Reise zu den sieben Schreinen der Tugenden Temoras
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Marbur Mylin
Reise zu den sieben Schreinen der Tugenden Temoras
Gebet an Temora
Herrin Temora ich habe meine Sünden erkannt
Auf eine Reise geschickt werde ich nun
Auf dass meine Seele reingewaschen wird
Und ich zurückkehren kann mit erhobenem Haupt
Der erste Schritt wurde mit meiner Beichte getan
Die ich bei Bruder Erken abgelegt habe
Wie gütig er doch war und meinen Schmerz verstand
So barmherzig und mir Mut zugesprochen hat
Der zweite Schritt wurde getan
Mit dem zerstören der sündigen Klinge
Die ich abgelebt habe für immer
Um meine Sünden zu sühnen
Werde ich auf meiner Reise die Nähe finden zu dir
Soll eine neue Klinge geschmiedet werden
Um zu schützen jene vor dem verderben
Die zu schwach sind um sich gegen das Übel zu wehren
Herrin Temora gib mir Kraft und Mut
Um die sieben Schreine der Tugendhaftigkeit
Aufzusuchen und deine Stimme zu hören
Und deine immerwährende Wärme zu spüren
Sieben Tage werde ich durch die Lande streifen
Bewaffnet nur mit deinem Wort selbst
Um mit Hilfe von Bruder Marquez zu begreifen
Was es heisst Reue zu zeigen
Ich mache mich nun auf den Weg Herrin
Mit der Bürde die mir auferlegt wurde
Schütze jene die ich gelernt habe zu lieben
Mein Leben widmen werde ich dir für immer
Herrin Temora ich habe meine Sünden erkannt
Auf eine Reise geschickt werde ich nun
Auf dass meine Seele reingewaschen wird
Und ich zurückkehren kann mit erhobenem Haupt
Der erste Schritt wurde mit meiner Beichte getan
Die ich bei Bruder Erken abgelegt habe
Wie gütig er doch war und meinen Schmerz verstand
So barmherzig und mir Mut zugesprochen hat
Der zweite Schritt wurde getan
Mit dem zerstören der sündigen Klinge
Die ich abgelebt habe für immer
Um meine Sünden zu sühnen
Werde ich auf meiner Reise die Nähe finden zu dir
Soll eine neue Klinge geschmiedet werden
Um zu schützen jene vor dem verderben
Die zu schwach sind um sich gegen das Übel zu wehren
Herrin Temora gib mir Kraft und Mut
Um die sieben Schreine der Tugendhaftigkeit
Aufzusuchen und deine Stimme zu hören
Und deine immerwährende Wärme zu spüren
Sieben Tage werde ich durch die Lande streifen
Bewaffnet nur mit deinem Wort selbst
Um mit Hilfe von Bruder Marquez zu begreifen
Was es heisst Reue zu zeigen
Ich mache mich nun auf den Weg Herrin
Mit der Bürde die mir auferlegt wurde
Schütze jene die ich gelernt habe zu lieben
Mein Leben widmen werde ich dir für immer
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Marbur Mylin
Der Schrein der Gerechtigkeit
Der Tag neigte sich bereits dem Abend zu, als er mit Bruder Marquez das Kloster verliess und den Weg nach Osten einschlug. Gekleidet in ein einfaches Gewand aus Leinen und mit einem schlichten Wanderstab als Stütze gingen sie den kargen Feldweg entlang. Noch wusste er nicht, was ihn erwarten würde, doch war er gespannt, wie diese Schreine aussahen und was für Geschichten sich hinter ihrer Errichtung verbargen. Bald stellte sich heraus, dass Bruder Marquez ein redseliger, doch angenehmer Gefährte für diese seine Reise war. Auch wenn er wusste, dass er diesem Mann bestimmt Blind vertrauen könnte, hielt er sich dennoch zurück über seine Vergangenheit und den Grund seiner Pilgerreise zu erzählen. Er war sich bewusst, dass - obwohl ihn Bruder Marquez begleitete – er selber in Erfahrung bringen musste, wie er Temora näher kommen könnte. Die Tugenden selber und ihre Geschichten würden ihm zu dieser schweren Stunde beistand leisten und vielleicht so für seine Erlösung sorgen. Als sie den Schrein erreichten, senkte sich die Sonne gerade über den Horizont, so dass nur noch ein schwacher Lichtstrahl über die Baumwipfel streifte und den steinernen Schrein erhellte. Ehrfürchtig neigten sie ihren Kopf als sie vor dem Schrein standen, auf dem eine Steinplatte - mit einer Waage darauf abgebildet - eingelassen war.
„Was stellt die Waage für dich dar Bruder Marbur?“, fragte ihn Alessandro nach einer Weile des Schweigens.
„Sie stellt für mich den Ausgleich dar.“ Alessandro nickte sachte mit einem sanften Lächeln auf seinen Lippen.
„Sie kann den Ausgleich darstellen, da habt ihr Recht. Doch die Waage stellt ebenfalls die Gerechtigkeit dar. Dies ist eine Tugend Temoras. Wisst ihr was Gerechtigkeit bedeutet?“ Marbur nickte sachte.
„Ja ich weiss es, doch sagt mir, was Gerechtigkeit für euch und vor allem als Tugend bedeutet?“ Für einen Moment betrachtete Alessandro Marbur stumm, doch dann ergriff er wieder das Wort.
„Gerechtigkeit bedeutet das Beurteilen einer Situation, wobei die Logik im Vordergrund steht und die Emotionen in den Hintergrund gerückt werden müssen. Gerechtes Handeln bedeutet auch, nicht auf Gerüchte oder Vorurteile zu achten, als auch der Stand einer zu beurteilenden Seele keine Rolle spielt. Egal ob Arm oder Reich. Jede Seele muss gleich behandelt werden. Man muss bemüht sein, die Wahrheit zu sehen und ohne Furcht ein Urteil zu fällen. Mit der Erfahrung wächst man und wird weiser. Nur mit dieser gewonnen Weisheit wird man die Wahrheit aufdecken und so zu wahrer Gerechtigkeit finden.“ Marbur dachte über die gesprochenen Worte von Alessandro nach und er glaubte zu verstehen, was ihm der Knappe sagen wollte.
„Ich verstehe was Gerechtigkeit bedeutet Bruder Marquez. Denn bisher sah auch ich die Gerechtigkeit so, wie ihr es mir erzählt habt. Doch bin ich mir auch dessen bewusst, dass es nicht einfach ist Gerecht zu handeln. Doch werde ich mit bestem Wissen und Gewissen handeln. Auf dass ich die wahre Gerechtigkeit finden werde.“ Zufrieden über diese Worte lächelte ihm Alessandro zu und mit sanfterer Stimme sprach er dann weiter.
„Ich möchte euch die Geschichte über diesen Schrein erzählen Bruder Marbur. Semborel, der Sohn eines Dorfrichters war es, der diesen Schrein hier errichtete. Die Urteile seines Vaters waren nie von Gerechtigkeit geprägt, sondern schienen sie von seiner Laune abhängig zu sein. Viele Male versuchte Semborel seinem Vater ins Gewissen zu reden um ihn wieder zurück auf den rechten Weg zu führen. Doch nie fand er Gehör bei seinem Vater. Eher schien sich die Situation zu verschlimmern. Auch bei den Dorfbewohnern stiess er nicht auf Unterstützung, denn zu sehr fürchteten sie seinen Vater. Es kam der Tag, an dem sich Semborel entschloss das Dorf zu verlassen, konnte er die Grausamkeit seines Vaters nicht mehr mit ansehen. Lange Wanderte er durch das Land, bis er schliesslich hier an diesem Ort ankam, wo er die Lehren Temoras empfing. Alleine lebte er hier, umgeben von dem Geruch vom Salzwasser des Meeres. Er errichtete den Schrein der Gerechtigkeit, als Mahnmal gegen die Willkür und Launenhaftigkeit.“ Alessandro verstummte und beobachtete Marbur mit aufmerksamem Blick. Dieser dachte einige Zeit über die Geschichte nach und nickte dann nur Stumm. Sie knieten sich am Fusse des Schreines nieder und beteten zu Temora. Die Nacht war bereits eingebrochen und Dunkelheit umgab sie. In der Nähe des Schreines schlugen sie ihr Nachtlager auf und legten sich zum Schlafen. Doch Marbur lag noch einige Zeit wach und dachte über die Geschichte des Schreines nach.
„Ich verstehe, was er mir mit dieser Geschichte sagen will. Doch ist dies wirklich Gerechtigkeit? Warum hatte Semborel den Rücken dem Dorf zugewandt und die Dorfbewohner so im Stich gelassen. Sie waren ja weiterhin der Willkür seines Vaters ausgeliefert. Wäre es nicht Gerecht gewesen seinen Vater von dem Amt als Dorfrichter zu entheben? Vielleicht lag es aber auch nicht in seiner Macht dies zu bewerkstelligen. Wer weiss… vielleicht hätte es dann nie diesen Schrein gegeben. Und die Menschheit wüsste vielleicht bis heute nicht, was wahre Gerechtigkeit bedeutet? Doch auch wenn er vielleicht hier auf Erden keine Gerechtigkeit erfuhr, so fällte bestimmt Temora ein gerechtes Urteil über ihn.“ Mit diesen Gedanken fiel er in einen tiefen und ruhigen Schlaf. Begleitend von der Gewissheit, dass er Temora einen Schritt näher gekommen war.
Der Tag neigte sich bereits dem Abend zu, als er mit Bruder Marquez das Kloster verliess und den Weg nach Osten einschlug. Gekleidet in ein einfaches Gewand aus Leinen und mit einem schlichten Wanderstab als Stütze gingen sie den kargen Feldweg entlang. Noch wusste er nicht, was ihn erwarten würde, doch war er gespannt, wie diese Schreine aussahen und was für Geschichten sich hinter ihrer Errichtung verbargen. Bald stellte sich heraus, dass Bruder Marquez ein redseliger, doch angenehmer Gefährte für diese seine Reise war. Auch wenn er wusste, dass er diesem Mann bestimmt Blind vertrauen könnte, hielt er sich dennoch zurück über seine Vergangenheit und den Grund seiner Pilgerreise zu erzählen. Er war sich bewusst, dass - obwohl ihn Bruder Marquez begleitete – er selber in Erfahrung bringen musste, wie er Temora näher kommen könnte. Die Tugenden selber und ihre Geschichten würden ihm zu dieser schweren Stunde beistand leisten und vielleicht so für seine Erlösung sorgen. Als sie den Schrein erreichten, senkte sich die Sonne gerade über den Horizont, so dass nur noch ein schwacher Lichtstrahl über die Baumwipfel streifte und den steinernen Schrein erhellte. Ehrfürchtig neigten sie ihren Kopf als sie vor dem Schrein standen, auf dem eine Steinplatte - mit einer Waage darauf abgebildet - eingelassen war.
„Was stellt die Waage für dich dar Bruder Marbur?“, fragte ihn Alessandro nach einer Weile des Schweigens.
„Sie stellt für mich den Ausgleich dar.“ Alessandro nickte sachte mit einem sanften Lächeln auf seinen Lippen.
„Sie kann den Ausgleich darstellen, da habt ihr Recht. Doch die Waage stellt ebenfalls die Gerechtigkeit dar. Dies ist eine Tugend Temoras. Wisst ihr was Gerechtigkeit bedeutet?“ Marbur nickte sachte.
„Ja ich weiss es, doch sagt mir, was Gerechtigkeit für euch und vor allem als Tugend bedeutet?“ Für einen Moment betrachtete Alessandro Marbur stumm, doch dann ergriff er wieder das Wort.
„Gerechtigkeit bedeutet das Beurteilen einer Situation, wobei die Logik im Vordergrund steht und die Emotionen in den Hintergrund gerückt werden müssen. Gerechtes Handeln bedeutet auch, nicht auf Gerüchte oder Vorurteile zu achten, als auch der Stand einer zu beurteilenden Seele keine Rolle spielt. Egal ob Arm oder Reich. Jede Seele muss gleich behandelt werden. Man muss bemüht sein, die Wahrheit zu sehen und ohne Furcht ein Urteil zu fällen. Mit der Erfahrung wächst man und wird weiser. Nur mit dieser gewonnen Weisheit wird man die Wahrheit aufdecken und so zu wahrer Gerechtigkeit finden.“ Marbur dachte über die gesprochenen Worte von Alessandro nach und er glaubte zu verstehen, was ihm der Knappe sagen wollte.
„Ich verstehe was Gerechtigkeit bedeutet Bruder Marquez. Denn bisher sah auch ich die Gerechtigkeit so, wie ihr es mir erzählt habt. Doch bin ich mir auch dessen bewusst, dass es nicht einfach ist Gerecht zu handeln. Doch werde ich mit bestem Wissen und Gewissen handeln. Auf dass ich die wahre Gerechtigkeit finden werde.“ Zufrieden über diese Worte lächelte ihm Alessandro zu und mit sanfterer Stimme sprach er dann weiter.
