Gefangen in Dunkelheit

Benutzeravatar
Mandred Louisan
Beiträge: 3
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Gefangen in Dunkelheit

Beitrag von Mandred Louisan »

Die Begegnung, der Konflikt, der Hort des Bösen!

Es war ein normaler Tag in den Mittagsstunden - und dennoch ist kein Tag wie der Andere. Es ist ungewiss, was einen an einem Tage erwartet und man vermag nie zu sagen, was an einem Tage geschehen wird. Wird man plötzlich Zeuge eines Verbrechens? Wird man vielleicht einer Prüfung seines Glaubens unterzogen? Plötzlich und ohne Vorahnung? Die Ungewissheit ist etwas, das man nur besiegt, indem man sie hautnah erlebt und aufdeckt. Ob freiwillig oder nicht, wer vermag es zu sagen?

Wie auch sonst, wenn er in Richtung des Fischerdorfes unterwegs war, ließ er seine Augen in seinen Höhlen immer wieder wachsam umherwandern. Zu oft schon hatte er gerade in dieser Umgebung Konflikte durchlebt, die nicht unbedingt durch ein paar Worte lösbar waren. Dennoch wählte er diesen Weg um für den Orden Auge zu sein in dieser Region – wie es schon immer sein Auftrag war, Vorkommnisse zu melden.
Doch dieses Vorkommnis vermochte er nicht mehr zu melden.
Nach seinem Rundgang in dem Dorf, verließ er jenes auch wieder um sich zum Mittagsgebet in der Kapelle des Ordens einzufinden. Doch dieses war ihm an diesem Tage nicht vergönnt, und kaum das er ein paar Schritte aus der Dorfgrenze getan hatte, begegnete er ihm.
Ein flüchtiger Blick hatte gereicht, dieses Wesen, welches in allen Äußerlichkeiten einem Menschen glich, zwei Arme, zwei Beine, doch alles dieses wurde getrübt und verblasste allein durch die Hautfärbung dieser Kreatur. Sie war von einem dunklen Blau, welches an den Nachthimmel erinnerte, der noch leicht von der Sonne beschienen wird. Und nicht nur das war das Ungewöhnliche, denn auch die Aura um das Wesen war von einer gewissen Dunkelheit, Finsternis und einer eben solchen Hoffnungslosigkeit erfüllt, dass es auf jedes Gemüt schlug, dass sich in dessen Nähe befand.
All diese Indizien veranlassten Mandred nun in seinen Schritten inne zu halten und den Letharen, mit dem er nun auf gleicher Höhe sich befand zu mustern und zu fixieren. Aus einem Reflex der Sicherheit und der Aufmerksamkeit, den er sich in seiner langen Berufsbahn als Krieger zugelegt hatte, legte sich eine Hand, fast wie in Zeitlupe, auf den adlerförmigen Schwertknauf. Die Stille, die einkehrte, als sich auch der Lethar einer genauen Musterung des Ritters widmete, war drückend und die Luft würde spürbar mit einer Spannung geladen, die jeden Augenblick zu einer Explosion führen könnte. Die unergründbare tiefe Finsternis und auch die allein durch Nähe zu spürende Magie des Letharen, war nervenaufreibend und der Ritter hatte Mühe diesem Stand zu halten. Ein Brennen setzte sich in seinen Kopf und er atmete tief die Luft ein und schloss die Augen für ein kurzes Gebet an seine Göttin, die Herrin des Lichts. So standen sie sich gegenüber bis der Lethar in der Sprache der Menschen ihn ansprach: „ Noch ein Hurendiener!“
Auch hier wäre gewiss so manchem das Blut in den Kopf gestiegen und er hätte sich dazu hinreißen lassen, sein Schwert zu ziehen und den Letharen anzugreifen. Aber es war ein ganz bestimmter Satz, den Mandred über lange Zeit gelernt hatte zu praktizieren: „Das Schwert sei lediglich ein Mittel der Verteidigung nicht des Angriffes!“
Somit bleib Mandreds Reaktion zurückhaltend und ruhig und ohne etwas zu sagen fuhr der Lethar fort: „Erst neulich habe ich einen der Eurigen niedergestreckt!“
Schon bahnte sich in seiner geöffneten linken Hand ein grünliches Flimmern an. Es schien, als sei er fest entschlossen, den Ritter niederzustrecken. Dennoch machte Mandred keine Anstalten sein Schwert zu ziehen und beobachtete das Tun des Letharen, der nun offenkundig der Magie mächtig schien. Der Blick des Ritters verriet eine Verwunderung und ein gewisses Interesse, als der Lethar nun auch einen grünlichen Schelter in die Hand nahm. Der Kopf des Schelters war eine Fratze, deren Augen etwas Lebendiges hatten. Es wurden kaum Worte gewechselt, denn der Blick des Letharen verriet, dass er den Ritter vernichten würde, somit blieb eben jenem nichts anderes übrig, als sich vollständig zu wappnen, was der Lethar mit einem fast schon genüsslichen Lächeln abtat. Als der Ritter komplett gerüstet und das Schwert in einer fließenden Bewegung, begleitet von einem sirrenden Ton, aus der Scheide zog ließ er den Blick einmal umherwandern, ob zusätzliche Hilfe dem Letharen zur Seite stand. Doch er sah lediglich einen Milizionär der Wehr Bajards und auch einen Zivilisten, welcher die Szenerie, wie einen Turnierkampf gebannt beobachtete. Erneut sprach Mandred leise ein paar Worte und schloss die Augen, wobei er die Arme einmal in einem Halbkreis seitlich seines Körpers bewegte. „ Temora, Herrin des Lichts, Trägerin der Hoffnung, gib mir Kraft in diesem Konflikt, auf dass ich ihn in der rechten tugendhaften Weise ausführe und mein Schwert nur zur Verteidigung Deiner selbst, und den Glauben an Dich diene!“

„Diener Alatars! Ihr scheint erpicht darauf diesen Konflikt mit dem Schwerte zu schlichten. Zu oft schon begegnete ich den Euren um zu wissen, dass dieser Kampf unvermeidbar sein wird!“
„Oh, ihr denkt, es gibt keine andere Möglichkeit?“
, die Worte sind mit einem sichtlichen Amüsements in der Stimme zu ihm gedrungen und während der Lethar sprach, tropfte eine grünliche Flüssigkeit aus den Augen des Schelters und bildete am Boden eine Pfütze einer klebrigen Substanz, welche sich mit der Zeit aufbäumte und sich immer mehr aufrichtete.
Mit wachsender Konzentration beobachtete Mandred das Schauspiel und kurz verengte er die Brauen, als er merkte, dass sich der Lethar Hilfe eines Wesens holte, dessen Gestank und Gase, die es umwirbelten, Gift für jedweden Menschen waren.
„ Ihr habt eine Option, Hurendiener!“, lauteten die knappen Worte des Letharen, ehe er mit einer kurzen Bewegung des Schelters, das Wesen aus giftigen Gasen und Substanz auf den Schaulustigen schräg hinter Mandred zustoßen ließ. Dieser Schritt war zu schnell gegangen, als das Mandred noch hätte reagieren können, somit machte er einen Ausweichschritt zur Seite und fixierte nun den Manne, welcher unbewaffnet und vom Schock und Furch gepackt am Boden kauerte. Auch der Milizionär blieb nicht untätig und zog sein Schwert und forderte den Letharen auf diesen Mann freizugeben, sei er doch unschuldig und hätte nichts mit dem Konflikt zwischen Temora und Alatar zu tun. Des Letharen Gesichtsmimik verzog sich zu einem boshaften Grinsen, ehe er den Ritter wieder fixierte und meinte: „Ihr habt die Wahl Ritter. Senkt eure Waffen und legt eure Rüstung nieder und rettet diesen Mann.“ Ein kurzer Schwank mit dem Schelter und das Wesen packte den Mann am Halse und schien leicht zuzudrücken. „Oder aber ihr versucht euer Glück und versucht mich niederzustrecken, doch dann stirbt ein Unschuldiger, der doch nichts mit uns zu tun hat. Es stirbt jemand, der nicht dem Gottkönig und auch nicht eurer Hure dient! Ihr habt die Wahl“
Mit tiefem Einatmen, steckte Mandred das Schwert in die Scheide und legte seinen Schild und Helm ab. „Lasst ab von ihm!“ Kaum eine Sekunde später, ließ das Wesen, den hustenden Manne wieder fallen und ergriff Mandred sodann an den Arme, welcher Mühe hatte, bei dem Gestank nach Tod und Verwesung nicht einem Brechreiz zu unterliegen. Und die Ungewissheit war fort!
Mandred wusste, dass der Lethar vorhatte ihn einzusperren. Was würde Alatar mehr gefallen, als ein eingesperrter Ritter Temoras?

Nur wenige Zeit später fand sich Mandred in den Kerkern der Letharen wieder, wo er einst schon mal hingesteckt wurde, zusammen mit dem ehrenwerten Paladin Farion Lefar. Doch diesmal war er allein. Allein gefangen in der Dunkelheit. Es verwunderte ihn, dass man sich nicht gleich seiner Person in Form einer großzügigen Folter annahm, sondern der Lethar, welcher sich als Erzlethyr ausgab, Worte an ihn richtete. Er fragte nach dem Namen des Ritters, welchen er erfuhr und fragte sogar noch, fast schon fürsorglich, doch immer noch mit dem Unterton eines hinterhältigen Wesens, ob denn jemand von der Situation des Ritters erfahren solle?
„Möge eure Falschheit, mitsamt eurer schwarzen Seele vom Licht bereinigt werden. Der Herrin Gnade und Segen ist mit mir und sie wird eure Hallen eines Tages von Licht erfüllen und er ihr werdet zu Asche werden!“ Diese Worte veranlassten den Letharen zu einem Grinsen, doch ließ er von dem Ritter, welcher nur mit einem Hemd, Hose und Stiefeln bekleidet war zurück und verschwand in der Dunkelheit.

Es war still. Sehr still. Es war die Präsenz des Bösen in diesen Gefilden, die auf das Gemüt des Ritters drückten und das spärliche Licht selbst, schien die Dunkelheit zu verstärken, anstatt sie zu vertreiben. Er war sich klar, dass er die Fassung bewahren musste, war sich klar, dass er den Glauben halten musste, dass er Kraft im Gebet suchen musste. Hier am Ort der Finsternis, dem Hort des Bösen, im Angesicht der Hoffnugnslosigkeit.
Allein in der Dunkelheit.

Gefangen in der Dunkelheit!
Benutzeravatar
Mandred Louisan
Beiträge: 3
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Mandred Louisan »

Folter ist der Weg zur Anfechtbarkeit der Willenskraft eines Menschen

Bereits ein ganzer Tageslauf war verstrichen, seit Mandred in den Kerkern der Letharen eingesperrt worden war. Aufrecht saß er auf dem kühlen Steinbett, und hatte die Hände auf die Knie aufgestützt, während er nachdenklichen Blickes auf den Boden seiner Zelle starrte.
Hier würde er keinen Schlaf finden, dem war er sich bewusst, somit vertrieb er sich seine Zeit, indem er aufrecht auf dem nackten, kühlen Steinbett saß und betete. Er betete um Kraft und um die Gnade der Lichtgöttin. Zwischendurch kam er nicht umhin seine Gedanken abschweifen zu lassen. Doch von Stunde zu Stunde, die er dort saß, müde und dennoch wach, in absoluter Finsternis und dennoch in Wachsamkeit, verblassten teilweise seine Gedanken und er konnte bald keinen klaren Schluss mehr fassen. Er fing an, nur noch über die Dunkelheit um sich herum nachzudenken und es machte ihn mürbe. Alles andere, woran er vorher dachte verblasste, sogar schien er zu vergessen, dass er eine Frau hatte, die sich um ihn sorgte, oder gar seine Ordensgeschwister. Alles erschien ihm dunkel und boshaft und es drückte auf sein Gemüt und er vermochte nur eines zu tun: Beten und hoffen!


