Erkenntnisse

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Leanne

Erkenntnisse

Beitrag von Leanne »

Wie so oft die letzten Tage kam sie heim, von einem ihrer Streifzüge durch die Wälder. Seit sie Silwen und Lily aufgenommen hatte, fand sie endlich die Zeit dazu, den Hof ab und an zu verlassen, die Tiere zu beobachten die Gegend zu erkunden.
Von einem dieser Ausflüge hatte sie einen Panther mitgebracht, den sie schwer verletzt in einem Gebüsch gefunden hatte. Sie machte ihm ein Plätzchen in der Küche zurecht und versorgte seine Wunden.
An diesem Abend wollte Julia kommen um ihn abzuholen, sie sagte sie habe jemanden gefunden, der ein grosses Waldgehege habe, wo er gefahrlos bleiben könne um vollständig zu genesen.
Noch damit beschäftigt, dem Panther Wasser und Futter hinzustellen, hörte sie eine wohlbekannte Stimme aus dem Verkaufsraum.
Die Tür hinter sich schliessend, begrüsste sie Clarissa, als es auch schon an der Hoftür klopfte.
Julia, pünktlich, wie versprochen. Nach ein paar Begrüssungsworten führte sie beide Frauen in die Küche. Clarissas Miene verdüsterte sich deutlich, als ihr Blick auf den Panther fiel und sogleich begann sie Julia misstrauische Fragen zu stellen. Die Diskussion wurde jedoch plötzlich durch lautes Fauchen gestört und die Blicke der drei Frauen schnellten zum Panther, der mit gesträubtem Fell und zornfunkelnden Augen vor ihnen stand.
Sofort war ihnen klar, das war nicht mehr das verletzte hilflose Tier, das war ein wildes Wesen, bereit sie zu zerreissen auf seiner Suche nach Freiheit.
Einen Augenblick wie erstarrt dastehend, begannen sie sich langsam, den Panther nicht aus den Augen lassend, zurückzuziehn. Den letzten Schritt zur Tür hinausspringend, knallte Leanne sie hinter sich zu, sich mit dem Rücken davor lehnend. Sogleich wurde sie vom Aufprall des Tieres erschüttert, welches in seiner Raserei sich auf sie stürzen wollte.
Das Holz knirschte bedrohlich, sie sah sich suchend um, ihr Blick fiel auf das Regal. Gemeinsam mit Julia rückten sie es vor die Tür, während Clarissa zur zweiten Küchentür eilte um auch diese zu sichern.
Still standen sie da und lauschten auf die Geräusche die aus der Küche drangen. Es klang als tobe ein Krieg darin, Holz splitterte, der Panther fauchte und plötzlich klirrten Scherben.
Die Laterne!! Kaum schoss Leanne der Gedanke durch den Kopf, als auch schon Rauchfäden durch den Türspalt krochen. Feuer, sie mussten Wasser holen, aber der Panther tobte immer noch da drin, das Feuer würde ihn rasend machen.
Ein lautes Hämmern an der Hoftür löste sie aus ihrer Starre, sie eilte hin und öffnete sie. Eine Menschentraube stand dort, bereit zu helfen, nachdem sie den Rauch wahrgenommen hatten, der aus den Fenstern drang. Eine kurze Warnung vor dem Panther hinausschreiend verteilte sie Kübel an die Menschen, rannte selbst zum Meer um Wasser zu schöpfen.
Beim Hineinlaufen stolperte sie fast über den Körper des Tieres, der übel zu gerichtet regungslos am Boden lag. Ihn kaum beachtend, nach Atem ringend, vom Rauch fast blind, leerte sie ziellos den Kübel in die Küche.
Inzwischen rannten alle hastig hin und her, immer wieder ergossen sich Ströme von Wasser auf die Flammen und nach einiger Zeit gelang es ihnen das Feuer zu löschen. Die russgeschwärzten Gesichter musternd, viele fremd, aber auch bekannte waren dabei, sie sah Julia, auch Che Mussa, nur eins fehlte, Clarissa.
Sie stürmte hinaus, auch der Körper des Tieres war verschwunden.
Eine Frau, die hinter ihr herlief berichtete sie habe eine weibliche Gestalt mit dem Panther durchs Hoftor gehn sehen. Unruhig wendete sich Leanne zum Haus zurück, wo sich die Helfer inzwischen wieder zerstreut hatten, nur Che war noch da. Er bemühte sich, sie zu beruhigen, was ihm nicht recht gelingen konnte, wusste sie doch, dass es allein ihre Schuld war, nie hätte sie den Panther herbringen dürfen. Noch während sie das dachte, bemerkte sie aus den Augenwinkeln, wie Lilith, ihr Puma aufgeregt hin und her lief, dabei leise fauchend, das Fell gesträubt.
Che mit einer Geste zu verstehen gebend, seine Waffe nicht zu gebrauchen, ging sie langsam auf sie zu, dabei leise auf sie einredend.
Sie musste ihr die Freiheit schenken, sofort, gleich wie sehr sie sie mochte, diese Tiere gehörten nicht hinter Mauern, sie hatte es eigentlich immer gewusst.
Sie gab Lilith das altbekannte Handzeichen, ihr zu folgen und machte sich mit Che auf in das Waldstück, in dem sie sie einst als kleines Kätzchen gefunden hatte.
Ihr noch einmal durchs glänzende Fell streichelnd, sah sie ihr wehmütig nach.
Nie wieder würde sie ein wildes Tier seiner Freiheit berauben, oder in die Natur eingreifen.
Traurig wendete sie sich ab und machte sich mit Che wieder auf den Heimweg.
Silwen Hinnak

