Abegeben am 14. Cirmiasum 253
in Bajard
zu Handen Zoe und Baldor Ainaan
Pandaris
Liebe Mama, lieber Papa!
Mutters Gruß mit euch!
Es tut mir leid, dass ich mich erst so spät melde, aber Vieles ist geschehen, und das Meiste davon betrifft vor allem mich selbst.
Wisset, dass es mir gut geht und ihr euch keine Sorgen machen müsst. Ich habe sogar bereits mehr oder weniger meinen Weg gefunden. Ich bin jetzt in der Lehre als Heilerin auf einer kleinen Insel im Süden Gerimors. Sie ist sumpfig aber dennoch freundlich, und ich habe dort viele Freundinnen kennengelernt.
Talira, meistens ruhig ist sie und besonnen, aber sie treibt fast noch mehr unsinn als ich. Ich glaube, in ihr habe ich das gefunden, was ich in Iswen nie so richtig fand; eine Schwester.
Maja, ihr glaubt gar nicht wie beeindruckt sie mich hat. Sie ist blind, findet sich in der Welt aber besser zurecht als ich es jemals tat. Ich habe sie lieb gewonnen und glaube so fest an sie, wie ich es noch nie zuvor an einen Menschen tat.
Unsere Lehrmeisterin heißt Vefa, eine alte, weise aber auch lustige Frau. Sie hat mir schon soviel beigebracht, dass ich unmöglich aufzählen kann, wieviel ich ihr jetzt, nach so kurzer Zeit schon verdanke.
Die Menschen hier auf Gerimor sind oft seltsam. Hier tobt ein Krieg und viele sind dazu verurteilt, die Welt nur noch schwarz und weiß zu sehen. Mir kommt es oft so vor, als würden sie sich entfremden, stehen nur noch für sich ein und nicht mehr für die anderen. Viel wurde von Tod und Mord gesprochen, und immer war die Gegenseite die Schlechte. Ich praktiziere zwar selbst im Kloster der lichten Götter, wo ich sehr viel über die Menschen, die hier leben, lerne, doch habe ich auch schon Freunde in Rahal gefunden. Es ist eine verrückte Welt und ich habe nur Angst, dass ich meinen Auftrag als Heilerin, jedes Leben zu schützen so einfach nicht erfüllen kann.
Was mir Kraft gibt ist, dass ich meinen Weg gefunden habe und versuche, mir selbst das beste Vorbild zu sein. Solange es Menschen gibt, an die ich glauben kann, glaube ich auch nicht, dass die Welt hier wirklich schlecht ist. Sie ist jedoch kälter als Pandaris. Die Menschen gehen viel fremder miteinander um. Das hat mir Anfangs Angst gemacht, es macht mich jetzt aber eher traurig. Du musst unseren Priester einmal fragen, Mama, ob Eluive das für ihre Kinder so wirklich will. Ich denke nämlich nicht.
Aber egal, wie verdreht diese Welt momentan ist, und wieviel Angst ich schon hatte, das Gute überwiegt, und so hoffe ich,, ich kann euch im Winter für ein paar Wochen besuchen und euch alles ganz genau erzählen, es gibt so viel, das ich euch berichten will, doch kann ich es nicht. Ihr fehlt mir.
Ich liebe euch.
Kuss
Eure
Selene
Briefe nach Hause
-
Selene Ainaan
Briefe nach Hause
Zuletzt geändert von Selene Ainaan am Donnerstag 15. Juli 2010, 16:08, insgesamt 1-mal geändert.