Ich packe meinen Koffer und nehme mit...

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Cyrion Sha´Ar

Beitrag von Cyrion Sha´Ar »

Klop...klop...klop... Gelassen nahm er wahr, wie die Sonne goldene Lichtflecken durch die Blaetter auf den Boden fallen liess... auf ein Eichhoernchen, das kurz darauf alamiert den Baum hochwetzte. Aber dies war bisher - abgesehen von den Rehen am Morgen - das bisher groesste Lebewesen, das er heute auf dem Weg gesehen hatte. Er ritt ein Stueck dem Treck vorran, kundschaftete die Gegend aus, wie die Hoheiten es ihm aufgetragen hatten.
Ihm gefiel die Ruhe und die Gelassenheit, die ihm diese Gelegenheit lieferte. Die Voegel sangen, das Rauschen der Baeume. Das leise Klop Klop seines Pferdes. Das Salz und der Tang des Meeres schon zwei Tagesreisen entfernt. Keine Schiffsplanken... Nur er, sein Pferd, sein Rabe und die Natur.

Der Blick wachsam nach links und rechts gehen lassend. Sehend, ob sich jemand am Wegesrand versteckte. Ob sich irgendwo vorne Rauch zum Himmel kraeuselte - Anzeichen fuer ein Lager oder auch im schlimmsten Fall die Reste eines ueberfallenen brennenden Wagens. Spuren von anderen Pferden, Raedern von Karren oder Menschen am Boden... Vielleicht auch Aeste, die natuerlich oder aus Absicht auf dem Weg lagen... Moeglicherweise andere Routen auskundschaften, falls die Wagen auf diesem Weg nicht mehr weiter fahren konnten. Doch bisher war es ruhig geblieben. Noch etwa eine Stunde, dann wuerde er absteigen und sein Pferd ausruhen lassen, sich langsam zum Treck bewegend, damit Hudgarr seine Stelle einnahm und Cyrion wieder die Hoheiten direkt beschuetzte. Wuerde er nicht auftauchen, muesste der Treck annehmen, das Cyrion auf Schwierigkeiten gestossen war und entsprechende Massnahmen ergreifen.

Der Landweg... soviel angenehmer, als die Reise mit dem Schiff. Darnas Laune - nein die von allen war merklich gestiegen. Sie waren eben keine Wasserratten. Ein jeder von ihnen besser auf einem Pferd auf festen Boden aufgehoben, als auf den unsicheren Planken eines Bootes. Ein Schmunzeln zeigte sich auf seinen Zuegen. Ein jeder von ihnen war gluecklicher hier im Wald.

Wo wuerden sie diesmal rasten? Wenn sie gut vorrankamen, muessten sie ein Dorf am Abend erreichen, wo sie in das Gasthaus einkehren konnten. Manche von ihnen hatten sich dagegen ausgesprochen, in Doerfer einzukehren, aber es gab Dinge, die man durchaus vermissen konnte... ein Bad, wenn sich nicht mal ein Fluss am Wege zeigen wollte. Wenigstens ein trockener Raum, wenn es in Stroemen regnete, wie am Abend an ihrem ersten Land-reisetag.
Das Wetter beobachtend hatten einige ausgesagt, das es heute abend wieder Regenwolken geben wuerde, die dann in der Nacht abregnen wuerden. Wenn sie Pech hatten, wuerden sie am Morgen die Zelte im Regen abbauen muessen... und dann spaeter ebenso nasse Zelte wieder aufbauen muessen. Ungemuetlich, aber normal fuer Herbstwetter... und immer noch besser als eine Koje in einem schaukelnden Schiff seiner Meinung nach.
Tief atmete er die Waldluft ein und liess den Blick wieder schweifen. Er wuerde sehen, ob die Hoheiten der Reichstreue des Dorfes und des Inns trauen wuerden oder ob sie meinten, das sie im Wald mit naechtlichen Regen besser aufgehoben waren - seiner Meinung nach wuerde der Saeugling ohne Zweifel einen trockenen warmen Raum einem feuchtem kuehlen Zelt vorziehen. Aber der kleine Knirps wuerde dazu nur wenig sagen koennen... ausser vielleicht die Nacht lang schreien. Wieder zuckte ein Mundwinkel hoch. Na, vielleicht wuerde er damit ja doch die Meinungen der Hoheiten lenken koennen - besser ein trockener beheizter Raum, als eine Regenreiche Nacht im Wald mit schreienden Saeugling, der Raeuberbanden und Woelfen den Weg mit seinem Geschrei zu weisen mochte. Er wuerde sehen, ob der Kleine seine Eltern bereits zu erziehen vermochte...
Seine Augenbraue hob sich leicht, als er einen weiteren Weg ausmachte,d er offenbar mit dem seinen weiter vorne kreuzen wuerde.
Ah... Dann ist hier also der Uebergang...
Die Wegkreuzung, die ihnen erlauben wuerde, einen anderen Pfad einzuschlagen. Der Strassenwechsel, der von Hudgarr und den Hoheiten vorgesehen war. Hier wuerden sie sich von einem Teil des Trecks verabschieden - Wagen die dazu gedacht waren, eine falsche Faehrte zu legen. Seine Brauen ruckten hoch. Seiner Meinung nach zuviel Tamtam, aber wer das Geld hatte und unter kurzfristigem Verfolgungswahn litt...
Er verbrachte eine gute Weile damit, die Pfade in alle Richtungen zu erkundigen und auch den Wald der Umgebung zu ueberpruefen. Ausser Wildtieren gab es nichts, was seine Aufmerksamkeit auf sich lenkte und erleichtert ritt er zur Kreuzung zurueck.
Mit einem Schmunzeln liess er den Blick wieder schweifen, linste dann hoch zur Himmel und pfiff, das sein Rabe umkehrte und zu ihm zurueck flog. Es wurde Zeit... Zeit das er zurueck kehrte und mit Hudgarr tauschte.
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Ländlich. Ländlicher. Sie waren in Elbenau.
Zumindest war das die Auskunft, die Darna nach einigen Wegmarken treffen konnte, zusammen mit der Feststellung, daß mindestens an diesem Weg in die Freiherrschaft Grenzsteine fehlten und ganz praktisch wären. "Also, wenn wir mehr Kühe als Menschen sehen, dann sind wir auf jeden Fall in Elbenau", gab sie nüchtern spöttisch zum Besten. Ihre Vorfreude, nach zwanzig Jahren wieder ihre Heimat zu sehen, ließ sich nicht verhehlen, gleichzeitig ergriffen sie Unruhe und eine seltsame Form von Besorgnis, wenn es um gewisse Themen ging. So hatte sie auch das ungute Gefühl, Cyrion hatte sie nicht wirklich verstanden, als es darum ging, daß sie sich durchaus damit arangieren könnte, die zwei letzten Nächte bis zum Eintreffen an ihrem heimatlichen Rittergut in den Zelten zu verbringen.

"In ein Dorf kommen wir, ja...", kommentierte sie zögerlich die nächste Reiseetappe. Besorgt blieb ihre Stirn gekraust. Konnte sie Riedbrück guten Gewissens als Dorf bezeichnet lassen? Die Bauernhofansammlung umfasste laut der letzten Zehntübersicht ganze 39 Menschen. Wenn in irgend einer Quelle dann von einem "Gasthaus" die Rede gewesen war, konnte sie sich ausmalen, was das ungeschönt bedeutete, und ihr behagte der Gedanke nicht.
"So, wie es meistens auf dem Lande ist: Irgend ein größerer Bauernhof verdient sich manchmal ein Zubrot damit, vielleicht höchstens fünf Reisende in der Scheune oder sogar mal der Gesindekammer schlafen zu lassen. Kannst du dir auch nur im Entferntesten ausmalen, was das für ein Aufruhr wird, wenn eine Bauersfamilie plötzlich in ihrem Gasthaus den ehemaligen Truchsess und ihre Freiherrin angemessen bewirten will?!", versuchte sie hinterher Adrian begreiflich zu machen und schien kurz davor, sich die Haare zu raufen.

Je weiter sie kamen, desto seltener wurden die Wälder, und bis auf wenige Hügel hatte man manches Mal den Eindruck, meilenweit sehen zu können. Nordwestlich von ihnen ließ sich bei sehr gutem Wetter sogar der Gebirgszug erahnen, der der Grafschaft Schwertbergen seinen Namen gab, was Darna gerne den anderen auch erklärte. Das schien aber auch fast schon die einzige Sehenswürdigkeit, die die "Freiherrschaft Elbenau" zu bieten hatte. Gut 400 Einwohner im ganzen Lehen, aufgeteilt auf einzelne Bauernhöfe irgendwo im Nirgendwo und vier Weiler, die alle nicht über 50 Einwohner kamen. Da war der Ort Elbenau mit seinen fast hundert Leuten richtig "groß".
"Es wird aber einiges an Leben geben, schätze ich, wir kommen passend zur Erntedankzeit."
Tatsächlich waren die meisten Felder bereits abgeerntet, einige sogar schon für den Winter vorbereitet oder mit Grünkohl bepflanzt. Es gab recht viele nicht umzäunte Weideflächen, auf denen meistens Kühe zu sehen waren oder Schafe, manchmal ein paar Pferde, die deutlich für die schwere Ackerwirtschaft gebaut waren. Darna zog Adrian damit auf, daß er hier wenigstens bravere Pferde als Garvagh fände. Lichte Wäldchen, für etwas Forstwirtschaft genutzt und einzelne Mühlen, die weithin zu sehen waren, machten den Eindruck ländlicher Idylle und friedlicher Verschlafenheit komplett.

