Schrittchen für Schrittchen

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Darna von Hohenfels

Schrittchen für Schrittchen

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Der "Geruch" von Fisch, abgerissene Kleidung, grobschlächtiges Verhalten, zotige Bemerkungen... und sie wahrte Ihr Benehmen, höflich, distanziert, doch von Kelterburg hätte gelästert, daß sie auch gut daran täte, sich lieber mit dem einfachsten Volk gemein zu machen.
Tat sie das? Vermutlich. Sie saß mit ihnen an einem Tisch, gab Getränke aus, offenbarte Respekt und Dankbarkeit vor jeder freundlichen Geste, jedem freundlichen Wort, das ihr entgegengebracht wurde.

Dennoch... "Deine Aufmerksamkeit gereicht jeder Schankmagd zur Ehre!" Diesen bitter kritisierenden Gedanken, der einen Lidschlag lang aufkam, konnte sie ruhigen Gewissens beiseite wischen. Sie waren noch vorhanden, die unsichtbaren Grenzen, die sie vom bäuerlichen Volke unterschied. Ihre Haltung blieb tadellos aufrecht, öfter an einen Soldaten in Hab-acht-Stellung gemahnend als an irgendwas sonst. Ihre Wortwahl unterschied sich von der dieses gestrandeten Seemannes wie der Tag von der Nacht.
Die Andeutung einer höfischen Verbeugung - die Linke flach vor dem Bauch, den Oberkörper in gerader Linie neigend - gebührte bislang nur dem Ratsmitglied als hohem Beamten.
Und es vermittelte ein Gefühl von Zufriedenheit, daß Ihr von manierlichen Leuten dann ebenso Höflichkeit entgegenkam, ein "werte Dame von Elbenau", von dem sie ruhig hoffen durfte, daß es aus mehr entsprang als purer leerer Höflichkeitsfloskel.

"Das Wort 'Adel' kommt von 'edel', Darna, und so wollen wir uns auch stets benehmen!", hatte ihr Herr Vater gesagt.
Und so setzte sie unermüdlich auch alles daran, ihrer geringen Adeligkeit durch umso mehr Edelmut Nachdruck zu verleihen. Sie wollte die gelernte Demut der letzten schlimmen Zeit nicht vergessen. Die Demut, die daraus rührte, daß sie als gesellschaftlich Höherrangige gänzlich auf die Barmherzigkeit einfacher Leute angewiesen gewesen war und sie auch erfahren hatte. Sie wollte nicht vergessen, daß diese Leute dafür verantwortlich waren, daß sie Kleidung hatte, daß sie überhaupt noch lebte und nicht Hunger litt.

Mit Selbstverständlichkeit hatte sie der jungen Frau mit dem verletzten Fuß die Treppe hinuntergeholfen, hatte Stillschweigen gelobt über die Vertraulichkeit der Berührung, mit der sie sie die Stufen heruntergehoben hatte, sie hatte gespürt, wie sie mit dem Mädchen mit dem aufgeschürften Knie etwas überfordert gewesen war, doch sie hatte ihr Möglichstes getan, um zu helfen. Dies waren die kleinen Dinge, und es galt, stets dabei den Anstand zu wahren.
Es war der fast beschämenden Großzügigkeit des Herrn Arton Langenfels zu verdanken, daß sie sich nun doch nicht weiter im Auflesen von für Pfeile tauglichen Federn im Wald üben musste. Sie hoffte, sich für diese mildtätige Geste so bald als möglich in ehrenhafter Art revanchieren zu können.

Sir Rafael de Arganta... ein Ritter, Lord der Allianz des Lichtes.
Sie hatte den Namen gehört, ein Ritter... es wirkte auf sie gerade wie eine Kerzenflamme auf eine Motte - hingezogen, mit der Angst, zu verbrennen. Was hatte sie vor einem tatsächlichen Ritter vorzuweisen? Nichts. Sie hatte ihren eigenen Herrn verloren, musste Geld als Geschenk annehmen, um über die Runden zu kommen. Hier bedeutete ihr Name nichts, allein für sich betrachtet, außer dem vagen Hinweis auf das, was ihr Vater und ihr Großvater, gar ihr Bruder bereits geleistet hatten. Sie selber stand mit leeren Händen da.

Und um sie herum passierten Dinge, von denen sie nichts verstand. Einige der Aushänge deuteten auf Unruhen, Unsicherheit, dem Bedürfnis, für militärische Sicherheit zu sorgen, hin. Viele schienen schwer beschäftigt, bei denen ihr ihre eigene Lage selber eher wie eine unwichtige Belästigung vorkam. Irgendwie musste sie es zuwege bringen, halbwegs auf eigenen Füßen stehen zu können - ein Zustand, der gänzlich ungewohnt für sie war.
"Ins kalte Wasser geworfen", kam es ihr als Vergleich in den Sinn und sie hob das Kinn, betrachtete ihr vage gespiegeltes Gesicht in der Fensterscheibe der Herberge und beugte sich einer weiteren Notwendigkeit: "Lern schwimmen, Darna."
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Vorbereitungen

Aus dem Fenster rieselte der getrocknete Matsch, den sie von der Sohle und aus der Rille zwischen dieser und dem Stiefelleder kratzte. "Das hätte vermutlich einen etwas unreifen Eindruck gemacht, hätte mich jemand gesehen", ließ sie ihre Gedanken unstet durch diverse Themen springen, während sie sich um ihr äußeres Erscheinungsbild kümmerte.
"Bei Nacht, Wind, Regen, dann sogar Schnee zum Temorakloster wandern, nur um diesen einfachen Ringpanzer und das handelsübliche Schwert auszutesten. Und dann sind da in diesem kleinen Wäldchen nicht nur diese häßlichen geflügelten Biester, sondern untote Leiber!"
Sie schüttelte sich. Und im nächsten Moment schalt sie sich dafür, daß sie vergessen hatte, Sir de Lore darauf anzusprechen.
"Aber die wissen doch bestimmt, was sich in so unmittelbarer Nähe zu ihren Gemäuern befindet, oder?", grübelte sie verwundert weiter. "Vielleicht ist deswegen diese Art Schrein, oder was immer das war, da - und diese armen seelenlosen Gebilde wanken da trotzdem noch rum. Dann wäre das wirklich schlimm und ihnen kaum zu verdenken."

Sie polierte die Holzknöpfe ihrer Weste nochmal nach, die sie zuvor mit etwas Politurfett eingerieben hatte. Sie dachte über die Worte des Ritters nach. Sie stimmten sinngemäß mit denen von Herrn Langenfels überein.
"In diesen Landen zählen Taten schwerer als allein Rang oder Name."
Hoffnungsvoll hob sie den Blick und schloß das Fenster wieder, diesmal hing ihr Blick sich nicht an den Narben auf, die ihr Gesicht verunstalteten - der Gedanke, der ihr durch den Sinn ging, war dafür umso häßlicher:
"Dann hätte von Kelterburg es hier verdammt schwer, dieser arrogante Blödmann."
Sie räusperte sich leise und kratzte mit der Schuhbürste etwas Schuhwichse aus der Stiefelnaht. "Da hat er in mir tatsächlich die Herbergswirtin vermutet, himmelverfluchtnocheins! Soll ich weniger hilfsbereit sein?!" Sie seufzte. "Nein, die Entschuldigung klang ernst. Sei es vergessen."

Immerhin, sie hatte wieder ein Schwert, wenn die Fertigung wohl auch das simpelste war, was man einem Schwert zumuten konnte. So war sie dankbar, daß dieser Jungschmied sich gemeldet hatte, er würde ihr sicherlich besser weiterhelfen können.
Es war dafür ein umso schöneres Gefühl gewesen, heute morgen in der Kirche wieder die ursprüngliche Form des Gebetes sprechen zu können, mitsamt dem Satz, den sie seit ihrer Flucht in Ermangelung einer Waffe weggelassen hatte, weil es ihr sonst als Lüge vorgekommen wäre:
"Herrin Temora, im Lichte deiner Gerechtigkeit entbiete ich mein Schwert, um zu kämpfen für alles, was recht ist..."
Prüfend hob sie den Stiefel, betrachtete ihn von allen Seiten, polierte die Hacke nochmal über, dann erst nickte sie zufrieden. Vorher war die Audienz, auch wenn sie gerne der Einladung von de Lore nachgekommen wäre, sich heute Abend in der Kirche einzufinden.
"Herzlich seine gräfliche Hoheit von ihm grüßen, nicht vergessen!"
Naja... ein unbeteiligter Beobachter mochte zu Recht bezweifeln, daß ein von Darna ausgerichteter Gruß besonders herzlich werden könnte...

"Gräfliche Hoheit, königliche Majestät, Sire, erlauchter Herr bei Freiherrn...", rezitierte sie in Gedanken nochmal die korrekten Anreden für die verschiedenen Adelsränge, dann stutze sie. "Ohoh. Hoffentlich ist das richtig. Vielleicht hierzulande anders? Mist, auch nicht nachgefragt! Wobei, bislang schien alles richtig gewesen zu sein, wenn ich die Anreden erwähnte. Oder?
Ich werd nervös. Nicht nervös werden."

Sie prüfte nochmal die Nähte ihrer Kleidung, ob nicht noch irgendwo ein loser Faden überstand. Dann polierte sie nochmal die Knöpfe, hielt inne.
"Darna, das wäre jetzt schon die fünfte Politur. Lass es."
Seufzend schaute sie zum Fenster, schätzte die Zeit ab.
"Zwei Stunden? Drei? Herrje... bloß nicht zu grüßen vergessen..."
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Halbschlaf

Nur kurz die brennenden Augen etwas schließen...
Mit einem leisen Rascheln fielen die gebundenen Blätter auf den Schoß, und es hätte Darna sicherlich selber geärgert, daß nun im Paragraphen 11 der Dienstvorschrift der königlich-gräflichen Garde ein unschöner Papierknick war.
Garde, Dienstvorschriften, ehrenvoller Dienst... Wort- und Gedankenfetzen, die begannen, gelöst von jeglichem Reglement durch ihren Geist zu treiben, frei von Etikette, Zurückhaltung, Korrektheit - und frei von wahr und falsch.

In prächtiger blau-goldener Plattenrüstung stand sie vor dem Schloß und hielt Wache, treu dem Hause von Hohenfels, als einer der Bediensteten ankam und das Tor aufmachte. Sie ging auf ihn zu und sagte ihm, daß er dazu keine Berechtigung habe. Rundherum grinsten alle, aber sie bemerkte es nicht. Mal wieder nicht.
"Das ist mein Tor, das kann ich selber öffnen, so oft ich will. Ich bin Adrian von Hohenfels."
Ihr fiel das Schwert aus der Hand, ihr Handgelenk tat weh.
"Unehrenhaft entlassen", hallte die Stimme von Anghar Takgon verzerrt durch ihren Geist, während sie wie gelähmt dastand. Hinter ihr stürmten die Rahaler das Schloß und weihten es Alatar, während sie es nicht merkte, nichts davon wusste, keinen rechten Bezug dazu hatte.
"Aber Hauptmann Khaliz wollte ja nicht auf mich hören. Hälst du dich an die Dienstvorschrift, Kadettin?" Die Worte des fast fremden Mannes klangen völlig sinnlos und taten trotzdem weh.
Diesmal lief sie nicht, denn sie rührte sich überhaupt nicht, doch ihr Herr fiel trotzdem.