„Ich möchte euch die Geschichte über diesen Schrein erzählen Bruder Marbur. Semborel, der Sohn eines Dorfrichters war es, der diesen Schrein hier errichtete. Die Urteile seines Vaters waren nie von Gerechtigkeit geprägt, sondern schienen sie von seiner Laune abhängig zu sein. Viele Male versuchte Semborel seinem Vater ins Gewissen zu reden um ihn wieder zurück auf den rechten Weg zu führen. Doch nie fand er Gehör bei seinem Vater. Eher schien sich die Situation zu verschlimmern. Auch bei den Dorfbewohnern stiess er nicht auf Unterstützung, denn zu sehr fürchteten sie seinen Vater. Es kam der Tag, an dem sich Semborel entschloss das Dorf zu verlassen, konnte er die Grausamkeit seines Vaters nicht mehr mit ansehen. Lange Wanderte er durch das Land, bis er schliesslich hier an diesem Ort ankam, wo er die Lehren Temoras empfing. Alleine lebte er hier, umgeben von dem Geruch vom Salzwasser des Meeres. Er errichtete den Schrein der Gerechtigkeit, als Mahnmal gegen die Willkür und Launenhaftigkeit.“ Alessandro verstummte und beobachtete Marbur mit aufmerksamem Blick. Dieser dachte einige Zeit über die Geschichte nach und nickte dann nur Stumm. Sie knieten sich am Fusse des Schreines nieder und beteten zu Temora. Die Nacht war bereits eingebrochen und Dunkelheit umgab sie. In der Nähe des Schreines schlugen sie ihr Nachtlager auf und legten sich zum Schlafen. Doch Marbur lag noch einige Zeit wach und dachte über die Geschichte des Schreines nach.
„Ich verstehe, was er mir mit dieser Geschichte sagen will. Doch ist dies wirklich Gerechtigkeit? Warum hatte Semborel den Rücken dem Dorf zugewandt und die Dorfbewohner so im Stich gelassen. Sie waren ja weiterhin der Willkür seines Vaters ausgeliefert. Wäre es nicht Gerecht gewesen seinen Vater von dem Amt als Dorfrichter zu entheben? Vielleicht lag es aber auch nicht in seiner Macht dies zu bewerkstelligen. Wer weiss… vielleicht hätte es dann nie diesen Schrein gegeben. Und die Menschheit wüsste vielleicht bis heute nicht, was wahre Gerechtigkeit bedeutet? Doch auch wenn er vielleicht hier auf Erden keine Gerechtigkeit erfuhr, so fällte bestimmt Temora ein gerechtes Urteil über ihn.“ Mit diesen Gedanken fiel er in einen tiefen und ruhigen Schlaf. Begleitend von der Gewissheit, dass er Temora einen Schritt näher gekommen war.
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Marbur Mylin
Der Schrein der Opferbereitschaft
Früh am nächsten Morgen machten sie sich auf den Weg zum nächsten Schrein. Der Frühling hatte die Landschaft vollkommen eingenommen und so kamen sie vorbei an blühenden Feldern voller wilder Blumen und Bäumen, die bereits ein sattes Grün um ihre Kronen trugen. Sie sprachen kaum, als sie durch die Wälder streiften. Beide schienen ihren eigenen Gedanken nachzuhängen und so war Marbur überrascht, als sie plötzlich vor dem Schrein standen. Er wimmelte die restlichen Gedankengänge ab um seine Umgebung mit vollster Aufmerksamkeit wahrnehmen zu können. Der Schrein stand, von den Jahren kaum verändert, am ende einer Landzunge zum offenen Meer zugewandt. Man konnte den Eindruck bekommen, als ob sie sich auf einer kleinen einsamen Insel befinden würden. Mit seinem Stab deutete Alessandro auf die im Boden eingelassene Steinplatte.
„Bruder was hat dieses Zeichen zu bedeuten?“, fragte er schliesslich und betrachtete Marbur abwartend.
„Es sieht aus wie eine Träne, oder ein Blutstropfen.“, antwortete dieser Wahrheitsgemäss und betrachtete dabei das Zeichen auf der Steinplatte genauer.
„Und welche Bedeutung könnte es haben Bruder?“ Nachdenklich legte Marbur die Stirn in Falten und suchte nach einer Antwort in seinem Herzen.
„Ein Blutstropfen, da gebe ich euch Recht. Doch was könnte ein Blutstropfen eines jeden Gläubigen bewirken Bruder?“ Noch eine Weile schien Marbur über die Worte Alessandros nachzudenken ehe er ihm dann antwortete.
„ Man blutet, wenn man verletzt wird. Und verletzt wird man, wenn man für etwas einsteht und kämpft.“ Alessandro nickte mit einem sanften Lächeln und gab die Antwort auf seine Frage gleich selber.
„Opferbereitschaft ist eine Tugend der Lichtbringerin. Auch Aufopferung genannt. Denn die Seele die bereit ist sich selber für den Glauben oder die Errettung anderer aufzuopfern ist wahrlich mutig und erlangt meinen vollsten Respekt. Und meine Anerkennung. Wenn von mir, wie dann erst von der Lichtbringerin Bruder?“ Wieder liess er die Worte auf sich wirken. Er nickte Alessandro dann zu, denn er glaubte zu verstehen was es bedeutete sich aufzuopfern.
„Sie werden auch Märtyrer genannt. Sie sind bereit das eigene Leben zu riskieren zum Wohle anderer. Doch nicht nur ihr Leben, sondern jegliches materielle Gut, das sie besitzen. Immer wenn es dem Edlen dient. Die Opferbereitschaft gleicht auch der Liebe Bruder. Wenn ihr vor die Wahl gestellt werdet, so wählt stets den schweren Weg. Oft werden einem Steine in den Weg gelegt, dennoch sollten wir den schwierigen Weg gehen um zu beweisen, dass auch wir Opferbereitschaft zeigen können. Nur wer den leichten Weg geht, zeugt von keiner Opferbereitschaft. Wenn ihr mutig genug seid, eure Liebe zu geben, wie ihr es am heutigen Tag und die nächsten Tage tun werdet, ohne Furcht, habt ihr gewisse Opferbereitschaft gezeigt.“ Kurz schloss Marbur die Augen und leise flüsternd meinte er dann.
„Ohne es zu wissen, hat mich diese Tugend schon das ganze Leben lang begleitet.“ Alessandro horchte kurz auf, nickte dann sachte zu seinen Worten und erzählte dann weiter.
„Es gibt viele Tugenden, die einem Verfolgen Bruder. Doch lasst mich euch erzählen wie es zu diesem Schrein gekommen ist.“ Erwartungsvoll richtete Marbur seinen Blick vom Schrein ab zu Alessandro um ihm aufmerksam zu lauschen.
„Brynn war die Tochter eines sehr erfolgreichen und wohlhabenden Händlers. Er kümmerte sich lediglich um seinen Reichtum um diesen stets zu vergrössern. Die Tochter selber schien ihn nicht zu interessieren und so war er auch nie da, als sie ihn gebraucht hätte. Sein Leben lang gierte er nach mehr Reichtum und nahm sich, was er nur nehmen konnte. Selbst wenn ein befreundeter Händler auf der Strasse landete, blieb er kaltherzig und sah nur über sie hinweg. Doch Brynn war anders als ihr Vater. Sie bemühte sich immer den Armen zu helfen und gab ihnen jegliches Gold, das sie besass. Ihr genügte es, wenn sie die dankbaren Gesichter der Leute sehen konnte, und zu wissen, dass sie ihnen helfen konnte. Eines Tages jedoch erfuhr der Vater von ihrem Verhalten und er versuchte sie aus seinem Haus zu jagen. Seine eigene Tochter. Brynn hatte jedoch auch eine Mutter, welche versuchte ihren Vater zu beruhigen und ihn davon abzuhalten Brynn weg zu jagen. Nur der Weisheit ihrer Mutter verdankte sie es, dass sich das Gemüt ihres Vaters beruhigte und sie dennoch bei ihren Eltern bleiben konnte. Die Mutter von Brynn war das komplette Gegenteil von ihrem Vater und so verschaffte sich Brynn gehör bei ihr. Sie war immer da, wenn sie über ihre Probleme sprechen wollte. Nicht eingeschüchtert von ihrem Vater, fuhr Brynn fort, den Armen zu helfen. Ihre Mutter wusste darüber bescheid und half ihr, dieses Geheimnis zu wahren. Dennoch hielt es Brynn nicht mehr lange zu Hause aus. Sie konnte die Habgier ihres Vaters nicht mehr mit ansehen, so dass sie sich auf den Weg machte. Der Weg führte sie durch tiefe Sümpfe, geleitet von Temora. Bis sie zu diesem Ort, an dem wir nun stehen angelangt war und die Lehren Temoras empfing. So errichtete sie den Schrein der Opferbereitschaft um die Menschen zu mahnen.“ Tief atmete Alessandro ein ehe er Erwartungsvoll zu Marbur blickte.
„Habt ihr verstanden, wozu diese Tugend dient?“ Marbur nickte kurz und ergriff seinerseits das Wort.
„Ich habe nicht nur verstanden, sondern bin ich sogar zu einer Erkenntnis gelangt. Es gibt viele Formen von Opferbereitschaft und ich sehe, dass jede Form genau gleich Edel ist.
„Ihr habt den Sinn verstanden Bruder. Doch jetzt betet. Betet für diejenigen die sich Tag für Tag aufopfern für den Glauben. Betet dafür, dass eure Sünden verziehen werden.“ Vor dem Schrein kniete er sich dann nieder und legte den Stab neben sich auf den Boden. Er faltete die Hände ineinander und fing an zu beten. Seine Lippen bewegten sich dabei stumm. Tief in seinem Herzen verankerte sich diese Tugend. Als sich beide von dem Gebet wieder erhoben und den Schrein hinter sich liessen, vertiefte sich Marbur wieder in seine Gedanken. Er war seinem Ziel wieder näher gekommen und das Gefühl, so nahe bei Temora zu sein wie nie zuvor, erfüllte ihn mit Wärme.
Früh am nächsten Morgen machten sie sich auf den Weg zum nächsten Schrein. Der Frühling hatte die Landschaft vollkommen eingenommen und so kamen sie vorbei an blühenden Feldern voller wilder Blumen und Bäumen, die bereits ein sattes Grün um ihre Kronen trugen. Sie sprachen kaum, als sie durch die Wälder streiften. Beide schienen ihren eigenen Gedanken nachzuhängen und so war Marbur überrascht, als sie plötzlich vor dem Schrein standen. Er wimmelte die restlichen Gedankengänge ab um seine Umgebung mit vollster Aufmerksamkeit wahrnehmen zu können. Der Schrein stand, von den Jahren kaum verändert, am ende einer Landzunge zum offenen Meer zugewandt. Man konnte den Eindruck bekommen, als ob sie sich auf einer kleinen einsamen Insel befinden würden. Mit seinem Stab deutete Alessandro auf die im Boden eingelassene Steinplatte.
„Bruder was hat dieses Zeichen zu bedeuten?“, fragte er schliesslich und betrachtete Marbur abwartend.
„Es sieht aus wie eine Träne, oder ein Blutstropfen.“, antwortete dieser Wahrheitsgemäss und betrachtete dabei das Zeichen auf der Steinplatte genauer.
„Und welche Bedeutung könnte es haben Bruder?“ Nachdenklich legte Marbur die Stirn in Falten und suchte nach einer Antwort in seinem Herzen.
„Ein Blutstropfen, da gebe ich euch Recht. Doch was könnte ein Blutstropfen eines jeden Gläubigen bewirken Bruder?“ Noch eine Weile schien Marbur über die Worte Alessandros nachzudenken ehe er ihm dann antwortete.
„ Man blutet, wenn man verletzt wird. Und verletzt wird man, wenn man für etwas einsteht und kämpft.“ Alessandro nickte mit einem sanften Lächeln und gab die Antwort auf seine Frage gleich selber.
„Opferbereitschaft ist eine Tugend der Lichtbringerin. Auch Aufopferung genannt. Denn die Seele die bereit ist sich selber für den Glauben oder die Errettung anderer aufzuopfern ist wahrlich mutig und erlangt meinen vollsten Respekt. Und meine Anerkennung. Wenn von mir, wie dann erst von der Lichtbringerin Bruder?“ Wieder liess er die Worte auf sich wirken. Er nickte Alessandro dann zu, denn er glaubte zu verstehen was es bedeutete sich aufzuopfern.
