Wenn das Volk der Nacht sich sammelt...

Mica Mirillian

Wenn das Volk der Nacht sich sammelt...

Beitrag von Mica Mirillian »

1. Eine Frage der "Findung"

Still wanderte der dunkle Blick vom lieblichen Antlitz mit ozeanfarbenen Augen zum Gesicht mit den kessen Zügen und den lebhaften grüngelben Seelenspiegeln.
Stets waren sie es gewesen, durch das Schicksal vereint und trotz verschiedener Lebenswege kreuzten sich die Pfade immer wieder, liefen zum Großteil parallel und waren letztendlich so ineinander verwoben, dass sie insgeheim längste einander Bruder und Schwestern nannten. Man hatte sich so oft aus den Augen verloren und dennoch gewusst, dass im Falle der großen Not auf die jeweils Anderen Verlass war, seit... damals...

Ein seltsames, verzweifeltes Bild, gesetzt man schenkte diesem überhaupt einen Hauch Aufmerksamkeit:
Durch den strömenden Regen der eh schon pechfarbenen Nacht rannten ein Knabe, kaum viel mehr als einen Schritt groß, und ein dürres, etwas kleineres Gör, mit aschfarbenen, filzigen Haaren. Die Gesichter der Kinder waren entschlossen und trotzig, noch von ungebrochenem Willen und ohnmächtiger Wut strotzend, wie die Macht eines Herbststurmes, die die Luft knistern lässt. Doch dieser Sturm bewegte sich zielstrebig und die beiden arbeiteten sich, hastend, ohne Zeichen von Schwäche und ohne den Blick nochmals über die Schulter gleiten zu lassen, nach vorne - fort von der Vergangenheit.
In ihrer Mitte befand sich ein Knirps von kaum vier Jahren, welcher halb fallend, halb tapsend versuchte mit den beiden Schritt zu halten. Dies fiel ihm nicht so schwer wie man nun meinen möchte, denn seine kleine Hände wurden von den kindlichen Beschützern zu seiner Seite jeweils fest umschlossen und sogar wenn seine pummeligen Beinchen versagt hätten, würden sie ihn mitreissen, tragen - nur niemals, niemals zurück lassen.
Der kleine Lockenkopf wusste dies und mit einer Mischung aus Ehrfurcht und bedingungsloser Liebe legte er sein Leben seit diesem Zeitpunkt in ihrer beider Hände. Die des Jungen mit den grüngelben, forschen Augen und denen des Mädchens, das er stets "Nini" nannte.

***

Aus zwei mach drei!
Irgendwie hatte sich dieses sanfte, liebreizende Wesen in ihre Runde geschlichen und war so rasch mit ihnen verwurzelt, dass es sie sich manchmal fragten, wie sie die Zeit ohne ihr Lächeln und die klugen Überlegungen ihres kühlen Kopfes überstanden hatten.
Waren die beiden der Sturm, so war sie die Ruhe davor und die Stille danach. Auch hatte sie die Macht den Sturm mit einem Blick oder einem Wort zu einem lauen Wind zu verwandeln. Dem Schützling in ihrer Runde war sie bald so etwas wie eine Mutter und vielleicht war das Schicksal gerade deshalb so ein unglaubliches Arschloch und sah zu, dass sie es auch war, die ihn in jener Nacht finden sollte...

***

Keiner vergaß das Bild, nie!
Alles an ihr war eine Maske, als vor ihnen stand, den Kleinen leblos und zusammengesunken in ihren Armen. Es sah aus, als würde er schlafen, wären da nicht die dünnen, blutigen Fäden an seinen Lippen und der herabbaumelnde Arm. Steif und starr hingegen ihr Körper. Unglaublich gerade. Das Gesicht bar jeglicher Emotionen - bis auf die Augen, in der Farbe des Ozeans. Dunkler schien das Meer darin an jenem Tag und unendlich tief.
"Rattengift... er hat das Brot gegessen... vor lauter Hunger."
Erst nachdem sie ihn bestattet hatten, brach auch sie zusammen und mied eine Woche die anderen beiden.
"Ich werde fortgehen..." Im Nachhinein wusste keiner, wer von ihnen diese Worte zuerst gesprochen hatte. Es war auch egal. Was hielt sie denn noch in dieser Gosse, die ein Opfer zu viel von ihnen verlangt hatte? Gab es woanders nicht vielleicht eine Ausbildung? Glück? Eine Zukunft? Was hielt die drei? Nichts... außer die jeweils anderen beiden.

Pfade verloren sich - und fanden doch wieder zusammen!
***


Sie hatte nicht gemerkt, wann sie die Hände ausgestreckt hatte, doch hatten beide diese ergriffen und auch einander gepackt. Erwartungsvoll sahen beide zu ihr auf und hatten den Atem angehalten.

"Ich habe ihn gefragt... er hat zugesagt."
Ein Aufatmen ging durch die Gemeinschaft wie ein sanftes Seufzen und kalte Anspannung verlor ihren garstigen Griff ums Herz.

"Also wird er uns ausbilden?"
Sie dankte innerlich dem Herren der ewigen Freiheit dafür, dass er wieder einmal das Glück zu ihren Gunsten hatte fallen lassen und sie da nicken konnte.

"Wird er... das Nachtvolk nimmt damit die ersten Züge an. Lasst uns einfach nie mehr auseinander gehen und - nachdem wir alle wissen, dass es noch mehr von unserer 'Sorte' gibt, lasst sie uns suchen - lasst das Volk wachsen, aufdass wir nicht mehr alleine im Zwielicht wandeln."
Zuletzt geändert von Mica Mirillian am Montag 6. September 2010, 23:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Serad Mordaran
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Beitrag von Serad Mordaran »

2 Zurück im Zwielicht

Jeder Schritt in tiefster Finsternis hat seinen Preis. Das wusste die Kreatur die sich hier Schritt um Schritt fortbewegte in totaler Dunkelheit. Wie war er nur hierhergekommen.. er erinnerte sich an seinen Meister welcher ihn hergeführt hatte. Macht und viel Stärke hatte er ihm versprochen so er ihm dienen würde. Soviel Macht und Kraft das er niemals mehr Leiden müsste oder Angst fühlen müsste so säuselte er es ihm in seine damals offenen Ohren. Ein Köder den seine gierige Natur nur zu bereitwillig geschluckt hatte sodass er immer tiefer in die Dunkelheit gezogen wurde ohne sich selber dessen bewusst zu sein. Doch nun nach all den Jahren waren die Anker die ihn stets dort gehalten hatten plötzlich fort. Irritiert war er aufgewacht an einem Morgen und Kälte hatte ihn umfangen und Gefühle von Unsicherheit und Angst hatten sich seiner Bemächtigt.
Keine Stimme mehr die ihn antrieb und keine Aufgaben mehr die ihn tiefer reinzogen in die absolute Dunkelheit welche sich unter ihm geöffnet hatte. Mehr und mehr kehrte seine Natürlichkeit wieder und mehr und mehr schürte jene Natur die ihm eigen war seine Gier nach Reichtum und Gold. Ja Gold und Edelsteine wie sie glitzern im Licht des Mondes und der sonne wie sie Licht ausstrahlen so herrlich. Anfangs waren es nur einzelne geflüsterte Dinge welche auf ihn einredeten und Lockend an ihm nagten den Kampf mit dem beginnend was ihn eingenommen hatte. Doch nach und nach lösten sie die ersten Bande und zogen die Kreatur des Dunkelheit welche im Zweifel versunken war, heraus aus der Absoluten Finsternis und in einen Bereich wo sie einst geboren wurde.
Das Zwielicht der Hausschatten und Schmugglerlager zwischen den Gerüchen der Strasse und dem Leben der Diebe und anderer Wesen. Dort langsam aber stetig löste sich durch fehlende Leitung die Bande welche seine Meister um ihn Gewoben hatten. Die Stimmen in ihm Lockten stetig und leise auf ihn einredent.

"Profit ist die einzige Warheit mehre deinen Reichtum"

"nur wer lukrative Geschäfte nutzt kann langfristig im Wohlstand weilen"

Mehr und mehr vernahm er jene Dinge, doch noch hielt ihn etwas fest, hielt an Ort und Stelle und schien auf etwas zu warten. Stetig setzte die Dunkle Kreatur Schritt um Schritt voran auf ihrem Pfad im Zwielicht ohne doch voranzukommen. Neue Alternativen Mussten her und neue Wege gefunden werden.
Dort zwischen den Schatten von Zwielicht und Dunkelheit nahe am Abgrund, geschah es das eine kleines Stimmchen seine Aufmerksamkeit erregte... wieder eine der Stimmen aus seinem Innersten die ihn köderten?... er war sich nicht sicher und Lauschte weiter.. Nein das war keine der Stimmen die in ihm tönten es schien von Ausserhalb zu kommen.. War das ein Kind?..und wenn es eines war.. sollte er es Töten?.. Schossen ihm sofort Gedanken durch den Kopf welche ihn qälten.
Doch seine alte wieder erwachte Natur meldete sich sofort als Zwischenrufer lautstark.