Es war abends, als sein Geiselnehmer an seiner Gittertür stand und ihn beobachtete. Mandred spürte die unglaublich finstere tiefe Panthermagie, die von dem Wesen ausging. Doch der Ritter hatte kein Interesse an einem Gespräch mit der Kreatur, weshalb er seine süffisanten Worte ignorierte. Dass er die Enttäuschung des Letharen daraufhin derartig spüren würde, wäre ihm nicht in den Sinn gekommen. Er hatte mit Folter gerechnet, mit Schnitten, die präzise in ihn geritzt werden, doch nicht damit.
Die Luft in seiner Zelle wurde dicker, sie wurde warm, so als lade sie sich durch einen elektrischen Strom auf. Die Spannung war was greifbar und es steigerte sich immer mehr, soweit, dass er spürte, wie sich seine Haare auf den Armen und Beinen aufstellten. Es war wie kleine Blitze, die ihn durchfuhren, als er sich plötzlich erhob, da seine Haut hässlich zu zucken begann und er unkontrolliert mit den Armen zuckte. Er rieb sich über seine Arme, doch davon schien es nicht besser zu werden. Gerade als er erkannt hatte, dass der Ursprung dieses Phänomens der Lethar selber war, spürte er plötzlich einen Druck um sich herum, der sich auf ihn legte und beständig sich verstärkte. Es war wie Steinwände, die sich gegen ihn schmiegten und immer näher kamen. Sein Bewegungsraum verengte sich und seine Arme zuckten und auch seine Beine wurden in ihren Bewegungen eingeschränkt. Er presste ein schmerzerfülltes Stöhnen hervor, als sich seine Arme in seltsamen Winkeln verkrampften und er sichtlich mehr an Starre zunahm, bis er schlussendlich auf den Boden fiel. Ein leises Lachen verriet ihm, dass der Lethar Spaß hatte an dem, was er tat. Kurz darauf ließ der Druck nach und dennoch schien es, als würde Mandred von unsichtbaren Fäden gehalten, die ihn nun aus der offenen Gittertür hinauszogen und in den großen Raum vor der Zelle führten.
Damit war nicht genug.
Wie unsichtbare Nägel, die durch seine Hände und Füße geschlagen wurden, wurde er an eine Art unsichtbare Wand manifestiert. Seine Knochen schmerzten, von dem Druck, der eben noch auf ihnen lastete, es fühlte sich an als barsten sie gleich in einem lauten Knall. Auch seine Muskeln schienen immer noch vollends angespannt und keineswegs locker. Die Folter nahm ihren Lauf und Mandred kam nicht umhin, jene über sich ergehen zu lassen. Schmerzerfüllte kurze Schreie, die sich beständig in ein lang anhaltendes, fast schon unmenschliches, Brüllen steigerten, erfüllten die Gefilde und hallten als grausames Echo von den steinernen Wänden wieder. Doch allein mit Folter gab sich der Lethar nicht zufrieden. Er musterte den wehrlosen Ritter genauer und sein Blick fiel auf die Kette um seinen Hals. Ein Zeichen seines Glaubens. Es war eine goldene Kette mit einem Anhänger eines von Schwingen gezierten Ankhs. Als der Lethar die Kette ergreifen wollte, fauchte er, wie eine Katze und zog seine Hand schnell zurück. Offenbar vermochte sein dunkles Wesen nicht ein Zeichen des Lichtes zu berühren. Dann schweiften seine rot glühenden Augen weiter und blickten sowohl auf den Ring an Mandreds Finger, wie auch dem Armband, welches ein Abzeichen des Ordens war. Beides nahm er nach einem boshaften Grinsen an sich und fixierte nun wieder Mandreds Gesicht. Ohne Worte riss er ihm mit einer ruckartigen Bewegung ein Büschel Haare aus, welches er verstaute. Daraufhin ließ er ihn allein, und kehrte nach einer Weile zurück. Vor Mandreds Augen verwandelte sich die Kreatur in ein Abbild seiner selbst. Die dunkelbraunen Haare, das Armband, den Ring und die Kette am Körper tragend, entriss er ihm sein Hemd und seine Stiefel. Lediglich ein Merkmal ließ genaue Beobachter darauf schließen, dass es sich nicht unbedingt um den echten Ritter handelte. Letharen wuchs kein Bart, somit fehlten das Kinnbärtchen und der Oberlippenbart.
Diese Kleinigkeit schien dem Letharen nichts auszumachen und er lächelte nur boshaft. Er gab eine Verheißung von sich, dass er nun das Reich besuchen werde und ein wenig Verwirrung stiften werde. Bei diesen wagen Worten blieb es jedoch und er verschwand in der Dunkelheit. Die geröteten Augen des Ritters folgten ihm und weiteten sich, als ein andere Lethar, sichtlich ein Krieger, aus der Dunkelheit zu ihm ging. Ein Schwert in der Hand haltend begann auch jener boshaft zu lachen. Die Mordlust und vor allem die Gewaltbereitschaft stand ihm ins Gesicht geschrieben. Unendlicher Hass, Zorn und Wut, die er in vollen Zügen an dem Ritter entlud. Hinter dem Ritter baute er sich auf und schlug ihm mit dem Schwertknauf in den Nacken. Mandred wurde nach vorne gestoßen, doch die unsichtbaren Fesseln hinderten ihn daran, nach vorne überzukippen. Der Lethar flüsterte ihm immer wieder zu, ob er noch letzte Wünsche hätte, ehe er auch schon mit kräftigen Hieben seines Schwertes die Schneide in Mandreds Rücken versenkte. Immer und immer wieder.
Die tiefen Schnitte, waren wie flüssiges Feuer, dass über ihn rinnt. Seine Schreie wurden unmenschlicher und tierischer als je zuvor, als auch seine Oberarme und auch seine Beine tiefe Schnitte zugefügt bekamen. Doch im Laufe der Zeit, merkte Mandred, wie die Kraft, die ihn festhielt nachließ und er immer mehr zu Boden sackte, unfähig sich selbst auf seinen eigenen Beinen zu halten. Schließlich lag er am Boden, einen Arm vor sich weggestreckt, den anderen unter sich begraben. Der Lethar stand über ihm, und sein fauchender Atem verlangte nach mehr Hieben, doch es schien, als hätte er nicht den Auftrag den Ritter zu vernichten und somit begann er Mandred in die Rippen zu treten und ihn daran zu hindern, sich aufzurichten. Übersäht mit Blut und blauen Flecken lag Mandred auf dem kühlen Steinboden und verlor halb sein Bewusstsein. Er merkte nur noch, wie der Lethar ihn ergriff und in die Zelle zurückstieß. Danach umfing ihn tiefste Dunkelheit und er schien zum ersten Mal hier Schlaf zu finden, doch dieser Schlaf war ungewöhnlich und kein Stück erholsam.

Er wälzte sich am Boden und wimmerte im Schlaf. Er stieß Schreie aus und spürte, wie er die frischen Wunden durch sein Schaben am Boden immer wieder neu entzündete und das Blut erneut an ihm hinab lief. Er war unfähig sich aufzustemmen. Sämtliche Kraft war aus ihm gewichen. Seine Augen brannten und waren vertrocknet und jeder Knochen und jeder Muskel schmerzte und drohte zu explodieren. Spät in der Nacht erlangte so viel Kraft zurück, dass er sich mit dem Rücken an sein Steinbett lehnen konnte und sich setzen konnte. Kälte erfasste ihn, wie er halbnackt dort saß und sein Körper schlotterte und zuckte unkontrolliert. Er nahm sich ein Kleidungsstück, das für die Gefangenen gedacht war und zerriss es in breite Streifen, die er erst um seine Oberarme wickelte, dann um seine Beine. Dabei stöhnte und keuchte er angestrengt auf. Sein Atem ging schwer und unkontrolliert und er musste sich ein Stück Stoff in den Mund stecken und darauf beißen, um nicht laut aufzubrüllen, und den Letharen Grund geben ihn erneut aufzusuchen. Schließlich umwickelte er unter der Bildung von Schweißperlen und Gänsehaut auf seinem ganzen Körper seinen Oberkörper mit dem Stoff und verharrte schließlich ruhig. Die Augen schließend und tief einatmend. Danach versank er…versank in Finsternis und Hoffnungslosigkeit.

Und es war dennoch erst der Anfang des Unheils!
Benutzeravatar
Mandred Louisan
Beiträge: 3
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Mandred Louisan »

Das Ritual: Der Kern des Bösen

Aufrecht saß der Ritter an dem Steinbett angelehnt und begutachtete
seine Verbände an seinen Armen und Beinen. Seine vom mangelnden Schlaf geröteten Augen und auch seine tiefen Augenringe zeugten von den Strapazen, die er durchlebt hatte. Sein Körper war von Misshandlung gestraft, blaue Flecken übersäten seinen Rücken und seine Glieder. Das getrocknete Blut war als groteskes Muster auf seinen Beinen und Armen zu sehen. Er schwieg…. Er bemühte sich gar kein einziges Geräusch von sich zu geben. Er war umhüllt von Dunkelheit und hatte die Boshaftigkeit in vollen Zügen erlebt, die diese Hallen beherrschte. Es war fast so, als hätte ihn die Folter, die Schmerzen, ja die Hoffnungslosigkeit ihm die Stimme geraubt. Sorgsam betastete er sein Bein, der Blick schien verbittert und verhärtet. Und erneut spürte er die Anwesenheit von etwas Bösem…erneut besuchten ihn die Letharen.
Diesmal war es ein anderer. Er schien sich sehr für die Rüstung des Ritters zu interessieren und fragte, wo sie sich befände. Er beherrschte die menschliche Sprache nur halb so gut, wie der Magier. Mandred zuckte mit den Schultern und es war ihm egal, ob der Lethar es bemerkte oder nicht. Seltsamerweise schien jener nicht gleich vor Wut ihm Schmerzen zufügen zu wollen, stattdessen trat er von dem Gitter weg und Mandred verzog kurz den Mund, als er die Sprache der Letharen vernahm. Erneut stand jemand an dem Tor. Doch der Gestank von Verwesung, Tod, Blut und sonstigen abnormalen Gerüchen wehte zu ihm hinüber und ließ ihn unweigerlich husten. Der Lethar am Gitter rüttelte an der Zellentür und seltsamerweise verstand Mandred nicht den Zusammenhang der Worte, die der Lethar von sich gab. Sie werden kommen…Die Brut wird kommen… Was hatte das zu bedeuten?
Mandred war es egal, genauso wie alles andere auch. Er stellte sich gedanklich bereits vor, was sie noch an ihm foltern konnten und worauf er sich diesen Abend einlassen müsste. Plötzlich war da wieder die starke Macht Alatars, greifbar nahe. Erneut wurden Worte auf letharisch gewechselt und eine ihm mittlerweile gut bekannte Stimme sprach in Menschensprache: „Komm heraus Mensch!“ Wie auf befehl öffneten sich die Gittertore und Mandred starrte nur in die kaum erleuchtete Höhle vor seiner Zelle. Sollte er der Aufforderung nachkommen? Es wäre töricht es nicht zu tun, denn sie würden ihn aus der Zelle holen, wenn es sein muss. Die Entschlossenheit dazu, stand in der Stimmlage des Letharen fest.
Als er aus dem Tor wankte und sich mit Mühe auf den Beinen hielt, ergriff ihn sogleich der bestialisch stinkende Lethar am Arm und der Griff war wie ein Schraubstock, der Mandreds Arm einquetschte. Kurzerhand stand er dem Magier wieder gegenüber. Der dritte Lethar, raufte gerade ein paar Sachen zusammen, wohl schien er sich aufbruchsbereit zu machen. Keine Worte wurden gewechselt, ehe der Magier wieder seinen Schelter ergriff und damit seltsame Linien in der Luft zeichnete. Es funkte leicht und plötzlich entstand neben Mandred ein kleines Loch, mitten in der Luft. Es war von Schwärze erfüllt und es verwunderte den Ritter, dass es in dieser Dunkelheit überhaupt zu sehen war. Plötzlich war dort ein mannshohes Loch entstanden, durch welches Mandred von dem Letharen neben sich hinein geschoben wurde. Das folgende ließ Mandred die Augen weiten.
Er befand sich plötzlich auf einem sehr hohen Turm. Doch er war keineswegs gewöhnlich. Auf jeder Ecke stand ein Felsen, in welchem rötliche Runen und Zeichen eingeritzt waren, die boshaft leuchteten. An den Kanten des Turmes entlang züngelten sich Wände grünlichen Feuers entlang. Es wehte ob der Höhe kaum ein Wind, so als gäbe es einen sehr hohen Ort tief im Innern der Erde. Doch etwas ließ Mandred erschaudern und ihn wahre Furcht spüren. Er spürte die Anwesenheit etwas derartig Machtvollem, dass es ihn dazu zwang, schwer aufzuatmen. Die körperliche Erschöpfung war plötzlich wie weggeblasen und er spürte, dass er dem Bösen so nahe gekommen war, wie es sonst nur wenige tun.
Hinter ihm waren die anderen drei Letharen aufgetaucht und er wurde unsanft in die Mitte des Turmes gedrückt. Ein blutiges Pentaggramm zeichnete sich auf dem Boden ab und er vermutete, dass es sich wohl um einen Ritualplatz handeln musste.
Doch was, bei Temora, hatten sie mit ihm vor?
Plötzlich spürte er wieder diesen unerträglichen Druck auf seinem Körper wirken, welcher ihn langsam, aber beständig dazu zwang sich nicht mehr bewegen zu können und ihn schließlich derartig von den Beinen riss, dass er mit dem Rücken auf den Boden aufschlug, Arme und Beine von sich gestreckt. Er atmete schneller und ließ seine Augen in seinen Höhlen wie wild kreisen, um nach dem Tun der Letharen zu sehen. Wie ein tonnenschwerer Stein, der auf einem liegt, war er an den Boden gedrückt worden, seine ganzen Muskeln spannen sich und versuchen krampfhaft, ihn zum aufrichten zu bewegen, doch die Anspannung war so groß, dass es ihn schon schmerzte und er versuchte sich zu lockern. Erneut vernahm er Worte auf letharisch und plötzlich stand der muskulösere der Letharen neben ihm, eine Kiste unter dem Arm. Jene stellte er neben sich ab und es klimperte darin metallisch. Er öffnete die Kiste und holte ein paar handgroße Nägel hervor, welche er sich zwischen die Lippen schob. Ebenso ergriff er einen schweren Hammer. Noch ehe Mandred bewusst wurde, wozu er dieses Werkzeug gebrauchte, setzte der Lethar die Spitze eines Nagels an den Unterarm an, der Hammer wurde erhoben. Mandreds Augen weiteten sich und seine ganze Verstummtheit und körperliche Schwäche wurde vertrieben durch das Gefühl heißen Blutrauschens und und dem unbeschreibbaren Schmerz, der sich in ihm verbreitete. Er schreite alles mit einem Mal hinaus, als der Nagel präzise zwischen Speiche und Elle in seinen Unterarm eindrang und an aus der anderen Seite wieder austrat und sich sogar in den Boden zu rammen schien. Mit einem steigernden Lachen, dass ihm die Nägel aus dem Mund fielen, hämmerte der Lethar wie wahnsinnig, und doch mit unglaublicher Genauigkeit und Kraft weiter auf ihn ein. Mandreds Augen wurden glasig vor Schmerz und von außen sah man in seinen Augen nur die Spiegelung des Ortes, die rötlichen Runen, das Flackern des grünlichen Feuers.
Das Prozedere an seinem Unterarm wurde bei dem anderen wiederholt und die Schreie wandelten sich in ein heiseres Hauchen, dass dennoch eine solche Lautstärke besaß, dass es als Echo widerhallte.
Als dies geschafft war, blickte Mandred mit trübem Blick und unkontrollierten Atemgang zu dem Magier, welcher an seinem Fußende stand und einfach nur lächelte. Plötzlich spürte Mandred die Spitze eines Nagels an seinem Auge. Er benötigte seine ganze Körperkontrolle um nicht zu blinzeln, denn sonst würde er sich gewiss selbst daran verletzen. Für einen Augenblick sah Mandred dem sicheren Tod ins Gesicht, ehe er den Nagel von sich hob und er Lethar sich entfernte.
Es war der zweite, der sich ihm näherte, dass merkte Mandred wieder an seinem charakteristischen Gestank. Ein Messer in den Händen haltend kniete er sich neben ihm. Mit einer gewissen Feinfühligkeit und Fürsorge im Gesichtsausdruck begann er Mandreds Haut von der Brust abzuschälen und die Lappen seitlich wegzuklappen. Es entstand ein rechteckiges Loch in Mandreds Brustmitte und schließlich fuhr der Lethar noch an seinen Seiten mit dem Messer entlang und vergrößerte das Loch und jeder einzelne Hautlappen wurde sorgfältig zurückgeklappt. Das Blut rann nicht an Mandred hinab, es schein gefroren zu sein, sodass er nur das unangenehme Brennen der Klinge fühlte, was ihn gepresst aufstöhnen ließ. Als auch dieser Teil des Rituals erfüllt war trat der Magier vor. Er schien in der Sprache seines Volkes eine Art Formel auszusprechen. In seiner geöffneten Hand bildete sich eine Wolke aus Blitzen und Funken. Doch kein Licht beherbergte dieses Phänomen, es war alles dunkel und schwarz. Aus der Wolke manifestierte sich mit der Zeit ein gut zu erkennder pechschwarzer Kristall. Er war gerade mal so groß, wie ein Fingernagel. Mit einem durchgängigen beschwörerischen Murmeln bewirkte der Lethar, dass sich der Kristall auf das Loch in seiner Brust zu bewegte. Dort senkte es sich ein. Mandred spürte die Macht, die von diesem kleinen Steinchen ausging, die aber dennoch so groß und impulsiv und vor allem motivierend wirkte, dass es ihn für einen Moment den Atem anhalten ließ. Schließlich war der Kristall soweit drin, dass man ihn nicht mehr erkennen konnte und plötzlich leuchtete ein dunkles Leuchten aus der Brustmitte auf und stieß senkrecht aus Mandreds Körper. Der Lethar ließ ab von seiner Beschwörung und Mandred atmete schwer weiter. Schließlich begannen sich die Hautlappen wieder zu schließen, sie fügten sich wieder so an, dass das Loch unter einem Narbengewebe verschwand und nichts mehr von dem Kristall oder dem Ritual zeugte. Mandred wurde schwindelig. Er fasste sich an seine Brust und spürte, dass in ihm etwas anderes Platz genommen hatte.
Was war es?
„Empfangt die Macht Alatars…Spürt ihr wie groß sie ist? Welch Macht von ihr ausgeht?“

