Was für ein Tag!

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Anele Namok
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:41

Was für ein Tag!

Beitrag von Anele Namok »

Die Herberge war leer, als sie aufbrach. Sie hatte die Nacht auf dem Balkon verbracht, froh endlich an der frischen Luft schlafen zu können und nicht eingepfercht in einem Schiffsrumpf, zwischen quiekenden Ratte oder in einer dieser engen Hütten.

Lange hatte sie geschlafen, doch sie fühlte sich erfrischt, als sie aufwachte. Und so streifte sie eine Weile ziellos durch Bajard. Irgendwann führten ihre Schritte sie an den nördlcihen Waldrand. In ihren Gedanken versunken merkte sie nicht, dass sie einige sehr große Spinnen aufgescheucht hatte und bevor sie davon rennen konnte, hatte sie auch schon einen schmerzenden Biss am rechten Arm. Sie lief rasch zurück ins Dorf, wo sich der Hauptmann auch sogleich der Wunde annahm.

Als sie sein Büro verließ, stand dort eine weiße Frau. Eine ganz weiße Frau. Eine besondere Frau. Jedenfalls war es bei ihnen Daheim so gewesen. Alle ganz weißen Wesen waren heilig, direkt von der Mutter geschickt und jedes hatte eine besondere Aufgabe. Und so war es auch hier, als sie mit der Frau ins Gespräch kam. Hier war doch nicht alles anders!

Sie redeten eine Weile in dem Heilerhäuschen. Instinktiv hatte sie Vertrauen zu der Frau und erzählte einiges über sich. Auch wenn sie die Details lieber ausließ. Es war immer besser, wenn die Menschen nicht zuviel über einen wussten.

Zurück in der Nähe der Bank, sah sie einen kleinen Mann - zuerst dachte sie an ein Kind - welcher auf einem Käfer ritt, laut herumbrüllte und wüste Drohungen gegen ein junges Mädchen ausstieß. Dabei fuchtelte er mit einer Axt herum. Es kam zu einem wahren Menschenauflauf. Als das Mädchen gerettet war, wollte er die weiße Frau mit sich nehmen, weil sie angeblich seine Ehre beschmutzt hatte Ach, Männer waren doch scheinbar überall gleich, selbst wenn sie dem Zwergenvolk angehörten, wie sie nach einer Weile erfuhr. Immer streiten und kämpfen sie für die "Ehre". Dabei ging es doch meistens nur um bloße Angeberei und die Lust sich zu prügeln!

Der Hauptmann schritt ein und nur seinem bestimmten Auftreten war es zu verdanken, dass der Zwerg unverrichteter Dinge abziehen musste.

Doch als sie sich abwandte, sah sie einen Mann am Rande der Straße stehen. So etwas hatte sie noch nie gesehen. Dies musste ein direkter Bote der Mutter sein! Seine feinen Gesichtszüge und die fein melodische Stimme. Sicher war er direkt von ihr geschickt worden. Nur die spitzen Ohren wirkten ein wenig merkwürdig. Als sie mit ihm sprach, wurde sie etwas verlegen - was ihr sonst eher nicht passierte.

Doch rasch wurde die Aufmerksamkeit zunächst auf eine weiße Ratte gelenkt (noch so ein Wunder!), die ein Mann nur mit Mühe vor den Fängen einer Katze retten konnte. Und kurz danach von einem Verrückten, der einem anderen Mann die Haare abschneiden wollte. Mit einem Schwert und den Kopf gleich dazu! Und abbrennen wollte er sie ausserdem. Das Mädchen war mittlerweile zurück gekehrt und holte erst eine Wache - und nachdem auch diese von dem Verrückten beschimpft worden war - den Hauptmann, der wieder einmal für Ordnung sorgte.

Das verwunderlichste aber war, dass der Mann, den man bedroht hatte, auf einmal alles herunterspielte. Als der Hauptmann gegangen war, hatte man fast den Eindruck, als ob sie sich kennen würden. Man musste auch hier immer wachsam sein!

Den Abend ließ sie dann mit Elea in der Herberge ausklingen und nachdem sie gegessen und getrunken hatten, gingen die beiden nach oben auf den Balkon, wo sie sich gemeinsam auf der schmalen Matte einrollten, um die Nacht unter freiem Himmel zu verbringen.

Der Schlaf übermannte sie rasch: Was für ein Tag!
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