Der Reisetrupp blieb auch nicht unbemerkt. Eine kleine Ansammlung von Bauern: Männer, Frauen und ein paar Halbwüchsige, sogar zwei kleinere Kinder, die dazwischen herum wuselten, kamen nach und nach neugierig näher, als die ungewohnte Gesellschaft bemerkt wurde und Darna es sich nicht nehmen ließ, die Leute selber etwas zu begrüßen und sich nach dem Befinden zu erkundigen. Schließlich hatte sie es hier vermutlich schon fast mit einem Drittel der nächsten Ortschaft zu tun.
Hudgarr und Adrian wurden anhand von Plattenrüstung und feinem Tuch pauschal als Ritter identifiziert und schon war das Hallo groß. Man wolle doch sicher nach Schwertbergen? Stolz wurde sofort zum Besten gegeben: "Wir haben hier auch zwei Rittersherrn, jawohl! Den Sir Allerich und den Sir Veltin, kennet ihr die, die Herren?" Darna gab sich redliche Mühe, die Belustigung zu verbergen und lediglich zu nicken: "Ja, die kennen wir..."
Es erleichterte sie wie es sie auch verblüffte, wie schnell die Leute dann doch eins und eins zusammen zählten. Einer der Bauern, der nicht ganz so redselig eher hinten gestanden, aber gut beobachtet hatte, bildete sich plötzlich einen Reim auf das Gemunkel der letzten Wochen, daß ein Besuch der neuen Adelsfamilie Elbenau/Hohenfels anstand, auf die vereinzelten zierenden Symboliken an Kleidung und Ausrüstung der Leute und letztlich blieb sein Blick am vernarbten Gesicht der Reiterin hängen. "Ei potztausend, das is' de Freiherrin!"
Nach den ersten erstaunten Blicken sah sich die Reisegruppe nun gänzlich von der Meute umringt, wobei die Reaktionen in die unterschiedlichsten Richtungen ausfielen. Von kindlichem scheuen wie neugierigen "Darf ich das mal anfassen...?", und wenn es nur um das Zaumzeug ging, bis hin zu atemlosen Staunen mit offenem Mund und auf Abstand bleiben, weil man sich nicht traute, näher zu kommen. Wie lange man denn bleiben würde? Würde jetzt die neue Kirche in Hagebühl nochmal eingeweiht? Darna war wirklich Paladin? Was ist denn das? Und Adrian war wirklich der Onkel vom Herrn König? Warum war die Kirche eigentlich in Hagebühl gebaut worden und nicht in Riedbrück, wo man viel leichter hin käme? Das war ein ganz schöner Weg jeden Sonnentag.
Jeder der Mitreisenden wurde ausgiebig bestaunt, letzlich zeigte man sich jedoch auch sehr einsichtig, daß Hagebühl zentraler und damit für alle besser erreichbar lag, und daß man vor Einbruch der Nacht noch an einen befestigten Platz zum Übernachten kommen wollte.

Plötzlich verselbstständigte sich einiges: Nach eifrigem Nicken wurde einer der Jugendlichen mitgeschickt, die Gruppe zu begleiten und setzte sich etwas vor der Ortschaft ab, um in Riedbrück schon mal die aufregende Nachricht zu verkünden. Die Müdigkeit nach der Feldarbeit war rasch verflogen, mancher ärgerte sich gar, daß man vom Eintreffen nicht schon vorher gewusst hatte, um ein paar Dinge vorbereiten zu können. Für die Zelte wurden trockene Flecken gesucht, für Darna, Adrian und den Kleinen die elterliche Schlafstube des nächsten Bauernhofs geräumt. Ein Angebot, das Darna merklich aus Verlegenheit wenig behagte, das sie aber auch nicht ausschlagen mochte. Vio und Luca wurde angeboten, mit ihrem Schlafzeug mit in zwei Stuben der Familienmitglieder oder Knechte zu ziehen, von den erwachsenen Männern nicht adeligen Standes wurde mehr oder weniger erwartet, daß die schon bei den Zelten blieben. Im Regen absaufen würde schließlich keiner.
Dafür wurde Hudgarr fast als einzigem ein Krüglein vom örtlichen Selbstgebrauten angeboten - den hohen Herrschaften wagte man das nicht vorzusetzen, weil nicht edel genug, für ein Fräulein Viola gehörte sich das nicht, Luca war noch zu jung und je nachdem, wie sinister sich Cyrion mit Rabe oder ohne präsentierte, ging man ihm doch etwas aus dem Weg.
Viola fand sich stattdessen so mancher Frage der älteren Frauen und Männer ausgesetzt, wo denn ihr Ehemann sei, ob sie nicht beim Kochen helfen wolle, und was sie denn so mache, als die Standard-Vermutungen bei ihr nicht zu passen schienen.
Luca schien im Weltbild der meisten Leute der Knappe oder ähnlicher Helfer von Hudgarr oder Adrian zu sein und wurde entsprechend von den paar Vertretern der Dorfjugend nach seinem Alltagsleben ausgequetscht und sollte ganz selbstverständlich beim Versorgen der Troßtiere helfen. Genauso mochte es aber auch Probleme geben: "Melken kann der bestimmt nich", grinste frech einer der Burschen, als es an die abendliche Versorgung der Kühe ging.

Der Abend wurde lang und anstrengend aufgrund der wieder einmal ungewohnten Umgebung. Es war, wie Darna erwartet hatte: Die Leute überschlugen sich vor Freundlichkeit, gleichzeitig hatte man nicht viel Spannendes zu bieten und wusste oft genug auch nicht, wie man mit diesem hohen Besuch umgehen sollte. Einige Male half es, zu versichern, daß es nicht viel anders sein solle, als wenn der Sir Allerich nach dem Rechten sah. "Ordentlicher Mann!", war die einhellige Meinung der Bürger, und auch eine Geschichte wurde zum Besten gegeben, wie er zusammen mit Veltin und ein paar Helfern einer Rotte Wildschweine den Garaus gemacht hatte, die einfach zu zerstörerisch die örtlichen Felder umgepflügt hatte. "Der Eber hatte solche Hauer, sowas ham se noch nicht gesehen!" Darna nickte bedächtig. "Wenn ich denen was von Ogerzähnen erzählt hätte, hätte ich erst erklären müssen, was ein Oger ist", schmunzelte sie später in der Stube.
Wie erwartet war auch das nahe Erntedankfest ein großes Gesprächsthema. Ein gutes Jahr, da waren sich fast alle einig. Sie beruhigte die besorgten Blicke, als manche gleich höhere Abgaben befürchteten.

Auch wenn nach Drachenfels an Land ein Bote mit der Auflage zur Unauffälligkeit bereits voraus geschickt worden war, um am Gut Elbenau von der nahenden Ankunft zu berichten... noch vor dem ersten Hahnenkrähen wollte sich einer der Burschen auf einem Ackergaul auf den Weg machen, um wenigstens etwas schneller als die Reisegruppe in Elbenau die spannende Neuigkeit zu verkünden.
Adrian von Hohenfels

Beitrag von Adrian von Hohenfels »

Es machte sich eine Form von Erleichterung in im breit, als Darna ihre Ankunft in Elbenau bestätigte. Wenngleich gewiss noch viel Sorge und Gefahr vor ihnen liegen mochte, er war erleichtert den Seeweg mit der stetigen Bedrohung seitens möglicher Piratenüberfälle und den bisherigen Landweg, der durch diverse Wälder geführt hatte, welche hervorragend für Hinterhalte geeignet waren, hinter sich zu lassen. Das vor ihnen liegende Lehen schien in seiner eigenen Stille zu versinken und strahlte einfach etwas ruhiges aus.

Er musste über Darna's Sticheleien bezüglich der hiesigen Pferde im Vergleich zu Garvagh schmunzeln. "Dieser Fakt sollte insbesondere Mylady beruhigen. Man stelle sich die Aufregung der hiesigen Bauernschaft vor, müssten sie sich bei ihrer Feldarbeit mit einem Pferd vom Gehabe Garvaghs abmühen. Ich fürchte Elbenau sähe einer Hungersnot entgegen. Aber Mylady wünschen möglicherweise, dass ich eines der hiesigen Pferde gegen Garvagh eintausche?"

Es dauerte nicht lang, bis sie von teils munter plappernden, teils zurückhaltend und neugierig beobachtenden Bürgern umringt waren. Hudgarr's und weit mehr gar noch Cyrion's misstrauisch aufmerksame Blicke amüsierten ihn doch. Leise raunte er Cyrion zu, dass mögliche Attentäter anders aussahen und sich gewiss nicht unbemerkt unter diese Menschen mischen würden, wo jeder jeden kannte und Fremden mit derartiger Neugier begegnet wurde.

Die viele Fragerei war eine interessante Abwechslung, doch letztlich auch nicht minder anstrengend. Bemüht beantwortete er selbst die 20te Frage ob man seine Rüstung, sein Pferd oder was auch immer sonst einmal anfassen dürfe, als würde allein die Berührung eine Heiligsprechung bedeuten, mit Geduld und Freundlichkeit. Manches mal schien es ihm Glück, dass sie ihm nicht auch noch an die Haare wollten um sich ein Andenken an die hohen Herrschaften zu sichern.

Sie alle waren der Einladung in das Haus eines der freundschaftlich begegnenden Bürger mehr oder weniger gern gefolgt. Darna offenbar weniger. Ihre Verlegenheit hierüber war unübersehbar und natürlich war die Einschränkung dieser freundlichen Menschen für den hohen Besuch kaum zu übersehen. Wie aufgescheuchte Bienen waren sie emsig bemüht, dies und jenes zu errichten und anzubieten, von den einfachen Dingen, die ihnen zur Verfügung standen.

Leise wechselte er einige Worte mit Darna: "Ich erhoffe Mylady werden mich nicht der Wilderei anklagen, wenn ich Cyrion aussende, diesen guten Menschen ein Festmahl herbeizuschaffen, als Dank für ihre Gastfreundschaft?" Ihr Schmunzeln beantwortete es entsprechend und er löste sich aus der Gruppe die eifrig das Haus herrichtete, um eine angenehme Übernachtung zu gewähren und gesellte sich zu Cyrion, Hudgarr und Luca, die auf der Wiese die Zelte errichteten.