„Sie werden auch Märtyrer genannt. Sie sind bereit das eigene Leben zu riskieren zum Wohle anderer. Doch nicht nur ihr Leben, sondern jegliches materielle Gut, das sie besitzen. Immer wenn es dem Edlen dient. Die Opferbereitschaft gleicht auch der Liebe Bruder. Wenn ihr vor die Wahl gestellt werdet, so wählt stets den schweren Weg. Oft werden einem Steine in den Weg gelegt, dennoch sollten wir den schwierigen Weg gehen um zu beweisen, dass auch wir Opferbereitschaft zeigen können. Nur wer den leichten Weg geht, zeugt von keiner Opferbereitschaft. Wenn ihr mutig genug seid, eure Liebe zu geben, wie ihr es am heutigen Tag und die nächsten Tage tun werdet, ohne Furcht, habt ihr gewisse Opferbereitschaft gezeigt.“ Kurz schloss Marbur die Augen und leise flüsternd meinte er dann.
„Ohne es zu wissen, hat mich diese Tugend schon das ganze Leben lang begleitet.“ Alessandro horchte kurz auf, nickte dann sachte zu seinen Worten und erzählte dann weiter.
„Es gibt viele Tugenden, die einem Verfolgen Bruder. Doch lasst mich euch erzählen wie es zu diesem Schrein gekommen ist.“ Erwartungsvoll richtete Marbur seinen Blick vom Schrein ab zu Alessandro um ihm aufmerksam zu lauschen.
„Brynn war die Tochter eines sehr erfolgreichen und wohlhabenden Händlers. Er kümmerte sich lediglich um seinen Reichtum um diesen stets zu vergrössern. Die Tochter selber schien ihn nicht zu interessieren und so war er auch nie da, als sie ihn gebraucht hätte. Sein Leben lang gierte er nach mehr Reichtum und nahm sich, was er nur nehmen konnte. Selbst wenn ein befreundeter Händler auf der Strasse landete, blieb er kaltherzig und sah nur über sie hinweg. Doch Brynn war anders als ihr Vater. Sie bemühte sich immer den Armen zu helfen und gab ihnen jegliches Gold, das sie besass. Ihr genügte es, wenn sie die dankbaren Gesichter der Leute sehen konnte, und zu wissen, dass sie ihnen helfen konnte. Eines Tages jedoch erfuhr der Vater von ihrem Verhalten und er versuchte sie aus seinem Haus zu jagen. Seine eigene Tochter. Brynn hatte jedoch auch eine Mutter, welche versuchte ihren Vater zu beruhigen und ihn davon abzuhalten Brynn weg zu jagen. Nur der Weisheit ihrer Mutter verdankte sie es, dass sich das Gemüt ihres Vaters beruhigte und sie dennoch bei ihren Eltern bleiben konnte. Die Mutter von Brynn war das komplette Gegenteil von ihrem Vater und so verschaffte sich Brynn gehör bei ihr. Sie war immer da, wenn sie über ihre Probleme sprechen wollte. Nicht eingeschüchtert von ihrem Vater, fuhr Brynn fort, den Armen zu helfen. Ihre Mutter wusste darüber bescheid und half ihr, dieses Geheimnis zu wahren. Dennoch hielt es Brynn nicht mehr lange zu Hause aus. Sie konnte die Habgier ihres Vaters nicht mehr mit ansehen, so dass sie sich auf den Weg machte. Der Weg führte sie durch tiefe Sümpfe, geleitet von Temora. Bis sie zu diesem Ort, an dem wir nun stehen angelangt war und die Lehren Temoras empfing. So errichtete sie den Schrein der Opferbereitschaft um die Menschen zu mahnen.“ Tief atmete Alessandro ein ehe er Erwartungsvoll zu Marbur blickte.
„Habt ihr verstanden, wozu diese Tugend dient?“ Marbur nickte kurz und ergriff seinerseits das Wort.
„Ich habe nicht nur verstanden, sondern bin ich sogar zu einer Erkenntnis gelangt. Es gibt viele Formen von Opferbereitschaft und ich sehe, dass jede Form genau gleich Edel ist.
„Ihr habt den Sinn verstanden Bruder. Doch jetzt betet. Betet für diejenigen die sich Tag für Tag aufopfern für den Glauben. Betet dafür, dass eure Sünden verziehen werden.“ Vor dem Schrein kniete er sich dann nieder und legte den Stab neben sich auf den Boden. Er faltete die Hände ineinander und fing an zu beten. Seine Lippen bewegten sich dabei stumm. Tief in seinem Herzen verankerte sich diese Tugend. Als sich beide von dem Gebet wieder erhoben und den Schrein hinter sich liessen, vertiefte sich Marbur wieder in seine Gedanken. Er war seinem Ziel wieder näher gekommen und das Gefühl, so nahe bei Temora zu sein wie nie zuvor, erfüllte ihn mit Wärme.
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Marbur Mylin
Der Schrein der Geistigkeit
Die Reise bis zum nächsten Schrein dauerte weniger lange, als Marbur angenommen hatte. Der Nachmittag neigte sich bereits gen Abend, als sie vor dem kleinen Gebäude standen. Anders als bei den anderen Schreinen, handelte es sich tatsächlich um ein kleines Haus, das sogar eine Eingangstüre besass. Sie erklimmten die wenigen Stufen und traten in den kleinen Raum hinein. Ihnen gegenüber stand ein grosses Ankh an der Wand. Vor diesem befand sich, wie schon bei den anderen Schreinen eine Steinplatte mit einem Symbol darauf. Rechts von ihnen an den Wänden, standen einige Regale, die gefüllt mit Büchern waren. Mit einem Wink der rechten Hand deutete Alessandro auf das Symbol. Dies als eine Frage erkennend antwortete Marbur.
„Das heilige Symbol Temoras oder?“ Als Antwort nickte Alessandro kurz, und schien zufrieden mit der Antwort.
„Ihr habt eine gute Vorahnung Bruder. Doch ist es das Zeichen des Lichten Pantheons. Egal wo ihr dieses Ankh erblickt, so werdet ihr merken, dass ihr auf der sicheren Seite seid. Doch was könnte dieses Zeichen genau bedeuten? Was bedeutet es für euch persönlich?“
„Es steht für mehrere Dinge. Für Glaube, Treue zum Glauben.“ Ein kurzes Lächeln huschte über Alessandros Lippen.
„Ihr nähert euch der Bedeutung als Tugend langsam. Doch was es mit sich trägt ist die Geistigkeit. Dies ist die nächste Tugend, die ich euch erklären werde.“ Mit nachdenklicher Miene schaute Marbur auf das Symbol und nickte knapp.
„Die spirituelle Seele der Geistigkeit sucht stets nach der Wahrheit. Sie wird stets danach streben mehr über ihre eigene Natur zu erfahren. Genauso über die Natur von anderem. Von ihrer Umgebung. Geistigkeit ist der Grundstein, aus dem sich die Blume der Tugenden entwickelt hat. Sie ist auch der Wunsch der Seele sich ständig zu verbessern. Wenn wir nach Liebe und Mut streben, so wird es unsere geistige Energie sein, die das nötige Gleichgewicht schafft. Und friedvolle Geistigkeit erlangt nur, wer Wahrheit, Liebe und Mut als eine Einheit in sich erkennt.“ Abschliessend schloss er die Augen und als er sie wieder öffnete, war sein Blick auf Marbur gerichtet. Ihn prüfend anschauend.
„Dies ist etwas Neues für mich und noch bin ich ein wenig unsicher. Doch könnt ihr mir die Geschichte über diesen Schrein erzählen? Vielleicht verstehe ich dann besser was Geistigkeit bedeutet.“
„Natürlich Bruder. Lauscht aufmerksam meinen Worten und findet die Wahrheit für euch selber heraus.“ Mit ein wenig Verspätung nickte Marbur wieder und versuchte sich auf die nächsten Worte von Alessandro zu konzentrieren, in der Hoffnung, dass er verstehen würde, was diese Tugend genau bedeutete.
„Fasamar, geboren als Sohn eines Dorfschmiedes, war von Kindheit auf das harte Arbeiten gewohnt. Dennoch waren es die Bücher, die ihn mehr reizten als das glühende Metall. Die Kinder von wohlhabenden Eltern, erzählten ihm oft, was sie neues in verschiedenen Büchern gelesen hatten. Denn ihnen war es vergönnt in dem Dorf zur Schule zu gehen. Fasamar sehnte sich danach, wie die anderen Kinder selber auch in diese Schule zu gehen. Doch sein Vater hielt nicht viel von dem. Verdiente er doch mit harter Arbeit an der Hitze des Feuers seinen unterhalt und nicht mit geschriebenen Worten auf Pergamentstücken. Fasamar liebte seinen Vater und so gehorchte er auch. Denn ehrfürchtig blickte er zu jenem hoch. Doch eines Tages, als Fasamar etwas älter wurde, kam der Tag an dem Temora ihr heiliges Kind zu sich rief. Es wurde Zeit für ihn ihre Lehren zu empfangen. So musste er das Dorf und seinen Vater verlassen um den Weg bis hierhin zu finden. Tief in einem Wald, wo bereits ein Gebäude errichtet worden war. Er erkannte, dass hier früher wohl eine sehr stolze und reiche Ortschaft bestanden hatte. Marmorgestein und einige Ziegel erkannte er nur, welches noch auf die Vergangenheit hindeutete. Er erkannte dieses Gebäude als eine frühere Bibliothek. Viele Bücher befanden sich in ihr. Obwohl Fasamar nie gelernt hatte zu lesen und nicht wusste, wie man Bücher zu benutzen hatte, bewahrte er sie auf und schützte sie. Aus der einstigen Bibliothek entstand der Schrein der Geistigkeit. Als Mahnung an alle Menschen, dass das Leben stets lernen bedeutet. Und dass man ohne das Lernen nicht vorankommen würde. Es heisst auch, dass im laufe der Jahre Fasamar das Lesen erlernt hatte und die Schätze die diese Bücher in sich bergen tief in sich verinnerlicht hatte.“ Tief durchatmend schloss er die Geschichte ab und betrachtete wieder Marbur.
„Geistigkeit bedeutet also das Streben und erlangen von Wissen, sowie das Stärken des Geistes um diesen dann für den Glauben einsetzen zu können?“ Zufrieden nickte Alessandro ob seiner Worte und deutete dann auf den Schrein.
„Nun betet für die Geistigkeit, für Wissen und dass ihr mit dem Wissen eure Sünden tilgen könnt.“ Sich vor dem Schrein hinkniend, faltete er die Hände ineinander und begann ein stummes Gebet in dem er Temora anrief um Wissen und geistige Stärke. Nach dem Gebet standen sie wieder auf und blieben einige Zeit stumm, ehe Marbur das Wort an Alessandro richtete.
„Habt ihr diese Bücher alle schon einmal gelesen?“ Mit einem Schmunzeln auf den Lippen antwortete Alessandro ihm.
„Ich musste. Doch würde ich es euch auch empfehlen.“ Marburs Stirn kräuselte sich.
„War es denn ein müssen?“
„Ich bin Knappe. Ich muss dieses Wissen haben.“
„Ihr wurdet aber freiwillig Knappe oder?“
„Ich wurde auserwählt und ich nahm an. Denn es gibt nichts schöneres Ihr näher zu sein.“
„Dann sollte das Lesen dieser Bücher ja eine Freude sein. Kein Muss.“
„Es war auch eine Freude sie zu lesen.“ Etwas verwirrt ob dieser Konversation schüttelte Marbur nur sachte den Kopf.
„Ich werde wohl einige Male hierhin zurückkehren. Es hat viele Bücher, die darauf warten von mir gelesen zu werden.“ Zufrieden nickte Alessandro ihm zu und deutete dann auf den Ausgang.
„Wir müssen nun weiter Bruder. Unser Lager werden wir weit im Norden von hier aufschlagen. Es wird uns einige Zeit in Anspruch nehmen bis dorthin zu gelangen. Also auf.“ Sie verliessen den Schrein und wandten sich Richtung Norden. Lange wanderten sie durch die bereits hereingebrochene Nacht. Bis sie einen Ort fanden, nahe einer Klippe, wo sie ihr Lager aufschlugen und sich zur Ruhe legten.
Die Reise bis zum nächsten Schrein dauerte weniger lange, als Marbur angenommen hatte. Der Nachmittag neigte sich bereits gen Abend, als sie vor dem kleinen Gebäude standen. Anders als bei den anderen Schreinen, handelte es sich tatsächlich um ein kleines Haus, das sogar eine Eingangstüre besass. Sie erklimmten die wenigen Stufen und traten in den kleinen Raum hinein. Ihnen gegenüber stand ein grosses Ankh an der Wand. Vor diesem befand sich, wie schon bei den anderen Schreinen eine Steinplatte mit einem Symbol darauf. Rechts von ihnen an den Wänden, standen einige Regale, die gefüllt mit Büchern waren. Mit einem Wink der rechten Hand deutete Alessandro auf das Symbol. Dies als eine Frage erkennend antwortete Marbur.
„Das heilige Symbol Temoras oder?“ Als Antwort nickte Alessandro kurz, und schien zufrieden mit der Antwort.
