Zeichnungen... aber stilvoll

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Savea Falkenlohe
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Zeichnungen... aber stilvoll

Beitrag von Savea Falkenlohe »

Alle Wut, alle Enttäuschung, allen Zweifel der letzten Tage beiseite schiebend betrachtete ich die fertigen Zeichnungen und Skizzen.
Ich wollte jetzt weder an Rabendiener, Eisenwartler, Dämoninnen noch an Letharen denken.

Ich schob die Blätter auseinander und ließ den Blick drüber wandern.
Es handelte sich um Bauskizzen, als auch Hauszeichnungen, von angedeuteten Linien und Kohlestrichen laienhaft auf Papier gebannt bis hin zu Pergamenten die bis ins kleinste Detail gefüllt waren. Linien, Striche, Zahlen, Längen, Breiten, Winkel, Rundungen.
Es war kaum zu glauben, dass die Zeichnung die Shaya nach meinen Vorschlägen angefertigt hatte noch irgendetwas mit den Skizzen gemein hatten die der potentielle Baumeister anhand derer erstellt hatte.
Und das, nachdem wir Herrn Katuris Worte zuerst ohnehin für einen Scherz gehalten hatten.

Wir sollten Zeichnungen anfertigen, einen Baumeister suchen, den von ihm ausgesuchten Bauplatz ansehen für…
eine Taverne!
Natürlich… reichte der Sündenpfuhl „Das goldene Lamm“ noch nicht in Berchgard? Gewiss musste dann selbiges auch in die Nähe von Adoran!
Der Gipfel war die Zeichnung die Herr Katuri selbst vorlegte, ein zerknittertes Pergament, auf dem Kindergekritzel zu sehen war und sonst…. nichts.
„Das ist der… Garten?“
„Mmh… eigentlich das Haus.“ Er tippte auf eine dünne Linie. „Hier eine Mauer.“
Shaya brachte es auf den Punkt: „Sieht nach Wäscheleine aus… nach vielen Wäscheleinen.“
„Es fehlt mir eine Örtlichkeit, wie ich sie von früher kenne, eine Art Offizierstreff.“
Am liebsten hätte ich ihn samt Kinderzeichnung aus dem Haus komplementiert, schließlich hatte ich seinen Satz im Heilerhaus noch im Ohr:
„ Ihr könnt Euch Eure Anweisungen dort hinstecken wo Ihr mich nicht mal im Dunkeln nackt sehen wollt, Fräulein Savea.“
Es war gewiss verziehen… aber noch nicht so ganz vergessen.

„So wie das goldene Lamm?“
„Ich wollte Wein trinken und nichts Hochprozentiges... und vor allem keine Schlafplätze haben...“
„Da im Lamm hält sich alles gern auf was Rang und Namen hat.“
„Das mag sein, ich kann mir vorstellen, dass auch in einem Freudenhaus früher oder später viele Menschen mit Rang und Namen auftauchen. aber ich möchte etwas anderes.“
Ich meldete mich geistig schon fast ab, ja, ja, ein Kerl der etwas anderes will, als Weiberröcke, die sich ihm bereitwillig auf den Schoß setzen. Shayas Satz bekam ich nur noch am Rande mit:
„Da wird es sicher schwer die begeisterten Rang und Namensträger aus dem geliebten Lamm zu locken, wenn das Angebot abweicht.“
„Wer eine Dame für Liebeskünste sucht für die Nacht, der kann gerne den Abend im Lamm verbringen, aber wenn jemand einen etwas niveauvolleren Abend verbringen will, um sich zu unterhalten in einer Lautstärke die ich gewohnt bin, nicht beim Apell, den heiße ich willkommen.“
Ich musterte ihn. Niveauvoll, hm? Und das aus seinem Munde.

Shaya hakte weiter nach.
„Demnach seid Ihr also an etwas interessiert, das weder den so offenbar begehrten Eindruck von Sklaverei, noch Sauferei oder Unzucht hinterlässt?“
„Rrichtig. Genau so etwas. Eine Örtlichkeit wo man sich wohlfühlt und wo ich auch erwarten könnte, jederzeit die Herrschaften erwarten zu können. Und genau so soll es eingerichtet und auch geführt werden. Kein Pompom und bunter Plüsch.“
„Hmm... demnach also ein Ort für die höhere Gesellschaft?“
„Nicht ausschließlich. Ich möchte vielleicht eine gesunde Mischung, aus beidem, einen Ort, wo man zwar die Etikette bewahrt, aber man sich nicht fremd vorkommt. Einen Ort, wo junge Soldaten den Geschichten alter Veteranen lauschen können und lernen wie man sich zu benehmen hat.“
Das wollte ich nun genauer wissen.
„Also einen Ort, wo die Herrschaften ebenso willkommen sind wie ihre Bediensteten, der Oberst ebenso willkommen wie seine Gardisten, wo jeder friedlicher Gesinnung einkehren kann, der des Weges kommt und sich gute Unterhaltung und Zerstreuung wünscht?“
Er meinte das tatsächlich ernst, hm?

