Niowe – ein Leben Temora gewidmet

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Niowe Adela Aireth

Niowe – ein Leben Temora gewidmet

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

Wieso muss das Leben so schwierig sein? Es könnte doch alles so einfach sein, wenn …ja wenn Temora uns Menschen nicht die wundervolle Vielfalt unser Persönlichkeiten geschenkt hätte. So denkt jeder anders, fühlt anders und eigentlich ist das richtig so.

Lange kniete sie im regennassen Gras vor dem Teich, wo sie ihr stilles tägliches Gebet zu
Ihr, der ihr ganzes Herz gehörte, verrichtete. Ja, das ganze Herz. Früher war es anders gewesen, da stand ihre Liebe zu ihren beiden Brüdern und Vater an gleicher Stelle, wie jene zu Temora. Aber ihre Familie existierte nicht mehr. Es gab nur noch Temora.

Nach dem Gebet ließ sie den Tag Revue passieren. Die Backpfeife von dem Sir, der einfach nicht verstehen wollte, dass ihre Wunden geheilt waren äußerlich, aber die innerlichen nicht. Schuldgefühle plagten sie, jeden Tag aufs Neue und nur hier an diesem ruhigen Ort, ihrem Ort wo sie sich Temora ganz nahe fühlte, konnte sie Ruhe finden und vielleicht Vergebung, dass sie versagt hatte, all die unschuldigen Seelen zu retten.

Ja, richtig Ihr Verstand gab dem Sir recht! Es war nicht ihre Schuld gewesen. Sie war noch so unerfahren in dem Umgang mit ihrem Schwert und auch mit der Taktik einer, wie sagte er so schön „Schlachtenführung“. Ja und ja, das stimmte alles! Außerdem hatte sie derartiges noch nie erlebt, auch das war richtig, und aus den Erzählungen Vaters klang alles immer wie ein großes Abenteuer, man kämpfte und siegte. Die schrecklichen Dinge hatte er ausgelassen. Und genau das war der Punkt wo ihr Herz nun war. Bei den schrecklichen Dingen. Dem Leid, und den Hilferufen und dem Sterben, denen sie hilflos nichts entgegen setzen konnte. Das war ihr Versagen! Sie war nicht einmal mehr fähig gewesen damals vor den Opfern des Mordens niederzuknien und Temora anzuflehen ihre Seelen zu retten. Aber das verstand der Sir nicht und Tarnya auch nicht, die sich später dazu gesellte. Sie war ein herzensguter Mensch, aber ihr Herz war nicht von dieser Art von Liebe erfüllt wie das von Niowe. Und am gestrigen Tage zur späten Stunde, erkannte sie dies. Niowe strebte danach den Menschen die Liebe, die sie für Temora erfüllte, all ihren Freunden und den Menschen „ihrer Stadt“, so nannte sie nun heimlich Adoran, zu zeigen, damit sie auch ein Stück von diesem Licht der Hoffnung und tiefster Dunkelheit erkennen, und in schlimmen Zeiten sich daran erinnern. Das war Niowes Streben. Diesen guten, liebeswerten Menschen zu dienen und ihre Not ein wenig, soweit es in ihrer Macht stand, beizustehen und sie zu erleichtern. Kein Streben nach Macht, Ruhm oder Ehre. Ein Streben und ein Bemühen sich für diese Aufgabe einzusetzen mit ihrem ganzen Willen, der Liebe zu Temora und dem Eid, den sie geleistet hat und der ihr heilig war.
Sie war ein Mensch, der nachdachte, sich Sorgen machte und ständig versuchte anderen zu helfen. Und ja, sie würde Befehle der Vorgesetzten ausführen, unbedingt und im Vertrauen darauf, dass jene zum Wohle all dieser Menschen dienten, die an das Licht glauben.

Befehle, sind da, um sie auszuführen, Niowe! Sie dienen der Ordnung und dem Zusammenhalt und dem einzigen Streben Hoffnung und Vertrauen in diese Welt zu bringen, die von Dunkelheit überschattet wird. Nur so können wir bestehen. Wenn du selber einmal eine Streiterin des Lichts sein wird, dann wirst du mich verstehen und hoffentlich niemals das vergessen.
Aufmerksam hatte sie damals ihrem Vater zu gehört, zu jung noch um zu begreifen, was er damit meinte, aber nun, heute nach dem Disput in der Taverne, verstand sie ihn, und sie begriff auch wie wichtig es war dies zu befolgen, ohne wenn und aber. Das war ihre Pflicht!
Dass Tarnya das nicht so sah, und sie als „nicht-denkender-Mensch“ bezeichnete, störte sie nicht, im Herzen wusste sie, dass sie und Vater richtig lagen. Auch würde das nie einen Keil zwischen sie und Tarnya treiben, sie dachte eben sehr anders, das war ihre Sache, ihre Verantwortung. Niowe wusste, dass sie ihren Weg, den für sie einzig richtigen gehen musste, bis zum Ende und das unbeirrbar. Das hatte ihr der gestrige Abend zu dem sich noch Ihre Erlaucht gesellte, deutlich gezeigt. Wie Balsam hatten sich die Worte der Gräfin auf ihre Seele gelegt, ja sie dachte so wie sie, was Niowe mit Verwunderung und Bewunderung aufnahm. Sie hatte die Gräfin noch nie so „in Fahrt“ erlebt. Und das mit dem „gräflichen Drachen“ stimmte absolut nicht, aber sie hatte versprochen, diese andere Seite der Gräfin mit keinem Wort zu erwähnen, daran hielt sie sich. Sollten die anderen so denken, Niowe wusste, dass es anders war, viel anders.

Nachdenklich kniete sie noch eine Weile da, sah der Blume nach, die sie nun täglich zum Andenken der verlorenen Seelen, dem See übergab. Es machte sie glücklich, warum, auch das würde keiner Verstehen, schon gar nicht der „Backpfeifen Sir“. Leicht musste sie schmunzeln, wenn sie daran dachte. Auch wenn es nicht gerade die feine Art war, dies einer Dame anzutun, dennoch er war liebenswert, offen und ehrlich und darauf kam es Niowe schließlich an.

Nur ein Gedanke, nein zwei quälten sie noch. Würde der Herr, dessen Liebesantrag sie nicht begriffen hatte, weil sie eben von Liebe zu Temora und all den anderen Menschen erfüllt war, vergessen? Ihr weiterhin wie bisher ungezwungen und offen gegenüber treten? Ausreiten? Reden und Freude an wunderschönen Plätzen dieses Landes empfinden, die er ihr gezeigt hatte? Würde alles beim alten bleiben?

Nichts bleibt wie bisher! Dinge verändern sich und auch du Niowe. Kannst du es denn so einfach überspielen, vergessen? Wird da nicht immer der Hauch von Scham und ja auch Schuldgefühl, weil du nicht so empfindest, es nicht kannst, weil für dich eben deine Liebe zu Temora das wichtigste im Leben ist, diese Unschuld ihm gegenüber bewahren, wie bisher?
Tief atmete sie auf. Wieso muss alles immer so kompliziert sein?
Weil du dir im Gegensatz zu vielen anderen, vielleicht Gedanken über die Menschen machst?
Sie schätzt und auf deine reine, unschuldige Art liebst? Weil sie genau das vielleicht nicht begreifen können, dass jemand so sein kann?
Darauf gab es keine Antwort, das war ihr bewusst. Bewusst war ihr auch, dass sie so sein musste, wie sie es eben war, weil ihr das ihr Herz sagte.

