Männer…
allein die Tatsache, sich schwer verletzt aus dem Heilerhaus zu schleppen, um sich gegen einen dieser Kobolde zu stellen, statt die Familie in das schützende Haus zu bringen, nein, da musste man zeigen, dass man auch auf allen vieren noch ein ganzer Kerl ist.
Gut, nach allem was ich bisher gehört hatte, wünschte ich Malachai natürlich wie alle anderen, dass die Liliana van Drachenfels möglichst bald ein Gegengift finden würde… bis… ja bis zu dem entscheidenden Zeitpunkt am Abend, als Fräulein Leah uns von der Drohung Malachais erzählte, sie umbringen zu wollen.
Das setzte doch der Dreistigkeit mit der Sippschaft bewaffnet durch Adoran zu spazieren und sich im Anschluss den Anweisungen der Garde zu widersetzen, nochmal ein Krönchen auf!
Ich wusste nichts von dem Schreiben an die Baronin, nichts von den Auflagen die Malachai inzwischen gemacht wurden und war fest entschlossen einen Krankenbesuch zu tätigen.
Und zwar sofort!
In Ermangelung frischer Blumen, besorgte ich einen Kräuterstrauß und eilte zum Heilerhaus, nur um dort zu erfahren, dass Malachai es vor kurzem verlassen hatte.
Meine Schritte führten mich zum Hafen und zur Kutschstation und schnell war das Ziel bekannt:
Bajard. Ich zögerte keinen Augenblick und reiste ihm nach.
Nur wenig später stand ich vor dem Haus und wurde eingelassen.
Durch Malachais Gesicht zogen sich schwarze Adern, blitzförmig, wie eine Tätowierung von Letharen anmutend. Kein schöner Anblick, aber ich war auch nicht gekommen um mich mit ihm in einem Schönheitswettbewerb zu messen, auch wenn ich diesen ohne Zweifel gewonnen hätte.
Seine sorglose Freundlichkeit hingegen trieb meine Fassungslosigkeit und Wut in weitere Höhen.
Als sich Sarah Schwarzmourne um Wasser für die „Blumen“ mühte, beugte ich mich vor und flüsterte Malachai ins Ohr:
„Sollte Leah auch nur ein Haar gekrümmt werden Herr Schwarzmourne... dann seid Euch gewiss, dass ich _alles_ in Bewegung setzen werde, Eurer Familie leid anzutun.“
Um meiner mündlichen Botschaft Nachdruck zu verleihen, führte ich dabei meine Hand an die Stelle der Halsbandage, wo die Bisswunde sich befand und übte ein wenig Druck darauf aus.
Eine alte Sitte, die sich auch bei jungen Adelssöhnen wohl oft bewährt hatte, wenn sie sich die Grenzen ihres Landeigentumes einprägen sollten, holte doch zumeist der Vater einmal aus und versetzte dem Jüngling eine schallende Ohrfeige.
Nie hatte ein Sohn höheren Standes vergessen und ich wollte, dass sich meine Botschaft ebenso unvergessen in Malachais Kopf festsetzte.
Im Grunde war sie derart einfach, dass selbst ein Kind sie hätte behalten können:
Quid pro quo.
Ich verließ sogleich darauf das Haus und machte mich auf den Heimweg.
Noch immer aufgewühlt konnte ich lange keinen Schlaf finden und ließ die Geschehnisse des Tages Revue passieren.
Ebenso ging mir das Gesicht Malachais nicht aus dem Kopf und plötzlich tauchten Worte Cyrions in meinem Hinterkopf auf:
„Aye... das oder es steht sehr schlecht um Malachai. Er hat ohnehin einen speziellen Zustand, auf den jenes Gift sehr heftig reagiert.“
Einen speziellen Zustand? Was bei allen Kreaturen…? War es möglich, dass Malachai mit unheiligen Mächten in Verbindung stand?
War es weiterhin möglich, dass sein Nennbruder, der offenbar darum wusste, aus ganz anderen Gründen sich um die Stellung als Hauswächter verdingt hatte?
Das würde zumindest einiges an seinem Verhalten erklären!
Die Nacht war auch im Folgenden nicht mit viel Schlaf gesegnet und ich machte mich früh auf zum Stadtschreiber, ihn mehrere Schreiben verfassen zu lassen.
Boten brachten diese zum Anwesen des Herzogs, zum Anwesen der Vogtin, zum Oberst des Regiments, sowie zum Kloster zu Händen ihrer Eminenz.
Quid pro quo
-
Darna von Hohenfels
Sie starrte auf das Papier und wusste langsam nicht mehr, ob sie tatsächlich so verwaschen die Tinte verteilt hatte oder ob sie nicht lieber mal zwei Stunden schlafen sollte. Vermutlich letzteres. "Warum muß das alles immer so kompliziert sein?", ging ihr zum wiederholten Mal durch den Kopf.
Saveas Verhalten war inakzeptabel gewesen, das machte Malachais Verhalten aber nicht besser und langsam konnte sie diesen Kerl, der düsterer als ein Arkorither durch die Lande lief, nicht mehr ausstehen. "Eure Götter mit Euch" - alleine dieser Gruß hatte fast automatisch spezielle Gedanken ausgelöst. Genauer gesagt den Gedanken: "Aha. 'Meine' Götter... also nicht deine, hm?" Einer dieser Verleugner. Einer dieser Dummköpfe, die meinten, mit den Göttern nichts zu tun zu haben. Einer dieser Menschen, die es in ihren Augen auch fertig brächten, die Existenz von Luft zu verleugnen, aber fröhlich weiter zu atmen.
Das war dieser Mensch, der Cyrion Flausen in den Kopf setzte. Das war einer dieser Menschen, die jemand anderen für dumm hielten und beleidigt waren, wenn einer argwöhnisch auf das getragene schwarz reagierte, aber ganz bewusst die Farbe trugen, um einen düsteren, finsteren, Eindruck zu erwecken. Etwas, das Darna immer wieder zu einem humorlosen Lachen reizte - was denn nun? Einen Effekt nutzen wollen, ohne die Konsequenzen aus sowas in allem Ausmaß zu akzeptieren... sehr bequem.
Und auch der Brief an Adrian: sehr lang, aber sehr bequem. Die Absage an Mariella: das bockige Gehabe eines kleinen Kindes und ein bequemer Vorwand, für eigene Fehler nicht gerade stehen zu müssen.
"Du machst es dir ein bißchen einfach, Schwarzmourne."
Und auch Savea hatte es sich zu leicht gemacht. Deswegen wurde es nun umso komplizierter, alles wieder gerade zu rücken. Nein, vom Haus Hohenfels hatte keine Hinterhältigkeit auszugehen. Das Haus stand für jedes seiner Mitglieder, und alles, was jeder einzelne tat, fiel auf das Haus zurück. Zeit, klar schiff zu machen und aufzuräumen, der Schmutz in den Ecken drohte überhand zu nehmen.