Die Worte des Letharen schienen sich auf das Leuchten um Mandred herum auszuwirken, dass es sogleich intensiver leuchtete und die spürbar dunkle Macht größer wurde.
Plötzlich schloss sich Dunkelheit um Mandred und schien ihn zu verschlingen. Das Letzte was er sah, war das boshafte Grinsen des Letharen, der die Arme ausgestreckt hatte und schließlich verlor Mandred das Bewusstsein. Es begann für ihn eine Reise, in der er seltsame Dinge sah, die ihn dazu brachten an seinem Verstand zu zweifeln und schließlich war das Letzte was er spürte, der Aufschlag auf etwas hartem und die Kälte die sich plötzlich um ihn legte.
Zuletzt geändert von Mandred Louisan am Montag 15. März 2010, 13:21, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Mandred Louisan
Beiträge: 3
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Mandred Louisan »

Das Leben in Ungewissheit und Dunkelheit

Etliche Wochen waren bereits vergangen, seit Mandred aus seiner Gefangenschaft zurückkehrt war. Doch erinnert er sich noch an jedes Detail seines Aufenthaltes bei den letharen und an den Abend seienr Rückkehr, an dem er geschwächt vor der Taverne seiner Frau aufgetaucht war, bewusstlos und geschändet. Und noch etwas war...ja er war nicht mehr der, der er war, als er in Gefangenschaft kam.
In den Tagen und Wochen danach, in denen er sich mehr und mehr von seinen körperlichen Leiden erholte, spürte er, wie er imme mehr an Kraft gewann. Doch was war es, was ihm dieses Selbstbewusstsein, diesen Eindruck von einer unbändigen Macht und Kraft gab?
War es einfach nur Selbstüberschätzung?
Oder war es tatsächlich mehr, als das bloße Auge eines neutralen Beobachters erkennen kann?

Die Antwort kam ihm jedoch gleich in den Sinn. Es war die Verführung seiner sich nun ebenfalls immer mehr verstärkenden Gefühle des Hasses, des Zornes und der Wut. Das Böse verführte ihn und zeigte ihm doch, welche Macht er besäßen könnte. Doch das war nicht alles. Er spürte mehr und mehr, wie sich etwas in ihm regte, mehr und mehr, wie er seine Gefühle nicht mehr kontrollieren kann. Immer öfter häuften sich die "Zwischenfälle", bis er schließlich sich an Personen wandte, die ihm an Weisheit und Efahrung deutlich mehr vorraus hatten.
Der ehrenwerte Paladin Farion Lefar, sein alter Mentor und Ordenspater, er war es, an den er sich zuerst wandte und durch ihn zog er den Schluss, dass er sein Inneres nicht weiter ignorieren kann, sondern dass er etwas tun muss. Ja...er musste kämpfen, keinen Kampf mit einem Schwert in der Hand, ein Kampf seiner Seele. Der Kampf gegen die Versuchung des Bösen.
Tage verbrachte er im Kloster und betete vor dem Baum des Lichtes, wo er auf Kraft und geistige Stärke durch Gebet erhoffte. Auch die ehrenwerte Paladina von Hohenfels unterrichtete er von seienr Gefangenschaft und auch sie verprach ihm mit Tat und Rat zur Seite zu stehen.
Einige Tage vergingen in denen Mandred nichts von dem Bösen in ihm spürte. Bis zu dem Tage an dem er in den Katakomben westlich von Varuna einen Letharen traf. Wie es dir verschienden Ansichten des Ritters und des spürbar magiebegabten Letharen so wollen, entstand eine Auseinandersetzung in der Mandred wieder sämtlichen Hass gegenüber seine Feinde in seinen Armen spürte. Es gab ihm Kraft, die Aussicht auf Sieg in diesem Konflikt. Doch die Macht, die von dem Ritter ausgeht schien dem Letharen nicht verborgen und er sprach Worte in der Sprache der Menschen, die Mandred bis heute nicht vergessen hat:
"Wir wollen es wieder haben...Mael Rayat..."
Die Ehrfurcht in der Stimme des Letharen, als er diese Worte sprach, ließ Mandred mehr als einmal irritiert sein und ließen ihn für einen Moment die Anspannung lösen, ehe er sich schon wieder auf die Bewegungen seines Gegenübers konzentrierte.
Ein kurzer Kampf der Klingen und der Lethar verschwand plötzlich in einem Riss, der sich mitten in der Luft auftat. Der Adlerritter war wieder allein in den Katakomben, doch sein Kopf war ein einziges ratterndes Uhrwerk. Mit aller Konzentration, die er aufbringen konnte versuchte er zu ergründen, was diese Worte des Letharen bedeuteten. Und vor allem, warum ein Lethar Ehrfrucht zeigte in der Gegenwart eines Ritters des Adlerordens. Demselben war dies unbegreiflich und auch hierzu scuhte er Rat bei den Paladinen, die er bereits unterrichtet hatte. Doch auch sie konnten die Bedeutung dieser Worte nicht erfassen und so wurde ihm geraten, sich auf die Suche nach Aufzeichnungen über die Letharen zu machen, in denen womöglich eine Antwort auf dieses Rätsel zu finden ist.

Und doch...seit dieser Begegnung ließen diese beiden Worte, den Ritter nicht mehr los und veranlassten ihn mir als einmal zu einem ungezügelten Wutausbruch, wenn er wieder einmal nicht fündig wurde.

So verbrachte er die nächsten Tage in der Bibliothek des Klosters in der Hoffnung das zu finden, was er sucht und endlich dem, was auch immer sich in ihm befand auf die Spur zu kommen. Doch es würde noch ein langer und steiniger Weg werden, den er zu beschreiten hatte und mehr als einmal betete er die Worte:
" Temora gewähre mir Kraft durch deine Gnade und Erleuchtung durch dein Licht"
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Fragen in der Dunkelheit

Was sie heute erlebt hatte, hatte alle Vorstellungen... in den Schatten gestellt. Sprichwörtlich. Dass ein Adlerritter ihr erschienen war, als würde gleich der Panthergott höchstpersönlich aus ihm herausbrechen... ein kaltes Schaudern ging ihr über den ganzen Körper und immer wieder huschte nur ein "Meine Güte" durch ihre Gedanken.
Der Grund für alles? "Mael Rayat". Was immer das war, es schien eine Art Gegenstand zu sein, und er schien sich in Sir Mandred zu befinden. Eine der Fragen war:
"Warum haben die Letharen es ihm eingesetzt, wenn sie es nun wiederhaben wollen?"
Verwirrend, ja. Darna kam nicht umhin, trotz allem, was sie sonst Letharen an Perfidität zutraute, einen Fehler zu vermuten. Scheinbar hatte man sich wohl erhofft, der Adlerritter würde durch die Gefühle von Haß und Argwohn in sich vom Glauben abfallen. Doch das tat er nicht. "Noch nicht. Wer hält schon ewig so eine Belastung aus?", mischte sich ein Teil ihrer Gedanken prompt ein. Konnte er es durchhalten? Würden die Letharen sich Mandred nochmal schnappen wollen?

"Wenn er es nicht mehr trägt und ihr Plan nicht aufging, würde es wohl seinen Tod bedeuten", hatte Shalaryl zu Recht angemerkt. Immernoch musste die Paladin irritiert blinzeln - die ganzen Bemühungen, sich mit Mandred, Isdaniel und Ela im Nebelwald zu treffen, um ihn näher zu untersuchen, waren gestern irgendwie hinfällig geworden, weil Shala zufällig vorbeigekommen und ihn "sich bloß einmal ansehen" wollte. Doch bereits auf ihre Präsenz und ihre Stimme hatte Mandred erschreckend reagiert. Nein, nicht Mandred - sondern das, was in ihm war.
Zutiefst alatarisch und zutiefst der letharischen Natur entsprechend musste es sein, anders war diese äußerst heftige Reaktion auf die Waldelfe nicht zu erklären. Nicht einmal auf sie als Paladin hatte je diese Dunkelheit in Mandred so stark reagiert.

Mael Rayat - was war das? Sie hatten die Klosterbibliothek durchforstet, Darna hatte sogar jene Regale und Bücher durchgesehen, die nicht der Allgemeinheit zugänglich waren. Doch sie hatten nichts gefunden. Und es schien gefährlich, zu offen danach zu forschen, wenn es derart machtvoll und letharisch schien.
Sie hoffte, Shalaryl konnte mehr in Erfahrung bringen und würde die anderen beiden über das Geschehen informieren. Und Darna würde mit Arenvir und Alindra sprechen - es würde so etwas wie einen magischen Käfig brauchen, um überhaupt mit Mandred und dem Ding in ihm umgehen zu können...
Benutzeravatar
Shalaryl Di'naru
Beiträge: 4008
Registriert: Sonntag 5. Februar 2006, 03:25
Wohnort: Lao'bha

Beitrag von Shalaryl Di'naru »

Suchende Klänge in der Dunkelheit

Das konnte nicht sein. Nein, völlig ausgeschlossen...das sagte der Verstand,
leider kümmerten sich die Augen herzlich wenig darum. Die wuselige Wald-
elfe belagerte tatsächlich wieder die Bibliothek Ered Luins, räumte Buch um
Buch aus dem Regal, las hier, überflog dort. Aus elfischer Sicht der Zeit
war das letzte Mal, dass solch ein denkwürdiges Ereignis stattgefunden hatte
im Grunde erst vor kurzem gewesen, doch nun war die grüne Gestalt erneut
vertieft in das alte Wissen.

