Schmerz und Verzweiflung - Der Weg zum Erfolg

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Tarja Thyrmon

Schmerz und Verzweiflung - Der Weg zum Erfolg

Beitrag von Tarja Thyrmon »

Es machte mich wahnsinnig. Die Kopfschmerzen ließen langsam nach, wenn ich mit dem Lied spielte und es formte, aber meine Erinnerungen kamen einfach nicht zurück. Ich wusste, irgendein Teil meines Lebens fehlte mir. Die Art und Weise, wie der Magister alles daran setzte, dass ich mich erinnerte zeigte es mir jedes Mal wieder.

Ich war wütend. Wütend über mich selbst und über ihn. Ich wusste nicht, wen von beiden mehr Wut traf. Ich musste mein Gesicht wahren und konnte über keinen der Schatten springen, die mich umgaben. Die Berührung rief unzählige Erinnerungen hervor, die mich quälten, meine Seele folterten und meine Sinne betäuben ließen. Ich wollte raus. Raus aus diesem Chaos. Ich wollte mich dem Drang hingeben zu töten und dennoch war mein Geist zu verwirrt, als das ich mich hätte konzentrieren können. Also zog ich es vor, mich auf mein Zimmer zurückzuziehen. Ein wenig Schlaf würde dem Ganzen Abhilfe schaffen.

Es musste tiefste Nacht gewesen sein, als ich mich schweißnass im Bett gewälzt hatte. Ein unterdrückter Schrei riss mich aus meinen Träumen und ließ mich senkrecht im Bett aufsitzen. Ich lokalisierte meine Umgebung und versuchte mich auf die Dunkelheit zu konzentrieren, um etwas zu sehen. Mit einem kurzen und schmerzlosen Eingriff ins Lied entfachte das Feuer meiner umliegenden Kerzen und tauchten die Dunkelheit zumindest ein wenig in Licht. Ich strich mir die verschwitzten Haarsträhnen aus dem Gesicht und nahm erstmal einen tiefen Atemzug. Meine Hände zitterten und ich ließ mich wieder auf das Bett zurück sinken. Ich hatte mein Ziel erreicht. Das Ziel, welches ich immer erreichen wollte. Aber das es mich so viel Kraft kostete, das war mir nicht bewusst gewesen. All die neu dazu gewonnene Macht, die verschiedenen Facetten, die absolut neu für mich waren, sie fingen an einen inneren Kampf mit mir zu vollziehen. Leise Stimmen überall, die mir irgendwas in die Ohren flüsterten. Ich stand grundsätzlich unter Strom, um mich dagegen zu wehren.
Mit einem Ruck schob ich mich zum Ende meines Bettes und stand auf. Meine Augen verengten sich und ich war mir meiner sicher. Ich würde mich nicht beeinflussen lassen. Mechanisch erhob ich mich und ging auf den Tisch zu. Ich riss den Kopf in den Nacken und drehte ihn einmal nach rechts und einmal nach links. Ich hörte das Knacken und war fast schon zufrieden. Nachdem ich mein Hemd ausgezogen und zur Seite geworfen hatte und mit nacktem Oberkörper vor dem Tisch saß zog ich all die Utensilien zu mir, die ich brauchte. Eine Nadel war einfach zu finden und schwarze Tusche hatte ich zu genüge. Ich besah mir den blassen Arm und zog die Luft ein. Es sollte also beginnen.

Ich bin die Macht, die im Dunkeln dir deine Träume stiehlt.

Der erste tiefe Stich war der schmerzvollste und die Tusche brannte in der Wunde. Aber ich war mir sicher, dass ich diesen Schmerz aushalten musste. Ich würde mir selbst Narben zufügen, die zu einer wunderbaren Zeichnung würden. Meine Narben waren fort. Drei Stück auf dem Schulterblatt, den Erinnerungen an den Schmerz bin ich nicht entkommen.
Ich bin der Wind, der den Schmerz in deine Seele sät.
Ich besah mir meinen rechten Arm, während ich mit der linken weiter meine Zeichnungen malte. Der Schmerz ließ meine Adern pulsieren, aber das war mir gleichgültig. So lernte ich dem Schmerz zu widerstehen und mit ihm umzugehen. Und es betäubte den Rest meiner Gedanken.
Ich bin die Lust, die im Spiegel mit deinen Tränen spielt.
Ich war etwas anderes. Ich war nicht mehr das, was ich vielleicht einmal war. Ich zog meinen Nutzen aus dem, was ich bekommen konnte. Und ich bekam alles, was ich wollte. Oder etwa nicht? Ich setzte alles daran, dass ich das bekam, was ich haben wollte. Und wie man gesehen hatte, es war so geschehen. Respekt musste man sich verdienen und das ist, war und würde auch immer so sein. Ich spürte meinen Arm vor lauter Schmerz kaum noch.
Ich bin dein Schatten, der dir folgt wohin du gehst.
Meine Mundwinkel rückten empor. Ohja, ich war wie ein Schatten und ich verfolgte einen Jeden, der mir nicht das erfüllte, wonach ich mich sehnte. Ein letzter Stich erfolgte, dann war mein Gemälde fertig. Ranken, die ein festes Gerüst darstellten. Das Gerüst des Ordens, welches sich nicht zerrütten ließ. Es war wahr. Ein anderer Wind wehte. Ein Wind, der lange nicht mehr durch den Orden wehte und ich spürte selbst das potenzielle Ansteigen der Macht.