"Wenn wir uns schon jemanden zum Feind machen, dann stehen wir zu unserer Meinung auch, daß man sie auf dem Marktplatz verkünden könnte", ging es entschlossen durch ihre Gedanken und sie führte den letzten Federstrich. Damit war der Entwurf des Briefes fertig, mit dem sie sowohl Savea als auch Malachai den Kopf zurechtzurücken gedachte. Doch zuvor musste es mit Adrian besprochen werden, und auch hoffte sie, vorher noch eine kleine Nachforschung erfolgreich durchführen zu können...
Seufzen. Die Zeit rann ihr durch die Finger, wie Wasser in ein leckes Boot eindrang. Und es ging nicht anders, den Boten würde sie auftreiben müssen, nachdem... moah, da war das Kissen, schön...
Saveas Verhalten war inakzeptabel gewesen, das machte Malachais Verhalten aber nicht besser und langsam konnte sie diesen Kerl, der düsterer als ein Arkorither durch die Lande lief, nicht mehr ausstehen. "Eure Götter mit Euch" - alleine dieser Gruß hatte fast automatisch spezielle Gedanken ausgelöst. Genauer gesagt den Gedanken: "Aha. 'Meine' Götter... also nicht deine, hm?" Einer dieser Verleugner. Einer dieser Dummköpfe, die meinten, mit den Göttern nichts zu tun zu haben. Einer dieser Menschen, die es in ihren Augen auch fertig brächten, die Existenz von Luft zu verleugnen, aber fröhlich weiter zu atmen.
Das war dieser Mensch, der Cyrion Flausen in den Kopf setzte. Das war einer dieser Menschen, die jemand anderen für dumm hielten und beleidigt waren, wenn einer argwöhnisch auf das getragene schwarz reagierte, aber ganz bewusst die Farbe trugen, um einen düsteren, finsteren, Eindruck zu erwecken. Etwas, das Darna immer wieder zu einem humorlosen Lachen reizte - was denn nun? Einen Effekt nutzen wollen, ohne die Konsequenzen aus sowas in allem Ausmaß zu akzeptieren... sehr bequem.
Und auch der Brief an Adrian: sehr lang, aber sehr bequem. Die Absage an Mariella: das bockige Gehabe eines kleinen Kindes und ein bequemer Vorwand, für eigene Fehler nicht gerade stehen zu müssen.
"Du machst es dir ein bißchen einfach, Schwarzmourne."
Und auch Savea hatte es sich zu leicht gemacht. Deswegen wurde es nun umso komplizierter, alles wieder gerade zu rücken. Nein, vom Haus Hohenfels hatte keine Hinterhältigkeit auszugehen. Das Haus stand für jedes seiner Mitglieder, und alles, was jeder einzelne tat, fiel auf das Haus zurück. Zeit, klar schiff zu machen und aufzuräumen, der Schmutz in den Ecken drohte überhand zu nehmen.
"Wenn wir uns schon jemanden zum Feind machen, dann stehen wir zu unserer Meinung auch, daß man sie auf dem Marktplatz verkünden könnte", ging es entschlossen durch ihre Gedanken und sie führte den letzten Federstrich. Damit war der Entwurf des Briefes fertig, mit dem sie sowohl Savea als auch Malachai den Kopf zurechtzurücken gedachte. Doch zuvor musste es mit Adrian besprochen werden, und auch hoffte sie, vorher noch eine kleine Nachforschung erfolgreich durchführen zu können...
Seufzen. Die Zeit rann ihr durch die Finger, wie Wasser in ein leckes Boot eindrang. Und es ging nicht anders, den Boten würde sie auftreiben müssen, nachdem... moah, da war das Kissen, schön...
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Savea Falkenlohe
- Beiträge: 1
- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Ich hätte Milady alles Mögliche auftischen können, doch entschied ich mich für die Wahrheit, im Vertrauen auf… ja worauf eigentlich?
Auf: Ehrlich währt am längsten?
Einen Dreck tat es!
Am Ende wurde es hässlich, nur mit äußerster Mühe gelang es mir nicht aufzuspringen und meiner Wut Ausdruck zu verleihen und Milady Dinge an den Kopf zu werfen, die besser ungesagt blieben.
Ihr Blick, „Komm doch!“ der mich herausfordern sollte war nicht gerade hilfreich und noch weniger war es der Umstand, dass sich Milady im Vorraum aufbaute und mir entgegen starrte.
Kampfbreit?
Erst später wurde mir bewusst, dass sie tatsächlich darauf gewartet hatte, ich würde sie angreifen.
Die Enttäuschung darüber wog weit schwerer, als die verletzenden Worte, mit denen sie meinen „Besuch“ bei Malachai Schwarzmourne auf einen für sie stimmigen Punkt zusammenstrich:
Ehrlos.
Drei Möglichkeiten für eine ehrlose Person und ich hatte zu wählen.
„Die erste... - würde bedingen, dass Ihr Euch von diesen 'Details' an Eurem Vorgehen, welche ich als
ehrlos bezeichnete, distanziert, das so vorgefallene bedauert, Euch dafür entschuldigt und gemeinsam mit uns Stellung gegenüber Herrn Schwarzmourne bezieht, indem er offiziell weitestgehend von unserem Haus gemeinsam zum Feind erklärt wird und als solcher gemäß den Geboten der Ehre behandelt wird.
Die zweite… -würde bedingen, dass Ihr Euch von diesen 'Details' in Eurem Vorgehen... immer noch
distanziert, das so vorgefallene bedauert, allerdings darauf besteht, dass diese Sache eine persönliche Angelegenheit zwischen Euch als Privatperson und Herrn Schwarzmourne ist. Das hätte zur Folge, dass wir gegenüber Herrn Schwarzmourne verdeutlichen, dass Ihr in dieser Sache fortan
ausdrücklich nicht als Teil unseres Haushaltes agiert und Eure Taten nicht als die unseren
zu betrachten sind. Davon unberührt bliebe unser Recht, Herrn Schwarzmourne auf unsere Weise
als Feind zu begegnen, was wir zweifelsohne tun werden. Da Ihr weiter dennoch Teil unseres
Hauses wärt, wärt Ihr dennoch dazu verpflichtet, ohne Hinterhältigkeit zu handeln und Euch an die
Gesetze zu halten, so dass nicht gesagt werden müsste, ein Mitglied des Haushaltes von Hohenfels
wäre ehrlos und hintertrieben oder gar eine Verbrecherin.