"Cyrion, wenn die Zelte stehen, sorge bitte für ein gutes Mahl. Ich denke der nahe Wald dürfte gutes Wild innehalten, dass einen angemessenen Dank für die hiesige freundliche Aufnahme darstellt. Und ja Luca du kannst mit, wenn du möchtest. Aber ärger ihn nicht mit Beute verscheuchendem Geplapper, sonst nimmt er möglicherweise die Gelegenheit wahr, dich den Wildschweinen vorzuwerfen." Er achtete nicht weiter darauf, ob sein Versuch die beiden wieder ein wenig zum gegenseitigen Verstehen zu bewegen mit Erfolg gekrönt war. Im Haus selbst war noch genug zu tun und sei es nur seine Rüstung zu polieren. Diverse Fingerspuren wollten entfernt werden.
Zuletzt geändert von Adrian von Hohenfels am Donnerstag 22. Oktober 2009, 08:51, insgesamt 1-mal geändert.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Elbenau. Es war beinahe so als wäre Violas Vorstellung lebendig geworden. Sie hatte selten einen so verschlafenen und menschenarmen Landstrich erlebt, im Vergleich zu Gerimor war dies hier fast schon mit Lameriast zu vergleichen und Viola war sich sicher, dass selbst dort mehr Leute leben mussten als hier. Während der Reise hatte sie sich bewusst ruhig verhalten, eigentlich hatte sie das die ganze Zeit, selten kam ein Ton über ihre Lippen. Immer wenn sie geglaubt hatte, der Unmut wäre verraucht, dachte sie an das Gespräch in Drachenfels und alles ging wieder von vorne los. Innerlich hatte sie sich mehr als einmal gefragt, ob das nicht kindisch sei, woraufhin sie sich selbst nicht gerade mit wenig Trotz erwidert hatte, dass man in ihr ja anscheinend eh keine Erwachsene sah. Trotz allem hatte es etwas beruhigendes durch das idyllische Elbenau zu reisen, einfach mal die Natur zu genießen, wie in den besten Jahren als sie noch beim Clan Hinrah gelebt hatte.

Der große Schock, oder eher ihr kleiner persönlicher Albtraum, kam dann in Elbenau selbst. Neben den ganzen älteren Frauen, die sie nach einer Weile umringt hatten und sie mit Fragen über den Verbleib ihres Ehemannes, ihrer Kochkünste und ihrer doch sehr wenig damenhaften Kleidung, gelöchert hatten, woraufhin sie im Übrigen mehr ausweichend als alles andere einging, verzog sich Viola sofort in das ihnen angebotene Quartier. Dort hatte sie sich im ersten Moment sicher gedacht, aber irgendwie wollte ihr Temora, Eluive, Horteras oder sonst einer von da oben, ihr das Leben scheinbar zur Hölle machen, denn in diesem Haus lernte sie jemanden kennen Lavira. Sie war die Tochter eines der Bewohner und ein paar Jahre jünger als Viola, vielleicht in etwa Lucas Alter, und sie war, ebenso wie die alten Frauen, sehr überrascht über die Tatsache, wie Violas Auftreten war. Beinahe im Minutentakt, während Viola ihre Sachen ablud, kamen Fragen aus Laviras Mund gesprossen: „Wie ist's denn so in der großen Stadt? Wieso hast du nicht geheiratet? Sehe ja keinen Ring an dir. Wollen wir nachher für die Herrschaften einen Kuchen herrichten? Die würden sich sicher freuen und das ist ja nicht schwer zu machen, nicht wahr? Hast du eigentlich kein Kleid dabei? Trägst das sicher nur weil du gezwungen wurdest weil Kleider so unbequem sind, was? Ich glaub wir werden uns blenden verstehen ...“
Selten hatte Viola so das Bedürfnis einem Menschen die Meinung ins Gesicht zu brüllen; Lavira war die Naivität in Person und schien auch nicht gerade die Hellste, Bauernmädel eben, was erwartete man da auch an großer Weitsicht? Doch so sehr Viola das alles auch wollte, so sehr nahm sie sich auch zurück, denn Lavira hätte es sicher nicht verstanden, wenn Viola ihr erklärte, dass sie früher Kinder verprügelt hatte damit sie aus Abfällen Nahrung kriegen konnte, Leute bestohlen hatte und ihre Kochkünste aus dem Verbrennen von Fleisch bestand; und außerdem hatte sie sich vorgenommen, trotz ihres trotzigen Schweigens, Darna keine Angriffsfläche mehr zu bieten und ausserdem konnte sie so den anderen aus dem Weg gehen, sie hatte eh kein Interesse groß mit Darna über Elbenau zu reden oder Adrian beiw as auch immer zuzuhören, also folgte sie Lavira in die Backstube.

Das Endergebnis der kleinen Kuchenbäckerei war gelinde gesagt Katastrophal, wenn Lavira nicht eingegriffen hätte, wären die „Herrschaften“ wahrscheinlich schon nahe des Todes, weil Viola gerne einmal zuviel Zutaten benutzte. Und so endete ein weiterer frustrierter Tag auf einer Reise, die nicht mehr schlimmer werden konnte.
Zuletzt geändert von Viola Ser´Rhal am Donnerstag 22. Oktober 2009, 14:00, insgesamt 1-mal geändert.
Luca
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Beitrag von Luca »

Er hatte sich stetig über die seltsame Landschaft gewundert. Alles so weit... Lameriast war auch wild, aber der Wald begrenzte den Blick. Die offenen Felder hier brachten ihn ständig dazu, über die Schulter zu schauen... der Anblick war beeindrucken aber auch beunruhigend. Man wusste nie, was einen außerhalb der Stadt erwartete. Zuhause war allen Kindern gehörig eingeschärft worden, sich ja nicht raus zu wagen. Weiter als bis zur Windmühle, die man vom Haupttor aus sehen konnte, war wohl niemand gekommen. Sich dort hin zutrauen war die größte Mutprobe, auch wenn die Hälfte aller Jungs nie zurückgekehrt war und die Hälfte der anderen Hälfte sicher nur groß redete und tatsächlich nie dort gewesen war. Bo hatte ihn ernsthaft verdroschen, als er früher mal damit angegeben hatte...
Hier trieben sich jedoch keine Ungeheuer herum. Die unheimlichen Geräusche waren in den Wäldern hinter ihnen zurückgeblieben. Ab und an waren Vögel zu hören. Friedlich, eigentlich... Auch wenn ihm schon eine ganze Weile der Hintern vom Reiten weh tat.
Die Ankunft in Riedbrück war so von vorn herein Grund zur Freude. Darüber hinaus fühlte er sich bei der Begrüßung ausgesprochen gut. Zu bereuen war nur, dass er seine Rüstung natürlich genau in dem Moment nicht trug. Aber wenigstens das Schwert, dessen Scheide auch jeder bewundern und betasten durfte. Endlich wieder ein Anflug von Trubel!

Er genoss es, endlich einmal dankbare Zuhörer zu haben. Die Jungen (und auch ein paar Mädchen) hatten ihn sofort umringt und bestanden sogar drauf, dass er die spannendsten Stellen noch zwei oder dreimal genauer beschrieb.
Natürlich war es nicht die Stadt, doch ihm gefiel es auf dem Hof. Eine Weile hatte er überlegt, was ihm an den Kindern komisch vorkam, aber er war schnell dahinter gekommen. Sie waren einfach offen und arglos. Kein Wunder.. es gab viel zu wenig Auswahl, um sich mit irgendjemandem nicht zu verstehen. Wahrscheinlich waren sie die meiste Zeit mit ihren Eltern allein zuhause und mussten sich einfach keine Gedanken darüber machen, ob sie sich ausreichend verwegen gaben.
Da alle freundlich zu ihm waren, gab es keinen Grund, sich daran zu stören. Immerhin beobachtete ihn keiner und es machte die Sache mit dem Benehmen leichter.

Im Gegensatz zu Vio gefiel ihm die Zeit, der Tag voller Erzählen ebenso wie die Nacht. Natürlich hatte er das Angebot angenommen, sich in einem Zimmer mit der Familie einzurichten. Alle waren überraschend schnell eingeschlafen, während er noch eine ganze Weile lauschend wach lag. Irgendjemand schnarchte, ohne dass er hätte sagen können, ob es die Mutter oder der Vater war. Das Mädchen schnaufte ab und an etwas erkältet, der Junge hatte ihm vorhin beim Umdrehen eins mit dem Arm verpasst. Wenn er die Augen schloss und sich Mühe gab, konnte er sich einbilden, wieder zwischen Bo und Sehd zu schlafen...
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

"Aber bitte nicht ausgerechnet einen Hirschen!", hatte Darna Cyrion hastig noch mitgegeben. Im Stillen fragte sie sich, ob die Idee so schlau war, wollte Adrian seinen guten Willen aber nicht zerreden. Wildbret wäre sicher willkommen, aber jetzt noch jagen...? Abends? Was, wenn er Erfolg hatte? Sie sah sich bereits mitten in der Nacht Wildschwein zerlegen, damit es nicht die Bauern tun mussten, die morgen eh wie gewohnt mit dem ersten Hahnenkrähen raus mussten.
Womöglich handelte Luca ganz klug, daß er sich nach seiner Bekundung, nicht zu plappern und schließlich zu wissen, wie man jage, doch absetzte und die Zeit lieber mit den anderen Jungs zubrachte. Nein, er konnte keine Kuh melken. "Dafür hab ich ein Schwert und... kann verhindern, dass sie einer raubt." Als weitere kleine Sticheleien folgten, ließ er sich allerdings auch nicht lumpen und stellte sich gar nicht mal so ungeschickt an, was ihm merklich auch Anerkennung einbrachte und genauere Erklärungen folgen ließ. Von den Vergleichen mit Frauenbrüsten sollte er nur tunlichst Lady wohl nichts erzählen.