Ich hatte plötzlich ein Bild vor Augen und je mehr Herr Katuri dann von dem Platz wo das Haus stehen sollte und den Räumlichkeiten die es beherbergen sollte erzählte, formte es sich mehr und mehr vor meinem geistigen Auge.
Es würde am Fuße eines Berges liegen, es würde mit einer Mischung aus edler Gemütlichkeit locken und der Name würde dem Stil entsprechen.
Herr Katuris letzter Satz gab den Ausschlag:
„Ich überlasse das euren Fachhänden.“
Weder Shaya noch ich waren oder sind Fachhandwerker, aber Shaya konnte nach meinen Vorstellungen zeichnen und beide konnten wir den entsprechenden Fachkräften unsere Vorstellungen auseinandersetzen.
Mein Ehrgeiz war angestachelt… und das von einem zuweilen überheblichen Mistkerl.
Mit einem kleinen wehmütigen Lächeln musste ich an Herrn Mondin denken.
„Sonst noch was?“
„Ich habe wenig Vorstellungen, die ich so aussprechen kann. Ich brauche sowas immer vor mir. Das ist mein Problem, ich würde da ganz auf euch vertrauen.“
„Wir hätten also völlig freie Hand Herr Katuri?“
„Ja, ihr habt vollkommen frei Hand.“

Nach etlichen Wochenläufen lagen nun die fertigen Skizzen und Zeichnungen also vor und es war an der Zeit, dass auch Herr Katuri sie zu sehen bekam.
Shaya schrieb ein paar Erklärungen auf und so fand sich alles ordentlich in einer Ledermappe einem Boten übergeben, der diese Herrn Katuri überbrachte.
Raindri Katuri
Beiträge: 2
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Raindri Katuri »

… die Gedanken verschwammen als sich seine Augen langsam schlossen. Das Gesicht von Savea und Shaya tauchte vor ihm auf, wie sie sich seine Zeichnung ansahen. Stolz hatte er sie ihnen präsentiert um sie nach ihrer Meinung zu fragen. Ihr Blick verriet das sie nichts mit dem anfangen konnten was er da auf den Zettel verewigt hatte. Eigentlich war es doch klar zu erkennen, die Grundmauern, der Garten, der Dachansatz, einfach alles. Gut mit ein wenig Fantasie konnte es auch der Fußabdruck eines Straßenköters sein oder halt ein kurze Skizze von Frontlinien, aber für ihn war es mehr. Es war etwas was er hier schon lange gesucht hatte, und nie gefunden. Weder in Adoran noch in der Umgebung.
Er erinnerte sich zu gerne an die Abende in der Taverne mit seinem Freunde von damals und die Abende voller Wein und Geschichten. Ja es waren schöne Abende gewesen, auch wenn es eine andere Zeit gewesen war. Der Krieg tobte nun schon eine Ewigkeit zwischen dem Reiche Ador des I. und Rahal und doch, oder vielleicht gerade deshalb, vermisste er diesen Ort. Etwas was man unter seines gleichen reden konnte. Diskutieren und Spekulieren. Einen Ort wo man wusste das dort gleich gesinnte war, die das hören wollten was man zu sagen hatte und auch verstanden. Ein Ort wo sich niemand drum scherte ob man nun eine Hose aus Leder oder Kette trug und man nicht gleich verwiesen wurde nur weil man seinen Waffengurt bei sich hatte wie eigentlich jeder anständige Mann. Einen Ort wo junge Krieger den alten Rittern staunend noch zu hörten wenn sie über die längst vergangene Schlachten erzählte. Einen Ort wo man Knappen fand die mehr konnten als ein Tablett mit Bierkrügen zu einem der Tische bringen. Es war etwas anderes, sich in einem Schloss zu unterhalten in Sesseln aus schwerem Holz oder in einer stinkenden Taverne, und genau das suchte er wieder. Einen Ort wo eine gepflegte und doch manchmal raue Sprache gesprochen wurde, und man sich dem anderen auch Rede und Antwort stellen konnte ohne gleich von einem der Gardisten im Nacken zu haben die für die Einhaltung von Gesetz zuständig waren. Seine Seensucht nach diesem Ort wurde von Tag zu Tag stärker so dass er diesen Plan entwickelte. Wenn es denn niemand baut mache ich es halt.