Die dritte Möglichkeit... ist, dass Ihr auf Eurem Verhalten, so wie es geschehen ist, in vollem Umfang besteht und dies als Eure Art erachtet wissen wollt. Diese Art ist leider unvereinbar mit dem, was wir in unserem Haus vertreten wissen wollen, doch es wäre sowohl Euer als auch unser gutes Recht, dann eben in Form eines Austrittes aus unseren Diensten da sauber zu trennen. Dies würde Euch von allen Verpflichtungen entbinden und Ihr könnt so gesehen danach verfahren, wie Ihr wollt, wir
hätten nichts mehr mit Euch zu tun. Außer natürlich, dass wir wie gewohnt daran interessiert bleiben, Gesetzesbrüche zu ahnden, egal welche Person diese verübt.“
Ich wählte.
„Ich bedaure das so Vorgefallene und bestehe darauf, dass es eine persönliche Angelegenheit war.“
„Dann wird es bei Euch liegen, ein Schreiben an Herrn Schwarzmourne verfassen zu lassen, indem
eben diese kritischen Punkte genannt und aufgeklärt werden, verbunden mit einer Entschuldigung…“
Den Rest hörte ich kaum. Eine Entschuldigung war nicht Bestandteil der von mir gewählten zweiten Möglichkeit. Sollte ich mich entschuldigen für seine Feigheit, seine Wortverdreherei?
Der Herr Oberst hatte berichtet von Malachais Schreiben an die Vogtin und Milady hatte berichtet von dem Schreiben an seine Hoheit und in Erinnerung kochte die Wut erneut in mir hoch.
„Dieses Schreiben möchte ich dann, bevor es abgeschickt würde, gegenlesen.“
Diese Worte rissen mich aus meinen Gedanken.
Einen Dreck für Ehrlichkeit.
Auch diese Nacht war eine kurze, auch wenn der Shaya „ausgerutschte“ Rum in meinem Tee seine Wirkung nicht verfehlte und mich zumindest einschlafen ließ.
Gleich in den frühen Morgenstunden begab ich mich zum Stadtschreiber ein Schreiben aufsetzen und eine Abschrift für Milady von jenem fertigen zu lassen.
Mit einem Schreiben, welches ich nicht vom Stadtschreiber hatte aufsetzen lassen, machte sich wenig später ein Bote auf den Weg.
Er war winterfest gekleidet, in den Taschen jedoch ausreichend Kleidung die für Frühling und Sommer geeignet wären.
Auf: Ehrlich währt am längsten?
Einen Dreck tat es!
Am Ende wurde es hässlich, nur mit äußerster Mühe gelang es mir nicht aufzuspringen und meiner Wut Ausdruck zu verleihen und Milady Dinge an den Kopf zu werfen, die besser ungesagt blieben.
Ihr Blick, „Komm doch!“ der mich herausfordern sollte war nicht gerade hilfreich und noch weniger war es der Umstand, dass sich Milady im Vorraum aufbaute und mir entgegen starrte.
Kampfbreit?
Erst später wurde mir bewusst, dass sie tatsächlich darauf gewartet hatte, ich würde sie angreifen.
Die Enttäuschung darüber wog weit schwerer, als die verletzenden Worte, mit denen sie meinen „Besuch“ bei Malachai Schwarzmourne auf einen für sie stimmigen Punkt zusammenstrich:
Ehrlos.
Drei Möglichkeiten für eine ehrlose Person und ich hatte zu wählen.
„Die erste... - würde bedingen, dass Ihr Euch von diesen 'Details' an Eurem Vorgehen, welche ich als
ehrlos bezeichnete, distanziert, das so vorgefallene bedauert, Euch dafür entschuldigt und gemeinsam mit uns Stellung gegenüber Herrn Schwarzmourne bezieht, indem er offiziell weitestgehend von unserem Haus gemeinsam zum Feind erklärt wird und als solcher gemäß den Geboten der Ehre behandelt wird.
Die zweite… -würde bedingen, dass Ihr Euch von diesen 'Details' in Eurem Vorgehen... immer noch
distanziert, das so vorgefallene bedauert, allerdings darauf besteht, dass diese Sache eine persönliche Angelegenheit zwischen Euch als Privatperson und Herrn Schwarzmourne ist. Das hätte zur Folge, dass wir gegenüber Herrn Schwarzmourne verdeutlichen, dass Ihr in dieser Sache fortan
ausdrücklich nicht als Teil unseres Haushaltes agiert und Eure Taten nicht als die unseren
zu betrachten sind. Davon unberührt bliebe unser Recht, Herrn Schwarzmourne auf unsere Weise
als Feind zu begegnen, was wir zweifelsohne tun werden. Da Ihr weiter dennoch Teil unseres
Hauses wärt, wärt Ihr dennoch dazu verpflichtet, ohne Hinterhältigkeit zu handeln und Euch an die
Gesetze zu halten, so dass nicht gesagt werden müsste, ein Mitglied des Haushaltes von Hohenfels
wäre ehrlos und hintertrieben oder gar eine Verbrecherin.
Die dritte Möglichkeit... ist, dass Ihr auf Eurem Verhalten, so wie es geschehen ist, in vollem Umfang besteht und dies als Eure Art erachtet wissen wollt. Diese Art ist leider unvereinbar mit dem, was wir in unserem Haus vertreten wissen wollen, doch es wäre sowohl Euer als auch unser gutes Recht, dann eben in Form eines Austrittes aus unseren Diensten da sauber zu trennen. Dies würde Euch von allen Verpflichtungen entbinden und Ihr könnt so gesehen danach verfahren, wie Ihr wollt, wir
hätten nichts mehr mit Euch zu tun. Außer natürlich, dass wir wie gewohnt daran interessiert bleiben, Gesetzesbrüche zu ahnden, egal welche Person diese verübt.“
Ich wählte.
„Ich bedaure das so Vorgefallene und bestehe darauf, dass es eine persönliche Angelegenheit war.“
„Dann wird es bei Euch liegen, ein Schreiben an Herrn Schwarzmourne verfassen zu lassen, indem
eben diese kritischen Punkte genannt und aufgeklärt werden, verbunden mit einer Entschuldigung…“
Den Rest hörte ich kaum. Eine Entschuldigung war nicht Bestandteil der von mir gewählten zweiten Möglichkeit. Sollte ich mich entschuldigen für seine Feigheit, seine Wortverdreherei?
Der Herr Oberst hatte berichtet von Malachais Schreiben an die Vogtin und Milady hatte berichtet von dem Schreiben an seine Hoheit und in Erinnerung kochte die Wut erneut in mir hoch.
„Dieses Schreiben möchte ich dann, bevor es abgeschickt würde, gegenlesen.“
Diese Worte rissen mich aus meinen Gedanken.
Einen Dreck für Ehrlichkeit.
Auch diese Nacht war eine kurze, auch wenn der Shaya „ausgerutschte“ Rum in meinem Tee seine Wirkung nicht verfehlte und mich zumindest einschlafen ließ.
