Eine Sommernacht in Adoran
- Viridian
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Eine Sommernacht in Adoran
Spät abends kehrte Viridian ins Regimentsgebäude von Adoran zurück. Obwohl die Sonne längst untergegangen war, hielt die Hitze des Tages sich noch mit Hartnäckigkeit. Dennoch hatte er keine Eile damit, aus der Dienstrüstung zu kommen. Wie es im vergangenen halben Jahr seine Gewohnheit geworden war, warf er zunächst einen Blick auf den Dienstplan, der diesmal jedoch nicht mit Neuigkeiten aufwartete. Nach dem obligatorischen Austausch belangloser Floskeln mit einigen Kameraden schließlich machte er sich daran, die Rüstung abzulegen.
Anschließend wurden die einzelnen Teile gewissenhaft gereinigt und ordentlich in seiner Kiste verstaut. Anfangs hatte er nicht verstanden, warum man ihm ausgerechnet eine Rüstung aus einer Pyrian - Silberlegierung gegeben hatte, doch nun war er froh darum. Sicher, auch das mit Pyrianplättchen besetzte Untergewand, das er seit Jahren im Sommer unter der Rüstung trug war dazu geeignet, die schlimmste Hitze zu mildern, dennoch reichte die geringe Menge des feuer- und hitzeabsorbierenden Metalls bei diesem Wetter kaum noch aus. Hätte er damit den ganzen Nachmittag durch die Straßen erst Berchgards und dann Adorans patrouillieren müssen, würde seine Zunge jetzt wie bei einem Hund bis zum Boden aus dem Mund baumeln!
Wenigstens hatte die Hitze den Vorteil, dass sie scheinbar auch die Verbrecher von ihren Untaten abhielt, sodass der Dienst selbst sehr ruhig verlaufen war. Ruhig… ruhig war es auch auf dem Friedhof von Berchgard gewesen, wo in den Kronen alter Bäume die Vögel sangen und im Schatten ebendieser Bäume Grab an Grab sich reihte. Und in einem dieser Gräber lag ein Mädchen und weil er dieses Mädchen gekannt hatte, kam er gelegentlich an ihr Grab um dort der Toten zu gedenken. Gewiss, sie war kein Soldat gewesen, aber in der kurzen Zeit, in der er sie kannte, wurde er an so viele Dinge erinnert, die er für immer verloren glaubte, dass er gar nicht anders konnte, als auch sie in sein Gedenken mit einzuschließen.
Eigentlich brauchte er keinen bestimmten Ort, um der Toten zu gedenken, aber seltsamer Weise fiel es ihm auf Friedhöfen immer leichter, sie sich wieder ins Gedächtnis zu rufen, ihre Stimmen, Gesichter, die kleinen Gesten und anderen Besonderheiten derer, die er gut kannte. Bei denen, die er nicht gekannt hatte, versuchte er sich wenigstens die Gesichter ins Gedächtnis zu rufen, den Ausdruck, wenn sie erkannten, dass sie sterben würden, weil da eine Klinge in ihrem Leib steckte. Vorher gab es kaum Gelegenheit, da galt die Aufmerksamkeit eher ihren Waffen, der Umgebung. Aber in diesen einen Moment, wenn es entschieden war, wer gehen und wer bleiben würde, da schaute er ihnen in die Augen…
Viridian runzelte die Stirn. Was lag da in seiner Truhe? Aus seinen Gedanken gerissen, betrachtete er den Brief. Kein Siegel des Hohenfelser Regiments. Den würde er gleich in Ruhe lesen, zu Hause. Fürs Erste in die Gürteltasche damit.
„Und, was schreibt deine Verehrerin?“
Ike, natürlich. Der selbsternannte größte Spaßvogel des Regiments.
„Ich habe den Brief noch nicht gelesen, Kamerad. Also hat ihn eine Frau abgegeben?“
„He, wir haben Dienstschluss, du musst nicht mehr so förmlich sein. Eine Frau… nah, so würde ich das nicht gerade nennen, eher ein Mädchen… war nicht viel dran, wenn du verstehst. Und, hast du etwas mit der? Ich wusste ja gar nicht, dass du auf…“
„Ist Euch die Hitze zu Kopf gestiegen, Kamerad? Jedenfalls, mit dieser Beschreibung kann ich nicht viel anfangen.“
„Dich bringt wirklich nichts aus der Ruhe oder? Na, wie auch immer, gönnen wir uns noch ein Feierabendbier in der Stadtstube?“
„Heute nicht, danke.“
„Ah, musst deinem Liebchen schreiben, wie? He, he, schau mich nicht so an, ich nehme es ja zurück! Also gut, dann bis morgen. Temora mit dir.“
Kopfschüttelnd schaute Viridian Ike hinterher. Es war ihm zwar immer schwer gefallen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, aber dieser Kerl zählte definitiv zu den merkwürdigeren Zeitgenossen. Ein Mädchen hatte also den Brief abgegeben, wahrscheinlich eh nur eine Botin. Nun, zu Hause würde er den Brief ja lesen und dann würde sich schon aufklären, was es damit auf sich hatte.