Und das zweite, was sie noch beschäftigte war, wo in aller Welt und vor allem wie, lerne ich rasch schwimmen. Bevor mich der Sir vielleicht wenn ich etwas äußere, was er nicht verstehen kann, in seiner Herzensgüte anstelle einer Backpfeife vielleicht dann gleich in den Teich wirft. Ein beunruhigender Gedanke. Aber sie würde eine Lösung finden!
Man hatte ihr doch angeraten Frösche zu beobachte. Gut, das würde sie gleich morgen in Angriff nehmen. Sie beobachten und lernen und dann schwimmen so Temora es will.
Ein wenig beruhigt erhob sie sich. Schüttelte das feuchte Haar zurück und machte sich auf ihre Zimmer aufzusuchen.
Niowe Adela Aireth

Banditen und andere Gestalten des Nachts im Wald

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

Sie hatte doch glatt zwei Ritter als Banditen bezeichnet!
Noch Stunden später erschauerte sie bei dem Gedanken. Wobei, was anderes hätte sie denken und aussprechen können da im dunklen Wald des Nachts, mit dem vermaledeiten Helm, der auch noch die Eigenschaft hatte ständig ein wenig über das schmale Gesicht zu rutschen. Sicherlich er war ein Geschenk gewesen und ja, sie hatte es verabsäumt ihn bei einem der Schmiede ihres Vertrauens anpassen zu lassen. Dazu noch kam, dass gerade in diesem Waldstück Banditen aufgelauert hatten, uns sie und ihre Begleitung ihnen die Waffen abgenommen hatten, worauf jene dann sogleich die Flucht ergriffen hatten.

Tja, und dann stand da dieser Reiter. An dem Geräusch erkannte sie sogleich dass er sein Schwert gezogen hatte. Wie gut kannte sie es nun, diese Surren, wenn die Klinge, fast könnte man befreit, aufatmet und Laut gibt, wenn sie aus der Scheide gezogen wird.
Nein, sie würde nicht weichen, bei Temora nicht, der erste Gedanke, der ihr kam.
Zweitens, abwarten. Lass ihn kommen, fast vermeinte sie die Stimme des Sirs zu vernehmen.
Gut, wir lassen ihn kommen. Er soll zuerst angreifen!
Aufmerksam versuchte sie da in der Dunkelheit jegliche Merkmale eines Angriffs zu vernehmen und zu erkennen, und dann richtig zu agieren.

Bei Temora, Banditen weicht! rief sie der Gestalt auf dem Pferd zu. Dann erst sah sie die zweite Gestalt auch zu Pferd. Vernahm eine Stimme, wohl eine ängstliche hinter einem Baum.

Also drei! Das wird nun schwieriger. Aber zu zweit sollten wir den Angriff schaffen.Schweigen folgte dann! Minuten, die ihr wie Stunden vorkamen.
Er will dich einschüchtern, in Unsicherheit wiegen. Ich weiche nicht!
Mit kontrollierter Ruhe, die sie dank ihrer Rundgänge als Rekrutin durch Adoran erlernt hatte, warte sie ab, was immer da kommen würde. Wir weichen nicht!
Denn die Stimme. Er hatte doch tatsächlich Temora erwähnt und sie, Niowe, gerade als Bandit bezeichnet!
Sprachlos ob der Dreistigkeit blieb ihr zuerst die Luft weg, dann fiel ihr sogleich ein, dass der Reiter den Namen der Einen ausgesprochen hatte.

Nein, kein Bandit würde ihren Namen aussprechen!

Sogleich nahm sie den Helm ab, senkte die Schwertspitze gen Boden, ihm damit ein Zeichen setzend, dass sie ihn nicht bedroht. Dann kam sie langsam näher und hoffte inständig, dass die beiden Reiter nun dies erkennen würden. Sie taten es! In dem Wirrwarr der Verwicklungen dann stellte sich heraus sie hatte zwei Ritter vor sich und die Priesterin Temoras, die ihr bekannt war, welche dann hinter dem Baum hervortrat.

Temora vergib mir, dass ich zwei deiner Streiter als Banditen bezeichnet habe, dachte sie als jene sich ihr vorstellten und beugte demütig ihr Knie vor den beiden, während sie angemessen, höflich, wie es jenen Herrschaften zusteht, ihr Haupt neigt. Was da mitten im Wald und mit der schweren Rüstung nicht gerade bequem war, aber sie war es jener Höflichkeit, die ihnen zustand, schuldig.

Manieren und Höflichkeit! Unwillkürlich dachte sie an die Worte der Erlaucht, zeichnen ein Mitglied des Regiments aus.
Wäre die Situation hier in der Nacht im Dunklen des Waldes nicht so prekär gewesen, sie hätte geschmunzelt. Tat es aber nicht!

Nach aufklärenden Worten, wohl tat die Priesterin auch etwas dazu, indem sie nun Niowe erkannt hatte, gab sie das Versprechen ab, dieses Waldstück regelmäßig zu kontrollieren, damit die vertriebenen Banditen nicht erneut Unschuldige auf dem Weg in die Stadt überfallen können.
Kurz und bündig, wie sie es in der kurzen Zeit ihres Dienstes im Regiment gelernt hatte, sprach sie das „Jawohl“ aus. Danach durfte sie sich auf Geheiß der Ritter erheben. Weiterhin verharrte sie nun aufrecht stramm mit gesenkter Schwertspitze gen Waldboden und geneigtem Haupt, bis jene weitergezogen waren.
Dann atmet sie auf!
Es war gut verlaufen. Sie hatte ruhig agiert, abgewartet. Auch wenn ihr Herz noch eine Weile klopfte bis hin zu dem Schrein der Gerechtigkeit, sie war glücklich, dass sie mit Hilfe Temoras richtig reagiert hatte.
Voller Demut berührte sie vor dem Schrein kniend mit der Stirn die kalte Oberfläche.
Gerechtigkeit!
Verleih sie mir Temora! Hilf mir dabei jeden Tag aufs Neue sie mir vor Augen zu führen, sie in deinem Sinne dann walten zu lassen.
Nach einer Weile erhob sie sich dann, um den Weg zu dem täglichen Training mit ihrer Begleitung fortzusetzen.
Niowe Adela Aireth

Was willst du mir damit sagen, Temora?

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

Die Frage beschäftigte sie ständig. Immer wieder. Jeden Tag.
Vor allem an Tagen wie den gestrigen.


Wie immer hatte sie ihren Rundgang durch die Straßen Adorans begonnen. Die schwere Hellebarde so, wie man es ihr gezeigt hat gen die Schulter abstützend gedrückt mit dem scharfen Blatt gen Rücken Richtung Boden. Also schien ruhig. Die Frachtpapiere gleichfalls.
Zur Sicherheit hatte sie noch mit den wachhabenden Gardisten die Schiffe am Hafen kontrolliert und die Ladung mit jenen in den Papieren verglichen. Alles bestens.

Noch!