„Ihr habt eine gute Vorahnung Bruder. Doch ist es das Zeichen des Lichten Pantheons. Egal wo ihr dieses Ankh erblickt, so werdet ihr merken, dass ihr auf der sicheren Seite seid. Doch was könnte dieses Zeichen genau bedeuten? Was bedeutet es für euch persönlich?“
„Es steht für mehrere Dinge. Für Glaube, Treue zum Glauben.“ Ein kurzes Lächeln huschte über Alessandros Lippen.
„Ihr nähert euch der Bedeutung als Tugend langsam. Doch was es mit sich trägt ist die Geistigkeit. Dies ist die nächste Tugend, die ich euch erklären werde.“ Mit nachdenklicher Miene schaute Marbur auf das Symbol und nickte knapp.
„Die spirituelle Seele der Geistigkeit sucht stets nach der Wahrheit. Sie wird stets danach streben mehr über ihre eigene Natur zu erfahren. Genauso über die Natur von anderem. Von ihrer Umgebung. Geistigkeit ist der Grundstein, aus dem sich die Blume der Tugenden entwickelt hat. Sie ist auch der Wunsch der Seele sich ständig zu verbessern. Wenn wir nach Liebe und Mut streben, so wird es unsere geistige Energie sein, die das nötige Gleichgewicht schafft. Und friedvolle Geistigkeit erlangt nur, wer Wahrheit, Liebe und Mut als eine Einheit in sich erkennt.“ Abschliessend schloss er die Augen und als er sie wieder öffnete, war sein Blick auf Marbur gerichtet. Ihn prüfend anschauend.
„Dies ist etwas Neues für mich und noch bin ich ein wenig unsicher. Doch könnt ihr mir die Geschichte über diesen Schrein erzählen? Vielleicht verstehe ich dann besser was Geistigkeit bedeutet.“
„Natürlich Bruder. Lauscht aufmerksam meinen Worten und findet die Wahrheit für euch selber heraus.“ Mit ein wenig Verspätung nickte Marbur wieder und versuchte sich auf die nächsten Worte von Alessandro zu konzentrieren, in der Hoffnung, dass er verstehen würde, was diese Tugend genau bedeutete.
„Fasamar, geboren als Sohn eines Dorfschmiedes, war von Kindheit auf das harte Arbeiten gewohnt. Dennoch waren es die Bücher, die ihn mehr reizten als das glühende Metall. Die Kinder von wohlhabenden Eltern, erzählten ihm oft, was sie neues in verschiedenen Büchern gelesen hatten. Denn ihnen war es vergönnt in dem Dorf zur Schule zu gehen. Fasamar sehnte sich danach, wie die anderen Kinder selber auch in diese Schule zu gehen. Doch sein Vater hielt nicht viel von dem. Verdiente er doch mit harter Arbeit an der Hitze des Feuers seinen unterhalt und nicht mit geschriebenen Worten auf Pergamentstücken. Fasamar liebte seinen Vater und so gehorchte er auch. Denn ehrfürchtig blickte er zu jenem hoch. Doch eines Tages, als Fasamar etwas älter wurde, kam der Tag an dem Temora ihr heiliges Kind zu sich rief. Es wurde Zeit für ihn ihre Lehren zu empfangen. So musste er das Dorf und seinen Vater verlassen um den Weg bis hierhin zu finden. Tief in einem Wald, wo bereits ein Gebäude errichtet worden war. Er erkannte, dass hier früher wohl eine sehr stolze und reiche Ortschaft bestanden hatte. Marmorgestein und einige Ziegel erkannte er nur, welches noch auf die Vergangenheit hindeutete. Er erkannte dieses Gebäude als eine frühere Bibliothek. Viele Bücher befanden sich in ihr. Obwohl Fasamar nie gelernt hatte zu lesen und nicht wusste, wie man Bücher zu benutzen hatte, bewahrte er sie auf und schützte sie. Aus der einstigen Bibliothek entstand der Schrein der Geistigkeit. Als Mahnung an alle Menschen, dass das Leben stets lernen bedeutet. Und dass man ohne das Lernen nicht vorankommen würde. Es heisst auch, dass im laufe der Jahre Fasamar das Lesen erlernt hatte und die Schätze die diese Bücher in sich bergen tief in sich verinnerlicht hatte.“ Tief durchatmend schloss er die Geschichte ab und betrachtete wieder Marbur.
„Geistigkeit bedeutet also das Streben und erlangen von Wissen, sowie das Stärken des Geistes um diesen dann für den Glauben einsetzen zu können?“ Zufrieden nickte Alessandro ob seiner Worte und deutete dann auf den Schrein.
„Nun betet für die Geistigkeit, für Wissen und dass ihr mit dem Wissen eure Sünden tilgen könnt.“ Sich vor dem Schrein hinkniend, faltete er die Hände ineinander und begann ein stummes Gebet in dem er Temora anrief um Wissen und geistige Stärke. Nach dem Gebet standen sie wieder auf und blieben einige Zeit stumm, ehe Marbur das Wort an Alessandro richtete.
„Habt ihr diese Bücher alle schon einmal gelesen?“ Mit einem Schmunzeln auf den Lippen antwortete Alessandro ihm.
„Ich musste. Doch würde ich es euch auch empfehlen.“ Marburs Stirn kräuselte sich.
„War es denn ein müssen?“
„Ich bin Knappe. Ich muss dieses Wissen haben.“
„Ihr wurdet aber freiwillig Knappe oder?“
„Ich wurde auserwählt und ich nahm an. Denn es gibt nichts schöneres Ihr näher zu sein.“
„Dann sollte das Lesen dieser Bücher ja eine Freude sein. Kein Muss.“
„Es war auch eine Freude sie zu lesen.“ Etwas verwirrt ob dieser Konversation schüttelte Marbur nur sachte den Kopf.
„Ich werde wohl einige Male hierhin zurückkehren. Es hat viele Bücher, die darauf warten von mir gelesen zu werden.“ Zufrieden nickte Alessandro ihm zu und deutete dann auf den Ausgang.
„Wir müssen nun weiter Bruder. Unser Lager werden wir weit im Norden von hier aufschlagen. Es wird uns einige Zeit in Anspruch nehmen bis dorthin zu gelangen. Also auf.“ Sie verliessen den Schrein und wandten sich Richtung Norden. Lange wanderten sie durch die bereits hereingebrochene Nacht. Bis sie einen Ort fanden, nahe einer Klippe, wo sie ihr Lager aufschlugen und sich zur Ruhe legten.
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Marbur Mylin
Der Schrein der Ehre
Früh am nächsten Morgen machten sich die beiden wieder auf den Weg. Weiter nach Norden wanderten sie zu, über Wiesen und durch Wälder. Nach einiger Zeit, die Marbur wie eine Ewigkeit vorkam, öffnete sich eine Lichtung im Wald mit einem kleinen See. In Mitten des Sees sahen sie eine kleine Insel auf dem der nächste Schrein erbaut wurde. Neben Alessandro blieb er stehen und schaute sich kurz in der Gegend um. Es war ein wunderschöner Platz und es schien, als würde der Schrein ein sanftes, pulsierendes Licht ausstrahlen. Ehe Marbur diesen Gedanken weiterverfolgen konnte, vernahm er die Stimme von Alessandro.
„Ihr kommt eurem Ziel immer näher. Hat sich etwas in eurem Gemüt geändert? Ist die Last eurer Sünden etwas leichter geworden?“
„Noch bin ich nicht am Ende meiner Reise Bruder.“ Entgegnete er in einem fast ermahnenden Tonfall.
„Doch das Ende eurer Reise rückt näher. Spürt ihr irgendetwas Neues?“ Mit dem aufmerksamen Blick, den Marbur schon einige male an Alessandro bemerkt hatte, musterte dieser ihn.
„Ich spüre Ihre Nähe. Stärker als bisher… doch immer noch nicht ausreichend.“ Ohne etwas darauf zu erwidern setzte sich Alessandro in Bewegung und näherte sich dem Schrein. Marbur blieb noch einen Moment lang stehen, ehe er ihm folgte. Vor der Steinplatte mit dem Symbol blieben die beiden nebeneinander stehen und betrachteten sie. Stumm deutete Alessandro auf das Symbol. Ein Gefäss war abgebildet, einem Kelch gleich.
„Wir sind bei dem Schrein der Ehre. Um an Ehre zu gelangen und diese zu wahren, brecht nie eine angefangene Aufgabe ab. Seid geprägt von Loyalität zu euren Mitstreitern zu euren Brüdern. Denn dies wird im Leben sehr hoch bewertet. Es reicht schon, nur einmal kurz zu zögern in einer Entscheidung und schon kann man seine Ehre verlieren. Also zögert nie Bruder. Überlegt ehe ihr handelt doch zögert nicht. Ihr müsst Entscheidungen treffen, ohne Zeit zu verlieren. Denn wisset. Ehre wieder zu erlangen ist viel schwieriger als sie zu verlieren. Doch wenn ihr stets nach der Wahrheit strebt, egal wie stark ein Sturm der Verführung euch entgegen weht, so habt stets ein Ziel vor Augen und lasst dieses Ziel nicht los. Denn eine ehrenhafte Seele ist diejenige die ihre Aufgabe zu Ende bringt und ihr Ziel erreicht.“ Er verstummt kurz ehe er ihn dann bedächtig anblickt.
„Habt ihr verstanden?“ Den Blick hatte Marbur weiterhin auf den Schrein gerichtet, doch nickte er sachte, als die Worte bis zu ihm durchdrangen.
„Kommen wir nun zur Geschichte des Schreines. Alsamar, ein Kind der Lichtbringerin, wurde geboren als Sohn eines stolzen Kämpfers, der voller Stolz im Königsheer dienlich war. Und so schien es die Bestimmung von Alsamar zu sein, ebenfalls den Umgang mit dem Schwert zu erlernen. Es war Tradition im dienste der königlichen Familie zu stehen, denn seine Familie tat dies schon seit Generationen. Doch Alsamar lehnte stets ab, die Klinge gegen andere zu erheben. Während seine Brüder ihren Vater mit Stolz erfüllten, blickte dieser nur enttäuscht und voller Schande zu Alsamar nieder. Er wurde immer mehr unter Druck gesetzt von seinem Vater und je länger er dies ertragen musste, umso kränker wurde er. So rief ihn Temora zu sich und der Junge verlies sogleich das Haus, ohne irgendjemandem bescheid zu geben. Sein Weg führte ihn genau hier hin wo wir heute stehen. Er fand diesen See mit einer wunderschönen Insel. Er verweilte hier und empfing die Lehren Temoras. Als er ihre Lehren empfangen hatte und sie verstand, wählte er denselben Weg, den seine Familie bereits seit Generationen ging. Er erkannte jedoch, dass dieser Weg grausam war, wenn man nicht der Tugend der Ehre folgte. So war es Alsamar, der diesen Schrein errichtete mit voller Ehre in seinem Herzen.“ Wieder schloss Alessandro und atmete tief durch. Marbur nickte sachte und blickte weiterhin die Steinplatte an. Und plötzlich schien es, als würde sich etwas in dem Stein regen. Wie eine kleine Blume die ihre Blüte zur Sonne öffnet, fühlte Marbur etwas Vertrautes in ihm, als wäre da etwas, das immer und jederzeit bei ihm ist und über ihn wacht. Auch Alessandro schien das Selbe zu fühlen wie Marbur, denn er sprach flüsternd.
„Bruder, ich sagte euch bereits, dass sie uns erwartet hat.“ Mit einem Fingerdeut machte er Marbur klar, sich hinzuknien. Beide knieten sich nebeneinander nieder und dann sprach Alessandro weiter.
„Am heutigen Tag, werde ich dieses Gebet sprechen. In anbetracht deines Lichtes, deines Funken… deiner Tugendhaftigkeit… deiner Kodexe, knien wir nun hier, damit Bruder Marbur seine Sünden reinwaschen kann. Wahrlich du bist diejenige die uns leitet, die uns ihren Adler schickt, damit er seine Streiter und Kinder schützt. So schütze auch jene die sich dir niederwerfen, an den Tagen an denen es schwierig wird für deine Streiter. Ich bin dein Knappe, derjenige den du erwählt hast um diesen Weg zu gehen, mein Herz aufblühen lässt. Die Nähe zu Bruder Marbur hat sich als etwas bewiesen, das uns zueinander führte und wir hier am heutigen Abend ein Herz und eine Seele vertreten um dir zu dienen.“ Während Alessandro das Gebet sprach, schien etwas Marburs Wange zu berühren, sanft und warm, war das Gefühl dabei. Es war eine Berührung gleich der einer Mutter die ihrem Kind sanft über die Wange streichelt. Doch so plötzlich dieses Gefühl auch kam, so war es auch schon wieder vorbei. Als sie die Augen öffneten und einander ansahen, wussten sie, dass sie beide genau das Selbe Erlebnis hatten. Sanft lächelten sie sich gegenseitig an, als sie gemeinsam aus dem Schrein in die freie Natur hinaustraten.
