Da saß er nun, die Beine von sich gestreckt, sein Rucksack neben sich liegend und in der rechten einen halbvollen Krug Wein. Eine frische Brise von der See wehte um seine Nase und der Sternenhimmel lächelte ihm zu, so klar und dunkel, als ob er ihm am heutigen Abend einen ganz besonders schönen Anblick schenken wollte. Gedankenverloren hob er den Krug zu seinem Mund, nahm einen Schluck des Inhalts zu sich und richtete seinen Blick auf das weite Meer vor sich. Seit seiner erneuten Ankunft auf Gerimor hatte er bereits viele interessante Gesichter gesehen, Persönlichkeiten kennengelernt und Geschichten gelauscht, und doch hatte sich ein kleiner Höhepunkt heimlich in diesen Tag geschlichen. Ein Höhepunkt der ihm etwas beschert hatte, was er selbst niemals gedacht hätte, jedenfalls nicht zu diesem Zeitpunkt: Eine Schülerin. Er ließ das Wort wieder und wieder durch seinen Kopf verstreichen und es hörte sich so surreal an; eine Schülerin. Kurz verzog sich der Mund, fast schon widerstrebend, und er nahm einen erneuten Schluck aus dem Krug. Eine Schülerin zu haben setzte irgendwie voraus, dass er ein Lehrmeister war, und so hatte sie ihn ja auch genannt, LehrMEISTER. Aber er war kein Meister, er war ein einfacher Jungspund der ein paar Instrumente beherrschte und weit entfernt davon meisterliche Musik zu spielen. Doch kaum war dieser Gedanke gedacht, meldete sich die kleine hämische Stimme im Hinterkopf.
„Seit wann legst gerade DU soviel wert auf formelle Dinge oder dergleichen? Dargath war damals auch nicht mehr als ein Wanderbarde und er hatte keinen langen Bart oder dergleichen“
„Ja aber Dargath war wenigsten älter als ich! Sie ist ganz bestimmt nicht jünger als ich, wenn nicht gar älter …“ er wusste er hätte noch weiter versuchen können irgendwelche Argumente finden können um seine Zweifel zu nähren, aber wollte er das überhaupt? Schließlich hatte ER es ihr vorgeschlagen, ihr den Vorschlag unterbreitet sie völlig zwanglos im Musizieren zu unterrichten und er war sich immer noch relativ sicher dass es im Bezug auf sie alleine eine gute Idee war. Wie hatte sie sich in den wenigen Momenten verändert, in denen sie die Laute und die Trommel in den Händen gehalten hatte? Aus dem ernsten, distanzierten Gesicht war ein lächelndes, ja sogar lachendes geworden, sie hatte sich wieder in ihre Kindheit zurück erinnert gefühlt, eine scheinbar nicht allzu fröhliche Zeit wie Leonard sich zusammenreimte. Er hatte gesehen, dass es ihr gut tat und trotz all ihrer Zweifel, trotz dem Misstrauen welches sie ihm scheinbar bis zum letzten Moment noch entgegenbrachte, hatte sie sich dazu entschieden es darauf ankommen zu lassen. Natürlich hatte er ihr dies nicht einfach so angeboten, er hatte ihre Finger gesehen, wie sie schlank und grazil waren, Hände die zweifelsohne mit einem Instrument bestens umgehen konnten und auch ihr Taktgefühl und eine gewisse Leidenschaft war vorhanden; Dinge die nach Leonards Ansicht essentiell waren für das Musizieren.
„Und natürlich gefällt sie dir, gib's doch zu! Als ob du ihr nicht dauernd Komplimente gemacht hättest.“
„Ich bin höflich, das bin ich zu jeder Frau, DAS weißt du! Und was ist verkehrt daran, dass sie neben ihrer Bereitschaft zu lernen noch eine nicht zu bestreitende Schönheit mit sich bringt?“ Die unkende Stimme in seinem Hinterkopf anbrummend. Er konnte nicht leugnen, dass er sie vom ersten Moment an interessant gefunden hatte, aber dies nicht nur wegen ihres Äußeren. Ihr Charakter, ihre Worte, die Art wie sie Dinge sah, sie alle waren mehr als interessant und auch jene Distanz die sie stellenweise mehr als deutlich an den Tag legte, hatte seine Neugier geweckt. Dass sie sich nach diesem einen ersten Treffen in der Adoraner Stadtstube überhaupt wiedergesehen hatten war ein glücklicher Zufall gewesen, und Zufälle geschahen nicht einfach so; Leonard hatte die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und nun hatte er das Ergebnis vor sich liegen. Und wenn er wirklich ehrlich war: Er war nicht unzufrieden damit, egal wie sehr ein gewisser Teil von ihm noch vor der Unsicherheit zurückschreckte.
Er hatte nun eine Schülerin, damit musste er sich einige Gedanken machen, wie er ihr am Besten das Musizieren vermitteln konnte und beinahe augenblicklich schien ein Strom von Ideen in seinem Kopf auszubrechen und seinen Kopf zu fluten. Weg war die unkende Stimme, weg die Unsicherheit und an ihrer Stelle war eine plötzliche und fast schon überraschende Begeisterung und Motivation getreten. Ja, er würde bald für ihr nächstes Aufeinandertreffen alles vorbereiten … aber vorher gab es noch etwas zu erledigen. Etwas, was schon fast einen heiligen Status haben würde … etwas, was sein Leben verändert hatte, und vielleicht das ihre wenigstens ein klein wenig aus gewohnten Bahnen lenkte.
