... sind verlassen.
D’r Schnee lässt noch auf sich wart’n…
Ein prüfender Blick geht zum morgendlichen, wolkenverhangenen Himmel hinauf. Blaue Augen mit grünen Sprenkeln, Hinterlassenschaft einer fernen Familie, verengen sich ein wenig zum Schutz vor dem pfeifenden, kalten Wind.
Aber d’r Wind kündigt’n an. ’S is neymer weit.
In die Breite gewachsene Hände in Kettenhandschuhen umklammern mit einem Knirschen den langen Stiel der Kriegsaxt fester, der Blick gleitet langsam und akribisch über die bewaldete Umgebung, hinter der sich fast zögerlich steinerne Ruinen erheben.
Es gibt doch nichts Schöneres, als schon in aller Frühe ein paar Knochen unter Geklapper zu Boden zu bringen. Mit einem tiefen Sog zischte die klirrende Luft durch Fionas Nase und erfüllte nur Sekundenbruchteile darauf frisch ihre Lungen, bevor die Angure mit großen Schritten losstürmte.
Die Gestalt, welche nun durch lautstark knackendes Unterholz brach und sich mit seitlichen, kurzen Hieben einen Weg durch das Gestrüpp Richtung Skelettruinen bahnte, hatte in den letzten Jahren ihre Schmächtigkeit verloren und war deutlich in die Höhe gewachsen. Auch die Schultern zeigten inzwischen eine stattliche Breite, doch aus ihnen ragte der teilweise durch Fell verdeckte Hals noch immer etwas schmal heraus. Auf diesem saß ein großer Schädel, der in der schmäleren Gesichtspartie nur noch Spuren ehemaliger kindlicher Züge zeigte und dennoch die Blüte der Jugend, in der sich Fiona befand, keineswegs verleugnete.
Dieselbe trug in dem Augenblick eine Fratze der Entschlossenheit und öffnete den Mund zu einem dröhnenden Schrei, der ihre Gegner sicherlich zur Flucht bewegt hätte, würde ihnen nicht der fleischige Aufsatz ihrer Gehörknochen fehlen.
CHUGAINN!
Während die schwungvollen Axthiebe rechts und links bloße Rippen brachen, Gelenke entzweiten und Hüften zerschmetterten, konnten die Gedanken im Angurenschädel langsam ihre Fäden ziehen und Fiona diese, wenn sie wollte, wie einen Feldweg verfolgen.
Noch etwas hatte sich verändert: sie fing an, ihre Waffen besser zu beherrschen und vollzog endlich nach, was die Krieger ihres Volkes bei einem Kampf fühlten. Sie spürte die Befreiung der Sinne durch die Entfesselung aller körperlichen Kräfte - und es gefiel ihr.
Wieder durchflutete Luft mit tiefen Schnaufgeräuschen ihre Atemwege und erfrischte ihre gesamte Physis dadurch. Langsam bekam sie wieder ihren normalen Blick zurück, der ihr nach den wirren Schemen und Farben, welche sie während eines Kampfes stets umgaben, Übersicht verschaffte. Ihre Gestalt allein erhob sich hoch über die übrigen Knochenhaufen.
Und das war auch schon der schmerzliche Punkt ihrer Tage: Allein.
Keine große Schwester, die mit ihrer Axt wie ein Schutzschild zwischen ihr und den Gefahren der Welt steht.
Kein Rí, der sich zu ihr hinunter begab und vertrauensvoll mit ihr spricht.
Kein Mimir, der ihr immer neue Mischungen und Zutaten für natürliche Tinkturen zeigte, der ihr die schwer verständlichen Dinge der Welt in einfachen Worten erklärte.
Kein Krieger, der sich Zeit nahm, die junge Angure weiter in das Handwerk der Axt oder des Bogens einführte.
Kein Angure, der sich viel mit ihr abgab.
Und wieso stand auch das Wohngut von „Ifhn“ leer? Ihn würde Fiona bei der passenden Frage wohl wirklich einen Freund nennen - cara. Doch momentan gab es auch ihn nicht, nicht in ihrem Wissen.
Eine leise Stimme schlich sich in den großen Angurenkopf.
„’N Pfad, wenn’r verschneit ist, den geht kein’r, der kein Amadán ist. Allein geht man neymals in’n Schnee.“
Ein kehliges Brummen tönte aus ihren zusammengepressten Lippen und kommentierte den klugen Spruch mit Unwillen. Hatte sie sich das etwa ausgesucht, keinen mehr zu haben, der an ihrer Seite verweilen wollte? ’S war doch ney mein Wunsch.