Vom Meer wehte eine frische Brise durch die Straßen und schaffte ein klein wenig Linderung in der noch immer warmen Nacht. Er vertrieb die stickige Luft aus der Wohnung, wo Viridian bei einem kargen Abendmahl saß. Danach entrollte er den Brief und las ihn sich nachdenklich durch.
In Gedanken ließ er den Nachmittag noch einmal Revue passieren.
Das Goldene Lamm, letzte Rast vor dem Gedenken und dem anschließenden Dienst.
Im Garten zwei Gäste, ein Angure, den er aus Adoran zu kennen meinte und ein Mädchen, dem er zu diesem Zeitpunkt gar keine Beachtung geschenkt hatte.
Linnet am Ausschank, die ihm ein Bier brachte.
Endlich wieder einmal einen Blick in das Buch mit den Gedichten werfen. Erinnerungen, beim Ersten die Eisenwart, beim Zweiten Jasmin von Duran… richtig, da war dieser Fehler gewesen, den er eigentlich nicht hatte korrigieren wollen. Aber aufschreiben sollte er die Änderung, nur für den Fall.
Dann einen Schweinebraten.
Gerade den ersten Bissen probiert, als am Nebentisch der Name fällt.
Alea.
Das Zuhören, während dieses Mädchen von einer Freundin namens Alea erzählt.
Die wachsende Gewissheit, dass es wirklich die Alea ist, deren Grab er heute aufsuchen wollte. Die starb, während er auf Reisen war, auf der Suche, wie immer, wenn er konnte.
Die Geschichte von ihrem Tod, diesmal nicht aus dritter Hand sondern von einer, die dabei gewesen ist. Einzelheiten, von denen er nichts wusste. Die das Bild seiner Erinnerung an sie ergänzten, erweiterten, ausschmückten.
Sein Entschluss, zum Dank dafür ihre Rechnung zu übernehmen.
Aber sie würde sicher fragen, warum ein Fremder sie einlädt. Und dann?
Er hatte keinerlei Interesse, irgendeiner Fremden etwas über seine Gefühle zu erzählen.
Sie würde sich wundern, gut, sie würde sich freuen, auch gut, sie würde die Sache vergessen, sehr gut.
Jetzt, als er den Brief las, erkannte er seinen Irrtum. Sie hatte die Sache also nicht auf sich beruhen lassen. Und natürlich hatte sie nur Linnet fragen müssen. Mit großer Wahrscheinlichkeit hatte sie Linnet gefragt, oder der Angure, dieser… Domarr war ein ernst zu nehmender Zuhörer, wenn er sich an Viridians Gespräch mit dem Zwergenschmied erinnern konnte. Nur so konnte sie wissen, dass man ihn über das Hohenfelser Regiment würde erreichen können.
Und hier schrieb sie, sie wolle ihre Schuld bei ihm begleichen, diese Sanna Kolmar. Zum Glück hatte sie ihn in dem Brief nicht um eine Antwort gebeten und sowieso keinen Ort genannt, an den man eine solche schicken könnte. Das würde er zumindest als Ausrede verwenden und sich dumm stellen, sollte die Frage aufkommen, warum er eine Antwort nicht einfach beim Lamm hinterlassen hätte. Es gab also weiterhin die Möglichkeit, einfach abzuwarten, bis sie die Angelegenheit vergessen hätte. Ein Verzicht auf weitere Besuche im Lamm die nächsten Wochen sollte sein Übriges tun, dann würde er auch gleich etwaigen Nachfragen von Linnet oder anderen entgehen.
Er tippte mit dem linken Zeigefinger auf den Tisch, um sich selbst aus seinen Gedanken zu reißen. Bei dem Geräusch musste er unwillkürlich lächeln. So hatte er sich jedes Mal den Rhythmus zurechtgelegt, wenn er sich an ein neues Gedicht wagte. In Feynhag hatte er ein Buch über die Dichtkunst gelesen, in welchem stand, dass der Rhythmus so etwas wie den Rahmen eines Gedichts bildet und daher zuerst überlegt sein sollte. Bereits durch ihn konnte man so viel ausdrücken. Er ließ seinen Finger tippen und überlegte.
Lass mich erzählen die Geschichte
Aus fernem, fremden Königreich
Von Königs Tochter – ach! – der Schönen.
So blau die Augen, Haut so weich,
Das Haar wie Gold im Sonnenlichte.
Es kamen viele edle Knaben
Aus bestem Haus, von nah, von fern.
Mit Kostbarkeiten zu verwöhnen
Die Schöne die sie annahm gern,
Doch Mann wollte sie keinen haben!
Ob Ritter, Sänger, Königssohn
Kein einziger errang die Gunst
Von ihr zum Mann erwählt zu werden.
Es bräuchte wohl die Schwarze Kunst
Sang bald das Volk der Freier Hohn.
Jedoch als Jahr um Jahr sich neigte
Die Schar der Werber wurd’ gering
Denn alles geht dahin auf Erden.
So auch der Jugend Glanz verging.
Des Alterns Antlitz nun sich zeigte.
Am Ende saß sie ganz allein,
Das Haar schlohweiß, die Augen blind,
Bei einer Kerze trübem Schein.
Und dachte an ein Königskind
Mit Lippen wie der Wein so rot
Sie weinte und dann war sie tot.
Er ließ die Tinte in das Pergament einziehen. Seine rechte Hand zitterte ein wenig.