Ein paar Ecken und Regale konnte sie ausschließen, von ihrer letzten Suche
wusste sie noch, wo definitiv nichts zu holen war. Dennoch, das Thema war
ein völlig anderes...wo lagerten Letharen-Texte? Wo fand man eine Über-
setzung ihrer Sprache? Und wie fand man etwas, von dem man nicht einmal
wusste, was es sein sollte?

"Mael Rayat..."

Ein weiteres Buch wurde der bereits leicht entnervten Perf'esone zurück-
gereicht, die längst am mangelnden Ordnungssinn der Waldelfe verzwei-
felt war. Wieder das falsche, wieder keine Hinweise. Blieben nur noch...
nein, besser keine Zahl abschätzen, sondern nach einer kurzen Erdbeer-
pause weitersuchen... .
Zuletzt geändert von Shalaryl Di'naru am Mittwoch 14. April 2010, 23:37, insgesamt 1-mal geändert.
Tschiep?
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Und hinein ins Verderben!

Ich hätte schon dieses Treffen verhindern sollen. Doch es war auch mir wie eine Möglichkeit erschienen... eine Möglichkeit, mit der man eben vorsichtig sein musste. Aber welch Reinfall.
Das kommt davon, wenn man sich nicht besser abspricht. Dass der Treffpunkt die Herberge vor Bajard sein sollte, schön und gut, aber jemand hätte doch bei Mandred bleiben müssen! Dann hätten die anderen auch nicht dumm wartend in der Herberge gesessen, während er den Letharen nicht mal dort hin bekommt! Und für diese "Informationen" hat er auch noch Geld gezahlt, ich fass es nicht. Ich frag mich, wieviel... denn davon heben sie bestimmt jetzt einen auf Mandreds Un-Wohl, was immer Blauhäute trinken und lachen sich über uns kaputt.

Sie haben ihn. Bei den Lichten, sie haben ihn. Oh Wächterin unter den Göttern, du Kämpfende mit der Gabe der Vorsehung, die von deiner Mutter auf ewig Gebrandmarkten haben einen deiner Streiter blind gemacht und leiten ihn auf den Pfad, wo das Ziel alles bedeutet und der Weg dorthin nichts. Welch Schande, welch Jammerbild.
Wie er da vor den Toren des Ordens stand und den Kopf gegen den Laternenpfahl schlug, während er das Gewäsch des Letharen wiedergab, als wäre ihm die Offenbarung zuteil geworden:
"Erschaffen von einem Dämon, kann es nur von einem Dämon vernichtet werden.
Was macht es für einen Unterschied, ob wir hier draußen reden oder drinnen? Sie wissen alles über mich. Alles... Er wusste bereits, wer ich bin. Was immer in mir ist, es scheint mich deutlich erkennbar für sie zu machen."
Ach?! Derzeit würde dich ein Blinder von hinten erkennen, Mandred! Wenn man dich ansieht, ist ein dunkleres 'Leuchten' um dich herum, als stünde man vor einem Ahad! "Hört auf mit dem Unsinn und reißt Euch zusammen, Sir" - doch es half nichts.
"Fünfter Tag... Vollmond... Ein großes Tor - ich muß da hin."
"Das Einzige, was Ihr im Moment müsst, ist mir in allen Details erzählen, was vorfiel", fuhr ich ihm dazwischen. Himmel, der Mann schien ein Wrack, das nicht mehr klar denken konnte!

"Ich fragte ihn nach Mael Rayat. Gegen Gold erzählte er mir nur, von einem Dämon erzeugt, kann es nur von einer Dämonin vernichtet werden, nur von einer! Er erzählte mir aber nicht genauer, was es ist."
Wieso hätte er auch gesollt? Du scheinst ja an seinen Lippen gehangen zu haben, Mandred.
"Und dann erzählte er mir von einem großen Tor, das sich am Ende des Wochenlaufs auftun wird. Am fünften Tag dieses Wochenlaufs zum Vollmond. Weit im Osten..."
"Und was soll dort dann sein?"
"Ein Tor."
Na Wahnsinn. Ich hau dich gleich. "Was für ein Tor? Wofür?"
"Er sagte es mir nicht. Aber ich werde wohl alles erfahren... wenn ich zu dem Tor gehe."
"Unfug." Glaubte er etwa diesen Blödsinn? Das war ja schlimmer, als einem gestandenen Erwachsenen erklären zu müssen, daß das teure Zeug vom Quacksalber keinerlei Wirkung hatte.
"Alles erfahren werdet Ihr womöglich... wie aus billigen Geschichten der gefangene Held, wenn der Bösewicht ihm hochmütig seinen Plan erklärt. Ihr wollt doch nicht wirklich auf diesen schlechten Witz hereinfallen?"
"Ich bezweifle, dass die Letharen in diesem Fall auf Scherze zurückgreifen."
"Nein, aber auf Pläne, die vor Hinterhältigkeit triefen. Wie weit wollt Ihr ihnen noch freiwillig auf den Leim gehen?" Das stank doch meilenweit nach einer Falle!
"Es wird mich vernichten... auffressen... wenn ich es nicht bald entferne. Das waren ebenfalls seine Worte." Natürlich sind das 'auch seine Worte', wenn die Letharen selber das, was in dir ist, zurück haben wollen, du Trottel!
"Und wenn es ein Risiko ist... ich muss es eingehen."
Gar nichts musst du! Meine Hände schnellten vor und griffen sich den Kragenstoff seiner Robe - er wehrte sich nicht mal und ich schlug nicht zu, doch ich war so weit, daß ich ihm am liebsten eine aufweckende Ohrfeige verpasst oder ihn durchgeschüttelt hätte; nur hätte ich damit womöglich den fremden Zorn in ihm nur wieder geweckt. Niel Finrias, der während des Gespräches mit hinzugekommen war, schaute zwischen uns beiden hin und her, mischte sich jedoch nicht ein - was der junge Ordenskämpe wohl gerade von mir denken würde?

Ich wurde nun mehr als deutlich: "Sagt einmal, seid Ihr schon von Sinnen...? Ihr. seid. Adler.Ritter. Sir. - Seit wann geht es Euch einzig darum, Euer Ziel zu erreichen, statt darum, wie Ihr es erreicht?"
Mandred leistete weiterhin keine Gegenwehr. "Paladina... ich höre heraus, dass Ihr einen besseren Vorschlag habt? Doch verzeiht... mich selbst auffressen zu lassen von innen, zähle ich nicht als bessere Idee."
"Stattdessen wollt Ihr Euch einem Dämon an den Hals werfen, den Euch ein Lethar als Hilfe empfahl... Wisst Ihr noch, wer Eure Freunde sind und wer nicht?"
"Ich weiss, was meine Pflicht ist. Meine Pflicht ist es, meine Umgebung nicht weiter zu gefährden, indem ich womöglich bald den Verstand verliere und selbst zu einem Dämon werde. Ich diene der Herrin des Lichtes..."
Ich ließ ihn bei diesen Worten langsam los. Wenigstens waren das noch Punkte, an denen erkennbar schien, auf welcher Seite er stand. Ein Umdenken ließ sich leider dennoch nicht bei ihm erkennen: "Wie oft hat sie uns gelehrt, stets die Wahrheit zu suchen? Ich suche die Wahrheit... und ich suche mein eigen Heil."
"Dort ist. keine Wahrheit", widersprach ich beharrlich, "Dort ist nichts als Lüge. Dort ist ein Spinnennetz, das auf Euch lauert. Und Ihr gebt lieber die Fliege ab, statt alles andere zu versuchen, was geht."
"Mein Entschluß steht fest."
Himmel, das durfte doch nicht wahr sein! Wie konnte man so die Tatsachen verleugnen? Immernoch redete ich auf ihn ein, denn natürlich gab es Alternativen! Nur waren diese nicht so schnell und bequem zu haben, stattdessen warf er sich lieber den Letharen an den Hals, rannte den scheinbar leichteren Weg entlang!

"Parallel hierzu laufen die Vorbereitungen der Elfen und befreundeter Magier, um Euch im Kloster zu helfen. Aber Ihr werft Euch lieber diesen Blauhäuten an den Hals?"
"Ihr habt gesehen, was die Elfe ausrichten konnte: Nichts! So sehr ich die Bemühungen schätze, sie werden, wie ich schon zu Anfang sagte, zu keinem Ergebnis führen."
War das eigentlich schon weitergehender Einfluß dieses Mael Rayat, daß ich ihn gerade am liebsten windelweich geprügelt hätte? Shalaryl hatte ihn sich einmal aus Distanz angesehen, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen, was überhaupt mit ihm war, das Artefakt in ihm hatte überraschend heftig reagiert, und daraus schlussfolgerte er, daß nichts helfen konnte, während sich eine ganze Gruppe erfahrenener Magier Gedanken darüber machte, mit was für Vorbereitungen ihm zu helfen war? Welch Irrsinn!
"Ich unterstütze diesen Weg, den Ihr blind für echte Hilfe links und rechts entlang stolpert, nicht mehr." Ob er begriff, was ich da gerade sagte? Bislang hatte ich ihm geholfen. Ihn unterstützt. Doch die Art, wie er sich gerade stur stellte und ins Verderben rennen wollte, verdiente keine Unterstützung mehr, sondern Hilfe der anderen Art: Hilfe durch Contra.
"Mein Entschluß steht fest. Und ich werde allein gehen."
"Allein - ja. Gehen werdet Ihr nicht." Denn ich werde dich aufhalten, Mandred. "Ich werde nicht zulassen, daß Ihr dieses dunkle Artefakt, was Ihr in Euch zu tragen scheint, auch noch einem Dämon in die Hand spielt."
"Also gut... dann kommt mit. Ihr auch, Bruder", wandte er sich an Finrias. Der seufzte leise, musterte meine entschlossene Miene und nickte dann Mandred zu: "Wenn Ihr wünscht, Bruder."
Bitte?! Ließ man neue Ordensanwärter beim Eintritt durchs Tor ihren Verstand abgeben?
"Ich sagte: nein. Das ist Wahnwitz. Und alles, aber Euch nicht förderlich."
War hier ein weiterer junger Jasager, den ich mir damit zum Feind machte, indem ich nicht der Meinung eines Ordensmitgliedes war oder begriff er noch, daß hier mit Händchenhalten nichts zu gewinnen war?

"Wenn es der Wille der Lichtgöttin ist, dann wird sie mich sicher leiten. Ich werde dorthin gehen."
Und wenn es nicht ihr Wille ist, Mandred? Wenn sie gerade die Hände über dem Kopf zusammen schlägt bei so viel Dummheit, was dann? Wenn du sehenden Auges in dein Verderben rennst, obwohl du es besser wissen könntest, obwohl du anders entscheiden könntest, glaubst du, sie rennt dir dann noch nach und bügelt die Fehler aus, die du selber hättest vermeiden können?
"Ihr seid drauf und dran, blindwütig in Euer eigenes Verderben zu stolpern, und ich sage: es reicht."
"Ich werde ihm beistehen. Auch wenn er zum Spielball gemacht wird", meldete sich Finrias. Braver Junge. Aber:
"Ihr würdet ihm helfen, selber dunklen Mächten eine Hilfe zu werden, Herr Finrias", warnte ich ihn deutlich, "Das ist kein Freundschaftsdienst mehr." Betreten schaute der junge Mann zu Boden. "Wenn Ihr stattdessen helfen wollt, verhindert daß er diesen Irrsinn in die Tat umsetzt."

Immer, wenn du denkst, es kann nicht schlimmer kommen...
Ela kam.
Ich hielt Mandred davon ab, sich sofort zu entfernen, als er sie näher registrierte, und ich hielt sie davon ab, ihm zu nahe zu kommen. Vielleicht brachte sie endlich die erlösende Nachricht, die Hoffnung auf einen anderen Weg gab.
"Seht ihr einen Weg, dem Sir zu helfen?"
"Also das ist nicht so leicht zu beantworten, wie Du es sicher gerne hören magst."
"Diese Information reicht vollkommen", meinte Mandred da schon. Nein, das war nicht das Artefakt, ich hätte ihn wirklich übers Knie legen mögen. Was hatte man ihm als Adlerritter beigebracht - so schnell wie möglich den Weg des geringsten Widerstandes gehen?
"Ich kann Dir sagen, dass ich in der Lage bin das, was auch immer Du in Dir tärgst ... zu entfernen. Allerdings...", sie sah ihn nun mitfühlend an, und mir begann Böses zu schwanen, "würde es Dich umbringen."
Ich verbot mir, zu ächzen. Na das waren ja Aussichten. Mandred quittierte es ebenso: mit einem leisen Lachen, dunkel und boshaft, nahezu unmenschlich. In diesem Moment begriff ich, daß das Böse in ihm triumphierte.
Ela schon erklärend rasch nach: "Aber Deine Seele würde in das Lied eingehen und nicht daraus verbannt sein."
Mandred sah zu mir: "Seht Ihr? Bevor ich mich dem sicheren Tode hingebe, habe ich noch so viel Willen, mich dem hinzugeben, was mich dort erwartet."
Und seit wann geht es nur um unser Leben, Adlerritter? Und warum hatte Ela nur von sich gesprochen? Daß sie es konnte? War in Betracht gezogen, was möglich war, wenn mehrere zusammenarbeiteten?
"Und wenn das, was Euch dort erwartet, den Verlust Eures Seelenheils bedeutet? Was ich durchaus für wahrscheinlich halte?"
"Ich bezweifle es." Er klang nicht sicher. Er klang überhaupt nicht sicher. Wie weit gehst du noch, Mandred? Kehr um!

