kleinen schwarzen Dolch mit der Gravur ihres Vaters. Es musste sein...

Zittrig öffnete sie die Bandage, die blutverschmierte Wasserschüssel unter ihren Arm gehalten setzte sie langsam die scharfe Klinge an.

“zerzaustes Weibsbild“........“Blut im Gesicht“........“Gesindel“........“kostet extra“ hörte sie etwas entfernt das Weib des Hauses zetern.

Fest biss sie sich auf die Unterlippe, als das kalte Metall sich in ihr Fleisch bohrte. Weder eine Ahnung von Medizin und erst recht nicht von Anatomie versuchte sie das Metallstück in ihrem Oberarm irgendwie heraus zu bekommen. Kurz hielt sie inne, dieser Schmerz.... er schien ihr fast die Sinne zu rauben. Sie konnte das Metallstück fühlen... doch schien es sich eher fester in das Fleisch zu bohren, als ein Stück weiter heraus zu kommen.

Die Schweinerei, die sie hier anrichtete würde sie mehr kosten, als sie bei sich hatte. Doch dies schien derzeit ihre kleinste Sorge. Die Kraft aus ihren Beinen wich und so saß sie nun am Holzboden, den Rücken an die Bettkante gelehnt, die Wasserschüssel neben sich und längst konnte das kleine Gefäß ihr selbst veranstaltetes Geschnipsel nicht mehr auffangen.

Mutlos und vor allem kraftlos hob sie wieder die Klinge... Vielleicht würde ein kleiner Schnitt quer.... Doch noch ehe sie diesen vollbringen konnte, kam immer mehr ein Gefühl der Hilflosigkeit. So konnte das nichts werden... Die Stimme der Wirtin immer leiser werdend, die Dunkelheit immer näher. Langsam legte sie sich über das zierliche Geschöpf, das zu eitel und zu stolz war, um Hilfe zu bitten. Ja niemanden seine Schwächen zeigen, hatte ihr Vater immer wieder gepredigt. Das nutzen die Leute aus... Verlass dich auf niemanden, nur auf die selbst....

Sollte es das etwa sein? Hätte sie doch besser auf Aldred gehört... Sich in seine Hände begeben, wo sie doch heute das erste mal gefühlt hatte, wie es ist, wenn einem nichts mehr passieren kann.
Erinya Erlias

Beitrag von Erinya Erlias »

Fest an ihren Füssen gepackt schien sie der Sog immer weiter nach unten zu ziehen. “Nein...“ brüllte sie aus Leibeskräften, doch die Dunkelheit... umfasste sie so stark. Wie eine Ertrinkende, die vom Sog in die Tiefe gezogen wird, ruderte sie hilflos mit den Händen. „Wa...?“ starrte sie das Gesicht an, das vor ihr auftauchte. Ein Gesicht ihr so ähnlich, funkelnd grüne Augen, braune, glatte lange Haare. „Nein... Nein... Nein...“ und als würde jene Ertrinkende endlich die rettende Oberfläche erreichen, holte auch Erinya laut Luft und der zierliche Körper in dieser kleinen schäbigen Kammer im Gasthof zu Bajard bäumte sich kurz auf.

Längst war die Kerze heruntergebrannt und sie konnte nur die Dunkelheit ausmachen. Sie fühlte nur das kalte Metall in der einen und einen entsetzlichen Schmerz in der linken Hand. Was hatte sie nur getan? Konnte sie nicht einmal um Hilfe bitten? War es so schwierig diese Wörter über die Lippen zu bekommen „Ich brauche Hilfe...“?. Das weiße, ärmellose Leinenkleid längst mit großen, roten Flecken überzogen, wusste sie, dass sie hier elendiglich vergehen würde, wenn sie ihren Stolz nicht überwand. Kaum konnte sie sich auf den Beinen halten, die linke Hand hing schlaff an der Seite, bemerkte sie nicht, wie sie langsam aber stetig eine Blutlinie hinter sich nach zog, als sie sich langsam aus ihrer Kammer schleppte.

Mucksmäuschenstill war es im Gasthaus. Die meisten seiner Bewohner schienen zu schlafen, nur ein leises Schleifen und Wimmern könnte man bei genauerem Hinhören vernehmen. Für einen kleinen Moment an die Wand gelehnt, schloss Erinya die Augen. Die rabenschwarzen Locken hingen ihr ins Gesicht und sie hätte sich selbst ohrfeigen können. Wäre sie doch nie hierher gekommen. Und als hätte sie es ahnen können, als sie langsam die Treppe mehr hinunter polterte, die Kraft wieder aus ihren Beinen wich und schlussendlich auf der letzten Treppe zum Stehen kam.

