Der wahre Spiegel

Geschichten eurer Charaktere
Myra Myrtol

Beitrag von Myra Myrtol »

9.Goldblatt


Mein Herz,

es ist stürmisch und regnerisch geworden, das Wetter hat sich stets verändert seit du fort bist.

Dein brief versetzt mich doch in Sorge, du weißt, ich kann nicht anders, als mich um meinen Mann zu Sorgen und zu hoffen das du dies heil überstehen wirst, denn nichts anderes erwarte ich von dir.

Uns geht es gut hier, Vivien lernt jeden Tag neu wie sie Schnabernack mit mir treiben kann und hält uns beide damit bei Laune.

Sie vermisst ihren dada und so schicken wir mit diesem Brief, tausend Küsse und Umarmungen zu dir, in der Hoffnung das dich das schnell zu uns bringen wird.

Es gibt einige schlimme Nachrichten aus der Heimat, so ist es wohl das Tithus von uns gegangen ist und ebenso Sardok, ich weiß nicht ob sie schon rausgefunden haben wie sie gestorben sind, aber ich werde mich darüber schlau machen.


Naischa eröffnet eine Reitschule in der nächsten Woche, ich schaue mal ob ich es schaffe mit Vivien dort hinzugehen.

Die Arbeit wächst mir momentan ein wenig über den Kopf, deswegen mache ich vermutlich erstmal wenn alles fertig ist eine Pause von Mischen, zumindest in dieser Massenanzahl.

Nun ich hoffe das du viel lernst dort und dich wohl fühlst.

In unendlicher Liebe

Deine Myra und Vivien
Andreas Myrtol

Beitrag von Andreas Myrtol »

Tagebuchbrief

6. Goldblatt (Nachtbrief)

Zitterndes Schauspiel unserer Glieder, während diesen eisigen Tagen;
niederprasselnder Regen, manch sanft und rau, zogen hinter den Worten
unseres Ausbilders; denn wir sollten gestärkt werden, trotzen
diesen üblen Lagen. Wir vollführten gegenseitige Partnerübungen,
rangen mit Schweiß und Blut den anderen zu Boden. Übten die Methoden mit Schwert und Schilde, darüber hinaus, was die Arme zu halten vermochten.

Quälendes Blut, wir verloren im Laufe unserer Bemühungen die Schonung miteinander,
und gewiss hatt' jeder Beweise des Tages Anforderungen zu tragen. Steine waren getragen,
gestoßen und gerollt- um des menschlichen Willen durchzusetzen.

Gestoßen wurde die schwere Klinge, solang, bis der Ellenbogen schmerzte!
Des Ritters strengen Blick und des lauten Feuerlohn's ruhten nicht nur auf mir,
sondern über uns alle und besonders diejenigen die aufgaben,
so war jene des Hoftreuens Unmut ausgesetzt. Übel und hart,
gewollt unwillig. Wer aufgab, war Tod- so machte es Sinn.
Jenes Absurdium, völlig unterbewertet, ließe sich übertragen auf den Meteor's
und Stern's großen Schwebe. Und ob diese Erwähnung nur ein mal ihre
Ausführung bedarf? Sie bedarf mehrere Ansätze, solang bis jeder verstand hat;
denn im Krieg gäbe es keine Wünsche des Sternes selbst,
wie er pflegt mehr zu strahlen ferner des brennenden Szenarios;
als er es zu tun habe in einem. Er selbst musste brennen,
damit er überlebe. Und wer sich selbst erlischt, behinderte die and'ren,
und sich selbst.

Jeder verstand, riefen lauthals ihr Jawohl; und es galt nur zu kämpfen.
Denn wie gesprochen, Unachtsamkeit findet ihr Ende.
Ihre 10 Tage haben ihr Ende gefunden, Eluive sei dank,
und wir sind gekräftigt und vollen Mutes.

Nur heut Mittag war angesetzt der Besprechung am Tische,
mit Sir Michael und Herr Feuerlohn, an dem ich teilhaben durfte.
Sie zeigten den Pfad südwestlich der Landschaft, tippten auf
den dort sehr nah befindlichen Wald und einer Mine.
Gesprochen war, dass man schätze sie wären dort;
und es durch des Waldes dünnen Pfade marschieren möchte.
Leichtigkeit? Nein, wir sprachen von Ernsthaftigkeit,
man wollte diese Brut tilgen, und schätze sie gefährlich ein!
Herr Feuerlohn und der Sir schauten mich an,
deuteten an, der Sire habe zugestimmt,
und deshalb werde ich mitziehen. Und des Knappens können
sei bewiesen im Felde, nun mit Schwert und jetzt mit Wort.
Ich setzte an und schlug eine Speerformation vor,
jener Feuerlohn bestätigte mit zweier Paaren.
Jedes Paar habe eine geringe Distanz zueinander,
sodass wir durch die Bäume agieren können,
und bei Spreizung unseres Höhenpunktes
die Flanken unseres Feindes einfallen können.
Der Sir bestätigte und setzte für Morgen den Marsch an.
Zu packen galt für jeden, nicht nur Rüstwehr,
sondern auch Feldflasche, von der Küche
die Tagesrationen einzupacken und Felle.
Der Sir und Feuerlohn nickten mir zu,
es schien so als waren sie zufrieden mit mir,
und es erleichterte mich. Der Pfad ist nicht ein Tag von uns entfernt,
und man schätze eine Bewegung hin zur Miene von ungefähr drei Tagen,
unter Rücksicht auf Feindkontakt.