Grinsend leerte er seinen Krug, hüpfte mit einem Satz auf die Beine und machte sich auf den Weg zurück nach Hause. Oh das würde eine tolle Zeit werden.
Vom Spieler zum Lehrer und wieder zurück
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Leonard Tarendis
Vom Spieler zum Lehrer und wieder zurück
Zuletzt geändert von Leonard Tarendis am Donnerstag 16. September 2010, 10:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Neyla Virr
Langsam ließ sie sich auf der Bank nieder und zog ihre Laute auf den Schoss, den Blick gen Feuer gerichtet, streicht sie mit den Fingerkuppen zart über das Holz ihres Instrumentes. Dass sie eines Tages noch ein Instrument zu lernen vermag, wäre ihr nie in den Sinn gekommen. Ihre Eltern wollten ihr stets das Singen aneignen und auch wenn sie es stets übte, so war es ihr stets unangenehm. Sie sang nur für sich alleine, für Publikum war sie nicht zu begeistern. Aber das würde sich wohl mit der Laute nicht ändern, sie genoss die Musik – doch sie spielte nur für sich allein. Ein kurzes Lächeln huschte über ihre Lippen, als beim Streichen über die Saiten ein Klang erzeugt wurde. Irgendwie erfüllte die Musik sie mit einem angenehmen Gefühl und auch wenn sie dem ganzen noch nicht so recht traute, so ließ sie es doch zu. Was konnte schon groß passieren.. es ist nur ein Instrument.
Immer wieder schallten die Klänge der Laute die Treppen in der Taverne hinab. Sie übte schon seit mehreren Tagen und der Fortschritt machte ihr große Freude. Sie hielt sich zwar weiter zurück, doch innerlich gefiel ihr das Musizieren mehr als gut. Solang sie dabei die Kontrolle behielt über ihre Gefühle, würde sie es auch weiter üben.
Schon als Kind lauschte sie stets den Klängen der Barden und Musikanten gerne. Manchmal wünschte sie sich dazu zu gehören. Gehen, wohin sie wollte, tun was sie wollte, spielen, wonach einem ist. Seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, sich von ihnen bestimmen lassen.
Doch dazu war sie nicht auserkoren.
Sie liebte ihr Elternhaus, doch die strenge Erziehung hatte sie schon früh stets aus ihrem ‚goldenen Käfig’ ausbrechen lassen. Hätte sie diesen kleinen ‚Hoffnungsstrohhalm’ nicht gehabt, wäre es sicher um einiges härter gewesen.
Stets die Facon wahren, stets höflich und freundlich, stets diskret und doch stark – keine Schwäche zeigen, zum Schutze des Hauses und der Vertrauten. Sie verstand all die Regeln, sie hatten ihre Gründe – doch immer konnte man nicht ‚stark’ sein. Manchmal muss man einfach Lachen.. und dann auch weinen. All das gehörte zu einem Menschen und doch musste sie es in sich tief vergraben. Genau das hatte sie getan, in sich verschlossen – dass keine Schwäche jemanden Schaden konnte. Weder ihren Vertrauten, noch ihrer Familie oder gar sich selbst.
Doch als sie ihn kennen lernte, wühlte er Dinge in ihr auf, die lange Zeit verborgen blieben. Eine Sehnsucht, die sie sonst durch ihre Ausflüchte besänftigen konnte. Sie wollte sich dieser verwehren, sich vor ihr verstecken – doch es war unmöglich. Er hatte etwas geweckt, dass nun dürstete. Sie fürchtete dieses Gefühl – Angst durchdrang sie, dass sie die Kontrolle verlieren könnte über sich selbst. Doch was wäre, wenn sie dieser Sehnsucht nicht nachkommen würde, würde sie es nicht ewig bereuen..? Er hatte ihr ein Angebot gemacht, wo sie sofort verneinen hätte müssen. Es war mehr als gefährlich und doch konnte sie sich diesem Anerbieten nicht entziehen. Was sollte schon geschehen..? Es war nur in Instrument.. und es machte sie glücklich darauf zu spielen. Würde sie eine Veränderung spüren an sich, könnte sie dann noch immer eingreifen... doch bis dahin würde sie jeden Klang genießen.. von sich, als auch von ihm und seinen Freunden.. es war einfach zu schön, um es zu leugnen..
Immer wieder schallten die Klänge der Laute die Treppen in der Taverne hinab. Sie übte schon seit mehreren Tagen und der Fortschritt machte ihr große Freude. Sie hielt sich zwar weiter zurück, doch innerlich gefiel ihr das Musizieren mehr als gut. Solang sie dabei die Kontrolle behielt über ihre Gefühle, würde sie es auch weiter üben.
Schon als Kind lauschte sie stets den Klängen der Barden und Musikanten gerne. Manchmal wünschte sie sich dazu zu gehören. Gehen, wohin sie wollte, tun was sie wollte, spielen, wonach einem ist. Seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, sich von ihnen bestimmen lassen.