„Du.....“ setzte die Wirtin an „Gesindel dreckiges! Was fällt dir ein? So eine Schweinerei hier anzufangen“ brüllte die Wirtin in allen Tonlagen „HUGO! HUGO!“ schrie sie aus Leibeskräften „KOMM HER HUGO! Das Weib.... ist verrückt!“ Und erst als der Wirt schließlich – nicht gerade in seiner feinsten Nachtkleidung – vom Nebenraum herüber rannte. Verschlafen und nach Bier stinkend, stand er für einige Sekunden nur still da und betrachtete erst seine aufgebrachte Frau und dann die Gestalt auf der Treppe. Doch gerade als er auf sie losstürmen wollte, um das Gesindel auf die Strasse zu werfen hörte er nur ganz ganz leise „Ich brauche Hilfe...“
Aldred Ravenor

Beitrag von Aldred Ravenor »

Was für ein Traum!.......Die Schlacht war geschlagen....... die Leiber der Feinde zu Hunderten am Boden, der getränkt war von ihrem Blut...... der kümmerliche Rest des gegnerischen Heeres floh Hals über Kopf in die Wälder und binnen eines Tageslaufes würde auch Ihr Lebenslicht ausgelöscht sein.......
.....und wieder einmal waren die Arkorither geschlagen.......

Aldred stand nicht unweit seiner Ordensbrüder und hatte er auch seinen Teil zum Sieg beigetragen, drückte die Trauer doch schwer auf sein Gemüt. Welchen Preis hatten sie zahlen müssen! Wie viele Unschuldige hatten ihr Leben lassen müssen....... ein Gehöft nach dem anderen niedergebrannt, weder Frauen noch Kinder verschont...... und alles im Namen dieses dämonischen Gottes. Nein, der Krieg war sein Handwerk wahrlich nicht.

Durch das Stadttor ging der Zug und das Volk am Wegesrand jubelte Ihnen zu und doch schmeckte der Magier nur Bitterkeit auf seiner Zunge. Wie wenige waren es noch, die dort standen und wie um den Schrecken vergessen zu machen, umso lauter aus vollem Halse schrien: „Hurra! Hurra!“....... und mit einem Ruck erwachte er.

Senkrecht im Bett saß er und konnte sich nicht recht erklären, was ihn geweckt hatte..... und noch immer hörte er den Jubel der Bürger in seinen Ohren...... was riefen sie?

„KOMM HER HUGO!“ tönte es gar nicht mal so leise an Aldreds Ohr. Kopfschüttelnd setzte er sich ganz auf und setzte die Füße auf die warmen Dielen. Welch eine Wohltat, das Zimmer direkt über der Küche zu bewohnen. Leise seufzte er.
Die Wirtin hatte aber auch ein Organ! Und sie klang gar so aufgeregt....... es würde sich doch wohl kaum ein Einbrecher hier hinein wagen.....
Flink schlüpfte er in seine Hose und sprang – mit einem mal hellwach – behände die Treppe hinunter, wo er barfuß und, wie er plötzlich bemerkte, auch ohne Hemd dastand.

Beinahe wäre er dabei über ein Bündel am Boden gestolpert und mit einem etwas ungeschickten Satz, setzt er darüber hinweg, nur um sich sogleich umzudrehen.
Sein Herz blieb stehen und die Sekunden verstrichen schleppend langsam, als er sich fragte, ob es je wieder zu schlagen anfangen würde...... sein Blick entdeckte erst jetzt die feine, aber ununterbrochen Blutspur, die sich über die gesamte Treppe zog und im Dunkeln des oberen Geschosses verlor. Einen Moment büßte er noch ein, als ein heftiger Schmerz sich durch seinen Verstand zog, dann stürzte er zu der verletzten Frau......seiner Liebsten..... und riss sie förmlich in seine Arme, bevor er den Kopf neigte, um behutsam und voller Angst ein Ohr über ihren leicht geöffneten Mund zu legen......... was bei allen Göttern war nur mit ihr geschehen?! Und was er nicht alles gäbe, wenn doch nur Leben in ihr wäre! Was er nicht alles gäbe.......
Aldred Ravenor

Beitrag von Aldred Ravenor »

„Hilfe?! Dir werd ich helfen, Du Luder“..... kaum schlug ihm die betäubende Bierfahne von oben ins Gesicht, da wurde Aldred auch schon unsanft zu Boden gestoßen. Breitbeinig stand der Wirt über ihm, doch beachtete er den Magier nicht weiter, sondern zerrte an Erinya herum, wohl um sie aus dem Gasthaus zu schleifen.