"Du hast deinen Herrn im Stich gelassen. Schon wieder. Der Graf ist tot."
Fassungslos sah sie zu, wie ihr Schwert über dem Knie des Hauptmanns zerbrochen wurde. "Ist Euch Loyalität ein Begriff?" Entsetzliche Wut packte sie und sie schlug mit dem Schwert um sich, gegen Gegner, die nicht da waren, ein Scheinkampf, während sie außerhalb ihrer Reichweite Gestalten wahrnahm: Gernot von Kelterburg in einer roten Robe und mit kahlrasierten Schädel, der hämisch grinste. Hinter ihr ein Kopfloser, der auf sie zuwankte und den sie nicht bemerkte. Rafael de Arganta leuchtete irgendwo, da hinten, weit weg. Er hatte mit ihr nichts zu tun außer purer Höflichkeit.

Quarius de Lore stand auch bei ihnen... und wechselte seine Gesichter. Er lachte sie aus, bis sie beschämt begreifen musste, daß er einfach nur so lachte, weil ihm ein Mißgeschick ähnlich passiert war wie ihr. Der Graf... Sie lachte nicht mit. Er sprach, aufmunternd, tröstend, von Suche, von Wegen, von Erkenntnis, sie argwöhnte, daß er nett war, doch sie verstand nicht, was er sagte.
Dann wurde seine Miene ernst, lehrend, er sah aus wie Sir Hagen von Weilenscheidt, ihr Ritter, ihr Herr. Er war tot und auch wieder nicht.
Und er schlug mit dem Schwert auf sie ein, korrigierte, lehrte. Worte, die sie tausendfach gehört hatte, und wieder fehlte ihr tieferes Verständnis, tatsächliche Umsetzung. Ihr Handgelenk tat weh. Als er seine Schläge demonstrativ ernster führte, riß er ihre Deckung auseinander, so viel leichter, als Kelterburg es gekonnt hatte.
Der Kopflose, der hinter ihr war, war nun herangekommen und schlug zu. Sie spürte, wie von mehreren Seiten Schläge auf sie zukamen und die Hiebe kamen alle direkt auf ihr Gesicht zu.
Ihr Gesicht...

Erstickt hallte der Schrei durch das Zimmer, nicht laut genug, zu irgendjemand anderem als ihr selber vorzudringen, doch mehrere atemlose Herzschläge noch hallte er in ihr nach. Sie saß kerzengerade im Sessel, die Papiere fielen aus dem Schoß nun endgültig zu Boden, ihre zitternden Hände tasteten über ihr Gesicht, die bebenden Lippen, die wulstigen Furchen, die ihr Antlitz auf ewig gebrandmarkt hatten... der Rest war heil.
Heil.
Durchatmend sank sie zurück.
Sie hatte sich dem Kriegshandwerk verschrieben und Verletzungen waren hinzunehmen. Wieso nur... wieso war es so übermässig lästig, jedoch inzwischen normal, daß Träume sie quälten, Träume in denen auch der Rest ihres Gesicht zu einer nicht mehr erkennbaren blutigen Masse zerstört wurde? Träume, in denen man sie nicht einmal mehr als das erkannte, was sie war...
eine von Elbenau.
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Nur wer die Sehnsucht kennt...

Wie hatte sie hiervon nicht wissen können?
Weil sie bisher nicht an das Ende von Berchgard gegangen war. Überhaupt führten ihre Schritte sie die letzte Zeit auch über unbekannte Wege von Gerimor, doch es war jedesmal ein Spiel mit dem Feuer. Zu gut hatte sie die überraschende Bärenpranke in ihrer Seite im Gedächtnis, als sie bei einem einfachen Waldspaziergang nicht genug aufgepasst hatte.
Bei diesen Streifzügen war die leise Hoffnung, daß es vielleicht noch mehr dieser schönen Schreine geben mochte, wie den, der in der Nähe des Klosters war. Jedesmal, wenn sie ihn in den letzten Tagen gesehen hatte, hatte es etwas Erhebendes, und sie konnte es nicht leiden, daß diese seelenlosen Gebilde dort herumwankten, was ihr Sinn auch sein mochte.
Es konnte nur gerecht sein, sie zu Boden zu schicken und ihnen zu wünschen, daß sie dort auch endlich liegen bleiben mögen.

Doch heute hatte die Wache in Berchgard etwas anderes enthüllt, etwas, das sie weit mehr fesselte. Kadett Xendral wusste auch nur wenig darüber, doch es reichte, um ihr ungeteiltes Interesse zu wecken: Eine Anlage, in der Ritter residierten.
"Vielleicht haben auch Knappen dort Zugang, das weiß ich aber nicht genau. Sir Rafael de Arganta müsste das besser wissen, vielleicht fragt Ihr ihn lieber."
"Es beträfe mich eh nicht mehr." Sie hatte Mühe, ihrer Stimme einen gemäßigten Ton angedeihen zu lassen, es klang vermutlich harsch und verbittert, denn hörbar vorsichtiger hakte ihr neuer Kamerad nach:
"Nicht mehr?"
Kurze Erklärungen, höfliche Worte, sein Beileid, natürlich. Es klang ehrlich, doch in ihrem Innern klang es schal. Genauso, wie Leutnant Krenors Worte in ihr fast beleidigenden Charakter hatten, obwohl dem natürlich nicht so war.

"Ihr seid in der Garde seiner Hochwohlgeboren, des Grafen und ihrer königlichen Majestät, der Königin. Ich hoffe, Euch ist bewusst, was das bedeutet!" - Worte von Loyalität, Stolz, Ehre, gutem Benehmen... Nein, woher sollte er wissen, daß sie viele der Dienstvorschriften, die sie seit ein paar Tagen mehrfach täglich las, nun wahrlich nicht aufschreiben musste, weil ihr Wesen, ihre Bedeutung, ihr seit der Wiege vorgelebt und von ihr verinnerlicht worden war?
Sie mochte nicht von vornherein wissen, wann welcher Umhang zu tragen war, doch daß die Aufmerksamkeit stets dem Ranghöchsten im Raum zu gelten hatte, war keine Vorschrift, sondern Selbstverständlichkeit.
Doch mancher mochte diese Dinge sich jetzt erst neu aneignen müssen, weil sie in einem bürgerlichen Leben so nicht enthalten waren...
Das war der Unterschied zwischen Gardistenleben und Ritterleben.
In ihr stritten sich noch die Gefühle. Sicher war es eine Ehre, in der Garde zu dienen. Und der Graf selber hatte schließlich die Empfehlung ausgesprochen. Und besser als Schreiberin am Gericht war es in jedem Fall.
Nur...

Sie wachte auf, starrte in die Dunkelheit. Sie hatte geträumt, nicht? Von de Lore, von golden schimmernden Rüstungen, er hatte ihr kameradschaftlich die Hand zum Aufstehen hingehalten, als sie nach der Tjoste gegen ihn am Boden lag. Dann lag er selber, im Kampf gegen einen Rahaler verletzt, die Sorge hatte sie geweckt. Es gehe ihm wieder gut, hatte die Heilerin versichert.
Nachdenklich zog sie sich an und erahnte hinter dem Fenster die weißen Flocken, die an der Scheibe vorbeitanzten.
"Du bist verrückt, du willst da jetzt nicht wirklich rausgehen!" - doch irgendwas ließ ihr keine Ruhe, sie musste es noch einmal sehen, wollte...
"Ich will sie nur einmal noch angucken.
Das ist kindisch.
Ich weiß... aber... ich kann doch eh sonst nicht schlafen. Vielleicht wird de Lore dort gesundgepflegt?
Selbst, wenn es so wäre, würde es für dich keine Rolle spielen. Das ist doch erst recht Unfug.
Ja."


Es war Nacht, es war eisig kalt, es schneite. Das Licht in der Laterne flackerte unstet, und sie zog den Mantel enger, versuchte, den Weg vor sich zu erkennen. Berchgard... Sie ging an all den Wachen vorbei, grüßte schon von weitem, sie war keine Gestalt, der lange Argwohn entgegenschlug. Eine von Elbenau hatte nichts zu verbergen.
"Und warum lösch ich hier zwischen den Bäumen das Licht, bevor ich weitergehe? Wieso schleich ich mich näher, im Schutz der Dunkelheit, wie ein gemeiner Dieb?"
Sie verbarg sich hinter dem weißen Statuensockel aus Marmor, von dem eine Kriegerin streng und stolz den Blick gen Horizont gerichtet hatte. Unter ihr, zusammengekauert in Kälte und Verunsicherung, eine junge erwachsene Frau, die gerade weniger an eine Kadettin oder Knappin erinnerte, sondern weit mehr an einen Bettler, der sich aus Scham nicht in die Armenküche traute.
Aber da, da waren sie... vom Feuerschein aus dem Hof erhellt, bewegte sich ein Schimmern über die weißen Mauern, mehr erahnen nur ließ sich der rote Umhang, der prächtig hinter dem Wache haltenden Ritter herwehte, sich in Wind und Schneegestöber aufbauschte. Im verzierten Harnisch fing sich das Licht und brach.
Im Schatten des Sockels erklang ein leises Seufzen, das gleich hinfortgeweht wurde. Die sonst so nüchterne, ungerührte Miene war ein Bild aus Traurigkeit, der Blick nur von einem Gefühl bestimmt: Sehnsucht.


"Du bist verrückt. Wenn du hier irgendwo im Gebirge verschollen gehst, nachts, bei der Kälte... Die Wachen - deine Kameraden, verdammt! - haben sich schon warnend und verwundert geäußert. Du kennst diese Pfade nicht einmal!
Ich habe letztens vom Wald aus bemerkt, daß das Gebirge nicht sonderlich in die Länge gestreckt ist, glaube ich. Wenn man drum herum geht, müsste man also womöglich an eine andere Seite der Ritteranlage gelangen.
'Nicht sonderlich'... 'womöglich'... und dann?
Keine Ahnung, was dann. Ich will aber da hin, und zwar jetzt, fertig!"


Sie hoffte hinterher, daß der Weg zur Ritterburg nicht ausgerechnet der sein mochte, wo sie hinter einigen Felsen zweiköpfige Bergmonster gesehen hatte.
Der Weg, den sie mühsam um das Gebirge herum suchte, barg Schönheit und Schrecken - ein herrlich idyllischer See, so ruhig und einladend, daß er ein Ort der Elfen sein mochte. Eine Weile überlegte sie, ob sie hier einfach verweilen solle. Wenn sie hier träumte, dann wohl höchstens und außerordentlich gerne von Gelmir Ancalime. Hoffnungsvoll hob sie den Blick, ließ die Schneeflocken auf ihr Gesicht fallen. Ob sie je Elfen treffen würde, dieses noble Volk, das den ihrer Meinung nach bewundernstwertesten aller Helden hervorgebracht hatte?
Doch sie entschied sich dagegen, zu bleiben. Sie musste - nein, sie wollte weiter. Gegen allen Sinn und Verstand, die Distanz der Brücke war ihr zu schmerzhaft gewesen. Sie hoffte, irgendwie näher herankommen zu können.

"Ein Fluß. Und erst dahinter geht das Gebirge weiter. Oh nein, nicht das auch noch..." Sie seufzte und ließ den Kopf hängen. Mitternacht musste schon längst vorbei sein, die Dunkelheit würde noch Stunden währen, und die Kälte wohl gar nicht aufhören. Sie war immer dem Gebirge gefolgt, doch jetzt musste sie auch noch hoffen, daß über diesen Fluß eine Brücke führte.
Skeptisch betrachtete sie das hölzerne Geländer. Dieses schmale Ding? Doch dem vagen Schein ihrer Laterne nach führte es irgendwo hin. Verwundert hielt sie hinter der Brücke inne.
Hier war doch irgendwas faul?
Sie sah sich um, und damit fiel ihr auch auf, daß ihr keine Schneeflocken ins Gesicht wehten. Es hatte aufgehört, zu schneien, und damit war es auch etwas wärmer geworden, trotz des Flusses und weiterhin Kühle eine erträgliche Temperatur. Vorsichtig setzte sie ihre Schritte über das... Gras... das sich der Witterung der letzten Wochen recht gut widersetzt zu haben schien.
Überrascht und doch nicht mehr sonderlich verwundert hielt sie den Atem an, als sie ein Leuchten sah, das angenehm vertraut schien. Ein wunderschönes Funkeln, ganz seltsames Licht, denn es erhellte kaum etwas und verlieh dem Symbol in der Mitte doch einen erhabenen, majestätischen Glanz.
Sie hatte sie gefunden, eine weitere Stätte, an denen Temora auf diese Art den vernunftbegabten Wesen dieser Welt ihre Gebote näherbrachte. Geborgen, aber nicht versteckt. Offen für die, die suchten und sehen wollten.
Im Niederknien wurde die Bedeutung des Symbols der Beugung offenbar - Demut. Und sie fühlte sich beschämt, denn illusorischer Zwang hatte sie hierhergetrieben, der Wunsch nach dem Anblick von Äußerlichkeiten.