Doch dazu war sie nicht auserkoren.
Sie liebte ihr Elternhaus, doch die strenge Erziehung hatte sie schon früh stets aus ihrem ‚goldenen Käfig’ ausbrechen lassen. Hätte sie diesen kleinen ‚Hoffnungsstrohhalm’ nicht gehabt, wäre es sicher um einiges härter gewesen.
Stets die Facon wahren, stets höflich und freundlich, stets diskret und doch stark – keine Schwäche zeigen, zum Schutze des Hauses und der Vertrauten. Sie verstand all die Regeln, sie hatten ihre Gründe – doch immer konnte man nicht ‚stark’ sein. Manchmal muss man einfach Lachen.. und dann auch weinen. All das gehörte zu einem Menschen und doch musste sie es in sich tief vergraben. Genau das hatte sie getan, in sich verschlossen – dass keine Schwäche jemanden Schaden konnte. Weder ihren Vertrauten, noch ihrer Familie oder gar sich selbst.
Doch als sie ihn kennen lernte, wühlte er Dinge in ihr auf, die lange Zeit verborgen blieben. Eine Sehnsucht, die sie sonst durch ihre Ausflüchte besänftigen konnte. Sie wollte sich dieser verwehren, sich vor ihr verstecken – doch es war unmöglich. Er hatte etwas geweckt, dass nun dürstete. Sie fürchtete dieses Gefühl – Angst durchdrang sie, dass sie die Kontrolle verlieren könnte über sich selbst. Doch was wäre, wenn sie dieser Sehnsucht nicht nachkommen würde, würde sie es nicht ewig bereuen..? Er hatte ihr ein Angebot gemacht, wo sie sofort verneinen hätte müssen. Es war mehr als gefährlich und doch konnte sie sich diesem Anerbieten nicht entziehen. Was sollte schon geschehen..? Es war nur in Instrument.. und es machte sie glücklich darauf zu spielen. Würde sie eine Veränderung spüren an sich, könnte sie dann noch immer eingreifen... doch bis dahin würde sie jeden Klang genießen.. von sich, als auch von ihm und seinen Freunden.. es war einfach zu schön, um es zu leugnen..
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Neyla Virr
Bäume... noch mehr Bäume... ein ganzer Wald...
Gelangweilt lehnte sie am Fenster der Kutsche, den Blick nach draußen gerichtet, während ihr Augenpaar dem Weg folgte. Eine Woche hatte sie nun bei ihren Eltern verbringen müssen, sie brauchten ihre Unterstützung. Es stand ein Vertrag von großer Bedeutung bevor, welches mit einem anschließenden Fest gefeiert wurde. Für ein Handelshaus, wie das ihrer Familie natürlich äußerst wichtig –vor allem, was die Zukunftsplanung angeht. Vielleicht war dies nun der ‚Pakt’, der ihnen das Leben noch etwas mehr erleichterte.
Doch auch, wenn diese Botschaft sie erfreute, war ihr so gar nicht nach feiern. Zum ersten Mal wollte sie nicht ihre Fassade aufrecht erhalten. Sie wollte sein, wie sie ist.. frei sein...
Sie schüttelte den Kopf... den Gedanken aus dem Kopf vertreibend. Sie wusste, dass es gefährlich war zu lernen... ein Gedanke konnte alles vernichten.. war man nur einmal infiziert, breitete er sich aus ohne Halt.
<<Vergiss nicht deine Wurzeln... vergiss niemals deine Geschichte..>>
Sie zog den Vorhang zum Fenster der Kutsche zu und lehnte sich daraufhin zurück.
<<Stell dich nicht so an.. es ist nur Musik.. nur Klänge.. unbedeutend..>>
Sie schloss die Augen, um für einen Moment zu vergessen, wo sie war und wer sie war...
Am Anwesen angekommen, war sie schon freudig erwartet worden. Sie hatte kaum Zeit sich wieder in ihr Zimmer zu begeben, da kamen schon die zahlreichen Aufgaben, die sie vor dem Fest noch zu erledigen hatte. Leider war es die Aufgabe der Frau im Hause das Bankett zu organisieren, ihre Mutter war zwar die Herren im Anwesen, doch lag es an ihr sie zu unterstützen. Zum ersten Mal verspürte sie so etwas, wie Unmut... gegen diese ‚Aufgaben’. Sonst hatte sie diese immer erledigt ohne einen Gedanken daran zu verschwenden. Es lag an ihr, also erledigte sie es auch. Sie wollte viel lieber üben.. die letzten Tage hatte sie so einen großen Fortschritt gemacht. Sogar einige ‚Lieder’ hatte sie am Vorabend zustande bekommen, bevor sie abgereist ist. Der Abend hatte sie so mit Freude erfüllen lassen, sie wollte es nicht mehr enden lassen. Die Klänge.. die Melodien.. ihre Stimme.. die Musik gefiel ihr so sehr. Die Leidenschaft, die in ihr aufkam, wenn sie auf der Laute spielte, war unglaublich.
