Nach einer verwirrenden Unterhaltung mit Ahad Crain schien es sinniger, sich wieder nach Rahal aufzumachen. Die Übernachtung im Düstersee’er Gasthaus hatte ihre Laune nicht gerade verbessert. Die Blutkobolde, die sich daraufhin der Ritterin auf dem Rückweg nach Rahal in den Weg stellten, hätten vielleicht lieber darauf verzichtet. Auch wenn ihr ihre Laune auf die Stirn geschrieben stand, schien das für die Wesen keinerlei Hindernis. Wie die Ritterin selber dann kein Hindernis sah, mit wogendem Zorn und düsterer Befriedigung einen nach dem anderen niederzumähen. Am liebsten hätte sie sie anschließend auch noch zerhackt, doch das elendige Verpuffen machte jene Möglichkeit des Abreagierens zunichte.
Selbstbeherrschung – eine Tugend der Ritter Alatars. Das Besinnen darauf ließ sie ruhig in die Stadt hineinreiten. Auch wenn sie innerlich immer noch nicht wusste, was eigentlich so recht Auslöser für den kleinen Anfall bei den Kobolden gewesen war. Auf dem Marktplatz traf sie mit Ahad Lessard zusammen. In Erinnerung an die vorherigen Worte des Ahad Crain fragte sie Sharay über die Neuigkeiten in Sachen Blutkobolde aus. Es gab einiges zu berichten und so zog sich der Nachmittag allmählich in die Länge. Das Ende jener Schilderungen läutete jedoch nur eine weitere Befragung ein, die man wohl schlicht als persönlich hätte bezeichnen können.
In umgekehrter Form versuchte sie die Aussagen des einen Ahad dem anderen unterzuschieben um zu sehen was dabei herauskam. Dass es zu völlig gegensätzlichen Aussagen kommen würde, hätte sie nicht angenommen. Noch verwirrter als zuvor, versuchte sie es mit einigem Nachbohren, und fand am Ende nur heraus, dass sie das Ganze irgendwie nicht verstand. Leider hatte sie nicht mit dem Scharfsinn von Sharay gerechnet und musste anschließend leidgeplagt einen kleinen Teil (gut, vielleicht war es auch etwas mehr gewesen) der Geschichte offenlegen. Schweigend nahm Sharay diese zur Kenntnis, ehe sie kurz darauf einen Schlachtplan offerierte. Fünf klare Punkte zum Abarbeiten quasi. Fünf schienen gar nicht so umfangreich, nein, sogar zu schaffen. Bis zu Punkt zwei, der weiteres Unverständnis auslöste. Punkt 2 – ein Kleid tragen – führte zu einer längeren Diskussion über Sinn und Widersinn dessen. Besonders der Vorschlag eines hebenden Brusttuches löste bei der Ritterin einen Anfall von Empörung aus. Der allerdings vollkommen ungerührt an der Ahad abprallte. Mit dem Eindruck nicht wirklich eine Wahl zu haben, fügte sie sich seufzend.
Als sie später am Abend alleine über den ‚Schlachtplan‘ nachdachte, kamen ihr Zweifel. Während die Ahad ihr die Punkte erklärte, schien sich das alles noch recht vernünftig anzuhören. Jetzt jedoch in Vorbereitung für Punkt 2 in der Übungsphase gefangen, klang das alles schon gar nicht mehr so einleuchtend. Dieses schwingende Ungetüm aus Stoff blieb einfach überall hängen! Sie hatte es bereits geschafft ihre halbe Kücheneinrichtung vom Tresen zu reißen, nur weil sie sich einen Krug Wasser holen wollte. In düsterer Vorahnung eines solchen Verlaufs hatte sie sich ein ‚Übungs‘-Kleid angezogen. Vom Schnitt her entsprach es etwa dem Original, das für den ‚Plan‘ gebraucht wurde, war jedoch bei weitem nicht so edel. Dennoch, den Rock hatte sie sich schon eingerissen, als sie ihre Klinge polierte und sich daraufhin mit dem Saft von Nachtschatten bekleckert. Kleider machten überhaupt keinen Sinn, nicht den geringsten! Damit konnte man nicht klettern, nicht schnell laufen und schon gar nicht kämpfen. Aber nein, ein Kleid war ja unbedingt erforderlich. Während sie versuchte, den Ärmel vom Tisch zu lösen, vernahm man ein klägliches Schimpfen auf Ahads und ihre Pläne…
Schlachtpläne
-
Aleleya Mertas
Die Schlacht
Aus den Schlachtplänen zur Vorbereitung jener ergab sich irgendwann die Probe der Punkte.