Am Boden lagen ein paar zerknüllte Pergamente, auf denen er zuvor mit Kohlestift Notizen gemacht hatte. Aus dem Adelsviertel schallte die Glocke des Temoratempels über die nächtliche Stadt, zwei volle, tiefe Töne. Zwei Stunden, die Zeit war unbemerkt an ihm vorbeigerieselt.
Warum hatte er dieses Gedicht geschrieben? Es war fast wie damals, als er auf Burg Eisenwart zum ersten Mal in seinem Leben selbst versucht hatte, eines jener Werke zu erschaffen, die er bisher nur aus Büchern kannte. Etwas schien sich damals seiner bemächtigt zu haben, ein Verlangen, eine Sehnsucht, etwas, das er nicht in Worte fassen konnte.
Und heute war es wiedergekehrt.
Es konnte doch nichts mit dem Mädchen zu tun haben. Oder etwa doch?
Sollte er am Ende doch versuchen, sie zu treffen?
Ehe er seine Gedanken weiterspinnen konnte, übermannte ihn der Schlaf.
Anschließend wurden die einzelnen Teile gewissenhaft gereinigt und ordentlich in seiner Kiste verstaut. Anfangs hatte er nicht verstanden, warum man ihm ausgerechnet eine Rüstung aus einer Pyrian - Silberlegierung gegeben hatte, doch nun war er froh darum. Sicher, auch das mit Pyrianplättchen besetzte Untergewand, das er seit Jahren im Sommer unter der Rüstung trug war dazu geeignet, die schlimmste Hitze zu mildern, dennoch reichte die geringe Menge des feuer- und hitzeabsorbierenden Metalls bei diesem Wetter kaum noch aus. Hätte er damit den ganzen Nachmittag durch die Straßen erst Berchgards und dann Adorans patrouillieren müssen, würde seine Zunge jetzt wie bei einem Hund bis zum Boden aus dem Mund baumeln!
Wenigstens hatte die Hitze den Vorteil, dass sie scheinbar auch die Verbrecher von ihren Untaten abhielt, sodass der Dienst selbst sehr ruhig verlaufen war. Ruhig… ruhig war es auch auf dem Friedhof von Berchgard gewesen, wo in den Kronen alter Bäume die Vögel sangen und im Schatten ebendieser Bäume Grab an Grab sich reihte. Und in einem dieser Gräber lag ein Mädchen und weil er dieses Mädchen gekannt hatte, kam er gelegentlich an ihr Grab um dort der Toten zu gedenken. Gewiss, sie war kein Soldat gewesen, aber in der kurzen Zeit, in der er sie kannte, wurde er an so viele Dinge erinnert, die er für immer verloren glaubte, dass er gar nicht anders konnte, als auch sie in sein Gedenken mit einzuschließen.
Eigentlich brauchte er keinen bestimmten Ort, um der Toten zu gedenken, aber seltsamer Weise fiel es ihm auf Friedhöfen immer leichter, sie sich wieder ins Gedächtnis zu rufen, ihre Stimmen, Gesichter, die kleinen Gesten und anderen Besonderheiten derer, die er gut kannte. Bei denen, die er nicht gekannt hatte, versuchte er sich wenigstens die Gesichter ins Gedächtnis zu rufen, den Ausdruck, wenn sie erkannten, dass sie sterben würden, weil da eine Klinge in ihrem Leib steckte. Vorher gab es kaum Gelegenheit, da galt die Aufmerksamkeit eher ihren Waffen, der Umgebung. Aber in diesen einen Moment, wenn es entschieden war, wer gehen und wer bleiben würde, da schaute er ihnen in die Augen…
Viridian runzelte die Stirn. Was lag da in seiner Truhe? Aus seinen Gedanken gerissen, betrachtete er den Brief. Kein Siegel des Hohenfelser Regiments. Den würde er gleich in Ruhe lesen, zu Hause. Fürs Erste in die Gürteltasche damit.
„Und, was schreibt deine Verehrerin?“
Ike, natürlich. Der selbsternannte größte Spaßvogel des Regiments.
„Ich habe den Brief noch nicht gelesen, Kamerad. Also hat ihn eine Frau abgegeben?“
„He, wir haben Dienstschluss, du musst nicht mehr so förmlich sein. Eine Frau… nah, so würde ich das nicht gerade nennen, eher ein Mädchen… war nicht viel dran, wenn du verstehst. Und, hast du etwas mit der? Ich wusste ja gar nicht, dass du auf…“
„Ist Euch die Hitze zu Kopf gestiegen, Kamerad? Jedenfalls, mit dieser Beschreibung kann ich nicht viel anfangen.“
„Dich bringt wirklich nichts aus der Ruhe oder? Na, wie auch immer, gönnen wir uns noch ein Feierabendbier in der Stadtstube?“
„Heute nicht, danke.“
„Ah, musst deinem Liebchen schreiben, wie? He, he, schau mich nicht so an, ich nehme es ja zurück! Also gut, dann bis morgen. Temora mit dir.“
Kopfschüttelnd schaute Viridian Ike hinterher. Es war ihm zwar immer schwer gefallen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, aber dieser Kerl zählte definitiv zu den merkwürdigeren Zeitgenossen. Ein Mädchen hatte also den Brief abgegeben, wahrscheinlich eh nur eine Botin. Nun, zu Hause würde er den Brief ja lesen und dann würde sich schon aufklären, was es damit auf sich hatte.
