Ausmaß der Dissonanz: Wie groß ist eine Letharenhöhle?

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Shalaryl Di'naru
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Ausmaß der Dissonanz: Wie groß ist eine Letharenhöhle?

Beitrag von Shalaryl Di'naru »

Die Aufgabe war simpel Auszusprechen: Finde heraus, wie groß der Unter-
schlupf der Letharen ist und wo er genau liegt. Unter Rahal, unter dem Meer,
der Ebene...wo eben. Welche Ausrichtung von dem gefundenen Eingang
aus. Welche Dimension, welches Ausmaß. Ja, es klang so herrlich einfach...

Sie seufzte leicht. ,Shala, kannst du nicht...?' Worte waren so entsetzlich
leicht auszusprechen, aber leider nicht in gleichem Maße umsetzbar.
Ja, sie konnte. Sie hatte nun einen fixen Punkt als Beginn und so nützlich
die schützenden Missklänge um den Unterschlupf sicher auch waren, um
eine entgegengesetzte Melodie nicht einfach von aussen hineinzupflanzen...
so waren es doch auch erfassbare Grenzen. Die Barriere war ein guter
Schutz...aber dazu musste sie nunmal auch wirklich da sein. Was dann
auch den Plan der Waldelfe prägte: Herantasten an den Bereich, den sie
nicht mehr durchdringen konnte mit ihrem Wirken, dann daran entlang
abschätzen, wie groß das ganze Ding sein mochte - und wo genau eigentlich.

Was immer noch erschreckend einfach klang. Ja, die Schwierigkeiten fingen
jetzt erst an...sie zweifelt im Grunde nicht daran, das dissonante Werk in
der Erde so grob zu erfassen wie gefordert. Das Problem dürfte eher sein,
es zu tun ohne sämtliche Alarmglocken der Letharen aufklingen zu lassen
und vor allem - ohne ihnen eine direkte Rückverfolgung zu ermöglichen.
Sicher, sie konnte Orte untersuchen, ohne wirklich dort zu sein. Aber nicht,
ohne dennoch eine Verbindung zu ihrem eigenen "wo" zu haben. Würde
ihre Suche entdeckt, müssten die Letharen nur dem Klang folgen. Also
war ausgeschlossen, sich einfach in ihren Wohnbaum oder in das Zentrum
Ereds zu setzen und dann mal ein wenig Letharen zu suchen. Nein...wenn
sie schon jemanden gefährden musste...dann ausschließlich sich selbst.

Aber ganz ohne Hilfe des Waldes wäre natürlich auch keine gute Idee...also
zog sie sich zurück in das Waldstück, in dem einst die Sala weilte, ein wenig
in den westlichen Bereich, fern des Nebelwaldes und ihrer Brüder und
Schwestern, doch noch immer verbunden mit einer für sie nutzbaren
Hilfe.

Mit einem kleinen Ästchen malt sie eine grobe Karte in den Waldboden:
Hier war sie, dort Rahal, da der Eingang. Eine kleine Hilfe zur Visualisierung,
um den ersten Punkt sicher zu finden. Langsam postiert sie den Bernstein,
das Kleinod aus dem alten Bund des Vertrauens zwischen ihr und dem
Baum, der ihren Geist für das Lied eröffnete, auf dem Punkt der ihren
Standort markiert, legt die rechte Hand darauf, die linke wandert auf den
gemalten Eingang zum Unterschlupf. Ein tiefes Durchatmen im Rascheln des
Waldes, dann schließt sie die Augen. Mattes, goldenes Licht pulsiert einem
Herzschlag gleich im Bernstein auf. Aus dem sachten Schimmer spinnt
sich ein Schein gen der linken Hand, verbindet sie mit der rechten, die
aufgemalten Fixpunkte mit einem Band aus Licht. Gut...Augen sind schon
zu, also durch!

