Die Augen brannten unter dem Flackern der Kerze, als sie zum ersten Mal geöffnet wurden. Das Gefühl, den ersten Atemzug des Lebens wieder in den Lungen zu spüren war eher eine Mischung aus Schmerz und dem unterbewussten erhabenen Gefühl, dass sich etwas regte.
Der Tisch war kalt, auf dem ich lag und an irgendwas erinnerte mich das. Ich versuchte mich darin, die schweren Augenlider zu öffnen. Allerdings scheiterte dies beim mehrmaligen Versuch immer wieder. Es fühlte sich an, als habe sich tonnenschweres Eisen auf meine Lider gelegt und wollten sie geschlossen halten.
Ich spürte, wie mein Körper zum Leben erwachte und der Lebenshauch sich meiner an nahm. Mein Körper erzitterte unter der ansteigenden Macht und ich schlug endgültig meine Augen auf. Die Dunkelheit um mich herum beruhigte mich, auch wenn jegliche weitere Lichtquelle in meinen Augen schmerzte.
Ich versuchte mich aufzusetzen, allerdings konnte ich meinen Körper noch nicht so kontrollieren, wie ich es mir gewünscht hatte. Zu stark war mein Geist noch geschwächt. Ich spürte die Hilfe, die ich bekam und konzentrierte mich auf das Lied. Kopfschmerzen. Zerreißende Kopfschmerzen, die mir die Konzentration immer und immer wieder nahmen. Ich musste mir den Kopf wohl sehr angestoßen haben.
Mein Körper fühlte sich, als hätte ich einen langen Winterschlaf getätigt. Als wäre ich aus monatelangem Schlaf erwacht und auch mein Geist lies mich, selbst nach einer ganzen Weile, immer noch im Stich. Ich wäre nicht Tarja Thyrmon gewesen, wenn ich nicht versucht hätte, meinen Geist Stück für Stück weiter zu schulen und wieder zu stärken. Ich wäre nicht Tarja Thyrmon, hätte ich mich nicht sofort daran gemacht, meinen Körper und Geist wieder in das zu verwandeln, was er einmal war. Und hier sah man es deutlich wieder: Faulheit wurde immer wieder bestraft.
Nachdem ich mich zurückgezogen hatte und mich erst einmal im Bad eingeschlossen hatte trat ich auf das Wasser zu. Ich sehnte mich so sehr danach, in dem warmen Wasser zu liegen, dass ich mir die Kleider vom Leib riss. Ich sah an mir herab. Ein makelloser Körper. Ein Zucken in meinen Mundwinkeln. Was war schon ein makelloser Körper? Er war nicht geprägt von Geschichten und Erlebnissen, wenn dort keinerlei Narben waren. Mit einem dämonischen Lächeln auf den Lippen legte ich die linke Hand auf meine rechte Schulter und tastete diese suchend ab. Als ich nichts dort fand, keine einzige der drei Narben die ich dort hatte, froren meine Gesichtszüge förmlich ein. Wie konnte das sein? Wo waren sie? Ich schloss die Augen und versuchte mich zu konzentrieren. Mich zu erinnern. Aber im Moment fehlte mir jegliche Erinnerung. Ich wusste wo ich war und wer sich um mich herum befand. Warum ich hier war und was meine Gesinnung war. Aber was war zuvor? Ich schauderte. Zuvor? Was interessierte mich schon „zuvor“.
Nachdem ich mich eine Nacht lang ausgeruht hatte konnte ich zumindest eine Verbesserung ausmachen. Meine Augen schmerzten nicht bei jedem Fackelschlag und auch mein Geist schien sich ein wenig eingewöhnt zu haben. Ich musste mich umsehen, musste meinen Körper bewegen. Als ich die Treppen hinunter stieg verharrte ich neben Adavens Statue, um kurz in das Lehrerzimmer zu sehen. Ich sah Schüler vor meinen Augen in dem Raum sitzen und lernen, alles eine Illusion, wie es sich dann herausstellte. Ich schüttelte hastig meinen Kopf, um die Bilder aus den Gedanken zu bekommen.