Ich wischte die letzten Blutreste ab und nickte zufrieden. Der Arm war erstmals noch angeschwollen, aber das kühle Wasser würde seinen Rest tun. Schmerz und Verzweiflung war die beste Möglichkeit um zu lernen. Und auch die effektivste Art und Weise. Wer schon einmal verzweifelt war wusste, wovon ich sprach. Und jeder, der es noch nicht war, sollte es lernen.

Und so zog ich mir mein Hemd über den Körper und hüllte mich auf magischem Wege in meine Robe, um meinen Weg fortzusetzen. Heute war ich noch auf der Suche nach etwas, was meine Gier befriedigen sollte. Ich hatte meine Seele wieder - und sie war schwärzer als zuvor.
Tarja Thyrmon

Beitrag von Tarja Thyrmon »

Disziplin, Strenge und Ordnung

Der Nachmittag mit den neuen Schülern hatte mich genügend Nerven gekostet, so dass ich mir in Windeseile eine Bestrafung für jeden einzelnen ausdachte. Sich in der Öffentlichkeit aufzuführen wie zwei Waschweiber, denen man gerade einen ihrer Waschkörbe vor der Nase weg geklaut hat, war nicht gerade das, was den Orden als diesen repräsentierte. Aber sie waren jung, sie konnten lernen. Und mit der nötigen Strenge würde sie die Disziplin in die Schäfchen schon einprügeln. Nur so konnte es zu der Ordnung kommen, die am Orden nötig war.

Die Bestrafung an und für sich war recht einfach. Die Eingangshalle musste sauber gemacht werden und das traf Calaels Aufgabenbereich. Natürlich bekam er hierfür die passende Ausrüstung. Ich hoffte für ihn, dass er diese recht sanfte Bestrafung zu schätzen wusste, denn es hätte ihn weitaus schlimmer erwischen können. Gehorsam war eines. Wir waren hier keine Versammlung, die sich einen Spaß daraus machte, den anderen bestmöglich niederzumachen sondern ein Orden, der den Zusammenhalt schätzen sollte, denn aus dem Zusammenhalt ergab sich eine noch viel größere Macht. Und genau das sollten … mussten sie erkennen.

Disziplin. Warum wusste keiner mehr um jenes Wort und dessen Gegebenheiten?
Disziplin gab es in mehreren Ausführungen. Zum einen sprach man von der Selbstdisziplin oder auch der Selbstbeherrschung. Dies bezeichnete ein stetiges und eigenkontrolliertes Verhalten, welches einen Originalzustand aufrecht erhielt. Selbstbeherrschung bedeutete auch, dass man für die logischen Konsequenzen der eigen auferlegten Richtlinien die Rechnung zu tragen hat.
Gehorsam – und das war am Orden ausschlaggebend -, das prinzipielle Befolgen von Geboten oder Verboten. Gehorsam bedeutet die Unterordnung unter den Willen einer Autorität oder auch das Befolgen eines konkreten Befehls, die Erfüllung einer Aufgabe oder das Unterlassen von etwas Verbotenem.
Wir erwarten von unseren Schülern und Ordensmitgliedern sowohl militärischen als auch solidarischen Gehorsam. Dies beinhaltet sowohl das strikt erzwungene Befolgen von Befehlen und Anordnungen wie auch das sich einfügen in die Gruppe aus Loyalität.
Aber warum waren sich mittlerweile selbst die höheren Magier nicht mehr bewusst darüber, was es sich mit jener Disziplin auf sich hatte?

