Frauen

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Aldred Ravenor

Frauen

Beitrag von Aldred Ravenor »

Er hatte Frauen noch nie etwas abgewinnen können. Sicher hatte er die eine oder andere gehabt, doch nie hatte er sich lange einer Frau widmen können. Sein Interesse erlahmte meist in Wochenfrist oder gar noch schneller, wenn sie sich wie die Kletten an ihn hängten. Aldred war kein überdurchschnittlich gutaussehender Mann, doch seine ebenmäßigen asketischen Züge, sein selbstbewusstes Auftreten und seine guten Manieren taten doch oftmals ihre Wirkung.

Seit einigen Jahren suchte der junge Student nur noch das kurze Vergnügen in den Armen käuflicher Damen oder er hatte ein kurzes Abenteuer mit einer Wirtshausbekanntschaft. Alles andere würde ihm nur unnötig Zeit rauben und ihm auf die Dauer lästig werden. Spätestens wenn die Frauen davon sprachen, an seinem Leben ‚teilhaben’ zu wollen, ergriff er die Flucht. Nicht wörtlich zu verstehen. Er zog sich zurück, wurde kalt und abweisend, bis er wieder seine Ruhe hatte. Und nie hatte es ihm viel ausgemacht, wenn die Frauen sich zeternd und keifend oder bittend und weinend von ihm abgewandt hatten. Nie hatte er es bedauert, wenn er wieder alleine war.

Umso beunruhigter war er über die neuesten Entwicklungen. Etwas regte sich in seinem Inneren und er spürte es genau. Nur gefallen wollte es ihm so gar nicht. Ihm graute regelrecht davor, dass es hervorbrechen könnte. Er hatte andere Narren gesehen, die völlig den Verstand verloren und sich wie kleine Kinder gebärdeten. So sagte er dem kleinen Funken in sich den Kampf an.......
Aldred Ravenor

Beitrag von Aldred Ravenor »

Die letzten Jahre – und es waren derer nicht wenige gewesen – hatte er sich den Studien gewidmet. Nicht ohne Grund stand er heute da, wo er immer hingewollt hatte. Flüchtig dachte Aldred an die Zeit damals zurück, als sich etwas in seinem Herzen geregt hatte......

Auch da hatte er triumphiert, jegliches Gefühl abgeschüttelt, es im Keim erstickt, so dass sich nie etwas entwickelt hatte. Und?! Bereute er es?! Nie und nimmer!

Neun Jahre lang hatte er die Nase in den Büchern vergraben und seine anfängliche Schwäche für das schnelle Vergnügen war in Gänze von ihm gewichen. Nun stand der Arcomagus vorerst am Ende seines beruflichen Erfolges und nahm sich vor, sein ausgekühltes Herz nicht mehr zu verschließen wie früher. Er wurde nicht jünger und ab und an schlich sich ein leiser Gedanke in seinen Verstand. Würde er eines Tages eine Familie gründen wollen?

Greinende Kleinkinder, die einem den Schlaf rauben, lärmende Bälger, die alles kurz und klein schlagen. Aus wäre es mit den gemütlich Stunden vor dem Kamin mit einem Buch in den Händen. Und doch...... der vertraute Duft einer Frau, ihre Wärme, ihre Liebe..... und Kinder....... hach, viel schlimmer als seine Schüler konnten die auch nicht sein.

Dann schüttelte er meist den Kopf, um diese Gedanken zu vertreiben, und widmete sich wieder seiner Arbeit. Doch ein Hauch des Tagtraumes..... die Idee, sein Herz zu verlieren, erschien ihm nicht mehr ganz so abwegig.

Das war vor ein paar Wochen gewesen. Heute haderte er mit sich selbst, ob sein Schritt aus der Einsamkeit nicht gänzlich überhastet gewesen war...... schon hagelte es Probleme.
Probleme, die er nicht mit einem Machtwort oder seinem Verstand lösen konnte....... und einen winzigen Schritt tat er wieder zurück....... zurück in die Sicherheit aus der sein Herz sich hervorgewagt hatte.
Aldred Ravenor

Beitrag von Aldred Ravenor »

Es war typisch für das Schicksal, dass es sich wieder einmal so grausam zeigte.