„töten bringt keinen Profit schaue erst bevor du handelst und mehre deinen Reichtum“.

Ja Reichtum! Erinnerte er sich wieder.... Das war gut ja glitzernde Dinge ja... Nickend saß er da und lauschte dem Stimmchen das auf ihn einredete. Er Begann sie bewusster wahrzunehmen und zu studieren als sich wieder ein Teil von ihm löste was ihn eingelullt hatte, und etwas tief in ihm musste lachen den wahrlich die kleine hatte wenig Ahnung in Dingen des Handwerks der Zwielichtigen Gesellen. Ihre Verkleidung und der Feucht gewordene Puder der sich am Haaransatz absetzte und Klümpchen bildete waren mehr als Amüsant für ein Wesen wie ihn.
Wieder Erklang die Stimme in ihm und Mahnte sofort

„Handel mit Lukrativen Dingen und Aktivposten verspricht Profit und was noch Matt ist könnte Glänzen mit der richtigen Methode der richtigen Politur und Übung“.

Er schüttelte sich leicht und nickte sacht im inneren der Stimme zu die er vernahm und wurde wieder weiter zu ihr gezogen. So schlug er dann dem Stimmchen das von außen auf ihn einredete, einen Handel vor den jene begeistert annahm. Doch Fragen keimten in ihm auf Dinge die erst seit kurzem wieder in ihm laut wurden.

Wusste sie den was sie da tat?
War ihr Bewusst das sie gerade einen Kontrakt des Zwielichts geschlossen hatte?
… sollte ihn das Kümmern?


Immer weiter entfernte er sich so und Löste sich von der absoluten Dunkelheit Schritt um Schritt von der Grenze wegtretend und tiefer in das Zwielicht abtauchend welches begann ihn zu verbergen. Stürmisch hiessen ihn Teile verlorene Teile seines Selbst wieder willkommen im Zwielicht... am Lautesten von allen schrie seine Habgier!
So brach er auf wieder erwacht aus einem Langen dunklen Traum und suchte jene auf welche wie er im Zwielicht weilten.. die Bruderschaft. Jene Bot was er bedurfte Schutz, Lukrative Geschäfte und noch mehr Sicherheit nach welcher etwas in seinem Innersten rief. Er brauchte neue Gestade und neue Perspektiven und so begann er jenes zu nutzen was er im Dunklen gelernt hatte. Er begann Kontakte zu knüpfen und zu verfeinern um eigene Kontrakte zu schliessen um später dann jene welche sich an ihn gebunden hatten formen zu können. Ja Profit war im Kommen das spürte er und mehr und mehr hörte er auf die Stimmen in seinem Inneren zu hören und wurde selbst wieder zu dieser Stimme. Was sich wie viele anhörte wurde wieder eins und zog in zurück an jenen Ort wo alles begonnen hatte. Bald würde er wieder vollends Zuhause sein und Profit und Schmuggel würden seine Taschen füllen... und jene die an ihn gebunden waren würde er zeigen wie auch sie Profit erwirtschaften konnten um ihm die Taschen zu füllen.. Ja wahrlich dies war ein Tag an dem nichts mehr zu feiern hatte als die Habgier welche zurück war und welche mehr als jemals zuvor am erstarken war.
Zuletzt geändert von Serad Mordaran am Mittwoch 8. September 2010, 12:35, insgesamt 1-mal geändert.
Leonard Tarendis

Beitrag von Leonard Tarendis »

„Ah und bitte … schenkt doch noch einmal nach, heute Abend ist ein guter Abend“

Der junge Mann, der die zwanzig Lenze noch nicht lange hinter sich gebracht hatte, lauschte dem Geräusch von Wein, der geradewegs in seinen Becher floss. Seine Lider waren zur Hälfte hinab gesenkt und er genoss den Moment einfach; die Geräusche um ihn herum, die muffige Luft der Taverne und die gedämpften Stimmen der anderen Gäste. Die Arme waren in entspannter Haltung vor dem Bauch verschränkt, eine Haltung die den eh schon sehr mitgenommenen Stoff seiner Kleidung nur noch mehr strapazierte und wieder ein neues Loch erschuf, und doch lächelte er schmal, ehe er den Becher anhob, nur um sich selbst zuzuprosten. Der Wein floss seine Kehle hinab, ein wohlig wärmendes Gefühl machte sich in ihm breit und er öffnete die Augen zur Gänze. Die eben noch ausgestreckten Beine zog er an den Stuhl heran, der Becher wurde auf den Tisch gestellt und die Rechte suchte an der Lehne seiner Sitzgelegenheit nach etwas, was er dort hin gehängt hatte. Er zog die hölzerne Laute hervor, nahm sie behutsam in die Hände, und ließ die Finger über das Holz streichen, und die Weisheit seiner früheren Mitreisenden kam ihn in den Sinn:

„Zu nem' guten Instrument musst du so zärtlich sein wie zu einer Frau. Denn nur dann wirste du die schönsten Töne ihr entlocken“

Und wie oft er ihr schöne Töne entlockt hatte. Seine Finger glitten über die Saiten, zupften sie behutsam und langsam, und ließen eine Melodie entstehen, die einige Stimmen um ihn herum verstummen ließen. Die Augen lagen ruhig an der Holzdecke der Taverne und unwillkürlich musste er über seine eigene Aussage grinsen. Ein guter Abend? Natürlich, das war er fast immer, doch jener Abend erinnerte ihn an dieses eine schicksalhafte Treffen. Es war anfangs mehr etwas flüchtiges, dass sie jene Gestalten getroffen hatte, allen voran Sie, die aus dem Ganzen doch noch einmal herausstach. Er hatte ihnen zugehört, war eine Weile mit ihnen gewandert und geschlendert, er hatte sie mit der Zeit kennengelernt und auch wenn sie doch größtenteils jünger waren als er selbst; er fühlte eine gewisse Verbundenheit erwachen, welche mit der Zeit immer größer zu werden schien. Oft hatte er verträumt gegrinst wenn Scherze fielen, nicht seltener lauschten sie angetan seiner Laute und ihren sanften Tönen und immer mehr wuchs die Zuneigung ihnen gegenüber.

Für einen Moment hielt Leonard inne, die Töne verstummten, die Stimmen nahmen wieder an Lautstärke zu und seine Augen schlossen sich für einen Moment, ehe seine Hand den Becher umschlossen um einen kurzen Schluck zu nehmen. Wann war der Punkt erreicht? Jener Übergang zwischen bloßer Sympathie und dem Gefühl, mit jenen Menschen fest verwachsen zu sein? Gab es überhaupt einen solchen Übergang oder war all dies letztendlich nur fließend? Der Mundwinkel zuckte in die Höhe und er beschloss, dass jeder Gedanke zur Aufklärung dieser Frage verschwendet war; die Dinge waren wie sie nun einmal waren und jede Überlegung klaute ihm nur unnötig die entspannte Laune und seine Zeit.

„Ihr alle, nein wir alle … sind sowas wie Kinder des Zwielichts, am Tag wunderschön anzusehen und in der Nacht so verwegen und schwer zu erkennen“

Seine eigenen Worte … wie unglaublich poetisch. Und doch; sie enthielten nicht wenig Wahrheit, dessen war sich Leonard doch mehr als bewusst. Er trank seinen Becher aus, legte ein paar Münzen auf den Tisch und stiefelte langsam hinaus. Die kalte Nachtluft hieß ihn willkommen und brachte für den Moment etwas Frische in die Tavernenstube, ehe er die Türe hinter sich schloss. Ein kurzer Blick glitt hinauf zum Himmel, welcher so voller Sterne behangen war. Er lächelte schmal, die Augen auf einen ganz bestimmten gerichtet. Er schien dort oben, so hell und wunderschön, seit je her sein Wegweiser und Führer … und vielleicht war er es auch, der ihn zu diesen Menschen getrieben hatte: Der wundervolle Nordstern.
Zuletzt geändert von Leonard Tarendis am Mittwoch 8. September 2010, 19:59, insgesamt 1-mal geändert.
Will Rotenfels
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Beitrag von Will Rotenfels »

3. Des Zwielichts Wappentier

Vor dem Licht einer einfachen Kerze saß der junge Bursche mit seinen 17 Lenzen, der wohl von schmaler Statur war, jedoch kräftig von den Tagen der schweren Arbeit und auch etwas ausgezehrt von noch schwereren Zeiten.
Gebückt über ein Pergament grübelte er, während der Federkiel am Kinn gerieben wurde, um dem Gedankenspiel Unterstützung zu geben. So einfach lag das Pergament da vor ihm, geschöpft und gepresst. Die feinen Linien der dunklen und helleren Fäden suchte er mit seinen grünlich-marmorierten Augen ab, immer auf der Suche nach einer passenden Idee, um die vor ihm liegende Liste zu vervollständigen und eventuell eine passende Überschrift zu finden.