Anfangs hatte sie nicht gedacht, dass sie so eine Liebe zur Musik entwickeln konnte. Doch wurde sie völlig davon erfüllt. Hätte sie das zu Beginn gewusst, hätte sie sich wohl nicht darauf eingelassen. Sie spürte die Veränderung in sich selbst und in gewisser Weise fürchtete sie diese Ungewissheit.
Sonst war sie sich stets sicher, wusste um ihre Gefühle, um ihre Gedanken.. wusste, wohin sie ihr Weg führte. Doch nun.. hatte sie den Überblick verloren, sie ahnte nicht, wohin ihre Füße sie tragen würden und auch ihre Gefühle und Gedanken waren ihr nun fremd und unbekannt. Sie musste sie erforschen, musste sich über einiges in klaren werden... Dinge, die sie sonst eigentlich abblockte, weil es ihr nicht gefiel... in Unsicherheit zu leben. Doch sie hatte keine Wahl mehr.. viel zu sehr hatte die Musik sie nun eingenommen.. sie konnte sich ihr nicht mehr verwehren...
Die Tage verflogen schnell im Anwesen, die Aufgaben wurden dennoch erledigt – trotz Widerwillen – sie wollte nicht gegen ihre Eltern rebellieren. Das Fest stand bevor und das Haus war in reger Aufruhr. Nur ihr Vater, war wie gewohnt ruhig – er freute sich. Kur vor Beginn ließ er seine Tochter noch zu sich rufen, er hatte ihr noch etwas wichtiges zu sagen. Wie so oft folgte sie der Bitte ohne Widerworte, wie es sich für eine brave Tochter gehörte. So stand sie wenige Augenblicke später im Zimmer und wartete ab, was er zu sagen hatte. Er stand hinter seinem Sekretär und blickte recht ernst zu ihr, also das Thema war wohl nichts erfreuliches – innerlich entkam ihr ein Seufzer.
<<Heute werden einige wichtige Personen zu Gast sein.. Ich bitte um dein bestes Benehmen Liebes...>> fing es bereits an und in Gedanken ging sie die Unterhaltung schon weiter, wohl ahnend was wohl kommen mag.
Dann neigte sie ihr Haupt leicht in seine Richtung und antwortete.
<<Habe ich euch jemals enttäuscht verehrter Vater..? Ich denke nicht und so werde ich dich auch heute wieder zufrieden stellen.>> Ein zufriedenes Nicken folgte daraufhin von ihrem Vater, er lächelte sachte auf, ehe er langsam zum großen Fenster, dass einen Blick in den Hof gewährte, sich bewegte, sodass ihr der Rücken zugewandt war.
<<Auch einige reiche Familien sind da... mit ihren Söhnen..>> Er blickte kurz zu ihr, ehe er hinzufügte. <<Erinnerst du dich noch an Jason.. er ist ungefähr in deinem Alter. Du hast dich immer prächtig mit ihm verstanden.>> Alleine der Gedanke sprengte nun ihre Fassade, ihr klappte der Mund herab und sie starrte fast schon entgeistert ihren Vater an. Sie wusste zwar, dass diese Diskussion nach, wie vor ausstand, doch hätte sie nicht auf eine so direkte Art gerechnet.
<<Vater, ich denke, ich bin selbst dazu fähig einen Mann zu erwählen...>> sprach sie dann doch recht schnell, darauf hoffend, dass er ihren Blick nicht bemerkt hatte. Eine arrangierte Ehe war ihr nicht unbedingt gefällig. Sie wollte selbst entscheiden, wobei sie daran zweifelte, überhaupt jemals zu heiraten. Der Gedanke gefiel ihr irgendwie nicht... einem Menschen ein Leben lang treu zu bleiben.. ihm ein Leben lang zu vertrauen.. es fiel ihr schwer genug überhaupt jemanden mal zu trauen...
<<Ich weiß, dass du das kannst Mayra.. doch weiß ich nicht, wie lange du gedenkst darauf zu warten. Du bist in einem gewissen Alter.. all zu lange Zeit hast du nicht mehr. Ich möchte nicht, dass du alt und einsam stirbst.. ich weiß, dir hängt die Vergangenheit nach.. genau, wie mir. Doch, dass ist kein Grund ewig alleine zu sein...Mayra bitte... erwähle dir einen Mann heute...>>
Er sprach eindringlich und sie merkte, dass es lediglich Sorge war... doch dieser Zwang erdrückte sie. So wollte sie es nicht haben.. hätte er sie einige Wochen zuvor zu sich gerufen, hätte sie vermutlich noch zugestimmt. Doch nun, wo sich so vieles in ihrem Leben verändert hatte.. vor allem in ihr.. konnte sie dies nicht mehr tolerieren.
<<Es tut mir leid verehrter Vater, doch fühle ich mich nicht imstande derzeit einen Mann zu erwählen.. Vater ich bin nicht bereit und bitte... akzeptier dies so. Und wenn ich niemals einen Mann an meiner Seite wünsche, dann wird es so sein. >> Nun sah sie ihn ihrerseits bittend an – nach Verständnis. Auch seine Augen ruhten ruhig auf ihr, er schien wohl nachdenklich und nach wie vor besorgt. Dann folgte jedoch ein leichtes Nicken, er akzeptierte ihre Meinung.