Aufbruch
Allein, das nächtliche Wildbret zerlegen blieb ihnen erspart. Das Jagdglück war Cyrion nicht hold, in der Nacht stellte sich der erwartete Regen ein, der stärker werdend zur Rückkehr antrieb. Die Verabschiedung von Riedbrück am nächsten Tag gestaltete sich als herzlich, aber auch zügig - Lavira nötigte Viola sogar überredend dazu, ein Rezept für Apfelstrudel, den sie besonders gut konnte, aufzuschreiben. Es regnete noch immer leicht, zum Glück blieben dank der Unterstände und windgeschützten Ecken die Zelte gutteils trocken. Man würde sich bei den Feiern sicher irgendwie wieder sehen. Die sich Straßen nennenden Feldwege erwarteten sie.

Lehrstunde
Darna war eine gewisse Nachdenklichkeit anzumerken, auf Adrians Fragen kam jedoch nur zur Antwort, daß sie darüber nachdachte, was sie in Elbenau alles erwarten würde. Mehrfach blieb ihr Blick auf Luca haften, bis sie den ersten kleinen Halt, weil jemand austreten musste, zum Anlaß nahm, ihn zu rufen:
"Luca? Komm mal her." Sie winkte ihn näher, wortkarg und schwer einzuschätzen, wie öfters, doch schien keine nächste Standpauke wegen was auch immer in der Luft zu hängen. Er sollte offenbar mit zu ihr auf's Pferd, doch diesmal nicht hinter sie wie bekannt, sondern sie rutschte selber nach hinten und ließ ihn vor sich ganz im Sattel sitzen. Sie prüfte seinen Sitz, der so weit schon mal gut war - er hatte die Haltung für sich finden müssen, ansonsten hätte er inzwischen stattdessen auf dem Troßwagen gelegen, weil der Allerwerteste ungebührlich weh tat. Die Schulterhaltung gefiel ihr aber noch nicht. Durch das hinten sitzen hatte er gelernt, sich vor zu beugen. "Tief einatmen, Luca, Schultern hoch... und jetzt lass die Schultern nach hinten fallen. Genau. Du sitzt hier mittig auf dem Pferd, da muß der Körper auch mittig ausgerichtet sein, damit das Gewicht gleichmäßig verteilt wird und du auf alles reagieren kannst." Sie beobachtete ein weiteres Mal den Burschen vor sich, dann machte sie sich daran, ihm die Zügel zu übergeben. Sie zeigte ihm ihre eigene Haltung, öffnete die rechte Hand etwas und erklärte deutend mit der Linken:
"Der Zügel kommt von vorne... nimm ihn zwischen kleinem Finger und Ringfinger entgegen. Und zwischen Daumen und Zeigefinger kommt er wieder raus." Sie achtete darauf, das Pferd in sehr ruhigem Schritt zu halten, und mit kurzem Seitenblick vergewisserte sie sich, daß Luca die Beine nicht einsetzte. "Den Daumen nicht flach auf den Zeigefinger drücken, das braucht mehr Kraft und tut nur irgendwann weh. Daumen ein bißchen anwinkeln, so..." Sie demonstrierte alles ein, zwei Mal, dann bekam Luca den rechten Zügel angeboten. "Jetzt du."
Sie beobachtete, korrigierte den Sitz etwas nach, gab den linken Zügel dazu, hielt Lucas Arme dann locker fest, um das Pferd auf geradem Kurs zu behalten und unbedachte Bewegungen zu verhindern.
"Du führst das Pferd am Maul. Das Gebiß liegt an seinem Gaumen, dort ist es empfindlich. Das ist ein Vorteil, du kannst es mit geringen Bewegungen leicht lenken. Es wird zum Nachteil, wenn du an den Zügeln reißt, das tut dem Pferd weh und keines lässt sich das lange gefallen. Außer vielleicht eine alte Schindmähre, die schon einen harten Gaumen hat. Du kannst über die Zügel lenken, über den Druck deiner Beine, Gewichtsverlagerung und Laute. Für das Letzte braucht es aber Gewöhnung oder Glück, sowas sollte nur als Hilfsmittel, wenn überhaupt, gebraucht werden."

Sie ließ ihn ruhig die Zügel halten, damit er sich an das Gefühl gewöhnte, Ruhe einkehrte. Sie waren etwas nach hinten gefallen und sie nutzte dann den Platz, um erste leichte Schlenker nach links und rechts mit ihm zu üben. "Und richte dich darauf ein, Luca, daß du irgendwann abgeworfen wirst", stellte sie behutsam langsam, doch trocken fest. "Das Pferd kann erschrecken, ein Signal mißverstanden werden, es kann dir durchgehen... Manche sagen, bevor man nicht einmal abgeworfen wurde, ist man kein richtiger Reiter." Kurz flackerte Sorge auf, ob die Bemerkung nun klug war oder er jetzt bald einen Abwurf provozieren würde, um ernst genommen zu werden. "Denn irgendwann passiert das eben. Die Kunst ist dann", der Ton wurde nachdrücklicher, "gleich wieder aufzustehen und sofort wieder aufzusitzen, wenn es irgend geht. Ein bockiges Pferd lernt sonst, daß es mit sowas Erfolg hat und es gab Leute, die hätten bestimmt tolle Reiter werden können, aber sie ließen zu, nach sowas vor dem Pferd Angst zu haben. Das ist völliger Unfug und Verschwendung einer wertvollen Hilfe.
Ja, Garvagh ist ein Biest, ich weiß. Aber selbst der hat seine treuen Seiten und ist einfach nur ein elender Platzhirsch."

Sie nutzte die nächste Rast, um statt der Ruhe das Pferd an den Halfterstrick zu nehmen und Luca zu zeigen, wie man alleine aufsaß. Erst beruhigte sie das Pferd und suchte Luca mit dem Pferd bekannt zu machen. Große Tiere, fest im Stand. Versuchte, die Scheu durch eigene Anekdoten zu nehmen: "Als ich das erste Mal auf einem Pferd aufsitzen sollte, dachte ich, es kippt seitlich um und fällt auf mich drauf, wenn ich fest am Sattel ziehe." Sie stellte die Steigbügel auf die geschätzte für Luca nötige Länge ein. "Meine Güte, der ist wirklich schon so groß..."
"Linke Hand auf den Mähnenkamm. Hier diese Stelle. Jetzt dreh den Steigbügel und stell den linken Fuß rein. Metall unter deinen Fußballen. Platzier ihn so, daß du dich im Steigbügel auf die Zehenspitzen stellen kannst. Genau."
"Pass jetzt auf deinen linken Fuß auf, daß du das Pferd nicht trittst. Pferd jetzt treten heißt für das Pferd: losgehen. Das kannst du jetzt nicht gebrauchen."
"Genau da greifen, gut... Jetzt abstoßen. Hoch."
"Macht nichts, nochmal..."
"Gut so! Nochmal. Gib dem Pferd immer genauso Zeit, zur Ruhe zu kommen."
"Ja, das steht eben nicht immer völlig still. Daran gewöhnst du dich. ... Nochmal."
"Hacken runter."

Sie übten so oft es während der Tagestour ging, was das Tempo der Weiterreise ein wenig verzögerte. Ein Stück weit ließ sie Luca dann allein auf dem Pferd sitzen, die Zügel in der Hand, auch wenn sie das Tier noch vorne am Zügel führte.

Ankunft
Endlich. Sie ritt das letzte Stück wieder selber und atmete tiefer durch, als sie auf den Teil des Weges kamen, den sie von früher kannte. Hinter einem flachen Hügel kam die Ortschaft in Sicht, und sofort verglich sie... es hatten sich Details verändert, aber da waren immer noch die vertrauten Häuserreihen, den Anbau vom Bäckerladen nutzte inzwischen offensichtlich ein Schuster, das alte müllige Gärtchen da links, wo sie öfters verstecken gespielt hatten, war abgerissen worden. Alles war noch hell, bis zur Abenddämmerung dauerte es noch zwei, drei Stunden, und das nächste, was ihr auffiel, waren die bunten Bänder, Wimpel und zierenden Kornährengebilde. Elbenau hatte sich offenbar frisch fertig gemacht für das Erntedankfest und ein mildes Lächeln legte sich auf ihre Züge. In dieser Zeit hatte es sich Hinrich immer in den Kopf gesetzt, nicht im ritterlichen Gut den Kuchen von der Fensterbank zu klauen, sondern irgendwo im Ort. Gedankenverloren gab sie dem Tier einen leichten Ansporn und hielt auf das Dörfchen Elbenau zu. Da das Haus... du liebe Güte, da hatte immer die so penible Familie Dolinger gelebt, die Fassade war immer so sauber verputzt gewesen, jetzt... naja, es war kein öffentliches Ärgernis, und schockte sie irgendwie doch. Ihr Blick schweifte hierhin, dorthin. Wie gestern schon gab es inzwischen die ersten Leute, die der eintreffenden Gruppe und ihrer Bedeutung gewahr wurden, irgend jemand lief los. "Gernot, sie sind da!"