Früher schon hatte er immer gute Ideen gehabt und war geschickt genug gewesen, um die feinsten Mixturen anzumischen. Doch diesmal fehlte ihm eine wichtige Zutat zu dieser außerordentlich seltenen Creme... ja geradezu cremig war die Konsistenz dieser Pampe, die er aus Wurzeln, Wachs, verschiedenen Pulvern und Öl zusammen mischte.
Aber es fehlte noch irgendetwas, das er vergessen hatte… eine Pflanze? Oder doch mehr Gesteinspulver?

“Das Zeug bröckelt nach ein paar Stunden und ich muss es andauernd neu auftragen!“

“Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich mir dieses stinkende Zeug ins Gesicht schmiere?“

Die Ausrufe seiner Freunde klangen in seinem Geiste nach und er versuchte sich händeringend darin, diese Kritikpunkte zu verarbeiten.
Ebenfalls verbrachte der Junge Stunde um Stunde mit Nadel und Faden, um die perfekte Kleidung mit etlichen Taschen, Knöpfen und Geheimverstecken auszustatten, verschiedenfarbige Westen aneinander zu nähen und kleine Samenkörner behutsam auseinander zu brechen, um deren Inhalt anschließend in einzeln verschließbare kleine Beutelchen zu geben.

Er bereitete sich vor, heckte Pläne aus und setzte sie in die Tat um. Im Grunde war alles ein großer Haufen Kindereien, Kleinigkeiten, Unwichtiges. Doch in der Hand eines Geübten Mannes oder einer geübten Frau… konnten diese Kleinigkeiten Wunder anrichten.
Wunder und Erstaunen waren in diesen Zeiten sowieso ein gern gesehenes Element, das er sich gerne zu Nutze machte und auch so saß er an diesem Abend nicht nur vor einer Liste für neue, verbesserte Schminke sondern auch an einer Liste für Wunder und Erstaunen, wie er sie selbst mit dem Federkiel betitelt hatte.

Diese Wunder und Erstaunen bestanden wohl aus einer Reihe an Tricks, Taschenspielereien, optischen Täuschungen und, seinem Lieblingsstück, Ablenkungen.
Und so wie es auch bei jeder guten Ablenkung darauf ankommt, dass viele Leute in eine Richtung sehen, während ein Einzelner in die andere Richtung geht, so kam es auch in seiner Planung darauf an, dass jedes Rädchen in das andere eingreift und alle zusammen arbeiten würden.

Will fühlte sich mit der planenden Position in dieser neuen Gemeinschaft sehr gut und so war es auch kein Wunder, dass er sich den verschleiernden Namen „Zwielicht“ gab.

Gar vortrefflich passte diese verschleiernde Eigenschaft auf seine Persönlichkeit… und wohl auch auf ein kleines Tier, das er vor kurzem am Strand gefunden und in einem Wasserbottich gefangen hatte.
Dieses Tier gefiel ihm, da es so viele Arme hatte, sich überall festhalten konnte und wenn man ihm zu nahe kam, schlagartig die Flucht ergriff und nur eine schwarze Wolke hinterließ.

Ein planender Kopf und acht Arme… überall hin konnte das Tier gelangen, sich durch Spalten zwängen, die viel kleiner waren als es selbst… und sogar sein Verhalten und die Musterung an die Umgebung anpassen.

Ja… so sollte es sein… den Octopus wählte er sich als sein Wahrzeichen und malte auf jeden Beutel und jedes Döschen einen großen runden Punkt und acht Striche, die Kreisförmig nach außen liefen.

[img]http://www.mphworld.com/images/stock/fullsize/Octopus%20Logo%20stock.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Will Rotenfels am Donnerstag 9. September 2010, 22:32, insgesamt 2-mal geändert.
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Karawyn
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Registriert: Sonntag 20. Juni 2010, 04:34

Beitrag von Karawyn »