Der Sir entließ mich, er habe sich selbst zu bestimmen.
Meine Sachen sind gepackt und ich wart' nur noch auf morgen.
Schwer noch den Schlaf zu finden, aber ich muss- in der Frühe
sollen wir los.


7. Goldblatt

Gingen früh los. Erreichten schon den Wald und rasten nun.
Der Sir und Feuerlohn ist mit uns. Ich und der Soldat Merios
wachen für die Nacht. Werden gleich abgelöst. Wald ist kalt.


8. Goldblatt

Die dunkle Helligkeit erstreckte sich heut über uns. Sind auf der Fortsetzung unseres Weges.
Trafen auf ein Lager zweier Jäger an. Sie berichteten weiter nördlich gen Miene
einige bewaffnete gesehen zu haben. Laufen weiter.
-
Stießen auf Feindkontakt- im Wald. 2 Räuber ergaben sich, einer wurde bei der Flucht,
bei Verletzung eines Soldaten, getötet durch Pfeil. Räuber gefesselt und mitgeführt.


10. Goldblatt

Einige Soldaten sind kränklich geworden, Essensrationen sind gut. Bleiben bei Kräften.
Ungeziefer sind beim Schlafen unangenehm. Füße schmerzen und Wald ist kälter geworden.
Feiner Nebel, umso tiefer man geht, umso dichter. Stießen auf einen bewaffnete Räuber,
jener ergab sich. Festgenommen. Man muss auf die Festgenommenen aufpassen.

Stießen weiter vor auf 5 Mann Truppe, Kampfhandlung. Töteten alle 5 bei Gegenwehr,
und die zusätzlichen Räuber die gefangen genommen- haben sich befreit.
Nur einen leicht verletzten von uns.


11. Goldblatt

Sind vor der Miene und machen uns bereit. Sir hat uns vor kurzen angesprochen und
Feuerlohn, wir machen kurze Rast. Dann rein. Haben entschieden nahe der Mine zu rasten
und uns zu kräftigen. 5 Wache Soldaten, gewechselt 3.


12. Goldblatt (verschmutzt)

Morgen früh- kurze Besprechung wie zu agieren gilt, in Reihenformation.
Gehen gleich los.

Sind auf 2 handvoll Räuber gestoßen. Große Kampfhandlung. Erfolg. 3 Ergebende.
Hand zittert noch immer. Ein Soldat gestorben, Feuerlohn's ältester Sohn.


14. Goldblatt

[s]Ich
Ich
[/s]
Auch wenn ich keinen Anfang find.
Auch wenn dieser Schrecken sein Ende fand,
im üblen und zugleich gut erdenklichen Sinne;
hatte jeder seine Aufgabe erfüllt.

Die Krankheiten waren noch auszuhalten, und wär' unserer nicht bedacht gewesen mit Speis',
so wären es gewiss mehr, die in diesen tiefen Wald und der dunklen Miene gefangen blieben und vergessen wären. Es wurden die getötet, die töteten. Es war gerecht. Und die wenigen unter ihnen, die sich ergaben und flehten, sitzen nun im Verließ und werden dort ihr Leben führen.

Wir alle waren jung, werden mit einem weiteren Kampf älter-
und sterben unter weinenden Himmel doch kindlich.
O als gäbe es hier keine Füller für die Lücken,
es brennt selbst, als wär der Soldat mein eigener Sohn.
Ein disziplinierter, stolz wofür er diente- so stolz,
als wäre sein Herz für die Weltlichkeit nie erdacht.
Oft bemerkte man ihn im Übungsfeld, und an dem einen Tor,
an dem er wachte. Nun sind die Felder leer,
und Herr Feuerlohn hat am meisten damit zu leben.

Ein schmutziges Bild! Immer wiederkehrende Bewegungen,
die man übe im Platz, wird in solch Geschehnissen verbildlicht.
Es hat mir gezeigt, wozu es diente.