Vom Meer wehte eine frische Brise durch die Straßen und schaffte ein klein wenig Linderung in der noch immer warmen Nacht. Er vertrieb die stickige Luft aus der Wohnung, wo Viridian bei einem kargen Abendmahl saß. Danach entrollte er den Brief und las ihn sich nachdenklich durch.
In Gedanken ließ er den Nachmittag noch einmal Revue passieren.
Das Goldene Lamm, letzte Rast vor dem Gedenken und dem anschließenden Dienst.
Im Garten zwei Gäste, ein Angure, den er aus Adoran zu kennen meinte und ein Mädchen, dem er zu diesem Zeitpunkt gar keine Beachtung geschenkt hatte.
Linnet am Ausschank, die ihm ein Bier brachte.
Endlich wieder einmal einen Blick in das Buch mit den Gedichten werfen. Erinnerungen, beim Ersten die Eisenwart, beim Zweiten Jasmin von Duran… richtig, da war dieser Fehler gewesen, den er eigentlich nicht hatte korrigieren wollen. Aber aufschreiben sollte er die Änderung, nur für den Fall.
Dann einen Schweinebraten.
Gerade den ersten Bissen probiert, als am Nebentisch der Name fällt.
Alea.
Das Zuhören, während dieses Mädchen von einer Freundin namens Alea erzählt.
Die wachsende Gewissheit, dass es wirklich die Alea ist, deren Grab er heute aufsuchen wollte. Die starb, während er auf Reisen war, auf der Suche, wie immer, wenn er konnte.
Die Geschichte von ihrem Tod, diesmal nicht aus dritter Hand sondern von einer, die dabei gewesen ist. Einzelheiten, von denen er nichts wusste. Die das Bild seiner Erinnerung an sie ergänzten, erweiterten, ausschmückten.
Sein Entschluss, zum Dank dafür ihre Rechnung zu übernehmen.
Aber sie würde sicher fragen, warum ein Fremder sie einlädt. Und dann?
Er hatte keinerlei Interesse, irgendeiner Fremden etwas über seine Gefühle zu erzählen.
Sie würde sich wundern, gut, sie würde sich freuen, auch gut, sie würde die Sache vergessen, sehr gut.
Jetzt, als er den Brief las, erkannte er seinen Irrtum. Sie hatte die Sache also nicht auf sich beruhen lassen. Und natürlich hatte sie nur Linnet fragen müssen. Mit großer Wahrscheinlichkeit hatte sie Linnet gefragt, oder der Angure, dieser… Domarr war ein ernst zu nehmender Zuhörer, wenn er sich an Viridians Gespräch mit dem Zwergenschmied erinnern konnte. Nur so konnte sie wissen, dass man ihn über das Hohenfelser Regiment würde erreichen können.
Und hier schrieb sie, sie wolle ihre Schuld bei ihm begleichen, diese Sanna Kolmar. Zum Glück hatte sie ihn in dem Brief nicht um eine Antwort gebeten und sowieso keinen Ort genannt, an den man eine solche schicken könnte. Das würde er zumindest als Ausrede verwenden und sich dumm stellen, sollte die Frage aufkommen, warum er eine Antwort nicht einfach beim Lamm hinterlassen hätte. Es gab also weiterhin die Möglichkeit, einfach abzuwarten, bis sie die Angelegenheit vergessen hätte. Ein Verzicht auf weitere Besuche im Lamm die nächsten Wochen sollte sein Übriges tun, dann würde er auch gleich etwaigen Nachfragen von Linnet oder anderen entgehen.
Er tippte mit dem linken Zeigefinger auf den Tisch, um sich selbst aus seinen Gedanken zu reißen. Bei dem Geräusch musste er unwillkürlich lächeln. So hatte er sich jedes Mal den Rhythmus zurechtgelegt, wenn er sich an ein neues Gedicht wagte. In Feynhag hatte er ein Buch über die Dichtkunst gelesen, in welchem stand, dass der Rhythmus so etwas wie den Rahmen eines Gedichts bildet und daher zuerst überlegt sein sollte. Bereits durch ihn konnte man so viel ausdrücken. Er ließ seinen Finger tippen und überlegte.
Lass mich erzählen die Geschichte
Aus fernem, fremden Königreich
Von Königs Tochter – ach! – der Schönen.
So blau die Augen, Haut so weich,
Das Haar wie Gold im Sonnenlichte.
Es kamen viele edle Knaben
Aus bestem Haus, von nah, von fern.
Mit Kostbarkeiten zu verwöhnen
Die Schöne die sie annahm gern,
Doch Mann wollte sie keinen haben!
Ob Ritter, Sänger, Königssohn
Kein einziger errang die Gunst
Von ihr zum Mann erwählt zu werden.
Es bräuchte wohl die Schwarze Kunst
Sang bald das Volk der Freier Hohn.
Jedoch als Jahr um Jahr sich neigte
Die Schar der Werber wurd’ gering
Denn alles geht dahin auf Erden.
So auch der Jugend Glanz verging.
Des Alterns Antlitz nun sich zeigte.