4. Der lange Weg des Vollmondes
Taumeln, wanken, zu Boden fallen.
Nicht aufgeben.
Sich wieder hochziehen und weiter…einfach weiter.
Die kleine zierliche Gestalt, die sich den Weg entlang zog, kämpfte, ihre Handflächen und –ballen bereits von Dreck und Blut der Straße überzogen. Hinter sich schleifte einen nassen, langen Stofflappen her, der sich in großen Teilen um ihren Unterkörper wickelte und der wohl einst Teil eines Kleides oder Rockes gewesen sein musste. Schmutzig war er, wohl einmal in einem sehr schönen blaugrün. Zwischen den Stoffstreifen waren bei manchen ihrer Bewegungen überschlanke, feingliedrige und leicht gebräunte Beine zu sehen, in denen sich der meerblaue nasse Sack verhedderte.
Ein schmales, feines Gesicht, zusammengepresste Lippen und Augen wie der weite Ozean, die kämpften, egal, wie aussichtslos ihre Lage auch zu sein schien. Ihr Blick suchte nach einem Menschen, irgendwen musste es hier in der Nähe des Hafens doch geben, der ihr helfen konnte und auch wollte.
Doch die alten grauen Häuser sahen sie durch die stumpfen Fenstergläser anklagend an. Der kalte Wind pfiff durch die Straßen und das Mädchen zitterte, als sie sich weiter voran zog.
Noch ein paar Meter.
Noch bis zum nächsten Straßenabsatz.
Sie kroch, robbte, schob sich immer weiter, Stein um Stein, bis zum nächstliegenden Häusereingang und senkte den Kopf auf ihre Arme, schlank und sehnig wie gespannte Bogensehnen und atmete tief durch. Die schmalen Handgelenke aufgescheuert vom langen Weg die Hafenstraße hinauf und von zu fest geschnürten Fesseln hakte sie ihre Finger in die morschen Holzbohlen, aus denen die Tür gezimmert worden war und zog den ausgemergelten Körper hoch.
Ein dumpfes Ausatmen, ein Husten und ein unsicheres Taumeln später hatte sie sich aufgerichtet, lehnte gegen den Türrahmen und suchte nach einer Möglichkeit, weiter voranzukommen. Sich an der vom Sonnenlicht ausgeblichenen Häuserwand entlangtastend kam sie nur langsam vorwärts, musste wieder anhalten, weil sie über die zerfetzten Rocküberreste stolperte und die Lumpen sich um ihre geschundenen Knöchel wickelten.
Ihre zitternden Finger zerrten an dem nassen unwilligen Stoff, zogen und versuchten sich davon zu befreien, als die die Holzbretter, gegen die sie gelehnt stand, nachgaben.
Mit einem erschrockenen Stöhnen stürzte sie rückwärts in das dunkle Gemäuer, einige Ratten stoben auseinander, als sie in ihr ruhiges Schlafplätzchen einfiel, und fauchten sie mit schmutzigen Zähnen und tiefschwarzen Augen aus den dunklen Ecken an, in die sie geflohen waren.
Die Kleine starrte mit großen erschrockenen Augen um sich und folgte dann dem ersten Reflex, der sie durchzuckte.
Flucht!
Nur weg!
Sie packte die ozeanblauen Stoffmengen und stolperte, rannte, floh einfach aus diesem Haus, ließ die Straße hinter sich und wankte um Häuserecken und an leeren Fenstern vorbei, bis sie vor einem der Eingänge zum stehen kam.
Schwer stützte sie sich gegen das morsche, fasrige Holz, das ob ihrer Berührung knarzte.
Und doch erschien ihr dieses Haus weniger feindselig als all die anderen. Mit ihrem ganzen Gewicht drückte sie die Türe auf und erblickte, zwischen den herumliegenden Tauen, Flaschen und Netzen einen kleinen Holzschemel, beinahe wie einen Thron, der in ihrer Misere alte Erinnerungen wach rief.
Dunkle weise Augen unter buschigen ergrauten Augenbrauen, ein ewiges Schmunzeln, das sie wie ein warmer Wind umfing und große, von der Arbeit knotige Hände, die sie hielten, ihr das Schwimmen beibrachten und sie durch die Luft wirbelten.
„Caer-tharag (=Großvater)“ flüsterte die Stimme des Mädchens und ihr Körper kämpfte sich vorwärts zu dem Holzstuhl, der sie so sehr an den Lieblingsplatz ihres Großvaters vor der Hütte erinnerte, von dem aus er mit ihr das Meer beobachtet hatte.
Neben den zusammengenagelten Holzbohlen brach sie dann endgültig zusammen. Ungeweinte Tränen der Schuld und das Verlusts, aber auch der Angst um eine unsichere Zukunft rannen über die schmalen Wangen.
„Cirin (=Mutter)“
Was würde passieren?
Gab es ein Morgen?
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Es gab einen Morgen, es gab viele Tage danach, ein Leben, Freunde… doch davon konnte die kleine verzweifelte Karawyn an diesem Tag nichts wissen.
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Kälte….eine Kälte, die ihr bis in die Knochen kroch, die lähmte und ihre Muskeln versteifen ließ.
Der Schnee war tiefer als die Jahre zuvor und ihre Hosen gaben dem kalten Nass mehr Angriffsfläche, als es ihr lieb war. Sie schob sich die inzwischen rückenlangen Locken unter die zerschlissene Mütze und zog den mottenzerfressenen Mantel, den sie aus gefundenen Reststücken zusammengeflickt hatte, um ihre dünnen Arme. Der Hunger zehrte an ihren Kräften, er gab der Kälte noch mehr Macht über sie.
Mit gesenktem Kopf stapfte sie durch die vom Schnee leuchtenden Gassen, presste die Hand, die den Mantel hielt in ihren protestierenden Magen und hoffte, dass Anney und Will mehr Glück gehabt hatten als sie.
Irgendwie würde sie noch ein wenig durchhalten, aber…
Es gab ja Leon, den kleinen, das Nesthäkchen.
Karawyn lächelte. Er erinnerte sie an ihre eigenen längst verlorenen Geschwister und sie musste sich eingestehen, dass sie ihn an ihrer statt verwöhnt hatte, wenn ihre kargen Mittel es hergaben.
Mit einem Schmunzeln auf den Lippen klopfte sie an die Holzbohlen ihres Schuppens, als Erkennungszeichen für die übrigen Mitglieder ihrer kleinen Familie.
Im Schuppen war es still.
Karawyn pfiff leise durch die Zähne, aber keine Reaktion.
Angst beschlich sie. Hatte man sie verraten? Hatte sich irgendein „Erwachsener“ plötzlich berufen gefühlt, die armen obdachlosen Kinder in ein Waisenhaus zu stecken?
Sie sah sich genau um, prüfte die kleinen fallen, die Will geschickt gelegt hatte, um sie rechtzeitig vor Eindringlingen zu warnen, doch keiner der Mechanismen war ausgelöst worden. Schließlich ging sie in die Knie, um zum Schlafplatz zu gelangen und stockte.
Irgendwas fühlte sich nicht richtig an.
Sie konnte die namenlose Kälte, die sich in ihr breit machte, nicht benennen, aber das nagende Gefühl ließ sie nicht los. Mit mehr Eile als notwendig krabbelte sie unter den letzten Netzen hindurch und wollte gerade nach Leon rufen, als sie den kindlichen zusammengekrümmten Körper am Boden liegen sah.
Leon….
Aber vielleicht irrte sie ja.
Karawyn hastete vorwärts und griff nach dem leblosen Körper um ihn zu schütteln.
„Mach keinen Quatsch…“, doch ihr blieben die Worte im Halse stecken. der kleine Kopf drehte sich ihr entgegen, Schaum floss aus seinem Mund und die Augen waren in den Hinterkopf zurückgerollt.
„Leon…bitte…leon…!“ schluchzte sie.
Sie schüttelte ihn, zog ihn an sich und weinte und zeterte, doch alles Leben war aus dem Jungen entwichen. Als sie ihn ein weiteres Mal zu rütteln begann, fiel ein Stück modriges, ungesund aussehendes Brot aus seiner Hand.
„Nein….“
Karawyn hörte sich und Anney, wie sie immer wieder wiederholten: „ Leon, das kannste nich essen, da ist Gift dran. Selbst die Ratten sind zu schlau dafür.“
Und er hatte es versprochen…so sehr.
Als sie von draußen Schritte hörte, das altbekannte Klopfzeichen und den Pfiff, erhob sie sich, wie von Fäden gezogen. Sie hob den kleinen Körper, blau von der Kälte, mit sich in die Höhe und hielt ihn umklammert, hielt ihn, als gäbe es keinen Morgen. Und als sie Anney und Will vor sich stehen sah, ihr weinen hörte, wurde es in Karawyn einfach nur still.
Wie damals.
Wie nach dem Verlust ihrer Mutter.
Nur eine kleine Stimme fragte im Hintergrund ihres Kopfes: Darf es eine Morgen geben?
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Doch egal, wie grausam die Situation erschien, auch am nächsten Tag ging die Sonne auf, der Schnee fiel und die Leute lebten weiter wie bisher.
Nur die drei nicht.
Sie begruben Leon und gingen getrennte Wege.
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Der Klang von Glocken und Schellen durchbrach die Stille des gemütlichen Schrankraumes. Ein warmes Feuer prasselte im Kamin, um das sich einige Männer und Frauen des Dorfes versammelt hatten. Grobe einfache Gestalten in abgewetzte Kleidung gehüllt, mit schwieligen Händen und ehrlichen Augen, die ihren Feierabend nach einem langen Arbeitstag mit einem Schluck dunklen Bier begrüßen wollten.
Einer der Männer, der Pferdehändler Keenan, hob den Kopf, um dem Geräusch auf den Grund zu gehen. Sein Blick blieb an der beschlagenen Tür hinterm Tresen hängen, wo der Tavernenbesitzer und Wirt Eh’layan ibn Kha’zaray , ein dunkelhäutiger Mann von den fernen Inseln, mit dem Rücken zum Schankraum stand und mit leiser Stimme gestikulierte. Hinter ihm konnte Keenan eine junge weibliche Person in auffallend bunter Kleidung ausmachen, die seinen Worten lauschte.
„Du musst dich nicht um die Musik kümmern, Karawyn,“ ertönte Eh’layans tiefe wohlklingende Stimme. „Mahmed wird dich auf der Flöte begleiten und ich werde die Trommel schlagen.“
Das Mädchen nickte und die langen maronenbraunen Locken bewegten sich leicht. Ihre Hände hielten kleine Schellen, mit denen sie ihren Tanz zu begleiten gedachten. Eh’layan umarmte sie kurz und trat dann zur Seite. „Und nun bring ihnen eine wenig Freude, kleine Meeresperle!“
Karawyn trat nach draußen auf den leer geräumten Platz neben der Feuerstelle, Mohmed, Eh’layans Bruder, und der großgewachsene Tavernenbesitzer ließen sich auf ledernen Sitzkissen in ihrer Nähe nieder.
Dann begann Mahmeds Flöte ein Lied zu singen, ein Lied von Sonne und Meer, von tosenden Wellen auf denen die weiße Gischt wie eine verschleierte Frau tanzte und eine Melodie von Freiheit für jedermann. Die Augen der Bauern und Landfrauen wurden weich und träumerisch, doch gerade als sich Trauer und Trostlosigkeit in ihre Herzen schleichen wollten, begann die Trommel ihren mitreißenden Rhythmus, erzählte von der guten getanen Arbeit des Tages und von der Kraft, die in jedem wohnte.
Keenans Fuß begann fast wie von selbst im Takt mitzuwippen und die anderen schlossen sich ihm nach und nach an, klatschten begeistert in die Hand, bis Flöten- und Trommelspiel ihren Höhepunkt erreicht hatten.
Auf diesen Moment hatte Karawyn gewartet.
In einer eleganten Bewegung drehte sie sich und ließ die Schellen erklingen. Ihre Füße folgten kleinen Schritten eines unbekannten Tanzes, ihre Arme und ihr Gesicht erzählten die Geschichte einer langen Reise, zeigten den Anwesenden eine Insel, die längst verschwunden lag in einem großen Meer.
Ihr ozeanfarbener Rock bedeckte sie und ließ ihren Unterleib wie den Fischschwanz einer der sagenhaften Nixen wirken, von denen Mahmed bereits erzählt hatte. Die zierlichen Arme waren mit blauen Zeichen einer fremden Sprache bemalt, Schriften aus einer anderen Welt, von weiter weg, als die Bauern und Handwerker je ihre Gedanken ausgestreckt hatten, bevor das schlanke seltsame Mädchen in ihrem Dorf aufgetaucht war.
Keenan pfiff und johlte. Jeden Abend kam er hierher und immer wieder zeigte die kleine einen neuen Tanz. Er bewunderte sie, doch ihm war sie als Frau noch ein wenig zu dünn…und zu jung.
Die Türe öffnete sich und herein trat eine, in einen gut sitzenden Mantel gehüllte ältere Frau, die schließlich den um den Kopf gewickelten Schal abnahm. Khyrdra, Schneiderin und ehemalige Kürschnerin, trat durch die sitzenden und stehen Menschen auf Keenan zu und lächelte.
„Siehst du dir wieder den kleinen Vogel an?“ Ihre graublauen Augen waren von allerlei winzigen Lachfalten umgeben und zwinkerten ihm freundlich zu. Gerade setzte Karawyn zu einer letzten Drehung an, Trommel und Flöte erstarben und sie sank in eine Verbeugung.
Johlen und Applaus folgten, Karawyn lächelte, während ihr ein feiner Rinnsal Schweiß über die Stirn lief, und sie drängelte sich an Leuten vorbei zum Tresen, blieb neben Keenan und Khyrdra stehen und ließ sich einen großen Krug Flüssigkeit geben. „Haste gut gemacht, kleine Dame.“ Keenan klopfte ihr auf die Schulter und reichte ihr eine Münze. Karawyn nahm sie dankend an und verstaute sie in den Tiefen ihres Kleides.
Als Khyrdras Blick den sehnigen Körper der Tänzerin betrachtete, blieb sie an einem Riss im Rock hängen, der mit kleinen Stichen zwar ungeübt aber doch ordentlich geflickt war. Ohne darüber nachzudenken griff ihre Hand nach der Stelle und hielt sie hoch um sie zu mustern. Karawyn hielt in ihrer Bewegung inne.
„Hast du das genäht?“ Khyrdras Stimme klang warm und herzlich. Kara nickte. „Du hast Talent! Vielleicht solltest du das zu deinem Beruf machen. tanzen kannst du schließlich nicht dein Leben lang.“
Karawyn blickte in die Augen der alten Schneiderin und in diesem Moment war es ihr, als hätte das Schicksal eine neue Tür für sie geöffnet. Konnte das die Chance auf eine sichere Zukunft sein?
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Sie ging bei Khyrdra in die Lehre und tanzte in Eh’layans Taverne, bis dieser mit Mahmed in seine Heimat zurückging. Und als die alte Dame starb, machte sich Karawyn auf in ihre alte Heimat.
Auf den Weg zu Anney und Will, ihrer Familie.
Und als Anney sie an einem Kaminabend mit der Idee konfrontierte, das Nachtvolk zu gründen, sagte sie zu.
Denn wenn das Schicksal einem eine solche Türe öffnet, sollte man nicht zu lange warten und überleben…das hatte Karawyn gelernt.
Abends am Feuer singen wir leise
Spiegeln die Sterne tief sich im See
Abends am Feuer rufen die Stimmen
Seltsame Stimmen weit aus der Nacht
Weit ist die Heimat, weit und verloren
Vor uns liegt dunkel und einsam der Weg