„Ihr kommt eurem Ziel näher Bruder. In grossen Schritten.“ Marbur nickte nur stumm bei diesen Worten, denn sie setzten ihren Weg zum nächsten Schrein bereits fort.
Früh am nächsten Morgen machten sich die beiden wieder auf den Weg. Weiter nach Norden wanderten sie zu, über Wiesen und durch Wälder. Nach einiger Zeit, die Marbur wie eine Ewigkeit vorkam, öffnete sich eine Lichtung im Wald mit einem kleinen See. In Mitten des Sees sahen sie eine kleine Insel auf dem der nächste Schrein erbaut wurde. Neben Alessandro blieb er stehen und schaute sich kurz in der Gegend um. Es war ein wunderschöner Platz und es schien, als würde der Schrein ein sanftes, pulsierendes Licht ausstrahlen. Ehe Marbur diesen Gedanken weiterverfolgen konnte, vernahm er die Stimme von Alessandro.
„Ihr kommt eurem Ziel immer näher. Hat sich etwas in eurem Gemüt geändert? Ist die Last eurer Sünden etwas leichter geworden?“
„Noch bin ich nicht am Ende meiner Reise Bruder.“ Entgegnete er in einem fast ermahnenden Tonfall.
„Doch das Ende eurer Reise rückt näher. Spürt ihr irgendetwas Neues?“ Mit dem aufmerksamen Blick, den Marbur schon einige male an Alessandro bemerkt hatte, musterte dieser ihn.
„Ich spüre Ihre Nähe. Stärker als bisher… doch immer noch nicht ausreichend.“ Ohne etwas darauf zu erwidern setzte sich Alessandro in Bewegung und näherte sich dem Schrein. Marbur blieb noch einen Moment lang stehen, ehe er ihm folgte. Vor der Steinplatte mit dem Symbol blieben die beiden nebeneinander stehen und betrachteten sie. Stumm deutete Alessandro auf das Symbol. Ein Gefäss war abgebildet, einem Kelch gleich.
„Wir sind bei dem Schrein der Ehre. Um an Ehre zu gelangen und diese zu wahren, brecht nie eine angefangene Aufgabe ab. Seid geprägt von Loyalität zu euren Mitstreitern zu euren Brüdern. Denn dies wird im Leben sehr hoch bewertet. Es reicht schon, nur einmal kurz zu zögern in einer Entscheidung und schon kann man seine Ehre verlieren. Also zögert nie Bruder. Überlegt ehe ihr handelt doch zögert nicht. Ihr müsst Entscheidungen treffen, ohne Zeit zu verlieren. Denn wisset. Ehre wieder zu erlangen ist viel schwieriger als sie zu verlieren. Doch wenn ihr stets nach der Wahrheit strebt, egal wie stark ein Sturm der Verführung euch entgegen weht, so habt stets ein Ziel vor Augen und lasst dieses Ziel nicht los. Denn eine ehrenhafte Seele ist diejenige die ihre Aufgabe zu Ende bringt und ihr Ziel erreicht.“ Er verstummt kurz ehe er ihn dann bedächtig anblickt.
„Habt ihr verstanden?“ Den Blick hatte Marbur weiterhin auf den Schrein gerichtet, doch nickte er sachte, als die Worte bis zu ihm durchdrangen.
„Kommen wir nun zur Geschichte des Schreines. Alsamar, ein Kind der Lichtbringerin, wurde geboren als Sohn eines stolzen Kämpfers, der voller Stolz im Königsheer dienlich war. Und so schien es die Bestimmung von Alsamar zu sein, ebenfalls den Umgang mit dem Schwert zu erlernen. Es war Tradition im dienste der königlichen Familie zu stehen, denn seine Familie tat dies schon seit Generationen. Doch Alsamar lehnte stets ab, die Klinge gegen andere zu erheben. Während seine Brüder ihren Vater mit Stolz erfüllten, blickte dieser nur enttäuscht und voller Schande zu Alsamar nieder. Er wurde immer mehr unter Druck gesetzt von seinem Vater und je länger er dies ertragen musste, umso kränker wurde er. So rief ihn Temora zu sich und der Junge verlies sogleich das Haus, ohne irgendjemandem bescheid zu geben. Sein Weg führte ihn genau hier hin wo wir heute stehen. Er fand diesen See mit einer wunderschönen Insel. Er verweilte hier und empfing die Lehren Temoras. Als er ihre Lehren empfangen hatte und sie verstand, wählte er denselben Weg, den seine Familie bereits seit Generationen ging. Er erkannte jedoch, dass dieser Weg grausam war, wenn man nicht der Tugend der Ehre folgte. So war es Alsamar, der diesen Schrein errichtete mit voller Ehre in seinem Herzen.“ Wieder schloss Alessandro und atmete tief durch. Marbur nickte sachte und blickte weiterhin die Steinplatte an. Und plötzlich schien es, als würde sich etwas in dem Stein regen. Wie eine kleine Blume die ihre Blüte zur Sonne öffnet, fühlte Marbur etwas Vertrautes in ihm, als wäre da etwas, das immer und jederzeit bei ihm ist und über ihn wacht. Auch Alessandro schien das Selbe zu fühlen wie Marbur, denn er sprach flüsternd.
„Bruder, ich sagte euch bereits, dass sie uns erwartet hat.“ Mit einem Fingerdeut machte er Marbur klar, sich hinzuknien. Beide knieten sich nebeneinander nieder und dann sprach Alessandro weiter.
„Am heutigen Tag, werde ich dieses Gebet sprechen. In anbetracht deines Lichtes, deines Funken… deiner Tugendhaftigkeit… deiner Kodexe, knien wir nun hier, damit Bruder Marbur seine Sünden reinwaschen kann. Wahrlich du bist diejenige die uns leitet, die uns ihren Adler schickt, damit er seine Streiter und Kinder schützt. So schütze auch jene die sich dir niederwerfen, an den Tagen an denen es schwierig wird für deine Streiter. Ich bin dein Knappe, derjenige den du erwählt hast um diesen Weg zu gehen, mein Herz aufblühen lässt. Die Nähe zu Bruder Marbur hat sich als etwas bewiesen, das uns zueinander führte und wir hier am heutigen Abend ein Herz und eine Seele vertreten um dir zu dienen.“ Während Alessandro das Gebet sprach, schien etwas Marburs Wange zu berühren, sanft und warm, war das Gefühl dabei. Es war eine Berührung gleich der einer Mutter die ihrem Kind sanft über die Wange streichelt. Doch so plötzlich dieses Gefühl auch kam, so war es auch schon wieder vorbei. Als sie die Augen öffneten und einander ansahen, wussten sie, dass sie beide genau das Selbe Erlebnis hatten. Sanft lächelten sie sich gegenseitig an, als sie gemeinsam aus dem Schrein in die freie Natur hinaustraten.
„Ihr kommt eurem Ziel näher Bruder. In grossen Schritten.“ Marbur nickte nur stumm bei diesen Worten, denn sie setzten ihren Weg zum nächsten Schrein bereits fort.
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Marbur Mylin
Der Schrein des Mitgefühls
„Ich stellte euch diese Frage bei jedem Schrein. Was verinnerlicht ihr bei diesem Symbol, Bruder?“ Alessandro sprach mit fester Stimme als sie den nächsten Schrein erreicht hatten. Ein Herz war abgebildet auf der, im Boden eingelassenen, Steinplatte.
„Ein Herz kann viele Bedeutungen haben.“ Auch wenn dies nicht die Antwort auf Alessandros Frage war, lächelte dieser ihm mild zu.
„Diese Tugend bedeutet nicht das, was Leah für euch bedeutet Bruder. Doch was zeichnet ein Herz aus?“ Abwartend betrachtete Alessandro Marbur. Für einen Moment lang schien es, als würde er keine Antwort auf diese Frage geben können, doch dann sprach er. Erst zögernd, doch dann überzeugter von seinen eigenen Worten.
„Man trifft Entscheidungen nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem Herzen. Also sollte man auch auf sein Herz hören und vielleicht auch manchmal… Mitgefühl zeigen?“
„Mitgefühl, genau das ist eine Tugend der Tugendbringerin und der Hoffnungsträgerin. Denn wer Mitgefühl zeigt, der bewertet das Leben hoch. Versucht immer das Leben anderer zu erhellen und auch in jenen Gestalten gutes zu erkennen, die böses taten. Jedoch sollte euch auch klar sein, wo in Wahrheit kein Licht existiert in einem Wesen, da wird auch kein Mitleid von Nöten sein. Es gibt nichts mit diesen finsteren Wesen mitzufühlen, das der heiligen Liebe letztendlich würdig wäre. Doch gibt es nicht nur Monster, in denen kein Licht mehr existiert. Auch Menschen können in die Tiefen der Dunkelheit stürzen. Sie werden nur von Zorn und Hass vorangetrieben. Doch wir, diejenigen die Mitleid im Herzen tragen kämpfen nicht aus Zorn oder Hass. Sondern aus Liebe und Mitgefühl. Und so würden wir eine gefallene Seele nie der Folter unterziehen, sondern sie ohne Schmerzen von dieser Welt erlösen.“ Er legte eine kurze Pause ein um einige male durchzuatmen.
„Doch nun, lasst mich die Geschichte dieses Schreines erzählen. Diesmal handelt es sich um eine sehr ruhige Person. Ihr Name war Amyra. Sie wuchs in einem Dorf auf und wurde von einer Dorfheilerin grossgezogen. So lernte sie schon als sie noch ein Kind war von ihrer Mutter die heilenden Wirkungen von Pflanzen, und wie man einem verwundeten Menschen helfen konnte. Natürlich hoffte die Mutter, dass Amyra eines Tages in ihre Fussstapfen treten würde und ihr Amt als Dorfheilerin so übernahm. Doch so weit sollte es nicht kommen. Denn Amyra wurde, wie schon die anderen Kinder, von Temora gerufen. Sie folgte der Stimme der heiligen Göttin und fand diesen Ort hier, den Temora bereits für sie errichtet hatte. Und so empfing Amyra ihre Lehren hier zwischen den vielen Flüssen und Bächen. Und genau hier errichtete sie den Schrein, in dem wir nun stehen. Er strahlt immer noch die Pracht aus, die er von dem Tage seiner Errichtung ausgestrahlt hat.“ Er liess sein Haupt sinken und schaute ehrfürchtig auf die Steinplatte. Mit einem Wink der linken Hand deutete er auf die ausgelegten Kissen auf dem Boden.
„Bruder ihr seid wieder dran, betet, betet dass euer Herz sich mit Mitgefühl füllt und ihr eure Sünden im Namen Temoras erleichtern werdet.“ Marbur kniete nieder und fing an zu beten. Er betete zu Temora für die verlorenen Seelen, die durch seine Hand die Erlösung gefunden hatten. Er bat sie um Verzeihung, denn es wurde ihm bewusst, wie schwerwiegend seine Taten doch gewesen waren. Nachdem sie zu Ende gebetet hatten, machten sie sich stumm auf den Weg zum nächsten Schrein. Eine lange und beschwerliche Reise lag vor ihnen.
„Ich stellte euch diese Frage bei jedem Schrein. Was verinnerlicht ihr bei diesem Symbol, Bruder?“ Alessandro sprach mit fester Stimme als sie den nächsten Schrein erreicht hatten. Ein Herz war abgebildet auf der, im Boden eingelassenen, Steinplatte.
„Ein Herz kann viele Bedeutungen haben.“ Auch wenn dies nicht die Antwort auf Alessandros Frage war, lächelte dieser ihm mild zu.
„Diese Tugend bedeutet nicht das, was Leah für euch bedeutet Bruder. Doch was zeichnet ein Herz aus?“ Abwartend betrachtete Alessandro Marbur. Für einen Moment lang schien es, als würde er keine Antwort auf diese Frage geben können, doch dann sprach er. Erst zögernd, doch dann überzeugter von seinen eigenen Worten.
„Man trifft Entscheidungen nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem Herzen. Also sollte man auch auf sein Herz hören und vielleicht auch manchmal… Mitgefühl zeigen?“
„Mitgefühl, genau das ist eine Tugend der Tugendbringerin und der Hoffnungsträgerin. Denn wer Mitgefühl zeigt, der bewertet das Leben hoch. Versucht immer das Leben anderer zu erhellen und auch in jenen Gestalten gutes zu erkennen, die böses taten. Jedoch sollte euch auch klar sein, wo in Wahrheit kein Licht existiert in einem Wesen, da wird auch kein Mitleid von Nöten sein. Es gibt nichts mit diesen finsteren Wesen mitzufühlen, das der heiligen Liebe letztendlich würdig wäre. Doch gibt es nicht nur Monster, in denen kein Licht mehr existiert. Auch Menschen können in die Tiefen der Dunkelheit stürzen. Sie werden nur von Zorn und Hass vorangetrieben. Doch wir, diejenigen die Mitleid im Herzen tragen kämpfen nicht aus Zorn oder Hass. Sondern aus Liebe und Mitgefühl. Und so würden wir eine gefallene Seele nie der Folter unterziehen, sondern sie ohne Schmerzen von dieser Welt erlösen.“ Er legte eine kurze Pause ein um einige male durchzuatmen.