Gleich in den frühen Morgenstunden begab ich mich zum Stadtschreiber ein Schreiben aufsetzen und eine Abschrift für Milady von jenem fertigen zu lassen.
Mit einem Schreiben, welches ich nicht vom Stadtschreiber hatte aufsetzen lassen, machte sich wenig später ein Bote auf den Weg.
Er war winterfest gekleidet, in den Taschen jedoch ausreichend Kleidung die für Frühling und Sommer geeignet wären.
- Shaya Nyrloth
- Beiträge: 176
- Registriert: Freitag 29. September 2006, 06:30
Verdorbene Anhänger des Brudermörders.
Die letzten Worte Miladys, für sich zusammengefasst, hatten sich tief eingebrannt...wie Flammen, die die Haut verzehren, und nichts als Schmerz hinterlassen... das Gefühl wohlbekannt.
„Kann ich heute bei Dir schlafen?“ War der Blick, der Savea traf, vorher noch zerknirscht, konnte er nun als durchaus frech bezeichnet werden. Das „Sicher“ und ein Nicken besiegelten alles Weitere, und so war zumindest eine ruhige und behütete Nacht zu erwarten. Auch wenn das Feuer damit innerlich nicht erlöschen war und weiter vor sich hin schwelen würde, konnte sie sich zumindest sicher sein, dass das Wichtigste in ihrem Leben doch irgendwie immer Bestand haben würde.
Die letzten Worte Miladys, für sich zusammengefasst, hatten sich tief eingebrannt...wie Flammen, die die Haut verzehren, und nichts als Schmerz hinterlassen... das Gefühl wohlbekannt.
„Kann ich heute bei Dir schlafen?“ War der Blick, der Savea traf, vorher noch zerknirscht, konnte er nun als durchaus frech bezeichnet werden. Das „Sicher“ und ein Nicken besiegelten alles Weitere, und so war zumindest eine ruhige und behütete Nacht zu erwarten. Auch wenn das Feuer damit innerlich nicht erlöschen war und weiter vor sich hin schwelen würde, konnte sie sich zumindest sicher sein, dass das Wichtigste in ihrem Leben doch irgendwie immer Bestand haben würde.
-
Darna von Hohenfels
Was war eigentlich so schwer daran, einsehen zu sollen, warum man sich anständig zu benehmen hatte? Und dass man sich anständig zu benehmen hatte, wenn man zu diesem Haushalt gehören wollte, dessen Spitze Adrian und ich bildeten? Und warum schien es so schwer, zu begreifen, was "anständiges Benehmen" überhaupt war?
"War Fräulein Savea in der Lage, Euch zu erklären, was uns daran denn eigentlich gestört hat, oder haltet Ihr es tatsächlich für völlig in Ordnung, sich unter Vorheuchelei von Freundlichkeit an jemanden, den man frisch als Feind erachtet, heran zu bewegen, um dann eine Drohung gegen seine Angehörigen auszustoßen und wortwörtlich noch in einer alten Wunde herumzubohren?"
"Sie war in der Lage es zu erklären... aber verstehen tue ich es dennoch nicht, denn offen gesagt... wenn jemand mit Mord droht, lohnt es dann anklopfen? Oder ist es nicht doch angebrachter mit der Tür ins Haus zu fallen? Was bringt ein: 'Ich würde es begrüßen, wenn Ihr davon absehen würdet, dem Fräulein Leah ein Haar krümmen zu wollen?"
"Wir tun es, weil wir besser sind als die."
Das war zumindest der erste Gedanke, der mir als Antwort dazu durch den Kopf schoß. Mit einer völligen Selbstverständlichkeit. Doch es schien nicht so selbstverständlich. Malachai hatte mit Mord gedroht, also durfte man gemein zu ihm sein. Das schien selbstverständlich - ein Panzer, den ich knacken wollte. Eine Überzeugung, die gekippt werden musste.
Abr wie? Dass Savea auf ihre eigene Art und Weise rabiat war, wusste ich schon länger. War es blind gewesen, es hinzunehmen, weil sie dabei wenigstens deutlich sich für die rechte Sache und die richtigen Leute einsetzte? Ich hatte gehofft, es würde sich einfach legen... Temora, wie blind war ich. Ich musste sie hier in dieser Sache gängeln, regelrecht zwingen, und es half nicht, egal wie sehr ich mir den Mund fusselig zu reden glaubte, egal wie klar ich ihr machte, dass ich um die Details der Geschichte wusste, es war genauso widerlich wie bei Viola, jedes kleine bißchen der Wahrheit aus der Nase zu ziehen, statt dass großzügig verschwiegen worden wäre, was nicht so ganz sauber war...
Zähneknirschend hatte sie die Wahrheit gesagt. Zähneknirschend. Hätte sie gewagt, mich anzulügen, ich hätte sie auf der Stelle rausgeschmissen. Ich musste sie zwingen, die begangenen Fehler zu korrigieren, musste es ihr befehlen und dabei auch noch verhindern, aufs Kreuz gelegt zu werden, mal wieder mit Halbwahrheiten umschifft zu werden. Einsicht? Nein. Keine. Je länger ich darüber nachdenke, desto wütender macht es mich. Denn wie soll ich sie auf diese Weise halten können? Wie ist das tragbar, wenn auf diese Dinge kein Verlaß ist, wenn ich absehbar auf den nächsten Ärger warten kann? Adrian hätte sie schon rausgeworfen, ich frage mich mehr und mehr, ob er nicht recht hat. Wie sollte ich vor ihm rechtfertigen, sie im Haus zu lassen? Sie will Leah schützen. Ja schön...
und das auf eine Art und Weise, dass wir uns dafür schämen müssen. Argh!
War es noch zu erklären?
War es wenigstens Shaya zu erklären, die sich immer als etwas ruhiger, zugänglicher, zurückhaltender und interessierter erwiesen hatte? Mehrfach war sie mein Vermittlungspartner zwischen mir und Savea gewesen - unsere Übersetzerin, wenn wir einander nicht mehr verstanden. Aber in ihren Ohren schien ich auch gerade nur elfisch zu reden:
"Es gibt einen Unterschied dazwischen, in dieser doch recht rabiaten und wie gesagt teils vorheuchelnden Art zu handeln, wie es Savea tat, um ihre Ziele zu erreichen, oder stattdessen bloß bei höflich leeren Worten zu bleiben und gar nichts zu tun. Der springende Punkt ist sehr einfach vor Augen zu halten:
Nur, weil jemand anders sich mies und ehrlos verhält, berechtigt das einen nicht selber, sich ähnlich mies und ehrlos zu verhalten. Nur weil ein Rahaler sich Gift auf die Klinge schmiert, berechtigt mich das nicht dazu, das Gleiche zu tun, denn ich entehre mich damit selber und wäre nicht besser als dieser niederträchtige Kerl vor mir.