Abends am Feuer fragen wir leise
Wohin geht eigentlich unsere Fahrt
Abends am Feuer sterben die Stimmen
Schweigende Freunde inmitten der Nacht
Aber wir reichen still uns die Hände
Wie es auch sei, wir wagen die Fahrt
Zuletzt geändert von Karawyn am Sonntag 12. September 2010, 11:28, insgesamt 2-mal geändert.
Wir können nicht immer die Musik wählen, die das Leben für uns spielt, aber wir können wählen wie wir dazu tanzen.
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Karawyn
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Beitrag von Karawyn »

Des Nachtvolks wundervolle Klänge
Füll’n die Straßen mit viel Gedränge
Ein jeder will den Liedern lauschen,
Sich an unsren Tänzen berauschen.
An Schellenlaut und Lautenspiel,
Euch zu verzaubern ist unser Ziel.

Die Schlangenfrau verbiegt die Glieder,
Beugt Kopf und Arm zum Boden nieder,
Legt sich um manch verblüfften Mann
Und zeigt, was sie so alles kann.
Der wünschet wohl, ihm gehört ihr Spiel,
Der Frauen Seufzen hilft nicht viel.

Da tritt der schöne Barde hervor,
Die Frauen johlen auf im Chor,
Seine sanfte Musik die will verführen,
Die Damen wollen ihn berühren.
Ein tiefer Blick, er beherrscht sein Spiel,
Der Männer Fluchen hilft nicht viel.

Hört die Schellen, wie sie erklingen,
Wenn die Hüften kreisend schwingen,
In Meerblau gekleidet bewegt sich ihr Leib,
Den Männern Augenschmaus und Zeitvertreib,
Bietet ihr Tanz, sie kennt ihr Spiel,
Der Frauen Keifen hilft nicht viel.

Das Feuer, es erwärmt die Luft,
Die Menge johlt laut auf und ruft!
So pustet der Feuerspucker die Flamme hernieder,
Erhitzt dabei so manches Mieder.
Die nackte Brust im Scheine glänzt, so ist sein Spiel,
Der Männer Geifern hilft nicht viel.

Kunterbuntes Leckeres von der Bauersfrau,
ihre Liebesäpfel sind gar eine Schau,
ihre vollen Körbe locken alt und jung,
geben dem Auditorium wieder neuen Schwung.
Früchte der Liebe, die sind ihr Spiel,
Der Frauen Neid, der hilft nicht viel.

Herbei, Heran, hört des Mädchens Klang,
mit Liedern und Possen wird’s nicht lang,
Geschichten voll Schelmen aus aller Welt,
von der nahen Burg und vom weiten Feld.
Die Zunge flink, sie kennt ihr Spiel,
Der Reichen stöhnen hilft nicht viel.

Die Nacht bricht an, der Markt wird leer,
so Manchen wird das Auge schwer,
doch wird das bunte Treiben fortgeführt,
ein jeder den Gesang und Tanz berührt,
seid willkommen beim Nachtvolk zu Musik und Spiel,
ihr sehet ja, Spaß bringt es euch viel.
Wir können nicht immer die Musik wählen, die das Leben für uns spielt, aber wir können wählen wie wir dazu tanzen.
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Serad Mordaran
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Beitrag von Serad Mordaran »

5. Vorbereiten des Handwerks


Dunkelheit und Kälte umgaben ihn wie einen schützenden Mantel als er geduckt Schritt für Schritt durch das Zwielicht der Nacht schlich. Mehreren Wachen war er auf seinem Weg in sein Versteck schon ausgewichen nur um nicht zusammen mit seiner mirgeführten Ladung erwischt zu werden. Der Beutel den er bei sich trug barg Dinge barg Objekte in sich welche sehr aufwendig zu beschaffen waren. Verschiedenste Inkredenzien für seine Arbeit und sein Handwerk der Giftkunst. Sorgsam huschte der leisetreter von Schatten zu Schatten und zurück in sein schützendes Heim das keiner kannte.
Zufrieden warf er seine neue Verkleidung ab und verstaute seine Habseligkeiten wärend er sich umschaute. Alles war beim Alten ja hier war es durchweg sicher.

Die Jungen Schüler welche sich in kürze sammelten, würden schon Bald eifrig zu tun bekommen und alles war dafür vorbereitet! Für jenen Tag in naher Zukunft an dem sie an ihn herrantreten würden damit er eines seiner gegebenen Versprechen einlöste.
Beschaft hatte er einiges was das Handwerk der Schattenläufer benötigte. So standen mehrere gut verkorkte Fässer bereit nebst einer Hand voll Glasflaschen mit dickerer Wandung damit sie nicht durch Druck oder einem aus der Hand rutschen gleich zerbarsten. Die kleinen Gefässe konnten schon gut was aushalten und das war wichtig in dem Handwerk seiner Zunft.

Neben den Gläsern und Flaschen auf einer kleinen Komode lagen einige geschmeidig wirkende Gebilde. Länglich war ihre Form ähnlich einer Frucht von rötlicher Farbe. Wenige kannten diese Substanz aus dem fernen Süden des Festlandes. Dort wo Urwälder und Affen ihre Heimat hatten und wilde von Magie durchwobene Kreaturen ihr Unwesen trieben kam es her der Kautschuk. Eine gummiartige Knetmasse welche so sie erkaltete fest und Zäh war doch mit der nötigen vorsichtigen Alchemie und Wärmezufur formbar war. Jene Substanz war wichtig beim verändern seines Äusseren und schon bald würde er seinen kleinen Ratten beibringen damit umzugehen.

Auf einem Nachttisch stand nicht weit vom Kautschuk entfernt ebenso eine Menge Dinge von eigenartigen Flakons und Tiegelchen. Beinahe wirkte es als wäre es der Vorraum eines Schminkzimmers einer edelen Dame. All jene Püderchen, und Saöben waren wichtig beim gestalten seines Äusseren und nur wer sich bestens darauf verstand war wirklich sicher vor Enttarnung...

"Sicher.."

Flüsterte er seufzend in das nichts seines Versteckes und schaute sich von Kälte geschüttelt um. Ein Wort das ihm gefiehl doch zugleich so unwirklich war wie alles andere in seinem Dasein. Wirklich sicher war er und seinesgleichen niemals den dort wo sie herumstreunten waren mehr Gefahren als man fassen konnte.
Eine gute Verkleidung schützte aber, und war gerade beim zurückziehen wichtig wenn man nicht auffallen wollte. Sollte die Wache ruhig einen Jugendlich wirkenden Blondschopf suchen so achtete niemand auf den Älteren Grauharrigen dessen Bart bis zur Brust herrabreichte dank der Alchemie. Auch mehrere Flaschen von gerbenden und färbenden Substanzen war vorhanden. Dinge mit denen umzugehen gefahren barg den gerade die gerbenden Mittel konnten der Haut bleibende Schäden beibringen und so galt es stehts achtsam zu Arbeiten.
All diese Dinge würde er ihnen beibringen müssen so sie wirklich tiefer eintauchen wollten in das Zwielicht der Nacht und den Gaunerreien des Schwarzmarktes. All dies und noch viel viel Mehr.