Dann kam es. Gerade als sie die Tür zu der Taverne geöffnet hatte, eben Herr Warenhar begrüßte und fragen wollte, ob alles in Ordnung wäre. Hörte sie laute Stimmen. Vor allem die des Gardisten Tinen. Erstaunt ihn nach so langer Zeit zu Gesicht zu bekommen, führte sie den ordnungsgemäßen Gruß und Salut aus. Ja, eigentlich hatte sie ihn damals, gerade frisch war sie als Rekrutin aufgenommen worden, nach den Vorfall in Adoran gesehen, als ihr ein Rabendiener das Messer an die Kehle gesetzt hatte, und sie drohte durchzuschneiden, wenn man ihm nicht den Wohnort von dem Herrn Narus bekannt gebe. Damals hatte Gardist Tinen alles aufgenommen. Jetzt stand er wie eine Furie, nun ja ein wenig übertrieben aber in etwa so kam es ihr vor, in der Taverne und sprach in einem Ton mit den Leuten, einer davon ein treuer Diener Temoras, der jener Uniform, die er trug, unwürdig war.
Dazu konnte sie nicht schweigen. Ja, und es war vollkommen falsch gewesen es hier in der Taverne zu tun, auch wenn sie es der Wahrheit schuldig war.
Ja, sie hatte das Wort ruhig und höflich erhoben, umso mehr musste sie es tun, als man sie gelehrt hatte, Höflichkeit und Manieren stets beizubehalten vor allem in der Rüstung des Regiments. Das war sie dem, was sie verkörperte, schuldig. Aufrechte Dienerin Temoras mit einer korrekten höflichen Haltung gegenüber den Menschen, die sich hier in dieser Stadt aufhalten.

Nun, es kam, wie sie es bereits innerlich erwartet hatte.
Apell in der Kommandantur des Regiments. Mit alles was man sich so als Rekrutin wünschen konnte.
Kontrolle der ordnungsgemäßen Kleidung. Ja, darauf achtete sie penibel. Jeden Abend nach dem Dienst reinigte sie ihre Rüstung, jeder auch so kleinster Fleck wurde mit dem Mittel, welches ihr der Schmied ihres Vertrauens empfohlen hatte, mit einem weichen Tüchlein entfernt. Dann Schlussendlich alles poliert, bis es glänzte und strahlte, wie das Licht Temoras in ihrem Herzen. Während er so prüfend, fast hatte sie das Gefühl wutschnaubend, um sie herum ging und sie in korrekter, aufrechter und strammer Haltung da stand, war ihr bewusst, dass er etwas suchte. Und fand!

Die Ohrringe!
Sie vergaß sie. Ja das stimmte. Sie waren das letzte an das sie dachte, weil sie so winzig klein waren und Niowe keinen Spiegel besaß, der ihr jene in Erinnerung gerufen hätte. Was nicht korrekt war.

Wenn ich Euch noch einmal mit diesen Ohrringen sehe Rekrut, dann schrubbt ihr das gesamte Regimentsgebäude!
Puh! Das gesamte Gebäude? Das war heftig, dachte sie, aber durchaus angemessen des Vergehens Ohrringe im Dienst zu tragen. Gardist Tinen hatte vollkommen Recht und in ihrem Falle durchaus korrekt gehandelt. Was sie nun verwunderte, eigentlich hätte er sie sogleich dazu verdonnern können, und sie hätte es auch ohne Murren ihrer schuld bewusst, getan.
Tat er aber nicht! Dafür war sie im dankbar sogar als er nach Ihrem Abtreten, als sie ihm den Rücken zuwandte, leise dennoch für sie hörbar, was wohl in seiner Absicht lag, sprach:„Dich werde ich auch noch brechen!“
Nein, wirst du nicht, dachte sie in jenem Moment, was sie aber nicht aussprach.
Temora gibt mir Kraft und stärkt mit ihrem Licht meinen Willen! Keiner wird mich je brechen!
Nach diesem Gedanken reinigte sie die Uniform wie immer, um dann den abendlichen Kirchengang zu frönen. Zu Ihr zu beten und dann alles, was sie so erlebt hatte, ihr mitzuteilen. Das tat sie jeden Abend. Es befreite sie, half ihr Dinge zu verstehen, sogar den Gardist Tinen, der wohl hinter seiner rauen Schale, ein weiches Herz hatte, das hatte Temora ihr gezeigt und dafür war sie dankbar. Zutiefst dankbar, ob dieser Erkenntnis, die keiner je erfahren würde.
Das für Niowe wichtigste dabei war, was sie kniend vor dem Altar in der Kirche erkannt hatte, sie würde ihn achten und weiterhin höflich und korrekt so wie es ihm und all den anderen Menschen in dieser Stadt zustand, behandeln. Erleichtert und befreit verließ sie den Ort der Ruhe und gnadenreichen Stille.

Was dann zu später Stunde sich noch ereignete, ließ ihre Ohren noch in ihrem Zimmer vor Scham brennen, ganz zu schweigen von den blassen Wangen, die ihre Röte nicht verlieren wollten.
Wie der Zufall es so wollte, trafen sie und Herr Eduard auf die Knappin Silberwind, welche in ihrer Güte sie in die Niederlassung des Ordens in Adoran, zu einem vorzüglichen Mahl einlud. Seit Wochen, eigentlich seit dem Festmahl bei Kunna zur Feier ihres Eintritts in das Regiments, hatte sie derartiges und vor allem in dieser Menge nicht gegessen. Meist tat es ein Stückchen Brot und einen Apfel, den sie noch mit ihrem Hengst teilte. Nicht weil sie nicht hungrig war, aber sie hatte kaum Zeit im Laufe des sich dem Hungergefühl zu stellen, geschweige denn etwas zu sich zu nehmen. Jedenfalls war das Mahl reichlich und wunderbar. Den Birnenkuchen musste sie noch einstecken, so satt war sie.

Nach dem Mahl durften sie noch in den Büchern des Ordens blättern. Wieso musste sie gerade jenes berühren, was ihr neu war. Die Gesetze der Liebe von einem Klosterbruder geschrieben.

Bei Temora, schon bei den ersten Sätzen, die in aller Deutlichkeit und sehr detailreich die Liebeshandlungen zwischen Mann und Frau und nicht nur diese beschrieben, blieb ihr die Luft weg, dann brannten die Wangen und eine nie zuvor da gewesene Verwirrtheit, gemischt mit Scham und Verunsicherung bemächtigte sich ihrer.

Dann sollten sie noch über das Buch sprechen, was Niowes Kräfte uberstieg.
Wie kann man so etwas niederschreiben?, dachte sie.
Alles was da stand hatte sie noch nie zuvor vernommen, weder ihre Brüder noch Vater hatten je auch nur das kleinste Wort über jene schrecklichen Dinge, die da schwarz auf weiß in dem Buch standen, geäußert. Ja, einmal hatte sie einen Hengst, der eine Stute beritten hatte, gesehen. Fragen gestellt. Micheil, ihr ältester Bruder hatte nur gegrinst und gezwinkert, Vater hatte sie nur schweigend angesehen, danach hatte sie nie mehr gefragt und die Gedanken daran verdrängt. Und eigentlich sehr gut verdrängt bis nun, wo sie die Worte gelesen hatte.

Rasch spritzte sie das kalte Wasser in der Waschschüssel auf die brennenden Wangen.
Das tat gut! Danach legte sie sich erschöpft und müde von dem Tag auf ihr Bett und versuchte bis der gnädige Schlaf sie übermannte, die Worte aus dem Buch zu verdrängen.
Niowe Adela Aireth

Wenn Temora dein Haar berührt……

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

Dann solltest du eigentlich nicht schluchzend in deinem Zimmer sitzen und den Kräutertee noch mit deinen Tränen verwässern, dachte sie.
Aber das tat sie nun. Erstens weil sie noch nie in ihrem Leben eine so sanfte, liebevolle Berührung erlebt hatte, die noch dazu so glücklich machen konnte.
Ja, sicher Micheil hatte auch ihr Haar berührt, aber meistens um ihr neckisch eine zarte Kopfnuss zu verabreichen, oder spielerisch ihr Haar zerzauste, nach einem Ordnungsruf in Vaters Arbeitszimmer. Eine Geste, die ihr sagte, nicht so schlimm, Kleines, Vater ist auch nur ein Mensch, und er meint es eigentlich nicht so wie er es in seinen Worten ausdrückt.
Vater tat es nie und der zweitälteste Bruder schon gar nicht, er verhielt sich meist sehr distanziert ihr gegenüber. Vielleicht lag es dran, dass er mehr die Art von Vater hatte und sie und Micheil eher die der verstorbenen Mutter. Sie würde es nun leider nicht mehr herausfinden können.