Hugo war kein so schlechter, aber doch ein grobschlächtiger Mann von schlichtem Gemüt und grade wenn er getrunken hatte...... nun, wer wollte es ihm verübeln......... was hatte ihn seine Mutter auch Hugo nennen müssen. Eine Freude war das sicher nicht.
In diesem Moment jedoch war Aldred nicht in der Lage, Nachsicht zu üben und seine linke Hand vollführte eine kleine Geste...... der Wirt hatte Erinya schon einige Schritt weit fortgeschleppt, schwer keuchend, der Schweiß stand ihm auf der Stirn.

Im nächsten Augenblick taumelte der mächtige Körper des Mannes rückwärts auf die Empfangstheke zu, ein leises Wimmern entrang sich seiner Brust, bevor er keinen Lidschlag später heulend wie ein kleines Kind in die Knie sank, sich krümmte und begann, mit den Händen auf seine Schläfen zu trommeln. „RAUS MIT DIR“, schrie er wohl, es war kaum zu verstehen..... und doch schien er nicht Erinya zu meinen, die wie tot in der Eingangshalle lag. Nur bei genauem Hinsehen konnte man, eine federleichte Bewegung ihres Brustkorbs wahrnehmen. Mit zwei schnellen Schritten war Aldred bei ihr und hob sie auf, hielt die junge Frau in seinen Armen und trug sie der Treppe entgegen, wie die Braut über die Schwelle. Kurz öffnete sie die Augen und als so etwas wie Erkennen in ihren Augen aufflackerte, überkam ihn eine Welle der Erleichterung.
Bevor er die Treppe hinaufstürmte, hielt er kurz inne, drehte sich um und wandte sich mit kalter Stimme an die Wirtin: „Kümmer Dich um ihn. Schicke eine Magd mit heißem Wasser und sauberen Tüchern auf mein Zimmer. Und brüh einen Tee auf!“ Seine Zähne begannen zu knirschen und seine Stimme war gefährlich leise. Die Augen der Wirtin wurden immer größer, hatte sie ihren Stammgast doch so noch nie erlebt. Nur kurz hielt ihre Starre an und schon erteilte sie hastige Befehle, an die Dienstmädchen, die bis zu dem Spektakel in der Küche geschlafen hatten, bevor sie sich vorsichtig ihrem Gatten nährte.....

Aldred war schon die Treppe hinaufgeeilt und bettete Erinya grade auf sein Nachtlager..... zwar kannte er sich in Anatomie aus, das hatte das Studium mit sich gebracht, doch um eine andere zu heilen...... dazu reichten seine Fähigkeiten nicht aus. Verzweifelt schaute er sich um, schien ihr Atem doch wieder flacher zu gehen..... so riss er sich nur einen Streifen Stoff aus seinem Mantel und band diesen Fest um die blutende Wunde.... in seine noch warme Decke hüllte er sie ein.... und war auch schon wieder auf dem Weg zur Tür......... Hilfe..... sie brauchte dringend Hilfe.....und er musste sie finden!
Erinya Erlias

Beitrag von Erinya Erlias »

Sie konnte ihn fühlen... seine Haut auf ihrer. Nichts konnte ihr mehr passieren. Er war bei ihr. Sein warmer Atem auf ihrer Haut. Wie gerne hätte sie jetzt nur die Arme um seinen Hals geschlungen und seine Lippen auf den ihren gespürt. Doch er schien ihr nicht so nahe zu sein, wie sie es gerne gehabt hätte.

„Nein!... nicht wegnehmen. Bitte...“, doch die Worte fanden nie den Weg über ihre Lippen. Zu weit war alles von ihr weg. Selbst als der Wirt an ihr herumzerrte, und versuchte sie aus dem Gasthaus zu werfen, hatte sie doch wahrlich genug Aufwand verursacht, spürte sie nur diesen dumpfen Schmerz. Dann endlich wieder... sie konnte ihn fühlen, sie konnte ihn riechen, sie konnte seine Wärme spüren. Als er sie hochhob, öffnete sie nur ganz leicht die Augen. Ja... er war es. Aldred. Er war hier bei ihr. Und als könnte ihr nichts mehr auf der Welt geschehen, begab sie sich in jener Nacht auch körperlich in seine Hände. Ihr Herz.... ihre Seele....das hatte er schon längst gewonnen. Verschrieben hat sie sich ihm mit Haut und Haaren.