Wir schritten tiefer in dieser dunklen Miene. Nur spärlich brennende Fackeln zeugten
von Anwesenheit jener Gewaltsamen. Als wir leise Stimmen vernommen hatten,
machten wir halt auf Zeichen des Sir's, jener laut die Aufgabe des Gesindel forderte.
Hektik, schabendes Metall, und bei dem Aufschrei die Waffen zu erheben,
drückten wir unsere Front vor. Erschrocken wirkten die leicht gerüsteten Banditen als sie auf uns stießen, als dann der Kampf von statten ging. Ein Streitkolben behafteter riss sein Instrument
zu dem Sohn, jener nicht fern von mir rang. Bei dem Blick zu ihm, stellte sich mir
einer dieser Widersacher entgegen- hob sein Säbel und stieß.
Wie geübt worden sei: das Schwert von links innen kehrend, Säbel mit der Parrierstange
zur rechten fegend, Klinge wendend auf den Säbel, rückwärtsführend, Kehle durchtrennt,
Schwert angezogen- Schwerthand abgeschlagen und direkter Stoß zur Brust,
Augen fielen zu, Schildstoß und freigelegter Blick. Und als ich wieder sehen durfte,
sah ich nur wie der Sohn im Rücken gestochen, und vorn die Keule ihn traf. Ein dumpfer Knall. Der anstürmende Merios dem Sterbend zu spät eilte,
und ebenso zu langsam die Klinge dem Streitkolbenträger empfindliche Seite vertikal zur Brust hinauf stieß. Jener Mörder war sofort tot.
Und der andere, der den vergönnten Retter angreifen wollte und jener Zeit benötigte seine Klinge heraus zu zerren von dem Besudelten, wurde beim Ausholen der Klinge von mir überrascht. Beim weiten Zug unterbrach ich seinen Angriff und schlug seine Hand vom Arm ab. Ein lauter Aufschrei, unter diesen lauten Tumult verschluckt, ehe die Rückwärtsführung der Klinge des Verruchten Kniekehle durchtrennte, der als dann auf den Knien sackte und seinen Unterarm ergriff. Ich genau wusste, aber nicht fühlte- wie ich mein Schwert beidhändig fest umschlang und durch den Nacken des Angreifers, aus der Kehle hinaustretend, drückte. Und unter einem gurgelnden Röcheln, und Umblick, wie sodann die letzten unter ihnen sich ergaben- riss ich mit einem Ruck die Klinge heraus, packte den Toten am Kragen und legte ihn auf den Boden sachte ab. Erfolg?

Ich und Merios stellten uns direkt vor den toten Soldaten, und langsam scharten sich mehrere unser um uns herum. Und unter diesen Leichen, weckte uns Feuerlohn's Sohnes Leiche tiefe Trauer. Jener Vater drängelte sich durch die Menge, blutverschmiert und der Ritter mit güldener Klinge langsam heran tretend. Der Vater versuchte den Sohn zu wecken, riss ihn unter den Armen auf und verlangte aufzustehen.
Das jüngliche Gesicht gestreichelt von väterlicher Hand,
auf das man sich wünschte,
das Kind sollt erwachen mit liebevoller Sorge aus einem Alptraum
und sehen dürft das Gesicht eines vertrauten und liebenden Menschen.
Und mag es zutreffend sein, wir wussten was auf uns wartete,
war es jeden unbewusst. Ironie. Quälende Ergüsse, heiß und schmerzlich- legten
sich auf die Falten des nun gebrechlichen Mannes, der seinen Sohn in der Miene
versuchte das Leben einzuzwingen, und zwang sich selbst, daran zu zwingen.

Der ehrenwerte Ritter näherte sich dem Trauernden und legte seine Hand auf die Schulter ab.
Die Tränen stoppten, der Vater schwieg, schaute hinauf zu dem Sir und langsam herab zu den Toten. Er beugte sich von ihm weg, ließ langsam seine Finger zurückleiten, stoppte,
als musste er erkennen, dass es bereits um ihn geschehen war. So ein Gesicht
vergesse ich nie wieder. O Hendrik- wir trugen den toten mit Hand zurück zur Burg,
sperrten die Üblen in den Kerker, bis auf den Spruch der Gerichtsbarkeit,
und haben am selben Tag beim Erreichen der Burg,
den Leichnam begraben. Temora Priester waren zugegen, der Sir, der Vater
und Sir Athur- Sir Rafael's Vater. Er erreichte nun diese Gemäuer und schwieg.

Beim betreten meines Zimmers erhielt ich nun das Schreiben meiner Frau,
und ließ mich nach einer heißen Dusche mitsamt dem Brief in mein Bett fallen.
Und wie glücklich darüber war von ihr es zu erhalten,
ich erfuhr wie mein treuer Freund verstarb. Tithus- seine Eminenz.
Nichts vermag meine Trauer zu beschreiben, diesen Verdruss
über diese abwertigen und ungewollten Geschehnisse. Ich will alles rückgängig verlangen,
und es kommt sich mir hoch. Mein Freund ist gestorben.

O Hendrik, sei du mir treu und verlass mich nicht.
Im Laufe des Entzuges ist dir erst recht bewusst,
was dir an dieser Person liegt. Du bist mir ein lieber und guter Freund,
auf dass ich froh bin über unsere Briefe. Ich nun denk'
an den Sohn seiner Eminenz. Ich habe ihn zu schreiben.

Andreas

---

Ein kleiner dicklicher Falke wurde von Andreas' Hand langsam aus seinem Käfig befreit und behutsam mit der Fingerkuppe gestreichelt. Mit einem müden und wehmütigen Lächeln,
ließ er ihn auf sein Tisch stapfen, worauf der Besitzer jenes Falken sein Lederhandschuh von der Hand zog und ein Pergament vom Schubfach nahm und zusammenrollte.
Das Pargemant stetig faltend, um das Bein der Getiers wickelnd und gebunden,
wurde der Handschuh wieder aufgelesen und übergezogen. Die schwarzen Augen des Falken visierten Andreas genau an, ein leiser Kreisch. Alles was der Knappe seinen Vertrauten mitteilte war: Kanubio.