Nach einem ziemlich erfüllten Tag von Pflichten und hartem Training, kam das was Niowe am meisten liebte. Das abendliche Gebet in der Kirche.
Wie immer kniete sie vor dem Altar nieder, neigte ihr Haupt und sprach leise das Abendgebet.
Kam hatte sie geendet, da leuchtete das Licht der beiden Flammen vor dem Altar heller, strahlte und der in weißem Marmor gehaltene Altar strahlte förmlich wie das Licht der Morgensonne, die mit ihren Strahlen die Erde küsst und alles Leben aufweckt.
Verwirrt kniete sie da und wusste nicht so recht, ob sie sich das nun eingebildet hatte oder gar träumte. Dennoch konnte sie voller Staunen nicht den Blick von dem Altar abwenden, so
unsagbar schön war der Anblick. Auch das dahinter liegende Große Mosaikfenster funkelte in betörend in allen Farben.
Rasch schloss sie ihre Augen und sie öffnete sie sogleich, nein das Licht war noch immer wesentlich heller, als sie es je zuvor.
Verträumt und glücklich wie nie zuvor ruhte ihr Blick weiterhin auf den Flammen, als
sanft wie die Hand einer Mutter nur ihr Kind streicheln kann, etwas ihr Haar berührte. In diesem Augenblick der Berührung fühlte sie Mut, Liebe, Hoffnung und Glück zugleich. Tief in ihrem Herzen wusste sie sogleich, dass es Temora gewesen sein musste.
Aber wie Menschen so sind, sie zweifeln, trauen ihren Gefühlen oft nicht. So auch Niowe.
Rasch blickte sie sich um.
Nein da war keiner!
Oder es zieht hier einfach, murmelte sie leise.
Was ihr aber im gleichen Augenblick sonderbar vorkam, denn hier hat es noch nie gezogen. Kein Windhauch hatte je über ihr Haar hier vor dem Altar gestrichen, schon gar nicht auf diese Art und Weise. Außerdem flackerten die Kerzen nicht.

Was bedeutet…..
Demütig neigt sie Ihr Haupt vor dem Altar und lautlos formten ihre Lippen für Temora einen schlichten Dank der von Herzen kam.
Überwältig von dem was ihr hier widerfahren war, erhob sie sich um sich dann wie gewohnt noch in den kleinen Garten der Kirche zu setzen. Dem leisen Plätschern des Wasserfalls zu lauschen und die Pracht der Blumen zu genießen und ihren Duft einzuatmen.
Plötzlich fühlte sie wie Blätter von dem Baum auf ihr Haar herabfielen.
Betrübt blickte sie zu dem Baum auf, denn dies war deutlich ein Zeichen dafür, dass bald die kalte Jahreszeit nahen würde. Aber keine Blätter lagen unter seinem mächtigen stamm.
Nur jene die auf ihrem Haar gelandet waren und sich nun, wie von einer unsichtbaren Hand
geleitet, zu einem Kranz auf dem schwarzen Haar formten. Noch ehe sie diesen Kranz berühren konnte, wirbelte ein Windstoß die Blätter auf und wie im Reigen sich wiegend, tanzten sie im Licht der Laternen davon. Noch lange gebannt von dem Schauspiel blickt sie verträumt auf die Blumen, deren Duft nun stärker und berauschender war als je zuvor.

Tief berührt von diesen Erlebnissen und glücklich wie nie zuvor, brach sie dann zu ihrem Zimmer in der Herberge auf. Was sie sonst nie tat, und den Wirt der Herberge ein wenig verwirrte, sie nahm ihre Tasse mit Kräutertee mit auf ihr Zimmer.
Nein, sie konnte heute mit keinem sprechen. Auch würde dies keiner verstehen, konnte sie es doch kaum begreifen, wieso es gerade ihr passiert war.
Während sie nun vor Glück schluchzend da in ihrem Zimmer vor der dampfenden Teetasse saß, wusste sie das würde Temoras und ihr Geheimnis bleiben.
Keiner sollte es je erfahren!
Und diese Tatsache erfüllte sie so sehr mit Glück, dass sie nach einer Weile noch mit tränennassen Wangen aber dem strahlensten Lächeln dieser Welt da einfach mit den Armen auf den Tisch, worauf der Kopf lag, einschlief.
Niowe Adela Aireth

Ein Fest und Bilder einer Warnung

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

Wie schön war das Fest Kunna zu Ehren gewesen. Alles war perfekt. Also sie in Kunnas Augen blickt, wusste sie dass jene das nie vergessen würde.
Lange hat es gedauert. Viel zu lange und im Morgengrauen musste sie noch packen. Sich vorbereiten für das Treffen. Ein Treffen mit einem ungewissen Ausgang, doch sie würde nicht weichen. Bei Temora, das würde sie niemals tun! Nachdenklich legt sie eine Decke über LuceDiEsperanzas breiten Rücken. Die Nächte wurden ein wenig kälter bereits. Dann ging sie auf ihr Zimmer und überprüfte die Satteltaschen, die bereits gepackt waren. Alles da. Proviant, Wasserschläuche und noch einiges mehr.
Nach einem innigen und langen Gebet zu Temora legte sie sich nieder. Noch einige Stunden Schlaf. Mit klarem Kopf würde sie an die Sache herangehen.
Vielleicht war es eine Falle, vielleicht auch nicht. Und wenn doch?
Erneut dachte sie an den Tag vor dem Fest.

Zum ersten Mal war sie in Lameriast gewesen.
Eine raue Insel voller Widersprüche, prächtige Wälder, kleine romantische Teiche und dann wilde Bestien, die jeglicher Beschreibung trotzen. In Ihrem jungen Leben hatte sie dergleichen noch nie gesehen. In ihren Gedanken ging sie die Erlebnisse des Tages im Garten der Kirche zu Adoran nach dem abendlichen Gebet zu Temora nochmals durch.
Eindrucksvoll waren sie und auch gefährlich.

Unwillkürlich riss dann eine Katze ihre Aufmerksamkeit von den Träumereien.
Süß war sie, streifte um ihre Beine, sodass man nicht umhin konnte sie zu streicheln. Dann
jagte sie, wie es eben Katzen tun einem Blatt im Wind nach und dann gelangweilt von diesem Spielzeug ging sie auf ihren Samtpfoten suchend im Garten nach dem nächsten Spielzeug ihrer Begierde umher, als dieser streunende Hund, den sie oft hier gesehen hatte, plötzlich auftauchte und der Katze nachjagte.
Im gleichen Augenblick formten sich Bilder in ihrem Kopf. Bilder, die sie als Gejagte zeigten, als Beute für...ja für wen?
Darüber noch immer grübelnd, lag sie lange wach im Bett. Wenn diese Bilder in ihrem Kopf bewusst und von einer höheren Macht gelenkt worden waren, dann stammten sie sicher von
Temora. Eine Warnung waren sie wohl.
Sie wurde gejagt, aber von wem? Wessen Beute war sie? Rabendiener?
Rahalaner? Oder alle zusammen?