Darnas Kopf ruckte hoch. Gernot?!
Es war zum Glück nicht die befürchtete Person, sondern nur Gernot Struphaver, ein älterer Bürger, der offenbar ihrem Vater als bevorzugter Ansprechpartner bei Besprechungen für den Ort diente. Die ganze Zeit überlegte sie, ob sie ihn nicht von früher kennen müsste, und genau so musste sie ihn wohl auch ansehen, denn er lachte gutmütig: "Mit Verlaub, Euer Erlaucht, wir kennen uns, aber da wart Ihr noch zu klein. Das war bei der Verhandlung um die Hexe."
Hexe. Stimmt, da war was.
Ihre Blick wanderte in eine andere Richtung und sie nickte, suchte sich aus dem Zentrum der Aufmerksamkeit zu schieben, was gar nicht so einfach war. Genauer gesagt: unmöglich, sich nicht irgendwie umringt gerade einmal abzusetzen. "Ich würde gern den Dorfplatz einmal wieder sehen", schlug sie schließlich die andere Möglichkeit, vorzugehen, an und wurde sofort gerne dort hin begleitet. Da war sie, die alte Linde... der Dreh- und Angelpunkt des dörflichen Lebens, quasi die Seele des Ortes. Es war nicht leicht, sich den Platz leer zu denken, mehrere halb geschmückte Holzgerüste waren bereits als Marktstände und Tribünen aufgebaut. Hier hatte alles gestanden, alles gejohlt, alles gebrannt. Sie wollte Abschied nehmen, aufklären - und doch war jetzt dafür der falsche Zeitpunkt.
"Eure hochwerten Eltern wissen schon, daß ihr kommt und warten sicher bereits."
Sie wandte sich um, setzte ein Lächeln auf. "Ja. Sicher. Das wird ein schöner Festplatz, Herr Struphaver." "Ich würd mich freuen, wenn Ihr mir die Ehre erweist und mich einfach Gernot nennt wie Euer Herr Vater, Erlaucht." Ausgerechnet Gernot. Ihr Vater nannte ihn so?? Dann mussten sie wirklich gut befreundet sein, ähnlich wie sie und Rafael. Sie nickte verhalten. "Gut, Herr Gernot, dann lasst uns aufbrechen."
Es ging ihr so flüssig über die Lippen, daß sie zuerst nicht mal verstand, warum er plötzlich lachte. Aber sie begriff, atmete aus... die Vergangenheit hatte sie augenblicklich eingeholt, es war alles wie früher.

Zuhause
Jedem musste die Ähnlichkeit mit dem alten Anwesen vor Varuna auffallen. Links ein Stallgebäude, wenn auch langgestreckter und mit mehreren Boxen, über deren Türen hinweg Pferdeköpfe ragten. Rechts ein gemütlich solides Fachwerkhaus, das von der Waschküche bis Schlafstube der Knechte den meisten Gesindedingen Platz bot, und das Haupthaus in der Mitte der hufeisenförmigen Anordnung.
Aus Ziegeln mit schmückenden dunklen Balken, oben säuberlich verputzt. Am Frontgiebel eine große Fläche aus hellgrauem Stein und Stuck, links und rechts ein Adler, dazwischen groß und geschwungen der Wahlspruch ihres Hauses: 'Adel' kommt von 'edel'.
Sie kamen näher, und die ersten Bewohner des Gutes kamen ihnen entgegen, um neugierige erste Blicke zu werfen, beim Führen der Karren zu helfen oder einfach nur fröhlich zu winken und dann rasch zurück zu laufen und eifrig Anweisungen an die Küchenmägde zu geben. Unter diesen ersten Leuten waren natürlich nicht ihre Eltern. Oder ihr Bruder. Würde Veltin überhaupt hier sein? Kurz schmerzte sie der Gedanke, daß es schon wieder gut passieren mochte, daß er nicht mal Gelegenheit hatte, hier zu sein. Würde sie ihm nach Schwertbergen oder sonstwo hinterher reisen müssen?!
Der Eingang des Haupthauses kam in Sichtweite, und da standen sie. Das Lächeln wich ihr nicht mehr von den Lippen. Vater stand da, wie er immer da gestanden hatte, auf der oberen Treppenplattform, das ganze Rückgrat des Hauses verkörpernd. Daneben das Herz, die Ruhe und Seele... ihre Mutter. Und noch dabei ein Mann... "Himmelnocheins, der hat sich aber gemacht. Das ist Vaters ganzer Stolz."

Sie wusste nicht, wie lange sie still auf dem Pferd gesessen und ihn angestarrt hatte, aber nach einem kurzen Geflüster und leichten dezenten Schub von hinten durch den Ellbogen ihrer Mutter setzte sich der schneidige Mittdreißiger lächelnd die Treppen hinunter in Bewegung, während Darna vom Pferd absaß und ihm zügig entgegen schritt.
"Die Herrin mit .. dir.." - Veltin hatte sich mit Sicherheit eine Begrüßung zurechtgelegt, die nun doch im Angesicht der Tatsachen wackelig wurde. Darna hatte keine Lust, ein zweites Mal den Fehler zu machen wie bei ihrem Vater, den sie nur angestarrt und steif und förmlich begrüßt hatte. Veltin fand sich sichtlich überrascht in einer kräftigen Umarmung wieder, die er dann jedoch herzlich erwiderte und mit freudig gerührtem Lachen der Anwesenden kommentiert wurde. Damit war der Knoten schon jetzt geplatzt, auch wenn bei genauer Beobachtung einer der erwachsenen und ebenso neugierig wirkenden Knechte sich ziemlich im Hintergrund hielt und trotz mehrfachem Anstubsens sich weigerte, sich mehr in den Vordergrund zu drängeln.
Allerich wahrte die Etikette, mit mildem Blick auf seine beiden Kinder den eigentlich Ranghöheren - und Schwiegersohn - zuerst zu begrüßen. Siglinde wollte Aaryon sehen. Das ganze Haus wollte Aaryon sehen. Und Luca entging nicht einem obligatorischen mütterlichen "Da ist aber jemand groß geworden..." der Hausherrin.
Teile des gestrigen Ablaufes wiederholten sich: Die Pferde wurden ihnen abgenommen und versorgt, doch diesmal sollte sich keiner der Gäste um was kümmern müssen. Es gab bald Essen, zart geschmorten Schweinebraten mit frischen Waldpilzen in der Soße, Rotkohl und Speckklößen und danach standen zwei Zuber in je einem der Häuser bereit, um gleich oder erst morgen früh die Möglichkeit zum baden zu geben.
Es regte zwei Mal zum Schmunzeln an, als auf Hinweise wie "Können wir den Nachtisch auftragen, Milady?" sowohl Mutter als auch Tochter reagierten. Veltins Gemahlin und ihr Sohn schienen dem Essen unter einer fadenscheinigen Entschuldigung fern zu bleiben, was auf Unmut zu stoßen schien. Allerdings wiegelte Veltin ein näheres Gespräch darüber auf einen späteren Zeitpunkt ab.

Anders als in Drachenfels mochte auffallen, daß Darna gestern schon jene Wachsamkeit nicht an den Tag gelegt hatte, wenn sich jemand anders Aaryons annahm, und so konnte sich der Mini-Knirps über eine Woge aus Aufmerksamkeit freuen, von mehr als einem halben dutzend Leuten wechselnd gehätschelt und betüddelt zu werden. Nach einer Weile schien es ihm jedoch zu viel zu werden und als er merklich müde und maulig wurde, brachte man ihn in eine ruhige Ecke des kleinen Handarbeitszimmers, das Darnas Mutter oft nutzte und ließ ihn in einem dort schon vorbereiteten Bettchen schlafen.
Darna und Adrian kamen in dem komfortableren der zwei Gästezimmer unter, das ab und an auch mal dem Grafen von Schwertbergen als Unterkunft diente. Hudgarr und Cyrion wurde das einfachere zweite Gästezimmer angeboten, das jedoch ebenso keinen Grund zur Klage gab und vermutlich beruhigenderweise gleich neben dem von Darna und Adrian war. Ein leicht wehmütiges Grinsen beschlich Darna, als den beiden das Zimmer gezeigt wurde und sie schob sich an ihnen vorbei, um sich umzublicken und aus dem Fenster zu sehen. "Das war früher mein Zimmer", erklärte sie und schaute auf die seitliche Wand des Stalls und einen kleinen Gartenbereich zwischen diesem und dem Haupthaus. Von diesem Umstand war nichts mehr zu sehen - und trotz des Wohlstandes konnte man sich ein ungenutztes Zimmer denn doch nicht leisten. Viola bekam einen Schlafplatz in einem Zimmer mit zwei Mägden, von denen beide bei Haushaltsarbeit halfen, jedoch eher bodenständige Gemüter waren, die ältere ging offenbar öfters Siglinde fast schon als eine Art Zofe zur Hand. Sicherlich angenehmere Gesellschaft als Lavira - es stand zu vermuten, daß eine ähnliche Schnattertante nicht lange die Duldung der ritterlichen Herrschaften gehabt hätte. Dafür herrschte eine derart selbstverständliche und penible Ordnung, daß auch Darna der Ausbilder hätte sein können.
Luca hatte gar die Wahl: er konnte beim Koch und seinem "Lehrling" schlafen, oder beim Stallmeister Hinrich, dem schon recht tattrigen aber gutmütigen alten Eckard, der laut Aussage ab und zu noch im Garten half und einem weiteren noch recht jungen, aber volljährigem Knecht. Dieser nahm Luca auch gleich ein wenig zur Seite, deutete verhohlen auf den Stallmeister: "Das war mal früher der Freund von der Lady, als die noch Kinder waren. Weißt du da was von?"
Adrian von Hohenfels

Beitrag von Adrian von Hohenfels »

Er hatte Darna's Begeisterung über die erbetene Jagd sehr wohl bemerkt. Wenngleich sie nichts sagte, etwas behagte ihr nicht. Wenn man jemanden soviele Jahre kannte, deutete man eben jeden Blick. Sie sagte nichts.. gut.. er wollte auch nicht nachbohren. Eben in dieser Enge, wenngleich ihre Gastgeber freundliche Menschen waren, wollte er keinen falschen Eindruck über Uneinigkeiten hinterlassen. Bedauerlicherweise konnte Cyrion letztlich ohnehin keine erfolgreiche Jagd vorweisen. Kurzzeitig hatten ihm doch einige Sticheleien auf der Zunge gelegen, er würde sie sich unter Umständen für andere Gelegenheiten aufsparen.