Nicht weit entfernt von ihm auf dem Tresen der Bar ruhten verschiedene Unterlagen aus Pergamment. Nicht das grobe und schlechte das man allerorts bei den Dörfern erwerben konnte sondern Vielmehr jenes aus dem man Dokumente und Unterlagen ausstellte. Auch eine Reihe von Stempeln und Petschaften hatte er sich angesammelt wärend der Jahre seines Daseins. Zwar waren die meisten unlängst nicht mehr von gültigkeit doch würde all dies ausreichen damit sie üben konnten falsche Herkunftsunterlagen zu erstellen. Belege von einem Gustav Bauer zum Beispiel in dessen Rolle man schlüpfen konnte wenn der eigene Pelz vom Kopfgold zu sehr beschwert wurde. Eifrig schon sammelte er all die Tage und Nächte über die Materialien die von nöten waren. Die grösseren Mengen waren teilweise ein Problem doch mit genügend Gold öffneten sich stehts die richtigen Türen und insgeheim dankte er dem Zwielicht für die Kuruptheit der Hafenbeamten und Händler deren Gier allzuoft seinesgleichen erst ermöglichte sich zu entfalten.

Ja bald würde es los gehen und er würde ihnen zeigen um was sie gebeten hatten und womit er sein Gold verdiente. Das Kunsthandwerk der Betrügerreien und der Spionage in dem zu leben nicht gerade sicher war. Doch das sollte ihn wenig kümmern den am Ende waren sie selbst es die entdecken müsten welche Probleme und Dunkelheit hinter der Glorreichen und Abenteuerlichen Fasade versteckt war die dieses Handwerk barg.
Sich selbst muste er noch vorbereiten und so nahm er Platz an dem kleinen Schminktisch und begann sein Gesicht mit verdüntem Alkohohl zu reinigen und alte Schminke abzutragen. Sodann begann er das seine Gesicht zu betrachten welchem er selten Angesichtig wurde. Ja Serad es ward Zeit sein Wissen weiterzugeben den man selbst kam in ein Alter wo es nicht leichter sondern eher schwerer werden würde.
Mica Mirillian

Beitrag von Mica Mirillian »

6. Wenn der Vorhang fällt...

...ist vielleicht eine Vorstellung zuende, doch nicht das Spiel -
jenes herrscht immer und überall vor!
Sie atmeten es, sie ließen es heiß durch die Adern fließen, spürten es, lebten es und lebten in ihm. Dabei hatte das Spiel so viele Facetten und schien manchmal regelrecht einen grausamen Scherz mit ihnen zu treiben.
Es spornte nämlich zu einer Vielzahl an Rollen an!

Sie lernten bei Väterchen wie man jene Masken kreirte und über das Gesicht stülpte. Dies wiederum nutzte man... nicht nur auf der Bühne.
Ihre Zahl wuchs, gedieh und die Runde wurde bunter.

Der erste Markt war geschafft. der ersehnte Erfolg mit ihm erreicht und in beinahe kindlicher Freude wurde noch immer gejubelt, gefeiert und dann aber auch schon wieder geplant. Die Gräfin hatte Gefallen am Können der jungen Leute gefunden, verlangte nach einer Vorstellung, Lucas "Schatzkammer" sollte einen Auftritt buchen können und dann war da noch die Anfrage des Bundes der Elster, mit welchem sie nun eine freundschaftliche, gemeinsame Basis verband.
Ja, es war viel geschafft - vor und auf der Bühne.

Sie hob den Kopf und tauschte stumme Blicke mit dem gewitzten Planungsgeist namens Zwielicht und dem sanften, nachdenklichen Vollmond. Beide nickten ihr zu und signalisierten ihr, dem Neumond, die gemeinsame Überlegung an die Nachtbürger zu bringen.
Es war an der Zeit - man musste und konnte sich nun innerhalb der eingeschworenen Gemeinschaft auf einander verlassen und einander trauen.

Das Triumvirat hatte entschieden, es war Zeit innerhalb der Gemeinschaft Farbe zu bekennen, nur so konnte man gemeinsam in die Schatten treten.

Das Nachtvolk begann hinter der Bühne zu arbeiten!
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Serad Mordaran
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Beitrag von Serad Mordaran »

7: erste Schritte der Dunkelen Kinder

nach und nach sammelte er die Resurcen die er benötigte um die ersten Schritte zu gehen um die seinen neuen Schützlinge auf den Weg zu bringen. Ausbildung und Wissen wie man in den entsprechenden Situationen reagiert war absolut alles. Deshalb bemühte er sich möglichst alles bereit zu legen das er für das Verkleiden seiner Schützlinge und für das Fälschen und anfertigen von Lebensläufen benötigen würde. Schon sehr bal würen die noch recht jungen Nachtvolkkinder wie er sie für sich hinter verschlossenenen Türen nannte eintreffen und das Wissen der Schattenarbeit mit der Zeit vollständig aufsaugen wie frisch getrocknette Schwämme aus den Tiefen der Meere das Wasser aufsaugten so würden auch sie sehr schnell lernen und begreifen.

Das Lager in seinem Anwesen in der dunkelen Stadt war beachtlich und von nicht geringem Wert. Gerade Dinge wie frischer Kautschuk aus den riesigen Urwäldern des Südens des Festlandes war äusserst Teuer doch unabdingbar bei der Ausbildung der neuen Schattenläufer. Eine richtige geformte und gut fundierte Identität die man als das seine wahre Ich präsentieren konnte war wichtig wenn man vor hatte, dereinst in den Schatten und der Welt des Zwielichtes sein Zelt aufschlagen, und dort seine Heimat und kommende Verdienste gewinnen wollte.

Die Wachen nahe der Mine wusten das sie nicht alzu genau zum Haus schauen sollte. Zu gut zahlte der Händler der dort lebte und so scheuten sich die Wachen nicht gelegentlich wegzuschauen wenn Waren eintrafen oder Dinge im Hafengebiet verschwanden solange am ende sie ihren Teil abbekamen. So wurde auch in den folgenden Nächten die Obacht und Aufmerksamkeit in dieser Region bewust dezent gehalten für die ein und ausströhmenden Personen des Hauses. Wichtig alleine war für die Wachen nur das dem Herrn dem Allmächtigen alleine Dienst getan wurde und ihre eigene Goldbörse dick genug war um sich des Abends etwas in der Schänke leisten zu können. Jene Zahlungen an diese Schergen der Stadt und die gelegentlichen Geschenke an andere Stellen reichten aus um den nötigen Schutz für die seinen Schüler aus dem Reiches des Zwielichtes zu bilden.

Schon bald würden sie ausrücken um des Schattenspieles Ernte einzufahren und Lukrative Dinge zu vollbringen wenn erst einmal die Grundlagen gefestigt waren und es sicher war das nicht schon beim ersten Schritt raus aus dem Leben die Kinder des Zwielichtes und der Nacht Opfer wurden von den Lauernden Schergen von Recht und Ordnung des Lichten Reiches. Ja die vor ihm liegende Arbeit war enorm gross doch war er nur zu bereit seinen Teil dazu beizutragen um das Volk der Nacht zu stärken und ihren Einfluss zu mehren in der Welt die vor ihnen lag
Zuletzt geändert von Serad Mordaran am Samstag 6. November 2010, 22:29, insgesamt 3-mal geändert.
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Serad Mordaran
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Beitrag von Serad Mordaran »

8: Geteilte Arbeit ist halbe Arbeit

Immer mehr junge Tallente waren aufgetaucht und hatten in den letzten Tagen Wochen und Monaten die doch kleine Insel Gerimor erreicht. Vieleicht lag es an der betörenden Nähe zu vielen Horten die Reichtum versprachen oder schlicht und einfach an seinem Pech das sich so viele hungrige Hyänen auf den selben Profit versprechenden Braten stürzten der da Gerimor hies. Nicht genug damit wurde auch die Bruderschaft eifriger und berichtete von anstehenden Ereignissen gerade für ihre Kinder der See von grossem Interesse. So war es wenig verwunderlich das schon bald nach den ersten Schritten er den um sich gescharten Schattenkindern Arbeit aufgeben konnte damit er selbst mehr Raum hatte zum agieren.