Beitrag von Silwen Hinnak »

Schon früh am morgen war Silwen aufgestanden um sich der Tiere und der Felder anzunehmen. Die Nacht war ja nicht allzu ruhig gewesen und der Gestank, der durch alle Ritzen kroch, hatte sowieso verhindert, dass er tief schlief.
Mit einem Tuch die Atemwege schützend sah er sogleich auf den Weiden und in den Stallungen nach. Hier schien ja alles in Ordnung zu sein. Auf den Feldern stand auch alles zum Besten. Das Korn hoch und trocken, die Kräuter würzig mit kräftigen Knollen, selbst die Baumwolle schien sich nicht um den Gestank zu kümmern, ihre Kapseln waren aufgegangen, bereit von eifrigen Händen gepflückt zu werden.
Da durchfuhr es ihn wie ein Blitz. Die Feldfrüchte. Was wenn sie diesen Pesthauch in sich aufnehmen würden? Die Baumwolle würde niemand haben wollen, wenn der Gestank nicht mehr abginge. Eiligst machte er sich daran die Feldfrüchte einzubringen.

Die Felder waren nahezu abgeerntet, da stand plötzlich Lilythra in der Tür und verzog angewidert das Gesicht. Schnell bedeutete er ihr hineinzugehen und schloss die Tür. Drinnen erklärte er, was er glaubte, dass letzte Nacht geschehen war und woher der Gestank rühren könnte.
Lilythra, nun ebenfalls bewehrt mit einem Schutz vor Mund und Nase, schlug vor, einmal im Hafen nach dem Rechten zu sehen.
An der Vordertür angelangt trafen sie auf Che Mussa. Dieser frug nach dem Befinden von Leanne und dem Zustand der Küche und erzählte dann, aufgrund der überraschten Blicke der beiden, dass es ein großes Feuer gegeben habe, im Küchentrakt des Gutshofs, etwa zur selben Zeit wie auch die Quallen das erste mal das Land betraten.
Zu dritt ging man in die verwüstete Küche um sich ein Bild vom Ausmaß der Zerstörung zu machen. Hier gab es nichts mehr zu retten. Die Wände rußgeschwärzt, der gemauerte Ofen durch die enorme Hitze gesprungen und auch die ach so teure Getreidemühle, ein Raub der Flammen. Überall standen noch Löschwasserpfützen und teilte sich den Raum mit allerlei unbrauchbar gewordenem Hausrat, der aus heruntergestürzten Schränken fiel, als das Feuer sie zu verzehren begann.

Silwen war fassungslos. All das schien er tatsächlich verschlafen zu haben. Feuer auf dem eigenen Hof, eine Menschenmenge, so berichtete Che, die zu Hilfe kam das Feuer zu löschen und den Angriff der unsäglichen Kreaturen aus dem Meer. Er sah Lilythra an, doch diese schien genauso überrascht wie er selbst. Ja sie berichtete sogar, dass sie noch mit Leanne sprach zu später Stunde und sie Besuch hatte. Sie wäre dann zu Bett gegangen, aber von einem Feuer war da noch nichts zu ahnen gewesen.

Man unterhielt sich noch über den weiteren Verlauf des Abends und Silwen konnte erfahren, dass so schnell das Feuer auch ausgebrochen, so schnell auch Hilfe herbeigeeilt war, genauso schnell war der Spuk auch wieder vorbei und die Nachbarn zerstreuten sich. Wen wundert’s bei der immer noch akuten Gefahr die vom Hafen ausging? Niemand sei zu schaden gekommen erklärte Che und dass sie, als das Feuer gelöscht war, noch die Wildkatze von Leanne in den Wald brachten.

Deshalb war der Hof so still dann später, dachte Silwen. Leanne und die anderen waren bereits wieder fort. Der beißende Geruch des Rauches den er nicht bemerkte war wohl in dem Würgreiz erregenden Gestank, der die Bucht gefangen hielt nicht auszumachen gewesen.

Was für eine Nacht... dachte er noch, als sich Che verabschiedete und er mit Lilythra kurz darauf ebenfalls den Hof verließ, um sich das Unbill im Hafen näher zu betrachten.
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