Am Ende saß sie ganz allein,
Das Haar schlohweiß, die Augen blind,
Bei einer Kerze trübem Schein.
Und dachte an ein Königskind
Mit Lippen wie der Wein so rot
Sie weinte und dann war sie tot.
Er ließ die Tinte in das Pergament einziehen. Seine rechte Hand zitterte ein wenig.
Am Boden lagen ein paar zerknüllte Pergamente, auf denen er zuvor mit Kohlestift Notizen gemacht hatte. Aus dem Adelsviertel schallte die Glocke des Temoratempels über die nächtliche Stadt, zwei volle, tiefe Töne. Zwei Stunden, die Zeit war unbemerkt an ihm vorbeigerieselt.
Warum hatte er dieses Gedicht geschrieben? Es war fast wie damals, als er auf Burg Eisenwart zum ersten Mal in seinem Leben selbst versucht hatte, eines jener Werke zu erschaffen, die er bisher nur aus Büchern kannte. Etwas schien sich damals seiner bemächtigt zu haben, ein Verlangen, eine Sehnsucht, etwas, das er nicht in Worte fassen konnte.
Und heute war es wiedergekehrt.
Es konnte doch nichts mit dem Mädchen zu tun haben. Oder etwa doch?
Sollte er am Ende doch versuchen, sie zu treffen?
Ehe er seine Gedanken weiterspinnen konnte, übermannte ihn der Schlaf.
Zuletzt geändert von Viridian am Montag 12. Juli 2010, 18:41, insgesamt 1-mal geändert.
Ein strîter sô gelêret was, daz er an den buochen las, swaz er dar an geschriben vant: der was Viridian genant, dienstman was er ze Mêrswaht.
- Viridian
- Beiträge: 107
- Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20
Und wieder läuft das Wasser der Zeit rauschend auf die Mühlen des Schicksals.
Hörst du das Ächzen des alten Holzes? Das Mühlrad dreht sich.
Hörst du das Rattern? Die Zahnräder greifen ineinander.
Hörst du das Knirschen? Das Korn wird gemahlen.
Er konnte nichts erwidern.
Er konnte nur dastehen.
Und ihr nachsehen.
Überraschung? Das war das falsche Wort.
Er wusste, dass etwas geschehen würde.
Und er hatte es zugelassen, wieder einmal.
„Du bist und bleibst ein Idiot!“
Danke, das wird es sein. Du bist tot, verspotte mich nicht!
Liebe also.
War es das?
Liebe also?
Oder nichts als die Schwärmerei einer Heranwachsenden?
Er mochte sie, das war gewiss.
Er mochte sie sogar sehr, auch das war gewiss.
Er liebte sie, aber wie?
Kleine Schwester oder erwachsene Frau?
Genug, sie nicht unglücklich machen zu können?
Genug. Schluss.
Wenn die Räder sich drehen, ist nichts mehr sicher.
Was geschehen muss, das geschieht.
Man kann sich auflehnen, aber gewinnen kann man nicht.
Man kann hoffen, aber wissen kann man nicht.
Man kann zu den Göttern beten, und hoffen.
Und nichts, nichts, nichts. Nichts währt ewig.
Rechtfertigt eine kürzere oder längere Zeit der gemeinsamen Freude
das unausweichliche, unabänderliche Leid, das folgt?
Kann er ihr das antun?
Ist er die erste Liebe, wo sie den Schmerz noch gar nicht kennt?
Oder kennt sie ihn doch?
Trägt sie ihn womöglich schon eine Weile in sich?
Ein kleines Wort für einen großen Schmerz – Liebeskummer.
Wäre es nicht besser, ihr diesen Schmerz zu nehmen, wenn auch nur für eine Weile?
Denn nichts, nichts, nichts. Nichts währt ewig.
Kann er sie beschützen?
Nein.
Kann er es versuchen?
Ja.
Soll er es wagen?
…
Das Wasser rauscht.
Das Rad ächzt.
Die Zahnräder rattern.
Die Mühlsteine knirschen.
Und die Mühle mahlt wieder.
Hörst du das Ächzen des alten Holzes? Das Mühlrad dreht sich.
Hörst du das Rattern? Die Zahnräder greifen ineinander.
Hörst du das Knirschen? Das Korn wird gemahlen.
Er konnte nichts erwidern.
Er konnte nur dastehen.
Und ihr nachsehen.
Überraschung? Das war das falsche Wort.
Er wusste, dass etwas geschehen würde.
Und er hatte es zugelassen, wieder einmal.
„Du bist und bleibst ein Idiot!“
Danke, das wird es sein. Du bist tot, verspotte mich nicht!
Liebe also.
War es das?
Liebe also?
Oder nichts als die Schwärmerei einer Heranwachsenden?
Er mochte sie, das war gewiss.
Er mochte sie sogar sehr, auch das war gewiss.
Er liebte sie, aber wie?
Kleine Schwester oder erwachsene Frau?
Genug, sie nicht unglücklich machen zu können?
Genug. Schluss.
Wenn die Räder sich drehen, ist nichts mehr sicher.
Was geschehen muss, das geschieht.
Man kann sich auflehnen, aber gewinnen kann man nicht.
Man kann hoffen, aber wissen kann man nicht.
Man kann zu den Göttern beten, und hoffen.