Gerade, als ich voranschreiten wollte sah ich einen meiner Ordensgeschwister. Recht schnell entpuppte sich die Gestalt als Cordan. Ich erinnertee mich an ihn. Ein mächtiger Magier und ein guter Lehrer. Er lächelte, als er auf mich zu kam. Ein Lächeln? Es freute ihn so sehr mich zu sehen? Ich verstand das nicht und konnte diese Geste auch nicht erwidern, als wären meine Gesichtszüge eingefroren. Stattdessen fühlte ich mich Fehl am Platz und konnte die Anwesenheit von anderen Personen gerade nicht ertragen. Er ging auf mich zu und grüßte mich. Ich erwiderte seinen Gruß und verfolgte ihn auf Schritt und Tritt. Als er vor mir zur Ruhe kam sah ich, wie mir seine Hand langsam entgegen kam. Was hatte das nur zu bedeuten? Ich wich zurück und auch auf seine Frage hin, wer er sei und ob ich mich an ihn erinnern könne antwortete ich, dass er Magister des Ordens sei, teilte ihm seinen Namen sowie seinen Ordensnamen mit. Ich bekam das Gefühl, dass ihm das nicht genügte. Vermutlich hatte ich mich in einem Rausch meiner Begierde hingegeben, andernfalls konnte ich mir sein Verhalten nicht erklären, selbst wenn ich all meine Gehirnwindungen durchforstete. Ich sah nichts, was sonst in meinen Erinnerungen sein sollte. Und so setzte ich meinen Weg letztendlich auch fort, ohne mir bewusst darüber zu sein, dass dort mein Mann stand, mit dem ich vor meinen Tod verheiratet war.
Rückkehr aus dem Winterschlaf - Eine vergessene Welt
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Tarja Thyrmon
Und die Erde war kalt, wüst und leer. Und es war finster. Es ging kaum dunkler. Die Nacht verschlang jeden Schatten, den sie zu fassen bekam.
Diese Zeilen waren das Erste, war mir einfiel, als ich zu mir kam. Allgegenwärtige, undurchdringliche Schwärze umgab mich und obwohl ich die Augen weit aufgerissen hatte, erlaubte mir die Dunkelheit erstmals keinerlei Blick. In meinen Ohren rauschte es, abertausende an Klängen wurden mir in dieser Nacht bewusst. Immer wieder hatte ich mich in meinen Träumen hin und her gewälzt. Verschiedene Bilder rasten förmlich durch meine Gedanken, allem Anschein nach wollten sie nicht zur Ruhe kommen. Die hektischen, tonlosen Bilder jagten mir Furcht ein.
Seine Worte hallten in meinen Gedanken und gaben mir die Sicherheit, dass ich sie genau in dieser Form schon einmal gehört hatte. Und die Bilder, die ich dazu in meinem Kopf hatte – ich konnte sie einfach nicht zuordnen. Als würde ein großes Teil von einem noch größeren Ganzen fehlen. Ich stand auf und stieg die Stufen von meinem Bett hinab. Dröhnende Kopfschmerzen hämmerten auf meine Nerven ein bei jedem Schritt, den ich tat. Ich versuchte mich auf die Bilder in meinem Kopf zu konzentrieren. Ich versuchte die kaputten Stücke zu einem ganzen Stück zusammen zu setzen, aber es gelang mir nicht. Ich griff ins Lied ein, chaotisch und mit absolutem Zerstörungswillen. Sowohl mein Buch als auch einer der Steinstühle wurde durch die Magie zur Seite gewirbelt. Dieser unsagbare und nicht enden wollende Krampf in mir raubte mir den letzten Nerv.
Ich versuchte mich davor zu schützen, indem ich die Augen fest zusammen kniff, einen Nutzen trug ich jedoch nicht davon. Aufstöhnend hob ich die Lider wieder und starrte verzweifelt in die Dunkelheit. Erst, als die Flut aus aufgeschnappten Momenten endlich zu verblassen begann, wich das Ziehen aus meinem Kopf. Mir wurde bewusst, dass ich mittlerweile mein halbes Zimmer verwüstet hatte.
Ich wollte diese Gedanken aus dem Kopf haben und zugleich doch vervollständigen. Wie konnte es sein, dass ich mich an etwas in meinen Kopf erinnerte, aber es so unvollständig war, dass ich nicht im Ansatz etwas damit anfangen konnte? Ich sah Bilder. Immer wieder die gleichen Bilder über einen Raum und eine Flamme, über einen kurzen Moment und den Worten. „Tu es!“, hallte es immer wieder in meinem Gedächtnis. „Tu es!“
Ich unterbrach die Bilder, indem ich meine Gedanken dazu zwang, sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Ich sah mich in dem verwüsteten Zimmer um und entschied, dieses für den heutigen Abend, für die heutige Nacht zu verlassen. Zu sehr knabberte ich an dem, was mich derzeit belastete. Konnte es sein, dass er recht hatte? Hatte ich mich zu so einer Schwäche hinreißen lassen? Und wenn ja, warum?