Das Tier stieg auf Andreas' Handschuh, jener wiederum zum Fenster schritt, es öffnete und das Tier in die Freiheit entließ. Schwebend über Lameriast, nach einer relativ langen Reise,
sucht "der Dicke" etwas bekanntes, diesen Kanubio wohl eher.
Und des Falken Augen versuchend nicht zu entgehen,
würde der Gesuchte einen lauten Kreisch vernehmen können- ehe der Vogel vor ihm landen täte. Sollte Kanubio den Dicken vor sich haben, wäre es klug ihn genauer zu mustern.


14. Goldblatt

Mein Bester,
lieber und guter Freund.
Ich bin nicht sicher ob ich dir von meiner Reise erzählt hab?
Mich nun an dieser Stelle entschuldige falls nicht.
Du fehlst mir mein Freund.

Ich hört' von dem Tod deines Vaters. Auch wenn ich fern Gerimors verweile
(in der Grafschaft Arganta),
erreicht mich die Trauer bis hier hin. Ich weiß, er sei bei den Ahnen,
aber die Weltlichkeit ist dennoch das: Diese Gängigkeit,
das Wissen darüber, jemanden sehen zu können.

Und sei es darum geschehen, verliert man, ich niemals erhoff'
deines Zustandes in Langfristigkeit zu sehen,
ein Stück seines Ich's.

Verzeih mir mein bester, als dass ich nicht in der Lage bin dir meine Hand
auf die Schulter zu drücken, dir zu lächeln und zu sprechen,
und dir nur das hier verfassen darf.
Unvergesslich ist mir dein Vater, ein Mann mit Herz.
Ich hört von nahen- in mir sprechend,
des Mannes Herz mag strotzen wie 1000 gleich starke Mannen.
Und solch ein tap'res Herz, mit großen Inhalt in diesen Landen zu führen
vermag mich leiten dir zu erzählen, dass dein Vater solch ein Gefäß besaß.
Und so ein Gefäß zu hold ist als hier in dieser Weltlichkeit lang zu verharren.

Mein Beileid mein Freund.
Ich werd' mich bemühen baldigst wieder Gerimor zu erreichen
und versuchen dich aufzusuchen. Ich bleibe mit der Hoffnung,
dass es dir solang gut ergehen wird. Versprich es mir,
denn meine Sorge ist groß.

In Freundschaft,
Andreas Myrtol
Kanubio Bunjam

Beitrag von Kanubio Bunjam »

Kanubio war nicht wirklich überrascht, als sich „der Dicke“, doch leicht ermattet vom langen Flug, neben ihm, der irgendwo auf dem Gebiet der Tiefländer im herbstlichen Gras die letzten wärmenden Sonnenstrahlen genoss, auf die Erde plumpsen ließ. Erst nach einigen Bestechungsbrocken aus Kanubios wohlgefülltem Proviantbeutel ließ er sich die Botschaft abnehmen, die der Müßiggänger mit einem Lächeln las. Tatsächlich fand sich in einer seiner Packtaschen am Gaul ein Stück Papier, recht zerknüllt und etwas fett inzwischen, doch würde sie dem Zweck dienen. In recht kleinen und ungelenk gekritzelten Buchstaben verfasste Kanubio seine Antwort.

Hossa Andreas!

Freilich hast du mir von deiner Reise erzählt, doch scheint es mir, sie dauert länger, als du mir angekündigt hast. Gerade in den letzten Tagen dachte ich viel an dich, hätte dir gerne geschrieben, doch wusst ich nicht, wohin und wie du zu erreichen wärst.

Aye, mein Dah ist bei den Ahnen. Die Art der Thyren zu trauern half mir sehr über seinen bislang noch recht mysteriösen und ungeklärten Tod hinweg. Vielleicht ist er jetzt sogar mehr an meiner Seite als früher, als er sich ständig um Bajard, „meine große Schwester“, wie ich das Dorf nannte, kümmerte.

Doch die Tage der Trauer, die ich und so manch anderer Claner ansetzten, waren viele in der letzten Zeit. Zuerst fiel Grimwould, die Feste der Hinrahs, den Flammen, gelegt von einer Hexe, zum Opfer. Danach erhielt ich die Botschaft von Falks Tod. Schließlich trauerte ich um meinen Dah.

Doch gibt es nicht nur Trauriges zu berichten. Wir haben den ebenfalls zerstörten Platz vor unserer Mine gesäubert und die Truhenhütte wieder aufgebaut. Und das, worum wir beide uns Monatsläufe lang bemüht haben, ist eingetreten: die Wogen des Missmutes zwischen Adoran und den Thyren haben sich geglättet – jedoch nicht durch politische Gespräche der Jarls, sondern durch die Tat des Björn Hinrah, der vom Konrad dafür geehrt wurde, welcher uns auf Björns Ersuchen auch für seinen Boden das Rüstrecht verlieh. Um all diese Geschehnisse kreisen viele meiner Gedanken, doch sehe ich Gutes hoffend in die Zukunft.

Den Konrad hab ich übrigens auch kennen gelernt. Scheint mir ein netter Kerl zu sein und saufen soll er auch können.