Gleichzeitig glaubt Ihr ja wohl hoffentlich nicht, daß ich mich deswegen bloß hinstelle, freundlich lächel, ihm ein Taschentuch gebe und sage: 'Würdet Ihr bitte Eure Waffe putzen, bevor Ihr mit mir kämpft'? Ich sag ihm offen ins Gesicht, was ich von ihm halte, und dann kann er meine Klinge zu spüren kriegen - ohne Gift. Das unterscheidet eine Ehrenperson von jemandem wie Herrn Schwarzmourne. Aber Savea stellte sich in meinen Augen kaum besser an als er, und das ist, was mich enttäuscht."
"Enttäuschend? Vielleicht ebenso enttäuschend wie für unsereins, dass Ihr das Ganze in keinster Weise nachzuvollziehen können scheint?"
"Nachvollziehen... doch, nachvollziehen kann ich es."
Oh doch, ich konnte es nachvollziehen. Nach all dieser Scheiße, die da im Heilerhaus abgelaufen sein muß, nach all der Aufmüpfigkeit, nach all diesem Ärger, nach der Abartigkeit, einen Gardisten dafür zu beschimpfen, daß er die Ordnung zu wahren versucht und Gesetze durchsetzt, nur weil sie mal nicht bequem sind, da wagt es dieser Möchtegern-Düsterling, Leah - meiner Leah! - mit Mord zu drohen!
Ich hätte diesen Bastard von seinem Bett geschmissen und ihm bewiesen, dass nicht nur Blutkobolde seinen Hals durchlöchern können. Mit dem hätte ich so den Boden gewischt, dass er hinterher nicht mal mehr als Putzlumpen wiederzuerkennen gewesen wäre. Dem hätte ich ein paar Liter Abführmittel eingetrichtert und ihn in seinem Kot ersaufen lassen.
Durchatmen. Ruhig bleiben. Jenes sind zumindest die Dinge, die ich vielleicht täte, würde ich mich meinem Hass hingeben. Genau das war allerdings ausgeschlossen. Durfte nicht sein. Kam gar nicht in Frage. Fertig.
"Nachvollziehen... doch, nachvollziehen kann ich es. Aber das macht die begangenen Fehler, die ich dabei sehe, nicht besser. Vor allem nicht, wenn stur auf ihnen bestanden wird. Ich könnte auch manchmal noch ganz anders, wenn ich immer bloß täte, wonach mir ist, aber dann wäre ich nicht Paladin und ich könnte mir selber nicht mal ins Gesicht sehen."
"Dann müssen wir wahrlich ein unerträglicher Anblick sein."
"Wer redet dabei denn von euch?" Innerliches Ächzen, verbunden mit dem Gefühl, ich sage mal wieder nur falsches, wenn ich... 'einfach so' rede und dabei nur an dem schmalen Grat entlang tänzel, Eingeständnisse von mir selber zu machen. Es ist deplatziert hier und kommt überhaupt nicht an. Sinnlos. Aber was ich stattdessen sagen soll, weiß ich langsam auch nicht mehr.
"Wir sind keine Ritter Milady ... wir sind nur Angestellte... wir sind nicht mit Tugenden aufgewachsen, wir haben nicht mit ihnen gelebt, wir sind froh überhaupt überlebt zu haben. Und das gelang sicher nicht, weil wir ... nun ... 'angeklopft' haben?"
"Was verbergen die beiden eigentlich noch alles vor mir?"
"Shaya, mir ist mehr als bewusst, dass es längst nicht alle Personen im Haus sind, die Ritter wären oder sich auch nur zuverlässig ritterlich benähmen... - richtig, ihr seid 'nur' Angestellte.
Aber das, was das Haus als Gesamtes nach außen präsentiert, soll nach unserem Wunsch und Willen eine Gemeinschaft sein, von der die Menschen im Allgemeinen guten Grund haben, zu sagen, daß dort 'anständige Menschen' leben. Und nicht:
'Ja, die Hausherrin ist eine Paladina, und die kann manchmal auch ganz schön bissig sein, aber nimm dich bloß vor der Haushälterin in acht, wenn du der gegenüber ein falsches Wort sagst, lauert sie dir hinter der nächsten Ecke auf und prügelt dich windelweich. Und die kleine Rothaarige, die tut bloß immer so freundlich, aber ist ein durchtriebenes Aas, und der Rotzbengel da hinten, der hat letztens glatt meine Katze ersäuft, nur weil das arme Tier ihm von links nach rechts vor den Füßen längs lief...'
Eigentlich dachte ich, wenigstens davon ausgehen zu können, daß seine Hoheit und ich im Benehmen trotz unserer eigenen menschlichen Schwächen auch vorbildlich genug wären, daß man uns vertrauen kann, wenn es darum geht, im rechten Maße unseren Feinden zu begegnen... Wisst Ihr, Leah liegt zufällig nicht nur Savea und Euch am Herzen."
"Vielleicht würde dieses ständige Verfluchen, Entführen oder Kinder anderorts aufwachsen lassen müssen ja aufhören, wenn man eben genau so denke würde, wie Ihr es aufzähltet."
"Ach, und das wär schön... wenn man so über uns denken würde?"
Ich merkte mein innerliches in die Knie gehen. Shaya lächelte schief, aber ich konnte absolut nichts Lustiges daran finden. Ja, natürlich tat es mir unsäglich leid darum, dass jeder in unserem Haus zur Zielscheibe wurde, weil... er zum Haus gehörte. Zu uns gehörte. Wie früher Rafael und ich die Zielscheiben waren, um Adrian zu schaden. Die Alternativen waren, ein Verbund an Individuen zu sein, die füreinander nicht verantwortlich zu machen waren...
und dann konnte man das Ganze in meinen Augen auch gleich lassen. Ein Haus hielt zusammen. Oder nicht. Wenn sie nicht entführt, verflucht und bedroht werden wollten, mussten sie Abstand von uns nehmen, denn letztlich waren das Ziel wir. Und sie, weil sie unsere Stützen waren.
Einer dieser Momente, in denen das Begreifen, was das Böse versuchte, in einer Komplexität über mich hereinstürzte wie eine ertränkende Woge.
Ich konnte die Einsamkeit vorziehen, aber dann hätten sie ebenso gewonnen. Ich konnte versuchen, sie nicht zum Guten hin erziehen zu wollen, dann hätte das Böse freie Bahn. Ich machte mich ihnen selber unlieb, wenn ich sie mit Händen und Füßen zu bewegen versuchte. Es sind diese Momente, in denen ich mich einsam fühle.
"Beschreitet den Weg der Tugenden, denn Euer Vorbild ist es, dem die Menschen künftig folgen sollen", hallten mir Lucenius' Worte durch die Erinnerung, als es in der Schwertkrypta galt, den zeremoniellen Weg durch die Räume der Tugenden zu gehen.