In Dunkeleheit und Rauch schön mit Effekthascherrei war er erschienen.. einige mögen es als Grosspurigen Auftritt ansehen welchem er seinem Ego gescholten hatte.. doch andere... jaja.. auch andere werden dem eifrig beipflichten. So kam es das er sich zwei der jungen Tallente herrauspickte und sie mit viel drum herrum aus erkoren hatte einen Auftrag zu erfüllen zusammen mit einem noch unbeschrieben Blatte das gerade neu in der Umgebung aufgetaucht war. Berchgard die reife Frucht so brav und unbewacht.. vor allem was die Leerstehende Festung anging die vermutlich vollgestopft mit Reichtümern da stand wie die reifste der Früchte kurz vorm Platzen.. Bald schon wollte er sie sich flücken doch zuvor muste das ein oder andere erledigt werden. Ja auch ein Meisterschurke hat es nicht leid doch zumindest er hatte seine kleine Horde Strassenratten die aufgepeppelt und in ordentliche Ausrüstung gepackt durchaus was her machen konnte.

Somit verteilte er also eifrigst Aufgaben damit jene nicht die Tage seiner Abwesenheit bemerken würden wenn er mit dem Schiff fortfuhr um etwas zu erledigen. Der Geizkragen von Kapitän hatte doch tatsächlich volle 9 Kronen für die Überfahrt verlangt weil sich einige Manschaftsmitglieder vor den neuerlichen Gefahren der See fürchteten. Froschkreaturen die ihm selbst gehöhrig auf die Nerven gingen welche aber zum glück auch genug Chaos stifteten welches man Gewinnbringend nutzen konnte und würde. So brach er also schon bald auf und würde beinahe eine Woche fort sein um sich um dringende Geschäfte und Befehle zu kümmern. Auch ein besuch bei .. Freunden stand an zur klärung eventueller Wohnmöglichkeiten auf sonnenbeschienenem Inselboden musten dringlichst geklärt werden. Je nachdem wie gut das kommende lief würde er und die seinen eine Weile untertauchen müssen verborgen unter dem Mäntelchen des braven und ungescholtenen Schaustellervolkes.

Des öfteren wird man ihn verkleidet als einen alten vor sich hin nuschelnden Mann der des öfteren fluchend umherlief gesehen haben in der Gegend um Bajard. Tief in Gedanken versunken und am Pläne schmieden für das kommende immer den Profit vor Augen. Die wenigsten würden überhaupt merken das er nicht war was er vorgab und jene die es wusten waren eh mir ihm im Bunde so das es ihm einerlei war. Zu sehr drehten sich seine Gedanken um das Kommende. Er konnte es beinahe fühlen in seinen Händen das klimpern und Glänzen der Wertsachen so stark rumorte Vorfreude und Vorstellungskraft in ihm. Nur noch wenige Dinge galt es vorab zu erledigen und er würde abreisen und so hofte er zumindest beim zurückkehren nicht alles was bisher aufgebaut wurde in Schutt und Asche wiederfinden... Wäre ja nicht das erste mal das gerade junge Schattengänger wie die Axt im Walde agierten und so Pläne zuschande ritten welche so mühsam aufgebaut wurden. Nunja möge die heilige Goldgier verhindern das dergleichen passierte und ihm und den kleinen Schatenratten unter die Arme greifen in den Kommenden Tagen damit am Jahrenende auch alles gut über die Bühne laufen würde. Nur die Zeit konnte zeigen was kommen würde also galt es Gedult üben und warten... lange warten... wie er warten Hasste!
Zuletzt geändert von Serad Mordaran am Sonntag 5. Dezember 2010, 21:09, insgesamt 4-mal geändert.
Nachtwind

Trau schau wem

Beitrag von Nachtwind »

Magengrimmen, das hatte ich, seit ich diesen vermaledeiten Auftrag aufs Auge gedrückt bekommen hatte.
Immerhin, die kleine Leihgabe würde mir helfen unerkannt ein Auge auf den Burschen haben zu können. Fraglich, wie lang die Posse funktionieren würde, wenn weiter so getratscht wurde. Was mich mehr ärgerte, wusste ich nicht zu sagen. Die Tatsache sich mit diesem Auftrag befassen zu müssen, obschon ich an anderer Stelle versprochen hatte, die Finger von so was zu lassen – eine Wahl hatte man mir gar nicht gelassen – oder die, dass gequatscht wurde, ohne vorher darüber nachzudenken, was das für Folgen haben könnte und ob es mir überhaupt recht war!
Letzteres zog noch ernsthafte Gespräche nach sich, das stand für mich schon fest.
Ersteres war bereits in Angriff genommen. Tatsächlich wartete ich nur auf ein Schriftstück, das für mich Verwendung hatte, um einen hübschen kleinen Befehl zu schreiben, der die störenden Wachen abzog und nach Adoran versetzte, damit der Bursche in Ruhe sein Werk vollenden konnte.
Er konnte den Arsch hinhalten auf dieser kleinen Insel, während irgendein kleiner Rotzlöffel den Befehl an die Wachen überbringen durfte. Letztlich sollte das Mädchen mir selbst helfen auf der sicheren Seite des Ganzen anzupacken. Wenn es schief ging, war allenfalls der Bursche dran, soviel stand fest.
Was mir nach wie vor Sorge bereitete, war der Schnee. Spuren, wie die im Schnee, waren stets mehr als deutlich zu sehen und machten es hinderlich davonzukommen, wenn es eng wurde. Jeder war sich eben selbst am Nächsten, und das Mädchen war mir näher als der Bursche, ich mir selbst sowieso noch viel näher als allen anderen.

Ich hatte für eine geringfügige Planänderung gesorgt. Wenn das Schiff nicht fahruntüchtig gemacht wurde, gäbe es spätestens dann ein Problem, wenn sie es von der Sandbank zogen, um die Zufahrt damit wieder frei zu räumen.
Ergo wurde der Ort des Geschehens vorverlegt, auf dass das Schiff ordentlich Schaden nehmen konnte, die Besatzung aber nicht zwangsläufig absoff, wenn sie geistesgegenwärtig genug reagierte.

Ich bin kein Mörder.


Die Worte hallten nach und brachten mich fast zum Lachen. Warum nahm der Bursche auch einen solchen Auftrag der Bruderschaft an, wenn er derartige Risiken nicht eingehen wollte?
Wieder einmal wurde mir bewusst, wie viel der ein andere noch zu lernen hatte, wie wenig bedacht sie mit ihren Aufträgen umgingen bisweilen, wie blind das Vertrauen zuweilen war.
Ich trat einen Stein übers Eis, bis er schlitternd über die Kante rutschte und ins Wasser platschte.
Wir sollten einen Tag wählen, an dem es schneite, so derbe schneite, dass man die Hand kaum vor Augen sah. Zum einen wurden die Spuren verwischt, zum anderen dämpfte es die Geräusche. Für den ganzen Plan gewiss von Vorteil.
Noch vorteilhafter war es, dass ich mir meine Zeit gewiss nicht damit vergeudete das Holz, was benötigt wurde, erst noch zu schlagen. Ein Gaul, der die vorbereiteten Stämme dort hin zog, würde seine Aufgabe besser bewerkstelligen, als ich mit der Axt im Walde.
Mir wäre es ohnehin lieber – und es wäre auch einfacher gewesen – dieses verdammte Wrack im Laderaum mit ein wenig Explosivem zu präparieren. Dann knallte es einmal hübsch und die Arbeit war getan.
Aber nein, die Mimose hatte ja Angst um die Besatzung. Wieso musste alles nur so umständlich sein? Vielleicht sollte ich dem einfach vorgreifen. Er konnte sich die Arbeit machen und alles war bereits in trockenen Tüchern, ohne dass ich darauf hoffen musste, dass die Wachen sich verdrückten, dass der Troll die Stämme ins Wasser bekam, und ohne dass ich das Mädchen noch großartig bemühen musste – außer zum Schmiere stehen.
Ja, die Idee war hervorragend. Das eine ließ sich leichter machen, als das andere.
Ein kleines Uhrwerk, eine kleine gebastelte Vorrichtung, die das explosive Zeug entzündete zur rechten Zeit und…
Allein die Vorstellung ließ mich grinsen. Oh ja, ein weit günstigerer Plan. Denn wenn es geschah, waren wir bereits sonst wo.
Nachtschatten

Beitrag von Nachtschatten »

Tagelang hatte er sich in Berchgard und Umgebung aufgehalten. Der Zugang zur Insel die ich mir ausgesucht hatte wurde zwar Tag und Nacht bewacht, doch war er weit weg von der Stelle wo das Schiff stranden sollte. Zum Glück nur wurde die zweite Brücke nicht bewacht, sonst hätten wir den Plan mit der Holzlieferung für die Llastobars gleich vergessen können. Aber so würde es wohl kaum auffallen, wenn das Holz wo anders hin gebracht werden würde.