Ein Pferd näherte sich, und nun bekam auch Mandreds Knappe Alessandro mit, was hier gerade vorfiel.
Ela erklärte weiter: "Alles was Dich erwartet ist dass Du, wie die Seelen der dunklen Geschwister, aus dem Lied gestoßen bist. Deine Seele würde keine Ruhe finden. Allerdings gibt es noch eine andere Möglichkeit."
"Nun ich bin ganz Ohr!", meinte Mandred, doch argwöhnte ich Hohn in der Stimme, so verbohrt wie er bislang schien.
"Genau genommen zwei Möglichkeiten. Die eine ist: Ihr fangt euch einen Letharen und dieser muß es dann weg machen. Denn sie sind in einem Punkt wie wir: Phanodain gab uns die Kraft, das Lied zu beeinflussen. Alatar gab ihnen die Kraft, es zu vergewaltigen - allen."
Mandred schien diese Option für so nahezu unmöglich durchführbar zu halten wie ich: "Und die zweite Möglichkeit?"
"Die Lösung, die am unwahrscheinlichsten ist. Wie ich sagte sind wir ... die Lindil und Edhil, den Letharen sehr ähnlich. Wenn Du also einen findest der von ihm korrumpiert - so lautet euer Wort dafr - ist oder wird, dann hast Du jemanden, der es kann. Aber der Gedanke daran allein lässt es mir kalt den Rücken herunter laufen und ich glaube nicht, dass Du einen einzigen finden wirst, der das tut oder auch nur daran denken würde."
Verstand ich Ela da gerade richtig?
"Du sprichst von einem Elfen, der dem Panther verfallen wäre? Oder was meinst du?" Ela bestätigte es: "Aber wie ich schon sagte: Keiner von uns kommt allein auf diese Idee. Und dann noch jemanden zu finden, der dies tun würde - niemals."
Ja, ein Elf, der durch die Macht Alatars korrumpiert würde, das war...

Mission Impossible
Plötzlich klackerten meine Gedanken durcheinander. Es schien so unmöglich, etwas Gutes wie einen Elfen mit der Macht Alatars zu verbinden... aber es war möglich. Ich selber wusste, es war möglich, diese beiden Seiten konnten gefangen in einem sein. Und ich wusste auch, was selbst das lichteste Gemüt zu korrumpieren vermochte, wenn es nur lange genug getragen wurde. Wovon ich nicht den leisesten Schimmer hatte, war, was es für Gefahren bedeutete, würde ein Elfenmagier so lange Temoras Schwert halten, daß er "verdorben" genug wurde, um Mandred zu helfen. Oder reichte vielleicht schon die blanke Ausstrahlung des Schwertes, um in seinem Beisein die Elfenmacht, auf die Mandreds Artefakt so ansprang, zu dämpfen? Was aber war es für ein Gefahrenpotential, Mandred zum Schwert zu bringen? Bei diesem Gedanken gruselte es mich. Nein, das durfte wohl nicht geschehen. Aber war es ein Lösungsansatz? Hatten wir etwas in der Hand?
Welcher Elfenmagier würde sowas mit sich machen lassen? Die Hoffnung schwand wieder. Das schien ein zu hoher Preis, denn was hatten wir dafür als "Lohn" zu bieten? Die Rettung eines Menschen, der sich selber gerade als zu schwach erwies, um ihn in seinem Kampf zu unterstützen.


Und so gehst du den Weg des Schmerzes
"Es ist ungewiss was passieren wird und dennoch, wenn ich mein Leben verwirken sollte...", Mandred atmete tief ein, "Meinen Glauben und meine Liebe habe ich bis zum Ende in mir! Die wird mir weder ein Lethar, noch ein Dämon, noch Alatar selbst nehmen!" Alessandro und Niel nickten beipflichtend, und ich war geneigt, ihnen zuzustimmen, doch völlig so einfach war es wohl nicht:
"Wenn Ihr Euer Leben verwirkt, indem Ihr zum Dämon geht, bin ich mir um Euer Seelenheil nicht sicher, denn Ihr seid dann ein beträchtliches Stück aus eigenem Willen auf dunklen Pfaden gegangen, Sir."
"Womöglich mag dies gar keine schlechte Erfahrung sein..."
WAS?!
"Womöglich mag ich einen großen Fehler begehen... aber ich bin bereit, dafür einzustehen."
Mit was willst du dafür einstehen, Mandred? Mit deiner Adlerritterwürde? Mit deinem Leben? Mit deiner Seele? Ist es das wert?

"Ich danke dem Volke der Elfen für jedwede Mühe, aber ich habe meinen Entschluß getroffen."
"Ihr seid des Wahnsinns, Sir."
"Dann behaltet mich als wahnsinnigen Ritter der Herrin in Erinnerung..."
Er hatte abgeschlossen und begab sich ins Dunkel. Ich sah es, und konnte es nicht fassen.
"Vermutlich sehen wir sun das letzte Mal, Paladina... vielleicht auch nicht."
"Das hättet Ihr gerne so."
Es war meine Kriegserklärung an ihn. Ich würde ihn aufhalten, und wenn ich ihn dafür in Grund und Boden stampfen musste, damit er nicht bis zum Dämon kam. Dafür begann ich, sämtliche Strippen zu ziehen, die mir in den Sinn kamen, um Mandred rechtzeitig aufzuhalten. Wenigstens schien ich Alessandro und Niel nun klar auf meiner Seite zu haben. Im Moment ließ ich ihn ziehen, statt ihn mehrere Tage einzusperren, auf daß ihm lediglich rechtzeitig die Flucht gelingen müsse. Aber im Auge behalten sollte Alessandro ihn.

Doch was, zum Gehörnten, für ein Tor? Und wo sollte das sein, außer "weit im Osten"? Zum Glück wusste Mandred da offenbar auch nicht mehr.

Erst am nächsten Tag, als ich Adrian davon erzählte, sollte es mir wie Schuppen von den Augen fallen:
"Und ich Idiotin glaube das auch noch einen Abend lang!"
"Wovon sprichst du?"
"Der Erzlethyr! Erst höhnt er, nur er selber könne es aus Mandred wieder entfernen! Er kann sich in einen Dämon verwandeln und Portale nutzen! Diesen ganzen Kindergartenzirkus von wegen 'aus einem Tor wird ein Dämon kommen' kann er selber veranstalten! Mandred rennt freiwillig dem Erzlethyren in die Arme, um ihnen das Artefakt wiederzubringen!"
Wie hatte ich das Offensichtliche nicht sehen können und stattdessen darüber gerätselt, wie sich ohne fremdes Zutun ein Tor in unsere Welt bei Vollmond öffnen und einen Dämon entlassen könne? Praktischerweise zeitnah, damit es unserem verzweifelten Ritter auch gut in den Kram passte... Ich musste nur rauskriegen, wo östlich vom Orden überall die Portale der Magiere endeten. Endlich hatte ich das Gefühl, Mandred einen kleinen Schritt voraus zu sein, statt daß er mir davonstürmte.

Grr. Ich sag es dir, Herrin, wenn es nach mir geht, kriegt dieser Dreckslethar so eine Abreibung...
Zuletzt geändert von Darna von Hohenfels am Mittwoch 21. April 2010, 14:47, insgesamt 1-mal geändert.
Alessandro Marquez
Beiträge: 0
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:19

Beitrag von Alessandro Marquez »

Schritt für Schritt....


Der Junge Knappe folgte seinem Mentor schritt für schritt, doch was er sah ist für ihn unglaublich gewesen, er dachte sich unglaubliches möge geschehen. Er versprach Darna seinen Mentor unter dem Auge zu behalten und dies tat er auch, als er ihm folgte so wusste Alessandro genau wohin ihn der Weg führte, auch wenn er jederzeit verschwinden konnte. Alessandro ließ seinem Mentor nicht aus den Augen, doch schien Mandred sich normal zu verhalten er ging in den Keller wo sich Amary und Mandred fast jeden Abend trafen um gemeinsam die Nachtruhe zu finde, so stellte sich Alessandro vor die Tür und wollte seinem Mentor nicht mehr raus lassen, weil er wusste was geschehen werde wenn er ihn raus lassen würde. Niel kahm nun an, dieser klingelte fürchterlich an der Klingel wo auch eine Gestalt an der Tür her ran trat, diese Gestalt war die Frau von Mandred, Amary Ann. Sie hat versucht die Tür zu öffnen doch, was tat Alessandro? Er hielt die Tür ihr gegenüber zu und wollte sie vorerst nicht raus lassen. Amary fing an zu schreien, wobei auch Niel nun begann seine Ohren zu zuhalten, dieser schien mit der ganzen Situation etwas überfordert zu sein, doch Alessandro war stolz auf Niel, dass er solch eine große Verantwortung übernehmen konnte. Amary schrie und sagte „ Wenn ich raus komme Alessandro dann werde ich dir die Hölle heiß machen!“ Alessandro lachte nur zu den Worten von Amary, ehe er nun auch zur Seite schritt um mit ihr zu verhandeln, damit sie ihn in den Keller lassen würde. Amary stimmte zu, sie ließ Alessandro hinunter in den Keller wo er auch hinter dem Vorhang Mandred erkennen konnte, Alessandro schlich sich nun langsam ran ehe er versuchte in einer weiblichen Stimme zu sprechen wobei er nun sagte:

„Schaaaatzzzz? Ich werde gleich kommen, mach dir keine sorgen!“ So machte er die stimme von Amary nach welche er schon längst einstudiert hatte um sie perfekt nachsprechen zu können, Alessandro war in seiner früheren Zeit schon dafür bekannt, dass er stimmen imitieren kann. Unten angekommen und die Worte von sich gebend, grinste Alessandro nur, wo auch Mandred diese stimme ein kleinwenig zu erkennen schien. Nun hat Alessandro gemerkt das Mandred ihn erkennen konnte, so trampelte Alessandro los in Richtung des Bettes wo er nun auf seinen Mentor sprang und ein Seil hervor holte um ihn Fest zu binden, doch Mandred war schneller er lies sich los und gab Alessandro mit der Faust eine direkt ins Gesicht, was Alessandro auch eine kleine weile Lang taumeln lies. Nun stand Mandred auch schon wieder bei dem Kamin, er starrte diesen Kamin eine ganze weile an, ohne jegliche worte von sich zu geben.

Alessandro gesellte sich zu seinem Mentor so als würden die beiden merken, dass etwas Schreckliches vor sich ging, der Junge Knappe neigte nur sein Haupt traurig, er fühlte was in dem Kopf seines Mentors vor ging, der Krieg zwischen zwei Welten, Licht und Dunkelheit kämpften Schwert gegen Schwert in seinem Herzen und in seinem Kopf, das überforderte alles auch Alessandro, dieser erlebte zum ersten mal so Etwas, in seinem komplett noch sehr Jungen Leben. Er wollte nicht das seinem Mentor etwas geschieht, er wollte ihm beistehen, Der Sir wollte nicht das Alessandro etwas passiert. Er blockte ab. Alessandro und Mandred sprachen stunden lang miteinander um sich mit einander austauschen zu können damit auch Mandred, Alessandro erklären konnte was genau in ihm vor ging. Er hatte das Versprechen von Darna nie vergessen gehabt, deswegen übernachtete er vor dem Haus wo Mandred Nachtruhe fand, damit er seinen Mentor schritt für schritt beobachten konnte. Am nächsten Tag folgte Alessandro seinem Mentor in die Ordensbrug wo er nun Niel und Mandred erblicken konnte, wo Mandred ein Gebet halten konnte. Als Alessandro eintrat, wollte Niel mit Mandred sprechen doch was sie gesprochen hatten, hat Alessandro erst im nachhinein erfahren…..
Zuletzt geändert von Alessandro Marquez am Mittwoch 21. April 2010, 16:46, insgesamt 1-mal geändert.
Niel Finrias

Beitrag von Niel Finrias »

Mit hängenden Schultern und müden Augen verließ Niel als Letzter das Goldene Lamm. Es war völlig zwecklos gewesen dort hin zu gehen – Zerstreuung konnte er in Tavernen nicht finden… das hatte sich nicht geändert. Auch dass der Frühling endlich vollends Einzug gehalten hatte, interessierte Niels Laune ausnahmsweise wenig.

Ihm lag das Schicksal seines älteren Ordensbruders schwer auf der Seele. Und obwohl er dessen Gesellschaft gesucht hatte… war es zu viel. Dass Mandred bei seiner Frau war, schön und gut… aber wie er, augenscheinlich gelassen Konversation betreibend, … ihn noch beinahe auslachte dafür, wie besorgt er war! Er ließ seine Füße ihn weitertragen, während er überlegte, kaum wahrnehmend wohin er ging, die behandschuhten Hände in den Schwertgurt gehängt.