Vorsichtig beginnt der Geist zu wandern, überschreitet mit einem mentalen
Kribbeln die Grenze des ihn bindenden Körpers. Netze aus Klangfäden
halten die Verbindung zum Ursprung aufrecht, während der Fokus der
geistigen Augen sich wandelt, über Wipfel huscht, an Vögeln vorbei die
am Grunde ihrer Seele etwas spüren, dass sie kennen und doch nicht
erklären können. Das Meer glitzert zur rechten, vorne thront die dunkle
Stadt, ein Punkt der Dissonanz daneben, der Eingang... . Sachte gleitet
der Geist hinab, webt sich in den Boden, bis er an ein Hindernis stößt,
das er nicht zu überwinden vermag, nicht einmal wagt es zu versuchen.
Kein Angriff auf die Barriere, kein Versuch sie zu ergründen, nein...der
suchende Geist wandert lediglich herum, entlang der unsichtbaren Grenze
im Boden.
Tarnen des waldelfischen Selbst ist schwierig...die Erde ist verdorben,
nicht durchdrungen von Baumwurzeln; schlammiger Sumpf, verkrüppelte
Pflanzen, Gebäude des Schreckens und abartige Gelüste bilden das
Muster dieses Ortes. Unmöglich, eine rein auf den Seelenklang beschränkte
Präsenz einer Waldelfe hier völlig zu verbergen. Nein...sie kann nun nur
noch hoffen, dass ihre Sondierung Erfolg hat, bevor ein Liedverzerrer der
dunklen Geschwister auf die Idee kommt, dem waldelfischen Geist einen
unwillkommenen Gruß zukommen zu lassen...
Zuletzt geändert von Shalaryl Di'naru am Dienstag 8. Juni 2010, 11:27, insgesamt 1-mal geändert.
Tschiep?
Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Langsam schwebte ihr Geist nach Osten und begann sich mit jedem Meter, den er sich vom vertrauten Leib, der Melodie des Waldes entfernte unwohler zu fühlen.
Geschützt durch die Hülle des Leibes wäre es einfacher gewesen, doch die verderbten Austrahlungen des Einen waren in dieser Gestalt viel spürbarer.
Der Haß, die Macht, Gewalt und Verderben von Jahrhunderten und tausender Verführter hatten sich tief in Land und Berge eingeprägt.
Es war so sehr anders als der Nebelwald, fremd, und hätte die Gestalt einen Magen, er würde sich ihr umdrehen bei den Gefühlen die auf sie eintrommelten, als sie sich der Quelle näherte und ihre Fühler nach den Disharmonien der gefallenen Geschwister austreckte.

Erschreckt mußte sie feststellen, daß sie sehr viel früher als gedacht darauf stieß. Ihr Geist ruckte zurück, wurde klein im Angesicht der verzerrten Melodien. Hier schon? Soweit östlich.
Das dumpfe Pulsieren von blankem ungerichtetem Haß sprang ihr entgegen, drohte sie zu umhüllen. Das mußte der Tempel sein, und wohlweislich hielt sie sich von ihm fern.
Schon dort aber konnte sie jene Disharmonien finden die suchte, und nur hoffen, daß sie in ihrer Überraschung nichts ausgelöst hatte, daß ihre Präsenz verraten würde.

Es war schwierig in dieser pervertierten Umgebung voller falscher Melodien die Orientierung zu behalten und genau zu wissen wo man sich befand.
Nichts war hier so, wie es hätte sein sollen. Der Tempel als drohendes dauerndes Gewummer war ein Orientierungspunkt, aber sie tat gut daran ihm nicht zu nahe zu kommen.
Doch noch etwas anderes war dort. Eine Präsenz so unvorstellbar grausam und haßerfüllt, eingebettet in einen Akkord, der ihr seltsam vertraut, wenn auch verzerrt vorkam.
Umwillkürlich schreckt sie zurück, noch weiter fort von den schützenden Disharmonien, die sie suchte.

Es muß ein weiter Bogen gewesen sein, den sie schlug um zu jenem Ort zu gelangen den sie als Ausgangspunkt wählen wollte, und der jetzt schon fast das Ende ihrer Reise darstellte.
Denn natürlich war es dort zu spüren, jener Klang, dessen Präsenz wie ein Wächter über der Weltenmelodie schwebte.
Dort war er und sonst fast nirgends.

Nach langer Zeit fand sie schließlich zurück zu dem Ort, an dem die vertraute Melodie der alten Sala und der ihr eigene Akkord ihres Leibes zum Ausgang zurückführten, und sie langsam jene quälenden Eindrücke abstreifen konnte, die auf ihren Geist niedergegangen waren.
Der Körper holte zunächst das nach, was ihr Geist nicht vollführen konnte ohne ihn.

Während sie sich danach den Mund abwischte und einen Blick auf ihr kleines Modell warf, das sie sich als Hilfe und Stütze gebaut hatte, kam sie zur einzigen Schlußfolgerung, die diese Reise ergeben hatte.

Leth'Axorn lag fast völlig genau unter Rahal.
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