<<Ich wünsche mir dein Glück.. doch vergiss deine Herkunft nicht.. vergiss unseren Ruf nicht.. du stehst für etwas ein.. hier geht es nicht nur um dich Mayra...>> mit diesen Worten wandte er sich ab – das Gespräch war beendet. Doch die letzten Worte hallten noch etwas in ihr nach. Sie schämte sich für ihre Gedanken.. doch konnte sie sich nicht verwehren. Dann zog sie ab und bereitete sich vor.
Das Fest verging schneller, als sie dachte – ohne Zwischenfälle. Ihr Vater hielt sein Wort und zwang sie zu keinen blöden Unterredungen mit irgendwelchen Söhnen. Sie hatte Glück, dass sie einen so toleranten Vater hatte. Bereits am nächsten Tag – nachdem die Aufräumarbeiten und gewisse organisatorische Dinge durchgeführt waren, begab sie sich auf die Heimreise. Sie freute sich.. denn dort konnte sie wieder spielen. Dort waren ihre Vertrauten.. und dort war noch etwas.. worauf sie sich freute....
<<Sei nicht kindisch...>> murmelte sie recht leise, während sie sich wieder in der Kutsche aufsetzte.
<<Es ist nur Musik... und es geht auch nur darum..>>
Immer wieder wiederholte sie die Worte in ihrem Kopf... ihre Gedanken und Gefühle schlicht weg ignorierend. Sie musste sich auf die Musik konzentrieren. Doch abermals lächelte sie sachte auf, denn die Vorfreude konnte sie nicht ignorieren... nicht kontrollieren... und das machte ihr Angst.. denn es wurde immer stärker..
Gelangweilt lehnte sie am Fenster der Kutsche, den Blick nach draußen gerichtet, während ihr Augenpaar dem Weg folgte. Eine Woche hatte sie nun bei ihren Eltern verbringen müssen, sie brauchten ihre Unterstützung. Es stand ein Vertrag von großer Bedeutung bevor, welches mit einem anschließenden Fest gefeiert wurde. Für ein Handelshaus, wie das ihrer Familie natürlich äußerst wichtig –vor allem, was die Zukunftsplanung angeht. Vielleicht war dies nun der ‚Pakt’, der ihnen das Leben noch etwas mehr erleichterte.
Doch auch, wenn diese Botschaft sie erfreute, war ihr so gar nicht nach feiern. Zum ersten Mal wollte sie nicht ihre Fassade aufrecht erhalten. Sie wollte sein, wie sie ist.. frei sein...
Sie schüttelte den Kopf... den Gedanken aus dem Kopf vertreibend. Sie wusste, dass es gefährlich war zu lernen... ein Gedanke konnte alles vernichten.. war man nur einmal infiziert, breitete er sich aus ohne Halt.
<<Vergiss nicht deine Wurzeln... vergiss niemals deine Geschichte..>>
Sie zog den Vorhang zum Fenster der Kutsche zu und lehnte sich daraufhin zurück.
<<Stell dich nicht so an.. es ist nur Musik.. nur Klänge.. unbedeutend..>>
Sie schloss die Augen, um für einen Moment zu vergessen, wo sie war und wer sie war...
Am Anwesen angekommen, war sie schon freudig erwartet worden. Sie hatte kaum Zeit sich wieder in ihr Zimmer zu begeben, da kamen schon die zahlreichen Aufgaben, die sie vor dem Fest noch zu erledigen hatte. Leider war es die Aufgabe der Frau im Hause das Bankett zu organisieren, ihre Mutter war zwar die Herren im Anwesen, doch lag es an ihr sie zu unterstützen. Zum ersten Mal verspürte sie so etwas, wie Unmut... gegen diese ‚Aufgaben’. Sonst hatte sie diese immer erledigt ohne einen Gedanken daran zu verschwenden. Es lag an ihr, also erledigte sie es auch. Sie wollte viel lieber üben.. die letzten Tage hatte sie so einen großen Fortschritt gemacht. Sogar einige ‚Lieder’ hatte sie am Vorabend zustande bekommen, bevor sie abgereist ist. Der Abend hatte sie so mit Freude erfüllen lassen, sie wollte es nicht mehr enden lassen. Die Klänge.. die Melodien.. ihre Stimme.. die Musik gefiel ihr so sehr. Die Leidenschaft, die in ihr aufkam, wenn sie auf der Laute spielte, war unglaublich.
Anfangs hatte sie nicht gedacht, dass sie so eine Liebe zur Musik entwickeln konnte. Doch wurde sie völlig davon erfüllt. Hätte sie das zu Beginn gewusst, hätte sie sich wohl nicht darauf eingelassen. Sie spürte die Veränderung in sich selbst und in gewisser Weise fürchtete sie diese Ungewissheit.