Allerdings überlegte ich mir nachträglich vieleicht doch besser ein einfaches Handelsschiff aulaufen zu lassen. In den Schiffen die zwischen den Städten verkehrten waren oft auch Soldaten, die uns in Schwierigkeit bringen könnten. Dies mußte ich allerdings noch der Bruderschaft klar machen. Ich hoffte nur, daß diese das einsehen würden.

So begann ich schon ein mal Holz zu schlagen um es im richtigen Moment parat zu haben.
Nachtschatten

Beitrag von Nachtschatten »

Daß das mit dem Holzhacken keine gute Idee war, merkte ich recht schnell. Am ersten Baum prallte die Axt am hart gefrorenen Baum ab, verfehlte mein Bein in Kniehöhe nur knapp und landete im Schnee. Beim zweiten Versuch umklammerte ich das Beil fester,d amit es mir nicht in der Gegend rum flog und bekam sogleich die Quittung in Form eines schmerzenden Handgelenkes. Beim dritten Versuch, nein einfach aufgeben wollte ich ja nun doch nicht!, schrammte das Beil an meinem Knie vorbei und ich sah ein daß es keinen Zweck hat. Irgendwie mußte ich auf anderem Wege an das Holz kommen, so ging es nicht.
Auf den Kratzer goß ich ein Glas Schnaps, was höllisch brannte, dann legte ich eine Bandage drüber. Später am Tag kam ich dann auf die Idee mal wieder bei Chandra vorbeizuschauen. Ich wußte ja jetzt wo sie wohnte. Dies war eine gute Idee gewesen, denn sie hatte nicht nur wieder Fisch für mich, sondern auch Holz, das ich ihr sogleich abkaufte ohne ihr natürlich zu sagen, was ich damit vorhatte. So war dieses Problem schon mal gelöst. Am Abend des 14. Alatners ging ich dann los mit dem Packpferd. Erst ging ich zur nach Berchgard, zur Insel. Den Wachen erzählte ich etwas von einer Holzlieferung an die Llasthobars, denen anscheinend kalt würde in ihrem Riesenstseinpalast. Die Wachen lachten kurz auf und liessen mich passieren. Das Holz versteckte ich später dann am Ufer und versucht es so gut wie möglich unter Schnee zu tarnen. Das gleiche Später dann auch auf der anderen Seite.

Das Holz war an Ort und Stelle, die Party konnte beginnen..
Nachtschatten

Beitrag von Nachtschatten »

Einige Tage später dann waren wir, ja ich und dieser Aufpasser den man mir verordnet hatte, wie ich grummelnd zur Kenntnis nehmen mußte, wieder an Ort und Stelle.
Ich hatte sorgfältig meine Hausaufgaben gemacht, ich wußte wann die Fähren ein und ausliefen und ja ich hatte sogar die ungefähre Ankunftszeit eines alten Holzkahnes, der von Lameriast aus Berchgard ansteuern würde, ausgemacht. Wir warteten auf der Sumpfseite unweit von der Mündung des Flusses am Waldrand. Wir ließen die aus Berchgard auslaufende Fähre durch und als der alte Holzkahn an der Mündung in Sicht kam, wurden die Stämme ins Wasser gerollt.
Schnell machten wir uns auf den Weg durch Berchgard hindurch. Den Wachen an der Brücke erzählte ich daß das Holz für die Burg der Llastobhars bestimmt sei, woraufhin sie mich mit einem Nicken durchwinkten. Jedoch führte ich das Packpferd ans Ufer, entgegengesetzt der Stelle wo wir kurz zuvor schon eine Holzladung ins Wasser geschmissen hatten. Dort wurden die verbliebenen Stämme ins Wasser gehievt und ich half noch ein wenig nach, indem ich mit einem Stamm die anderen Stämme in Richtung der Strömung bugsierte. Dort sollten diese sich, so der Plan gelang, ineinander verkeilen und ein unüberwindliches Hindernis aufbauen. Auch war geplant daß das Schiff das Hindernis wohl zu spät sehen würde und beim Versuch diesem auszuweichen, auf Land auflaufen sollte. Doch schienen sie auf dem alten Holzkahn tatsächlich eine Nachtwache zu haben, jedenfalls hatte man dort aufgepasst und der Plan misslang.

Beim Versuch schnell das Gebiet zu verlassen, band ich mein Pferd an einem Hof in der Nähe an. Dort standen so viele Pferde und Mustangs, so daß eins mehr kaum auffallen sollte. Dann hasteten wir zur Brücke. Die Idee den Wachen einen Krug Wein, versetzt mit einem Schlafmittel anzubieten, misslang allerdings. Zusätzlich wurden sie nun auch noch misstrauisch als ich erneut behauptete Kaminholz zur Burg der Llasthobars gebracht zu haben. Einer der Gardisten marschierte los um sich zu erkundigen. Er kam jedoch recht schnell zurück und brummelte was von Treibholz im Wasser.
Sehr helle schien dieser jedoch nicht zu sein, denn zu meinem Glück kam er nicht darauf den Zusammenhang zwischen meiner "Kaminholzlieferung" und dem Treibholz im Wasser zu sehen.
So liess man mich gehen und ich machte mich aus dem Staub.

Am nächsten Tag holte ich dann mein Pferd ab, schaute mir die Bescherung grinsend an und hielt auf dem Rückweg an der Brücke noch einen kleinen Plausch mit den Wachen dort, wo ich mich ordentlich empört über solch Heimtücke zeigte.
Zuletzt geändert von Nachtschatten am Donnerstag 23. Dezember 2010, 09:49, insgesamt 1-mal geändert.
Nachtwind

Beitrag von Nachtwind »

Nicht zufriedenstellend.
Ganz und gar nicht zufriedenstellend.
Der Betrieb war zwar zwischenzeitlich unterbrochen, aber es würde viel zu schnell gehen, bis sie das Problem aus dem Wasser gefischt hatten – zumindest, wenn die Leute sich beeilten und der Winter ihm nicht in die Hände spielte und die Eisstämme munter festgefrieren ließ. Bei fließendem Gewässer war das allerdings recht unwahrscheinlich. Das Höchste dieser Güte wäre wohl, dass die Stämme etwas aneinander pappten, aber gewiss nicht mehr.
Nicht zufriedenstellend.
Die Kleidung, die er getragen hatte, als er sich aus Berchgard davon gemacht hatte, waren mittlerweile nur noch Asche.

Verwende niemals die gleiche Tarnung zweimal, wenn dich wer gesehen hat.

Weiser Ratschlag, den er dem anderen nicht mit auf dem Weg gegeben hatte. Lernen durch Enttäuschung war manchmal vielleicht auch ganz wirksam.
Nun, er hatte ihn machen lassen. Vielleicht ein Fehler, aber immerhin zeigte es auf, wo der Kerl noch was zu lernen hatte. Ein paar Hinweise hatte er eingestreut, aber nicht wirklich sehr viele.

Wenn du willst, dass ein Schiff sinkt, dann bring es so zum Kentern, dass es gar keine Ausweichmöglichkeiten gibt, als dass es sinkt. Schließe alle Eventualitäten aus.

Soweit das möglich war.

Geschützt von den kahlen Bäumen, gekleidet in weiß grau und etwas schwarz hier und dort, besah er sich die schwimmenden und ineinander verkeilten Stämme. Das Frachtschiff war zu früh gewarnt worden. Keine Gefahr für den Kahn. Lästig war es bestimmt für die Leute die Stämme aus dem Fluss zu ziehen, aber lagerte man sie dann ein und ließ sie gut trocknen, würde Berchgard sich über eine Zulieferung an Feuerholz freuen können.
Wer war hier wohl der Beschenkte?

Amüsant hingegen waren seine Schwierigkeiten bei den Wachen gewesen. Dabei war es so leicht diesen Leuten etwas vorzugaukeln. Ein Gespräch, ein eiliger Termin, ein Unfall, die Schwester schwanger, gerade in Berchgard gab es doch so hübsche Möglichkeiten – wenn man informiert war.
Zuhören. Vielleicht der erste Ratschlag auf dem langen Weg alles richtig zu machen.

Lerne zuzuhören, zu behalten, was wichtig ist, wenn du es nicht kannst, notier es dir so, dass es keiner außer dir versteht.

Er selbst stand vor einem ganz anderen Problem. Wie brachte er dieses Desaster vor seiner Nase dem Auftraggeber bei? Vermutlich war das nicht mal nötig und der lungerte irgendwo herum. Das einzige, was blieb, war diesen verdammten Kontrakt auf andere Weise zu lösen und das möglichst zügig, aber mit genug Abstand zu diesem minderwertigen Teilerfolg, dass man keine Verbindung dazu herstellen konnte.
Schiffsarbeit. Na, wenn es sonst nichts ist. Er wollte schon immer mal zur See fahren.
Mit angewidertem Gesichtsausdruck wandte er sich ab und verschwand in den Sumpf, wo sich seine Spuren alsbald im Morast verloren.
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