Meine Männer, meine Flucht und ich.

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Eleyna Julienne

Meine Männer, meine Flucht und ich.

Beitrag von Eleyna Julienne »

Lauf, Philo, Lauf!

Man, ihr glaubt gar nicht, wie froh ich war, als ich das Schiff verlassen konnte. Endlich wieder festen Boden unter den Füßen und meine Freiheit wieder. Das Kribbeln in meinen Armen ließ kaum nach, das Adrenalin, welches sich ständig in mir ausgebreitet hatte, war noch immer zu spüren. Es gab nichts schlimmeres für mich als Schifffahren. Naja, doch. Enge Räume. Und beides in Kombination konnte eine echte Furie aus mir machen.

Ich schaffte es in den ersten Momenten nicht einmal, nach Luft zu schnappen. Als die frische Luft dann doch in meine Lungen strömte, merkte ich, dass es doch etwas kühler war mittlerweile. Genau jetzt ärgerte ich mich darüber, dass ich meine Kleidung auf dem Schiff zurück gelassen hatte. Aber jetzt war ich hier in einem Fischerdorf namens Bajard. Das hatte mir der Kapitän des Schiffes zumindest gesagt.

Nachdem ich mich meiner Euphorie hingegeben hatte und endlich wieder zur Ruhe kommen konnte, ließ ich es mir nicht nehmen, das Dörfchen zu erkunden. Es gab wenige kleine, aber feine Häuschen. Eine Bank, eine Taverne, Bauernhöfe und einen Leuchtturm. Mehrere Stände mit Händlern, die ihre Waren anpreisen wollten.

Ich steuerte jedoch auf die Bank zu, dort erhoffte ich mir eine kompetente Hilfe. Ich wollte mir neue Kleidung zulegen und hoffte, dass sie mir weiterhelfen konnte. Ich verstaute einige meiner verbliebenen Utensilien in meiner Truhe (unter anderem ein Buch über meine Verflossenen) und ließ diese einlagern. Und wie in jeder Erzählung kommt hier nun die dramatische Wendung...

Vielleicht sollte ich als Vorgeschichte kurz erzählen, dass ich meine Jugendliebe mit 14 Jahren verloren hatte. Meine Eltern hatten nach dem Fauxpas des Erwischens einer angehenden leidenschaftlichen Nacht alle Hebel in Bewegung gesetzt, dass ich ihn nie wieder sehen sollte. Ich konnte mich nicht einmal verabschieden und habe ihn natürlich nie wieder gesehen. Das allein sorgte dafür, dass mein kleines, zartes und unschuldiges Herz zerbrochen wurde. Ich wurde verstoßen, von einer Familie erzogen, mit denen ich nicht klar kam und überhaupt wurde ich nur deswegen zu dem, was ich bin: Eine verlogene, kleine, miese Ratte, die nichts anderes in ihrem Leben vor hatte, als arme unschuldige Männer auszubeuten. Ich musste schmunzeln, immerhin hatte ich mir fest vorgenommen, dass ab jetzt alles anders werden würde. Mal sehen, wie lange mein Vorsatz andauert.

Aber zurück zur dramatischen Wendung: Ich stand dort also in der Bank, als ich die Türe aufgehen hörte und ein Volltrunkener etwas vor sich her murmelte. Ich kümmerte mich erst um meine Truhe und sah dann zurück. Man kann sich ja in etwa vorstellen, was nun passiert ist. Ich habe in seine Augen gesehen. Ich dachte zuerst, ich hätte Halluziinationen von der langen Schifffahrt. Aber ich stand tatsächlich neben ihm. Kaum zu glauben. Nach so langer Zeit. Aber wie hieß es so schön: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Aber sein Gesichtsausdruck war auch nicht ohne. Es schien wirklich alles perfekt zu laufen ... und das war schön.



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Zuletzt geändert von Eleyna Julienne am Sonntag 19. September 2010, 21:49, insgesamt 1-mal geändert.
Eleyna Julienne

Beitrag von Eleyna Julienne »

Und am nächsten Morgen war sie weg ...

Ich spürte das Herzklopfen bis zum Hals, als ich ihm für seine Überraschung auch eine bereiten wollte. Gänsehaut zog sich über meinen ganzen Körper und ich haderte einen Moment mit mir selbst, ob ich das wirklich tun konnte. Es war so lang her gewesen und wir hatten uns beide weiterentwickelt. Er war verheiratet gewesen, hatte seine Frau verloren und ich? Ich hatte mehrere Liebschaften, die mir alle nichts bedeutet hatten. Ich hatte mir ein Gerüst gebaut, ein starkes Gerüst, welches lange Zeit nicht mehr gewackelt hatte. Kälte und pure Berechnung war in mein Leben eingezogen. Und jetzt? Jetzt drohte alles zu wackeln. Wenn ich mich dazu nun hinreißen ließ, dann war all die Arbeit umsonst gewesen. Aber war ich wirklich gewillt, mich wieter dafür zu bestrafen für etwas, was meine Eltern mir angetan hatten? Es fühlte sich an, als würde meine Lunge nicht mehr atmen wollen, obwohl ich den festen Willen hatte, zu atmen. Aber wer nichts wagen würde, der konnte auch nicht gewinnen. Und so legte ich meine Lippen zum Abschied auf seine, um das Gefühl selbst zu genießen. Ich spürte zum ersten Mal nach langer Zeit wieder dieses Feuer in mir - und ich war überwältigt. Und dann ging ich.

Ich brauchte einige Zeit für mich, um alles auf mich wirken zu lassen, ehe ich zurückkehrte. Ich hatte nicht viel erwartet von alledem, aber er schien seelenruhig in den Fellen zu schlafen. Ich war selbst ebenfalls müde, so dass ich ihn einfach nur noch versuchte zu wecken. Nach einiger Zeit gelang mir dies auch und ich war froh, dass er mir lächelnd entgegen sah. Ich zog mir die Stiefel aus, legte meinen Dolchgurt beiseite und kuschelte mich ebenso in die Felle. Und es dauerte auch nicht lange, da schliefen wir beide wieder ein. Es war fast so, als hätte uns nie zuvor irgendwer so lange voneinander getrennt. Und dennoch überkam mich die Angst, wie immer in meinem Leben, wenn etwas ernster wurde. Deswegen schlich ich mich am Morgen aus dem Haus und verschwand, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen.


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