Da waren nun Menschen, aber sie wollten mir nicht folgen. Wollten nicht verstehen. Es war unbequem. Ich war doch Ritter, das reichte doch, warum sollten sie sich anstrengen... Es war sperrig, so sinnlos wirkend, 'ehrenhaft' sein zu sollen, was war das überhaupt... Nein, wir wollen dir nicht folgen, das ist dein Weg, nicht für uns, diese seltsamen Tugenden sind deine Sache... Da stehen sie und folgen nicht. Ich kann's nicht ändern. Dabei sind sie mein engstes Umfeld. Ernüchternd.
Es sind diese Momente, in denen ich mich fremd fühle.
Aber ich rede immer noch weiter:
"Wir sind eine Gemeinschaft, Shaya. Wir werden als .. zusammengehörend wahrgenommen. Etwas, was... worüber ich mich eigentlich freue und was mich auch ehrt, solange diese Gemeinschaft einen guten Namen hat. Wäre es so, wie Ihr es Euch... 'wünscht', dann... wäre das gleichbedeutend damit, daß wir eben keine Gemeinschaft wären. Dann wären wohl bis auf seine Hoheit, mich, und immernoch unseren Sohn, bald wohl auch Leah, 'unsere' Leute uninteressant für den Feind.
Denn die anderen müssen dann nicht mehr verdorben oder im Glauben zu erschüttern versucht werden - sie sind es ja schon. Fehler begehende Menschen, die man als Finsterling nicht näher beachten muß, denn sie sind der Aufmerksamkeit nicht wert, weil sie Temora oder den Prinzipien der anderen lichten Götter fern genug sind. Womöglich sogar, ohne zu verstehen, warum. Hervorragend...
Wer sich der Gefahr, mit uns in einen Topf geworfen zu werden und auch Teil unserer Werte annehmen zu sollen, entziehen möchte... tja, der sollte dann besser eben nicht unsere Nähe suchen. Denn wir mühen uns nach besten Kräften, unserem Umfeld Vorbild zu sein, zu belehren, aufzuzeigen, wenn nötig auch zu befehlen, um im Gesamten dem Dunkel die Stirn zu bieten. Soll dem allem nicht so sein, tja dann wären wir eben alleine."
Ist es zu spät? Die Nachtstunde ist es jedenfalls.
Es ist makaber, dass ich am nächsten Tag ausgerechnet an einer Fassung des Duellkodex schreibe und dabei im Geiste meine Leute einsortiere...
Es ist der Brief eines Mädchens, kaum älter als zehn. Eine Reitschule, die Savea auf ihre Qualität hin prüfen sollte, damit ich ruhigen Gewissens darum wüsste, wenn Shaya dort lernen will.
Jetzt krieg ich es selbst von einem Kind schwarz auf weiß, dass Savea gemein ist. Göttin...
"Danke Andreas. Ich kümmer mich da irgendwie drum."
Als er raus ist, zerquetscht meine Hand den Gänsekiel und zerknickt ihn, die Tinte verspritzt sich auf Papier, Boden, Kleidung.
"War Fräulein Savea in der Lage, Euch zu erklären, was uns daran denn eigentlich gestört hat, oder haltet Ihr es tatsächlich für völlig in Ordnung, sich unter Vorheuchelei von Freundlichkeit an jemanden, den man frisch als Feind erachtet, heran zu bewegen, um dann eine Drohung gegen seine Angehörigen auszustoßen und wortwörtlich noch in einer alten Wunde herumzubohren?"
"Sie war in der Lage es zu erklären... aber verstehen tue ich es dennoch nicht, denn offen gesagt... wenn jemand mit Mord droht, lohnt es dann anklopfen? Oder ist es nicht doch angebrachter mit der Tür ins Haus zu fallen? Was bringt ein: 'Ich würde es begrüßen, wenn Ihr davon absehen würdet, dem Fräulein Leah ein Haar krümmen zu wollen?"
"Wir tun es, weil wir besser sind als die."
Das war zumindest der erste Gedanke, der mir als Antwort dazu durch den Kopf schoß. Mit einer völligen Selbstverständlichkeit. Doch es schien nicht so selbstverständlich. Malachai hatte mit Mord gedroht, also durfte man gemein zu ihm sein. Das schien selbstverständlich - ein Panzer, den ich knacken wollte. Eine Überzeugung, die gekippt werden musste.
Abr wie? Dass Savea auf ihre eigene Art und Weise rabiat war, wusste ich schon länger. War es blind gewesen, es hinzunehmen, weil sie dabei wenigstens deutlich sich für die rechte Sache und die richtigen Leute einsetzte? Ich hatte gehofft, es würde sich einfach legen... Temora, wie blind war ich. Ich musste sie hier in dieser Sache gängeln, regelrecht zwingen, und es half nicht, egal wie sehr ich mir den Mund fusselig zu reden glaubte, egal wie klar ich ihr machte, dass ich um die Details der Geschichte wusste, es war genauso widerlich wie bei Viola, jedes kleine bißchen der Wahrheit aus der Nase zu ziehen, statt dass großzügig verschwiegen worden wäre, was nicht so ganz sauber war...
Zähneknirschend hatte sie die Wahrheit gesagt. Zähneknirschend. Hätte sie gewagt, mich anzulügen, ich hätte sie auf der Stelle rausgeschmissen. Ich musste sie zwingen, die begangenen Fehler zu korrigieren, musste es ihr befehlen und dabei auch noch verhindern, aufs Kreuz gelegt zu werden, mal wieder mit Halbwahrheiten umschifft zu werden. Einsicht? Nein. Keine. Je länger ich darüber nachdenke, desto wütender macht es mich. Denn wie soll ich sie auf diese Weise halten können? Wie ist das tragbar, wenn auf diese Dinge kein Verlaß ist, wenn ich absehbar auf den nächsten Ärger warten kann? Adrian hätte sie schon rausgeworfen, ich frage mich mehr und mehr, ob er nicht recht hat. Wie sollte ich vor ihm rechtfertigen, sie im Haus zu lassen? Sie will Leah schützen. Ja schön...
und das auf eine Art und Weise, dass wir uns dafür schämen müssen. Argh!
War es noch zu erklären?
War es wenigstens Shaya zu erklären, die sich immer als etwas ruhiger, zugänglicher, zurückhaltender und interessierter erwiesen hatte? Mehrfach war sie mein Vermittlungspartner zwischen mir und Savea gewesen - unsere Übersetzerin, wenn wir einander nicht mehr verstanden. Aber in ihren Ohren schien ich auch gerade nur elfisch zu reden:
"Es gibt einen Unterschied dazwischen, in dieser doch recht rabiaten und wie gesagt teils vorheuchelnden Art zu handeln, wie es Savea tat, um ihre Ziele zu erreichen, oder stattdessen bloß bei höflich leeren Worten zu bleiben und gar nichts zu tun. Der springende Punkt ist sehr einfach vor Augen zu halten:
Nur, weil jemand anders sich mies und ehrlos verhält, berechtigt das einen nicht selber, sich ähnlich mies und ehrlos zu verhalten. Nur weil ein Rahaler sich Gift auf die Klinge schmiert, berechtigt mich das nicht dazu, das Gleiche zu tun, denn ich entehre mich damit selber und wäre nicht besser als dieser niederträchtige Kerl vor mir.
