Tagebuch einer Reisenden

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Inara Schwarzmourne

Tagebuch einer Reisenden

Beitrag von Inara Schwarzmourne »

1. Rabenmond 252

Heute bin ich endlich in Silberbach angekommen, der nächsten größeren Siedlung vor meiner alten Wohnstätte.
Heimat kann ich den Quell so vieler schlechter Erinnerungen nicht nennen.
Die Überfahrt war grauenvoll.
Der kalte Wind blies die Segel zwar gut auf, aber wie immer wenn ich länger auf See bin, wurde mir davon auch furchtbar übel.

Leider ist der Ort lange nicht mehr so schön wie früher. Die Straßen sind dreckig, die Menschen unhöflich und die Häuser sind in schlechtem Zustand.
Eine Ausnahme gibt es jedoch, die Herberge in der ich mir ein Zimmer genommen habe.
Der Wirt und seine Frau sind sehr nette Leute. Und obwohl ich selbst auch gern koche, so lässt mich die Kochkunst der Hausherrin den dringenden Wunsch verspüren, einmal in ihrer Rezeptesammlung zu stöbern. Allein ihr gesottenes Fleisch mit Butterkartoffeln... eine Meisterleistung!

Morgen wollen sie und ihr Mann mir jemanden vorstellen, von dem sie denken, sie könnte mir weiter helfen. Angeblich eine alte Freundin einer Küchenangestellten.
Ich bin schon sehr gespannt.
Abends jedoch schweifen meine Gedanken wieder in die Heimat ab, zu meinem Hof vor Adoran, zu meinen Lieben .. und vor allem zu Marick.
Wenn ich wieder daheim bin, werde ich versuchen, mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Erst jetzt, wo ich wieder in den alten Landen bin, spüre ich, wie viel mir meine Familie bedeutet und er ist der einzige, der mir von meiner Familie geblieben ist. Doch vielleicht finde ich hier noch ein paar Verwandte und kann ihm einen Cousin oder eine Cousine schenken.
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Malachai Schwarzmourne
Beiträge: 1606
Registriert: Montag 2. April 2007, 01:04

Beitrag von Malachai Schwarzmourne »