Sonst war sie sich stets sicher, wusste um ihre Gefühle, um ihre Gedanken.. wusste, wohin sie ihr Weg führte. Doch nun.. hatte sie den Überblick verloren, sie ahnte nicht, wohin ihre Füße sie tragen würden und auch ihre Gefühle und Gedanken waren ihr nun fremd und unbekannt. Sie musste sie erforschen, musste sich über einiges in klaren werden... Dinge, die sie sonst eigentlich abblockte, weil es ihr nicht gefiel... in Unsicherheit zu leben. Doch sie hatte keine Wahl mehr.. viel zu sehr hatte die Musik sie nun eingenommen.. sie konnte sich ihr nicht mehr verwehren...
Die Tage verflogen schnell im Anwesen, die Aufgaben wurden dennoch erledigt – trotz Widerwillen – sie wollte nicht gegen ihre Eltern rebellieren. Das Fest stand bevor und das Haus war in reger Aufruhr. Nur ihr Vater, war wie gewohnt ruhig – er freute sich. Kur vor Beginn ließ er seine Tochter noch zu sich rufen, er hatte ihr noch etwas wichtiges zu sagen. Wie so oft folgte sie der Bitte ohne Widerworte, wie es sich für eine brave Tochter gehörte. So stand sie wenige Augenblicke später im Zimmer und wartete ab, was er zu sagen hatte. Er stand hinter seinem Sekretär und blickte recht ernst zu ihr, also das Thema war wohl nichts erfreuliches – innerlich entkam ihr ein Seufzer.
<<Heute werden einige wichtige Personen zu Gast sein.. Ich bitte um dein bestes Benehmen Liebes...>> fing es bereits an und in Gedanken ging sie die Unterhaltung schon weiter, wohl ahnend was wohl kommen mag.
Dann neigte sie ihr Haupt leicht in seine Richtung und antwortete.
<<Habe ich euch jemals enttäuscht verehrter Vater..? Ich denke nicht und so werde ich dich auch heute wieder zufrieden stellen.>> Ein zufriedenes Nicken folgte daraufhin von ihrem Vater, er lächelte sachte auf, ehe er langsam zum großen Fenster, dass einen Blick in den Hof gewährte, sich bewegte, sodass ihr der Rücken zugewandt war.
<<Auch einige reiche Familien sind da... mit ihren Söhnen..>> Er blickte kurz zu ihr, ehe er hinzufügte. <<Erinnerst du dich noch an Jason.. er ist ungefähr in deinem Alter. Du hast dich immer prächtig mit ihm verstanden.>> Alleine der Gedanke sprengte nun ihre Fassade, ihr klappte der Mund herab und sie starrte fast schon entgeistert ihren Vater an. Sie wusste zwar, dass diese Diskussion nach, wie vor ausstand, doch hätte sie nicht auf eine so direkte Art gerechnet.
<<Vater, ich denke, ich bin selbst dazu fähig einen Mann zu erwählen...>> sprach sie dann doch recht schnell, darauf hoffend, dass er ihren Blick nicht bemerkt hatte. Eine arrangierte Ehe war ihr nicht unbedingt gefällig. Sie wollte selbst entscheiden, wobei sie daran zweifelte, überhaupt jemals zu heiraten. Der Gedanke gefiel ihr irgendwie nicht... einem Menschen ein Leben lang treu zu bleiben.. ihm ein Leben lang zu vertrauen.. es fiel ihr schwer genug überhaupt jemanden mal zu trauen...
<<Ich weiß, dass du das kannst Mayra.. doch weiß ich nicht, wie lange du gedenkst darauf zu warten. Du bist in einem gewissen Alter.. all zu lange Zeit hast du nicht mehr. Ich möchte nicht, dass du alt und einsam stirbst.. ich weiß, dir hängt die Vergangenheit nach.. genau, wie mir. Doch, dass ist kein Grund ewig alleine zu sein...Mayra bitte... erwähle dir einen Mann heute...>>
Er sprach eindringlich und sie merkte, dass es lediglich Sorge war... doch dieser Zwang erdrückte sie. So wollte sie es nicht haben.. hätte er sie einige Wochen zuvor zu sich gerufen, hätte sie vermutlich noch zugestimmt. Doch nun, wo sich so vieles in ihrem Leben verändert hatte.. vor allem in ihr.. konnte sie dies nicht mehr tolerieren.
<<Es tut mir leid verehrter Vater, doch fühle ich mich nicht imstande derzeit einen Mann zu erwählen.. Vater ich bin nicht bereit und bitte... akzeptier dies so. Und wenn ich niemals einen Mann an meiner Seite wünsche, dann wird es so sein. >> Nun sah sie ihn ihrerseits bittend an – nach Verständnis. Auch seine Augen ruhten ruhig auf ihr, er schien wohl nachdenklich und nach wie vor besorgt. Dann folgte jedoch ein leichtes Nicken, er akzeptierte ihre Meinung.
<<Ich wünsche mir dein Glück.. doch vergiss deine Herkunft nicht.. vergiss unseren Ruf nicht.. du stehst für etwas ein.. hier geht es nicht nur um dich Mayra...>> mit diesen Worten wandte er sich ab – das Gespräch war beendet. Doch die letzten Worte hallten noch etwas in ihr nach. Sie schämte sich für ihre Gedanken.. doch konnte sie sich nicht verwehren. Dann zog sie ab und bereitete sich vor.