Gut, wenn dem so war, müsste sie handeln. Aber wie? Wenn sich Gejagte vereinen waren sie stark im Licht. Also musste sie Verbündete finden. Und genau in dem Augenblick fiel ihr ein
Gejagter ein, und sie musste unwillkürlich lächeln.
Zwei, ein guter Anfang.
Sie würde noch weitere suchen und finden und vereint im Kampf sich niemals der Dunkelheit beugen, mit diesem Gedanken war sie an dem Abend beruhigt nach einem innigen Dank zu Temora eingeschlafen.

Komme was wolle,ich muß das tun, was ich tun muß! Unbeirrbar dem Weg im Sinne Temoras folgen. Und genau das, stärkte sie.
Zuletzt geändert von Niowe Adela Aireth am Samstag 18. September 2010, 02:34, insgesamt 1-mal geändert.
Niowe Adela Aireth

[i]Tränen im Sand[/i]

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

Wenn es dir einmal richtig schlecht geht, und ich nicht da sein sollte,
Adela, dann denke an das.

Sanft hob Micheil, das kleine zarte Ding, auf die Steinmauer und hielt sie dort fest. Von dort aus konnte man die weißen Seen sehen, die so von der Bevölkerung ihren Namen erhalten hatten, weil sie im Sonnenlicht silbrig-weiß aus der Ferne schimmerten.
Nur zu gut erinnerte sich sie heute da am Strand an jenen Augenblick, und wie schnell damals die Tränen getrocknet waren, weil sie sich an dem Anblick nicht satt sehen konnte. Wie glücklich sie war, dass ihr ältester Bruderdas ihr gezeigt hatte.

Er war nun nicht da, die Seen ihrer Heimat auch nicht, was blieb war das Meer. Also saß sie schluchzend im Sand und blickte auf die nun fast schwarzen Wellen in der Nacht. Nur ab und zu spiegelte sich das Mondlicht auf einer Welle, die dann auch fast silbrig schimmerte. Während ihr die Tränen weiterhin über die Wangen rollten, eingekuschelt in die Decke vom Heilerhaus, dachte sie an jenen kostbaren Augenblick ihrer Kindheit und an ihren innigst geliebten Bruder. Was zur Folge hatte, dass sie noch heftiger zu schluchzen begann. In der Annahme sie wäre allein in dieser nächtlichen Stunde hier, ließ sie ihren Gefühlen freien Lauf. Etwas, was sie untertags und im Dienst unterdrückte. Weil, es einfach unpassend war, sowohl im Dienst, auch anderen gegenüber. Gefühle machten verwundbar, und viele benutzen sie als Mittel zum Zweck, um von ihren eigenen Ängsten, Nöten und auch Schwierigkeiten abzulenken. Wie Raben stürzen sie sich auf diesen Menschen und verletzen, und denken, das würde ihnen helfen, ihr eigenes Leben in den Griff zu bekommen. Sie hatte auf ihren Rundgängen so einiges erlebt und anhören müssen. Besser man blieb nach außen hin korrekt und unantastbar. Ihre Gefühle vertraute sie nur Temora an und ihre Tränen dem Meer.

Unwillkürlich zuckte sie zusammen als sie den Schatten neben sich sah.
Erkannte an er Stimme wer es war und als dann das fahle Mondlicht auf seine Züge fiel, wusste sie es mit Gewissheit.

Was suchte er da? Vor allem um dieser Zeit, wo die braven Bürger Adorans bereits schliefen?
Wieso gerade jemand, den sie als verlässlichen Schmied aus Berchtgard kannte, und er sie auch?

Es war entsetzlich und peinlich zugleich, aber sie war nicht fähig das zu ändern und konnte es auch nicht. Also zog sie einfach die Decke über den Kopf, starrte aufs Meer und weinte weiter, so leise es eben möglich war. Nachdem sie zwischendurch immer wieder, zwischen den Intervallen des Tränenschwalls, gen ihn geäußert hatte, dass sie alleine sein wolle, nahm sie einfach zur Kenntnis, dass er nicht gehen würde.

Ruhig setzte er sich einfach neben sie an den Strand und begann Steine ins Wasser zu werfen, sodass Figuren und Kreise sich dort bildeten.
Er hörte nicht damit auf, als sie noch ein Stückchen mitsamt Decke weg von ihm rutschte. Nach einer Weile, begann sie die Figuren zu betrachten, sich drauf zu konzentrieren und der Kummer war wie weggeflogen.

Ein leises Danke, haucht sie ihm zu. Mehr war nicht nötig, denn sie spürte, dass er es verstand, wie es gemeint war.
Niowe Adela Aireth

Ein ganz besonderer Tag

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

Sie hatte sich richtig darauf gefreut. Endlich eine Schulung im Regimentsgebäude. Seit drei Monden hatte sie darauf gewartet, nun war es soweit. Es machte richtig Spaß zusammen mit den anderen die Fragen des Gardisten zu beantworten. Dinge, die einfach wichtig waren im Regiment durchzugehen und zu erarbeiten.
Luca war eigentlich wie immer, ein noch nicht gebackener Mann eben, manchmal zickig wie ein Mädchen, dann wieder erwachsen, sehr oft leider unhöflich und viel zu rasch mit Worten und Vermutungen, was andere anging. Sie hatte ihn heimlich unter der Kategorie „mit Vorsicht zu genießen" eingestuft.

Katuri war da weitaus souveräner in seiner Art, ein Mann eben und wie sie bereits wusste Leibwächter der Lady Darna. Am liebsten jedoch war ihr Jaques, der nicht nur durch seine außerordentlich Erfahrung ,Klugheit und Manieren, alles Eigenschaften, die sie besonders schätzte, sich hervortat, sondern auch an Temora tief glaubte. Was ihm noch einen besonderen Pluspunkt bei ihr einbrachte. Aber der war leider nicht da!

Jedenfalls die Schulung war ein Erfolg. Das danach weniger. Oberst von
Tannhoeh führte ein ernstes Gespräch über ihre Essgewohnheiten. Also eigentlich über jene, die kaum vorhanden waren. Da halfen keine Einwände, dass sie eben sparte, eben erst in eine neue Rüstung investiert hatte, die genau auf sie angepasst worden war. Also kein Verrutschen des Helms mehr, keine zu weiten Arm und Beinschützer. Und, das kam noch dazu, sie war eben nicht gerade billig gewesen, also musste sich eben bei
ihrem Essen sparen. Luce der Hengst wollte auch versorgt werden und der war eben wichtiger, weil er es ja nicht verstanden hätte, wenn einmal kein Heuballen da gewesen wäre oder der Apfel am Abend, den er immer bekam.
Sie musste nun täglich eine Ration bei sich tragen, und auch essen, denn die Drohung des Oberst wann immer es ihm beliebte sie zu kontrollieren, schwebte wie ein Damoklesschwert über ihren Kopf. Dazu kamen noch die Vorträge Tags zuvor im Heilerhaus von Lili und Anora und danach ein weiterer Vortrag des Sirs, sie alle hatten den gleichen Inhalt, bei Lili deutlich ausgesprochen, soll sie sich ab jetzt täglich zu Mittag melden und bei ihr Essen. Beim Sir mit einer Androhung sie übers Knie zu legen, und ja das würde er gewiss tun, wenn sie nicht täglich des abends mit ihm nun speisen würde.
Und nun auch noch der Oberst.
Das alles wurde ihr ein wenig zu viel. So gut der Tag mit der Schulung
begonnen hatte, so bedrückt war sie nun. Daher machte sie sich auf den Weg in die Kirche zu beten. Temora würde ihr Leid verstehen.