Soviel ging ihm durch den Kopf. Soviel erlebtes. Die Prügel an Rafael, der Rabendiener, der seine Hand durchtrennte, die Angriffe auf Adoran, wie er im Schlachtfeld durchrannte, nach einem Freunde suchend und ihn in die sicheren Mauern zog.
Und doch...die Welt hätte untergehen können, egal was er tut, seine Gedanken schweiften immer wieder zurück, an einen Ort, an einen Gedanken, an eine Person.
Immer und immer wieder fragte er sich, war es richtig, was er tat...nein...was er empfand?
Konnte er denn anders empfinden?
Hatte er vielleicht etwas falsch gemacht?
Und dennoch...war er zwischen all den quälenden Fragen glücklich. Glücklich, wie schon seit sehr langem nicht mehr.
Und dennoch...war es ein Hindernis.
Konnte er es wagen, nach all der Zeit, nach all dem, was er seiner ehemaligen Frau angetan hat? Nicht nur, dass ein Dämon ihn beseelte und Sie töten lassen wollte...nein...er entschied sich gegen Sie...gegen die Liebe...aus Angst davor, was ihr passieren konnte.
Und Rafael...dieser feige Bast....er dachte nicht weiter darüber nach. Er hatte seinen guten Freund einst gewarnt, als jener ihm die Entscheidung beichtete, er würde es versuchen. Er hatte ihn gewarnt, nicht den selben Fehler zu machen, den er tat. Und er gab ihm sein Wort...sein elendiges Wort.
Und was war es?
Aus Sorge um ihr, weil er ja nun Marktgraf war, wollte er es beenden.
Er hätte ihn am liebsten weiter verprügelt...doch nein, so war er nicht...so würde er nie sein...jemanden helfen, seine Leiden abzulegen.
Sein Freund hatte genug qualen, genug Probleme in seinem Inneren. Er würde ihn mit einer Abreibung nicht die Genugtuung, nicht die Absolution erteilen, die er bräuchte.
Und dann....dieser Gedanke, zu glauben, er hätte ihm ja einen Gefallen getan? Ist er so verblendet? Oder redet er sich die Welt schön?
Gefallen?
Malachai war liiert mit Sienara...sie erwartete ein Kind von ihm...als Rafael mit Inara zusammenwar, war sie so schön unerreichbar, so...glücklich, dass es ihm nicht im Traume einfiel, auch nur Ansatzweise soetwas wie Gefühle ihr gegenüber zu zeigen.
Und dennoch.,..ja...er litt...immer wenn Er sein Pferd vor ihrem Hof stehen sah, immer, wenn er wusste, Er war bei ihr. Und dennoch, hatte er genug beherschung, dieses zu unterdrücken.
Da kamen ihm Rabenbrut und Scherereien mit Banditen, Wegelagerer und sogar den Untoten recht. Konnte er die Gedanken wenigstens kurz abschweifen lassen....abschweifen...von ihr.
Er blickt wieder auf seine bandagierte Hand.
Sie schleppte ihn zu Liliana...die, die ihn wohl am meisten auf der Welt verabscheute...doch es war ihre Art...ihre...innere Stärke, dass selbst Liliana es nicht verweigerte, ihn zu behandeln und er sich jegliche dummen Kommentare sparte.
Sie waren auf einem Feste, zusammen, mit Marick...fast wie damals...fast wie eine Familie. Glücklich, sorgenfrei...sorgenfrei...dies sind die wenigen letzten Augenblicke, die er im Leben wirklich geniessen konnte...stetig wissend, dass die Sorgen nie weggehen...ebenso, wie dieses Gefühl, welches sich vor vielen Jahren entwickelte in der dunkelsten Stunde im Leben, als er eine Frau sah, vor ihm, unter Deck, ihn anlächelnd.
Ab da entwickelte es sich...stetig weiter...
die Gedanken kommen wie im Fluge...
Der getötete und gefolterte Kelos Amarth
Der kleine Kindersarg
Der Kuss bei Mondschein...
Das zerhäckseln ihres Heus...
Die Trauung auf der Waldlichtung...
Der Einzug zusammen...
Die Erfahrung, Sie sei schwanger...
Die Geburt...
Die Kämpfe...
Der Abtrünmnige....
Das Glück....
Ihr Verschwinden...
Ja...wie ein durchgehender Streifen...als würde er gleich sterben und einmal sein Leben an sich vorbeiziehen sehen.
Wie er ein leeres Grab aushebte, eine Rose in Gedenken an Sie hereinschmiss und es dann schloss.
Wie er Sie wiederfand.
Wie sein Herz pochte.
Sein Verstand schrie...
Ja all das...und ewig verbunden durch einen kleinen Jungen...seinen Sohne.
Er dachte, er würde langsam alt werden. Die Wunde an der Hand war kaum noch durch die Bandage sichtbar. Doch in dem Moment, wo er sich mit dem Rabendiener messte, wich seine Konzentration. Ja, er bekam für eine Sekunde Angst....Angst....etwas unegklärt zu lassen...einfach zu gehen...und liebende Menschen...einen liebenden Menschen zurück zu lassen...stetig mit der quälenden Frage "was wäre wenn..."
Langsam hebt er seine bandagierte Hand. Die Sonne erhebt sich und unter den Bäumen steht er, im letzten Schatten, hinabblickend zu dem Schiff, dass gerade die Leinen ablegte und die Segel hisste.
Dort stand Sie, genau auf ihm blickend.
Sie würde ihn nicht sehen, doch sie würde wissen, dass er gerade in diesem Momente dort steht, den Arm gestreckt und ihr zuwinkend.
Auf das Sie die Antworten ihrer Vergangenheit finden möge und baldigst wiederkommt.
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Inara Schwarzmourne

Beitrag von Inara Schwarzmourne »

4. Rabenmond

Ich denke, es wird Zeit nach Hause zu fahren. Hier gibt es nichts, was mich hält.