Nicht verkneifen konnte er sich die leise Bemerkung an Viola, dass sie gern einige Ausflüge machen dürfe, ihre neue Freundin hier zu besuchen und den ein oder anderen Kuchen zu backen, es sei ja kein all zu weiter Weg. Violas ohnehin seit Drachenfels vorherrschende Verstocktheit uferte nun gar noch aus, sie hielt tunlichst Reiseabstand zu ihm. ... völlig unverständlich, wie er sich schmunzelnd selbst versicherte.

Er nutzte die Zeit Darnas Bemühungen zu beobachten, Luca eine Lehrstunde im Reiten zu gewähren. Selbst wenn es ihm auf der Zunge lag, er ersparte Luca das Angebot, bei ihrer Rückkehr gern einmal seine neu erworbenen Fähigkeiten mit einem Ritt auf Garvagh zu prüfen. Womöglich wäre der Bursche sein Lebtag auf kein Pferd gestiegen, bei dem bloßen Gedanken an das rote Untier. Zu gegebener Stunde würde er diesen Vorschlag jedoch sehr ernsthaft an Luca richten. Nicht jedes Pferd war gleich und gewiss war nicht jedes Tier von ruhigem Gemüt, er musste sich auch an derlei gewöhnen und totgeritten hatte sich auf Garvagh bisher auch noch niemand. Vermutlich war ein Großteil seines Gehabes ohnehin nur Schaustellung von Bockigkeit und unsinnige Verspieltheit. Garvagh hatte oft genug auch erwiesen, dass er verlässlich sein konnte. Einzig in der Schlacht vor Berchgard, hatte er diese Verlässlichkeit missen lassen. Etwas musste ihn dort tatsächlich über Gebühr erschreckt haben.


Er genoss den ruhigen Ritt, stets doch ein wenig zurückbleibend um Darna und Luca bei ihren Bemühungen ein wenig im Auge zu behalten und zu beobachten wie Luca sich bei seiner ersten Reitstunde bewies. Und doch war er zufrieden als sie am Ziel ankamen. Die Wiedersehensfreude Darna's nicht störend, nahm er sich die Zeit ihren Bruder näher zu mustern. Eine deutliche familiäre Ähnlichkeit war unverkennbar. Es dürften interessante Gesprächsabende, gewiss nicht nur mit Darna's Vater werden, vor dem Kamin. Hier nun wenig Sorge um eine möglicherweise nicht zurückkehrende Tochter führend, während man sich versicherte, dass ihr natürlich nichts zugestossen sein konnte.

Natürlich war Aaryon schnell der Mittelpunkt allen Lebens. Aber offenbar genoss dieser sein Los und alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. In einer ruhigen Minute murmelte er Aaryon zu, er solle sich glücklich schätzen, gute Großeltern und einen freundlichen Onkel aber offensichtlich keine Tante sein eigen zu nennen, wie Rafael ihm gewiss irendwann einmal sehr eifrig bestätigen würde, wenn er ihn beizeiten darauf ansprechen würde. Die einzige Antwort Aaryons war eine Mischung aus Lächeln und ausgiebigem Angähnen, bevor er schmatzend eindämmerte. Einmal mehr, kam ein wenig Wehmut auf. Möglicherweise sollten sie ihn doch nicht fortgeben.

Gerimor war ein unsicherer Platz, aber selbst dort vermochten Kinder aufzuwachsen. Wenngleich selten ein Kind derartig in Augenschein genommen wurde, im Willen seiner habhaft zu werden. Möglicherweise musste er sich wirklich mit dem Gedanken anfreunden seinen eigenen Sohn zu dessen Sicherheit, nur an wenigen Tagen im Jahr überhaupt einmal zu sehen. Alles sträubte sich bei diesem Gedanken. Nein es musste einen anderen Weg geben. Sie würden ihn beschützen können, wenn er nicht daran glaubte, wer sollte es sonst.

Er nahm sich vor auch über dieses Thema mit Darna nochmal ausgiebiger zu sprechen, als sie es bisher getan hatten. Sollte er dies hier, möglicherweise gar in Beisein ihrer Eltern? Nein, der Entschluss war gewiss, es wäre der falsche Ort und die falsche Zeit. Besser man nutzte die Reisezeit zur Hauptstadt und die Zeit in der Hauptstadt selbst. Es wäre unangemessen, ein solches Thema möglicherweise noch zum Streitpunkt zwischen Darna und ihrer Familie werden zu lassen. Früh zog er sich mit diesen Gedanken an jenem Abend der Ankunft in die zugewiesenen Räumlichkeiten zurück. Die kommenden Tage würden genug Zeit geben für Gespräche. Gewiss würde man seinen Rückzug mit Reisemüdigkeit entschuldigen.
Hudgarr Stolzenfels
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Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Hudgarr Stolzenfels »

Hudgarr's Begeisterung hielt sich sehr stark in Grenzen als er mit Cyrion und seinem Raben in ein Zimmer gesteckt wurde. Jede Nacht begab er sich von nun an vor die Zimmertür von Adrian und Darna und hielt dort Wache, am Tag wenn Cyroin bei den beiden war, zog sich Hudgarr auf eine der angrenzenden Felder zurück wo eine große alte Eiche stand und machte es sich ein wenig gemütlich um ein paar Stunden Schlaf zu bekommen.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Elbenau. Irgendwie hätte „Vorort der Hölle“ besser geklungen, denn nichts anderes war dieser Ort, zumindest jetzt im Moment. Eigentlich hatte Viola sich mit der Tatsache, ein paar Tage die ruhige Natur und die ganze Atmosphäre um sich herum zu genießen, angefreundet und wollte einmal wieder ihre Kenntnisse in der Wildnis auffrischen, wie sie es damals bei den Hinrahs gelernt hatte, doch daraus wurde nichts … jedenfalls im Moment nichts.
Auf eine recht unschöne Art und Weise wurde ihr ins Gedächtnis zurück gerufen, dass die Ausgangssperre für sie immer noch gelten würde, jedenfalls solange kein „Erwachsener“ mitkommen würde. Schon alleine beim wiederholten erwähnend es Wortes „Erwachsener“ drohte ihr das Blut wieder in den Adern zu kochen und zum ersten mal seit Jahren hatte sie wieder das Bedürfnis Darna persönlich eine reinzuhauen … den Gedanken verwarf sie allerdings schnell wieder und tat ihn als übertriebene Wutreaktion ab, niemals würde sie sich so etwas wagen … noch nicht.

Ein genervtes Seufzen entglitt ihren Lippen, während sie die Gesindestube auf und ab lief; die beiden Mägde Grite und Lena waren gerade nicht anwesend und Viola war auch ganz froh darum, denn die beiden waren zwei nette Persönlichkeiten und Viola täte es leid, ihren Frust an ihnen auszulassen. Sie konnte ihn allerdings auch nicht an Darna auslassen, das würde nur noch mehr Probleme mit sich bringen. Allerdings konnte sie auch einfach mit ihr reden, sie hatte mit Darna seit Drachenfels nicht ein einziges Wort mehr gewechselt und vielleicht reichte es ja, wenn Viola sie bitten würde das Verbot wieder aufzuheben?
Doch beinahe im gleichen Moment schnaubte sie nur, denn genau DAS war es ja was Darna sicher wollte, dass Viola vor ihr angekrochen kam und darum bettelte, wieder alleine raus zu können und ihren Fehler einzugestehen. Aber sie hatte keinen Fehler gemacht, nicht einen einzigen Fehler! Nein, es musste eine Alternative geben, und Viola wusste auch, wie diese Alternative hieß, wie groß sie war, wie ihr silbernes Haar aussah … und wo sie sie finden würde: Adrian war der Name dieser Alternative und bevor sie vor Darna gebückt antanzen würde, würde sie lieber einen Versuch bei Adrian starten.

Die Suche nach ihm stellte sich jedoch schwieriger heraus als gedacht. Zwar wusste Viola, wo er sein Quartier hatte, doch nicht, wie sie dorthin kommen sollte. Zusätzlich wollte sie nicht Darna über den Weg laufen, am Ende würde noch irgendetwas Schlimmes passieren und sie hatte dazu einfach nicht die Lust dieser Frau ins Gesicht zu schauen. Sie schritt die einzelnen Gänge ab, irrte umher und hätte sie Lena nicht getroffen, so hätte sie wohl niemals Adrians Zimmertüre erreicht.
Bevor sie klopfte atmete sie einmal tief durch; sie würde ihm bestimmt klar machen, wieso sie nichts falsch gemacht hatte in Drachenfels, sie würde ihm ebenso klar machen, dass sie kein kleines Kind war, sondern eine erwachsene Frau und sie würde ihm bei allen Göttern klar machen, dass sie keinen Babysitter brauchen würde! Und so klopfte sie letztendlich an und bereitete sich auf einen harten Kampf vor.
Adrian von Hohenfels

Beitrag von Adrian von Hohenfels »

Was für eine Nacht... die erste Nacht auf Elbenau und er schreckte aus einem... Alptraum hoch, so konnte man es wohl nennen. Ein Gang durch die Straßen.. überall Stände, freundliche Menschen, die ihm lächelnd gegenübertraten.. und ihm Körbe mit Äpfeln entgegenhielten, ob er denn nicht einmal diese köstlichen Früchte probieren möge...

Sich die Haare raufend, richtete er sich am Morgen im Bett auf. Wie sollte es anders sein, als dass Darna schon auf war und Aaryon auf und abtrug. Noch immer hing ihm der Geruch von Äpfeln in der Nase. Nein es war keine Einbildung aus der Nacht. Der Geruch frischen Apfelgebäckes, liess sich nicht leugnen, drang offenbar von draußen herein. Er musste hier heraus!

Eilig war die Morgenwäsche erledigt. Einem Frühstück wich er aus. Darna mochte erahnen, was ihm den Hunger ausgetrieben hatte, während er sich zu einem Spaziergang aufmachte. Frische Herbstluft war ihm im Augenblick wahrlich wohler.

