Von Schlüsselkindern und anderen Wundern

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Die Ratte

Von Schlüsselkindern und anderen Wundern

Beitrag von Die Ratte »

Sie hielt das Glitzerdings in den Pfoten und konnte ihr Glück noch immer nicht fassen. Ach, was war ein Rattenleben verwirrend! Mal spielte das Leben einen garstigen Streich mit solch unwichtigen Tierchen und dann wiederum passierten regelrechte Wunder. Heute zumindest war die Ratte fast soweit an Wunder auch bedingungslos zu glauben und das obwohl sie ein nachdenkliches, gewitztes Wesen war, das sich nicht so schnell von Zauberei und Wunderdingen überzeugen ließ.

"Schuld am Hinterfragen war auch das ewige Misstrauen", sinnierte die Ratte so für sich und die dunklen, großen Augen des Wesens huschten nochmals über diesen wundersamen Schatz, während das Hirn den abenteuerlichen Tag Revue passieren ließ.

Neugierde war seit Anbeginn ihres Lebens als huschender, kleiner Schatten im Zwielicht die größte Tugend, als auch Verhängnis der Ratte gewesen. so viel gab es zu entdecken und doch wartenden Fallen bei fast jeder Entdeckung noch und nöcher - es grenzte auch hier an das vermalledeite Wunder, dass bisher keine heftig genug zuschnappte, um der Ratte das Genick zu brechen, denn ausgelöst wurden wohl doch so einige. Jedes Mal versprach die Ratte sich selbst nun aber achtsamer zu leben und Vorsicht walten zu lassen, doch am Ende triumphierte sie doch wieder: die flirrende Neugierde.

Auch hatte sie diesmal ihre trippelnden Huscheschrittchen gelenkt, während die Nase dem Duft nach Abenteuern gefolgt war, als gelte es einen würzigen Käsehauch zu verfolgen. Durch ein Meer an wahren Fallen hatte sie diesmal der Geruch aber sehr sicher gelenkt, nur um sie am Ende der eigentlichen Gefahr auszuliefern?
Oder nicht?
War das Wesen, mit dem sie den schattenhaften Pakt geschlossen hatte nicht gefährlich? Wenn nicht, so war es zumindest der verdammte Auftrag! Doch eine Ratte wie sie war leicht zu locken und die Glitzerchens wollte sie unbedingt haben... warum also nicht gegen andere Glitzerdingse tauschen?

Schlüssel also, ja die sollte er bekommen.
Das "Rattengenie" begann zu planen und heckte die tollkühnsten Ideen aus, nur um unbefriedigt festzustellen, dass keine davon nicht doch einen Haken beinhalteten. Vorwitz ist seine Sache, Tollkühnheit eine weitere aber so viel Selbstüberschätzung, dass man aussichtslose Sachen begann, trug nicht einmal die Ratte in sich.
"Von Anfang an schon zum scheitern verurteilt!", quiekte die Ratte verärgert zu sich und als diese Erkenntnis sie nur weiter rastlos werden ließ, da war sie aus dem Rattenloch gekrochen und ohne Ziel wieder drauflos gelaufen.

Dann erst war das "Wunder" geschehen.
So einfach, so darbietend, so mühelos und einfach wunderbar.
Sicher, irgendwie hatte sie nun doch schon mit dem Gedanken gespielt den Auftrag einfach Auftrag sein zu lassen und entmutigt den Rattenschwanz einzuziehen - doch nun....

Sie hielt das Glitzerdings in den Pfoten und konnte ihr Glück tatsächlich noch immer nicht recht fassen. Eine kleine Gravur über dem kupfernen Bart verriet den Namen der Kostbarkeit:
"Konzil des Phönix - Schülerschlüssel"

.... und das Rattengesicht wirkte mit einem Male sehr zufrieden.
Die Ratte

Beitrag von Die Ratte »

Mit beinahe federnden, tänzelnden Trippenschritten huschte die Ratte durch ihr Rattenloch und hob die Pfoten jubilierend und fiepsend in Richtung Höhlendecke, als wolle sie einer höheren Macht danken.
Wieder einmal hätte sie nicht recht gewusst wem man denn zu danken hätte und doch meinte es das Leben einfach so unglaublich gut mit ihr - zumindest was das geschäftliche und handwerkliche Geschick betraf.

Ein weiteres Glitzerdingens war mehr oder minder in ihre Pfötchen gefallen. Vielleicht hatte es schon auf sie gewartet, eventuell wollte es ja zu ihr gelangen - ganz gleich, es war wonnig und wunderbar, dass ihr das liebgewonnene Glück noch hold war und da musste man nun wirklich nicht auf die genauen Umstände schauen, oder?
Sie ertappte sich plötzlich daran, dass ihre Nagezähnchen doch an dem letzten "Oder?" zu knabbern hatten, denn war es nicht auch so, dass diese zierliche, adrette Glitzerschönheit, die quasi eine Eintrittskarte in ein Rattenraffzahnschlaraffenland darstellte, nicht ganz ohne Vorbehalt zu genießen war? Diesmal wusste sie ja, wem das Original dazu gehörte und wen sie da bestohlen hatte, oder? ODER???