Nachdem sie wie immer Ihr Gebet demütig vor dem Altar kniend beendet hatte, sah sie es. Das Feuer in den Schalen erhellte sich, spendete ihr mehr Wärme da auf dem kalten Steinboden. Danach sah sie deutlich ein Flimmer, wie wenn die Sonne ihre Strahlen in die Kirche geschickt hätte, ein Flimmern und Leuchten, das sich verwandelte vor ihr und sich dann in einen Berg an Obstsorten und Naschereien verwandelte. Dann fühlte sie wie einmal bereits einen zarten Windhauch, der ihr diesmal über die blassen Wangen strich, und sie wusste Temora, schenkte ihr all die Gaben, die für mehrere Wochen nun reichen würden.
Voller Rührung und Demut verneigte sie sich nochmals vor dem Altar ehe sie die Essensgaben einsammelte und noch kurz im Garten benommen voller Glück und Dankbarkeit verweilte.

Temora wacht über ihre Kinder, die ohne wenn und aber Ihr vertrauen und an Sie glauben, das hat Micheil ihr einst gesagt und genau so war es auch!
Niowe Adela Aireth

Ein Gewaltmarsch und ein Artefakt als Belohnung

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

Obwohl sie zum Umwerfen müde war, konnte sie dennoch nicht den Blick von dem Artefakt abwenden. Etwas Derartiges hatte sie noch nie in ihrem jungen Leben erhalten. Auch wenn ihre Freude unbeschreiblich groß war, dass man es ihr gereicht hatte, so bedrückte sie dennoch die Schuld es nicht verdient zu haben. Nicht sie! Am allerwenigsten sie! Nachdem sie diesmal auf ihrem Zimmer, ob der Müdigkeit, ihr Gebet verrichtet hatte und Temora jenen Zweifel dann in Gedanken zugetragen hatte, wurde ihr ein wenig leichter ums Herz.

Hätte sie gewusst, was auf sie so alles an diesem Abend zukommt, sie hätte, nein danke höflich gesagt. Aber sie wusste es nicht und das war gut so, denn sie hätte es sicherlich bereut, wäre der Abend anders gelaufen!
Eigentlich begann er harmlos. Herrn Jaques, den sie zufällig vor der Kutsche traf, lud sie ein mit ihm zu trainieren. Was hervorragend war, denn sie vertraute seinen Fähigkeiten und vor allem dem, dass er Temora wie sie es tat, treu und aufrichtig diente.
Voller Freude sagte sie also zu. Noch wusste sie nicht was ihr bevorstand. Die Kutschenfahrt nach Berchtgard war wie immer für Niowe aufregend. Danach wurde es schmerzlich, denn mit Entsetzen musste sie bei dem Gehöft, welches genau vor der ADL stand, den jämmerlichen Zustand edler Pferde mit ansehen. Seit ihrem fünften Lebensjahr, als Vater ihr damals ein Pony schenkte und Micheil ihren Bruder beauftragte, ihr das Reiten nahe zu bringen, galt ihre Leidenschaft den Pferden. Sie liebte und schätzte diese Tiere, und da vor dem Gehöft, schmerzte es sie, wie man mit ihnen umging.
Dieser Schmerz sollte schnell von einem anderen abgelöst werden. In schwerer Rüstung „verurteilte“ sie Jaques zu einem Fußmarsch, der seinesgleichen noch nie gesehen hatte. Quer durch das Land über Stock und Stein, Wiesen, Wälder und was sonst noch am Weg lag. Niowe spürte jeden Knochen in ihrem Leib und sie hatte bei Temora nicht gewusst, dass es so viele geben konnte, die schmerzen konnten.
Insgeheim fluchte sie unterwegs sogar, bat aber Temora im gleichen Atemzug dann um Vergebung.

Als Jaques dann noch die Behauptung aufstellte, das wäre ein gutes Training, besser als zu Pferd, konnte sie nicht umhin, ihm klar und deutlich zu erklären, was ein Training zu Pferde bedeutet. Dass es bei weitem mindestens genauso schwierig, wenn nicht sogar schwieriger und anstrengender war für den Reiter, wenn, ja wenn man es ernst nähme und Ahnung davon besäße. Das letztere hat sie wohlweislich verschwiegen, da sie Herrn Jaques nicht verärgern wollte.

Nein, das wollte sie wirklich nicht, denn er war ein guter, aufrechter und ehrenvoller Streiter Temoras!
Als sie dann in dieser weitläufigen Höhle schlussendlich vor dem Drachen stand, war jeglicher Schmerz der Strapazen vergessen. Voller Staunen betrachtete sie das Wesen, was sie noch nie in ihrem jungen Leben gesehen hatte. Auch wenn sie ein wenig skeptisch gegenüber dem Erzmagier, so hatte es ihr Jaques zugehaucht, war, der sich in ihren Augen so leichtfertig in eine dunkle Kreatur verwandelte. Was auf großes Unverständnis bei Niowe stieß. Was, wenn er ein Magier des Lichts, von der Dunkelheit, erfasst wurde, und diese dann nicht mehr beherrschen konnte? Sicherheitshalber behielt sie ihn im Auge. Im Notfall bereit, sollte er sich, was sie bei der Lichtbringerin nicht hoffte, in einen Untoten Magier wandeln, ihm das rasch austreiben. Was er zum Glück nicht tat, und sie nun von Ihrer Erlaucht überreicht dieses wunderbare Artefakt in Händen hielt, nach einem aufregendem Abend, der fast ihr Kräfte überstiegen hatte, den sie aber um nichts auf der Welt hätte missen wollen!

Bevor ihr die Augen zufielen, dankte sie nochmals Temora, dass sie jenes, was ihr unvergesslich bleiben würde, erleben durfte.
Niowe Adela Aireth

Gedanken der Nacht

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

Während sie mitten in Adoran den Ziegenbock anschob, naja versucht es zu tun. Das Tier war schrecklich bockig und bei dem Schritt, den sie ihn unter Aufbietung ihrer Kräfte nach vorne schob, machte er zwei Schritte zurück und schob Niowe. Ein ständiges Hin und her war es und sie war heilfroh, dass dabei niemand zusah. Es war reif für eine Gauklerposse. Aber wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann machte sie es auch.
Wie jetzt und hier mit dem Tier, das nun auch mitten in der Nacht zu meckern an fing was das Zeug hält.
Ich will dich doch nur in den Stall schieben, dummer Bock! Hier auf der steinigen Straße hast du nichts verloren, und obendrein ist es auch nicht gut für dich. Im Stall bist du gut aufgehoben. Was man von der Durchzugsstraße Andorans nicht gerade behaupten kann.
Nach diesen Worten gab sie ihm ein kräftigen Stubbs, der damit endetet, dass sie auf dem Rücken des Bocks landete, weil dieser genau in diesem Augenblick einfach steif nur da stand. Dann zu ihr halb auf seinem Rücken und meckerte. So geht das nicht. Entschlossen begann sie dann an den Hörnen zu ziehen, was sie ziemlich rasch aufgab, weil erstens ihr das Tier leid tat, zweitens es gefährlich provokant die Hörner senkte und drittens sie und er einen Schritt weiterkamen.
Prächtig! Eigentlich wollte ich schlafen gehen! Ganz Adoran tut es bereits!
In diesem Augenblick der Verzweiflung bewegte sich der Ziegenbock und trabte seelenruhig in seinen Stall. Kopfschüttelnd begab sie sich auf ihr Zimmer und warf sich auf das Bett.
Die Stiefel wurde in eine Ecke geschleudert, was sie immer tat, wenn sie alleine war, eine Art von Protest war es, und es tat einfach gut, in dem kleinen Zimmer, ihren Gefühlen und Emotionen einfach nachzugeben.