Seufzend schloss ich die Augen und ließ den gestrigen Abend nochmals durch meinen Kopf gehen. Der Maestra war nichts verborgen geblieben, dem war ich mir bewusst. Die beiden Zöglinge des Ordens traf die wenigste Wut, die sich in mir barg. Vielmehr brannte die Wut über sie. Eine höherrangige Magierin, die sich ihrem Rang bewusst sein sollte und mit ihrem Verhalten den Neuen ein Vorbild sein sollte. Stattdessen sorgte sie dafür, dass das Gerüst des Ordens wackelte – jedes Mal wieder, indem sie anfing, sich aufzulehnen. Wo sollte das hinführen? Wie lange würde es brauchen, bis auch sie ihre Position erkennen würde? Mussten die Strafen verschärft werden oder würden endgültig die richtigen und eindringlichen Worte reichen? Mit einem Blick, einem Eingriff ins Lied wurde der Tisch vor meinen Augen leer gefegt. Nichts, nicht einmal mehr das kleinste und unscheinbarste Staubkorn lag noch dort. So blieb mir nur zu hoffen, dass unter den Schülern soviel Disziplin, Zucht und Ordnung und vor allem Verstand vorhanden war, dass sie sich darüber bewusst waren, wem sie sich angeschlossen hatten. Und der Orden war keine Spaßveranstaltung. Das war der Orden noch nie gewesen. Und das würde er nie sein. Macht und Gewalt war eine gute Tugend, wenn man sie in Kombination nutzte. Und wer nicht hören wollte …

… der musste eben spüren. Immer und immer wieder.
Tarja Thyrmon

Beitrag von Tarja Thyrmon »

Aufgaben wider Willens

Die Zeit war reif. Reif dafür, die Neuankömmlinge vor ihre ersten kleineren Prüfungen zu stellen. Sie mussten beweisen, dass sie Aufgaben richtig lesen und umsetzen konnten. Damit fing immer alles an.
Vor ein paar Tagen schon zog ich mich gemeinsam mit meinem - Ehemann (sowas habe ich, wie ich herausgefunden habe und man kann sich vorstellen, dass ich alles andere als begeistert bin - irgendetwas in meinem Leben muss ich wirklich verpasst haben) - zurück, um mir einige Aufgaben einfallen zu lassen. Sie sollten nicht allzu schwierig sein und dennoch hatten sie versteckt hier und da Worte, die sie berücksichtigen mussten. Und wie ich es geahnt hatte, keiner hatte richtig interpretiert.

Nichts desto trotz lag ich auch diese Nacht wieder wach. Calael, einer meiner Zöglinge, hatte eine durchaus interessante Aufgabe bekommen. Ich gab ihm hierfür keine Zeitspanne, da er genau arbeiten muss. Ich habe hohe Erwartungen und ich hoffe für ihn, dass er mich nicht enttäuscht. Nach seinem letzten Essen wird er gelernt haben, dass er von mir nicht noch einmal etwas isst. Auch, wenn ich nicht verstehen kann, warum. Lustig, dass gerade meine Mundwinkel ein Stück nach oben tanzen.

Aber auch gestern war so ein Tag, an dem Bruchteile meiner Erinnerungen wieder zurück kamen. Ich kann es nicht kontrollieren. Wenn ich mich darauf konzentriere ist es so, als wäre auf einmal alles weg, was ich jemals gewusst habe und gerade dann, wenn ich es nicht gebrauchen kann kommen all meine Erinnerungen in gestückelten Scheibchen wieder. Ob mich das nicht wahnsinnig macht? Aber sicher. Nur darf ich mir nichts anmerken lassen. Nicht hier, nicht vor den Schülern. Eine einsame Mauer um mich herum, durch die es kein Durchbrechen gibt. Gute Miene zum bösen Spiel, sowas sagen Eltern doch immer? Eltern.. Erinnerungen, die mir komplett fehlen. Meine erste Erinnerung geht zurück an mein Eintreten in den Orden. Nicht, dass mein Leben zuvor noch bedeutend wäre. Aber das Erinnerungen einfach so fehlen können? Das verwundert schon.

Nichts desto trotz kümmere ich mich um die Schüler. Mirlas' Vortrag war wider Erwartens sehr gut. Ich sehe schon, dass wir diesmal allem Anschein nach hervorragende Schüler an Land gezogen haben, aus denen wirklich noch etwas werden kann. Wir werden sehen. Die Zeit läuft davon und mir juckt es in den Fingern. Der Orden ist lebhafter denn je und damit verbunden ist noch viel mehr Verantwortung.

Fehlt nur noch eine Sache, um den Orden fast zu perfektionieren: Rahal.
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