Hier, in diesen Momenten des Findens und Besinnens, war die Sehnsucht nicht gestillt, doch der Zwang war genommen, fand Ruhe. Es machte keinen Sinn, die Nähe zu Adel und Rittertum auf solche Weise zu suchen. Die Wege würden sich fügen, dieses Vertrauen erwachte im Schein der göttlichen Lichter zu neuer zaghafter Blüte. Sie hatte aller Vorraussicht nach ihren Herrn verloren, doch ihre Wege hatten sie weitergeführt. Es war nicht zuende, es begann neu, eine andere Art der Suche.
Die Ruhe wurde greifbar - begreifbar - als sie sich einem Teil der Worte näher fühlte, die Quarius über Wege und Suchen gesprochen hatte. Kein Zusammenhang, an den sie sich noch hätte erinnern können, aber sie fand für sich einen Sinn.
Müde blinzelte sie und beugte sich ohne weiteren Trotz der Erkenntnis, daß sie zu dieser Zeit nichts weiter finden würde, nicht den Weg zurück zur Herberge, und erst recht keine Ritterfeste.
Hier war sie sicher.
Sie ging zu dem Baum, der auf der kleinen Insel wuchs, und im Schutz seines Stammes wickelte sie sich in ihren Mantel, lehnte sich gegen das trockene Holz und fiel rasch in erholsamen Schlaf ohne weitere Träume.
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Eine Frage der Loyalität

"Ihr habt seine Hochwohlgeboren darum gebeten, in der Garde zu dienen?"
"Ich habe seine Hochwohlgeboren darüm gebeten, zu dienen, Leutnant Krenor." Höflich antwortete sie, nur eine leichte Nuance betonte das letzte Wort und gab dennoch damit unmißverständlich der Wahrheit die Ehre. Sie hatte nicht um Dienst in der Garde gebeten. Sondern sie hatte den Grafen um ehrbaren Dienst gebeten und vertraute seinem Urteil, daß die Garde ihrem bekundeten bisherigen Werdegang das angemessenste war, was er anbieten konnte.

Leise noch, wie verhallene Schläge ins Gesicht, klangen die Erinnerungen an die Worte von Frau Ilvess: "Haben mich meine Ohren getäuscht, oder habe ich in Eurem Namen ein 'von' gehört, Kadettin? Dann habt Ihr Euch verlaufen."
"Ich denke nicht, daß ich mich verlaufen habe, ich wollte tatsächlich hierher in die Bank."
Welten prallten aufeinander. Mal wieder hatte Darna mit dem Umstand zu kämpfen, daß sie Mühe hatte, Clarissas Worten zu folgen, als spräche sie eine andere Sprache. 'Frotzeleien', wie sie es nannte... es entlockte Darna nur ein inneres Seufzen.
"Sowas kennt man bei Euch bei Hofe nicht, nehme ich an."
"Nein." Das war etwas gelogen - es gab sowas leider durchaus, in leicht anderer Art... sie hatte dafür nur nie einen Sinn gehabt...

Doch viele andere Worte, die fielen, schienen alles darauf anzulegen, Darna zur inneren Weißglut zu treiben. Pauschal wurde ihr von der kaltschnäuzigen beurlaubten Gardistin unterstellt, sie würde sich zukünftig Befehlsverweigerungen leisten. Sie würde nicht wissen, was Kameradschaft bedeute. Knappen hätten nichts weiter zu tun, als die Rüstungen ihrer Ritter zu putzen und gegenüber anderen Knappen zu prahlen, daß ihr Herr stärker sei...
"Was denkt diese Person sich eigentlich, wer sie ist und was sie angeblich wisse?", fuhr es ihr wütend durch den Sinn, doch die spezielle 'Lehre', durch die von Kelterburg sie gejagt hatte, offenbarte ihre guten Seiten: sie blieb stoisch ruhig. "Sie ist eine Bürgerliche, bürgerlicher geht es kaum noch. Im absoluten Zweifelsfall wäre sie deine Vorgesetzte. Jegliche Ereiferung jetzt wäre gänzlich unter deiner Würde, und du hättest keinerlei Recht zu irgend etwas."

Der Dienst des heutigen Tages war eine interessante, doch nicht sonderlich überraschende Erfahrung, eher angenehm. Es war angenehm vertraut, schlicht zu schweigen, wenn sie auf Personen trafen und das Rederecht klar beim Leutnant lag. In diesem Sinne waren sich Knappen und rangniedere Soldaten offenbar recht ähnlich: im offiziellen Teil hatten sie lediglich anwesend, dabei unauffällig, zu sein und den Mund zu halten.
Der etwas informellere Teil der Wache zum Schluß bestätigte den Eindruck, daß sie es bei Leutnant Krenor mit einem Ehrenmann zu tun hatte, mit dem man gepflegt, höflich und unter dem Angebot des Stillschweigens einige Worte wechseln konnte.
Wenn dies die Dinge waren, die Ilvess mit "Euch als Adelige wird doch von anderen das Näschen gepudert" umschrieb, so konnte Darna keinen Bezug zu jenen Worten aufbauen, denn sie sah nicht, was an Höflichkeit abfällig bewertet werden müsste. Es würde ihr vielleicht auch auf ewig verborgen bleiben.

Doch ihren Gehorsam in Frage zu stellen... nein.
"Mein Herr Großvater hat sich als Ritter bereits verdient gemacht, meinem Herrn Vater wurde die Ehre zuteil, das 'von Elbenau' als Familiennamen zu führen, und auch mein Bruder hat sich um diese Ehre bereits verdient gemacht. Es würde mich zutiefst beschämen, meinen Sire verloren zu haben und ohne ehrbare Verdienste nach Hause zurückkehren zu müssen.
...
Ich bitte um Anerkennung der Ehrlichkeit meiner Worte: Es ist mir eine Ehre, in der Garde zu dienen und ich will meine Pflicht mit bestem Eifer erfüllen."

"Doch so würdet Ihr, wenn Ihr könnt, einen Sire bitten, Euch als Knappin zu nehmen...", mutmasste der Leutnant, doch sie verneinte ruhig.
"Nein, Leutnant Krenor, das Recht zu solch einer Bitte stünde mir nicht zu. Es obläge dem Grafen, mich bei einem seiner Ritter in Obhut zu geben. Vorausgesetzt natürlich, mir würde die Ehre zuteil, daß einer der Sires mich als Knappin für geeignet hält."

Selbstbestimmung... innerlich geringfügig irritiert schüttelte sie darüber den Kopf. Es wurde so leicht von jenen als selbstverständlich angesehen, die nicht den strengen Reglementierungen der adeligen Schichten gegenüberstanden. Sie hatte keinen Status inne, daß sie irgendwas selbst zu bestimmen, zu wollen oder zu verfolgen hatte. Sie konnte im besten Falle Bitten äußern und auf Erhörung hoffen. Dafür konnte sie auf den Schutz derer vertrauen, die sie selber zu schützen gelobt hatte.
Es sollte bei Gardisten doch nicht anders sein, doch zeitweilig schienen ihre ... Welten... wie zwei unterschiedliche... und fern voneinander.
Doch es hatte nichts auszusagen. Sie stand für sich selbst, es war ihr Dienst, ihre Überzeugung, die sie nach außen trug.
Und in dieser, ihrer Welt, waren die Regeln klar vorgegeben und ihre Loyalität stand außer Frage. Treu und Ehre seitens derer von Elbenau.
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Überschrittene Grenzen

"LEUTNANT!"
Rückzug? Was hieß hier Rückzug, was hieß hier "Weg von hier!", was hieß... "LAUF, DARNA!" ...
Es hallte durch ihre Gedanken, und die Dunkelheit ließ die Angst zurückkehren, zeigte Schemen von Männern, obwohl vor ihr der Gang leer war. Hier unten war nichts menschliches, das lebte, außer den Männern im Blau und Gold der Königin.
Und doch war der verfluchte Ort nicht schrecklicher als dieses elende angebliche Gasthaus, wo sie ihren Herrn verloren hatte, durch eine Dummheit, durch Panik, durch einen Befehl...
"Du hast ihn im Stich gelassen. Er stand allein gegen eine Übermacht, und du hast ihn im Stich gelassen."
"Hier liegt der nächste, dort irgendwo hinter der Ecke, er wird schon gefallen sein", rauschte es durch einen Winkel ihres Verstandes, ihre Füsse setzten sich in Bewegung - in die Richtung, die falsch und richtig zugleich war. Zurück zu dem, der den Rückzug seiner Kadetten befahl und hatte decken wollen, zurück zu dem, der hier ihr Herr war, anempfohlen in gegenseitiger Fürsorgepflicht.

Die Angst trieb sie voran, Angst vor der Angst, makabererweise. Die Nächte ließen sie nicht los, in denen sie von finsteren Gestalten gejagt und gehetzt wurde, bis man sie lachend in einen Schweinepfuhl stieß.
Sie eilte auf die Ecke des Ganges zu, die vernarbte Grimasse unter dem Helm nicht zu erkennen. Nicht zu erkennen das wirre Mienenspiel aus Angst, Wut, Verbissenheit und der Ruhe eines Menschen, der nichts Wichtigeres zu verlieren hatte als das, was gerade soeben verloren worden war.
"Ritter, Leutnant... das ist doch egal. Ich will ihn nicht nochmal verlieren."
Nicht einmal zwei Lidschläge mochte es gewährt haben, bis sie den Knick des Ganges erreichte und auf dem Boden vor ihr ein zusammengefallener Haufen aus Rüstung lag, mit ihrem Leutnant drin. Ob er tot war? Wenigstens hatte sie ihn nicht alleine gelassen.
Ja, sie wusste, daß hier dieses obskure Gebilde aus wirbelnden, armlangen Messerschneiden war, es hatte auch eine verheerende Kraft, daß es ihr einfach so den Schild beiseite riß und weiter die Nähe ihres Körpers suchte, vermutlich im wahrsten Sinne des Wortes magisch von ihr angezogen. Ja, es tat auch weh, irgendwie, und das Ding machte kurzen Prozeß mit ihr.
Wäre das feindliche Objekt vor ihr mit Gefühlen wie Ehrgeiz, Grausamkeit oder Stolz ausgestattet gewesen, hätte der Klingengeist es vermutlich als außerordentlich kränkend empfunden, daß die Frau vor ihm, die er niederschnetzelte, kaum einen Blick für ihn übrig gehabt hatte, bevor sie fiel.

...

