*Unruhig wälzt er sich in seinem Nachtlager hin und her, dicke Schweissperlen auf der Stirn, die in stetigen, sich über das Gesicht ziehenden, Bahnen an ihm herabrinnen. Ab und an ist in der Dunkelheit des Zimmers ein Seufzen und Keuchen zu hören, begleitet von immer wiederkeherendem Zucken, das seinen Körper durchdringt.*
Knarrend und quietschend drückt er die Türe des kleinen Wehrturmes auf, wobei sich die Kälte des kühlen Türmetallgriffes wie ein Schlangengetier durch seinen Körper zu winden scheint. Ein markerschütterndes Frösteln ergreift von ihm Besitz und es braucht einige Sekunden, die er zwischen Tür und Angel wie angewurzelt stehenbleibt, bis er wieder einen klaren Gedanken fassen kann. Blinzelnd sieht er sich um, zuerst garnicht begreifend wo er überhaupt ist und was mit ihm geschieht.
Doch da war er wieder, der Geruch, der ihn all die Tage wie ein treuer Gefährte begleitet hat und sich nun wieder stechend in seiner Nase ausbreitet. Der Geruch nach Rauch und Schweiss, fest eingesogen in seiner Kleidung, in dem Wehrturm, in der ganzen Stadt. Der Geruch nach süsslicher Verwesung, bleiern und schwer, der die ganze Stadt eingehüllt hat und verdeckt, sich daran festklammernd und nicht loslassen wollend. Da war er wieder, dieser Geruch, um ihn daran zu erinnern, wo er war, wer er war.
Kurz blickt er leicht dabei taumelnd zu Boden, ehe er wieder nach vorne starrt, durch die Türe hindurch an der Wehrzinne vorbei, den Blick auf das innere der Stadt gerichtet habend. Stadt? War dies noch eine Stadt? Dicke Rauchschwaden steigen in den winterklaren Himmel hervor, gespeist von den zahlreichen Bränden in jedem Stadtviertel, und vereinigen sich in luftiger Höhe zu einem Mantel aus schwarzem Rauch, der ihm nun so vorkommt wie ein einziges, schwarzes Leichentuch, welches danach trachtet, alles Leben unter sich zu begraben. Langsamen von seiner Rüste scheppernden Schrittes, setzt er einen Schritt vor den anderen. Wie anbrandende Wogen dringt nun der Lärm von unterhalb der Wehrmauer an seine Ohren. Das zähe Knirschen und Scharben von Metall das auf Metall wuchtet, die tumultartigen Laute von Menschenmassen nur hier und da unterbrochen von einzelnen besonders schrillen Schreien, das dumpfe Krachen von Stein, der auf Stein fällt, und das Poltern zusammenbrechender Mauern.
Es ist ihm fast so als nähmen ihm diese immerwieder auf ihn zurollenden Kampfesgeräusche jedwede Luft aus den Lungen und vor seinen Augen beginnt das klare Bild der brennenden Stadt nun langsam zu verwischen und Platz zu machen für schwindelige Schlieren, die durch sein Gesichtsfeld huschen. Mit letzter Kraft gelingt es ihm, sich an der vor ihm befindlichen Wehrzinne abzustützen und wieder halt zu fassen, noch vollständig ergriffen von dem ihn durchdringenden Übelkeitsgefühl. Hierbei jappst er keuchend nach Luft, krampfhaft zu der ihm haltgebenden Zinne sehend.
Das war nicht möglich. Ganz so, als ob ihn seine Augen belügen würden, fährt er nun mit seinen Händen über die aus einem Stein geschlagene Zinne, diese abtastend und untersuchend. Er kannte diese Mauer, früher hatte er solch wehrhaftes Handwerk des Zwergenvolkes wieder und wieder bewundert. Wie sehr war er damals verwundert, dass sie innerhalb so kurzer Zeit eine solche Wehrmauer errichten konnten. Ruckartig, mit der Schnelligkeit eines nach Beute schnappenden Raubtieres, blickt er wieder zur Stadt. Auch diese brennenden Häuser, die unter ihm im Stadtinneren vor sich hin glühten, dabei die in den Himmel lodernden Flammen speisend, kannte er. Er musste schreien.............
*Keuchend fährt er in seinem Bettlager nach oben und schaut sich hastig um, das glitschige, von Schweiss durchtränkte Nachtgewand auf seiner Haut spürend. Doch da war nichts ausser Dunkelheit.*