Als er wieder aufblickte, fand er sich im Kirchenschiff der Ordensburg wieder. Nicht der schlechteste Ort zu dieser Stunde, dachte er bei sich. Er setzte sich auf eine der Bänke, wie er es oft tat in letzter Zeit… den Blick von der Mitte vor dem Altar zu den Seiten schweifen lassend, wo kleine Funken emportanzten.
Er atmete einmal tief durch und entspannte seine Stirn, die er beinahe den ganzen Tag leicht gekraust hatte. Grübelnd. Planend. Fragend. Stille legte sich auf seine Ohren. Früher am Tag… er ließ sich die Ereignisse der letzten Zeit nochmals durch den Kopf gehen. Und blieb doch so ratlos wie zuvor.

Die Paladina hatte ihm einen klaren Auftrag erteilt: „Wäre Euch irgendetwas unklar, was Euch daran hindert, des Sirs Gemahlin Frau Amary aufzusuchen und sie über diesen Wahnwitz, den ihr Gatte plant, zu informieren?“ … nun, das hatte er getan. Als er zu ihr kam, wusste sie längst Bescheid über Mandreds Plan, er hatte sie selbst eingeweiht. Jedoch nicht über die damit verbundenen Konsequenzen. Als Niel in ihr Gesicht blickte und sie ihr so gut er konnte erkärte, wünschte er sich einmal mehr, irgendetwas tun zu können, mehr in jedem Fall… als zu beten.
Dem entsprach sein zweiter Auftrag. „Zudem möchte ich, dass Ihr im Orden jeden informiert, der nicht willens wäre, Sir Mandred bei seinem Vorhaben zu unterstützen.“ In Gedanken ging er die Worte der Lady von Hohenfels noch oft durch: „Wir müssen verhindern, dass er sich irgendwelchen finsteren Kreaturen an den Hals wirft und Kopf, Kragen und seine Seele riskiert!“ Nichts mehr wünschte sich der junge Mann in diesen Tagen. Mandred war für ihn sowohl Vorbild als auch Ansprechpartner, Lehrmeister … nicht zuletzt Bruder im Glauben! Er musste ihm helfen, doch der Ältere schien fest entschlossen zu seinem Vorgehen.


**********************************************************************************

Niel besann sich einer Textpassage in einen Buch, das er hütete seit es in seine Hände gelangt war… und erinnerte sich, wie er Mandred am Nachmittag deswegen angesprochen hatte. Er hatte nach einem Punkte gesucht, wo er das Verhalten des Ordensritters nicht mehr unter der diesem sonst eigenen Tugendhaftigkeit betrachten konnte. Aus dem Buch hatte sich ihm ein Satz ganz besonders eingebrannt:

„Stellt das Leben vor eine Wahl, welches Opfer man erbringt, so wähle stets das schwerere.“

Er hatte der Bruder beim Gebet an eben dem Ort angetroffen, zu dem ihn seine Füße nun getragen hatten. Er sah ihn wieder deutlich vor Augen, ausgezehrt wirkend in der Mitte der Kirche kniend, vor dem Altar inbrünstig betend – als wäre es das Letzte, was er vor hätte zu tun.

Er hatte ihn gefragt, ob es nicht der schnelle, vermeintlich einfachere Weg wäre, sich zu dem Tor zu begeben – ob es nicht den Idealen an tgendhaftes Verhalten widerspreche, anstatt auf Hilfe aus den eigenen Reihen zu warten, denjenigen Glauben zu schenken, die ihm das Schreckliche angetan hatten. Und ruhig erklärte Mandred ihm … dass die Aussichten für ihn in beiden Fällen denkbar schlecht stünden. Und dass er als einzigem Ausweg dem folgen müsse, was seine Seele ihm gebiete, denn das sei der Kern jeder Tapferkeit und Tugendhaftigkeit.

**********************************************************************************

„Möge die Göttin in ihrer Gnade Eure dunklen Wege erleuchten, Bruder“, murmelte er .
Zuletzt geändert von Niel Finrias am Mittwoch 21. April 2010, 18:12, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Mandred Louisan
Beiträge: 3
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Mandred Louisan »

Der verblendete Ritter?
Hätte man ihm gesagt, er säße innerhalb von 2-3 Mondesläufen zweimal in einem Gefängnis, er hätte vermutlich darüber nur müde Lächeln können.

Doch wie weit war es nun gekommen?

Er saß tatsächlich wieder in einer Zelle, allein und starrte nur auf die kalten Eisenstäbe, rings um sich herum. Trostlos wirkte es, selbst für ein Gefängnis in Adoran. Ihn erwartete hier keine Folter, dafür aber die unaufhaltsame Zerstörung seines Innern, welches er sich nun schutzlos ausgesetzt fühlte. War er wirklich schutzlos? Wollte es die Lichtgöttin so, dass er hier in dieser Zelle endlich einmal Zeit zum Nachdenken fand? Oder waren es wirklich die kühnen Behauptungen seiner Glaubensbrüder und Glaubensschwestern, die ihn heir festhielten und die doch nicht verstanden, warum er hätte anders gehandelt?

Er dachte zurück...


Die Elfin konnte nichts bei ihm erreichen, als er eines Abends sie im Beisein der ehrenwerten Paladina von Hohenfels aufsuchte. An diesem Abend hatte er noch beschlossen seinen Notfallplan umzusetzen. Er hatte ein Gespräch mit einem Letharen geführt, ohne jedwede aggressive Handlungen, ganz so, wie es sein Wunsch war. Auch wenn er die Bestechlichkeit des Letharen unnatürlich fand und er sichtlich verwundert war, dass er ihm, wenn auch nur mager, für ein paar Münzen Informationen bereitstellte, hatte er diese INformationen ganz besonders in sich aufgenommen:

"Von einem Dämon erschaffen, kann es nur von EINEM vernichtet werden...
Am fünften Tage des Wochenlaufs zum Vollmond wird sich ein Tor auftun, wo sämtliche Dinge Euch offenbart werden."


Ja...dies waren die Worte des Letharen gewesen. Grübelnd lenkten des Ritters Beine ihren Herren vor die Tore des Ordens, wo er bereits Paladinin von Hohenfels wartete. Ihre Schlussfolgerung aus dem Erzählten, verhieß mehr als deutlich, dass sie keinerlei Ambitionen Mandreds vertrat, diesem Irrsin Glauben zu schenken. Doch der Ritter schien mehr als überzeugt, dass er diesem Weg folgen müsse, da er sonst unveränderlich zerstört werden würde und er dies als einzige Möglichkeit sah, wieder der Ritter sein zu können, der den Eid vor der Kirche, vor Temora abgelegt hatte. Die Paladinin und der Ritter trennten sich in einem Zwist. Wenn auch klar war, dass die Paladinin dies nur gestattete, da sie in Sorge war. Mandred hingegen schien nicht erpicht darauf, weiter noch darüber zu reden, inenrlich hatte er beschlossen und keine Warnung der Paladinin noch seiner beiden anwesenden Ordensbrüder ließen ihn darüber nachsinnen.
War er völlig weggetreten?
Er, der immer den Hang zum Misstrauen, zur äußersten Vorsicht, vor allem gegenüber Letharen hegte, vertraute einem Lethar, den er zum ersten Male antraf und der ihn mit mehr als unnätürlichen Informationen abdeckte.
Hatte das Böse in ihm, vielleicht schon so weit Erfolg, dass es sein Urteilsvermögen trübte? Hatte es ihn bereits völlig erblinden lassen? War er drauf und dran, den, umgeben von grenzenloser Dunkelheit, dünnen und schwierigen Pfad des Lichtes zu verlassen? Schwankte er und machte den Anschein ins Nichts zu Stolpern?
Was war es?
Oder war es tatsächlich ein einmaliges Vertrauen, wessen ihm eine höhere Instanz gab um ihm zu helfen? Er wusste es nicht. Er hatte ein Ziel, einen Willen, und einen Glauben und eine Berufung, die er bereit war wieder aufzunehmen.

Doch würde er sie nach diesem Ereignis wieder aufnehmen können?

Allein Temora wusste die Antwort darauf. Und allein sie war es, der er sich nun anvertrauen wollte. Wollte er das wirklich?
Mandred seufzte schwer, als er sich in sein Bett lag, zu seiner Ehefrau und ihr von diesem Abend erzählte.

Am nächsten Morgen erwachte er, wie in letzter Zeit immer, völlig übermüdet und verschlafen. Es war ihm nicht möglich auch unr einen klaren Gedanken zu fassen und somit beschloss er, das Kloster aufzusuchen, den Ort, an dem er Temoras Nähe spüren konnte, Wo er noch einmal Kraft sammeln würde und Bitten würde um Beistand in diesem Kampf, dessen Ende nun merklich sichtbar war.
Doch schon auf dem Weg zu den steinernen Gemäuern, plagten ihn Gewissensbisse.

"Anfangs war ich entschlossen, diesen Kampf in meinem Innern fortzuführen, stetig gegen jedwede Einflüsse anzukämpfen und bisher gab es sowohl Siege, als auch Niederlagen. Doch der KRieg ist nicht vorbei und ich hatte beschlossen, diesen Kampf zuende zu bringen und nicht dem Feind es zu überlassen, wann er endet.
Aber wie kann ich dies gewährleisten, wenn ich in die Ungewissheit gehe?
Reicht das Vertrauen auf die Gnade der Herrin?
Bedarf sie, um tatsächlich ihren Segen, ihre Kraft und Gnade zu geben, tatsächlich einen Schritt meinerseits?
Schüttelt sie vielleicht gerade tzatsächlich den Kopf und sieht mit Bedauern auf einen abgefallenen Ritter der Ihren?"


Mandred rieb sich die Augen, welche durch den kühlen Wind und seine Übermüdung stets gerötet waren, dicke Augenringe bildeteten sich unter seinen Lidern und er wirkte alles andere als kraftvoll und lebendig.
Schon wieder plagten ihn Fragen, Fragen, auf die er einfach keine Antwort wusste. Was, wenn aber Temora nicht den Anlass sah, ihm Antworten zu geben? War er dann verloren?
Vor dem Baum des Lichtes kniete er in dem frisch gesprossenen Frühlingsgras und hatte die Hände gefaltet, die Augen geschlossen, den Kopf geneigt. Sein Gesicht zeigte eine deutliche Grimasse der Konzentration, die er in diesen Tagen schwer hatte aufrecht zu erhalten.

Als er geendet hatte, erhob er sich wieder langsam, und starrte noch mit einem nachdenklichen, aber auch traurigen Blick auf den Baum.

Es war tatsächlich soweit gekommen, er vertraute Letharen, den Wesen, denen Vertrauen und Ehre wohl am Entferntesten lagen. Was ließ ihn dermaßen erblinden? Er war der Ansicht, dass auch der Pfad des Ungewissen, eine lehrreiche Erfahrung darbrachte. Dass es auch nicht schlecht sei, einmal der Finsternis zu folgen, wenn auch nur für kurze Zeit.
Aber war es das wirklich wert? Konnte man abschätzen, was dieser PFad und vor allem sein Ziel bereit hielten? Nein konnte man nicht...

Er schüttelte den Kopf und zeichnete noch einmal ein Ankh auf seiner Brustmitte, ehe er sich gen der Portale des Klosters wandte, heute würde er die letzten Vorbereitungen treffen.

Doch, jemand war ihm zuvorgekommen...

Vor den Toren standen die Knappin der Paladinin von Hohenfels, Leah Da' Kaar, und ein Gardist aus Adoran. Bei seinem Erscheinen, schien sich schlagartig die Luft aufzuladen. Die Knappin sprach in einer sehr versierten Haltung und mit einer Spur Anspannung, als sie ihm offenbarte, dass sie eine Order hat, die sie ausführen muss. Auch wenn Mandred ahnte, was dies zu bedeuten hatte, rührte er sich nicht, sondern ließ die Arme nur locker an sich herunterhängen. Doch allein die Vermutung, was diese Order beinhaltete, stachelten ihn an, das Böse wieder in seine Glieder und aus seinen Poren herausstoßen zu lassen.
" Gardist, nehmt ihn gefangen, er steht unter Arrest!" waren die Worte, welche die Knappin dann in Entschlossenheit hervorbrachte. Mandred kam nicht umhin, einen Moment zu schmunzeln, ehe er schon die Arroganz und Überlegenheit, die ihm das Böse gab, freien Lauf ließ. Er versuchte sie vorerst mit Worten von davon abzuhalten, ihn unnötig aufzustacheln. Der Gardist legte seine Hand an den Ritter, doch schon kurz danach zog er sie mit einem sichtlich verunsicherten Blick zurück, denn auch er konnte ein Kribbeln spüren, welches den Ritter erfüllte, wie flüssiges Feuer!
Doch Worte waren hilflos und Mandred war versucht, sein Schwert zu ziehen und das zu tun, was nötig war, damit er seiner Erlösung durch einen Dämon näher kam. Doch etwas in ihm schalt ihn einen Narren bei dem Gedanken. Es war sein eigen Gewissen, das sich meldete:

"Du bist ein Ritter der Kirche, des Adlerordens! Dein Schwert hebst du zur Verteidigung der Schwachen und deiner selbst und zur Verteidigung der Kirche und seiner Anhänger! Willst du es tatsächlich gegen die heben, die doch vermutlich nur dein Bestes wollen? Dein Schwert soll nicht das Blut Gleichgesinnter kosten, sondern das der Feinde Temoras!"