"Geht es, Kadettin?"
"Jawohl, Herr Leutnant."
In der Bewegung, mit der Saldor sie hochzog, ging zum Glück größtenteils unter, daß sie am ganzen Leib zitterte. Sie mochte diese Untoten wirklich nicht. Ob ihr Großvater auch vor solchen Dingern gestanden hatte? Ja, und vermutlich vor weit schlimmeren und deutlich mehr von diesen... diesen... waah, diese leeren Augenhöhlen, die sie jedesmal fixierten, als würden sie ihr etwas sagen wollen...
Darna schloß selber die Augen und verdrängte die Bilder, murmelte im Geiste den Namen, der ihr Kraft gab: Gelmir. Gelmir hatte auch keine Angst gehabt, also weiter. Ihr blasses Gesicht war zum Glück vom Helm großteils verdeckt und es war ziemlich dunkel hier drin. Sie presste eh in verbissener Manier die Kiefer aufeinander, damit hörte man ihre Zähne auch nicht so oft klappern. Daß sie Krenor ab und zu mit "Sir" anredete, fiel ebensowenig auf, schließlich war das auch in der Garde eine benutzte Titulatur - und so lange war sie noch nicht in der Truppe, daß es für die anderen eine Bedeutung gehabt hätte, daß sie diese Anrede selber außer gegenüber Rittern stets mied.
Sie und Falkenau rechts auf das schwer gerüstete Skelett, die anderen beiden gingen auf die Mumie los. Klappte eigentlich ganz gut...

...

"Lebt sie noch?" Langsam wurde selbst die Stimme des Leutnants ein wenig hektisch, während er vor sich den Lich musterte, der die kleine Truppe für zu unwichtig zu halten schien, um auf sie zu zaubern.
Zum wiederholten Male nahm Kamerad Saldor Falkenau ihr den Helm ab, und - ja, sie lebte. Doch das schmerzerfüllte Stöhnen, mit dem sie nach einer Weile zu sich kam, war beim vorletzten Mal (wie er schätzte) auch schon enthusiastischer gewesen. Er konnte schlecht vermelden, daß die kampfunerfahrene Kadettin fix und alle war, aber das merkte der Leutnant auch selber. Brav hatte sie sich jedesmal wieder aufgerappelt, diesmal kam sie nicht mal mehr mit Hilfe auf die Beine.
"Gardist, ihr mäht nieder, was sich uns in den Weg stellt!"
Mit dieser sehr vertrauenserweckenden Anweisung legten sich Leutnant Krenor und Kadett Falkenau jeweils einen Arm von Darna um die Schultern und es ging nach draußen.
Frische Luft...
Für eine Weile kam sie halbwegs zur Besinnung, doch zum Glück vergaß sie es später wieder, daß Saldor sich nur mit etwas Mühe und Geschick vor ihrem ausbrechenden Mittagessen hatte retten können.

Was sie nicht vergaß, war ein gefasster Entschluß bei der Behandlung durch Herrn Quentino im Heilerhaus: "Wenn du je ein Gesetz vorschlagen darfst, dann lässt du verbieten, daß Tinkturen von Heilern jedesmal so abartig brennen dürfen!"
Aber für ein paar verwirrte Momente fühlte sie sich fast wie Zuhause, in den umsorgenden Händen von Gunhild... eine Illusion, die schnell verblasste. Ob die Worte des Leutnants auch in die Kategorie "Näschenpuder" gehörten?
"Ihr habt wacker gekämpft, Kadettin."

Sie wartete, bis er das Heilerhaus verlassen hatte und wahrscheinlich außer Sicht war. Die Würde wollte sie sich wenigstens noch halbwegs bewahren, daß er nicht sah, mit welchem Schneckentempo sie zum Gardegebäude und danach zur Herberge schlich, um einfach nur noch erschöpft ins Bett zu fallen.
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Worte und Taten

Wieder war niemand anderes hier anwesend, und wieder schätzte sie diesen Umstand, denn es gab ihr die Gelegenheit, den Platz vor den Stufen wenige Minuten für sich in Anspruch nehmen zu dürfen, ohne sich um Anmaßung einen Kopf machen zu müssen.
Sie verneigte sich vor dem Altar und den auf ihm präsentierten sakralen Gegenständen. Dann ging sie auf ein Knie und legte die Rechte locker auf den Knauf des Schwertes, das in der Scheide ruhte. Die Bewegungen waren vertraut, denn sie waren allmorgendliche Pflicht.

"Herrin Temora, im Lichte deiner Gerechtigkeit knie ich nieder, um zu bitten um alles, was gut ist." Die Worte erklangen ruhig und gemessen, doch waren sie in ihrer klaren Formulierung und der Akkustik der Kirche vermutlich bis zur letzten Sitzreihe zu hören.
Die kniende Frau hob ihr gesenktes Haupt und richtete ihren Blick auf einen unbestimmten, erhöhten Punkt.
"Herrin Temora, im Lichte deiner Gerechtigkeit erhebe ich mein Antlitz, um meine Augen zu öffnen für alles, was wahr ist."
Die Geste war heute nicht ganz so elegant wie die vorigen Tage, denn ihre rechte Schulter fühlte sich noch immer taub an. Doch mit den Worten wurde das Schwert gezogen und vor ihr abgelegt, mit dem Griff zum Altar.
"Herrin Temora, im Lichte deiner Gerechtigkeit entbiete ich mein Schwert, um zu streiten für alles, was recht ist.
Dein Licht erhelle mein Herz, dein Wort erfülle meinen Geist, deine Macht erhebe meinen Arm, der in Treue fechten soll für alle, die seiner bedürfen.
Herrin Temora, im Lichte deiner Gerechtigkeit danke ich dir für diesen Tag."

Sie nahm das Schwert wieder an sich und scheidete es. Wieder konnte sie sich nicht dagegen wehren, daß die Erinnerung an Gernot von Kelterburg jeden Morgen die Gedanken an das Gebet vergiftete, denn jedesmal erklangen seine höhnisch-spöttischen Worte: "Bemerkenswertes Gebet, ich dachte, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben?" Er war selber schlau genug gewesen, solches nie vor Bruder Talarion zu sagen, doch er wusste, wie er seine Lieblingsfeindin damit reizen konnte.

Gestern... war dies alles auf skurrile Weise vertraut gewesen, es hatte sich wiederholt und war dennoch anders verlaufen. Sie hatte gestern gegen ein Gesetz verstoßen. Es war ein gänzlich zwiespältiger Tag gewesen, doch selten hatte sie sich nach solcherlei so... zufrieden gefühlt.

Ob Frau Luzcilla Amarth heute ebenso noch Gedanken an das Gestern trug? An diesen gänzlich seltsamen Tag, der Gegensätze aufeinanderprallen ließ und aus Ablehnung und gar einer Duellforderung so etwas wie gegenseitige Duldung bis hin zu Respekt entstehen ließ?
"Wie ist Euer Titel, daß ich mich anständig von Euch verabschieden kann?", fragte die Kriegerin zu spätnächtlicher Stunde, als sie beide rechtschaffen müde waren.
"'Werte Dame', so Ihr mir diese Ehre entgegenbringen wollt, Frau... Luzcilla." Weiterhin fiel es Darna nicht leicht, wenigstens halbwegs dem Wunsch nachzukommen, die Frau zu duzen.
"Nun gut, werte Dame von Elbenau. Ich wünsche eine geruhsame Nacht."
"Euch ebenso." Kurz zögerte sie, hielt dann die nächsten Worte für angemessen, die Abschiedsformel, die Frau Amarth zu pflegen schien: "Mut und Stärke."


Mehrere Stunden zuvor, in der Taverne zu Berchgard, hatten die Worte ganz anders geklungen...

Zunehmend verhärtete sich Darnas Miene, während sie von Luzcilla Worte hörte, die ihr Blut zum Brodeln brachten:
"Die Götter scheren sich einen Dreck um uns. Ob Eluive, Alatar, Getares, Temora... Getares konnte nicht mal die Saat des Bösen töten, Eluive opferte sich für ihr Werk, aber nicht für die Menschen, Temora versteckte sich feige aus Angst in den Mauern einer uneinnehmbaren Stadt.
Was sind das für Götter, für Tugenden, für die sie einstehen?
Wir sind seit Jahrzehnten auf uns alleine gestellt, wir Menschen, nur die Meisten verstehen es nicht. Angur verstand es."
In all den Widerreden, die ihr dazu einfielen und für die sie doch keine Worte fand, brachte Darna mit scharfem und deutlich unterkühlten Tonfall heraus:
"Ihr wagt es nicht, die streitbare Tochter Eluives als feige zu erachten."
"Was ist sie denn sonst? Zu feige, ihre Mutter zu schützen, sich gegen Alatar zu stellen. Um Hilfe hat sie gebettelt."
"Diese haltlosen Beleidigungen nehmt Ihr zurück."
Ein Lachen als Antwort: "Niemals. Denn es entspricht der Wahrheit."
Streng und verärgert gab sie zurück: "Das sind die Behauptungen derer, die sich ehrbares Verhalten als Schwächen zurechtdrehen, um sich selber nichts beugen und vor nichts rechtfertigen zu müssen."
"Stellt mich nicht als unehrenhaft dar. Ich bin weder ungerecht noch feige."
"Dann unterlasst solcherlei Schmähreden."
"Es ist die Wahrheit."
"Ist es nicht."

Der Streit schaukelte sich weiter empor, der eigensinnige und von den Göttern enttäuschte Geist der Kriegerin, die sich nichts befehlen ließ, gegen die einstige Knappin, die nie etwas anderes tat und gekannt hatte, als zu dienen und zu glauben.
Inzwischen hatte es Darna nicht mehr auf ihrem Platz gehalten und sie stand vor dem Tavernentisch, die Hände verkrampft auf die Tischplatte gestützt, und sie fand sich schon regelrecht in vergangenen Jahren wieder, als sie sich nahezu jeden Tag mit Gernot von Kelterburg gestritten hatte und doch stets das Gefühl behielt, daß sie auf dem Schlachtfeld der Worte jedesmal einer Niederlage ins Auge zu sehen drohte. Was hatte sie den Geschichten, die Luzcilla da verbreitete, und von denen sie nicht einmal wirklich wusste, was genau an ihnen falsch war, entgegenzusetzen? Nicht viel, außer ihrer Wut und dem Gefühl, daß es nicht richtig war, was sie hörte.

"Ich sagte Euch, hütet Eure Zunge mit solch ehrabschneidenden Behauptungen. Vor jedem rechtschaffenen Geist, dem Ihr solche Dinge sagtet, wurdet Ihr hoffentlich zur Rechenschaft gezogen, Frau Amarth."
Wieder erntete sie ein spöttisches Lachen zur Antwort, ihr eigenes Gesicht zeigte nur Grimm und die Narben, die sich mit ihrer Wut nur weiter ins Antlitz zu fressen schienen.
"Nein, wurde ich nicht."
"Ein bedauerliches Versäumnis", erwiderte Darna kalt.
Luzcilla stand auf und humpelte am Tisch vorbei, zog aus der Rückenhalterung einen Streithammer, der schwer und nach einer furchtbaren Waffe aussah. Sie deutete auf ein einfaches Stück Wand der Taverne, während sie den Hammer hob. "Und soll ich Euch sagen, warum nicht?"
Sie wollte die Taverne beschädigen? Aus zu Schlitzen verengten Augen musterte Darna sie kalt, und das erste Mal klang ihre eigene Stimme abfällig: "Untersteht Euch, mit solch lächerlichen Kraftbeweisen irgendwen beeindrucken zu wollen."
"Wisst Ihr, was das Ding hier anstellt mit Leuten, die ihr Maul zu weit aufreißen?"
"Es stellt mit Euch bedauerlicherweise nichts an."

