Wenn aus Hass...

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Andreas Myrtol

Wenn aus Hass...

Beitrag von Andreas Myrtol »

Für Andreas war Lieon ein alter Freund, sein Schicksal gepaart mit der Missgunst dieser Welt. Lieon's Bruder hatte zu sterben, und was Andreas tat, war letztenendes mit sich selbst kaum vereinbar. Fast ein Jahreslauf hatten sie sich aus den Augen verloren, umso erstaunlicher war es für ihn, seinen mittlerweilen verhassten Freund vor den zerstörten Mauern Varunas wiederzusehen. Lieon, ein Mann der für Rahal war! Etwas unschmücklich war die Situation an dem sie sich wieder trafen, und umso mehr bedrückend die Komplikationen die dabei enstanden. Nein, diesmal würde Andreas Lieon nicht einfach so aufgeben wie damals. Was täte ein Freund nicht gut daran, ihn zu schlagen und zugleich zu versorgen?

"Was habe ich dir angetan, Lieon?
Es musste soweit kommen, dass wir bis zu diesem Punkt angelangten.
Und nun, nun weiß ich weder Worte zu finden,
aber trotzdem dir entgegen zu treten. Ich will dich verstehen-
ich habe vor dich vor dich selbst zu schützen. Denn niemand wird das gleiche wie ich es tue wagen.

Wir alle wollten alleine sterben."
Zuletzt geändert von Andreas Myrtol am Freitag 18. Dezember 2009, 11:57, insgesamt 2-mal geändert.
Lieon

Beitrag von Lieon »

Der zerstörte Rotschopf saß allein auf der zerstörten Treppe vor dem zerstörten Varuna, nachdem Flint so gütig war und ihn wieder verlassen hatte. Wie gewohnt, und die letzten Tage auch nie anders, war der Mann dabei zu ertrinken, jedoch nicht in einem Fluss, Becken, Meer oder sonst einem gewaltigen Gefäß, sondern genau an Ort und Stelle auf der staubtrockenen Treppe. Es war noch immer nicht. Die rettende Hand, welche ihn noch aus dem tiefen Wasser seiner Trauer hätte ziehen können war meilenweit entfernt. Mit einem Mal Riss ihn Pferdegetrampel aus der tödlichen Melancholie. Lieon sah dem Reiter so tief in die Augen, dass man in jenem Moment hätte meinen können die Luft zwischen den beiden würde dem bitteren und verletzen Blick weichen. Da auf dem stolzen Ross saß der Grund allen Übels auf dieser Welt. Es stieg ab und nährte sich dem Sitzenden leichten Schrittes. Auch das Übel hatte ihn wieder erkannt.

Konnte es sich daran erinnern, wie es mich belogen, geschlagen, eingesperrt und geblendet hatte vor langer Zeit? Wäre ich nicht so lange in Gefangenschaft gewesen...wäre jetzt…

Belangloses fiel.
Wer könnte auch die unendliche Kluft zwischen den beiden in Worte fassen?

Wieder wurde eine seiner Tätigkeiten durch Pferdegetrampel unterbrochen. Es tauchten dunkle Reiter hinter den beiden auf und der zweite Akt des makaberen Schauspieles begann.
Andreas Myrtol

Beitrag von Andreas Myrtol »

Es war notwendig diesen alten Freund niederzuschlagen. Es war nicht so, als täte es Andreas aus Rache, nur weil Lieon die Absicht hatte ihn ein Messer in den Kopf zu rammen. Was hätte denn Andreas sonst dafür getan, Lieon vor sich selber zu schützen? Obwohl der junge Recke selbst den Schutz am Nötigsten hatte? Er packte Lieon mit sich, fluchte über sein Vorhaben am Tor Varunas zu verrotten und sperrte ihn in der Festung der Allianz ein. Kein Zeichen, nur schnelles handeln. Bislang war jedes Gespräch- blanke Schuldzuweisung, wer hätte was falsch getan! Ein höhnischer Laut drang aus den Lippen des Knappen, der während seiner Nachdenklichkeit das Umspiel der Flammenspitzen im Kamin beobachtete. Die rötliche- orangene Farbe blieb gebannt in den Augen von Andreas, dessen Sphären in ein helles violett aufflackerten. Es war schwer diese Kluft zwischen ihnen beiden zu überbrücken. Und wenn gerade der Brückenkopf die andere Seite zu erreichen drohte, war das gesamte Konstrukt wieder im Zerfallungsprozess. Diese ständige Konfrontation und Schuldzuweisung dürfte nicht mehr das Ziel sein zwischen ihnen. Nein- er hatte eine Idee, wie dies zu umgehen galt. Wie erlangst du des Feindes Schlüssel für sein Herz?

„Denk nach Lieon- erinnere dich wenigstens wofür du damals noch gelebt hattest. Denn heute dienst du nur noch deinen Gelüsten, die dir ohnehin alle Träume nehmen, als gäbe es für dich nichts anderes. Denke nach Lieon- denn wer sich um dich bemüht, ist nicht gegen dich…“


Mit einem leisen Schnaufen hatte er die Gedanken geordnet.
Lieon

Beitrag von Lieon »

Die dunklen Gestalten stiegen von ihren Rössern herunter, welche es schafften noch weniger lebendig zu wirken als ihre Herren. Doch seine Augen waren nicht auf die unmittelbare Bedrohung der Rabendiener vor den beiden gerichtet, sondern auf den Hinterkopf jenes Knappen, welcher es scheinbar mit der Angst zu tun bekam. Während sich der Rotschopf längst darauf gefasst war sterben zu müssen, lies der junge Mann vor ihm größte Vorsicht walten.
Einzelne Drohgebärden wurden zwischen Knappen und den finsteren Streitern ausgetauscht. Dann trat eine der dunklen Vermummten auf den Sitzenden zu, der noch immer einen gewissen Hinterkopf anstarrte. Die Gestalt führe ihn weg, an einen ruhigeren Ort und verwickelte Lieon in ein Gespräch. An dessen Ende wurde dem Trauernden ein Messer in die Hand gedrückt, um sein Übel, den jungen Knappen, zu richten. Er verlor nicht viel Zeit und drehte schnellen Schrittes um. Das Opfer lag schon niedergestreckt auf dem Boden und es war ein leichtes das Messer an seinen Augapfel zu setzen. Jedoch erstarrte der Rotschopf. Das Messer war kurz vor der Iris des Liegenden, welcher aufgewacht war und durch die scharfe Spitze schon Verletzungen erleiden musste. Eine ihm unbekannte Macht packte Lieon und hielt ihn davon ab den Schädel des Knappen zu durchbohren. Hinter und neben ihm sagten die Diener etwas, oder redeten gar auf ihn ein? Doch das nahm er nicht wahr. Mit einem Mal raffte sich der Knappe auf und stieß ihn mit ganzer Kraft nach hinten, dabei das Messer aus der Hand verlierend. Die Diener des Raben hatten ihn verraten, er tauchte wieder in seine Melancholie ab und kriegte als Dank eine Faust ins Gesicht gerammt.
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