Mit einem ärgerlichen Quiekselaut ließ die Ratte die Pfoten nun doch wieder sinken und ihre dunklen Augen betrachteten den Wundergegenstand mit neuem Argwohn, während sie versuchte die zwickenden Gewissensbisse in ihrem Rattenherz zu ignorieren.
Ja doch, der Besitzer hatte eine Menge Waren und würde sicher von diesem Diebstahl und dem sicherlich alsbald folgenden Ratten-Einbruch auch nicht arm werden, doch dann wiederum war ihr dieses Wesen doch auch lieb und hatte die Ratte oftmals genau dann gerettet, wenn jener das Wasser längst bis zum Hals gestanden war und sie nicht mehr die Kraft zu schwimmen oder das "Land in Sicht" gehabt hatte.

Trüber wurden da die Rattenäuglein und sie gestand sich wieder einmal ein, dass Schimpftriaden a la
- Dreckige, miese Ratte
- Verlogene Ratte oder gar
- Verräterische Ratte

gar nicht sooo weit von der Realität entfernt zu sein schienen.
In ihrem Fall zumindest traf das diesmal zu... oder nicht?
ODER NICHT!!!

Wieder einmal schüttelte sie das Köpfchen und zuckte wütend mit der Nase. Beim Rattentod, sie war doch keine Un-Ratte und das bisschen, dass sie da mitgehen lassen würde, konnte ja kaum ins Gewicht fallen!
Nein, aber wenn sie's wüsste wär sie verdammt enttäuscht von dir...
Ja und das Wissen darüber tat nicht gut, sondern nagte und zog weiterhin schmerlich in der Brust der kleinen Ratte, welche am Ende doch nur mit einer alten, grauen Weisheit in der plötzlich kalt wirkenden Rattenhöhle zurück blieb:

Sie war nun einmal, was sie war: eine diebische Ratte!
Dies lies sich nicht leugnen und ihre Natur würde sie ein Rattenleben lang begleiten, doch manchmal sorgte eben diese dafür, dass ein besonders güldener Fang, wie dieser, einen sehr schalen Beigeschmack bekam...
Die Ratte

Beitrag von Die Ratte »

QUIEK!

Was lange währt... ward endlich verdammtnocheins guuuut.

Die dunklen Augen der Ratte glitzerten in schierer Begeisterung, als sie die kleinen, feinen Beutestückchen begutachtete. Rötliche Knochen der Dämonen, zwei ganze Gläser voll getrocknetem Grabmoos und andere gräuliche Kostbarkeiten befanden sich nun in ihrem Besitz - oder bessem dem Besitz der unglaublich rattigen Gemeinschaft, denn solche Tiere arbeiteten natürlich nicht autark. Wäre doch auch zu dämlich gewesen, wenn sie nicht allesamt aus dem wahren Ideenreichtum geschöpft, sondern sich alleine vorangetastet hätten. Dann, so fürchtete die Ratte, wäre das Unternehmen weitaus waghalsiger bis unmöglich gewesen, doch so...

... es begann damit, dass eine der Ratten frühzeitig bemerkte, welch ein Umbruch in Adoran herrschte. Ein Umzug hier, eine ganzer Neubau dort, woanders wurden in die alten Grundmauern neue Wände gezogen - hach, kurzum ein herrliches Durcheinander und genau die richtige Zeit, um zuzuschlagen.
Doch zuvor mussten die Nasen die Gefahr erschnuppern und die Vibrissen hatten genug Zeit sich recht zu orientieren, denn man konnte noch einige Tage ganz der Auskundschafterrei widmen.

Dies wiederum geschah durch die beiden Gossentierchen, ein Knabe und ein Mädchen, beide noch nicht ganz erblüht, wohl aber auch keine kleinen, unmündigen Dinger mehr. Sie waren gewitzt genug mehrfach durch die Straßen zu schlarwenzeln, einen Kanten Brot hier, einige Münzen dort erbettelnd und all das nur, um genügen Tage und Stunden in den Gassen Adorans zu verbringen, dass man dank ihrer Beobachtungen einen formidablen Wachplan erstellen konnte.
Einzig die Patroullien mitsamt der unglaublich enervierenden dunkelhaarigen Wachfrau-Schachtel - etwas bleich, strenge Miene und... nunja, zumindest aus Sicht der jungen Ratten und Gossenkindern schon gewaltig alt, könnte eine Gefahr darstellen. Wie gut nur, dass sie die bizarre Angewohnheit hatte, gerade dann, wenn die Nacht über Adoran hereinbrach, das Dunkel sich genüsslich bis an die wenigen Laternen und Lichter heranfraß und eine mollige, dumpfe Schattendecke über all das legte, was nun nicht mehr gesehen werden sollte, in die Gaststätten (mal Stadtstube, dann wieder Requisite) zu pilgern und dort irgendeinen Kerl (dabei so auswahlfreudig wie im Bezug auf den Plauscheort) zu beschwatzen.

Damit stand der Plan fest:
es wurde in der Nacht zugeschlagen und drei Mitratten hielten Wacht, während sie, die eine, den gestohlenen Schlüssel endlich zum Einsatz bringen konnte.

Es geschah rasch, leise, heimlich und auch wenn die Ausbeute nicht so unendlich ergiebig war, wie man sich von einer derartigen Aktion vielleicht ansonsten erhoffen würde, war die Rattenbande selig. Der gesamte Einstieg mit all seinen Vorplanungen war gelungen, hatte Früchte getragen und das Beste - selbst Tage später hatte noch niemand bemerkt, dass eine ganze Kiste voller Reagenzien gestohlen worden war. Dem Gewusel in Adoran sei Dank!
Sie hatten Blut geleckt und Gefallen daran gefunden.
Dies sollte nicht der letzte Einbruch bleiben...
Zuletzt geändert von Die Ratte am Freitag 10. Juni 2011, 13:03, insgesamt 1-mal geändert.
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