Und doch stand sie allein. Bald würde sich auch der Schnee zur Vervollkommnung dazugesellen und jene Worte unterstreichen.
Die langstielige Axt sauste zornig erneut auf einen Knochenhaufen nieder, der sich schon ohne ihr Zutun mehrere Augenblicke nicht mehr regte, und blieb stecken, wo sie war.
Diese Überbrückung reichte aus, dass Fiona zu einem weiteren Gedanken kam.
Iantoras.
Ein neuer Bekannter, den sie allzu gerne Freund nennen wollte. Doch war er dass wirklich?
Er hatte sie zu sein Volk nach Wulfgard eingeladen – an die Aussprache dieses seltsamen Namens wagte sie sich gar nicht erst ran. Die Thyren lebten dort.
Wenig wurde bei den Anguren von jenem Volk gesprochen, wohl wussten nur wenig wirklich über sie Bescheid. Doch die junge Wundheilerin der Anguren dachte fest daran, mehr über Iantoras Leute herauszufinden – er hatte sie schon sehr neugierig gemacht. Und seinen Worten nach zu Urteilen benötigten die Ärmsten dringend einiger Erklärungen über das wahre Wesen des Volkes Fionas.
Wieder drang eine ferne Stimme in ihr Bewusstsein und entfaltete seinen Lehren hinter ihrer Stirn.
„’N Pfad, wenn’r verscheint is, is neymer gut zu seh’n. D’musst immer aufpass’n, wohin d’trittst. Erst wenn’d siehst, dass’r dich trag’n wird, gehst mit’m ganzen Gewicht drauf - gomaith?“
Die Weisheit sprach von nötiger Vorsicht.
Fjona, pass auf dein’n Mund auf! D’kannst tieaf fall’n…
Leiser Zweifel lies sie ihre leichte Axt auf die Schulter heben und sich wieder in Richtung des ruinösen Grenzpostens, welches sie momentan noch Heim nannte, in Bewegung setzen.
Sie wusste noch nicht, ob sie der Einladung folgen würde. Doch Neugier und Vertrauen in den neuen Freund, einer, der ihr endlich etwas mehr Aufmerksamkeit schenkte als sonst jemand, stritten mit der kleinen Stimme ihres vernünftigen Hinterkopfs.
Fiona - Verschneite Pfade
-
Greneva Caillon
... verlangen dir viel ab.
I. Alte Feinde, neue Freunde?
Reichlich gerädert suchte sich Fiona durch den unübersichtlichen, wilden Wald Lameriasts den Weg zurück zum Schiff.
Sie war der Einladung Iantoras’ gefolgt und hatte dessen Volk kennen gelernt. Im Nachhinein jedoch schien der Abend keine gute Idee gewesen zu sein…
Die jüngeren der Thyren hatten sie freundlich und neugierig aufgenommen, die Älteren zeigten mehr Misstrauen. Dennoch duldete man die junge Angure in Wulfgard, die sich doch erstaunlich gut aufführte – wie auch sonst, unter den strengen Augen vieler thyrischer Krieger – und gar eine Aufmerksamkeit für die Aufnahme mitbrachte.
Sie beredeten die Unterschiede ihrer Völker, ihre Berufungen und die seltsame Einschätzung der Festländer eines fremden Volkes. Es hätte durchaus noch ein längerer Abend, der friedlichen Verständigung werden können, doch beendete der thyrische Rí diesen vorzeitig mit einem sauberen Schnitt.
Fiona hatte keinen Schimmer, welche Worte der Ablehnung Bernulf genau sprach, doch sein Tonfall war deutlich. Aus der Ausbildung wusste sie, wann der Kämpfer einen Schritt zurück machen musste – und so verlies sie Wulfgard. Unter Enttäuschung. Auch unter Schmach.
Warum war ihr die gute Beziehung zu den Thyren überhaupt wichtig?
Wieso hatte sie sich für Ian so bemüht, die rauen Sitten der Angurer auch in Wulfgard nicht auszuleben? Sie hatte sich genauso respektvoll und friedlich verhalten, wie stets in Rahal.
Alles andere bedeutete nichts Gutes.
Das hatte der frühzeitige Weg ihrer Schwester zu den Ahnen verdeutlicht.
Sarahlain… gib me dein’n Mut, dein’ Kraft. ’Ch bleib imm’r allein z’rück.