1. Selbstbeherrschung - sich normal verhalten
2. Ein Kleid tragen
3. Überraschen
4. Ein Essen vorbereiten
5. Wein
Das Ganze gepaart mit einer ordentlichen Dosis Durchhaltevermögen ergab eine recht solide Grundlage. Der Nervosität wurde sie dadurch jedoch nicht unbedingt Herr.
Als sie den Erfolg beobachten konnte, schlich sich am Rande dunkel ein negativer Gedanke ein. Die Frage, warum sie das überhaupt tat. Ein Kleid sollte keinen Unterschied machen. Immerhin steckte noch dieselbe darin wie auch in der Ritterrüstung. Und ihm sollte dies schon gar nicht besonders ins Auge fallen, ja eigentlich umgekehrt besser gefallen. Wäre nicht die solide Arbeit für den Vater das Augenmerk nachdem er sie wählen sollte? Stattdessen war es ein Stück Stoff. Wut durchzuckte sie, wenn sie zu sehr darüber nachsann. Sharay schien es eher für einen Erfolg zu werten. War es wahrscheinlich auch.
Nachdem er beim letzten Mal annahm, sie könnte auf einmal kochen, musste sie sich etwas einfallen lassen. Vieles hätte verdorben werden können, wenn sie jetzt schon offenlegen musste, dass sie zwar Zweiköpfe erschlagen, aber nicht mal einen Salat machen konnte. Zum Glück vermochte die Bäuerin Karina Del'Mur auszuhelfen, auch wenn sie wahrscheinlich eher überrascht war, die Ritterin vor sich zu haben. Noch dazu mit einem Auftrag den sie nicht verraten durfte. Besonders nachteilig bei jener Wahl war wahrscheinlich die Knappschaft ihres Mannes unter dem besagten Ahad, der Ziel jener Versuche war.
Ein weiterer Nachteil an den Punkten war der Wein. Mit einem Mal sah sich die Ritterin dazu genötigt, selber dem Tropfen zuzusprechen, nachdem der Ahad sie mehrmals darum bat. Innerlich sich damit abfindend, dass sie bereits genug gewagt hatte und dieser eine Schritt mehr sie auch nichts mehr kosten könnte, kam sie dem nach. Natürlich zeigte er seine Wirkung. Als hätte Aleleya das nicht gewusst. Jenes Getränk mochte den einen zugute kommen, ihr jedoch nicht.
Wahrscheinlich hatte sie dann auch den Kelch zu schnell geleert. Auf jeden Fall war ihr sitzend schwindelig und zu warm war es auch. Als das Gespräch seine Wendung nahm und er auf einmal auf sie beide zum Sprechen kam, war sie bereits mehr als nur berauscht von dem Wein und gleichfalls seiner Anwesenheit. Es wäre wesentlich besser für sie, wenn sie seine Hand, die auf ihrem Hals lag, nicht so geniessen würde. Noch besser wäre es gewesen, wenn sie den kurzen, unschuldigen Kuss nicht so sehr gemocht hätte.
Nachdenken müsste er nun... nachdenken...
Für sie hieß das nur, noch einmal mehr warten. Manchmal fragte sie sich, ob sie nicht bereits lang genug gewartet hätte. Lang genug auf ihn und auf dass, was sie sich erhoffte. Sie unterhielt sich über das Geschehne mit der Ahad, und auch was auf sein Nachdenken folgen mochte. Ob er etwas kurzfristiges in Betracht zog, oder längerfristig, oder gar nicht. Das Kurzfristig gefiel der Ritterin nicht sonderlich. Sein Spielzeug würde sie nicht sein - wiederum ein Gedanke, der bittere Wut auslöste. Sie verließ Sharay und wandte sich an den einzigen Ort der Stadt der ihr Ruhe verschaffte und ihre Wut wie immer im Zaum hielt. Den Tempel der heiligen Stadt. Bis zum Morgengrauen kniete sie in seinen Hallen, während sie sich mit ihren Worten an den Einen richtete.