„Doch nun, lasst mich die Geschichte dieses Schreines erzählen. Diesmal handelt es sich um eine sehr ruhige Person. Ihr Name war Amyra. Sie wuchs in einem Dorf auf und wurde von einer Dorfheilerin grossgezogen. So lernte sie schon als sie noch ein Kind war von ihrer Mutter die heilenden Wirkungen von Pflanzen, und wie man einem verwundeten Menschen helfen konnte. Natürlich hoffte die Mutter, dass Amyra eines Tages in ihre Fussstapfen treten würde und ihr Amt als Dorfheilerin so übernahm. Doch so weit sollte es nicht kommen. Denn Amyra wurde, wie schon die anderen Kinder, von Temora gerufen. Sie folgte der Stimme der heiligen Göttin und fand diesen Ort hier, den Temora bereits für sie errichtet hatte. Und so empfing Amyra ihre Lehren hier zwischen den vielen Flüssen und Bächen. Und genau hier errichtete sie den Schrein, in dem wir nun stehen. Er strahlt immer noch die Pracht aus, die er von dem Tage seiner Errichtung ausgestrahlt hat.“ Er liess sein Haupt sinken und schaute ehrfürchtig auf die Steinplatte. Mit einem Wink der linken Hand deutete er auf die ausgelegten Kissen auf dem Boden.
„Bruder ihr seid wieder dran, betet, betet dass euer Herz sich mit Mitgefühl füllt und ihr eure Sünden im Namen Temoras erleichtern werdet.“ Marbur kniete nieder und fing an zu beten. Er betete zu Temora für die verlorenen Seelen, die durch seine Hand die Erlösung gefunden hatten. Er bat sie um Verzeihung, denn es wurde ihm bewusst, wie schwerwiegend seine Taten doch gewesen waren. Nachdem sie zu Ende gebetet hatten, machten sie sich stumm auf den Weg zum nächsten Schrein. Eine lange und beschwerliche Reise lag vor ihnen.
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Marbur Mylin
Der Schrein der Tapferkeit
Gegen Abend erreichten sie den Ort, an dem sich der nächste Schrein befand. Sofort fiel ihm auf, dass dieser Schrein um einiges grösser war, als die bisherigen und über einen langen Vorplatz verfügte. Mit den Verbundsteinplatten in verschiedenen Farben, war das Symbol eines Schwertes auf dem Platz dargestellt, dessen Spitze auf den Schrein deutete. Wenig überrascht war er, als auf der Platte im Schrein ebenfalls ein Schwert abgebildet war.
„Angekommen sind wir. Doch was seht ihr Bruder?“ Auch der blick von Alessandro war auf die steinerne Platte gerichtet, als er ihm diese Frage stellte. Eine Frage die er oft gehört hatte die vergangenen Tage.
„Ein Schwert. Das Zeichen für Mut, Stärke und Tapferkeit.“ Sanft lächelte Alessandro bei seinen Worten und nach einer kurzen, besinnlichen Pause antwortete er ihm.
„Ihr lernt sehr schnell Bruder Marbur. Es ist der Schrein der Tapferkeit und somit auch eine Tugend der Lichtbringerin. Die Tugend der Tapferkeit…“ Kurz hielt er inne und nickte, zu sich selber.
„Ich erläutere sie euch näher. Tapferkeit bedeutet nicht, keine Angst zu haben Bruder. Vielmehr bedeutet es, die eigenen Ängste zu kennen und ihnen nicht nachzugeben. Wer sich tapfer nennt, wird immer für das Kämpfen und einstehen, von dem er überzeugt ist. Wenn ihr überzeugt seid, von tiefstem Herzen, werdet ihr eure Überzeugung immer verteidigen. Bis zum Ende. Wo immer jemand durch die Machtgier und Gewalt eines anderen in Not gerät, werdet ihr, als tapfere Seele diesem Tun Einhalt gebieten. Selbst dann, wenn man durch dieses Vorhaben selbst in Not geraten könnte. Denn ein tapferes Herz wird immer auf den Schutz von Temora vertrauen. Die Tapferkeit ist die Rüstung, welche die anderen sechs Tugenden behütet und beschützt Bruder. Glaubt mir, wenn ich euch sage, dass eure Tapferkeit immer wieder aufs neuste geprüft werden wird. Denn wenn ihr selber tapfer seid, werdet ihr auch anderen den Weg zur Tapferkeit weisen können.“ Tief durchatmend, wendete er den Blick dann zu Marbur und prüfend betrachtete er ihn. Mit einem kurzen Nicken weiste er darauf hin, dass er verstanden hatte. Die linke Hand anhebend und auf Marburs Brust legend, sprach er dann weiter.
„Bruder. Tragt diese Tugend genau hier, in eurem Herzen. Einige andere verstehen unter Tapferkeit oder Mut, Fahrlässigkeit. Die Tugend Demut, ist der Ausgleich zur Tapferkeit. Tapferkeit und Demut ähneln sich Bruder. Wenn die Tapferkeit die angreifende Spitze bedeutet, so ist die Demut wie der Schild, welcher einen Menschen schützt. Merkt euch meine Worte. Denn die Tapferkeit heisst nicht, das Schwert zur Hand zu nehmen und alles andere zu bekämpfen. Wenn ihr auf Gegner trefft, die euch übermächtig sind, so seid Tapfer, tragt aber auch die Tugend Demut in eurem Herzen. Es ist keine Schande sich zurück zu ziehen, wenn eure Chancen auf einen Sieg nicht vorhanden sind. Es wäre töricht sich dann gegen diesen Gegner zu stellen. Doch die Tugend Demut wird euch noch erklärt Bruder.“ Einige Zeit liess Marbur die Worte auf sich wirken, nickte dann jedoch sachte. Alessandro lächelte ihm freundlich zu und begann dann weiter zu erzählen.
„Boresal war das Kind eines grausamen Mannes. Ein Tyrann, welcher die Hilflosen und armen Menschen überfiel. Doch wenn er selbst in Not geriet, so schickte er seine Schläger los, die ihn unterstützten. Er war die Feigheit in Persona. Der Vater hatte das Ziel, auch Boresal zu einem seiner Schläger zu machen. Genau so tyrannisch wie er selber. Das Verhalten seines Vaters ging Boresal sehr nahe und so widerstand er den Weisungen seines Vaters. Wie auch Alsamar, nahm Boresal nie eine Waffe in die Hand. Bestimmt trauerte der Vater ihm nicht nach, als auch Boresal sich von ihm trennte und auf Wanderschaft ging. Er sah seinen Vater als verlorene Seele an, hatte er doch nie auf seine Worte gehört und immer weiter die armen und hilflosen gequält und ausgenutzt. Der Weg führte ihn schliesslich in einen Wald, wo er die Lehren der Lichtbringerin empfing. Und so errichtete er genau hier, wo wir jetzt stehen den Schrein der Tapferkeit. Denn Boresal hatte die Wahrheit erkannt und sich seinem Vater entgegengestellt. So zeigte er der Menschheit, was es bedeutete Tapferkeit zu zeigen.“ Abschliessend schloss er die Augen und zeichnete ein Ankh mit der Hand vor seine Brust.
„In Anbetracht der sieben heiligen Kinder, des Adlers, des Kodexes und des Lichtes möge die Tapferkeit deines Herzens mit der Tugend der Demut vereint werden Bruder Marbur.“ Beide knieten vor dem Schrein auf den Boden und falteten die Hände ineinander.
„Ein Gebet Bruder. Ein Gebet für eure Tapferkeit und eure tapfere Seele.“ Sie beide senkten ihr Haupt demütig und beteten gemeinsam zu der heiligen Göttin um ihre Herzen zu stärken. Als sie das Gebet zu Ende gesprochen hatten, erhoben sie sich wieder und verliessen den Schrein. Auf dem Weg zum Ausgang sprach Alessandro wieder zu ihm.
„Bruder ihr nähert euch eurem Ziel. Schritt für Schritt deines gleichen und deiner Kinder zu sein. Jetzt kommen wir zur schwersten Prüfung Bruder. Mit den bisherigen sechs Tugenden habt ihr schon viel erreicht. Doch was jetzt auf uns zukommt, gleicht keiner Prüfung die wir bis jetzt erfolgreich bestanden haben.“ Entschlossen war der Blick von Marbur auf den Weg, der vor ihnen lag gerichtet.
„Dennoch muss ich diesen Weg gehen um Erlösung zu finden Bruder. Egal wie steinig er auch sein mag.“
„Ich bin davon überzeugt, dass ihr erfolgreich sein werdet Bruder Marbur.“
So setzten sie ihren Weg fort. Direkt dem Unheilsberg entgegen.
Gegen Abend erreichten sie den Ort, an dem sich der nächste Schrein befand. Sofort fiel ihm auf, dass dieser Schrein um einiges grösser war, als die bisherigen und über einen langen Vorplatz verfügte. Mit den Verbundsteinplatten in verschiedenen Farben, war das Symbol eines Schwertes auf dem Platz dargestellt, dessen Spitze auf den Schrein deutete. Wenig überrascht war er, als auf der Platte im Schrein ebenfalls ein Schwert abgebildet war.
„Angekommen sind wir. Doch was seht ihr Bruder?“ Auch der blick von Alessandro war auf die steinerne Platte gerichtet, als er ihm diese Frage stellte. Eine Frage die er oft gehört hatte die vergangenen Tage.
„Ein Schwert. Das Zeichen für Mut, Stärke und Tapferkeit.“ Sanft lächelte Alessandro bei seinen Worten und nach einer kurzen, besinnlichen Pause antwortete er ihm.
„Ihr lernt sehr schnell Bruder Marbur. Es ist der Schrein der Tapferkeit und somit auch eine Tugend der Lichtbringerin. Die Tugend der Tapferkeit…“ Kurz hielt er inne und nickte, zu sich selber.
„Ich erläutere sie euch näher. Tapferkeit bedeutet nicht, keine Angst zu haben Bruder. Vielmehr bedeutet es, die eigenen Ängste zu kennen und ihnen nicht nachzugeben. Wer sich tapfer nennt, wird immer für das Kämpfen und einstehen, von dem er überzeugt ist. Wenn ihr überzeugt seid, von tiefstem Herzen, werdet ihr eure Überzeugung immer verteidigen. Bis zum Ende. Wo immer jemand durch die Machtgier und Gewalt eines anderen in Not gerät, werdet ihr, als tapfere Seele diesem Tun Einhalt gebieten. Selbst dann, wenn man durch dieses Vorhaben selbst in Not geraten könnte. Denn ein tapferes Herz wird immer auf den Schutz von Temora vertrauen. Die Tapferkeit ist die Rüstung, welche die anderen sechs Tugenden behütet und beschützt Bruder. Glaubt mir, wenn ich euch sage, dass eure Tapferkeit immer wieder aufs neuste geprüft werden wird. Denn wenn ihr selber tapfer seid, werdet ihr auch anderen den Weg zur Tapferkeit weisen können.“ Tief durchatmend, wendete er den Blick dann zu Marbur und prüfend betrachtete er ihn. Mit einem kurzen Nicken weiste er darauf hin, dass er verstanden hatte. Die linke Hand anhebend und auf Marburs Brust legend, sprach er dann weiter.
„Bruder. Tragt diese Tugend genau hier, in eurem Herzen. Einige andere verstehen unter Tapferkeit oder Mut, Fahrlässigkeit. Die Tugend Demut, ist der Ausgleich zur Tapferkeit. Tapferkeit und Demut ähneln sich Bruder. Wenn die Tapferkeit die angreifende Spitze bedeutet, so ist die Demut wie der Schild, welcher einen Menschen schützt. Merkt euch meine Worte. Denn die Tapferkeit heisst nicht, das Schwert zur Hand zu nehmen und alles andere zu bekämpfen. Wenn ihr auf Gegner trefft, die euch übermächtig sind, so seid Tapfer, tragt aber auch die Tugend Demut in eurem Herzen. Es ist keine Schande sich zurück zu ziehen, wenn eure Chancen auf einen Sieg nicht vorhanden sind. Es wäre töricht sich dann gegen diesen Gegner zu stellen. Doch die Tugend Demut wird euch noch erklärt Bruder.“ Einige Zeit liess Marbur die Worte auf sich wirken, nickte dann jedoch sachte. Alessandro lächelte ihm freundlich zu und begann dann weiter zu erzählen.