„’Ch will z’Rahal z’rück.", murrte sie dem Navigator zu und begab sich unter Deck, wo sie sich stehend gegen jede Welle stemmte, bis das Schiff erneut einlief. Ein eiliger, fester Schritt führte sie, ohne mit jemandem zusammenzutreffen, in das ‚provisorische’ Heim, welches sie noch immer mit anderen Anguren bewohnte: der elende Grenzposten. Ihr Gesicht verzog sich gar vor Ekel, als sie diesem näher kam.
In Wirklichkeit lag das Ziel ihres Herzens viel weiter weg.
Berge und Massen an Schnee.
Trahern.
Die toten, wie die lebendigen Mitglieder ihres Clans.
Die Schwester. Die Eltern und der Bruder.
MacAgrona. Fiona nannte die Bezeichnung zwar stets stur ihrem Vornamen folgend,
und doch durfte sie sich vor den Ahnen nicht so bezeichnen.
Se verfluch’n me, weil’ch noch imm’r n Kilt von damals trag.
Diese Einsicht trug nicht gerade zu einer guten Laune bei. So holte die Angure sich nur ihre langstielige Kriegsaxt aus der bevölkerten Ruine und verlies das verfallene Gebäude sofort wieder, um den Zorn an einem toten Baum auszulassen. Die Späne, welche dabei fallen würden, könnte sie durchaus brauchen.
N’Pfad, selbst wenn’r verschneit is, darf man neymals verlass’n.
N Schritt daneb’n kann d’n Tod bedeut’n.
Vergiss ney, woher d’kommst!
Wieder meldete sich die Stimme in Fionas Hinterkopf. Alte Weisheiten aus alten Zeiten.
’Ch werd ney vergess’n woher’ch bin. Aber selbst veränder’ch me doch. …
Das laute Hacken der Axt und das Splittern des Holzes war einige lange Stunden durch den Wald zu hören und hörte erst abrupt auf, als tiefe Dunkelheit sich im Wald breit machte.
I. Alte Feinde, neue Freunde?
Reichlich gerädert suchte sich Fiona durch den unübersichtlichen, wilden Wald Lameriasts den Weg zurück zum Schiff.
Sie war der Einladung Iantoras’ gefolgt und hatte dessen Volk kennen gelernt. Im Nachhinein jedoch schien der Abend keine gute Idee gewesen zu sein…
Die jüngeren der Thyren hatten sie freundlich und neugierig aufgenommen, die Älteren zeigten mehr Misstrauen. Dennoch duldete man die junge Angure in Wulfgard, die sich doch erstaunlich gut aufführte – wie auch sonst, unter den strengen Augen vieler thyrischer Krieger – und gar eine Aufmerksamkeit für die Aufnahme mitbrachte.
Sie beredeten die Unterschiede ihrer Völker, ihre Berufungen und die seltsame Einschätzung der Festländer eines fremden Volkes. Es hätte durchaus noch ein längerer Abend, der friedlichen Verständigung werden können, doch beendete der thyrische Rí diesen vorzeitig mit einem sauberen Schnitt.
Fiona hatte keinen Schimmer, welche Worte der Ablehnung Bernulf genau sprach, doch sein Tonfall war deutlich. Aus der Ausbildung wusste sie, wann der Kämpfer einen Schritt zurück machen musste – und so verlies sie Wulfgard. Unter Enttäuschung. Auch unter Schmach.
Warum war ihr die gute Beziehung zu den Thyren überhaupt wichtig?
Wieso hatte sie sich für Ian so bemüht, die rauen Sitten der Angurer auch in Wulfgard nicht auszuleben? Sie hatte sich genauso respektvoll und friedlich verhalten, wie stets in Rahal.
Alles andere bedeutete nichts Gutes.
Das hatte der frühzeitige Weg ihrer Schwester zu den Ahnen verdeutlicht.
Sarahlain… gib me dein’n Mut, dein’ Kraft. ’Ch bleib imm’r allein z’rück.
„’Ch will z’Rahal z’rück.", murrte sie dem Navigator zu und begab sich unter Deck, wo sie sich stehend gegen jede Welle stemmte, bis das Schiff erneut einlief. Ein eiliger, fester Schritt führte sie, ohne mit jemandem zusammenzutreffen, in das ‚provisorische’ Heim, welches sie noch immer mit anderen Anguren bewohnte: der elende Grenzposten. Ihr Gesicht verzog sich gar vor Ekel, als sie diesem näher kam.