Ich tastete mich im Dunkeln die Treppen hinab. Meine Magie dafür zu nutzen, um mein Augenlicht zu verstärken, war mir in diesem Moment zu bieder. Ich verließ mich also mehr auf meine eigenen Sinne, die mich durch die Finsternis hinunter führten. Die Fackeln waren erloschen und nur aus dem Aufenthaltsraum drang ein wenig Licht vom Feuer des Kamins. Eine unterschwellige Art von Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit zog mich in den Raum. Ein Gefühl, welches ich schon seit eh und je verabscheute. Als ich den Raum betrat, legte sich Gänsehaut auf meinen ganzen Körper. Irgendetwas war hier, was meine Gedanken wieder dazu antrieb, sich im Kreis zu drehen. Hatte er das damit bezwecken wollen? Ich verabscheute ihn dafür, ich fing an, Lucan dafür wirklich zu hassen.
Ich verspürte einen schweren Druck auf dem Brustkorb und atmete hektisch ein und fing zeitgleich an zu husten, was dann in ein würgen überging. Etwas Licht würde die Bilder sicherlich vertreiben. Ich ging auf die Wände zu, nahm die Fackeln aus den Halterungen und entzündete diese, um sie wieder an den alten Ort zurück zu bringen. Als der Raum wenigstens ein bisschen in Licht getaucht wurde sah ich mich um. Ich kannte diesen Raum in und auswendig. Dieses Bruchstück des Bildnisses lag auf dem Podest, der Dolch und der Ring auf einem anderen. Und wenn ich weiterging würde ich in den Turm gelangen. Aber ich blieb hier und setzte mich in Zeitlupentempo an den Tisch. Ich glitt mit meinen Fingern über den schweissnassen Nacken und schloss die Augen erneut. Ich zog die Luft tief ein, um meine Gedanken zu klären und meinem Körper die Kontrolle wieder zu geben. Die Schmerzen in meinem Kopf hämmerten auf mich ein. „Tu es!“, flüsterte es in meinen Gedanken – immer und immer wieder. Ich ballte die Hand zu einer Faust und versuchte die Worte krampfhaft zu vertreiben. „Tu es, Tarja, tu es!“
Die Erkenntnis, dass Lucan es geschafft hatte, dass ich verrückt wurde, war neue Nahrung für meine Angst; mehr Adrenalin wurde ausgeschüttet – und schwemmte endlich die Langsamkeit aus meinem Körper heraus. Ich sprang auf und hechtete einen Schritt zurück. Weg von dem Tisch, weg von dem Kamin, der mich so wohlig wärmte. Weg von alledem, was mich erinnern konnte. Ich rannte zum Ausgang der Ordensburg, vergaß meine Macht vollkommen. Denn ich wollte nur noch eines: Frische Luft und klare Gedanken.
Diese Zeilen waren das Erste, war mir einfiel, als ich zu mir kam. Allgegenwärtige, undurchdringliche Schwärze umgab mich und obwohl ich die Augen weit aufgerissen hatte, erlaubte mir die Dunkelheit erstmals keinerlei Blick. In meinen Ohren rauschte es, abertausende an Klängen wurden mir in dieser Nacht bewusst. Immer wieder hatte ich mich in meinen Träumen hin und her gewälzt. Verschiedene Bilder rasten förmlich durch meine Gedanken, allem Anschein nach wollten sie nicht zur Ruhe kommen. Die hektischen, tonlosen Bilder jagten mir Furcht ein.
Seine Worte hallten in meinen Gedanken und gaben mir die Sicherheit, dass ich sie genau in dieser Form schon einmal gehört hatte. Und die Bilder, die ich dazu in meinem Kopf hatte – ich konnte sie einfach nicht zuordnen. Als würde ein großes Teil von einem noch größeren Ganzen fehlen. Ich stand auf und stieg die Stufen von meinem Bett hinab. Dröhnende Kopfschmerzen hämmerten auf meine Nerven ein bei jedem Schritt, den ich tat. Ich versuchte mich auf die Bilder in meinem Kopf zu konzentrieren. Ich versuchte die kaputten Stücke zu einem ganzen Stück zusammen zu setzen, aber es gelang mir nicht. Ich griff ins Lied ein, chaotisch und mit absolutem Zerstörungswillen. Sowohl mein Buch als auch einer der Steinstühle wurde durch die Magie zur Seite gewirbelt. Dieser unsagbare und nicht enden wollende Krampf in mir raubte mir den letzten Nerv.