So saß er nun im Anwesen zu Hohenfels und deutet auf den kleinen Zettel. Die beiden Frauen sahen sich Ratlos an. Nichts konnten sie mit dem anfangen was dort auf dem Zettel war, rein gar nichts. So holten sie Papier und fragten langsam und geduldig. Alles, jede Kleinigkeit wollten sie wissen, und Raindri erzählte. Erzählte voller Tatendrang und Emotionen. Erinnerungen wurden zurück geholt, die längst vergessen waren. Erinnerungen wie die Ritter zusammen mit ihren Knappen in kurzen Hosen im Weinbottich standen um ihren eigenen Wein zu machen. Hohe Herrschafften die zuvor noch in ihrer Prunkrüstung da standen albernten in kurzen Hosen nun in der Traubenpampe… ja das soll es sein. Flink zeichneten die beiden Fräulein und skizzierten und veränderten wieder ehe sie nach einer Weile Raindri eine perfekte Zeichnung vor die Nase legten die er Skeptisch anschaute. Linie über Linien, Kreuze und wieder Linien. Er hatte nicht den geringsten Schimmer was sie da Aufgezeichnet hatten, aber es sah wirr aus. Jeder der nur halbwegs eine Ahnung von dem Bau eines Hauses hatte wusste was es war. Es war die perfekte Grundrißzeichnung eines Schlosses, doch für ihn waren es nur Linien. Doch eines hatte er in seiner kurzen Zeit in Adoran gelernt. Wiederspreche niemals Savea oder Shaya, und so bat er sie den Bau unter ihre Hände zu nehmen und einen Ort zu suchen wo ihre Zeichnung auch Platz finden würde. Gesagt getan machten sich die beiden Damen auf den Weg und erkundeten die Gegenden, bis sie endliche einen passenden Platz gefunden hatten. Nahe dem versperrten Pass war ein Ort der ihnen groß genug und günstig erschien. Nahe den Wachbataillon welches dort stationiert war. Eigentlich genau dort wo sie ihre Zelte stehen hatten. Nun war es an Raindri es voran zu bringen.
Die Wachen in Berchgard empfingen ihn wie immer. Auch wenn er ein Kamerad war, so hatten sie die letzten Ausflüge von ihm doch noch gut in Erinnerung. Jedesmal wenn er dort war, kam es zu irgendeinem Kampf. Mal waren es Rabendiener, ein anderes Mal Letharen oder einfach nur irgendwelche Kreaturen die aus dem Boden entstiegen. Abwehren hob er seine Hände und beteuerte nur das er mit Sir Rafael reden musste. Sie glaubten ihm ein weiteres Mal auch wenn sie sicher waren das würde Ärger geben. Im Rathaus der Stadt wurde er fündig. Rafael saß wie so oft, über Zeichnungen und Pläne, ein Stapel voller Briefe an deren Seite. Erinnerungen schnellten erneut in ihm hoch. Rafael, der erste Adelige den er damals zu Sicht bekam, und er nicht wusste wer es war. Nur das er Rafael genannt wurde. Rafael, natürlich nannte Raindri ihn auch so, damals, und ein Lächeln als Antwort bekam was nur eines bedeuten konnte: Falsch… aber irgendwann wirst auch du das noch lernen kleiner… So stand er nun vor dem Grafen und wartete das dieser ihm das Wort gab, um sein Anliegen vor bringen konnte. Raindri erzählte Rafael von seinem Plan mit der Taverne, oder besser Club. Einem Club wie man ihn von den Offizieren der Armee gewohnt war. Edel sollte er wirken und Rustikal, nicht billig voller Plüsch mit einem Kamin und stets warmer Küche. Rafael überlegte eine Weile. Es hatte seinen Grund dass die Soldaten genau an diesem Ort stationiert waren. Sie waren zur Sicherung des Passes dort und nicht weil sie Langeweile hatten oder in Adoran zu wenig Platz für sie war. Wenn er sie nun versetzen ließ würden vielleicht in 2 Wochen die nächsten kommen und sie wieder an einer anderen Stelle haben wollen, so schüttelte er den Kopf und verneinte es. Doch wenn Raindri in seinem ganzen Leben gelernt hatte, so das das man seinen Traum nach jagen sollte, und so fing er wieder an, wie so oft, einfach zu Diskutieren. Er erklärte Rafael wie sinnvoll es für die Soldaten dort wäre wenn er sein Schloss bauen würde. Ein fester Ort und Platz gegen Naturgewalten. Eine stets warme Küche, genug Lagerplatz im trockenen, und für die Freizeit nach Dienstschluss ein Ort des Fröhlich sein. Mit einem kurzen Anflug einem Grinsens, hakte der Graf nach. Wenn denn dort eine feste Küche wäre, ob die Soldaten auch Zugang zu diesem Club und zu der Küche bekommen würden? Natürlich antwortete Raindri, genau das ist der Sinn dieses Clubs. Jeder ist willkommen der Treu zu dem Reich steht! Dann soll es so sein, entgegnete Rafael nun das Grinsen nicht mehr verbergend. Dann setze ich euch ein Schreiben auf, als Befehl an die Truppen, ihr Lager zu versetzen und Zeitgleich die Erlaubnis eure Küche nutzen zu dürfen. Raindri schluckte kurz, aber so hatte er es gesagt so soll es geschehen…


Seine Augen schlugen auf... wo war er? Achja... Kloster... Wache... Dienstbeginn. Irgendwann würde wieder eine Zeit kommen in der es ruiger sein würde, das er zurück kann und weiter einrichten...
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