Unwillkürlich lockerte sich der Griff um den Schwertgriff, der sich beinahe so fest darum gelegt hatte, als wolle er sich nie wieder lösen, als wolle er mit dem Griff verschmelzen. Und dennoch ließ er nicht zu, dass man Hand an ihn legte, sondern deutete an, dass er folgen würde und sie vorrausgehen sollten.
Wenige Augenblicke später, saß er in seiner Zelle, Waffe und Rüstung ließ man ihm auf sein eigen Verlangen, da diese Dinge stets seinem erkorenen Träger gehörten und nicht in die Hände derer fallen sollen, die diese Würde nicht tragen.


So ward er also dort in seinem nächsten Verließ, wo er Stundenlauf um Stundenlauf absaß, auf die Gitterstäbe starrte und stets daran dachte, was er tun kann? Sollte er Reue empfinden, dass er dem gefolgt wäre, was das Böse repräsentiert? Sollte er den Worten der Paladinin glauben?

Den ganzen nächsten Tag saß er dort und wartete am Abend auf Nachrichten der Truppe, die anstatt seiner zu dem besagten Tore gegangen war. Doch auch dot geschah nichts und es blieb ihm weiter nur eine Möglichkeit:
Sich zu rehabilitieren und endlich zu erkennen, was wahr ist, und was die List der Lüge ist!
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

I took the wrong road, that led to
the wrong tendencies
I was in the wrong place at the wrong time
For the wrong reason and the wrong rhyme
On the wrong day of the wrong week
I used the wrong method with the wrong technique

Wrong ... wrong ...

It was the wrong plan, in the wrong hands
With the wrong theory for the wrong man
The wrong lies, on the wrong vibes
The wrong questions with the wrong replies.
WRONG!

(# "Wrong" von Depeche Mode)

Wie hatte ich dieses Detail übersehen können? Er hatte es gesagt. Verdammt, er hatte es gesagt, einmal nur, aber warum war ich darüber nicht gestolpert? Dass eine DämonIN ihm helfen könne! Der Erzlethyr hätte sich wohl kaum in die Wallapampa gestellt und für Mandred seine Stimme als Dämon weiblich klingen lassen!

Wir standen am falschen Ort. Mit dem falschen Plan.
Mit den falschen Leuten, sie folgten meinem Wahn.
Falsch, alles falsch.

Mein Pegel an Zuversichtlichkeit sank bereits, als ich über die kleine Gruppe sah, die vor den Toren der leeren Schwertwacht eintraf. Den Platz, wo ich das Auftauchen des Erzlethyren vermutete, zu umstellen und einfach alles niederzumähen, was aus dem Reiseportal stolpern würde, war lausig. Ich, Darna von Hohenfels, mit einem lausigen Plan... aber es gab einfach keinen besseren. Es gab für die Situation, wie ich sie erwartete, die Gebenheiten, wie ich sie sah, keinen besseren. Allein, wir waren schon zu wenige, um auf Schlagkraft und Überraschungsmoment hoffen zu können. Es schien eine glückliche Fügung der Götter zu sein, daß wir wenigstens doch einen Magier dabei hatten, und so stieg Arenvir in Gestalt eines Adlers auf, um die Kreuzung zu überwachen. Ich hatte die Anwesenden vorgewarnt, jeder war freiwillig hier, und so warteten wir... und warteten...
Fast hätten wir übersehen, wie für wenige Sekunden über dem Gebirge eine grüne Lichtsäule sich zum Vollmond schraubte, der heute schon seit frühen Stunden ungewöhnlich hell und klar am Himmel stand. Ich wollte erst nicht glauben.

Hatten und nutzten die Letharen etwa andere Portale als jene, die gemeinhin bekannt waren? Arenvir unternahm den nächsten Erkundungsflug und berichtete von einem Tor. Weit im Osten, inmitten des unzugänglichen Gebirges östlich der Schwertwacht. An diesem Plateau mit dem See, der aus schwärzestem Pech zu bestehen schien.
Doch ein Dämon? Ich wartete hier auf den Erzlethyren und ein Possenspiel, und jetzt sollte da doch ein echtes Dämonenportal sein? Ich sträubte mich, es zu glauben, wollte es weiter mit den Blauhäuten in Verbindung bringen. Es gefiel mir alles nicht: das Schlachtfeld wechselte, und nicht zu unseren Gunsten, wir mussten die Pferde zurücklassen, durch schmale Engpässe und in so gut wie unbekanntes Terrain.
Aus militärischer Sicht war es bereits Wahnwitz, überhaupt jetzt dort einfach hinzugehen.
Aber ignorieren durften wir es auch nicht... ich ließ alle Vorsicht walten, die man in dieser Lage noch anwenden konnte, aber eigentlich konnten wir nur in diesen Talkessel hineinstolpern und gucken, was da war. Wie die Deppen, wie die Kinder - alles in mir schrie "Gefahr!"

Giftgrüne Kristalle umrahmten ein steinernes Tor, das aus dem Berg zu ragen schien, als wär es schon immer dort gewesen. Ein kristallenes Bild, das hoch darüber thronte, zeigte eine schlangenhafte grausige Gestalt.
Stein. Einfach Stein. Arenvir konnte nichts magisches daran erkennen.
Mir war nur klar: Dies war ganz und gar nicht unser Revier, wir hatten jeglichen Vorteil für unsere Seite verloren, weil ich... von den falschen Voraussetzungen ausgegangen war. Es wäre sträflich fahrlässig, wenn ich nun die anderen auch noch weiter da rein treiben würde - plötzlich verschwand Arenvir. Er war den Steinen näher gekommen, zu nah, und war plötzlich in einer fahlen Rauchwolke verpufft und vermutlich im Innern dieses Dings. Fassungslos sah ich zu, wie weitere folgten, die an sich das Richtige taten und auch wieder nicht... egal, rein! Entweder alle oder keiner!

Der Anblick, der uns drinnen empfing, war...
[img]http://img7.yfrog.com/img7/510/medusahoehle.jpg[/img]

Ein Gutteil des Trupps ging erschrocken vom widernatürlichen Anblick, doch neugierig weiter in die Höhle hinein, während ich kaum einen Fuß vor den anderen setzen wollte. Das alles hier war falsch. Es schien Letharenwerk nicht völlig unähnlich, und doch war das hier nicht ihres, hatte mit ihnen nichts zu tun. Ein Dämon? Ein Dämon, der Mandred helfen könne? Was für eine Kreatur versteinerte alles vom Menschenkind bis zum gefährlichen Untier und würde Mandred helfen? Es schien, der Lethar hatte die Wahrheit gesagt und doch reichte die Verderbnis viel tiefer. Dies hier war immernoch das Böse, und es würde nicht dem Guten helfen, ohne eigenen finsteren Vorteil daraus zu ziehen. Auf was hätte sich der Adlerritter hier eingelassen? Doch im Moment war auch die Frage:
Auf was ließen WIR uns hier ahnungslos ein?!

Es ist ein widerliches Gefühl, Freunden zuschreien zu wollen, sie sollen raus hier, aber nicht schreien zu dürfen und zu wollen aus Angst, damit des Feindes Aufmerksamkeit überhaupt erst auf sich zu ziehen. Ein Dämon, der andere zu Stein verwandelte... auf dem Bild draußen, ein Schlangenwesen... eine Dämonin...
"NICHT ansehen!" Ich hätte es gerne geschrien, doch was hätte ich erklären sollen? Daß ich in halb vergessenen Märchen von sowas schon mal gehört hatte? Daß ich Angst vor einer Sagengestalt bekam? Ich warnte Adrian, Savea und Shaya hastig und sie glaubten mir... Aber wie sollte man einem Gegner entgegen treten, den man kaum ansehen durfte? Wir schlichen weiter, und vorne begannen die anderen, sich mit irgendwas zu unterhalten... Gütige! Mein Herz lag nur noch als Klumpen Eis in der Brust, ich sah uns alle diesem irrwitzigen Statuengarten hinzugereiht... und ich hatte sie hergebracht.
Wie falsch.

Seht sie nicht an. Adrian handelte beherzter als ich, die kaum mehr ein noch aus wusste. Sollte Mandred hier stehen? Und dieses Ding endlich los werden? Aber was würde ein Dämon mit Mael Rayat anfangen? Was würde eine Kreatur wie diese, die selbst Kinder zu Stein erstarren ließ, mit einem Artefakt anfangen, das zutiefst Böse war?
Auch das konnte einfach nicht richtig sein.
Arenvir nannte der Kreatur seinen Namen und ich bekam erneut Angst - ich dachte, das sei gefährlich? Was wollte das Wesen?
"Nur ein Blick...", säuselte es, und ich bekam eisige Gänsehaut. Nein! Enttäuscht schien es sich zurückzuziehen, als es anfangs nicht bekam, was es wollte. Irgendwo verschwand es und ließ Stille zurück.
"Was ist Mael Rayat?", brüllte ich in den Raum und setzte alles auf eine Karte, hoffte, Neugier zu wecken. "Der, den du erwartest, wird nicht kommen, aber es liegt in meiner Hand, das zu ändern! Sag mir, was Mael Rayat ist!"

Nichts. Keine Antwort. Die Temperatur schwankte widernatürlich, mal regnete es, mal schneite es, dann wurde es immer kälter, das selbst die grünen Flammen um uns herum zu gefrieren schienen. Savea wollte sich vertrauend auf meine Hilfe auf ein Risiko einlassen, das ich nicht mehr tragen wollte. Nein. Raus hier. Alle!
Wir zogen uns zurück, völlig unverrichteter Dinge, unser Trupp ging als letzter und in meinem Kopf überschlugen sich ständig die Gedanken, was alles falsch gelaufen war. Ich sah das auf dem Boden ausgestreckte steinerne Kind.
"Du kannst es doch nicht hier lassen, in der Gewalt dieses Dings." Dem Impuls folgend, hob ich die Statue auf und nahm sie mit raus, Shaya griff helfend mit zu.

Ein neuer falscher Plan?
Wir standen draußen und schienen ratlos. Was nun? Da war tatsächlich ein Dämon, vermutlich stimmte auch, daß er... nein, sie das Ding entfernen konnte... da stand Arenvir mir gegenüber, der mich mehrfach belehrt hatte, daß er Beschwörer war, kein Antimagier. Beschwörer.
Ich hörte erinnernd wieder Elas Worte: "Eine Möglichkeit wäre, einen Letharen zu fangen, der es vermag, und ihn dazu zu zwingen."
Einen Lethyren zwingen? Ich musste immernoch fast lachen bei dieser Idee. Nein... aber einen Dämon zwingen! Oft genug hatten mir Magiere Vorträge gehalten, daß beschworene Dämonen dem Willen des Beschwörers völlig unterworfen waren. Wir mussten also nur rauskriegen, wie man DIESEN Dämon beschwor! Über ihn die Kontrolle erlangen und ihm verweigern, das Artefakt zu behalten, nachdem es entfernt war.
Arenvir war wenig begeistert von diesem Plan - vor allem, weil seine Erfahrung als Dämonologe... gleich Null war. Er wusste aber, wen man fragen konnte. Aethra, Llastobhar-Zarach, womöglich Lypsan...

Das steinerne Kind
Shalaryl schien inzwischen selber aufzufallen, daß sie immer irgendwie zu spät kam, wenn alles schon vorbei schien, und irgendwie kam sie doch immer zur richtigen Zeit. Ihre Suche nach Hinweisen auf Mael Rayat würde sie mit den Berichten von heute erweitern können, und vor allem...
sie konnte ergründen, ob dem Kind noch zu helfen war.
Vielleicht würde man gar durch die Erforschung der Liedstruktur des Zaubers, der es versteinert hatte, mehr über den Dämon herausfinden können, was wiederum für die Beschwörung nützlich wäre.
Hatte dieser Tag etwa noch was Gutes? Hatte es etwa doch Sinn gehabt?
"Es ist eine schwache Flamme, und ich weiß nicht, ob ein Windhauch wie der der Befreiung sie anfachen... oder verwehen wird...", war schließlich Shalaryls Befinden über das Schicksal der kleinen Statue.
Ich stellte mir vor, was für ein Los es wäre, mit dem Rest der Seele nicht mehr lebendig, aber auch nicht ganz tot in einem steinernen Körper in der Höhle einer Schlangendämonin gefangen zu sein...
"Hilf ihm. Bitte." Ich hatte kaum mehr Kraft, auch wenn es keine körperliche Erschöpfung war, die mich heute plagte, aber ich brachte Shalaryl die Statue bis in den Nebelwald, und meine beiden dienstbaren Geister des Hauses begleiteten mich bis zur letzten Minute. Als ich mich endlich schlafen legen konnte, wusste ich nicht, wie ich ihnen danken konnte. Den anderen, die heute umsonst? uns begleitet hatten und in Gefahr waren.

Und vor allem, wie sollte ich es Mandred erklären?
Savea Falkenlohe
Beiträge: 1
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Spieglein, Spieglein an der Wand...

