Una Unabkömmlich

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Una Llastobhar

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Beitrag von Una Llastobhar »

Stets schenkte der alte Brummelbär Benoit der zarten, winzigen Gestalt am Steintisch der Bibliothek den ein oder anderen Blick schräg über die aufgerollten Pergamentbögen, welche er sortiert, hinweg.
Seit Stunden nun schon hatte sie sich wieder einmal in seinem Reich breitgemacht und obwohl er ihr bei solchen Lernanfällen dann gerne eine gestrenge Miene und auch das ein oder andere spitze Wort zuwarf (nur allzu gern merkte er dann an, dass kleine Kinder nichts in den Hallen der Tireller Akademie verloren hatten und wurde es auch das zwanzigste Mal nicht müde, ihre gestammelten Erklärungen über den ihr eigenen Körper, welcher trotz ins Land ziehenden Jahre keinerlei Anzeichen mehr machte ihr doch noch die ein oder andere weibliche Rundung zu verpassen, zu hören), so sah er sie im Grunde gerne da sitzen und völlig selbstverloren in den Tiefen eines seiner Bücher zu versinken.

Er hatte sich also nicht umsonst all sein Herzblut und Liebe in die Pflege und Wartung der alten Folianten vergeudet, wenn nun doch der ein oder andere Schüler seine "heiligen Hallen" betrat und sich scheinbar ganz von selbst, zwanglos mit den Werken auseinandersetzte.
Neben der Kleinen mit den schneefarbenen Haaren waren noch einige andere nennenswert, die für ihn ein innerliches, gütiges Lächeln heraufbeschworen, wenn er deren meist unsicheren Gesichter schon im Türspalt entdeckte und sie dann vorerst mit grummeligem Gezeter über die Störung seiner wohlverdienten Ruhe überschüttete.

Auch dass sie diesmal zu so später Stunde wieder aufgetaucht war, hatte ihn zwar keineswegs verwundert, jedoch hatte er sich herrlich über die Beschneidung seines angeblich längst herbeigesehnten Feierabends auslassen können. Schnell hatte er hierbei auch bemerkt, dass es diesmal anders war, als sonst.
Ihre nebelfarbenen Augen waren getrübt und nur ein etwas fiebriger Glanz glimmte im Inneren beunruhigend auf. Ihre Haltung war zwar zusammengesunken und etwas schief (was sie nochmals winziger machte als es doch eh schon der Fall war) und zudem hatte sie jegliche Scheu vor ihm scheinbar abgelegt, verneigte sich nur tief, brachte eine rauchige, leise Entschuldigung vor und belud dann beide Arme mit mächtigen, dicken Werken über diverse Abhandlungen und Sammelsurien.

Er kannte diese Zeiten im Leben der Akademieschüler- alles an ihr schrie förmlich nach einer bevorstehenden Prüfung und der Unsicherheit diese betreffend. Gnädigerweise und mit dem Wissen, dass sie wohl die nächsten Tage so oder so nicht von ihm loskommen würde, hatte er fürs Erste auf weitere markante Zielsprüche verzichtet und begnügte sich nun damit ihr lediglich diese forschenden Blicke zuzuweisen.

Seit der letzten Stunde allerdings konnte er hinter dem alles andere als kleiner werdenden Stapel an Urwerken nur noch einen Teil ihrer schmalen Schulter erblicken, welcher ab und an eine kleine Bewegung offenbarte, wenn sie zur Mitschrift ansetzte. Allerdings hatte sie wohl zumindest diese Zusatzarbeit aufgegeben und schien sich nur noch der Leserei hingegeben zu haben, wenn er das fehlende Geräusch des über Pergament kratzenden Federkiels berücksichtigte.

Kein Wunder, es war ja auch schon...
Der Blick auf die dicke Sanduhr und die Vergewisserung, welche ihm der Stand der glitzernden Sterne durchs einzige, winzige Fenster hindurch verrieten entfachte den Grummler in ihm und mit festen Schritten machte er sich auf um dem studienbesessenen Wesen hinter ihrer Bücherbarrikade die Leviten zu lesen. Was fiel ihr eigentlich ein ihn so lange wach zu halten....

Als er jedoch um den Foliantenberg gewandert war, verliess nur ein leiser Seufzer seine Lippen und mit schwacher Rührung betrachtete der ältliche Bibliothekar das schlafende Mädchens, deren selig entglittenen Gesichtszüge den Eindruck man habe es mit einem Kinde zu tun, noch weiter unterstrichen. Schmunzelnd registrierte er, dass sie auch im Schlummer die Wangen nahe an das vergilbte Werk vor ihrer Nase gepresst hatte und es fast zu umarmen schien. In der Rechten ruhte jedoch noch der Federkiel fest umklammert und einige Tintenklekse machten sich auf ihrem eigenen Mitschriftsbüchlein breit.

Wenige Augenblicke später verabschiedete sich Benoit beim Pförtner Dan, welcher seinerseits nun auch zu Bette ging. Etwas schlaftrunken blickte Dan seinem alten Freunde noch nach, als dieser durch die Eingangstore nach draussen ins Dunkel trat.

Ich könnte schwören heute morgen trug er doch noch seinen alten Umhang über der Flickenrobe...
, nuschelte dieser dann in sich hinein, ehe er den Schlüssel im Türschloss drehte und es für angebracht hielt einen solch nichtigen Gedanken nicht weiter zu verfolgen, sondern lieber an seinen geruhsamen Schlaf zu denken.

Ein Stockwerk weiter oben in der Bibliothek hatte der Schlummer bereits ein Mädchen tief eingehüllt... zumindest ihren Geist. Den kindlichen Körper hingegen wärmte ein alter Mantel....

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