„Boresal war das Kind eines grausamen Mannes. Ein Tyrann, welcher die Hilflosen und armen Menschen überfiel. Doch wenn er selbst in Not geriet, so schickte er seine Schläger los, die ihn unterstützten. Er war die Feigheit in Persona. Der Vater hatte das Ziel, auch Boresal zu einem seiner Schläger zu machen. Genau so tyrannisch wie er selber. Das Verhalten seines Vaters ging Boresal sehr nahe und so widerstand er den Weisungen seines Vaters. Wie auch Alsamar, nahm Boresal nie eine Waffe in die Hand. Bestimmt trauerte der Vater ihm nicht nach, als auch Boresal sich von ihm trennte und auf Wanderschaft ging. Er sah seinen Vater als verlorene Seele an, hatte er doch nie auf seine Worte gehört und immer weiter die armen und hilflosen gequält und ausgenutzt. Der Weg führte ihn schliesslich in einen Wald, wo er die Lehren der Lichtbringerin empfing. Und so errichtete er genau hier, wo wir jetzt stehen den Schrein der Tapferkeit. Denn Boresal hatte die Wahrheit erkannt und sich seinem Vater entgegengestellt. So zeigte er der Menschheit, was es bedeutete Tapferkeit zu zeigen.“ Abschliessend schloss er die Augen und zeichnete ein Ankh mit der Hand vor seine Brust.
„In Anbetracht der sieben heiligen Kinder, des Adlers, des Kodexes und des Lichtes möge die Tapferkeit deines Herzens mit der Tugend der Demut vereint werden Bruder Marbur.“ Beide knieten vor dem Schrein auf den Boden und falteten die Hände ineinander.
„Ein Gebet Bruder. Ein Gebet für eure Tapferkeit und eure tapfere Seele.“ Sie beide senkten ihr Haupt demütig und beteten gemeinsam zu der heiligen Göttin um ihre Herzen zu stärken. Als sie das Gebet zu Ende gesprochen hatten, erhoben sie sich wieder und verliessen den Schrein. Auf dem Weg zum Ausgang sprach Alessandro wieder zu ihm.
„Bruder ihr nähert euch eurem Ziel. Schritt für Schritt deines gleichen und deiner Kinder zu sein. Jetzt kommen wir zur schwersten Prüfung Bruder. Mit den bisherigen sechs Tugenden habt ihr schon viel erreicht. Doch was jetzt auf uns zukommt, gleicht keiner Prüfung die wir bis jetzt erfolgreich bestanden haben.“ Entschlossen war der Blick von Marbur auf den Weg, der vor ihnen lag gerichtet.
„Dennoch muss ich diesen Weg gehen um Erlösung zu finden Bruder. Egal wie steinig er auch sein mag.“
„Ich bin davon überzeugt, dass ihr erfolgreich sein werdet Bruder Marbur.“
So setzten sie ihren Weg fort. Direkt dem Unheilsberg entgegen.
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Marbur Mylin
Der Schrein der Demut
Der Berg ragte vor ihnen auf und stieg immer weiter gen Himmel. Die Spitze war kaum zu erkennen hinter den Dunstschwaden, die sich um den Gipfel gelegt hatten. Vor ihnen öffnete sich der Bergt, wie ein weit aufgerissener Mund in der man nur Dunkelheit erkennen konnte. Marbur schluckte einmal leer. Ein unbehagliches Gefühl überkam ihn. Als Alessandro jedoch die Hand auf seine Schulter legte und beruhigende Worte sprach, verschwand dieses Gefühl allmählich und mit wilder Entschlossenheit blickte er dem Höhleneingang entgegen.
„Die Lichtbringerin ist mit uns Bruder. Ihr wisst, wie nah sie uns ist Bruder. Näher als unsere Schlagader. An unserem Leib.“
„Ja Bruder Marquez. Ich habe sie ebenfalls gefühlt.“
„Sie leitet und schützt uns. Die Zeit prägt uns Bruder.“
„Die Erlebnisse prägen uns. Und aus ihnen lernen wir.“ Zufrieden nickte Alessandro bei seinen Worten.
„Die Liebe zur Lichtbringerin ist die Besonderste von allen Bruder. Liebe. Ist sie zu vergleichen mit der Liebe zu Leah?“ Marbur legte seine Stirn in Falten und betrachtete Alessandro ein wenig verwirrt, ehe er jedoch antwortete.
„Nein. Die Liebe zu einer Göttin kann nicht gleichgestellt werden mit der Liebe zu einer Frau Bruder. Die Liebe zum Glaube ist nicht dasselbe wie die Liebe zu einem Menschen. Es gibt viele Arten von Liebe.“ Alessandro schien ein wenig überrascht bei der Antwort von Marbur. Doch er fing sich gleich wieder und lachte leise auf.
„Ihr sprecht wahre Worte Bruder. Doch nun sollten wir uns auf den Weg machen. Folgt mir durch diesen Berg. Doch haltet eure Augen offen. Unheimliche Kreaturen leben hier. Und wir sind einzig mit dem Glauben bewaffnet.“ Er folgte Alessandro. Langsam betraten sie die dunkle Höhle und sie warteten einige Zeit ab, bis sich ihre Augen an das dämmrige Licht gewohnt hatten. Tatsächlich schienen überall in der Höhle schattenhafte Schemen herum zu huschen. Leise schlichen sie den Wänden entlang immer weiter in den Berg hinein. Sie wagten es nicht Worte zu sprechen, denn schon ihre Schritte schienen laut in der ganzen Höhle wider zu hallen. Dennoch war das Glück auf ihrer Seite, bis sie durch einen engen Gang schlichen, der sich wieder in einer immens grossen Höhlenkammer öffnete. Unbemerkt kamen sie bis zur Mitte der Kammer. Ihnen gegenüber schien sachtes Licht in die dämmrige Dunkelheit zu dringen. Ein plötzliches Fauchen durchdrang die Stille. Links von ihnen blitzte plötzlich Metall auf und nur mit Glück entgingen sie dem Hieb, der krachend und funkensprühend neben ihn auf dem Steinboden niederging. Und für den Bruchteil einer Sekunde, erhellten die Funken die Umgebung um sie. Eine Schlangenförmige Gestalt, bewaffnet mit einem riesigen Säbel stand plötzlich neben ihnen. Überrascht und vom Schrecken erfasst hallte der Schrei Alessandros durch die Höhle.
„LAUF BRUDER!“ Beide rannten los, auf den Lichtschimmer zu, der nun wie ein kleiner Hoffnungsschimmer immer grösser wurden, je näher als sie ihm kamen. Die Höhle schien zum Leben zu erwachen als plötzlich von allen Richtungen her das zischen dieser widerlichen Kreaturen zu hören war. Der Klang von aufeinanderschlagendem Metall wurde immer lauter. Es krachte um sie und Funken erhellten das Geschehen, als sie die Schlangenmenschen verfehlten. Marbur wagte es nicht, den Blick nach hinten zu wenden, so fixierte er nur die in Weiss gekleidete Gestalt von Alessandro vor ihm. Schmerz durchzuckte ihn auf der linken Seite seines Oberkörpers. Er strauchelte und griff hilfesuchend nach der Gestalt vor sich. Er erfasste das Gewand und versuchte sich weiterhin auf den Beinen zu halten. Die Szenerie vor seinen Augen begann zu verschwimmen, doch mobilisierte er noch einmal all seine Kräfte und blieb nur durch pures Glück auf den Beinen. Das zischen und metallene Klingen hinter ihnen wurde langsam wieder leiser, als sie dann, Temora sei Dank, den Ausgang der Höhle erreichten. Schwer schnaufend kamen sie zu stehen. Marbur sank sogleich auf die Knie nieder und stöhnte schmerzerfüllt auf. Die Robe war aufgeschlitzt und hatte sich blutrot gefärbt. Erschrocken eilte Alessandro an seine Seite und liess sich neben ihm auf die Knie nieder.
„Bruder! Ihr seid verletzt… lasst mich sehen.“ Er biss die Zähne zusammen und schüttelte rasch den Kopf.
„So kurz… vor dem Ziel… gebe ich nicht auf… Bruder.“ Ernst und tief entschlossen Blickte er Alessandro in die Augen. Dieser hielt seinem Blick stand und nickte nach einiger Zeit sachte. Auch wenn er ihn weiterhin besorgt ansah meinte er.
„Wenn ihr meint. Eure Seele gehört euch… ihr entscheidet.“ Die Hilfe Alessandros weiterhin abschlagend stützte er sich schwer auf seinen Stab und folgte ihm weiter in Richtung Osten. Als er den Schrein in der Ferne erblickte, schritt er schneller voran und überholte gar Alessandro. Beim Schrein angelangt liess er sich vor diesem auf die Knie fallen.
„Bruder… dies ist… der Schrein der Demut?“ Alessandro näherte sich nun ebenfalls, weiterhin besorgt auf Marbur nieder blickend.
„Ich bin besorgt um euch Bruder.“
„Sorgt euch nicht. Noch ist meine Reise nicht zu Ende. Und mein Wille ist stark genug, auch dies zu überstehen. Vielleicht ist dies der Preis, den ich bezahlen muss für meine Sünden. Und ich bin dankbar dafür… ist er nicht grösser.“
„Wir sind am letzten Schrein angelangt Bruder. Demut ist eine sehr grosse Tugend und wurde mein ganzes Leben lang gross geschrieben. Die demütige Seele hat das wichtigste Verständnis bekommen, das jene je bekommen kann. Es geht darum zu verstehen wo die eigenen Grenzen sind. Und dass man in keinem Fall besser als andere sein wird. Wer demütig ist, ist sich immer bewusst, dass der Eindruck der Welt niemals vollständig ist. Diesem Verständnis entsprechend sollte man sich verhalten. Man sollte vorsichtig sein bei seinen Entscheidungen. Hört auf euren Verstand und giert nicht nach Ruhm oder Reichtum. Versucht zu verstehen, dass diese Dinge nicht glücklich machen. Wem Liebe, Mut und Wahrheit fehlen, der sät die Samen des Stolzes, welche zur Hochmut heranwachen werden. Deshalb Bruder. Seid niemals hochmütig. Die Demut ist die sanfte Brise die den Samen von Anmassung und Unzufriedenheit hinfort weht. Wollt ihr den Weg der Demut gehen, so erkennet euch vorerst selber und findet den Stolz in euch. Doch haltet ihn unter Kontrolle, so dass er niemals zu Hochmut heranwachsen kann und deine Seele für die Demut verdirbt.“ Er legte Marbur die Hand auf die Schulter um ihm in seinem Schmerz und Zweifel beizustehen.
„Ich verstehe… auch wenn diese Tugend, die mir scheinbar schwierigste ist. Doch werde ich lernen… lernen was es heisst Demut zu zeigen. Bitte… fahrt mit der Geschichte des Schreines fort…“ Gütig lächelte er ihm entgegen, und so ergriff Alessandro wieder das Wort.
„Ilara war die Tochter eines Hochadligen, der dem Königsgeschlecht sehr nahe stand. Eitelkeit und Hochmut prägten schon immer diese Familie. Ilara jedoch entwickelte sich auf eine Art und Weise durch die Nähe der Lichtbringerin. Zu den Bediensteten im Hause, war sie stets freundlich und sie half ihnen auch wo sie nur konnte. Jene waren es wohl auch, die Ilara vermissten, nachdem diese fortgezogen war. Fortgegangen um Temoras Lehren zu empfangen. Sie ging genau hier hin. Zu einer kleinen unscheinbaren Insel. Sie erkannte den Ort, welchen Temora für sie ausgesucht hatte. Hier verweilte sie einige Jahre und widmete sich der Studien und empfing die Lehren der Lichtbringerin. Sie errichtete diesen Schrein. Er sollte ein Zeichen für all jene sein, deren Stolz sich in Hochmut verwandelt hatte. Ein Zeichen umzukehren in ihrem Tun und der Demut einen Platz in ihrem Herzen zu gewähren.“ Der Griff um Marburs Schulter festigte sich ein wenig.
„Ich glaube, dass ich zu verstehen beginne… was es heisst… Demut zu zeigen.“
„Bruder. Betet dafür die Tugendhaftigkeit und Demut in eurem Herzen zu empfangen.“ Gemeinsam beteten sie für Erlösung beim letzten der sieben Schreine. Und zusammen verliessen sie diesen heiligen Ort wieder. Auch wenn Marbur die Hilfe von Alessandro nicht weiter abschlagen konnte, und dieser ihn stützte.
„Lasst mich doch bitte die Wunde anschauen.“
„Bruder… vertraut mir… Ich spüre die Nähe Temoras. Sie wird mich bis zum Ende meiner Reise führen. Fürchtet euch nicht um mich. Zurückkehren muss ich, dorthin wo meine Reise begann. Um das achte und letzte Gebet für diese Reise zu sprechen. Und dann… so Temora es will, werde ich meine Erlösung finden.“ Marbur spürte das Unbehagen von Alessandro, doch dieser nickte nur sachte und führte ihn weg vom Schrein. Sie machten sich auf den Weg zum Kloster zurück, wo man sich um seine Wunden kümmern würde.
