Sieben Adler sollen es sein...

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Eloriahus Drugar

Sieben Adler sollen es sein...

Beitrag von Eloriahus Drugar »

Es hatte mit Sicherheit eine Stunde gebraucht ehe mein Schimpfen und Fluchen abgeebbt war. Aylia hatte mir inzwischen Bandagen um meine aufgeschürften Hände gelegt und die darunter aufgelegte Kräutermischung brannte auf den wunden Handflächen. Meinen Oberkörper, der von sich leicht bläulich färbenden Prellungen überdeckt war, hatte sie sorgfältig mit einer Salbe eingerieben. Der leise Schmerz war jedoch fern und so nahm ich ihn kaum wahr als Karina einmal Mehr mit ihrer Kochkunst überzeugte und ich mich an ihrem Wein gütlich tat. Der köstliche Duft von Krustenbraten und Salzkartoffeln lag mir in der Nase und der schwere Wein vernebelte mir ein Wenig die Sinne.

Zum Vierten Mal war ich seit der Erfüllung meiner letzten Aufgabe bereits wieder in die Berge aufgestiegen gewesen. Sieben ausgewachsene und lebendige Adler hatte die erhabene Ahad gefordert… Sieben? Ausgewachsen und Lebendig? Fünf ihrer Brutstätten hatte ich inzwischen gefunden, außerdem konnte ich mit fester Überzeugung sagen, dass ich Adler hasste. Vor allem nach dem heutigen Tag… Heute hatte mein Aufstieg ein jähes Ende genommen, als sich durch die wieder anziehenden Temperaturen eine Schneelawine gelöst und der halbe Berg ins Rutschen geraten war. Ich hatte meinen Halt verloren und war ein ganzes Eck von den Schneemassen mitgerissen worden. Als ich endlich wieder Halt fand, waren es alleine meine schmerzenden Glieder die mir versicherten noch am Leben zu sein.

Ich schreckte aus meinen Gedanken auf als mir Aylia einen mit Braten und Kartoffeln beladenen Teller vorsetzte und mir einen Kuss auf die Stirn drückte. Leicht benommen sah ich mich in dem Raum um, der Küche und Wohnraum zugleich war, Aylia hatte sich neben mich gesetzt, Karina tobte sich noch in der Küche aus und Ivan saß mir mit einem Grinsen gegenüber. Ivan.. drohend hob ich die Gabel in seine Richtung und öffnete den Mund. Ein Stechen in meinem Rücken lies mich aber sogleich wieder verstummen und auf weitere Drohgebärden verzichten. Also begann ich schweigend zu essen und es schmeckte köstlich…
Eloriahus Drugar

Beitrag von Eloriahus Drugar »

Die Landschaft war in ein dichtes Weiß gehüllt und die Wolken hingen tief am Himmel. Ich war mir sicher, dass der Schneefall bald wieder einsetzen würde, ich roch es förmlich. Würde das der Fall sein, würde ein weiterer Tag ein enttäuschendes Ende finden. So lange hatte ich mich vorbereitet und alle meine bisherigen Versuche waren gescheitert. Ich hatte Karina mit Fragen belagert, Erkundigungen eingeholt, beobachtet und mich an einer geradezu lächerlichen Waffe geübt… einem Wurfholz. Einige Schritt von mir entfernt hatte ich ein einen Pfahl in den Boden getrieben und ein schwarzes Lamm angebunden, meinen Köder.

Ich lag also schon den ganzen Tag am Rand der Ebene auf der Lauer, die sich vor einem der Steilhänge des Gebirges erstreckte. Neben einem Lederwams trug ich ein altes und zottiges Eisbärenfell, das mir gegen die gröbste Kälte helfen und zumindest aus der Luftperspektive nahezu unsichtbar machen sollte. Und dennoch… meine Glieder fühlten sich inzwischen taub an und meine Haut hatte sich leicht bläulichen Gefärbt. Alleine mein Stursinn und mein Glaube hielten mich noch in der lauernden Position, als ich endlich mein Ziel am Himmel ausmachte.

Der Adler drehte seine Bahnen und verschwand für mein Auge immer wieder am trüben Himmel. Das Lamm, mein Köder schien ihn noch nicht bemerkt zu haben, ich aber wusste dass er da war. Vier oder Fünf Tage zuvor hatte ich sein Nest in der Nähe entdeckt und mich als mein Plan stand, jeden Tag aufs Neue auf die Lauer gelegt.