Als er beschlossen hatte, seinem Herz von neuem Gehör zu schenken, hatte es sich auch schon bald selbstständig gemacht und es gab eine, die ihn zum Lachen brachte, die ihm – so hatte er das Gefühl – mehr entgegen brachte, als nur die Achtung seines Amtes wegen oder Freundschaft unter Nachbarn.

Seit der Magier das Flirten für sich wiederentdeckt hatte, tat er es gerne, aber nicht wahllos. Und so begann es mit ein paar neckischen Worten hier, einer Andeutung dort, eine flüchtige Berührung. Aldred hegte keine ernsthaften Absichten, doch er fühlte sich wohl in ihrer Gegenwart und genoß diese mehr, als er in den letzten Jahren etwas genossen hatte. Zuerst traf man sich zufällig, war Bajard doch ein kleines Nest. Doch mit der Zeit kam es auch vor, dass er sie besuchte. Nein, weit gediehen war es wahrlich nicht, doch erwischte er sich mehr als einmal dabei, wie er an sie dachte...... Leanne....... ihr glockenklares, perlendes Lachen, ihre anmutigen Bewegungen, ihre kräftigen und doch feingliedrigen Hände...... und die Augen.... grün wie bei einer Wildkatze und doch war sie so sanft und stets freundlich. Und genau das passte so sehr zu seinem eigenen Wesen........ ruhig und bedächtig, genauso wuchs auch hier etwas heran.

Und dann kam der Abend als er Erinya kennenlernte. Zwar war er seltsam berührt als sie ging und hatte nicht ganz verstanden, was sich in seinem Innern abspielte, doch schien sie auf der Suche und auf Wanderschaft...... er würde sie vermutlich nie wiedersehen...... dachte er.

Der Festtag in Varuna. Wie so meist, wollte er nur mal kurz vorbeischauen und einen Eindruck gewinnen. Sich ein wenig unter die Leute mischen und das Gefühl haben, mitten im Leben zu stehen. Seine Freude war groß, als er Leanne dort erblickte – ganz bezaubernd in ihrem Kleid - und an ihren leuchtenden Augen konnte er ablesen, dass es Ihr ganz ähnlich ging. Rot färbten sich seine Wangen, als er sie auf die Tanzfläche führte und bald waren sie mitten unter den Tanzenden – ein Paar unter vielen – lachend, wirbelnd und ganz ging er in dem Moment auf. Die eine Hand führte, die andere um ihre Taille gelegt, ihr kleiner zierlicher Körper so nah an dem seinen, ihr Atem auf seiner Haut, wenn er sich herabbeugte, um ihre Worte in dem Tumult zu verstehen. Ein leichtes Kribbeln schlich sich in seinen Bauch und als er ihr eine Strähne aus dem Gesicht strich, hielt ihn nur die Anwesenheit der vielen Leute davon ab, ihr einen Kuss zu stehlen. Sein Herz schlug schnell und es kam ihm ganz gelegen, dass noch Arbeit auf ihn wartete......... er brauchte ein wenig Zeit, um mit sich selbst ins Reine zu kommen. Und so nahm er ihre Hände in die seinen und ließ seine Lippen flüchtig über sie streichen, um sich zu verabschieden.......

...kaum dass er aufblickte, stand Erinya neben ihnen. Der Mantel, den er ihr gegen die Kälte gegeben hatte, flog in den Schmutz und wütend funkelten ihre Augen. Es tat ihm im Herzen weh, als Leanne sich kühl verabschiedete und ihn stehen ließ. Ihr letzter Blick nahm ihm den Atem und auch dreimal schlucken ließen den Kloß in seinem Hals nicht verschwinden.

Wie kam diese Frau dazu, ihm so eine Szene zu machen?! Ihn so bloßzustellen und Leanne so weh zu tun. Er hatte ihr nichts versprochen........ sein Mantel...... gegen die Kälte...... was für ein Recht hatte sie, ihm diesen Tag zu ruinieren. Doch behielt sein Verstand die Oberhand und er ging ihr nach, um sie zur Rede zu stellen. Auf Ihre Wut – hatte er sie auch vorher schon sehen können – war er nicht vorbereitet und schließlich konnte auch er sich nicht mehr beherrschen und ein heftiger Streit entbrannte. Als diese Bardin sich einmischte, stürmte er wütend davon, und erst vor den Toren der Stadt brüllte er seine Wut in den klaren Nachthimmel hinaus.
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