Nein, jetzt musste sie nicht mehr stark sein. Für sich alleine sein und misstrauisch jedem gegenüber. Ihren Jähzorn, die aufbrausende Art und das wilde Gemüt. Das hat er allerdings noch nicht bändigen können, und auch wenn ihr der Gedanken nicht nur einmal durch den Kopf schoss. Würde sie je das Heimchen am Herd werden? Schwanger ein ums andere mal, um darauf zu warten, dass ihr Liebster seine Stunden in der Akademie beendete und zu ihr nach Hause kam? Für wahr, der Gedanke daran hatte gewiss seinen Reiz, doch war die Lust nach Abenteuern, die stetige Gefahr dabei sein Leben zu lassen nicht ebenso reizvoll für Erinya? Hatte sie nicht stets gelernt nur das Schwert zu führen, Gegner mit ihrer spitzen Zunge soweit zu treiben, dass nur noch blinde Wut sie beherrschte und sie Fehler begingen. Und jetzt hatte sie gelernt ihr Herz zu öffnen, um Hilfe zu bitten!! Und vor allem.... Liebe zu empfinden.

Geborgenheit... ja das empfand sie, als sie die Wärme um sich spürte. Nichts konnte mehr passieren. Beruhigt konnte sie einschlafen, er war hier. Er würde auf sie aufpassen. Einschlafen? Vor lauter Glück, ihren Liebsten bei sich zu haben, merkte sie nicht was mit ihr vorging. Die Dunkelheit... sie kam wieder und streckte ihre Klauen nach dem zierlichen Wesen aus. Unbändig in ihrem Griff, und doch voller Geborgenheit....
Aldred Ravenor

Beitrag von Aldred Ravenor »

’Hilfe’, dachte er nur, doch sein Verstand schien wie gelähmt. Keinen klaren Gedanken konnte er fassen und als er die Treppe hinunterrannte, prallte Aldred prompt mit einer Magd zusammen.......... das heiße Wasser ergoß sich über seine rechte und zischend sog er die Luft zwischen den Zähnen durch.
Der Magd entfuhr ein leiser, überraschter Schrei, doch er beachtete sie gar nicht weiter, nahm die letzten Stufen mit einem Sprung und legte kurz die linke Hand auf seine verbrannte rechte. Ein leichtes Prickeln....... und als er sie wieder fortnahm, zeigte sich neues, feinrosa Gewebe, nicht mal eine Narbe war zurückgeblieben.
Ein Seufzer entrang sich seiner Kehle und plötzlich schüttelte er den Kopf in Verwunderung. Natürlich.... ein Heiler war die Lösung und Erinyas Rettung. Warum war ihm das Offensichtliche nicht sofort eingefallen?! Und wo gab es die besten Heiler! Ja, sogar eine Schule für Heilkundige.....

Kaum vor dem Gasthaus, öffnete er eine astrale Pforte nach Varuna, hielt diese einige Minuten offen und als der Magier wieder hindurchtrat, zerrte er einen bleichen Mann mit tiefen Augenringen, noch im Nachtgewand, aber mit seiner Tasche in der Hand, hinter sich her. Dieser hatte sich schon wieder gefangen und brummelte vor sich hin.....’nachtschlafene Zeit’...... ’wehe kein Notfall’......... ’wird teuer’........’keine Manieren’.....

Doch das kümmerte Aldred wenig und er stürmte an der verdutzten Wirtin vorbei, schleppte den armen Heiler die Treppe hinauf und stieß die Tür zu seinem Zimmer auf. Der Schweiß glitzerte auf seiner Stirn, sein Atem ging schnell und sein Herz schlug hart in seiner Brust. Höchstens ein viertel Stundenglas war er fortgewesen und doch krampfte sich sein Magen zusammen bei dem Gedanken, was er wohl vorfinden würde..........
Erinya Erlias

Beitrag von Erinya Erlias »

Die Dunkelheit hielt sie fest in ihren Klauen. Doch das Gefühl nicht alleine zu sein, lies Erinya gar nicht ahnen in welcher Gefahr sie schwebte.

