Anfänge - Musik und Tanz

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Nienke Muehlbeck

Anfänge - Musik und Tanz

Beitrag von Nienke Muehlbeck »

Die Luft war stickig - geschwängert vom scharfen Geruch nach Alkohol und der Hitze eines Feuers, erfüllt mit Rauch und Schweiss, der Schwere eines gerade vergangenen Regens. Und trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen - durchbrach ein einfacher Rythmus allfälliges Gröhlen und Lachen, übertönte sogar den beginnenden Streit zweier Fischer die sich am Vormittag schon in die Wolle bekommen hatten.
Dem einfachen Rythmus folgten ein paar Hände, klatschten das einfache Auf und Abschwellen der Musik mit der Begeisterung von Soldat und Holzfäller, die hier gleichermassen den Tag vergessen wollten.

Und dem einfachen Rythmus folgte das Schwingen und sich Drehen eines bunten Rockes, dessen Falten sich im Tanz auffächerten und in der Gegenbewegung wieder zu sich selbst fanden. Eine helle, glockenklare Stimme begleitete die Bewegungen, das Hin und Her wiegen des Körpers in einem einfachen, obszönen Tavernenlied. Man kannte seine Kundschaft, und die johlte, wo sie näher an der Tänzerin saß und reckte die Hälse, wo man zu weit entfernt saß um einen Blick auf wehende Röcke werfen zu können.
Als einer der Besucher ihr einen, hier nicht wiederzugebenden, Vorschlag entgegenwarf legte sie den Kopf in den Nacken und unterbrach den Gesang für einen Augenblick des heiteren Lachens. Grinsend fuhr sie fort, folgte dem wilder werdenden Rythmus der Musik bis sie (die Musik) und die Tänzerin schließlich zum Stillstand kamen, sich die Brust der jungen Frau hob und senkte, sichtlich von der Anstrengung mitgenommen.
"Nochmal!" "Nochmal!" brüllten sie und während die Tänzerin noch einen Schluck Wein nahm, spielte die Geige schon auf ein neues Lied anzustimmen.


~~ 3 Wochen später , Bajard ~~

Die junge Tänzerin hiess Nienke Muehlbeck und gerade im Moment war das nussbraune Haar mit einem Band zu zwei lockeren Zöpfen zusammen geflochten. Die hellen Augen waren von jenem Braunton der im Einfall der Sonne wie ein sattes Gold, mit dunkler werdender Stunde aber bald wie ein kobaltfarbenes Schwarz aussah. Sie streckte sich, reckte den Hals um das ersehnte Festland endlich in Augenschein nehmen zu können, dem sie sich nun nach langer Seereise endlich näherten. "Spannend?" fragte ein Matrose neben ihr von dem sie wusste, dass er eigentlich besseres zu tun hatte als ihr nachzustellen - sie grinste verschmitzt, zuckte mit den Schultern und verlegte sich darauf, weiter in Richtung Land zu starren.
Eine dunkelrote Robe verhüllte die weiblichen Züge und schützte sie vor dem rauen Wind der hier herrschte, doch an Armen die unter dem Stoff hervorblitzten konnte man das eingetrocknete Salz der See sehen - wie sehr sie sich nach Wasser sehnte, dass nicht salzig oder lediglich zum trinken und kochen bestimmt war!

Hoffnungsvoll blickte sie auf das Land und fragte sich, wo sie mit ihrem Bündel wohl unterkommen würde.
Herbergen und Tavernen gab es überall. Die Sehnsucht nach Musik und Tanz war allgegenwärtig. Sie würde schon durchkommen.
Lachend sah sie dem Land entgegen und blickte es mutigen Auges an.
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