Ich versuchte mich davor zu schützen, indem ich die Augen fest zusammen kniff, einen Nutzen trug ich jedoch nicht davon. Aufstöhnend hob ich die Lider wieder und starrte verzweifelt in die Dunkelheit. Erst, als die Flut aus aufgeschnappten Momenten endlich zu verblassen begann, wich das Ziehen aus meinem Kopf. Mir wurde bewusst, dass ich mittlerweile mein halbes Zimmer verwüstet hatte.
Ich wollte diese Gedanken aus dem Kopf haben und zugleich doch vervollständigen. Wie konnte es sein, dass ich mich an etwas in meinen Kopf erinnerte, aber es so unvollständig war, dass ich nicht im Ansatz etwas damit anfangen konnte? Ich sah Bilder. Immer wieder die gleichen Bilder über einen Raum und eine Flamme, über einen kurzen Moment und den Worten. „Tu es!“, hallte es immer wieder in meinem Gedächtnis. „Tu es!“
Ich unterbrach die Bilder, indem ich meine Gedanken dazu zwang, sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Ich sah mich in dem verwüsteten Zimmer um und entschied, dieses für den heutigen Abend, für die heutige Nacht zu verlassen. Zu sehr knabberte ich an dem, was mich derzeit belastete. Konnte es sein, dass er recht hatte? Hatte ich mich zu so einer Schwäche hinreißen lassen? Und wenn ja, warum?
Ich tastete mich im Dunkeln die Treppen hinab. Meine Magie dafür zu nutzen, um mein Augenlicht zu verstärken, war mir in diesem Moment zu bieder. Ich verließ mich also mehr auf meine eigenen Sinne, die mich durch die Finsternis hinunter führten. Die Fackeln waren erloschen und nur aus dem Aufenthaltsraum drang ein wenig Licht vom Feuer des Kamins. Eine unterschwellige Art von Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit zog mich in den Raum. Ein Gefühl, welches ich schon seit eh und je verabscheute. Als ich den Raum betrat, legte sich Gänsehaut auf meinen ganzen Körper. Irgendetwas war hier, was meine Gedanken wieder dazu antrieb, sich im Kreis zu drehen. Hatte er das damit bezwecken wollen? Ich verabscheute ihn dafür, ich fing an, Lucan dafür wirklich zu hassen.
Ich verspürte einen schweren Druck auf dem Brustkorb und atmete hektisch ein und fing zeitgleich an zu husten, was dann in ein würgen überging. Etwas Licht würde die Bilder sicherlich vertreiben. Ich ging auf die Wände zu, nahm die Fackeln aus den Halterungen und entzündete diese, um sie wieder an den alten Ort zurück zu bringen. Als der Raum wenigstens ein bisschen in Licht getaucht wurde sah ich mich um. Ich kannte diesen Raum in und auswendig. Dieses Bruchstück des Bildnisses lag auf dem Podest, der Dolch und der Ring auf einem anderen. Und wenn ich weiterging würde ich in den Turm gelangen. Aber ich blieb hier und setzte mich in Zeitlupentempo an den Tisch. Ich glitt mit meinen Fingern über den schweissnassen Nacken und schloss die Augen erneut. Ich zog die Luft tief ein, um meine Gedanken zu klären und meinem Körper die Kontrolle wieder zu geben. Die Schmerzen in meinem Kopf hämmerten auf mich ein. „Tu es!“, flüsterte es in meinen Gedanken – immer und immer wieder. Ich ballte die Hand zu einer Faust und versuchte die Worte krampfhaft zu vertreiben. „Tu es, Tarja, tu es!“
Die Erkenntnis, dass Lucan es geschafft hatte, dass ich verrückt wurde, war neue Nahrung für meine Angst; mehr Adrenalin wurde ausgeschüttet – und schwemmte endlich die Langsamkeit aus meinem Körper heraus. Ich sprang auf und hechtete einen Schritt zurück. Weg von dem Tisch, weg von dem Kamin, der mich so wohlig wärmte. Weg von alledem, was mich erinnern konnte. Ich rannte zum Ausgang der Ordensburg, vergaß meine Macht vollkommen. Denn ich wollte nur noch eines: Frische Luft und klare Gedanken.