Zeit wird’s aber, dass du zurück kommst. Rahal hat eine neue, starke Truppe ausgebrütet, die gestern Berchgard überfiel und dort einiges in Schutt und Asche legte. Ich selbst war nicht dabei, doch zwei unserer Claner, die, wenn auch nur mit mäßigem Erfolg …


Warum nur legte der Dicke den Kopf bei diesen Worten schief und sah Kanubio so merkwürdig an?
„Aye, du hast ja recht“, brummte der Krieger und rückte seinen etwas fett ansetzenden Körper bequemer im Gras zurecht. „Ich sollte ehrlich bleiben.“

[s]nur mit mäßigem Erfolg[/s] mit großem Mut und tatkräftigem Einsatz der starken Übermacht erlagen - sie gingen immerhin für die Verteidigung Berchgards in den Kampf, etwas, was vor kurzem noch undenkbar gewesen wäre.

„Besser?“ fragt Kanubio spitz, doch der Vogel pickt schon wieder hingebungsvoll weiter an seinem Fleischstück.
Viel Platz ist nicht mehr auf dem Zettel. Noch einmal überfliegt Kanubio Andreas Zeilen.

Aye, du fehlst mir auch. Kaum etwas hab ich zu tun in diesen Tagen. Mein Schwert rostet und ich dazu.

Komm bald und gesund wieder heim!

Stolz und Ehre!

Kanubio

Ein paar heftige Schnabelhiebe kriegt er doch ab, als er dem treuen Botentier den Zettel um das Bein windet. Die Hände unterm Kopf legt Kanubio sich zurück ins hohe Gras und sieht dem Vogel nach, bis dieser als immer kleiner werdender Punkt am Himmel entschwindet.
Kanubio Bunjam

Beitrag von Kanubio Bunjam »

Glücklich blickt er in den Himmel, jeden dunklen Punkt darauf genauer in Augenschein nehmend, ob es wohl "der Dicke" wäre. Doch da ist kein Flügelschlag, der sich ihm nähert, nichts landet im Gebiet um Wulfgard. Zu gerne hätte er Andreas die neuesten Geschehnisse und Fortschritte mitgeteilt, doch wer wusste schon, wo sich der Knappe gerade aufhielt?
Zuletzt geändert von Kanubio Bunjam am Montag 26. Oktober 2009, 05:23, insgesamt 1-mal geändert.
Myra Myrtol

Beitrag von Myra Myrtol »

Und würde des Nachts eine Sternschnuppe vom Himmel fallen, so würde ich mich auf den Weg machen um jene zu finden, ihre Wunden zu pflegen und es mit einer Botschaft zu dir zurückzuschicken. " Komm heim , ich liebe dich"

Sie würde sich auf den Weg machen gestärkt und frohen Mutes und würde für dich sichtbar ihre Botschaft an das Himmelszelt schreiben, du würdest es nicht sehen, nur fühlen, denn wir sind Eins auf ewig.

Du würdest den Weg nach Hause kennen, würdest ihn beschreiten mit solchem Mut und solcher Hast, das du alles andere um dich herum vergisst, denn nur eins scheint in deinen Gedanken hell und wichtig zu strahlen.

Die Liebe leitet dich, die Liebe stärkt dich, sie ist es die dich jeden Atemzug machen lässt und dich wehe du verzagst, dann macht sie die Mut und gibt dir neue Hoffnung damit du weitermachen kannst.

Komm heim Geliebter, Ich Brauche dich.


-aus dem Tagebuch der Myra Myrtol
Andreas Myrtol

Beitrag von Andreas Myrtol »

20. Goldblatt

Mein guter Freund, lieber Hendrik,

Wie sehr darf ich mich vergnügen bei deinen Briefen?
Würd' man meinen, säße hier in jungen Jahren ein gebrechlich alter Mann
vor deinen Zeilen; müde. Die vergangenen Nächte waren lichterloh,
und das Bett sei eine große Hand, die unlieb mich aus ihren Klauen entließ- so war das Erwachen nach unseren Marsch, die ich bislang schwer zu umbringen hatte.
O- mein lieber Freund, O- mir missfällt bereits der Gedanke die Hände zu füllen!

Ließen meine Lippen jedes Wort in Unachtsamkeit entweichen?
Und wäre mir es lieber, meine Gebrechen würden jemand teilen, hier.
Bemessen bei dem was man tat, vollbrachte manch einer seine eigene Weisheit,
von töricht bis weise - Tag für Tag, Belehrung für Belehrung,
Anerkennung für Missachtung. In diesen einzigen Moment,
ja, da an dieser Stelle- diese Zeile, sie entfloh mir als mir lieb wäre-
verformten sich meine Wünsche in blanke Vorstellungen,
wie die Tätigkeiten in Gerimor nun ausgesehen haben?
Ein guter Freund von mir schrieb, Berchgard wurde angegriffen.
Ob es ihnen gut geht? Und ob mehr verstorben? Ach Hendrik, wie..

Ich tu mir wahrlich keinen Gefallen in bunten Facetten zu schwimmen.
So sag ich's mir auf neue- Tag für Tag, Belehrung für Belehrung,
Missachtung für Anerkennung.