Und nichts, nichts, nichts. Nichts währt ewig.
Rechtfertigt eine kürzere oder längere Zeit der gemeinsamen Freude
das unausweichliche, unabänderliche Leid, das folgt?
Kann er ihr das antun?
Ist er die erste Liebe, wo sie den Schmerz noch gar nicht kennt?
Oder kennt sie ihn doch?
Trägt sie ihn womöglich schon eine Weile in sich?
Ein kleines Wort für einen großen Schmerz – Liebeskummer.
Wäre es nicht besser, ihr diesen Schmerz zu nehmen, wenn auch nur für eine Weile?
Denn nichts, nichts, nichts. Nichts währt ewig.
Kann er sie beschützen?
Nein.
Kann er es versuchen?
Ja.
Soll er es wagen?
…
Das Wasser rauscht.
Das Rad ächzt.
Die Zahnräder rattern.
Die Mühlsteine knirschen.
Und die Mühle mahlt wieder.
Zuletzt geändert von Viridian am Dienstag 3. August 2010, 18:28, insgesamt 1-mal geändert.
Ein strîter sô gelêret was, daz er an den buochen las, swaz er dar an geschriben vant: der was Viridian genant, dienstman was er ze Mêrswaht.
- Viridian
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Und nun jährt es sich zum ersten Mal!
Dieser Anlass ist es wert, dass man ihn besonders ehrt, wie man so schön sagt.
Ehre aber gebührt auch jemand anderem.
Ich wandre manchen Weg in deinen steinern Straßen.
Ich stehe manche Stund am stillen Schattenorte.
Ich spreche an dein Ohr die ungesagten Worte.
Ich schweige lauschend oft den Stimmen deiner Gassen.
Du nährst an deiner Brust auch Söhne, die dich hassen.
Du birgst in deinem Herz manch eine finstre Pforte.
Du schützt mit deinem Kleid auch Lasters reiche Horte.
Du wärmst in deinem Leib manch Kind das wir vergaßen.
Und Jahr um Jahr verstreicht mit Regen, Sonne, Wind.
Der Wetter Wechselspiel lässt an dir seine Spur.
Mit jedem neuen Schmuck ziert gleich auch eine Falte
Dein kaltes Angesicht. Mit Jahren wächst ein Kind
Wie du auch eines bist. Doch wachse, wachse nur:
Mein Adoran, dass dich Temoras Lieb’ erhalte!
Dieser Anlass ist es wert, dass man ihn besonders ehrt, wie man so schön sagt.
Ehre aber gebührt auch jemand anderem.
Ich wandre manchen Weg in deinen steinern Straßen.
Ich stehe manche Stund am stillen Schattenorte.
Ich spreche an dein Ohr die ungesagten Worte.
Ich schweige lauschend oft den Stimmen deiner Gassen.
Du nährst an deiner Brust auch Söhne, die dich hassen.
Du birgst in deinem Herz manch eine finstre Pforte.
Du schützt mit deinem Kleid auch Lasters reiche Horte.
Du wärmst in deinem Leib manch Kind das wir vergaßen.
Und Jahr um Jahr verstreicht mit Regen, Sonne, Wind.
Der Wetter Wechselspiel lässt an dir seine Spur.
Mit jedem neuen Schmuck ziert gleich auch eine Falte
Dein kaltes Angesicht. Mit Jahren wächst ein Kind
Wie du auch eines bist. Doch wachse, wachse nur:
Mein Adoran, dass dich Temoras Lieb’ erhalte!
Zuletzt geändert von Viridian am Dienstag 26. Juli 2011, 21:35, insgesamt 2-mal geändert.
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- Viridian
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- Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20
Der Sommer ist vorüber, das Jahr neigt sich.
In der kaminfeuerwarmen Stube schweifen die Gedanken
bisweilen über Hügel und durch Wälder, hin zu jemand anderem.
Und wenn man diesen Jemand liebt
und wenn man ihm zeigen will, dass man an ihn denkt
und wenn man nichts besseres weiß, es zu zeigen
dann schreibt man ihm einen Brief. Vielleicht diesen.
Auf meinen weiten Reisen durchstreifte ich das Land
Stets war ich auf der Suche nach Gerimors schönsten Frau’n.
Es war in einer Grafschaft, wo ich sie endlich fand.
Als Gast am Adelshofe durft’ ich die holden Damen schau’n.
'Wer ist der fremde Sänger, der uns zum Tanze lädt?
Man möge ihn doch bitten, er bleibe über Nacht.
Er soll uns Freude bringen, ihr Korn ist schon gesät.
Nun möge sie erblühen solang der Sternenvater wacht.'
Der edlen Dame Worte verzauberten mein Gemüt
Und Leidenschaft erwachte in meinem Sängerherz.
Allein ich war nur Diener und sie von reinstem Geblüt.
Ich sang die schönsten Weisen, im Stillen litt ich quälenden Schmerz.
'Des Spielmanns Kunst und Wesen verdienen einen Preis.
So will ich ihn belohnen, wie es ihm gebührt.
Er soll nicht mehr verzweifeln, darum auf mein Geheiß
Soll er heut Nacht erfahren, wie mich sein Flehen tief gerührt.'