Ich presste meine bläulichen Lippen auf den Talisman, den ich immer bei mir trug und entsandte ein kurzes Gebet an Alatar. Ich würde diesen Adler vom Himmel holen… meine Hände tasteten nach dem Wurfnetz und dem Wurfholz und jede Faser meines Körpers spannte sich an.

Kaum das mein Köder den kreisenden Jäger bemerkt hatte begann es wild zu blöken. Das Lamm versuchte Reiß aus zu halten und wurde von der Kette davon abgehalten. Der Jäger ging in den Sturzflug und fuhr seine Krallen nach der hilflosen Beute aus.

Mein Atem wurde flacher und hielt schließlich an. Die Krallen des Adlers stießen gerade in den dünnen Nacken des Lammes als mein Wurfholz durch die Luft geschleudert wurde und sein Ziel fand. Der Adler taumelte und zog die Krallen aus seiner Beute. Ich schwang mein Wurfnetz, rannte durch den Schnee und ließ das Netz schließlich fliegen.

Der Adler war gefangen und mir wurde unmittelbar bewusst, dass meine Aufgabe damit noch nicht erledigt war. Sieben Adler sollten es sein...
Eloriahus Drugar

Beitrag von Eloriahus Drugar »

Sieben Pfosten hatte ich außerhalb von Düstersee, unmittelbar neben den verbliebenen Gebäuden unseres alten Lagers, in den Boden getrieben. Es war eine schweißtreibende Arbeit gewesen. Durch den anhaltenden und harten Winter war der Boden bis tief ins Erdreich hinein gefroren und es war fast so als würde man Holz in Stein treiben. An jedem Pfosten hatte ich eine Kette befestigt, die wiederum an dem Fuß eines Adlers hing… zumindest war das so gedacht. Ich hatte also sieben Pfosten in den Boden getrieben und auf vier der sieben Pfosten saßen Adler. Es hatte mich viel Geduld und Ausdauer gekostet alleine schon diese Vier zu fangen, aber letztendlich war es notwendig gewesen beides aufzubringen. Ich hatte eine Aufgabe zu erfüllen, eine Aufgabe die noch immer nicht vollends erfüllt war…

Unter meinen Augen lagen tiefe Augenringe als ich an diesem Tag aus dem Waldstück von Düstersee zurückkehrte. Dieser Tage lasteten viele Aufgaben auf meinen Schultern. Da waren zunächst natürlich die Aufgabe die mir die Erhabene aufgetragen hatte und meine Ausbildung, dann war da aber auch der Wachdienst diesem ich nachkommen musste und natürlich auch wollte und schließlich das Haus, dass ich umzubauen und einzurichten hatte. Ich stieß ein müdes Gähnen aus als ich zwischen dem alten Versorgungszelt und dem ehemaligen Haupthaus hindurchging. Weniger Meter von meinen Gefangenen entfernt, warf ich das von mir erlegte Reh in den Schnee. Nicht nur das ich diese nutzlosen Viecher fangen musste, ich musste sie auch noch am Leben halten. Ich hasste Adler…

Ich gönnte mir einen Schluck aus meinem Feldschlauch und hing das Reh dann so auf, dass zwischen ihm und dem mit Schnee bedeckten Boden ein knapper Meter Abstand herrschte. Unter dem leblosen Körper stellte ich eine große Schüssel auf. Warum das gute Blut verschwenden, dachte ich mir… Mit einem Wetzstein bearbeitete ich eine Weile das alte Fleischerbeil und brachte ihm schließlich neue Schärfe bei. Ein kurzer Hieb in das Fleisch und über meine Hand rann das noch warme Blut des Rehs, ehe es dann in die aufgestellte Schüssel tropfte. Bald schon hatte sich die Schüssel mit dem Blut gefüllt und ich konnte mit der eigentlichen Arbeit beginnen. Ich verstand zwar nicht viel vom kochen, aber Sehnen und Muskeln mit einer Klinge zu durchtrennen, dass hatte ich schon immer guter verstanden.
Eloriahus Drugar

Beitrag von Eloriahus Drugar »