Laut sog der Heiler die Luft zwischen den Zähnen ein. „Na das ist eine Sauerei. Was hat sie nur gemacht...“. Kopfschüttelnd ließ er sich auf dem Bett nieder und betrachtete mit kritischem Auge die Wunde. „Mehr Licht!“ herrschte er die Magd an, die sich mittlerweile mit einem neuen, randvollen Eimer Wasser hereinbemühte. Immer wieder blickte sie weg und hielt die Kerze soweit, dass der Heiler etwas sehen konnte.

Zwei Zangen in der Hand blickte er kurz zu Aldred. „Es war gut, dass ihr mich geholt habt, das hätte sie sonst nicht überlebt.“ Und wandte sich aber wieder Erinya zu. Mit der einen Zange öffnete er die Wunde soweit, sodass er mit der etwas kleineren Zange tief in die Wunde eindringen konnte, sodass er das Metallstück endlich herausziehen konnte. Es kostete ihn kurz ein wenig Überwindung so fest anzuziehen, hatte Erinya durch die Herumstocherei mit dem Dolch das Stück mehr hineingedrückt, als herausgezogen. Und da kam es zum Vorschein. Eine abgebrochene Spitze eines Schwertes. Kurz betrachtete der Heiler das Metallstück, eher er es unbeachtet zu Boden fallen ließ.

Eine übelriechende Salbe trug er auf die Wunde auf, ehe er sie notdürftig reinigte und endlich mit Nadel und Faden verschließen konnte. Dick wickelte er wieder eine Bandage darüber. Ehe er zu der Magd blickte „Wascht sie, bezieht das Bett neu und tragt das 3 mal täglich auf die Wunde auf. Der Verband muss immer straff über der Wunde sein. Dann sollte die Blutung aufhören. Und ihr * dabei blickte er zu Aldred * könnt solange das Zimmer verlassen.“ Er schien dabei kein Widerwort zu dulden und packte seinen verschiedenen Töpfe und Tiegel wieder ein.

Die Tür hinter sich geschlossen, blickte er wieder zu Aldred „Ein paar Tage, wenn keine Entzündung dazwischen kommt. Dann sollte alles wieder in Ordnung sein. Das hier * er reichte ihm eine kleine Flasche * gebt ihr ihr morgen. Aber diese Kämpferei... Naja, sie sieht schon sehr schmächtig aus, hatte sie davor irgendwelche Krankheiten? Sie sollte mehr Wert auf ihren Körper legen, als auf die Schätze der Jagd... Wer weiß, ob sie beim nächsten Zusammenstoß mit einem Schwert so glimpflich davonkommt...“ mit einem kopfschütteln verabschiedete er sich dann und trottete langsam in Richtung Treppenabgang.

Widerwillig zog die Magd Erinya erst aus, um sie dann mit einem Lappen gründlich von getrocknetem Blut und Schmutz zu befreien, ehe sie umständlich die Decke neu bezog. Mit sich selbst maulend, kniete sie dann auf dem Boden und wusch langsam Richtung Gang hinaus den Boden.



„Aus Schatten wurde Licht, aus Licht wurde Schatten“ hörte sie ihre Schwester fast sagen. War es das, was Nuridanya meinte? Jene Welt dazwischen, nicht lebend, nicht tot.... War sie etwa???

Unruhig wälzte sie sich im Bett hin und her. Noch einmal war sie der Dunkelheit entgangen....

3 Tage waren nun vergangen und als die ersten Sonnenstrahlen in das Zimmer fielen, blinzelte sie leicht mit den Augen und scheinbar musste sie erst registrieren, wo sie sich befand. Die Bäume, der Geruch der stinkenden Kühe des Hofes gegenüber des Gasthauses drang in ihre Nase.

Langsam erhob sie sich, wobei ein leichter Schmerz ihre linke Hand durchzog. Automatisch griff sie zu der Wunde, die jedoch fein säuberlich verbunden war. Er hatte sie also nicht im Stich gelassen. Mit einem leichten Lächeln blickte sich Erinya dann im Zimmer um. Es war seines.... Vorsichtig schwang sie die Beine aus dem Bett und blickte auf die feinsäuberlich zusammengelegten Kleider auf dem Stuhl. Ihre Habseligkeiten befanden sich ebenfalls in jenem Zimmer und kaum konnte sie es erwarten, ihn wiederzusehen. Vorsichtig schlüpfte sie in das neue Kleid, dass sie sich vor jenem Abend gekauft hatte. Ein Kleid, dass ihr unter anderem fast das Leben gekostet hätte.... Doch der Preis der Liebe war hoch.... War er zu hoch?
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