Meine Arbeit ist noch immer nicht getan, und doch rief mich des Ritters Vater zu sich, zur Burg, in sein Gemach. Ich klopfte an, betrat das Zimmer, verbeugte,
stellte mich vor und begrüßte. Der Graf schaute mich an mit einem eisigen Blick,
als würde er eine Kerzenflamme mit den Augen ersticken können! Keine gebrechliche Figur,
doch alt und stramm. Streng, wie er wirkte, forderte er mich auf seine Räumlichkeit zu verlassen, und jenen erst erneut zu betreten wage,
wenn ich beabsichtige ihn respektvoller zu grüßen.
Ein verwundertes Gefühl stieg in mir hoch,
welches man beiseite tilgte und lediglich die Kraft dazu aufwendete,
um mögliche Fehler zu berechnen als beleidigt zu fühlen. Also was machte der
Durchdachte? er entschuldigte sich und verbeugte sich mit pässlicher Anrede.
Und so musst' ich erneut eintreten, anklopfen- erst verbeugen- begrüßen und dann vorstellen-
und mir fiel ein- mich nach dem Wohlbefinden meines Gegenübers zu erkundigen.
Der Graf nickte, und bot mir an Platz zu nehmen.
Gegenüber saßen wir dann, sein Blick wie ein stoßender Dolch,
der mein Leib zusetzte. Nur ein dunkelfeiner Tisch aus Mahagoni stand zwischen uns,
bedeckt mit Bändern, Pergamente und ein Tintengefäß. Die Wände zierten Gemälde
prachtvoller Pferde und Wandteppiche, bestickt mit Wäldern und Wappen.
Hinter seinem Schreibplatz, ein großes Fenster mit den Ausblick zu dem weiten Felde
und Platz- mit Brunnen und Pferde. Seine Erlaucht wünschte sich die Neuigkeiten zu erfahren,
die das Land, dort wo sein Sohn verweilte und seinen Sohn Sir Rafael selbst betrafen.
Seine Anwesenheit, ich hab solch Bekanntschaft noch nie erlebt,
dass ich zum Ersten male Bange hatte, etwas Falsches zu sagen.
Mir kam es vor, als hätte ich alles falsch gemacht, was nur möglich wäre.
Jede Bewegung, jedes von mir ausgegangene Wort, müsst' eine Maut abgeben
um zu passieren. Fortgesetzt, in seiner Strenge, preiste er
das Können Sir Michael's an, und forderte von mir auf mich glücklich zu schätzen,
unter seiner Hand ausgebildet zu werden. Ich bestätigte. Dabei verlor er jedoch kein einziges
Wort über Sir Rafael? Lieber wär' es mir, ich hätt' sein Zimmer so schnell wie möglich verlassen, aber das konnt' ich einfach nicht. Geduld.
Seine Erlaucht war jedoch vielbeschäftigt, und er entließ mich.
Und selbst der Abschied war mir so wichtig,
dass ich jede Kleinigkeit- Verbeugung, wörtlicher Abschied, auf seine Geste gewartet habe für die Entlassung, Tür geöffnet, drei Schritte rückwärts und fort- beachtete! Fort!
Ich atmete auf. Ging die Burgtreppen herunter, zum Nebengebäude- des Gesindelhauses.
Als ich mein Zimmer näherte, klopfte gerade Magarete an, die scheinbar von mir was wollt'
und ich lächelte ihr zu. Fragte. Vergnügt lachte sie auf, als sie mich neben ihr bemerkte,
und überreichte mir folgendes Schreiben von Herr Feuerlohn.
Etwas Seltsames ging in mir vor, als sie mir den Brief in die Hand drückte,
wusst' ich das Feuerlohn fort war- sonst wäre er persönlich erschienen.
Ich dankte und ging in mein Zimmer, nahm platz und las:

und er war fort, wenn auch nur für eine Weile. Er bedankte sich, wünschte mir alles Beste,
lobte mich und war fort. Der Brief fand seinen Platz zu meinem Buch.
Neben den normalen Diensten, das Servieren bei den Adligen,
dann die Pflege der Tiere, begann ich seid gestern wieder das Tjosten.
Und im Grunde, mein Bester, wiederholen sich die Tage, stetig aufs Neue.
Sir Michael ist so voller Tatendrang, dass er mich beinahe an meinen Mentor erinnert.
Kopfschüttelnd betrachtete ich die Untergehende Sonne, am frühen Abend des Tjost's- gestern.
Der Ritter nahm sich neben mir im Reiterplatz seinen Sitz, und erzählt
mir über Pferde. Sie seien genauso gut zu dir, wie du sie auch behandelst- erzählt' er mir.
Gutes Futter, wie Früchte und Obst, ein Stall mit angemessenen Freiraum- ja.
Auf meine Frage, wie es Herr Feuerlohn ginge, hatte mir der Sir
nur schwer eine Antwort geben können. Nun weiß ich’s. Also nutzt' ich die Gelegenheit,
ließ dem Ritter ein sanftes Lächeln zukommen, ehe wir uns über die geschichtlichen Ereignisse der Agranta - Familien unterhielten, die auf ihre Wappen und Heraldikentwicklung zurückführen. Und ab da konnt' man es dem Ritter ansehen, wofür er lebte.
Pferde. So schöne und kraftvolle Tiere, wenn man sie wohl nährt.