Gleichzeitig glaubt Ihr ja wohl hoffentlich nicht, daß ich mich deswegen bloß hinstelle, freundlich lächel, ihm ein Taschentuch gebe und sage: 'Würdet Ihr bitte Eure Waffe putzen, bevor Ihr mit mir kämpft'? Ich sag ihm offen ins Gesicht, was ich von ihm halte, und dann kann er meine Klinge zu spüren kriegen - ohne Gift. Das unterscheidet eine Ehrenperson von jemandem wie Herrn Schwarzmourne. Aber Savea stellte sich in meinen Augen kaum besser an als er, und das ist, was mich enttäuscht."
"Enttäuschend? Vielleicht ebenso enttäuschend wie für unsereins, dass Ihr das Ganze in keinster Weise nachzuvollziehen können scheint?"
"Nachvollziehen... doch, nachvollziehen kann ich es."
Oh doch, ich konnte es nachvollziehen. Nach all dieser Scheiße, die da im Heilerhaus abgelaufen sein muß, nach all der Aufmüpfigkeit, nach all diesem Ärger, nach der Abartigkeit, einen Gardisten dafür zu beschimpfen, daß er die Ordnung zu wahren versucht und Gesetze durchsetzt, nur weil sie mal nicht bequem sind, da wagt es dieser Möchtegern-Düsterling, Leah - meiner Leah! - mit Mord zu drohen!
Ich hätte diesen Bastard von seinem Bett geschmissen und ihm bewiesen, dass nicht nur Blutkobolde seinen Hals durchlöchern können. Mit dem hätte ich so den Boden gewischt, dass er hinterher nicht mal mehr als Putzlumpen wiederzuerkennen gewesen wäre. Dem hätte ich ein paar Liter Abführmittel eingetrichtert und ihn in seinem Kot ersaufen lassen.
Durchatmen. Ruhig bleiben. Jenes sind zumindest die Dinge, die ich vielleicht täte, würde ich mich meinem Hass hingeben. Genau das war allerdings ausgeschlossen. Durfte nicht sein. Kam gar nicht in Frage. Fertig.
"Nachvollziehen... doch, nachvollziehen kann ich es. Aber das macht die begangenen Fehler, die ich dabei sehe, nicht besser. Vor allem nicht, wenn stur auf ihnen bestanden wird. Ich könnte auch manchmal noch ganz anders, wenn ich immer bloß täte, wonach mir ist, aber dann wäre ich nicht Paladin und ich könnte mir selber nicht mal ins Gesicht sehen."
"Dann müssen wir wahrlich ein unerträglicher Anblick sein."
"Wer redet dabei denn von euch?" Innerliches Ächzen, verbunden mit dem Gefühl, ich sage mal wieder nur falsches, wenn ich... 'einfach so' rede und dabei nur an dem schmalen Grat entlang tänzel, Eingeständnisse von mir selber zu machen. Es ist deplatziert hier und kommt überhaupt nicht an. Sinnlos. Aber was ich stattdessen sagen soll, weiß ich langsam auch nicht mehr.
"Wir sind keine Ritter Milady ... wir sind nur Angestellte... wir sind nicht mit Tugenden aufgewachsen, wir haben nicht mit ihnen gelebt, wir sind froh überhaupt überlebt zu haben. Und das gelang sicher nicht, weil wir ... nun ... 'angeklopft' haben?"
"Was verbergen die beiden eigentlich noch alles vor mir?"
"Shaya, mir ist mehr als bewusst, dass es längst nicht alle Personen im Haus sind, die Ritter wären oder sich auch nur zuverlässig ritterlich benähmen... - richtig, ihr seid 'nur' Angestellte.
Aber das, was das Haus als Gesamtes nach außen präsentiert, soll nach unserem Wunsch und Willen eine Gemeinschaft sein, von der die Menschen im Allgemeinen guten Grund haben, zu sagen, daß dort 'anständige Menschen' leben. Und nicht:
'Ja, die Hausherrin ist eine Paladina, und die kann manchmal auch ganz schön bissig sein, aber nimm dich bloß vor der Haushälterin in acht, wenn du der gegenüber ein falsches Wort sagst, lauert sie dir hinter der nächsten Ecke auf und prügelt dich windelweich. Und die kleine Rothaarige, die tut bloß immer so freundlich, aber ist ein durchtriebenes Aas, und der Rotzbengel da hinten, der hat letztens glatt meine Katze ersäuft, nur weil das arme Tier ihm von links nach rechts vor den Füßen längs lief...'
Eigentlich dachte ich, wenigstens davon ausgehen zu können, daß seine Hoheit und ich im Benehmen trotz unserer eigenen menschlichen Schwächen auch vorbildlich genug wären, daß man uns vertrauen kann, wenn es darum geht, im rechten Maße unseren Feinden zu begegnen... Wisst Ihr, Leah liegt zufällig nicht nur Savea und Euch am Herzen."
"Vielleicht würde dieses ständige Verfluchen, Entführen oder Kinder anderorts aufwachsen lassen müssen ja aufhören, wenn man eben genau so denke würde, wie Ihr es aufzähltet."
"Ach, und das wär schön... wenn man so über uns denken würde?"
Ich merkte mein innerliches in die Knie gehen. Shaya lächelte schief, aber ich konnte absolut nichts Lustiges daran finden. Ja, natürlich tat es mir unsäglich leid darum, dass jeder in unserem Haus zur Zielscheibe wurde, weil... er zum Haus gehörte. Zu uns gehörte. Wie früher Rafael und ich die Zielscheiben waren, um Adrian zu schaden. Die Alternativen waren, ein Verbund an Individuen zu sein, die füreinander nicht verantwortlich zu machen waren...
und dann konnte man das Ganze in meinen Augen auch gleich lassen. Ein Haus hielt zusammen. Oder nicht. Wenn sie nicht entführt, verflucht und bedroht werden wollten, mussten sie Abstand von uns nehmen, denn letztlich waren das Ziel wir. Und sie, weil sie unsere Stützen waren.
Einer dieser Momente, in denen das Begreifen, was das Böse versuchte, in einer Komplexität über mich hereinstürzte wie eine ertränkende Woge.