Das Fest verging schneller, als sie dachte – ohne Zwischenfälle. Ihr Vater hielt sein Wort und zwang sie zu keinen blöden Unterredungen mit irgendwelchen Söhnen. Sie hatte Glück, dass sie einen so toleranten Vater hatte. Bereits am nächsten Tag – nachdem die Aufräumarbeiten und gewisse organisatorische Dinge durchgeführt waren, begab sie sich auf die Heimreise. Sie freute sich.. denn dort konnte sie wieder spielen. Dort waren ihre Vertrauten.. und dort war noch etwas.. worauf sie sich freute....
<<Sei nicht kindisch...>> murmelte sie recht leise, während sie sich wieder in der Kutsche aufsetzte.
<<Es ist nur Musik... und es geht auch nur darum..>>
Immer wieder wiederholte sie die Worte in ihrem Kopf... ihre Gedanken und Gefühle schlicht weg ignorierend. Sie musste sich auf die Musik konzentrieren. Doch abermals lächelte sie sachte auf, denn die Vorfreude konnte sie nicht ignorieren... nicht kontrollieren... und das machte ihr Angst.. denn es wurde immer stärker..
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Leonard Tarendis
„Noch einen Krug Wein, Herr Tarendis?“ die Stimme von Hunfrid, dem Wirt der Taverne „Stadtstube“ drang an sein Ohr und er richtete den Blick hinauf zu dem bärtigen Mann.
„Nein danke. Ich muss nüchtern bleiben wenn ich das heute noch zu einem halbwegs zufriedenen Ergebnis bringen will“ meinte er nur kopfschüttelnd und blickte resigniert auf das kleine Buch, welches vor ihm auf dem Tisch lag.
Dieses kleine, in Leder eingebundene Buch beschäftigte ihn nach langer Zeit wieder einmal, und diesesmal saß er seit knapp drei Tagen daran und war kurz vorm Verzweifeln. Das Buch war das Vermächtnis seines alten Lehrmeisters und Wegbegleiter Dargat und dieser alte Mistkerl hatte im Laufe seiner Jahre einige Lieder komponiert, die in ihrer Wirkung alles andere als konventionell waren. Doch als ob er es seinem Schüler auf keinen Fall hätte leicht machen wollen, war das ganze Notenbuch in einer kryptischen Eigensprache geschrieben und Leonard kämpfte sich seit dem Tod des Alten durch jede Seite hindurch. Aber nicht nur die seltsame Zeichensprache war es, die ihn diesmal daran hinderte, einen wirklichen Fortschritt zu erzielen, nein, auch seine Gedanken schwirrten an einen bestimmten Punkt, oder doch eher zu einer bestimmten Person.
Sie war seine Schülerin oder jedenfalls irgendetwas in dieser Art, nicht mehr und nicht weniger. Er unterrichtete sie im Lautenspiel weil sie Talent hatte, sie hatte das Zeug dazu mehr als gut zu werden und so ein Talent musste man einfach fördern, er würde es bei jedem anderen auch so machen. Und doch, obwohl er wusste dass es so war, wieso traf er sich dann so oft mit ihr? Warum ertappte er sich dabei, wie er ihr mehr Komplimente machte, als er sonst verteilte? Wieso konnte er sich, wenn er die Augen schloss, ihr Gesicht beinahe fehlerfrei vorstellen, der ruhige Blick, die wunderschönen roten Haare?
Und vor allem HERR Tarendis, wieso hast du ihr ein Gedicht gewidmet? Wieso hast du ihre Schönheit besungen und WARUM zum Geier denkst du just in diesem Moment wieder daran, dass du sie vermisst? Mach dir darüber einmal Gedanken … und auch wieso du immer nur mit dir selbst diskutierst, wenn es um sie geht.
Und da war es wieder, er legte sich selbst aufs Kreuz. Wem machte er eigentlich etwas vor? Sich selbst konnte er das mittlerweile nicht mehr. Er empfand mehr für sie als nur eine einfache Lehrer-Schüler Beziehung, mehr als gute Freunde oder was auch alles. Die Musik hatte sie zu ihm gebracht und seine Musik war es letztendlich gewesen, die ihre Aufmerksamkeit auf ihn gezogen hatte, wieso dann nicht der Musik vertrauen? Wieso nicht seinen eigenen Gefühlen einmal im Leben vertrauen und nicht unsicher zurückweichen?
Seufzend ließ er die Stirn auf die Tischplatte knallen. Es war wie immer, wie in all den Jahren bisher. Jeder der Leoonard Tarendis kennengelernt hatte, hatte einen charmanten jungen Mann gesehen der Frauen Komplimente machte, sie in den Himmel lobte und immer selbstbewusst wirkte, aber jedesmal wenn etwas ernsteres hätte draus werden können, hatte er einen Rückzieher gemacht und war getürmt. Anfangs hatte er es alt Angst vor der Sesshaftigkeit abgetan aber mittlerweile war er mehr oder weniger sesshaft, seit er die anderen des Nachtvolks wiedergetroffen hatte. Doch was war es dann? Angst vor der Tatsache nicht mehr für alle verfügbar zu sein? Quatsch, Leonard war kein Weiberheld und die wenigen male in denen er eine Nacht mit einer Bauerstochter verbracht hatte, ließen sich nach fünf Jahren an zwei Händen abzählen. War es vielleicht einfach die Tatsache, dass dies hier etwas völlig Neues war? In gewisser Weise vielleicht schon, aber was konnte denn so schlimm werden? Er mochte sie, verdammt es war deutlich mehr als mögen, aber wie war das bei ihr? Was wenn er sie völlig verschrecken würde?