Musternd glitt Darnas Blick an ihrer Kontrahentin hinab, während sie diesmal selber die Wortführende war: "Ihr seid nicht von Stand, sonst wärt Euch versichert, daß Eure losen Worte direktere Folgen hätten, Frau Amarth."
Für kurze Monente schien Luzcilla sprachlos, brachte dann hervor: "Meinem Stand?"
"Ihr seid Bürgerliche", stellte Darna mehr fest, als daß sie es fragte.
"Und was bitte seid Ihr...?"
"Darna von Elbenau, ehrenhaft verdientermaßen." Ihr ganzer Familienstolz schlug durch - mancher mochte es gut Standesdünkel nennen. "Und das Gesetz verbietet mir, Euresgleichen eine Forderung auszusprechen, sonst hättet Ihr sie."
Kühl musterte Darna sie, während es nun anhand eines Knurrens gut hörbar Luzcilla war, die in die Defensive geriet.
"Ihr seid nicht mehr oder weniger wert als ich."
"Um 'Wert' geht es hier nicht, aber sicher müssig, Euch das näherzubringen. Eine Frage der Ehre, mehr nicht."
"Das ist nun das zweite Mal, daß Ihr meine Ehre in Frage stellt."
Diese Frau? Die weit zuviel von ihren Verdiensten für Rahal und Alatar erzählt hatte? Ehrenhaft? Darna zog die Brauen zusammen.
"Wer einen Meuchelmord als etwas Erstrebenswertes betrachtet, kann nicht ehrenhaft sein."
"Das war das dritte Mal. Ich fordere Euch zum Duell. Ich erwarte Euch draußen. Gerüstet."
"Dazu habt Ihr keine Berechtigung, das sagte ich bereits. Und Euretwegen breche ich sicher nicht das Gesetz."
Wieder dieses Lachen... "Feigheit. Es muß Temora sein, die aus Euch spricht."
Vor Wut wurde Darna blass. DAS reichte!
"Draußen", knurrte sie und zog sich in einen Winkel der Taverne zurück, um sich zu rüsten.


Die Tavernentür öffnete sich und Darna schritt heraus. Die Ringe ihres kupfernen Kettenhemdes klirrten leise, sie zog die Riemen des eisernen Rundschilds nochmal fest und heftete mit allem Stolz, der ihr gegeben war, ihren Blick auf die verzierten Plattenteile aus rötlich schimmerndem Metall, das ihr nicht wirklich etwas sagte, aber nicht nach schlechter Qualität aussah. Egal. Es ging hier nicht allein um Sieg oder Niederlage...

Doch der folgende Verlauf überraschte sie. Die Kriegerin offenbarte plötzlich Kenntnis über die Ehrengesetze eines Duelles, auch wenn das, was sie hier beide gerade taten, nicht wirklich höfischem Protokoll entsprach.
"Wählt Eure Waffen."
"Schwert und Schild", antwortete Darna prompt. Ein weiteres Mal dankte sie gerade still und heimlich dem Umstand, daß sie während ihrer dienstfreien Zeit auf diese Frau getroffen war. Als Kadettin im Dienst hätten gänzlich andere Verpflichtungen gegolten...
"Hm...", nickte Luzcilla und steckte den Kriegshammer weg, "Auch wenn ich es nicht zu führen verstehe - ich nehme auch das Schwert."
Darna horchte auf. Es war ehrlos, einen Duellgegner zu gänzlich ihm ungelegener Waffenwahl zu zwingen.
"Gibt es eine Möglichkeit, Euch entgegenzukommen?", fragte sie sehr förmlich.
"Freie Wahl der Waffen."
"Einverstanden."
Der Kriegshammer kam wieder zum Vorschein... trotzdem führte Darna das Zeremoniell weiter:
"Auf's erste Blut? Der erste ersichtliche Treffer soll zählen."
"Gut."
Nun kam das Wichtigste...
"Wähl deine Worte sorgfältig", fuhr es Darna durch den Sinn und bedächtig meinte sie: "Wenn Ihr gewinnt, erlaube ich mir fürderhin kein Urteil über Eure Ehrbarkeit." Sie erntete das Einverständnis ihrer Gegnerin. "Gesetzt dem Fall, daß ich gewinne, untersteht Ihr Euch zukünftig, Euch beleidigend gegenüber den Göttern auszusprechen - in meiner Anwesenheit, versteht sich."
"Aye. Bei meinen Ahnen." Unbeholfen bemühte sich Luzcilla trotz ihrer alten Verletzung am Knie um einen Knicks, und die Geste und das Gewicht hinter ihren Worten überraschten Darna, denn sie hatte nichts dergleichen erwartet. So etwas wie Umgangsformen...
Ihr kam der Verdacht auf, daß es keine allzu schmähliche Schande sein würde, gegen diese Kriegerin zu verlieren, auch wenn sie sich den Sieg wünschte. Die Worte brannten noch in ihren Ohren. Doch die Zeit der Worte wurde für beendet erklärt, als sie ihrerseits respektvoll den Kopf neigte: "Im Namen Ancalime's."

Eine dünne Schicht hartgefrorenen Schnees knirschte unter ihren Füßen, als sie sich ein Stück weit von der Taverne entfernten und Darna sich versicherte, daß auch die Wachen der Szenerie keine große Bedeutung zumaßen. Die Kriegerin in Vollplatte gegenüber der Frau in Kettenrüstung mochte mehr nach einem Übungskampf denn irgendwas anderem aussehen.
"Du verstößt gegen das Gesetz", fuhr es ihr unglücklich durch den Sinn, doch sie hatte es selbst so entschieden. Konzentriert bewegten sich die dichten Augenbrauen wieder aufeinander zu und unter dem Helm gewann ihre Mimik wieder die fast mordlüstern anmutende Grimmigkeit, die sich bei jedem Kampf zeigte. Es hatte mehrere fast einem Streit anmutende Gespräche mit ihrem Lehrmeister gegeben, bis er sich endlich damit zufrieden gab, daß sie bei Kämpfen nicht nett lächelte, aber trotzdem deswegen keine gedankenlose Metzgerin wurde.
Wie dieser Kampf hier ausgehen mochte, war ihr völlig ungewiß. Ihrer Unerfahrenheit standen mehrere Vorteile zu ihren Gunsten gegenüber. Luzcilla war geübt darin, mit ihrer Kniebehinderung umzugehen und würde wahrscheinlich einen ungewohnten Kampfstil offenbaren, der auf vernichtende Wucht ausgelegt war. Darna hatte die schnellere Waffe, doch wenn sie danebenschlug oder nur streifen würde, wäre die Chance auf einen Sieg wahrscheinlich vertan.

Und tatsächlich war es so schnell vorbei, wie es begonnen hatte.
Kaum umkreisten sie sich, beide waren keine "tänzelnden" Kämpfer, als Darna in ausreichende Nähe zum Kriegshammer kam, holte Luzcilla mit der Waffe zu einem wuchtigen Schlag weit aus, und dies war auch die Sekunde, die Darna brauchte, um möglichst schnell heranzugelangen, die Klinge in einem schrägen Bogen von unten zu führen und sich rasch wieder aus der Gefahrenzone herauszubringen - doch das klappte nicht.
Irgendetwas schepperte, während sie sich seitlich wegdrehte und nach hinten wollte, traf der Hammer von hinten ihre rechte Schulter und augenblicklich tanzten ihr Sterne vor den Augen, solcher Schmerz durchfuhr sie.
Sie hätte mit dem Gesicht im Schnee gelegen, hätte sie ihr Knie nicht schmerzlich weit nach vorn gezogen, um zwar in die Knie gehen zu müssen, doch nicht zu liegen. Es knirschte, als die Unterkante des Schilds auf dem Boden aufkam und der metallene Schutz sich ein Stück weit um ihren Arm drehte.
Für ein paar Momente hörte sie nur das Blut in ihren Ohren rauschen. Sollte ihre Gegnerin einen weiteren Schlag auf sie niederfahren lassen, mochte das ihr Ende sein...

"Wollt Ihr mehr?", hörte sie es hinter und über sich tönen.
"Gebührt es dem Sieger nicht, daß man sich vor ihm verneigt?", hallte eine andere Stimme durch ihre Erinnerung...
"Alle Vereinbarungen wurden getroffen", brachte sie mühsam heraus, mehr ein Aufkeuchen. Ihre Schulter brannte wie flüssiges Feuer.
"Aye." Darna drehte sich zu ihr um. Luzcilla stand fest auf beiden Beinen, und ebenso fest war ihre Stimme: "Ich werde in Eurer Gegenwart nicht mehr gegen Eure Götter lästern."
Sie hob den Arm, und von der Unterseite troff aus einem Riß in der Armschiene Blut.
"Ich hab sie getroffen", stellte Darna gedanklich etwas befremdet fest. Und, erst einige Lidschläge später:
"Ich habe gewonnen."

Es war wie in einer jener seltsamen Nächte, in denen sie träumte... Luzcilla streckte ihr die Hand hin, um ihr kameradschaftlich beim Aufstehen zu helfen und empfahl nachdrücklich, daß ein Medicus sich ihre Schulter ansehen solle. Sie sagte, bei ihrem nächsten Aufeinandertreffen würden andere Regeln gelten - bis zur Aufgabe. Skeptisch fiel Darnas Blick auf die klobige Waffe. Ein Schlag...
"Sicher kein Vergnügen, Euch als Feind gegenüberzustehen." - es war Anerkennung. Sie standen sich als Ehrenleute gegenüber.
Darna von Hohenfels

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Das Buch der sieben Siegel

"Mitgefühl ist eine Tugend."
War sie nur deswegen hier? Sie hatte sich bei ihrer Rückkehr vor wenigen Tagen nach dem Wohlergehen des Hauptmanns erkundigt, nach Leutnant Krenor, dem Grafen... war erleichtert gewesen, als sie hörte, daß alle wohlauf seinen. Sie hatte die Gefallenen bedauert. Doch daß er ebenso gefährdet gewesen war, als Ritter womöglich sogar mehr als andere, war ihr erst später siedend heiß bewusst geworden - sie hatte die Gefahr beiseite gedrängt, umso erbarmungsloser schlug nun die Sorge zu. Nein, nicht noch ein weiterer Ritter, dessen Verlust an ihr nagen würde, oder? Bitte nicht...
"Sir Quarius wurde schwer am Arm verletzt, doch er ist wieder völlig genesen."
Dennoch hatte sie vor der Tür gestanden, als sie das Schild mit dem Namen am Haus entdeckte, es hatte ihr keine Ruhe gelassen. Die Hand hob, senkte sich, klopfte dann doch an. Er war wohlauf. Jedesmal, wenn sie gehört hatte, daß er verletzt wurde, schnitt es ihr ins Herz, doch er war wohlauf, lud sie in sein Haus ein.

"Habt Ihr Euch weitergebildet, was die Tugenden anbelangt?"
Wie hätte sie dies anstellen sollen, sie war ja kaum wieder richtig im Lande. Und hier, auf Gerimor, schienen nur wahrlich die Schlüssel zu finden zu sein, die sie suchte. Doch wie sollte sie das, was ihn und sie interessierte, in Worte fassen?
"Wenn du etwas mitzuteilen hast, drück dich klar aus, Darna! Du bist hier bei Hofe, nicht im Zelt einer Jahrmarktswahrsagerin!"
Verlegen den Blick auf die Tischplatte gesenkt, wusste sie dieser Lehre kaum gerecht zu werden.
"Ich kann die Tugenden aufzählen, das ist nicht das Problem und ich mühe mich redlich, ihnen zu folgen. Und doch... es ist, als wäre mir das Lesen von Buchstaben gründlich beigebracht worden, aber als würde ich dennoch geschriebene Worte nicht wirklich verstehen."
Das klang kryptisch, doch Sir de Lore sprach ihr Mut zu. Nicht immer sei das, was man fühle, verkehrt, nur weil man keine rechten Worte dafür findet.