In Wirklichkeit lag das Ziel ihres Herzens viel weiter weg.
Berge und Massen an Schnee.
Trahern.
Die toten, wie die lebendigen Mitglieder ihres Clans.
Die Schwester. Die Eltern und der Bruder.
MacAgrona. Fiona nannte die Bezeichnung zwar stets stur ihrem Vornamen folgend,
und doch durfte sie sich vor den Ahnen nicht so bezeichnen.
Se verfluch’n me, weil’ch noch imm’r n Kilt von damals trag.
Diese Einsicht trug nicht gerade zu einer guten Laune bei. So holte die Angure sich nur ihre langstielige Kriegsaxt aus der bevölkerten Ruine und verlies das verfallene Gebäude sofort wieder, um den Zorn an einem toten Baum auszulassen. Die Späne, welche dabei fallen würden, könnte sie durchaus brauchen.
N’Pfad, selbst wenn’r verschneit is, darf man neymals verlass’n.
N Schritt daneb’n kann d’n Tod bedeut’n.
Vergiss ney, woher d’kommst!
Wieder meldete sich die Stimme in Fionas Hinterkopf. Alte Weisheiten aus alten Zeiten.
’Ch werd ney vergess’n woher’ch bin. Aber selbst veränder’ch me doch. …
Das laute Hacken der Axt und das Splittern des Holzes war einige lange Stunden durch den Wald zu hören und hörte erst abrupt auf, als tiefe Dunkelheit sich im Wald breit machte.
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Greneva Caillon
... denn sie verlaufen nicht gerade und sicher.
II. Wiederkehr des Volks im Eis
Der Zwiespalt im jungen, angurischen Dickschädel Fionas hielt an.
Ein neues Treffen mit Thyren, vieleher mit einer Thyrin, Jora, brachte neues Licht in den Sachverhalt Thyren-Anguren. Soviel, erkannte Fiona, war ähnlich oder gleich. Fast neigte sie gar dazu zu sagen, die Völker sind nur ein Volk und Thyren nur ein anderer Clan.
Lästerung! rief ihr Herz.
Dennoch wollte sie die guten Personen des anderen Volkes nicht missen. Sie hatte ja das Picknick mit Jora genossen und freute sich auf folgende Treffen, um die sich das jüngere Mädchen bemühen wollte. Bernulf hatte das zu entscheiden.
…
Unterdessen könnte Fiona die Zeit nutzen, um ihren Kräutervorrat aufzustocken, ehe die Schneewehen hereinbrachen und jene bis zum Frühling unnutzbar unter eisigem Weiß konserviert sein würden. Vorallem seltenere Pflanzen waren daher in ihrem Interesse.
So führte ihr Weg sie auf die Insel Fuachtero, dick eingepackt und mit einem größeren Proviant und einem leeren Umhängebeutel zum Sammeln.
Ihre Hoffnung galt auch dem Treffen einiger neuer Bewohner der Insel, Anguren aus anderen Teilen der Welt, auf welche sie wirklich gespannt war.
Tagelang, wochenlang verblieb sie auf der Insel. Suchte die Ebenen mittig der Insel nach Kräutern ab, durchstöberte die Wälder im Norden und im Westen, erforschte die Ressourcen der Höhlen – alles wurde im letzten Jahr nur wenig belastet, sodass Fiona auf größere Lagerungen stieß.
Schließlich warfen auch die Eisschlangen und Trolle, denen sich die erstarkende Angure ebenfalls stellte, rare Mittel ab, die sie gebrauchen konnte. Sorgfältig suchte sie sich ihre Gegner aus, um diese zu erlangen. Die Ungeheuer sollten nicht ihre Kräfte übersteigen.
Während dieser Zeit brach der Winter gänzlich über das Land herein. Fiona roch die erste große Schneewehe schon am Tag, bevor sie eintraf und das Tiefland Fuachteros mit einer dicken, weißen Decke belegte. Die Kräuterzeit war endgültig vorbei und ihr Bestand nur mäßig groß. Hoffentlich würde es für’s Erste reichen..
„N Pfad, der v’rschneit is, geht ney gerad un’ eben. Er macht Umweg’, führt’m Kreis un’ trägt d’ch üb’r Abgründe od’r auf eis’ge Bergspitz’n.“
…meldete sich erneut die Stimme aus einer vergessenen Zeit in Fionas Kopf.