Ich konnte die Einsamkeit vorziehen, aber dann hätten sie ebenso gewonnen. Ich konnte versuchen, sie nicht zum Guten hin erziehen zu wollen, dann hätte das Böse freie Bahn. Ich machte mich ihnen selber unlieb, wenn ich sie mit Händen und Füßen zu bewegen versuchte. Es sind diese Momente, in denen ich mich einsam fühle.
"Beschreitet den Weg der Tugenden, denn Euer Vorbild ist es, dem die Menschen künftig folgen sollen", hallten mir Lucenius' Worte durch die Erinnerung, als es in der Schwertkrypta galt, den zeremoniellen Weg durch die Räume der Tugenden zu gehen.
Da waren nun Menschen, aber sie wollten mir nicht folgen. Wollten nicht verstehen. Es war unbequem. Ich war doch Ritter, das reichte doch, warum sollten sie sich anstrengen... Es war sperrig, so sinnlos wirkend, 'ehrenhaft' sein zu sollen, was war das überhaupt... Nein, wir wollen dir nicht folgen, das ist dein Weg, nicht für uns, diese seltsamen Tugenden sind deine Sache... Da stehen sie und folgen nicht. Ich kann's nicht ändern. Dabei sind sie mein engstes Umfeld. Ernüchternd.
Es sind diese Momente, in denen ich mich fremd fühle.
Aber ich rede immer noch weiter:
"Wir sind eine Gemeinschaft, Shaya. Wir werden als .. zusammengehörend wahrgenommen. Etwas, was... worüber ich mich eigentlich freue und was mich auch ehrt, solange diese Gemeinschaft einen guten Namen hat. Wäre es so, wie Ihr es Euch... 'wünscht', dann... wäre das gleichbedeutend damit, daß wir eben keine Gemeinschaft wären. Dann wären wohl bis auf seine Hoheit, mich, und immernoch unseren Sohn, bald wohl auch Leah, 'unsere' Leute uninteressant für den Feind.
Denn die anderen müssen dann nicht mehr verdorben oder im Glauben zu erschüttern versucht werden - sie sind es ja schon. Fehler begehende Menschen, die man als Finsterling nicht näher beachten muß, denn sie sind der Aufmerksamkeit nicht wert, weil sie Temora oder den Prinzipien der anderen lichten Götter fern genug sind. Womöglich sogar, ohne zu verstehen, warum. Hervorragend...
Wer sich der Gefahr, mit uns in einen Topf geworfen zu werden und auch Teil unserer Werte annehmen zu sollen, entziehen möchte... tja, der sollte dann besser eben nicht unsere Nähe suchen. Denn wir mühen uns nach besten Kräften, unserem Umfeld Vorbild zu sein, zu belehren, aufzuzeigen, wenn nötig auch zu befehlen, um im Gesamten dem Dunkel die Stirn zu bieten. Soll dem allem nicht so sein, tja dann wären wir eben alleine."
Ist es zu spät? Die Nachtstunde ist es jedenfalls.
Es ist makaber, dass ich am nächsten Tag ausgerechnet an einer Fassung des Duellkodex schreibe und dabei im Geiste meine Leute einsortiere...
...da klopft Andreas an die Tür. Mit einem Brief. Savea, die gehörte doch zu meinen Angestellten, nicht?"So mag man unterteilen grob in drei Gesinnungen, welche behilflich sind, zu bemessen ob jemand eines Duelles würdig ist oder eher Vorsicht oder gar strikte Ablehnung anzuraten wären:
- ehrenhaft
Als solche sind die Menschen zu bezeichnen, die die Gebote der Ehre kennen und sich nach besten Kräften bemühen, sie zu achten. Gelegentliche kleinere Ausrutscher sind menschlich, doch alles in allem wisse derjenige seine Ehre stets zu schützen. Von Angehörigen der Oberschicht und des Adels wird natürlich stets ehrenhaftes Verhalten erwartet und somit grundlegend auch von ihrem Umfeld vorausgesetzt, so sie nicht schändlicherweise anderes bewiesen.
- ehrvergessen
Solche Menschen kennen entweder die Gebote der Ehre nicht oder sie ignorieren sie aus Ehrgeiz, Gewinnstreben oder anderen niedrigeren Motiven. Da sie zumindest die Gesetze des Staates respektieren und keine 'schlechten Menschen' sind, kann man sie durchaus achten, allerdings sind sie nicht salonfähig und dürften auch keine höheren Würden erreichen. Angehörige der Unter- und Mittelschicht gelten allgemein als ehrvergessen, doch auch Höherstehende können sich diese Einschätzung durch ihr Verhalten erwerben; ebenso gelten die meisten 'Fremdlinge', d.h. Angehörige anderer Kulturen oder Rassen als ehrvergessen, solange sie nicht durch ihre Taten etwas anderes beweisen. So Ehrhaftigkeit bei Rassen wie Elfen oder Tiefländern auch gegeben sein mag, sollte man davon ausgehen, dass die Duellregeln fremd sind und erst geduldig erklärt werden müssten. Die Gepflogenheiten und Vorstellungen anderer Kulturen von einem "Duell" können sonst für böse Überraschungen sorgen.
- ehrlos
Der Mensch hat durch seine Untaten und gröbste Verstöße gegen die Gebote der Ehrhaftigkeit seine Ehre verwirkt, wenn er denn je welche besessen hat. Oftmals zugleich ein Verbrecher und Feind der Gesetze, lebt er ein Leben bestenfalls als Außgestoßener am Rande der alumenischen Gesellschaft ohne Möglichkeit, an ihren Veranstaltungen auch simpelster Art teilzuhaben. In diese Kategorie fallen klar auch jegliche Feinde des Reiches und des lichten Glaubens, wie Anhänger des Panthers oder des Raben. Auch wenn das rahaler Reich sogenannte "Ritter" vorweisen will, kann jenen keine Ehre zugestanden werden, denn um den Sieg zu erringen, sei ihnen jedes Mittel recht und nie könnte ein unterlegener lichter Streiter mit Gewissheit sagen, ob er nicht das Opfer eines Betruges wurde, um den Beistand der Göttin vom Feinde verhöhnen zu lassen.
Generell sollten Duelle als ehrbare Form der Beilegung von Streitigkeiten nur mit ehrenhaften, selten einmal mit ehrvergessenen und keinesfalls gar mit ehrlosen Personen ausgefochten werden.
Es ist der Brief eines Mädchens, kaum älter als zehn. Eine Reitschule, die Savea auf ihre Qualität hin prüfen sollte, damit ich ruhigen Gewissens darum wüsste, wenn Shaya dort lernen will.
Jetzt krieg ich es selbst von einem Kind schwarz auf weiß, dass Savea gemein ist. Göttin...
"Danke Andreas. Ich kümmer mich da irgendwie drum."
Als er raus ist, zerquetscht meine Hand den Gänsekiel und zerknickt ihn, die Tinte verspritzt sich auf Papier, Boden, Kleidung.