Ein gequältes Stöhnen entglitt ihn. „Hunfrid … einen Krug Wein“ rief er gen Wirt. Es war an der Zeit genauer über alles nachzudenken … oder so lange zu trinken bis er einschlief, je nachdem was schneller und befriedigender war.
„Nein danke. Ich muss nüchtern bleiben wenn ich das heute noch zu einem halbwegs zufriedenen Ergebnis bringen will“ meinte er nur kopfschüttelnd und blickte resigniert auf das kleine Buch, welches vor ihm auf dem Tisch lag.
Dieses kleine, in Leder eingebundene Buch beschäftigte ihn nach langer Zeit wieder einmal, und diesesmal saß er seit knapp drei Tagen daran und war kurz vorm Verzweifeln. Das Buch war das Vermächtnis seines alten Lehrmeisters und Wegbegleiter Dargat und dieser alte Mistkerl hatte im Laufe seiner Jahre einige Lieder komponiert, die in ihrer Wirkung alles andere als konventionell waren. Doch als ob er es seinem Schüler auf keinen Fall hätte leicht machen wollen, war das ganze Notenbuch in einer kryptischen Eigensprache geschrieben und Leonard kämpfte sich seit dem Tod des Alten durch jede Seite hindurch. Aber nicht nur die seltsame Zeichensprache war es, die ihn diesmal daran hinderte, einen wirklichen Fortschritt zu erzielen, nein, auch seine Gedanken schwirrten an einen bestimmten Punkt, oder doch eher zu einer bestimmten Person.
Sie war seine Schülerin oder jedenfalls irgendetwas in dieser Art, nicht mehr und nicht weniger. Er unterrichtete sie im Lautenspiel weil sie Talent hatte, sie hatte das Zeug dazu mehr als gut zu werden und so ein Talent musste man einfach fördern, er würde es bei jedem anderen auch so machen. Und doch, obwohl er wusste dass es so war, wieso traf er sich dann so oft mit ihr? Warum ertappte er sich dabei, wie er ihr mehr Komplimente machte, als er sonst verteilte? Wieso konnte er sich, wenn er die Augen schloss, ihr Gesicht beinahe fehlerfrei vorstellen, der ruhige Blick, die wunderschönen roten Haare?
Und vor allem HERR Tarendis, wieso hast du ihr ein Gedicht gewidmet? Wieso hast du ihre Schönheit besungen und WARUM zum Geier denkst du just in diesem Moment wieder daran, dass du sie vermisst? Mach dir darüber einmal Gedanken … und auch wieso du immer nur mit dir selbst diskutierst, wenn es um sie geht.
Und da war es wieder, er legte sich selbst aufs Kreuz. Wem machte er eigentlich etwas vor? Sich selbst konnte er das mittlerweile nicht mehr. Er empfand mehr für sie als nur eine einfache Lehrer-Schüler Beziehung, mehr als gute Freunde oder was auch alles. Die Musik hatte sie zu ihm gebracht und seine Musik war es letztendlich gewesen, die ihre Aufmerksamkeit auf ihn gezogen hatte, wieso dann nicht der Musik vertrauen? Wieso nicht seinen eigenen Gefühlen einmal im Leben vertrauen und nicht unsicher zurückweichen?
Seufzend ließ er die Stirn auf die Tischplatte knallen. Es war wie immer, wie in all den Jahren bisher. Jeder der Leoonard Tarendis kennengelernt hatte, hatte einen charmanten jungen Mann gesehen der Frauen Komplimente machte, sie in den Himmel lobte und immer selbstbewusst wirkte, aber jedesmal wenn etwas ernsteres hätte draus werden können, hatte er einen Rückzieher gemacht und war getürmt. Anfangs hatte er es alt Angst vor der Sesshaftigkeit abgetan aber mittlerweile war er mehr oder weniger sesshaft, seit er die anderen des Nachtvolks wiedergetroffen hatte. Doch was war es dann? Angst vor der Tatsache nicht mehr für alle verfügbar zu sein? Quatsch, Leonard war kein Weiberheld und die wenigen male in denen er eine Nacht mit einer Bauerstochter verbracht hatte, ließen sich nach fünf Jahren an zwei Händen abzählen. War es vielleicht einfach die Tatsache, dass dies hier etwas völlig Neues war? In gewisser Weise vielleicht schon, aber was konnte denn so schlimm werden? Er mochte sie, verdammt es war deutlich mehr als mögen, aber wie war das bei ihr? Was wenn er sie völlig verschrecken würde?
Ein gequältes Stöhnen entglitt ihn. „Hunfrid … einen Krug Wein“ rief er gen Wirt. Es war an der Zeit genauer über alles nachzudenken … oder so lange zu trinken bis er einschlief, je nachdem was schneller und befriedigender war.