Glücklicherweise hatte der Apfelgeruch zumindestens nachgelassen, als er zurückkehrte und noch eben mitbekam, wie Viola an die Zimmertür klopfte. Und so wurde Viola von einem zweistimmigen "Herein" überrascht. Zum linen in der männlichen Ausführung, ausgesprochen hinter ihr im Gang, als auch seitens Darna's, welches aus dem Zimmer selbst zu vernehmen war.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

„Herein“, von beiden Seiten erschallte es und während Viola sich noch verwirrt umgedreht hatte und erkannte, dass da ein Adrian hinter ihr stand, wurde die Tür vor ihr bereits geöffnet und sie sah in Darnas Gesicht, was in ihr sofort eine deutliche Anspannung auslöste. So viele Dinge gingen ihr just in diesem Moment durch den Kopf, so vieles was sie gern tun würde, angefangen von rumbrüllen über ihr vor die Füße spucken, all das tat sie auch …. allerdings nur in ihrer Gedankenwelt wo so etwas auch erlaubt war. Trotz allem waren die Blicke zwischen den beiden Frauen mehr als kühl und hätten Blicke töten können, beide wären sicher irgendwie draufgegangen. Adrian war es zu verdanken, dass die Situation nicht eskalierte, denn Viola spürte nur noch wie sie am Arm genommen und weggezogen wurde, das Streichholz wurde vom Pulverfass entfernt und es war nicht zur Explosion gekommen, noch nicht.

Minuten später saß Adrian in der Bibliothek auf einem Stuhl, Viola hingegen stand, ging auf und ab und fing an alles zu erzählen was sie wollte, es war fast schon eine Wohltat einfach etwas Frust abzulassen. „[...] und seit diesem Vorfall in Drachenfels ist niemand auch nur mal auf die Idee gekommen mich zu fragen, was überhaupt passiert ist! Und bevor ihr nun sagt, ich hätte mich ja erklären können: Nein, konnte ich nicht! Darna hat es ja nicht für nötig gesehen mich anzuhören, die urteilt lieber gleich selbst scharf. Dieser Kerl in der Taverne hat mich wie ein Flittchen behandelt, was ich ignorieren könnte, aber ich kanns nicht ignorieren, wenn so ein schmieriger kleiner Mistkerl anfängt meine tote Schwester zu beleidigen und SIE als Hure abstempelt! Grade ihr dürftet ja wissen wie weh es tut wenn andere sich über tote Geschwister höhnisch auslachen ...“ die Bemerkung tat ihr einen Moment lang leid, aber sie war nicht als Offensive gedacht, sie wollte nur dass sich wenigstens einer vor Augen führen konnte, welche Schwere da eigentlich vorlag „... und dann sperrt man mich quasi ein und sagt mir, ich dürfe nur mit einem ERWACHSENEN weg! Ich BIN Erwachsen verdammt nochmal!
Nur weil ich fluche, was trinke und mich meiner Haut zu wehren weiß und Dinge anders regle als es vielleicht Darna tut, bin ich noch lange kein Kind. Und nur weil sie in meinem Alter Emotional eher einer Steinstatue glich, und ja ich weiß dass das Gründe hatte, schaut mich nicht so böse an, heißt das nicht automatisch dass ich deswegen genauso bin. Ich hab niemanden gesehen der in dieser Kneipe böse auf mich geschaut hätte oder dergleichen, jeder einzelne da drin konnte es entweder verstehen oder gehörte zu denen, die den Streit angefangen haben! Jedenfalls empfinde ich es als Demütigung dass man mich wie ein kleines Kind behandelt und auf mich herab schaut ohne mir die Chance zu geben mich auch mal dazu zu äußern!“

Ihre Stimme war alles andere als ruhig, sie wollte im Moment nicht einmal ruhig sein, es tat einfach gut alles von der Seele zu fluchen, ganz gleich wie wenig Adrian sie danach noch leiden konnte weil sie nicht gerade nett über seine Ehefrau sprach, sie würde damit auch noch leben können. Außerdem war sie nicht beleidigend geworden, selbst der Vergleich mit der Steinstatue kam nicht von ungefähr, Darna war eine lange Zeit mit der Emotionsgeladenheit eines Steins gesegnet gewesen, wenn auch dass nicht ganz ihre eigene Schuld gewesen war, aber das war im Moment auch egal!

Letztendlich, nachdem sie im Raum sicher in gutes dutzendmal auf und ab gegangen war, atmete sie einmal tief durch und setzte sich hin, ehe sie zu Adrian schaute. Irgendwas im hintersten Teil ihres Kopfes sagte ihr, dass die Ausgangssperre nicht nur bestehen bleiben würde, sondern dass seine Hoheit alles andere als fröhlich und verständnisvoll reagieren würde … Ring frei zu Runde zwei
Zuletzt geändert von Viola Ser´Rhal am Montag 2. November 2009, 17:16, insgesamt 1-mal geändert.
Adrian von Hohenfels

Beitrag von Adrian von Hohenfels »

Scheinbar völlig unbewegt und ruhig hatte er Viola's Worte aufgenommen. Einzig der hin und wieder zunehmende Takt der Fingerkuppen, mochte einem aufmerksamen Beobachter ermöglichen seine Stimmung zu deuten. Viola spuckte ihre eigene Wut förmlich aus und er liess sie, es mochte helfen, dass sie nicht mehr das verstockte Gör spielte, dass lieber in die Welt hinausschmollte, anstatt sich Gedanken über ihre Handlungen zu machen und zu deuten, wozu diese führen konnten.

Recht ruhig schienen auch seine Worte gewählt, so wie üblich. "Ihr wünscht somit nicht mehr als das Kind gesehen zu werden. Vermutlich seid ihr dies auch nicht, nur erkennt ihr es selbst nicht. Wenn ihr euch dort draussen herumprügelt wie ein Straßenkind, dass sich mit anderen schlägt. Denn es gibt leider einen Unterschied zwischen euch und diesem. Straßenkinder schlagen sich hierbei nicht aus dem Leben. Ihr wurdet beleidigt, eure Schwester nicht minder. Wir beide wissen, welche Tat ihr bereits einmal wegen eurer Schwester begangen habt. Erkennt welche Gefahr ihr selbst birgt und lernt, wenn ihr wie eine Erwachsene behandelt werden wollt, auch wie eine Erwachsene mit derlei umzugehen. Einen Mord nach dem anderen zu begehen, weil man die euren beleidigte, mögt ihr als Erwachsen erachten, doch sollte euch bekannt sein, dass dies ein Vorgehen ist, dass wir nicht dulden , nicht verstehen und nicht sehen wollen von euch.

Es war ein Bengel, der euch beleidigte. Ihn zu erschlagen, wie ihr es um ein Haar vollbracht hattet, ist offenbar die einzige Lösung die ihr für euch annehmen wollt. Dass wir derlei nicht dulden ist euch bekannt. Weder in meinem Lehen noch an irgendeinem anderen Ort dieser Welt. Wenn ihr dies einzusehen in eurer Erwachsenheit nicht für euch annehmen wollt und könnt, werden wir euch entsprechend zu erziehen suchen, soweit wir dies noch vermögen. Solltet ihr euch für zu Erwachsen halten, Zügelung und Führung für euch anzunehmen, dann solltet ihr anfangen euer Leben in die eigenen Hände, fern unser Anwesenheit zu finden. Mit derlei Benehmen, wie ihr ihn auf Drachenfels geführt habt, wird dies jedoch gewiss recht schnell in einer Zelle enden. Ihr könnt euch überlegen, ob euch dies angenehmer erscheint, als ein vorübergehender Zimmerarrest, der auch eurem Schutze diente." Sein Blick ruhte forschend auf Viola, ihre Reaktion auf seine Worte abwartend.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Sie hatte Adrian ihrerseits ruhig zugehört und gelegentlich musste sie sich zusammenreißen, ihm nicht ins Wort zu fallen. Erschlagen? Sie hatte dem Kerl eine Nase gebrochen und ein blaues Auge verpasst … hätte sie ihn erschlagen wollen, hätte sie den Krug auf den Tisch benutzt um auf ihn einzuprügeln, das hier waren Ansichten von jemanden, der eine Schlägerei scheinbar gleich zu setzen schien mit einem geplanten Mord, und sie hätte Adrian für nicht ganz so realitätsfremd gehalten, dass er den Unterschied nicht zu kennen schien. Zu ihrem eigenen Schutz? Natürlich, sie wäre gleich am nächsten Tag exakt wieder losgezogen und hätte sich auf wehrlose, junge Adlige gestürzt und sie bis zur Besinnungslosigkeit verprügelt … was glaubte er eigentlich was sie getan hätte? Die Sache war für sie von diesem Moment an erledigt gewesen, als sie dem Kerl gezeigt hatte was passierte, wenn man so über ihre Schwester redete. Natürlich hätte man sie ja auch vor ihm schützen können, aber irgendwie war Viola recht klar, dass das wohl weniger der Grund gewesen war, nein man wollte sie zu „ihrem eigenen Wohl“ in Drachenfels an der kurzen Leine halten. Solltet ihr euch für zu Erwachsen erhalten …. fernab von unserer Anwesenheit …. das Gespräch ging nun exakt in die Richtung, die Viola erwartet hatte; Kusche oder geh halt, wir wollen ja nur dein Bestes … natürlich. Eines war Viola klar, sie würde hier nicht mit normalen und ausgeklügelten Argumenten vorankommen, dafür war Adrian einfach zu verbohrt, also musste Diplomatie her, etwas was sie in ihrer Zeit im Haushalt gelernt hatte.