Die schönste aller Frauen erwies mir ihre Gunst
Jedoch das Herz mir weinte, als ich den Wunsch vernahm.
Denn ihre Ehr’ zu schützen ist meine wahre Kunst.
Um ihrer reinen Tugend zog ich des Weges, den ich kam.
Verzeih mir mein langes Schweigen
In der kaminfeuerwarmen Stube schweifen die Gedanken
bisweilen über Hügel und durch Wälder, hin zu jemand anderem.
Und wenn man diesen Jemand liebt
und wenn man ihm zeigen will, dass man an ihn denkt
und wenn man nichts besseres weiß, es zu zeigen
dann schreibt man ihm einen Brief. Vielleicht diesen.
Auf meinen weiten Reisen durchstreifte ich das Land
Stets war ich auf der Suche nach Gerimors schönsten Frau’n.
Es war in einer Grafschaft, wo ich sie endlich fand.
Als Gast am Adelshofe durft’ ich die holden Damen schau’n.
'Wer ist der fremde Sänger, der uns zum Tanze lädt?
Man möge ihn doch bitten, er bleibe über Nacht.
Er soll uns Freude bringen, ihr Korn ist schon gesät.
Nun möge sie erblühen solang der Sternenvater wacht.'
Der edlen Dame Worte verzauberten mein Gemüt
Und Leidenschaft erwachte in meinem Sängerherz.
Allein ich war nur Diener und sie von reinstem Geblüt.
Ich sang die schönsten Weisen, im Stillen litt ich quälenden Schmerz.
'Des Spielmanns Kunst und Wesen verdienen einen Preis.
So will ich ihn belohnen, wie es ihm gebührt.
Er soll nicht mehr verzweifeln, darum auf mein Geheiß
Soll er heut Nacht erfahren, wie mich sein Flehen tief gerührt.'
Die schönste aller Frauen erwies mir ihre Gunst
Jedoch das Herz mir weinte, als ich den Wunsch vernahm.
Denn ihre Ehr’ zu schützen ist meine wahre Kunst.
Um ihrer reinen Tugend zog ich des Weges, den ich kam.
Verzeih mir mein langes Schweigen
Ein strîter sô gelêret was, daz er an den buochen las, swaz er dar an geschriben vant: der was Viridian genant, dienstman was er ze Mêrswaht.
-
Sanna Emilia Kolmar
Wenn Briefe zur grauen Zeit des Jahres,
im morgigen Nebelstrom des fahlen Rabenmonds
ihren Weg in Postkästen finden
und zudem aus der Tiefe des Herzens geschrieben wurden,
dann schlummert in ihnen oft ein alter Zauber,
welchen der Verfasser unbewusst über den Leser warf
und sie vermögen die Knochenkälte aus dem Leib zu jagen
- wärmen die Seele wie flammende Glut.
Und wenn das der Empfänger realisiert,
dann antwortet er vielleicht ebenso mit einem Brief.
Bestimmt diesem:
Es ging der Gänsemagd ein Rufen durch das einsam' Herz
und doch blieben ihre Arme einen weiteren Mondlauf leer.
Ein wenig Kummer, ein wenig Trübsal, gepaart mit altem Schmerz
aber gab es den kahlen Flecken in ihrer Seele nicht mehr.
Der Knecht des Sommers hat jenen gefüllt mit Liebe und mit Leben
und so geschenkt Vollkommenheit in einer Ashatar-Nacht.
Etwas Schöneres kann man nicht schenken oder auch geben
als was der Liebste ihr damals, zu jener Stund' gebracht.
Im kalten Morgenglanze und dem allerersten Sonnenstrahl
da fühlte die Magd Melancholie und Trauer vorübergeh'n,
allein in der Erinnerung wie sie sich küßten zum ersten Mal
und wusste das was ihnen gehörte, würde die Zeit übersteh'n.
Und wenn nun auch ich meine Hand wieder in die deine gelegt,
so trauere ich nicht um unseren Sommer, der so schnell verrann.
Mit einer einz'gen Entscheidung hast du doch mein Leben bewegt.
Es wartet des Winters Gemeinsamkeit, was geht der stille Herbst mich an?
Es gibt nichts zu verzeihen
im morgigen Nebelstrom des fahlen Rabenmonds
ihren Weg in Postkästen finden
und zudem aus der Tiefe des Herzens geschrieben wurden,
dann schlummert in ihnen oft ein alter Zauber,
welchen der Verfasser unbewusst über den Leser warf
und sie vermögen die Knochenkälte aus dem Leib zu jagen
- wärmen die Seele wie flammende Glut.
Und wenn das der Empfänger realisiert,
dann antwortet er vielleicht ebenso mit einem Brief.
Bestimmt diesem:
Es ging der Gänsemagd ein Rufen durch das einsam' Herz
und doch blieben ihre Arme einen weiteren Mondlauf leer.
Ein wenig Kummer, ein wenig Trübsal, gepaart mit altem Schmerz
aber gab es den kahlen Flecken in ihrer Seele nicht mehr.
Der Knecht des Sommers hat jenen gefüllt mit Liebe und mit Leben
und so geschenkt Vollkommenheit in einer Ashatar-Nacht.
Etwas Schöneres kann man nicht schenken oder auch geben
als was der Liebste ihr damals, zu jener Stund' gebracht.