Die Alte, die ehemalige Freundin der Küchenhilfe, konnte mir zwar nichts genaues sagen, aber von ihr bekam ich zumindest einen Hinweis, wo meine Eltern gelebt haben, eine kleine Stadt namens Beronstedt, zwei Tagesreisen von hier.
Der Geistliche dort hatte in den alten Aufzeichnungen sogar noch Angaben zu meiner Geburt! Ich war so aufgeregt..

Dort, in den Aufzeichnungen des Eluivepriesters Herengor, erfuhr ich, dass meine Mutter Alisea hies und Akoluthin des örtlichen Eluive Ordens war. Doch als sie schwanger wurde, musste sie austreten.
Sie starb bei meiner Geburt, doch ohne den Namen meines Vaters preis zu geben. Herengor hatte dem Priester wohl einmal in einer Weinlaune erzählt, dass er vermutete, dass es dieser "dahergelaufene Taugenichts war. Ein seltsamer Mann, der nur einige Tage auf der Durchreise war" und offenbar waren wenige Tage nach seiner Abreise Männer der Inquisition da und suchten ihn. Mehr ist jedoch nicht über ihn bekannt.
So wie es aussieht, wurde ich wohl zunächst vom Orden gross gezogen und dann von meiner Hebamme, einer Verwandten von Kelos, an dessen Gut gebracht.

Ich fragte den Priester, ob er wisse, wo meine Mutter begraben liege und er zeigte mir die Stelle. Es ist am Fusse einer alten Eiche im nahe gelegenen Hain. Ein Stück über meinem Kopf fand ich etwas in der Rinde, ein eingeritztes Herz, darin der Buchstabe A und der zweite wurde offenbar nachträglich wieder ausgekratzt.
Meinen Vater werde ich wohl nie finden. Keiner erinnert sich noch an seinen Namen und wer weiss, ob er nicht schon gefasst und hingerichtet wurde.

So werde ich mich nun wieder auf den Heimweg machen und dafür sorgen, dass wenigstens Marick eine Mutter hat und ich bin sehr sehr froh, dass zumindest ER einen Vater hat, der sich um ihn kümmert. Ich hoffe, er hat noch lange Gelegenheit, Zeit mit Malachai zu verbringen.

Was jedoch mich und Malachai angeht, dass ist eine andere Sache. Doch zu viel grübeln hilft da wohl nicht weiter. Ich werde sehen, was sich entwickelt, oder auch nicht. Aber ich kann nicht umhin, mir einzugestehen, dass ich mich bereits auf ihn freue.
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Amu Kanok
Beiträge: 111
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:41

Beitrag von Amu Kanok »

Die Tage werden kurz, das Wetter draußen ist eklig nass und kalt.
Die Kleidung saugt sich förmlich satt bei jedem Schritt vor die Tür.

Es ist viel eher ein Wetter, um am Kamin zu verweilen.
Wie schön ist es das wärmende Feuers im Kamin zu genießen, sich von einem roten Wein in einem kristallenem Kelch verzaubern zu lassen und den rubinen Lichterschein der sich in ihm widerspiegelt, als willkommenen Anstoß zum träumen zu nehmen.

Es schien eine Ewigkeit her zu sein. Doch noch immer stand der Beutel, den sie ihm vor der Abreise gab unberührt in seinem Schrank.
Vermisste er etwas oder grübelte er nur darüber nach, woher wohl dieser Beutel stammen mag ?
Den beiliegenden kleinen Zettel hatte sie zerknüllt und weggeworfen, als er ihr gestand das er nicht schreiben und lesen konnte.

Wird er sie überhaupt wiedererkennen, wenn sie vor ihm steht ?
Wie wird sie auf darauf reagieren, wenn er sie nicht erkennt ?
Wann werden sie sich überhaupt wieder gegenüberstehen, wenn er nicht mal mehr weiß, das sie noch etwas offen hatten ?

Viele Fragen; die Antworten kann nur diese unsägliche Zeit geben, die, so schien es, derzeitig keiner beeinflussen kann.
Zuletzt geändert von Amu Kanok am Freitag 6. November 2009, 16:00, insgesamt 1-mal geändert.
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