So viel Zeit war vergangen. Beinahe fast vier Monde nun war ein Teil des
Hohenfelser Regiments, gehörte zu ihnen und vertraute ihnen.
Dennoch wusste nie woran sie war und zog sich hinter der höflichen korrekten Wand der Unnahbarkeit zurück. So konnte sie nichts falsch machen.

Nicht einmal nach jener Hinrichtung in ihrer Heimat, wo sie auf Befehl ihres Vaters vor dem Richtblock stehen musste, machte sie etwas falsch. Damals halfen nicht einmal die Einwände ihres Bruders sie davor zu bewahren.

Sie ist noch zu jung, wieso willst du das nicht verstehen, hörte sie ihm zu Vater im Arbeitszimmer sagen.
Sie muss, nur so lernt sie was ein Krieger täglich ansehen muss.
Aber nicht jetzt, ich bitte dich Vater. Später ja, gib ihr Zeit.

Er gab ihr keine Zeit. Vielleicht weil er schon damals ahnte, dass sie alleine bestehen musste hier in Adoran, weit weg von ihrer Heimat.
Als sie das entsetzliche Geräusch der brechenden Knochen unter dem Hieb der Axt vernahm, der Schwall von Blut, als der Kopf ab war, sich über ihre Kleidung ergoss, da wurde ihr schwarz vor den Augen.
Mit ist speiübel, dachte sie noch. Danach wurde sie blass wie ein
Totenhemd und wäre umgefallen wie ein Sack, wenn Micheil nicht an ihrer Seite gewesen wäre, und sie gestützt hätte.
Durchhalten Adela, das sagte sie sich immer wieder bis alles vorbei war. Du darfst nicht versagen, musst als Frau besser sein, dich beweisen in der Welt der Männer, beweisen vor ihm, Vater.

Die aufmunternden Worte Vaters drangen wie durch eine Wand zu ihr.
Das hast du gut gemacht! Ich bin stolz auf dich, Tochter!
Dann ist sie davon gelaufen zum weißen See. Dort hatte sie das Wenige in ihrem Magen von sich gegeben, um dann bleich und noch immer voller Entsetzen am ganzen Körper zitternd sich in Gras zu setzen, und danach ins Nichts zu starren.
Alles wird gut, murmelte sie zu sich immer wieder, in der Hoffnung sie könnte mit den Worten es heraufbeschwören.

Kerzengerade saß sie im Bett und starrte die Wand am anderen Ende des Raumes an. Wie gebannt lauschte sie den Geräuschen der Nacht, achtsam, aufmerksam und doch mit seltsam entrücktem Blicke, der alles andere zu sehen schien. Jedes Geräusch wurde aufgenommen, je abwägend wohl, was es zu bedeuten hatte: Das Knarren der Bodendielen, das trockene Geräusch eines Astes an irgendeiner Hauswand, irgendeinem Fenster in diesem riesigen Gebäude. Heulend stob der Wind durch die Fugen und Ritzen und ließ ständig die
Gänsehaut auf ihrem Arm aufs Neue hochschrecken. Die Herberge war ein Spuckhaus des Nachts. Bisher war ihr das nie aufgefallen. Bisher war sie auch nie in der Nacht hochgeschreckt. Sie hatte dieses Erlebnis damals verdrängt, nun war es wieder da.

Wieso jetzt? Wieso hier?

„Du sagtest dass du Ihr mit dem Schwert folgst...aber was...was bist du ohne Schwert, Adlea?“
Langsam schloss sie die Augen, drückte den Rücken gegen den kalten,
harten Stein der hinter sich.

Wer bin ich?
Temora Gläubige, Streiterin des Lichts, Rekrutin, Kriegerin oder einfach nur eine junge Frau, die sich gerade vor der Dunkelheit fürchtete?
Ein Schauer erfasste ihren Körper, durchdrang den zarten Körper und
brachte sie in die vertraute Umgebung zurück. Elend schwach fühlte sie sich in diesem Augenblick und alleine.
Langsam kroch sie aus dem Bett.
Ein kurzes Schnarchen drang zu ihr aus einem der Zimmer weit weg. Barfuß in der dünnen Nachtbekleidung darüber den viel zu großen Mantel geworfen, schlich sie lautlos in den angrenzenden Raum. Der Mantel, ein Geschenk, welches sie eigentlich nicht annehmen wollte. Es widerstrebte ihr Geschenke anzunehmen. Auch bei den wenigen echten Freuden, die sie langsam angenommen hatte, tat sie sich schwer damit. Langsam nur vertraute sie. Bei ihm schwankte sie noch.

Er war? was nun?

Und weiter?
Das spöttische Gesicht ihres ältesten Bruders tauchte vor ihr auf. Er
liebte es sie zu ärgern, was sie ihm nie krumm genommen hatte, denn sie hatte seine Liebe dahinter verspürt. Eine Liebe, die er nie vor anderen zugegeben hätte, die aber immer dann da war, wenn sie ihn brauchte oder in Schwierigkeiten war und er ihr half, zu ihr hielt.

Er mag dich doch, Adela oder?
Unwillkürlich musste sie mit den schmalen Schultern zucken.
Ehrlich gesagt ich weiß es nicht. Wieso sollte er mich denn mögen?
Weil du, vielleicht ihm ähnlich bist? Mit deiner Sturheit, deiner Fröhlichkeit, deinem Glauben, einfach vielen Dingen, wenn du ehrlich zu dir bist?
Ich ihm? Niemals! Er ist….also…..hm
Ein Mensch wie du. Viel zu korrekt, vorsichtig, stets bedacht sich dahinter zu verstecken, damit ja niemand merkt, was er fühlt und denkt.

Ich kann doch nicht.....
Doch du kannst und du musst es sein.

Sie hatte ihm stets klein beigeben, weil er meistens recht hatte, was
sie betraf. Umso mehr Worte, eher sinnlose, hatte sie dann an Vater verschwendet, der in ihr ab einem gewissen Zeitpunkt dann nur noch die liebliche Tochter, ein Ebenbild, der Frau, die er sein Leben lang geliebt hatte, sah und den Überschwang der Freiheit, die er den Söhnen und ihr zugesprochen hatte, nun an seine Tochter unterbrach, um sie zu einer Dame mit allem Drum und Drann auszubilden mittels Hilfe aller
erdenklichen Lehrmeister. Was ihr damals gar nicht recht war. Sie wollte sich, wie heute hinter ihrer Unantastbarkeit verstecken. Keiner sollte in ihr die zarte Frau erkennen. Eine Frau, die Liebe geben konnte, es aber nach dem schrecklichen Missverständnis, dessen Schuld sie sich zuschob, versteckte. Eine Frau, die Angst hatte. Große Angst erneut einen Fehler zu begehen, indem sie sich so gab, wie sie war.