Aber es blieb dabei, es fehlten tausend Worte, und seine eigenen brannten, auch wenn sie wusste, daß sie nicht so verletzend gemeint waren, wie er sie sagte - es enttäuschte ihn, daß sie in ihren Studien noch nicht weiter sei... es tat ihr weh und leid, denn sie wollte ihn nicht enttäuschen, doch wie sollte sie ihm gleichsam begreiflich machen, was sie beim zweiten Schrein, beim Zeichen der Demut, empfunden hatte? Was sie überhaupt bei den Schreinen empfand?
Ja, klein und irgendwie schäbig war sie sich vorgekommen, das war wahr, doch die anderen Dinge rührte sie nicht an, es hätte Stunden gedauert, es in Worte zu kleiden...
dieses Gefühl, daß das Aufsuchen der Schreine keine Schnitzeljagd war - etwas, das er sicher ebenso sehen würde. Das Gefühl, daß beides zueinander fand, wenn es eben die Zeit dazu war. Daß sie zu ihnen kommen wollte, musste, konnte - und daß doch Zeit dadurch nur eine sehr seltsame Rolle spielte. Die Schreine würden nicht weglaufen und sie auch nicht. Und die Schreine waren... diese Bücher, die schwer zu lesen waren, rätselhaft trotz ihrer scheinbaren Schlichtheit.

Enttäuscht...
Nahezu kindisch anmutender Trotz regte sich in ihr. Was hatte er erwartet, daß sie über die Weiten des Eilands hetze und beim Anblick eines Schreines "Tick, du bist!" riefe?
"Das ist Unfug Darna, und das weißt du." Mit einem Senken ihres Kopfes quittierte sie den Tadel an sich selbst und klopfte abwesend den Hals ihres neuen Pferdes, das sie einfallsreicherweise nach ihrem Vorbild "Gelmiron" genannt hatte. Es war mitten in der Nacht, und sie wollte eigentlich zurück nach Varuna, in die Wärme der Herberge.
Doch es war eine Nacht wie die Nacht, als sie die kleine Insel im Fluß fand, es zog und nagte in ihr. Sie hob das Kinn und sah auf den kaum zu entziffernden Wegweiser, der zur Magierakademie von Tirell wies.
Sie war schon mal hier gewesen...
Doch sie hatte die Suche abgebrochen, unberitten, ungerüstet war ihr der Weg durch unbekanntes Gelände, gar durch Sumpf oder Dschungel und fremde Kreaturen darin zu riskant gewesen.
Jetzt...
Sie griff die Zügel fester und trieb das Pferd auf den unvertrauten Weg.
"Am Wasser längs. Nur ein Ritt am Wasser längs, und wenn dort nichts ist, drehst du wieder um."

Es wäre Anmaßung gewesen, zu behaupten, daß sie es gewusst hätte, nicht wahr? Es war nur eine Vermutung gewesen, beruhend auf den Tatsachen, daß der erste Schrein am Meer lag, der zweite inmitten eines Flusses. Sie wusste nicht, was sie davon halten sollte, als sie die Holzbrücke entdeckte, sie lenkte nur einfach ihr Pferd darüber.
Was hätte sie davon halten sollen, als sie das Gebäude mit den hohen Arkarden entdeckte, aus dessen Innerem ein undefinierbares Schimmern drang?
Es musste doch anmaßend sein, an dem Brunnen vorbeizutreten, das Zeichen des Tropfens zu sehen, zu wissen: "Blut. Ein Blutstropfen. Das Zeichen des Opfers, so wie Gelmir für Temora geblutet hat, sein Leben ließ... hier ist der Schrein der Aufopferung - das Zeichen dessen, dem ich so sehr nachgeeifert habe, daß ich geradezu zu ignorieren drohte, daß sie ihre hütende Hand über mich hielt, dadurch, daß ich während des Krieges aus ehrenhaften Gründen nicht da war. Ich hätte vermutlich mein Leben weggeworfen, sie wollte es nicht...
Ich war geschützt, beide Male, und wieder habe ich eine Verfehlung begangen, daß ich mit meinem Schicksal haderte, Notwendigkeiten ignorierte..."

Hier stand sie nun, als sei es die Negierung von Sir de Lore's Enttäuschung, und was war das für ein Gefühl, daß es sich so unendlich mild, wie selbstverständlich, offenbarte? Es hätte ihr unheimlich sein können. Es war nur so...

Mit angehaltenem Atem stand sie vor dem Symbol. Was fühlte sie? Ruhe? Nein, sicher nicht. Es war vergleichbar mit den Zeiten, wo sie argwöhnte, daß man sich einen makaberen Scherz mit ihr erlaubte, doch hier war nichts makaber. Hier war kein gehässiger Spott, kein Hohn, nur...
Mit seltsam leeren Blick schaute sie auf den goldenen Tropfen und durch ihn hindurch, versuchte, auf das zu hören, was sie fühlte.
Ihr Blick war leer, doch sanft, von allen Zwängen befreit. Die Lippen ruhten aufeinander, und ein vages Zittern ging durch die Mundwinkel, eine Bewegung in eine gänzlich ungewohnte Richtung: sie strebten nach oben...
Was fühlte sie? Das war wichtig, sie wollte doch Quarius nicht nochmal enttäuschen, wollte Worte finden für das Unsagbare, sie hatte es sich als Aufgabe vorgenommen.
Sie schluckte, als ein anderes Gefühl sich durch die seltsame Leere in ihr hindurch wallte - Schmerz, und die Lippen pressten sich aufeinander, die Miene erstarrte und verzerrte sich.
Flammen. Wo kam dieses Feuer her?
Sie sah die Flammen vor sich, als brenne es mitten im Schrein, als stünde sie mittendrin, ausgeliefert, und es fraß sich an ihr hoch, würde sie töten, sie zu Asche verbrennen... mit einem Ächzen sank sie in die Knie.

Wie lange sie dort verharrte, wusste sie hinterher nicht. Sie war sich nicht einmal sicher, ob sie die ganze Zeit bei Bewusstsein gewesen war. Wie eine wohltuende Kühlung verebbte der Schmerz nur fließend, als sie sich an das Hier und Jetzt zu besinnen versuchte, als ihr durch den Sinn ging, daß sie niemand so sehen dürfe, hilflos, von unerklärlichen Schmerzen gepeinigt, daß das peinlich wäre. In diesen Gedanken fand sie angenehmerweise Ruhe, der Schmerz verblasste.
Eine Weile blieb sie dennoch knien, ordnete ihre Haltung. Was war passiert, war dies eine Strafe gewesen, hatte sie einen Fehler begangen?
Doch nichts als innere Ruhe antwortete ihr, und schließlich, als sie keinen Anlaß mehr dazu sah, daß ein Verlassen des Schreins an eine Flucht gemahnen könnte, stand sie auf und verneigte sich.
Die Fragen nahm sie mit sich, doch wo und bei wem konnte sie Antworten finden? Würde Sir Quarius sie verstehen können, oder würde er sie für verrückt erklären? Ein Schrein schwieg in diesem Fall, es würde ein Wesen aus Fleisch und Blut brauchen...
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Die zweite Chance

Ein seltsamer Unglückstag, dieser Freitag, 13. Hartung...
Sah es erst aus, daß die üble Macht der Hexentiere - drei schwarze Katzen, die über den Kastellhof tollten - ihr tatsächlich Pech an diesem Tage bringen würden, so drang durch die Finsternis am Abend ein Licht, wie ein Leuchtturm bei Nacht, der die Schiffe zum sicheren Hafen führte.

Ein Bild von Harmonie, als Sir Aradan Krenor und Darna sich an den Tisch in seinem Hause setzten und fast gleichzeitig die Hände vor sich auf der Tischkante ineinander verschränkten. Und Worte, die ihr Innerstes zum Klingen brachten, alte Erinnerungen wieder weckten und ihrem Dasein wieder den Sinn gaben, nach dem sie ihr Leben lang gestrebt hatte:
"Wie ich hörte... war die Expedition nach Eurem Ritter nicht erfolgreich. Dafür mein tief empfundenes Beileid."
"Danke, Sir."
Beileid, ja... war auch ein Teil in ihr zur Ruhe gekommen, nachdem die Gewissheit um Sir Hagens Tod sich verstärkte, so musste die Wunde doch noch weiterhin verheilen, schmerzte, und in Gedanken hatte sie eigene Pläne gefasst, damit umzugehen, doch bislang nicht einmal genügend Zeit dafür gefunden, sie umzusetzen. Ging sie ausführlich ihren täglichen Pflichten nach, hatte sie bereits gut zu tun. Herrn Goldbart musste sie noch aufsuchen, die Statue abholen... flüchtige Gedanken schwirrten durch ihren Kopf, doch sie konzentrierte sich auf den Leutnant, der sie hergebeten und in seiner weißen Ritterrüstung empfangen hatte, um irgendwas mit ihr zu besprechen.

"Wir hatten uns, wie ich mich entsinne... schon vor einiger Zeit darüber unterhalten, wie es weiter gehen würde, so dieser Fall eintritt, Ihr erinnert Euch?"
"Ja, Sir. Natürlich. Mein Dienst steht nun gänzlich seiner Hochwohlgeboren zur Verfügung."
"Und ich nehme an, daß Ihr weiter in der Garde dienen... jedoch noch immer versuchen wollt, die Tradition Eurer Familie fortzuführen, ist das wahr?"
"Ja, Sir. Nach bestem Wissen und Gewissen, wie es mich gelehrt wurde."

Er wollte sie als Knappin. Erst klang es fast, als ziehe er das nur aus rein praktischen Gründen in Erwägung, weil sie bei der Garde war, doch sie hatte sich in seinen Augen als tugendbewährt, ehrlich und entschlossen erwiesen.
"Doch bevor Ihr mir antwortet, bedenkt, daß ich nicht Sir Hagen bin und niemals sein werde."
Sie schluckte. Nein, natürlich wäre er das nicht. Jeder Ritter war anders, jeder legte seine Prioritäten anders, wie zwei Bäume, die nie gleich aussahen und doch beides Eichen sein konnten. Sir Hagen, Meister Roderich, Bruder Talarion - sie alle hatten sie geprägt und doch brauchte es weitere Lehre und Vollendung für den Weg, den sie beschreiten wollte.
Und Aradan Krenor war es, der ihr nun für ein Stück Begleitung auf diesem Weg die Hand helfend anbot.
"Es wäre mir eine große Ehre, Sir, Euch als Knappin dienen zu dürfen, so dies das Wohlwollen seiner Hochwohlgeboren findet, Sir." Kaum konnte sie ihre Stimme beherrschen - tatsächlich hatte sie ihre Dienste dem Graf von Hohenfels überlassen und so hatte nur er noch zu entscheiden, was ihren weiteren Werdegang zu betreffen hatte. Eine innere Stimme nur jubilierte, daß er sicher nichts dagegen haben würde.
Sie durfte wieder Knappin sein...
Bei einem Ritter, den sie schon im Dienst als Leutnant zu respektieren und zu bewundern gelernt hatte...

Ihr gegenüber saß Aradan Krenor, Ritter ihrer Majestät und Temoras, und beobachtete mit einem milden Lächeln, wie das sonst so beherrschte Fräulein von Elbenau ein Wechselbad der Gefühle präsentierte: die Augen leuchteten, sie hatte während seiner Worte immer wieder den Atem angehalten und schien hinter einer nur noch dünnen Fassade an Selbstbeherrschung völlig aus dem Häuschen zu sein. Für einen kurzen Moment hätte er meinen können, sie würde lächeln...
Doch stattdessen keuchte sie plötzlich schmerzerfüllt auf und krümmte sich über der Tischplatte zusammen, Schweiß trat auf ihre Stirn und mit verzerrter Miene schloß sie verkrampft die Augen.
"Fräulein von Elbenau? Fühlt Ihr Euch nicht wohl?" Besorgt runzelte er sie Stirn und trat rasch um den Tisch herum auf sie zu. Was mochte los sein?