Sie würde viel für ihn tun, gewiss, aber nicht sich zu seinem Spielzeug degradieren lassen.
Aus den Schlachtplänen zur Vorbereitung jener ergab sich irgendwann die Probe der Punkte.
1. Selbstbeherrschung - sich normal verhalten
2. Ein Kleid tragen
3. Überraschen
4. Ein Essen vorbereiten
5. Wein
Das Ganze gepaart mit einer ordentlichen Dosis Durchhaltevermögen ergab eine recht solide Grundlage. Der Nervosität wurde sie dadurch jedoch nicht unbedingt Herr.
Als sie den Erfolg beobachten konnte, schlich sich am Rande dunkel ein negativer Gedanke ein. Die Frage, warum sie das überhaupt tat. Ein Kleid sollte keinen Unterschied machen. Immerhin steckte noch dieselbe darin wie auch in der Ritterrüstung. Und ihm sollte dies schon gar nicht besonders ins Auge fallen, ja eigentlich umgekehrt besser gefallen. Wäre nicht die solide Arbeit für den Vater das Augenmerk nachdem er sie wählen sollte? Stattdessen war es ein Stück Stoff. Wut durchzuckte sie, wenn sie zu sehr darüber nachsann. Sharay schien es eher für einen Erfolg zu werten. War es wahrscheinlich auch.
Nachdem er beim letzten Mal annahm, sie könnte auf einmal kochen, musste sie sich etwas einfallen lassen. Vieles hätte verdorben werden können, wenn sie jetzt schon offenlegen musste, dass sie zwar Zweiköpfe erschlagen, aber nicht mal einen Salat machen konnte. Zum Glück vermochte die Bäuerin Karina Del'Mur auszuhelfen, auch wenn sie wahrscheinlich eher überrascht war, die Ritterin vor sich zu haben. Noch dazu mit einem Auftrag den sie nicht verraten durfte. Besonders nachteilig bei jener Wahl war wahrscheinlich die Knappschaft ihres Mannes unter dem besagten Ahad, der Ziel jener Versuche war.
Ein weiterer Nachteil an den Punkten war der Wein. Mit einem Mal sah sich die Ritterin dazu genötigt, selber dem Tropfen zuzusprechen, nachdem der Ahad sie mehrmals darum bat. Innerlich sich damit abfindend, dass sie bereits genug gewagt hatte und dieser eine Schritt mehr sie auch nichts mehr kosten könnte, kam sie dem nach. Natürlich zeigte er seine Wirkung. Als hätte Aleleya das nicht gewusst. Jenes Getränk mochte den einen zugute kommen, ihr jedoch nicht.
Wahrscheinlich hatte sie dann auch den Kelch zu schnell geleert. Auf jeden Fall war ihr sitzend schwindelig und zu warm war es auch. Als das Gespräch seine Wendung nahm und er auf einmal auf sie beide zum Sprechen kam, war sie bereits mehr als nur berauscht von dem Wein und gleichfalls seiner Anwesenheit. Es wäre wesentlich besser für sie, wenn sie seine Hand, die auf ihrem Hals lag, nicht so geniessen würde. Noch besser wäre es gewesen, wenn sie den kurzen, unschuldigen Kuss nicht so sehr gemocht hätte.
Nachdenken müsste er nun... nachdenken...
Für sie hieß das nur, noch einmal mehr warten. Manchmal fragte sie sich, ob sie nicht bereits lang genug gewartet hätte. Lang genug auf ihn und auf dass, was sie sich erhoffte. Sie unterhielt sich über das Geschehne mit der Ahad, und auch was auf sein Nachdenken folgen mochte. Ob er etwas kurzfristiges in Betracht zog, oder längerfristig, oder gar nicht. Das Kurzfristig gefiel der Ritterin nicht sonderlich. Sein Spielzeug würde sie nicht sein - wiederum ein Gedanke, der bittere Wut auslöste. Sie verließ Sharay und wandte sich an den einzigen Ort der Stadt der ihr Ruhe verschaffte und ihre Wut wie immer im Zaum hielt. Den Tempel der heiligen Stadt. Bis zum Morgengrauen kniete sie in seinen Hallen, während sie sich mit ihren Worten an den Einen richtete.
Sie würde viel für ihn tun, gewiss, aber nicht sich zu seinem Spielzeug degradieren lassen.