So war es wohl auch. Es hatte gewiss seine Gründe, warum ihr Weg sie wieder nach Fuachtero zurückgebracht hatte. Und das Gleiche geschah auch mit anderen Anguren. Mehrere kamen über die Sommermonate zurück und richteten sich unter der großen Hoffnung, Fuachtero würde wieder für seine Bewohner sorgen, in dessen Tiefland ein.
In ihrer Bekanntschaft gab es neue Gesichter, die ab nun an ihrer Seite ihr Leben fristeten und denen sie allzu gern beim gemeinsamen Überlebenskampf half.
Da waren Thore von den MacBryde, Domarr und Lloyd von den MacDomhnall oder Caelan von den MacLeerson.
Nach langer Zeit war Fiona wieder halbwegs zufrieden; doch die Sicherheit, dass alles so blieb, fehlte.
II. Wiederkehr des Volks im Eis
Der Zwiespalt im jungen, angurischen Dickschädel Fionas hielt an.
Ein neues Treffen mit Thyren, vieleher mit einer Thyrin, Jora, brachte neues Licht in den Sachverhalt Thyren-Anguren. Soviel, erkannte Fiona, war ähnlich oder gleich. Fast neigte sie gar dazu zu sagen, die Völker sind nur ein Volk und Thyren nur ein anderer Clan.
Lästerung! rief ihr Herz.
Dennoch wollte sie die guten Personen des anderen Volkes nicht missen. Sie hatte ja das Picknick mit Jora genossen und freute sich auf folgende Treffen, um die sich das jüngere Mädchen bemühen wollte. Bernulf hatte das zu entscheiden.
…
Unterdessen könnte Fiona die Zeit nutzen, um ihren Kräutervorrat aufzustocken, ehe die Schneewehen hereinbrachen und jene bis zum Frühling unnutzbar unter eisigem Weiß konserviert sein würden. Vorallem seltenere Pflanzen waren daher in ihrem Interesse.
So führte ihr Weg sie auf die Insel Fuachtero, dick eingepackt und mit einem größeren Proviant und einem leeren Umhängebeutel zum Sammeln.
Ihre Hoffnung galt auch dem Treffen einiger neuer Bewohner der Insel, Anguren aus anderen Teilen der Welt, auf welche sie wirklich gespannt war.
Tagelang, wochenlang verblieb sie auf der Insel. Suchte die Ebenen mittig der Insel nach Kräutern ab, durchstöberte die Wälder im Norden und im Westen, erforschte die Ressourcen der Höhlen – alles wurde im letzten Jahr nur wenig belastet, sodass Fiona auf größere Lagerungen stieß.
Schließlich warfen auch die Eisschlangen und Trolle, denen sich die erstarkende Angure ebenfalls stellte, rare Mittel ab, die sie gebrauchen konnte. Sorgfältig suchte sie sich ihre Gegner aus, um diese zu erlangen. Die Ungeheuer sollten nicht ihre Kräfte übersteigen.
Während dieser Zeit brach der Winter gänzlich über das Land herein. Fiona roch die erste große Schneewehe schon am Tag, bevor sie eintraf und das Tiefland Fuachteros mit einer dicken, weißen Decke belegte. Die Kräuterzeit war endgültig vorbei und ihr Bestand nur mäßig groß. Hoffentlich würde es für’s Erste reichen..
„N Pfad, der v’rschneit is, geht ney gerad un’ eben. Er macht Umweg’, führt’m Kreis un’ trägt d’ch üb’r Abgründe od’r auf eis’ge Bergspitz’n.“
…meldete sich erneut die Stimme aus einer vergessenen Zeit in Fionas Kopf.
So war es wohl auch. Es hatte gewiss seine Gründe, warum ihr Weg sie wieder nach Fuachtero zurückgebracht hatte. Und das Gleiche geschah auch mit anderen Anguren. Mehrere kamen über die Sommermonate zurück und richteten sich unter der großen Hoffnung, Fuachtero würde wieder für seine Bewohner sorgen, in dessen Tiefland ein.
In ihrer Bekanntschaft gab es neue Gesichter, die ab nun an ihrer Seite ihr Leben fristeten und denen sie allzu gern beim gemeinsamen Überlebenskampf half.
Da waren Thore von den MacBryde, Domarr und Lloyd von den MacDomhnall oder Caelan von den MacLeerson.
Nach langer Zeit war Fiona wieder halbwegs zufrieden; doch die Sicherheit, dass alles so blieb, fehlte.