Immer schneller schlugen die Hufen auf den eisigen Waldboden. Ich trieb den jungen Hengst durch das dichte Unterholz und lenkte ihn an den zahllosen Bäumen vorbei. Schweiß und Blut lagen auf dem Fell des Tieres, die Augen waren geweitet und sein Atem eiste in der Luft. Ich wusste, dass er dieses Tempo nicht mehr lange durchhalten würde, dass es ihn vielleicht sogar umbringen würde und doch trieb ich ihn nochmal an. In meinem rechten Arm hielt ich, unter einer Leinendecke verborgen, einen Käfig umklammert. Es war mir gelungen einen jungen Adler zu fangen, meinen siebten Adler.

Ich warf einen flüchtigen Blick über meine Schulter und überzeugte mich davon, dass sich die Zahl unserer Verfolger verringert hatte. Es zeichnete sich ein Grinsen in meinen Zügen ab als ich mich wieder umwandte und schließlich meinen Entschluss fasste. In dem Grinsen lag etwas Wahnsinniges... und ich riss die Zügel mit einiger Kraft herum. Der junge Hengst bäumte sich auf und wäre beinahe mit mir gestürzt. Ich sprang aus dem Sattel und lies den Käfig über den moosigen Boden rollen. Der junge Adler protestierte, verstummte dann aber bald wieder. Ich zog mein Schwert mit einem leisen Sirren aus der ledernen Scheide und tat einen Schritt auf die beiden nun heransprengenden Wölfe zu. Noch heute sehe ich es vor mir, ihre Augen glühten rötlich, ihr Fell hatte sich aufgestellt und sie hatten Schaum vor ihren knurrenden Mäulern. Mein Zweihänder wirbelte durch die Luft und hieß sie willkommen… Schwertgesang.

Der erste Wolf wurde von meinem Schwert zur Seite geschleudert, der Zweite hingegen landete auf meinem Brustkorb und presste mir den Atem aus den Lungen. Mit Mühe konnte ich meinen Fuß zwischen uns beide bringen und mich mit einem Tritt von ihm befreien. Schnaufend kam ich auf die Beine und hielt den Knauf meines Zweihänders mit beiden Händen umgriffen. Der Wolf, der meine Klinge gekostet hatte lag zusammengekauert an einem nahestehenden Baum und winselte, eine weite Wunde klaffte an seiner Seite. Mein zweiter Gegner schenkte mir jedoch kaum Zeit durchzuatmen und kam erneut angesprungen. Ich sah die Zähne aufblitzen und roch seinen fauligen Atem, als ich ihm den Schwertknauf an den Kopf prügelte. Wir taumelten beide ein Stück zurück und begangen uns dann unmittelbar zu umkreisen. Der Angriff kam schnell und ich hatte nicht genügend Zeit um zu reagieren. Er war direkt über mir und schleuderte meinen massigen Körper mühelos zu Boden. Erneut spürte ich, wie seine kaum zu bändigende Kraft mir die Luft aus den Lungen presste. Mein Schwert flog zur Seite und ich versuchte ihn nun mit nichts als meinen Händen abzuwehren. Als seine Zähne durch das einfache Leder in mein Fleisch drang, war es als würde ich innerlich brennen. Tollwut… mit der freien Hand fand ich meinen Langdolch und stieß ihm dem tobenden Ungetüm tief zwischen die Rippen. Das Leben wisch nur widerwillig aus meinem Gegner, doch fiel er schließlich über mir zusammen und lies sein gesamtes Gewicht auf mich sacken. Die Welt um mich färbte sich schwarz und ich verlor wohl für eine Weile das Bewusstsein.

Als ich aufwachte dämmerte es bereits. Unter Aufbringung einiger Kraft stieß ich das leblose Untier von mir weg und richtete mich auf. Beide Wölfe waren tot, nur wenige Schritt von mir entfernt graste mein Ross und dort lag er auch der Käfig mit meinem Gefangenen.

Düstersee… ich erreichte Düstersee zwar mit einer gewissen Befriedigung, meine Aufgabe war erfüllt, morgen würde ich die sieben Adler der Erhabenen vorführen. Doch irgendwas brannte da noch immer in mir und trieb mir den Schweiß auf die Stirn… Tollwut.
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