Beitrag von Savea Falkenlohe »

Die Nacht war kurz, der Kopfschmerz und vor allem tausend Gedanken ließen mich einfach nicht zur Ruhe kommen. Die versteinerte Frau in Adoran, die versteinerten Tiere, die gebotene Eile, möglichst weitreichend Menschen zu warnen, ehe die Herolde selbst auf dem Wege waren und die entsprechenden Aushänge gefertigt waren.
Die Elfe hatte es in der Nacht tatsächlich geschafft einen kleinen Funken anzustubsen, der hoffen ließ, dass die Frau aus ihrer steinernen Starre „erwachen“ könnte.
Der Angriff der Rahaler. Alles kam wieder einmal zeitgleich.

Ich sah in den Spiegel… Miladys Spiegel… sündhaft teuer… und der einzige Spiegel im ganzen Anwesen.
Aber wie hieß es doch noch gleich? Der Zweck gibt die Mittel vor und heiligt den Weg?
So oder so ähnlich.
Ein herrlich anzusehender Bluterguss zog sich über die Hälfte meines Gesichtes und vermutlich konnte ich froh sein, dass der Rahaler Pferdehuf mir nicht den Kopf hatte platzen lassen, wie eine reife Melone.
Das Gefühl musste jedenfalls ein ganz ähnliches sein, dessen war ich mir sicher.
Sie hatten mich schlicht... niedergeritten.

Aber gut, ich war nicht hier um mein Gesicht anzustarren, es gab Wichtigeres und so wog ich den Besen einen Moment lang in der Hand und drehte mich mit dem Rücken zum Spiegel.
In einer Kehrbewegung stieß ich hinten mit dem Besenstielende gegen den Spiegel und war überrascht, dass ich gar nicht soviel Kraft aufwenden musste, als der Spiegel sich ergab und in Scherben zusammenbrach.
Flugs band ich das Kopftuch ab, sammelte die Scherben ein und trug sie in Shayas kleines Schnitzstübchen, in dem sich auch allerhand alltägliches Werkzeug befand.
Mit einem Hammer bearbeitete ich die Spiegelscherben im Kopftuchknäul, bis sie die passende Größe hatten. Die zu klein geratenen sortierte ich aus, die anderen legte ich den ungefähren Größen nach auf den Tisch.
Ich wusste genau, die Scherben würden nur für fünf Masken reichen, aber ich konnte nicht das ganze Land damit versorgen. Zudem war es nur ein Versuch, der nicht einmal Gelingen versprach.

Von den fünf bereitgelegten Masken nähte ich die Augenschlitze zu, sodass auch nicht der winzigste Lichtstrahl mehr auf meine Augen traf.
Dann tunkte ich die Spiegelscherben mit der Rückseite in flüssiges Kerzenwachs und drückte sie sofort, mit nur winzigen Abständen auf die Masken, ehe das Wachs an der Luft Zeit hatte zu trocknen.
Als die Glocken zur elften Vormittagsstunde schlugen waren alle Masken präpariert und ich hielt sie mir prüfend vors Gesicht.
Es funktionierte: In allen konnte ich mein lädiertes Konterfei einwandfrei spiegelnd erkennen.

Behutsam verstaute ich die Masken in einem Beutel…
was würde geschehen, wenn eine dieser Schlangendämoninnen ihr eigenes Spiegelbild sah, wenn ein Maskenträger die Maske im richtigen Moment vor sein Gesicht zog?
Zuletzt geändert von Savea Falkenlohe am Sonntag 25. April 2010, 13:23, insgesamt 1-mal geändert.
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Stell dir vor, du hättest noch einen Abend

Eine Zerreißprobe für die Nerven. Ich konnte Mandred ja verstehen. Die Verächtlichkeit, mit der er sprach: "Und wir sitzen hier und... verstecken uns!"
"Diese Erfahrung musste selbst die Herrin machen, Sir", erwiderte ich ruhig. Es wäre sinnlos, gegen den Dämon - pardon, die Dämonin - zu ziehen, wenn man bei einem derart gefährlichen Wesen keinerlei Plan hatte, wie gegen sie anzukommen war. Sich heldenhaft ihrem Steingarten hinzuzugesellen, war... dumm. "Vorsicht ist keine Feigheit. Und Leichtsinn kein Mut." Ich wusste die Lehre Meister Roderichs noch gut, und er hatte recht.

Inzwischen aber... schien es sinnlos. Die Sitzung in Adoran am Sonntag hatte lediglich ergeben, daß man versuchen wolle, mit dem Erzlethyren zu verhandeln - und ihn auszutricksen, was das Schicksal Mael Rayats anging. Ein verächtliches Schnauben, mehr entfährt mir nicht, wenn ich daran denke. An dem Punkt waren wir schon mal, und von jenen Möglichkeiten, die Ela vor Tagen aufzählte, war es sogar jene, die mir persönlich am unmöglichsten und wenig erfolgversprechendsten schien. Einen Erzlethyren zu etwas zwingen...
Und ob durch die Entfernung Mael Rayats dann auch tatsächlich die Dämonin verschwinden würde, völlig ungewiss. Es schien immer unwahrscheinlicher, daß sie tatsächlich Mandred suchte oder Mael Rayat spürte. Keine besonderen Vorkommnisse am Kloster, stattdessen in Adoran versteinerte Wachen. Die Leute dort konnten sich kaum wehren... und wir saßen im Kloster und verkrochen uns selber.

Wessen Hilfe war denn geboten, wenn es darum ging, Dämonen zu bekämpfen?! Ständig suchte ich für Probleme genau die passenden Gegenmittel: für ein alatarisch-letharisches, magisches Artefakt eben Elfenmagie. Um einen Dämon zu kontrollieren, einen Beschwörer. Aber um ihn zu bekämpfen? Ritter der Herrin! Paladine! Wir waren das Gegenmittel!
Wenn die anderen unfähig waren, eine Beschwörung zuwege zu bringen, brauchte es eben Gewalt, um die Kreatur aufzuhalten. Niemand hatte geprüft, ob das Tor wirklich verschlossen oder was daraus geworden war.
Und... da waren noch die Statuen...

Shalaryl hatte das Kind nicht retten können. Jedenfalls nicht sein Leben. Sie konnte die Opfer wieder entsteinern, aber der Zustand schien zu lange Bestand gehabt zu haben. Dennoch, es war ein... eine Art Erfolg. Das Kind war nicht mehr in dieser furchtbaren Höhle, es war zurück ans Tageslicht gekommen, zurück in Eluives Schöpfung. Und seine Seele, auch der letzte Rest, hatte sich endlich von dem Stein lösen dürfen.
Die Gedanken daran drohen mir die Tränen in die Augen zu treiben, wenn ich daran denke. Es gibt Schlimmeres als... sterben.

Ich muß versuchen, auch die anderen beiden Menschen aus diesem grausigen Gefängnis herauszuholen. Und wenn nichts anderes mehr hilft, soll die Bestie eben die durch dich verliehene Klinge spüren, Herrin. Es ist meine Aufgabe. Und Sir Mandreds Recht. Trotz der Gefahr, die damit verbunden ist, bringe ich es nicht übers Herz, ihn weiter festhalten und in Watte verpackt versteckt halten zu wollen. Er soll sich wenigstens wehren dürfen. Und wenn ich selbst ihn niederstrecken muß, sollte er dich doch noch verraten...

Aber es gilt, ihm anderen Ehrendienst zu erweisen. Sollten wir tatsächlich in den Kampf ziehen, soll er sich von seiner Frau verabschieden dürfen. Ich muß schon wieder an Andrey denken, und wie ich ihn damals das letzte Mal sah, diese banalen Worte, er wolle nochmal ins Kastell, nicht mal ein Kuß zum Abschied... und es wurde zu einem "nie wieder".
Es gibt Menschen, die sagen: "Lebe jeden Tag, als könnte es dein letzter sein", und ich vermag es nicht, kann diese Haltung in ihrem Ausmaß nicht verstehen, doch es gibt Dinge, von denen weiß ich, ich würde sie nicht ungesagt lassen wollen.

Die Vorbereitung
Es ist nicht so, daß ich nicht zurückkehren wollen würde... aber es wäre leichtsinnig, einfach davon auszugehen, daß bei einem Gegner dieses Formates schon nichts passieren wird. Heute war ich extra im Hügelgrab, und habe mich mit allem angelegt, was dort war, einschließlich dieser Räume, in denen der dunkle Phönix haust. Und so oft wie irgend möglich habe ich es dabei vermieden, wie gewohnt dem Gegner direkt ins Gesicht zu sehen, sondern behielt den Blick leicht abgewendet, habe mich auf mein Gehör, Schatten, Bewegungen aus den Augenwinkeln konzentriert. Ständig darauf konzentriert, daß mein Schutz der bestmögliche ist. Kein erst zu Atem kommen, die Ruhe spüren... heilen, sofort! Es war schmerzhafter als sonst - aber schaffbar. Mir wurden auch Details bewusst, auf die ich sonst kaum wirklich geachtet habe: wie Schatten sich bewegen und verraten, wo etwas ist. Womöglich wird mir das in dieser dunklen Höhle aber nicht helfen. Es wäre also besser, wir stellen sie draußen. Wenigstens Mondlicht. Wie ich selbst am Auftreffen von Zaubern feststellen kann, in welcher Richtung sich der Gegner gerade befindet, daß das ein Hinweis ist. Wie sich das... Gefühl ändert, wenn etwas nahe an dir dran ist oder nicht. Wenn ich die Zeit habe, werde ich gesondert auch noch einmal an den Schlangenwesen beobachten, wie der untere Teil der Körperbewegungen Hinweise darauf gibt, was sie gerade tun oder wohin sie wollen. Eigentlich eine interessante Kunst, dergleichen zu stuieren... wäre es diesmal nicht so wenig Zeit und so erschreckend gefährlich. Soll ich wirklich Leah mitnehmen? Mein Schutzinstinkt verbietet es mir, meine Anerkennung ihrer Reife fordert es ein, meine Sorge mahnt, daß es einen Nachfolger meiner selbst geben sollte, wenn etwas passiert...

Die Gedanken springen hin und her: zwischen Dämon und Zuhause.
Wenn ich nur noch diesen Abend hätte, was dann? Ich muß Shaya und Savea sagen, wie wichtig sie sind. Daß es egal ist, wenn wir uns streiten. Nicht wegen des Inhaltes - sondern weil ihre Treue darüber hinaus geht. Wir brauchen sie. Doch, sie würden nicht verbleiben sollen mit dem Gedanken, daß ich sie irgendwie nicht gemocht hätte. Es wäre so falsch.
Und Adrian...
Savea musste mir helfen, passende Kleidung zu wählen. Endlich hatte ich angemessene Garderobe in angenehmen Farben, aber mich, äh... "schön" zu machen... puh. Savea versuchte, die Lage einzuschätzen, um etwas Passendes rauszusuchen: "Milady.. wie würdet Ihr Eure Stimmung beschreiben, in dem Augenblick, wo Ihr den Raum gleich betretet und seiner Hoheit gegenübersteht?"
Meine Stimmung? Ich will, daß es ihm gefällt, die Sprache verschlägt. Keine Fragen heute. Einfach... "Ich möchte, daß es ein unvergesslicher Abend wird."
"Verstehe."
Savea schmunzelte in eines der Kleider hinein, suchte die Kombinationen aus, kümmerte sich um meine Frisur. Adrian verschlug es später doch nicht die Sprache:
"Wunderschön..." - aber das war ebenso akzeptabel.
Benutzeravatar
Shalaryl Di'naru
Beiträge: 4008
Registriert: Sonntag 5. Februar 2006, 03:25
Wohnort: Lao'bha

Beitrag von Shalaryl Di'naru »

Eine Nachricht macht die Runde im Nebelwald, von Elfenwache zu Elfenwache:
Sollte eine Nachricht, geschickt von der Menschenfrau Darna eintreffen, ist
diese umgehend in den Wohnbaum Shalaryls zu bringen, selbst wenn diese
gerade Erdbeeren verzehren möge...
Zuletzt geändert von Shalaryl Di'naru am Mittwoch 5. Mai 2010, 22:57, insgesamt 1-mal geändert.
Tschiep?
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Mit unwohlem Gefühl sah Darna dem Boten nach. Es war wirklich schwierig, etwas an ihrer Wahrnehmung vorbei zu tun, und so hatte es etwas Arangement, Halbwahrheiten und eine günstige Minute gebraucht, in der die beiden Leah die Bewachung überließen. So hatten sie lediglich mitbekommen, daß Darna als Dank für Shalaryls Mühen die letzten Wochen einen Korb zusammengestellt hatte: mit Erdbeerkuchen, Erdbeerquark, Keksen mit Erdbeermarmelade und Erdbeersaft.

Dieser Korb wurde zum Nebelwald gebracht mit der sehr wörtlich wiedergegebenen Meldung, die zwischen die Bäume gerufen wurde: "Dies hier ist eine Nachricht für Shalaryl von Lady Darna!"
Ebenso hing am Korb ein Zettel mit dieser Botschaft in schriftlicher Form.
Eine Nachricht würde sich allerdings erst finden, wenn man im Korb das Tuch wegnahm, das lose den Behälter auskleidete, ein einfacher Zettel mit wenigen Worten: "Heute (Freitag, siebter Eluviar) Abend."
Antworten