Der Berg ragte vor ihnen auf und stieg immer weiter gen Himmel. Die Spitze war kaum zu erkennen hinter den Dunstschwaden, die sich um den Gipfel gelegt hatten. Vor ihnen öffnete sich der Bergt, wie ein weit aufgerissener Mund in der man nur Dunkelheit erkennen konnte. Marbur schluckte einmal leer. Ein unbehagliches Gefühl überkam ihn. Als Alessandro jedoch die Hand auf seine Schulter legte und beruhigende Worte sprach, verschwand dieses Gefühl allmählich und mit wilder Entschlossenheit blickte er dem Höhleneingang entgegen.
„Die Lichtbringerin ist mit uns Bruder. Ihr wisst, wie nah sie uns ist Bruder. Näher als unsere Schlagader. An unserem Leib.“
„Ja Bruder Marquez. Ich habe sie ebenfalls gefühlt.“
„Sie leitet und schützt uns. Die Zeit prägt uns Bruder.“
„Die Erlebnisse prägen uns. Und aus ihnen lernen wir.“ Zufrieden nickte Alessandro bei seinen Worten.
„Die Liebe zur Lichtbringerin ist die Besonderste von allen Bruder. Liebe. Ist sie zu vergleichen mit der Liebe zu Leah?“ Marbur legte seine Stirn in Falten und betrachtete Alessandro ein wenig verwirrt, ehe er jedoch antwortete.
„Nein. Die Liebe zu einer Göttin kann nicht gleichgestellt werden mit der Liebe zu einer Frau Bruder. Die Liebe zum Glaube ist nicht dasselbe wie die Liebe zu einem Menschen. Es gibt viele Arten von Liebe.“ Alessandro schien ein wenig überrascht bei der Antwort von Marbur. Doch er fing sich gleich wieder und lachte leise auf.
„Ihr sprecht wahre Worte Bruder. Doch nun sollten wir uns auf den Weg machen. Folgt mir durch diesen Berg. Doch haltet eure Augen offen. Unheimliche Kreaturen leben hier. Und wir sind einzig mit dem Glauben bewaffnet.“ Er folgte Alessandro. Langsam betraten sie die dunkle Höhle und sie warteten einige Zeit ab, bis sich ihre Augen an das dämmrige Licht gewohnt hatten. Tatsächlich schienen überall in der Höhle schattenhafte Schemen herum zu huschen. Leise schlichen sie den Wänden entlang immer weiter in den Berg hinein. Sie wagten es nicht Worte zu sprechen, denn schon ihre Schritte schienen laut in der ganzen Höhle wider zu hallen. Dennoch war das Glück auf ihrer Seite, bis sie durch einen engen Gang schlichen, der sich wieder in einer immens grossen Höhlenkammer öffnete. Unbemerkt kamen sie bis zur Mitte der Kammer. Ihnen gegenüber schien sachtes Licht in die dämmrige Dunkelheit zu dringen. Ein plötzliches Fauchen durchdrang die Stille. Links von ihnen blitzte plötzlich Metall auf und nur mit Glück entgingen sie dem Hieb, der krachend und funkensprühend neben ihn auf dem Steinboden niederging. Und für den Bruchteil einer Sekunde, erhellten die Funken die Umgebung um sie. Eine Schlangenförmige Gestalt, bewaffnet mit einem riesigen Säbel stand plötzlich neben ihnen. Überrascht und vom Schrecken erfasst hallte der Schrei Alessandros durch die Höhle.
„LAUF BRUDER!“ Beide rannten los, auf den Lichtschimmer zu, der nun wie ein kleiner Hoffnungsschimmer immer grösser wurden, je näher als sie ihm kamen. Die Höhle schien zum Leben zu erwachen als plötzlich von allen Richtungen her das zischen dieser widerlichen Kreaturen zu hören war. Der Klang von aufeinanderschlagendem Metall wurde immer lauter. Es krachte um sie und Funken erhellten das Geschehen, als sie die Schlangenmenschen verfehlten. Marbur wagte es nicht, den Blick nach hinten zu wenden, so fixierte er nur die in Weiss gekleidete Gestalt von Alessandro vor ihm. Schmerz durchzuckte ihn auf der linken Seite seines Oberkörpers. Er strauchelte und griff hilfesuchend nach der Gestalt vor sich. Er erfasste das Gewand und versuchte sich weiterhin auf den Beinen zu halten. Die Szenerie vor seinen Augen begann zu verschwimmen, doch mobilisierte er noch einmal all seine Kräfte und blieb nur durch pures Glück auf den Beinen. Das zischen und metallene Klingen hinter ihnen wurde langsam wieder leiser, als sie dann, Temora sei Dank, den Ausgang der Höhle erreichten. Schwer schnaufend kamen sie zu stehen. Marbur sank sogleich auf die Knie nieder und stöhnte schmerzerfüllt auf. Die Robe war aufgeschlitzt und hatte sich blutrot gefärbt. Erschrocken eilte Alessandro an seine Seite und liess sich neben ihm auf die Knie nieder.
„Bruder! Ihr seid verletzt… lasst mich sehen.“ Er biss die Zähne zusammen und schüttelte rasch den Kopf.
„So kurz… vor dem Ziel… gebe ich nicht auf… Bruder.“ Ernst und tief entschlossen Blickte er Alessandro in die Augen. Dieser hielt seinem Blick stand und nickte nach einiger Zeit sachte. Auch wenn er ihn weiterhin besorgt ansah meinte er.
„Wenn ihr meint. Eure Seele gehört euch… ihr entscheidet.“ Die Hilfe Alessandros weiterhin abschlagend stützte er sich schwer auf seinen Stab und folgte ihm weiter in Richtung Osten. Als er den Schrein in der Ferne erblickte, schritt er schneller voran und überholte gar Alessandro. Beim Schrein angelangt liess er sich vor diesem auf die Knie fallen.
„Bruder… dies ist… der Schrein der Demut?“ Alessandro näherte sich nun ebenfalls, weiterhin besorgt auf Marbur nieder blickend.
„Ich bin besorgt um euch Bruder.“
„Sorgt euch nicht. Noch ist meine Reise nicht zu Ende. Und mein Wille ist stark genug, auch dies zu überstehen. Vielleicht ist dies der Preis, den ich bezahlen muss für meine Sünden. Und ich bin dankbar dafür… ist er nicht grösser.“
„Wir sind am letzten Schrein angelangt Bruder. Demut ist eine sehr grosse Tugend und wurde mein ganzes Leben lang gross geschrieben. Die demütige Seele hat das wichtigste Verständnis bekommen, das jene je bekommen kann. Es geht darum zu verstehen wo die eigenen Grenzen sind. Und dass man in keinem Fall besser als andere sein wird. Wer demütig ist, ist sich immer bewusst, dass der Eindruck der Welt niemals vollständig ist. Diesem Verständnis entsprechend sollte man sich verhalten. Man sollte vorsichtig sein bei seinen Entscheidungen. Hört auf euren Verstand und giert nicht nach Ruhm oder Reichtum. Versucht zu verstehen, dass diese Dinge nicht glücklich machen. Wem Liebe, Mut und Wahrheit fehlen, der sät die Samen des Stolzes, welche zur Hochmut heranwachen werden. Deshalb Bruder. Seid niemals hochmütig. Die Demut ist die sanfte Brise die den Samen von Anmassung und Unzufriedenheit hinfort weht. Wollt ihr den Weg der Demut gehen, so erkennet euch vorerst selber und findet den Stolz in euch. Doch haltet ihn unter Kontrolle, so dass er niemals zu Hochmut heranwachsen kann und deine Seele für die Demut verdirbt.“ Er legte Marbur die Hand auf die Schulter um ihm in seinem Schmerz und Zweifel beizustehen.
„Ich verstehe… auch wenn diese Tugend, die mir scheinbar schwierigste ist. Doch werde ich lernen… lernen was es heisst Demut zu zeigen. Bitte… fahrt mit der Geschichte des Schreines fort…“ Gütig lächelte er ihm entgegen, und so ergriff Alessandro wieder das Wort.
„Ilara war die Tochter eines Hochadligen, der dem Königsgeschlecht sehr nahe stand. Eitelkeit und Hochmut prägten schon immer diese Familie. Ilara jedoch entwickelte sich auf eine Art und Weise durch die Nähe der Lichtbringerin. Zu den Bediensteten im Hause, war sie stets freundlich und sie half ihnen auch wo sie nur konnte. Jene waren es wohl auch, die Ilara vermissten, nachdem diese fortgezogen war. Fortgegangen um Temoras Lehren zu empfangen. Sie ging genau hier hin. Zu einer kleinen unscheinbaren Insel. Sie erkannte den Ort, welchen Temora für sie ausgesucht hatte. Hier verweilte sie einige Jahre und widmete sich der Studien und empfing die Lehren der Lichtbringerin. Sie errichtete diesen Schrein. Er sollte ein Zeichen für all jene sein, deren Stolz sich in Hochmut verwandelt hatte. Ein Zeichen umzukehren in ihrem Tun und der Demut einen Platz in ihrem Herzen zu gewähren.“ Der Griff um Marburs Schulter festigte sich ein wenig.
„Ich glaube, dass ich zu verstehen beginne… was es heisst… Demut zu zeigen.“
„Bruder. Betet dafür die Tugendhaftigkeit und Demut in eurem Herzen zu empfangen.“ Gemeinsam beteten sie für Erlösung beim letzten der sieben Schreine. Und zusammen verliessen sie diesen heiligen Ort wieder. Auch wenn Marbur die Hilfe von Alessandro nicht weiter abschlagen konnte, und dieser ihn stützte.
„Lasst mich doch bitte die Wunde anschauen.“
„Bruder… vertraut mir… Ich spüre die Nähe Temoras. Sie wird mich bis zum Ende meiner Reise führen. Fürchtet euch nicht um mich. Zurückkehren muss ich, dorthin wo meine Reise begann. Um das achte und letzte Gebet für diese Reise zu sprechen. Und dann… so Temora es will, werde ich meine Erlösung finden.“ Marbur spürte das Unbehagen von Alessandro, doch dieser nickte nur sachte und führte ihn weg vom Schrein. Sie machten sich auf den Weg zum Kloster zurück, wo man sich um seine Wunden kümmern würde.
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Marbur Mylin
Erhöre mich Temora
Herrin,
Du hast mich all diese Jahre hindurch mit meinen Sünden ertragen,
aber dennoch hattest Du Mitleid mit mir.
Ich wurde auf jegliche Weise in die Irre geführt,
aber jetzt will ich nicht mehr sündigen.
Ich habe Dir Unrecht getan und ich war ungerecht.
Ich will so nicht mehr sein.
Ich widersage der Sünde,
ich widersage der Bosheit, die meine Seele befleckte.
Befreie meine Seele von allem,
was gegen Deine Heiligkeit ist.
Ich flehe Dich an, Herrin,
mich von allem Bösen zu befreien.
Temora, komme jetzt und bleibe in meinem Herzen.
Vergib mir Herrin und erlaube mir,
in Dir zu ruhen, denn Du bist mein Schild,
meine Erlöserin, mein Licht und auf Dich vertraue ich.
Durch Deinen machtvollen Arm befreie mich von meinen Sünden,
befreie mich aus der Gefangenschaft,
befreie mich von Verwirrung
und besiege meinem Feind das Böse.
Deiner Barmherzigkeit, o Herrin,
übergebe ich meine Vergangenheit.
Deiner Liebe weihe ich meine Gegenwart und meine Zukunft
vertraue ich deiner Vorsehung an.
Komm, eile mir zu helfen, o meine Retterin!
Herrin,
Du hast mich all diese Jahre hindurch mit meinen Sünden ertragen,
aber dennoch hattest Du Mitleid mit mir.
Ich wurde auf jegliche Weise in die Irre geführt,
aber jetzt will ich nicht mehr sündigen.
Ich habe Dir Unrecht getan und ich war ungerecht.
Ich will so nicht mehr sein.
Ich widersage der Sünde,
ich widersage der Bosheit, die meine Seele befleckte.
Befreie meine Seele von allem,
was gegen Deine Heiligkeit ist.
Ich flehe Dich an, Herrin,
mich von allem Bösen zu befreien.
Temora, komme jetzt und bleibe in meinem Herzen.
Vergib mir Herrin und erlaube mir,
in Dir zu ruhen, denn Du bist mein Schild,
meine Erlöserin, mein Licht und auf Dich vertraue ich.
Durch Deinen machtvollen Arm befreie mich von meinen Sünden,
befreie mich aus der Gefangenschaft,
befreie mich von Verwirrung
und besiege meinem Feind das Böse.
Deiner Barmherzigkeit, o Herrin,
übergebe ich meine Vergangenheit.
Deiner Liebe weihe ich meine Gegenwart und meine Zukunft
vertraue ich deiner Vorsehung an.
Komm, eile mir zu helfen, o meine Retterin!