„Also gut, ich bestreite ja nicht einmal, dass die ganze Sache vielleicht“ … aber auch nur so vielleicht wie es nur vielleicht sein kann „...etwas überstürzt war und nicht richtig durchdacht. Ich verspreche euch, dass ich in Zukunft in mich gehen werde und dafür sorgen, dass sowas nicht wieder vorkommt; versprochen.“

Zu ihrer eigenen Überraschung hatte dieser eine Satz scheinbar genug Vertrauen geweckt, dass Adrian bereit war ihr wenigstens zeitweise zu glauben. Nicht dass Viola vorgehabt hätte das ganze in irgendeiner Art und Weise zu missbrauchen, nein, sie wollte nur endlich wieder alleine unterwegs sein, für sich sein und auf eigene Faust etwas unternehmen. Sie würde Adrian und Darna keinen Grund mehr geben, dass sie während dieser Reise in irgendeiner Weise etwas negatives von ihr hören würden, das war beschlossene Sache.
Den Rest des Tages verbrachte sie damit, sich das Umland anzusehen. Kaum war sie in ihr Zimmer gekommen, hatte sie sich ihre Klamotten angezogen, war in die schweren Stiefel geschlüpft und hatte sich auf den Weg hinaus in die Wälder gemacht. Es war angenehm zwischen all den Bäumen entlang zu gehen, die Natur mal ohne jemanden um sich herum zu spüren und einfach nur drauflos zu wandern … sie war wieder frei.
Luca
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Beitrag von Luca »

Ankunft in Elbenau
Er trug seine rote Kettenrüstung, hatte sich die Haare ordentlich gekämmt und sogar den gröbsten Dreck unter den Fingernägeln hervorgepult. Ladys Haus... Davor Ladys Eltern und sicher Ladys Bruder. Die beiden waren ihm damals sympathisch gewesen, aber es war noch immer genauso ungerecht, dass sie eben Ladys Eltern und nicht seine waren. Er dachte nicht weiter darüber nach, sondern rümpfte nur flüchtig die Nase, als die fremde Wiedersehensfreude unangenehm an ihm nagte.
All die herbeieilenden Leute waren willkommene Abwechslung und die netten Worte der alten Dame fühlten sich gut an. Sie erinnerte sich an ihn und ihr war aufgefallen, dass er reichlich gewachsen war. Grund genug, ihr die Freude an Ari zu gönnen. Er hatte sich die Situation unangenehmer vorgestellt. Sie meinte es ehrlich und sein Bruderstolz wusste zu würdigen, wenn jemand den Kleinen mochte.
Die Entscheidung bezüglich des Schlafplatzes hatte ihm das Essen erleichtert, aber vielleicht war auch ausschlaggebend gewesen, dass der Küchenjunge in seinem Alter war. Immerhin hatte er sich vorgenommen, die Chance zu nutzen, etwas mit anderen Jungs zu unternehmen. Und da war ja auch noch der andere Plan – mehr über Elbenau erfahren, über Lady und darüber, wie man hier tatsächlich war und dachte...

Die andere Lady
Ein wenig hatte ihn selbst überrascht, wie schnell er sich wohlfühlte. In Drachenfels hatte ihm Ladys misstrauischer Blick stets unangenehm im Nacken gebrannt – hier schien sie abgelenkt und ungleich besserer Laune, so dass er sich weniger beobachtet vorkam. Und sie schleppte Ari nicht mehr überall mit hin. Er hatte versucht, sich an den Gedanken zu gewöhnen, ihn bald nicht mehr zu sehen, aber es hatte nicht funktioniert. Besser die verbleibende Zeit nutzen... Der Kleine fühlte sich bei ihm immer noch am wohlsten, da war er sich sicher. „Luca“ konnte er schon fast sagen, zumindest wenn man bei seinem „Gu!“ ganz genau hinhörte. Und er war aufmerksamer geworden, nicht mehr nur am in der Gegend herum Patschen... Grund genug, das Anwesen mit ihm zusammen zu erkunden.
Hier und da erinnerte es an Ladys altes Haus. Er überlegte, ob er seine Burg später auch wie sein Zimmer oder Tantes Hütte einrichten würde. Nicht wirklich. Besser.
Obwohl es noch recht früh war, ging es schon lebendig zu. Jeder, der den beiden begegnete, lächelte zumindest ein wenig gerührt; die Frauen hielten allesamt an, um Ari –oder auch ihm– über den Kopf zu streicheln und einige nette Worte zu wechseln oder den beiden Süßes zuzustecken. Da von Lady und Hoheit nichts zu sehen war, durfte der Kleine zumindest ein bisschen daran herumlutschen. Gefiel ihm... nur Milch, das war ja kein Zustand. Sicher würde sich später auch mal ein bisschen Fleisch zum Ausprobieren finden.
Vorerst endete der Rundgang bei der Dame des Hauses. Immerhin hatte sie sich schon seit Ladys Hochzeit auf ihren Enkel gefreut... Ihre Zuneigung machte ihn nicht eifersüchtig; vielleicht lag es daran, dass er es dem Kleinen gönnte, vielleicht auch an der heimeligen Atmosphäre, die sich um sie herum ausbreitete. Artig zu sein war nicht sonderlich anstrengend. Er konnte alte Mütterchen leiden und hatte schon immer recht intuitiv den richtigen Ton getroffen, wenn ihm jemand sympathisch war. Es dauerte nicht lang, bis er auf einen gemütlichen Stuhl gesetzt und mit Milch (die er brüderlich mit Ari teilte) versorgt worden war.
Sie stickte, er schaute zu, sie unterhielten sich. Reichlich lange. Lady hätte sich sicher gewundert, aber der Knirps auf seinem Schoß machte das Reden leicht. Luca erzählte, womit er am liebsten spielte, wie er gehalten werden wollte, welche Melodien er mochte und was sie zusammen übten. Sieglinde nickte hier und da, sah auf, wenn er etwas vorführte, und wusste seine Fragen zu beantworten. Ob Kuh- oder Ziegenmilch besser war, ob er nicht langsam Fleisch bekommen sollte, ob man ihm langsam ein bisschen Laufen beibringen sollte, ob er nicht reichlich schlau und kräftig war und ob es nicht gut war, dass er –Luca– Lady beschützt und gut durchgefüttert hatte, als sie schwanger gewesen war und nur Salat hatte essen wollen...
Als eine der Mägde zum Mittag rief, überraschte ihn selbst, wie schnell die letzten Stunden verflogen waren.
Cyrion Sha´Ar

Beitrag von Cyrion Sha´Ar »

Elbenau... Ein Ort, für den man wenig Zeit brauchte um ihn durchstromern zu koennen. Ein Ort, auf dem die Blicke auf einem ruhten - wenn sie grad nicht auf die noch interessanteres Herrschaften gerichtet waren.
Gelassen ritt er durch den kleinen Ort, prägte ihn sich ein, damit er im Notfall wissen würde, wo er war und wo er hin musste. Seine Gestalt, lässig und hochgewachsen auf dem Rücken des Pferdes, war in Dunkelheit gehüllt - nicht seine schwarze Tracht, nein, die Dunkelblaugraue, aber der feuchte Morgen hatte sein übriges getan und der Blick, kühl und vielleicht unnahbar in seinem nachdenklichen Ernst, schweifte umher und versuchte den Nebel zu durchdringen, der sich in silbernen Tropfen in seinen Haaren und seinem Umhang fing. Er war schon am ausdünnen, man konnte so einiges erkennen, aber in den Niederrungen lag er dichter, satt und Dinge in die Ferne rückend. Kein Wetter für Murelay zum fliegen - ein Grund warum sie im Zimmer geblieben war, sehr zum Verdruss von Hudgarr. Er würde sie später rauslassen, wenn die Sonne den Nebel aufgelöst hatte.
Hudgarr... Er gab sich nicht viel, den Unmut zu verbergen, mit Cyrion in einem Zimmer zu sein. Etwas, worüber er irgendwann mit Hudgarr würde reden müssen, hatte er dem Mann doch nichts getan und er in ihm doch einen angenehmen Bekannten gesehen. Wenn es Murelay war... fragte er sich wieso Hudgarr eine Abneigung entwickelt hatte - er hatte auch früher gewusst, das Cyr Raben als Familiare hatte - seit vielen Jahren, wenn er sich recht entsann. Er musste wissen, das Murelay nur ein Vogel wie jeder andere auch war. Vielleicht war das Problem auch ein anderes... Redete er, Cyrion, im Schlaf? Leicht runzelte er die Stirn, während er im grosszügigen Bogen um die Gemeinde ritt, um dann den Gedanken zu verwerfen - nein das war lächerlich. Die ganze Sache war lächerlich, aber dennoch störte es Cyrion, wie Hudgarr auf ihn und den Raben reagierte. Er wollte nicht mal im selben Zimmer schlafen, obwohl Murelay zumeist die Tage und Nächte draussen verbrachte, ausser wenn es Anzeichen auf Frost gab. Die Lippen verzogen sich leicht und er lenkte das Pferd wieder gen Haupthaus. Vielleicht sollte er Murelay einfach mal Hudgar zum halten geben. Wer sich so widerstrebend mit Raben beschäftigte, würde sich vielleicht nicht auf Anhieb bewusst werden, das der Vogel keinen Halter brauchte, sondern sich selbst einen Platz suchen würde. Mit welchen Vögeln beschäftigte Hudgarr sich sonst vielleicht noch? Greifvögeln? Die brauchten alle einen Halter, ausser wenn man sie im Freien fliegen liess.
Ein Mundwinkel kräuselte sich nach oben. Aye... Ein wenig Vernunft würde Hudgarr gut tun. Wenn er die nächste Gelegenheit hätte, wo Cyrion irgendas zu tun hatte, wo der Vogel störte, würde er ihn einfach mal schneller noch, als die Garde es erlaubte, Hudgarr auf den Arm setzen. Er würde schon sehen, was dabei herum kommen würde.
In leiser Vorfreude, gewürzt mit einer Prise Schadenfreude ritt er zurück zum Gut. Er würde seinem alten Freund schon eintrichtern, das weder er noch sein Rabe Personas non Grata waren.
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