Andreas Myrtol

---------

Betrachtete man den Knappen, war das von ihm gewohnte Lächeln nur schwer anzusehen. Wie immer wenn er von den Übungen zu Schwert und Tjost ins Gesindelhaus heimkehrte, hielt er stets einige Lidschläge vor seiner Tür inne, ehe er in seine Tasche griff und seinen Schlüssel zückte. Die Tür aufdrückend und hinter sich schließend, lehnte er sich an diesen
einen Abend mit dem Rücken an ihr an und seufzte. Ein kleiner Raum,
mit Bett, Kleiderschrank, der Käfig mit dem Dicken und Tisch mit fast heruntergebrannter Kerze, musste erneut unter seiner Musterung auffallen, was nicht all zu schwer war. Er drückte sich ab, bemerkte wie unter seinem Schritt es nicht knarrte sondern schliff;
sah er, dass er auf einen Hendriks Briefe trat. Also hob er den Brief auf, und schlürfte zum Tisch, platz nehmend. Doch musste sich Hendriks Schrieb gedulden, wobei Andreas sich durch sein Haar
fuhr und bemerkte, dass es mal wieder länger wurde. Und bei dem nicht belassen, Bartstoppeln störten ihn ebenso. Er stöhnte auf. Seine rechte Hand füllte er mit zwei Briefumschlägen, mit der Linken zwei Pergamenten und stellte sie auf der Tischplatte ab. Und während er mit der tintenbefleckter Feder anfing zu schreiben, schien sich das müde Lächeln zu erholen, im genaueren Anblick- als entspanne sich gerade sein ganzer Körper.


21. Golblatt

Mein lieber Kanubio,

es scheint mir beinahe so, als häuften sich die Übel-
schier unvorstellbar in weiter Ferne sich es auszumalen,
dass solch schreckliches Geschehnis wie der Angriff auf Berchgard,
selbst die Tapfersten kaum Widerstand erbringen konnten.
Und auch wie sehr ich mir wünschte selbst dort gewesen zu sein um gegen diese
unmenschliche Abartigkeit zu streiten, ist meine Zeit und Tätigkeit hier noch nimmer
vorbei.

Wir vollbrachten eine Tilgung, im Wahrsten Sinne des Wortes mein Lieber,
zu jenen ich und Kämpfer der Burg, in der ich lebe, mitbeteiligt waren, als Räuber eine Handelsstraße und Arbeiter bedrohten. Eluive und Temora sei dank,
uns geht es gut. Und nun, wo unser Blick in der Grafschaft friedlicher aussieht,
bin ich weiterhin in starker Tätigkeit dabei, Schwert und vor allem den Tjost zu verbessern.
So eine schwere Lanze unter den Arm zu klemmen, im Galopp es versuchend gerade zu fixieren, fürchterlich briker. Selbst die Übungen damals in Gerimor,
die Lanzen durch Ringe zu führen, nun hier auf Pferd- war bislang die schwierigste Angelegenheit in meiner Ausbildung. Und immer war der Bruder meines Mentors dabei, Sir Michael von Arganta, der seinen Blick stets streng auf mich richtete.
Das Leben hier ist nicht so einfach.

Und das Leben in Gerimor, er scheint sich nichtsdestotrotz verbessert zu haben.
Es erfreut mich zu hören, dass die Zwistigkeiten unserer Völker durch einen Thyren -
Bjoern der Schmied?, so ich mich richtig erinner, der ehrenvolle Hinrah,
es bewerkstelligen konnt' allein - niedergelegt wurden!
Auch wenn sich unsere Mühen scheinbar vergebens aufgetürmt haben,
sind sie noch lang' nicht zerfallen, sondern stärkten unsere Freundschaft-
über die ich mich glücklich und reich schätze, mein guter Kanubio.

Und ich lachte auf- ich konnt' deine Wahrheit von dieser einen Zeile nicht glauben,
dein Schwert rostet und du wirst fetter? Sei mir kein übler Hofnarr, denn sowas
kann ich mir bei Eluives Willen nicht vorstellen, und gerade bei dir!
Niemals der kräftige Kanubio, der mich halbnackten Knappen auf seinen Rücken hiefte,
und den seltenen Professor in der Hose fummeln ließ. O- Kanubio,
du bist mir ein lieber- versprich mir, dass du auf dich achtest.

Bislang, hab ich noch viel zu tun und zu erledigen. Es scheint auch für mich so,
als ginge man richtig mit mir an den Übungen heran, ehe meine Rückreise kommt-
auf jene nicht mehr, hoffentlich, lange zu warten ist.

Ich verbleibe mit der Hoffnung, dass es dir wohl ergeht und ich deine Schrift erhalte.

In ewiger Freundschaft,

Andreas

-----

Ein Bote, von der langen Reise zugesetzt, wird im Postkasten vom Hause Myrtol ein Schrieb hinterlegen.

21. Goldblatt


Mein liebster Engel,


Es ist schwer meine Sinne mit dieser Feder beizubehalten,
und vermochte ich dir zu schreiben in Einfachheit und gefangenen Glück,
fällt es mir nun schwerer.

Keineswegs mein Herz! als ob meine Versprechen und wahre Empfindungen
getilgt werden könnten, nein, niemals! Ich belasse es jedes mal dabei,
jeden Tag mit der Hoffnung auf Euch verstreichen zu lassen, die mich in Erinnerungen
versetzen wie ich euch liebe und mich zugleich bekümmert,
es auf dieser langen Dauer mitzuteilen,
als meine Liebsten, nur euch, in den Armen zu fangen und ein lächeln zu schenken.
Mein Engel, auch wenn die Erinnerung da ist, ich mich nur danach sehne
euch baldigst wieder zu umschließen, warm.