Flammen. Sie frassen sich an ihrem Kleid hoch, die Fesseln, an denen sie riß, schnitten sich in ihre Handgelenke, doch weit schlimmer war der Schmerz, bei lebendigem Leibe zu verbrennen, das Gefühl, daß ein Teil ihres Körpers zu Asche zerfalle, als er ihr die Hand auf die Schulter legte...
"Du sitzt in einem Haus! Hier brennt nichts! Reiß dich zusammen, verdammt, was soll Sir Krenor von dir denken!"
"Kann ich etwas für Euch tun? Wasser vielleicht?"
Wasser. Wusste er von der Art ihres Leids? Nein, das war unmöglich, doch sie hätte gerade ihren rechten Arm für Wasser gegeben. Als kurze Zeit später ein Krug kühles Nass vor ihr stand, hätte sie ihn sich am liebsten über den Kopf geschüttet, doch sie trank nur drei tiefe Züge daraus, leerte ihn fast augenblicklich.
Der Schmerz verebbte, ihr Kopf klärte sich. "Es tut mir wirklich leid, ich möchte Euch nicht erschreckt haben, Sir."
"Ist schon gut. Dies alles... war sicher keine einfache Zeit für Euch. Es muß eine schwere Last gewesen sein."
Seine Stimme war wieder mild wie vor mehreren Wochen, als sie sich in Berchgard unterhalten hatten, eine hütende Art, der sie sich anvertrauen konnte. Wieder beruhigt dachte sie nach. Wenn es mit Sir Hagen zu tun hatte, sah sie keinen Zusammenhang.
"Vielleicht solltet Ihr einmal mit ihrer Heiligkeit darüber sprechen?"
Sie senkte den Blick. "Wenn es eine Strafe ist, dann müsste ich wahrlich schwer gesündigt haben", meinte sie leise.
"Das glaube ich nicht. Temora ist eine gütige Herrin... und deswegen glaube ich, kann Euch unter der Obhut eines Templers sicher geholfen werden."
Ja, sie musste mit ihrer Gnaden Valeth reden, langsam schien es dringend zu werden...

"Ich werde den Grafen anschreiben und hoffe, daß er uns baldigst eine Audienz gewährt, wo ich ihm Euch als meine Knappin vorstellen werde."
Sie stand auf und senkte demütig den Kopf: "Ich bekunde nochmals, daß ich gerne mein Wohlergehen in Eure Hände legen würde, Sir, und für Euch sorgen möchte, wie es einem pflichtbewussten Knappen ansteht."
"Dann sind wir uns einig, Knappin von Elbenau", lächelte er, wurde dann ernster, "Das wäre für heute alles, denke ich. Und dies scheint etwas zu sein, womit Ihr erstmal mit Euch selbst ins Reine kommen solltet. Vielleicht besucht Ihr die Kirche und betet... für Euch und Sir Hagen, wer weiß... vielleicht geschieht ein Wunder." Gutmütig verabschiedete er sie.

Ihr Blick hing an dem heiligen Symbol über dem Altar, und sie lauschte auf die Stille in der Kirche. Keine längst vertrauten Worte sollten es werden, die ihr nun über die Lippen kämen... die Zeit eines weiteren Schrittes im Abschiednehmen war da, und sie sank auf beide Knie, legte die rechte Hand auf ihr Herz, senkte ihr Haupt.
Langsam sprach sie und mit Pausen dazwischen, während sie in sich horchte:
"Herrin Temora, Licht in der Dunkelheit, Wärme in der Kälte, zu dir wende ich mich in Zeit von Ruhe, Verwirrung, Kampf, Frieden, Not und Zufriedenheit.
In dir ruht die Harmonie, die Eluive uns schenkte, deine Güte wahrt die Harmonie, nach der alles strebt. Ich möchte bitten für meinen Sire Hagen von Weilenscheidt, für seine Seele und auch für die meine. Ich wünsche ihm von Herzen, daß er Eingang gefunden haben möge in das ewige Lied, das in allem klingt, von dem wir alle Teil sind, erklingen und verklingen.
Sein Sterben hat mich erschüttert, doch sein Tod stand unter dem Licht höchster Ehrbarkeit, dem ich nichts als Dank und Respekt zollen kann. Finsternis und Unglück hat sich gegen ihn gewandt und ihn stürzen lassen. Nichts soll je seinen Tod vergeblich gewesen sein lassen.
Mit jedem Tag, den ich durch ihn und sein Opfer erleben darf, will ich danken, danken für sein Leben und sein Wesen, das Schutz gewährte selbst dort, wo nichts mehr zu gewinnen schien.
Für die Tugend, die du die Menschen lehrst - Aufopferung - will ich danken. Im Licht der Tugend Demut will ich dienen und danken für alles, was mir gewährt und alles, was ich anderen gewähren kann. Ich möchte um Frieden bitten, Herrin Temora - Frieden für Sir Hagens Seele und auch für die meine."
Sie atmete tief durch.
"Im Lichte deiner Gerechtigkeit danke ich dir für diesen Tag." Nein.
"Im Lichte deiner Gerechtigkeit will ich dir danken für alle Tage."
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Viel Lärm um Nichts

Es hatte seine Vorteile und seine Nachteile, nach Einbruch der Dunkelheit zu patroullieren: Die Stadt wurde ruhiger, es fiel leichter, einzelne Personen auszumachen, die ihrem restlichen Tagwerk nachgingen oder gar verdächtig sein mochten. Auch hatte die Stadt ihren eigenen Reiz, wenn das Licht der Laternen sich ungleichmässig verteilte, ein abwechlungsreiches Spiel aus Helligkeit und Schatten zeichnete. Licht hinter den Fenstern vermittelte Wärme, und die Nähe der Kameraden war greifbarer - irgendwie schweissten die Unbillen nächtlicher Wache die Gardisten näher zusammen.
So war Darna sich der Anwesenheit von Gardist Coleman in beruhigender Art bewusst, denn der Nachteil nächtlicher Wache war: schräge Gestalten, die man traf, wirkten im Dunkeln noch etwas bedrohlicher als schon bei Licht...

"Ich wunderte mich nur, da ich zu dieser Stunde noch nie eine Frau auf Patroullie sah. Und vor allem nicht alleine..."
Was mochte der Kerl in seinen dunkelblauen, irgendwie verwaschen wirkenden Sachen und seinem Kopftuch von ihr wollen? Er war kräftig, und obwohl sie selber schon nicht klein war, überragte er sie noch ein Stück. Irgendwie vermittelte er den Eindruck von etwas... lauerndem, oder? Ihre Sinne waren alle geschärft und schrien Alarm, doch äußerlich bemühte sie sich um ihre wie üblich gefasste und korrekte Haltung, gab möglichst sachlich Antwort:
"Ich gebe zu, daß Frauen bei der Garde recht selten sind..."
"Oh, das sollte gewiß kein Vorwurf sein, wenn es so klang."
"Nein, nur scheint es einer Richtigstellung zu bedürfen."
"Wie meint Ihr das?", fragte er kurz verwirrt.
"Die Stadt ist schließlich auch nachts nicht ohne Obhut der Garde. Und dann hat ein jeder Gardist mal spät Dienst, der Herr."

Der Unbekannte schien immer noch nicht zufrieden zu sein und stieg nun von seinem Pferd ab, kam etwas näher zu ihr. Wachsamen Blickes beobachtete sie ihn und stellte fest, daß er in unangenehmer Art ihre Aufmerksamkeit in Beschlag nahm - denn sie wollte ihn nicht aus den Augen lassen, doch nun konnten andere Personen an ihnen vorbei, die sie ansonsten genauer beobachtet hätte. War dies ein Ablenkungsmanöver, hatte er Kumpanen, die nun an ihr vorbeischlichen? Seine freundliche Stimme gewann einen falschen Klang in ihren Ohren:
"Das versteht sich natürlich, dennoch verwundert es mich etwas, daß die Garde eine Frau alleine durch so manche dunkle Gassen der Stadt laufen lässt, wo doch an jeder Ecke ein Unhold warten könnte."
"Unholde wie du, zum Beispiel? Glaubst wohl, daß mir jeder ausgehungerte Straßenstrolch schon etwas tun könnte, hm?" - Darnas Gedanken wurden zunehmend kritisch und unfreundlich.
"Nicht, daß ich Eure Fähigkeiten in Frage stellen würde", versicherte er sogleich.
"Dein Glück." Ihre einzige merkbare Reaktion war ein steiles Heben der Augenbraue und ein langsames Nicken.
Er sprach weiter: "Aber fühlt Ihr Euch dann noch sicher?" - und kam noch etwas dichter heran.
Der Abstand reichte gerade noch aus, um ihre Hellebarde im Notfall nicht sinnlos sein zu lassen, und sie war inzwischen äußerst bedacht darauf, diesen Zustand zu wahren.
"In der Tat ist Eure... Verwunderung... sehr fürsorglich, doch ich fühle mich im Kreise meiner Kollegen sehr sicher, da ein Ruf genügt, sie zu alarmieren." Möglichst schlicht und sicher klingend stellte sie es fest - die verhaltene Drohung darin ging weder an ihm noch an Gardist Coleman vorbei, der inzwischen in angemessener Entfernung blieb und immer mal wieder einen Blick hinüber warf.

Doch ihren Gesprächs"partner" schien das wenig zu kümmern: "Und was wäre, wenn Eure Lippen bedeckt wären und Ihr nicht in der Lage wärt, einen Hilferuf an Eure Kollegen zu senden?"
Wollte er ihr hier gleich auf offener Straße den Mund zuhalten? Was sollte das alles? Finster zog sie die Brauen zusammen.
"So Ihr meine Wachsamkeit in Zweifel ziehen wollt, kann ich Euch schon jetzt beruhigen... Ihr bleibt dort, wo Ihr jetzt steht und kommt nicht noch näher, verstehen wir uns?" - merklich verschärfte sie nun ihren Tonfall. Käme er noch näher, würde er die Hellebardenklinge vor der Brust haben.
Doch er grinste nur. Sie fand das überhaupt nicht witzig.
Was immer er vorhaben mochte, er schien endlich das Thema zu wechseln und hörte auf, ihr zu Leibe zu rücken.
"Was würdet Ihr eher tun, wenn Ihr von einem Kerl dreist zu etwas eingeladen werden würdet, den Ihr gar nicht kennt - ihn zu Alatar schicken, oder die Einladung annehmen?"
"Ich schicke ganz sicherlich niemanden zu Alatar, der Herr", erwiderte sie ernst - das hatte sie nicht einmal den Räubern gewünscht. Sie fügte an: "Doch Einladungen gehören in einen privaten Bereich, und ich bin im Dienst."
"Und wie lange würde dieser Dienst noch währen?"
"Bis zum Dienstschluß."
"Bis zum Dienstschluß, natürlich... aber wann jener endet, wollt Ihr mir nicht verraten?"
"Nein, die Dienstpläne sind geheim."
Er seufzte. "Ihr macht es einem wirklich nicht leicht."