Im kalten Morgenglanze und dem allerersten Sonnenstrahl
da fühlte die Magd Melancholie und Trauer vorübergeh'n,
allein in der Erinnerung wie sie sich küßten zum ersten Mal
und wusste das was ihnen gehörte, würde die Zeit übersteh'n.
Und wenn nun auch ich meine Hand wieder in die deine gelegt,
so trauere ich nicht um unseren Sommer, der so schnell verrann.
Mit einer einz'gen Entscheidung hast du doch mein Leben bewegt.
Es wartet des Winters Gemeinsamkeit, was geht der stille Herbst mich an?
Es gibt nichts zu verzeihen
- Viridian
- Beiträge: 107
- Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20
Erneut hat der Sommer in seiner ganzen Pracht Einzug gehalten.
Viele Dinge haben sich verändert.
Manche aber nicht.
Ein Brief erreicht ein Haus am Waldrand.
Viele Dinge haben sich verändert.
Manche aber nicht.
Ein Brief erreicht ein Haus am Waldrand.
- Es waren einst drei Worte, die glitten sanft und leicht
durch meiner Lippen Pforte in die Welt hinein.
Sie streiften durch die Lande, bis sie ihr Ziel erreicht,
Um endlich dir zum Pfande ganz dein und einzig dein zu sein.
Sie werden oft gesprochen, geschrieben und gedacht.
Sie sind ans Licht gekrochen, tief aus meiner Brust.
Sie lagen dort verborgen, mein Herz hat sie bewacht.
Doch dieser junge Morgen erweckte ihre Wanderlust.
Der eine spricht im Rausche und ohne rechten Sinn
Der andere zum Tausche sie kecken Muts daher.
Sie zielen ohne Reue auf schnellen Lustgewinn.
Ich spreche sie aufs Neue, doch wägte ich sie zuvor sehr.
Nun sind sie mir entflogen und flattern frei im Wind,
Auf Wipfeln und auf Wogen bis an dein Ohr heran.
Sie streben dir entgegen, wo sie zu Hause sind.
Sie woll'n zur Ruh' sich legen: bitte nimm dich ihrer an.
Ich
liebe
dich
Ein strîter sô gelêret was, daz er an den buochen las, swaz er dar an geschriben vant: der was Viridian genant, dienstman was er ze Mêrswaht.
- Viridian
- Beiträge: 107
- Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20
Manches schreibt man auch nur, weil es einem gerade danach ist.
Draußen senkt die Sonne sich
Abendstern zeigt sein Gesicht
Nah am Fenster stehe ich
Komponiere ein Gedicht
Es ist nur klein – doch nur für dich:
Ach wie kann das Leben
Schön und dazu lustig sein,
Trau'n wir uns zu streben
Auch nach Weib und Wein.
Rückt ein feines Mädel
In mein Blickfeld dann hinein
Ach – raucht mir das Hirn im Schädel!
Ein strîter sô gelêret was, daz er an den buochen las, swaz er dar an geschriben vant: der was Viridian genant, dienstman was er ze Mêrswaht.
-
Sanna Emilia Kolmar
Mit dem ersten Schnee flattert auch ein Brief in die Truhe vor dem Haus, welches nur wenigen unter dem Namen Vorposten bekannt ist. Dort wartet er auf den Leser, welchem sich folgende, etwas krakelig geschriebene Zeilen offenbaren:
Abschrift eines Liedes des Herrn Loens und somit nicht aus meiner Feder!
Herzblatt am Lindenbaum,
du grüner Maientraum,
es sang die Nachtigall
ihren süßen Schall...
sang Liebe sang Leide
sang Freud´ und sang Leid,
lang ist das Leben
aber kurz die Maienzeit.
Schöne Zeit ist längst vorbei
welk ist der grüne Mai,
Nachtigall singt nicht mehr
der Lindenbaum steht leer...
aus Liebe ward Leide
aus Liebe ward Leid,
lang ist das Leben
aber kurz die Maienzeit
Will in den Garten gehen
wo die letzten Rosen stehn,
aber o weh, o weh
da liegt, da liegt der Schnee...
Schnee, der tut wehe, Schnee, der bringt Leid
lang ist das Leben, aber kurz die Maienzeit
Ich
vermisse
dich
Abschrift eines Liedes des Herrn Loens und somit nicht aus meiner Feder!
Herzblatt am Lindenbaum,
du grüner Maientraum,
es sang die Nachtigall
ihren süßen Schall...
sang Liebe sang Leide
sang Freud´ und sang Leid,
lang ist das Leben
aber kurz die Maienzeit.
Schöne Zeit ist längst vorbei
welk ist der grüne Mai,
Nachtigall singt nicht mehr
der Lindenbaum steht leer...
aus Liebe ward Leide
aus Liebe ward Leid,
lang ist das Leben
aber kurz die Maienzeit
Will in den Garten gehen
wo die letzten Rosen stehn,
aber o weh, o weh
da liegt, da liegt der Schnee...
Schnee, der tut wehe, Schnee, der bringt Leid
lang ist das Leben, aber kurz die Maienzeit
Ich
vermisse
dich
Zuletzt geändert von Sanna Emilia Kolmar am Sonntag 28. Oktober 2012, 15:03, insgesamt 1-mal geändert.