Rasch blickte sie sich in dem Raum um, zitternd nun mit eiskalten Füssen.
Keiner da! Gut so!
Sie wollte nicht den Anblick einer verängstigten Frau in einem viel zu großen Mantel mit einem Nichts darunter darbieten.

Die nackten Füße führten sie zu einem der Stühle in dem Raum. Den
Mantel eng um den zierlichen Körper geschlungen kuschelte sie sich in diesen. An Schlaf war nun nicht mehr zu denken.

Sie hatte so viel Worte an diesen...Mann gebracht, doch hatte ihn
nichts unsicher gemacht, nichts getroffen, nichts abgewiesen. Stattdessen hatte er geradezu eindringlich seinen Standpunkt klar gemacht.
Warum war sie auch mit ihm zu diesem Ort gegangen?
Warum hatte sie sich auf einen Wortwechsel eingelassen? Warum den Mantel als Geschenk akzeptiert?

Nein akzeptiert hatte sie ihn nicht! Sie musste eher dieser
Selbstverständlichkeit seiner Güte nachgeben.

Was würde sie gewinnen, wenn sie.....einen Augenblick lang nur von
Dogmen und höflicher Zurückhaltung sich löste, und einen Augenblick lang selbst ermessen, wer ihr nahe sein durfte?
Gab es nicht verschiedene Ansichten einer Wahrheit? Hatte sie sich deshalb darauf eingelassen, um zu wissen, wer hinter dem, was er vertrat, stand? Was er fühlte?
Kurz nur drohte der Schutz ihrer Mauer zu zerbersten, hinter der sie, die wahre Adela verborgen hatte, die unbändige, fröhliche, wilde und oftmals verträumte und zugleich voller Anteilnahme und Wärme geprägte junge Frau. Unruhig atmet sie tief auf. Sie hatte so vieles noch verborgen. Kurz zog sich ihr Herz zusammen und schützend schlang sie die Arme um den Oberkörper. Sie hatte viel zu viel ihm bereits preisgeben. Ständig war sie bedacht sich und ihr Selbst zu verbergen. Nur bei ihm war es ihr nicht gelungen.

Sich erhebend rieb sie die Oberarme, während sie nun weiter ging und
die Tür nach draußen aufstieß.
Wie ruhig war Adoran um diese Zeit. Kein Streit, keine Vorfälle,
nichts.....nur die klare kalte Nacht und die eiskalten nackten Füße auf dem Stein.
Es ist so entsetzlich schwer...schoss es ihr durch die Gedanken, als sie gegen die Tränen ankämpfte. Es wäre schön in diesem Augenblick so schwach und in Tränen aufgelöst sich an eine Schulter zu lehnen, auch wenn das in diesem Moment Schwäche wäre und alles andere als tapfer. Aber es würde gut tun. sehr gut sogar und vieles leichter machen.

Da war sie aber.....die wirkliche Welt.
Ein Schauer durchfuhr sie, und versonnen blickte sie auf die kleinen Füße auf der mit Steinen gepflasterten Straße. Ein weiterer Schauer durchfuhr sie und die Wache an dem Tor würde wohl vermuten, dass es von der Unvernunft der kleinen Person herrührte, die in der Kälte der Nacht barfuß da stand.
Doch sie wusste es besser...wusste um die Erkenntnis Bescheid, dass es eine Augenblick, einen kurzen Moment an einem Ort gegeben hatte, wo sie fast zusammengebrochen wäre und jene nach außen hin ruhige, höfliche unnahbare Rekrutin einfach aufgeben hätte.

Was wäre dann wohlgeschehen?
Sie wusste es nicht, und wollte nur schnell die Gedanken daran verdrängen. Also machte sie sich auf und schlüpfte zurück ins ihr Bett. Eiskalt, verschreckt und beunruhigt wie nie zuvor.
Zuletzt geändert von Niowe Adela Aireth am Freitag 1. Oktober 2010, 22:11, insgesamt 1-mal geändert.
Niowe Adela Aireth

Traum oder Wirklichkeit?

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

Nach dem langen Gespräch mit Temora. Bis heute weiß sie nicht sicher, ob es ein Traum war oder Wirklichkeit. Jedenfalls fand sie sich in der Kirche genauso wieder, kniend wie sonst auch immer vor dem Altar mit demütig geneigtem Haupt. Und irgendwie war alles anders als sonst.
Endlos lange war das Gespräch gewesen dabei hatte sich die Statue gewandelt. Sie angesehen und Fragen gestellt. Das Feuer in den Schalen war hell entflammt während sie sprach und wärmte, wohltuend war es da auf dem kalten Steinboden. Aber das wichtigste war dabei war, Temora hat ihr Antworten gegeben. Klar und ehrlich und Niowe noch mehr verwirrt, als sie es schon war. Wobei „verwirrt“ war wohl der falsche Ausdruck, sie war nicht verwirrt eher betroffen. Betroffen davon wie die Herrin sie kannte. All ihre Wünsche, Hoffnungen und geheimen Sehnsüchte.

Wieso habe ich es verdient, dass Temora mit mir spricht?
Diese Frage wagte sie gar nicht der Herrin zu stellen, dennoch bedrückte sie das, weil, ja weil sie sich unwürdig vorkam. Würdig waren bei weitem andere, die sie ansprechen sollte. Aber auch das wagte sie nicht zu erwähnen, denn Temora war die Göttin, es lag in ihrem Ermessen mit wem sie sprach und mit wem nicht. Sogar dann wenn dieser sich gerade sehr sehr unwürdig vorkam.
Temora kannte sie. Sehr gut sogar, viel besser als Niowe es oft tat. Vieles ruhte in ihr verborgen, suchte danach nie wieder zum Vorschein gebracht zu werden. Nach diesem Gespräch kam es an die Oberfläche, alles. Dinge, die sie in ihrer Verzweiflung und Angst versenkt hatte. So wie wenn man einfach einen schweren Stein um das Unliebsame bindet und es in dem Teich versenkt. Weg war es.
So dachte sie auch. Aber es war nicht weg, Temora brachte es zum Vorschein. Hier und Jetzt!
Sie ließ nicht locker, stellte immer wieder Fragen, die Niowe beantwortete und die Herrin dann auf ihre Antwort weise Worte sprach. Wie lieblich war ihre Stimme, ewig hätte sie zuhören können, wenn sie nicht so unbarmherzig ehrlich und offen gewesen wäre. Alles. Temora hatte nichts ausgelassen. Dennoch fühlte Niowe ihre Wärme deutlich, und sie fühlte in ihrem kleinen Herzen, dass Temora ihr damit Gutes tun wollte, ihr Dinge offenbarte, die sie verdrängt hatte und denen sie sich stellen musste.
Wie? Das würde die Zukunft zeigen.
Aber eines war sicher, Temora würde Ihr immer hilfreich zur Seite stehen und das tat einfach gut. Und Niowes Liebe zu Ihr der Einzigen, der Herrin und Lichtbringerin war grenzenlos und ehrlich wie immer und noch um einiges gesteigert worden auch wenn vieles für Niowe schmerzlich war. Aber die Erkenntnis heilt den Schmerz und befreit dann, was sie nie für möglich gehalten hätte, aber so war es. Niowes Glauben zu Temora war fürs Leben gefestigt worden. Ruhig und sicher war sie nun, und so wie sie Ihr versprochen hatte, würde sie es führen.
Zuletzt geändert von Niowe Adela Aireth am Dienstag 5. Oktober 2010, 01:33, insgesamt 1-mal geändert.
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