Es ihm leicht machen? Wieso leicht machen? Was hatte er denn für ein Interesse an den Dienstplänen der Garde zu haben, zum Donnerkuckuck? Was hatte er denn vor, herumspionieren etwa? War das ein Rahaler?
"Euren Namen, der Herr", verlangte sie plötzlich mit hartem Tonfall.
"Überrascht hob der Mann die Brauen. "Interessiert jener Euch wirklich?"
"Ja, der interessiert mich - nach Gesetz 3.6 Varunas seid Ihr hiermit aufgefordert, Euch zu identifizieren."
"Natürlich nur nach rein dienstlichem Interesse..."
"Ja." "Was denn sonst?"
"Xervath Tangran mein Name... den Euren, dürfte ich den wenigstens auch erfahren?"
Natürlich. Wenn er Beschwerde gegen sie einlegen wollte, obwohl sie nun wahrlich höflich und sachlich blieb, musste er ja ihren Namen wissen, das war sein gutes Recht.
"Kadettin von Elbenau", antwortete sie also knapp, "Ihr seid Bürger von Varuna?"
"Nein, bisher noch nicht. Ist das denn wichtig?"
"Ja, da Bürgern Rahals der Aufenthalt in Varuna streng untersagt ist. Könnt Ihr einen Wohnsitz ausweisen, Herr Tangran?"
Der Mann lachte auf: "Ihr werdet mich doch nicht wirklich für einen Rahaler halten, oder?"
"Wofür ich dich halte, spielt überhaupt keine Rolle. Wenn du ein Rahaler bist, sperr ich dich ein und werf den Zellenschlüssel weg, wie es der Hauptmann befohlen hat." Sie atmete durch. Nicht auf Diskussionen mit Verdächtigen einlassen...
"Eure Antwort", verlangte sie also, "Wohnsitz, Nachweis?"
"Ich kann Euch keinen festen Wohnsitz nennen, weil ich keinen habe."
"Nun gut, Herr Tangran. Sollte es weitere Vorkommnisse der Art geben, daß Ihr die Dienstpläne der Garde und dergleichen erfragt, werden entsprechende Konsequenzen gezogen werden."
"Und dann kannst du mal erleben, wie es ist, wenn dir jemand zuleibe rückt, Herumtreiber."

Er hob eine Braue. "Ich verstehe schon, doch sagt mir noch eins..."
"Du nervst..." "Ja?"
Er entschloß sich, nun ebenso seine Verteidigung im Angriff zu suchen und sprach direkt aus, was er sich fragte: "War die Anmache zu plump, oder woran liegt es?"

...

"Das war eine ANMACHE???"

...

Später saß sie noch in der gemütlichen Taverne von Herrn Weinschenk und schaute in die Flammen des Kamins. Vor ihr wie auch vor dem Bettler hinter ihr stand eine Tasse gesüsster Kamillentee, doch sie hatte die Wirtin gebeten, dem hustenden Mann in der zerschlissenen Kutte zu sagen, daß die Tasse auf's Haus gehe - sie mochte es jedesmal nicht, daß viele Bettler bei freundlich gemeinten Almosen sich jeglichen restlichen Stolzes entblössten und vor dem Gönner Dankbarkeit bekundeten wie ein ausgehungerter Hund, der endlich wieder Fleisch bekam. Sie hatte selber geradezu betteln müssen, so lange war es noch nicht her, und seither konnte sie dem noch weniger abgewinnen als schon von jeher. So hatte sie auch den Beutel mit den paar Münzen, die sie auf die Schnelle entbehren konnte, an seinen Platz gelegt, als er gerade nicht da war. Es war besser so, sie hatte trotzdem Mitleid mit ihm und kam einem Teil der gesellschaftlichen Fürsorgepflicht nach.
Doch ihre Gedanken waren bei anderen Dingen. Sie waren bei Herrn Tangran und seiner seltsamen Art. Sie war seiner Einladung doch noch nachgekommen, als er sie endlich klarer und nichtsdestotrotz freundlich formuliert hatte, da konnte sie schlecht nein sagen.

Dennoch hatte sie sich nicht wohlgefühlt. Ein wenig seltsam hatte sie es gefunden, daß sie deutlich um einen leichten Wein gebeten hatte und dennoch einen so schweren und lieblichen von ihm spendiert bekam, daß selbst sie als Laie das merkte - auch, daß sein eigener Wein ein anderer war, von nicht ganz so kräftiger Farbe... dabei hatte sie Probleme mit alkoholischen Getränken, Wein stieg ihr schnell zu Kopf, und sie hatte auch dieses klar gesagt, doch es hatte ihn wohl nicht sonderlich interessiert.
Die Unterhaltung war gesittet gewesen, er hatte sie - wie fast jeder fremde Mensch bei einer längeren Unterhaltung auch - auf ihre Gesichtsnarben angesprochen, doch hatte er sich angenehmerweise mit der schlichten Antwort, daß sie von einem Kampf herrührten, zufrieden gegeben.
Daß er sie jedoch schon auf der Straße zuvor angefangen hatte, zu duzen, ohne daß das für ihn allgemeine Sitte gewesen wäre und erst recht ohne, daß sie es ihm angeboten hätte, musste sie sich höflich verbitten. Auch war ihr nicht wirklich wohl gewesen, als er sie fragte, ob er sich neben sie setzen könne, statt ihr gegenüber sitzen zu bleiben... dabei war die Taverne bis auf einen weiteren Gast leer gewesen, und daß er nicht über den Tisch schreien wolle, war eine etwas seltsame Begründung - von Schreien hatte nun wirklich nicht die Rede sein können.

Anmache... das war der "Minnedienst" der niedereren gesellschaftlichen Schichten, und was andere an dieser Art als angenehm empfinden mochten, entzog sich völlig ihrem Verständnis - und teilweise sogar ihrer Wahrnehmung, wie sich heute bewiesen hatte.
Sie hatte mit Luzcilla fühlen können, als diese erzählte, wie sie sich damit abgefunden hatte, daß sich mit ihrer Kniebehinderung je ein Mann für sie interessieren würde. Darna stand vor ähnlichen Problemen, das war ihr in ihrer Knappenzeit bei Hofe sehr klar geworden. Gernot hatte sich vorzüglich darauf verstanden, sein Beileid für den Mann zu bekunden, der sich überhaupt je darauf einlassen mochte, sie aus politischen Gründen zu heiraten. Manchmal wäre sie ihm dafür gerne an die Gurgel gegangen, war er doch überhaupt erst für ihre Entstellung verantwortlich gewesen - doch das änderte nichts an der Wahrheit seiner Worte.
Und dann die Blamage mit dem Minnedienst...
Nein. Liebe konnte mit all dem nichts zu tun haben. Hatte sie das doch, wollte Darna mit Liebe nichts zu tun haben. Seine "Anmache" konnte Herr Tangran sich sparen, war erwartete er? Daß sie für eine kurze Affäre ihre Ehrbarkeit auf's Spiel setzte, wie es leider schon so viele andere Frauen taten, die zu dumm oder zu leichtfertig damit waren?
Nein, sowas brachte nichts als Scherereien. Sie trank den Tee aus, zahlte und kehrte in die Herberge zurück, ein paar Stunden Schlaf zu finden, bevor die Pflicht wieder rief.
Darna von Hohenfels

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So zufällig wie ein Silberdrache

Zwei Silberdrachen, vor wenigen Stunden, in Berchgard...
Ungläubig starrte Darna Alliestra an. Was?! Hörbar waren die neue Bürgermeisterin und ihr Gemahl selber verwundert und beeindruckt von den beiden Tieren, die sich hier gezeigt haben sollten, aber... es schlug sie mal wieder vor den Kopf, mit welcher Nebensächlichkeit sie hier von Dingen erfuhr, die ansonsten wohl die ganze Stadt in Aufruhr versetzt hätten.
Eigentlich hatte sie nur ihre private Rüstung zur Reperatur herbringen wollen - mal wieder zu viel zu später Stunde, aber wann hatte sie schon Zeit für sowas?

Silberdrachen... atemlos lauschte sie Alliestra.
"Frau von Elbenau - was haltet Ihr von Silber?", fragte Thancred nebenbei.
"Schönes Metall", nickte sie abwesend. Was erzählte man sich alles wundervolles von diesen Tieren... die Geschichten wurden im gleichen Atemzug wie die vom goldenen Hirschen von Elbenau erzählt, mit der gleichen Ehrfurcht und Begeisterung.

Kyrsanth. So hieß der "junge" der beiden Drachen. Der Name weckte Bilder von Kristallen, Blumen, schön und hart zugleich klingend, sie konnte sich von der Magie der reinen Vorstellung gar nicht recht losreißen, der Name fiel in ihr Gedächtnis und nistete sich dort fest ein.
Wo mochten sie leben? Irgendwo hier auf Gerimor? War das wahr? Hoffentlich an einem sicheren Ort.
Eine Satteltasche schob sich in ihr Blickfeld - Thancred reichte ihr die reparierte Rüstung zurück. Aber sie hatte sie ihm doch erst eben gegeben?
"Oh, das ist ja... wann habt Ihr das denn gemacht?"
Sie war überhaupt nicht bei der Sache. Es kostete auch viel zu viel Mühe, zu realisieren, daß sie dafür ja nichts zahlen musste, es war ja schließlich die erste Reperatur gewesen, die war bei dem Schmied immer frei.

Es musste auch der tief in ihr sitzenden Penibilität zu verdanken sein, daß sie nicht einfach mit der Rüstung hinausmarschierte, sondern noch einmal einen prüfenden Blick in die Tasche warf.
"Oh, die hat er aber schön poliert", dachte sie und stutzte, als das einfallende Licht sich ungewöhnlich auf dem Metall brach. "Moment. Das ist Silber. Wieso ist da jetzt eine Silberrüstung drin?"
Der Schreck fuhr ihr in die Glieder - was hatte sie in ihrer geistigen Abwesenheit jetzt bestellt?! Sie konnte sich eine Silberrüstung jetzt doch gar nicht leisten! Zudem... ein Kettenhemd aus Silber... sie hätte es schon allein aus Gründen der Verschwendung nicht bestellt.
"Herr Thancred?", fragte sie, vor Verlegenheit bleich und rot zugleich werdend, "Was um Himmels Willen hab ich bei dem Gespräch in Auftrag gegeben - doch nicht eine neue Rüstung, oder?" Nein, bitte nicht...
Ja, natürlich waren das die Teile, die sie abgegeben hatte: Rundschild, Kettenhemd, Plattenteile - aber eben aus Silber, statt aus Eisen, und irgendwie schien er es nicht einsehen zu wollen.

Aber sie konnte sowas doch nicht als Geschenk annehmen, wo er gar keinen Grund dazu hatte, und bezahlen konnte sie es auch nicht - oder Aradans Kette müsste noch länger warten. Sie wand sich. Wie konnte sie ihm das begreiflich machen?
"Heut waren ja auch Silberdrachen da. Seid mal froh, daß es keine Kupferdrachen waren."
Was hatte das mit den Drachen jetzt zu tun?
"Bei den Drachen schwor ich, daß der Erste, der was bringt, das aus Silber bekommt. Ihr wollt doch nicht, daß ich jetzt wortbrüchig wäre, oder?"
"Was?"
"Nun?"
"Ich..."
"Ihr?"
Sie klappte den Mund auf und zu wie ein Fisch, ihr fiel nichts mehr ein.
"Sehr schön", brummte der Schmied zufrieden.
"Ist das Euer Ernst?", fragte sie leise und überfahren.
"Haben heute zwei Drachen vor mir gestanden oder was?"
"Ich wollte Euch nicht... ich meine... hm, beleidigen", hob sie rasch abwehrend die Hand. Nein, sie wollte es sich wirklich nicht mit ihm verscherzen. Dieser Schmied war zwar manchmal etwas seltsam, aber so zuverlässig wie ein Zwerg.
Thancred kniff ein Auge zu und schaute Darna wie ein Vogel mit dem anderen an: "Aber?"
"dnnh... nichts."
"Schon besser."
Sie schaute nochmal in die Tasche, als lägen da die Unterhosen des Grafen drin. Das durfte doch nicht wahr sein.

Zuhause strichen ihre Finger vorsichtig über die schimmernden Glieder des Kettenhemdes. Silber... mochte es für manche schon kaum noch mehr als besserer Kupferschrott sein, es hatte für sie noch immer eine Bedeutung, jedesmal, wenn ihr silbernes Schwert auf widernatürlich wandelnde Knochen herabfuhr. Silber...
Silberdrachen...
Geiwssermaßen hatte sie diese Rüstung auf sehr seltsame Weise von diesen zwei Silberdrachen geschenkt bekommen...
"...im Lichte deiner Gerechtigkeit danke ich dir für diesen Tag."
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