Die Dinge hier, in der Grafschaft, haben sich in guter Form entwickelt,
dass unseren erfolgreichen Marsch gegen die Räuber ein Großteil dazu beitrug.
Ich bin wohl auf und gesund- Eluive & Temora sei dank.
Und ich mir wünsche, dass es euch ebenso wohl ergeht.
In dieser Zeit, an der ich dich und Vivien nicht vor meinen Sphären hatte,
mich nun vergewissern will, ob sich bei dem alles belassen hat,
als ich fort ging? Nicht mehr lang! Nicht mehr lang! sag ich mir,
und es wird hoffentlich bald soweit sein!

Jetzt, wo es wesentlich ruhiger in der Grafschaft wurde, begann seid gestern
wieder mein Tjost und die normalen Dienste.

Ich lächle dennoch, mein Herz, verblüfft über die Tatsache,
dass wenn ich dir und Vivien schreibe, es mich mir voller Wonne
überkommt, ich weiß- dass ich euch hab'. Und wenn die Monde verstreichen,
sei dir gewiss dass wenn die Sonne aufgeht, mit ihr mein Kuss an dich.

Ich liebe dich mein schöner Engel,

Euer
Andreas
Zuletzt geändert von Andreas Myrtol am Mittwoch 28. Oktober 2009, 09:23, insgesamt 1-mal geändert.
Kanubio Bunjam

Beitrag von Kanubio Bunjam »

Kanubio freute sich über den Brief, den er wieder und wieder las, doch jedes Mal runzelte er an einer bestimmten Stelle die Stirn und grummelte leise thyrische Flüche vor sich hin. Er besorgte sich ausreichend Papier und verfasste eine Antwort, während sich der Bote in der Küche mit all dem guten Zeug, das sie zu bieten hatte, vollstopfen durfte.


Hossa Andreas!

Du kannst dir ney vorstellen, wie mich deine Zeilen erfreuen, auch wenn mich sogleich etwas Sorge um dich packt, wenn ich von Querelen mit Räuberpack lese. Doch brennt mich die Schreibfeder in der Hand, dir zu berichten, was es an Neuigkeiten gibt.

Die Clans der Thyren haben nun einen Thain, das ist ein Jarl der Jarle. Er hat Konrad in Wulfgard empfangen. Mey, das war ein anständiges Fress- und Saufgelage, den Thains beider Völker würdig! Konrad hat den Worten in Adoran in Wulfgard Taten folgen lassen und gezeigt, dass er was verträgt und ich glaub, irgendwann hat er es dann auch geschafft, auf seinen Gaul raufzukommen. Auch Mariella hat tapfer Met und noch was von Runas Whiskey geschluckt, hat sey dann aber doch eher am Wasserkrug angehalten.

Von der Bank hat es mich allerdings gerissen, als Rafael, Cedrik und ein paar andere die Halle betraten und, wenn auch nur kurz, mit unserem Thain, sprachen. Sie holten Konrad ab, was auch ganz gut war, da ich mir ney sicher bin, dass sein Gaul den Weg nach Neuhafen so gut kennt wie unsere Gäule den nach Wulfgard.

Der Konrad hat dem Björn die Erlaubnis gegeben, in Adoran ein Haus zu mieten und einen Thyrischen Handelsladen aufzumachen. Die Claner haben sich sehr gefreut. Der Björn und der Tugolf sind zeitig am Morgen hin in die große Stadt und haben ein freies Haus ausgesucht. Noch vor Sonnenaufgang war’s, dass sie eines fanden, aber bis Mittag mussten sey auf den Stadtverwalter warten, der den Vertrag aktenkundig gemacht hat. In der Zwischenzeit wichen sey keinen Schritt, damit ney ein anderer das Haus anmieten würd. Die Lili hat sie dabei versorgt mit einem guten Frühstück, damit sie ney umfallen während ihrer Wache.

Seitdem sind wir am einrichten. Auch die Mariella hat schon vorbei geschaut und nachgefragt, ob wey uns gut täten. Die Städter in Adoran sind bislang sehr freundlich zu uns. Ich nehm an, sie freuen sich schon auf zwei gute Rüst- und Brünnenschmiede in ihrer Stadt, die auch noch andere Hände und auch Schwerter mitbringen.

Eine zusätzliche Freude ist auch, dich dann in meiner Nähe zu wissen, doch dazu müsstest du erst einmal zurückkommen. Ich erbitte die Gunst der Ahnen und Geyster, dass sie dich gut nach Gerimor zurückführen mögen und vor allem bald, denn ich vermisse unsere tiefgründigen nächtlichen Gespräche.

Mit unserem Thain, der aus fernem Lande zu uns stieß, sind auch die Tage des Müßigganges vorbei, denn er hält neue Aufgaben für uns bereit, die mich auf Trab halten, wenn dabei auch mein Schwert bislang, außer zu Übungen und ein mal im Kampf gegen eine verrückt gewordene Ziege, in der Scheide blieb.

Soll dir auch von Tugolf einen Gruß ausrichten, aber der schreibt dir ney, der kann ja nur die Runen und du tätest die wohl ney lesen können.

So wünsch ich dir von Herzen alles Gute, mein Freund, komm bald wieder.
Kanubio


Der Bote wird weg vom warmen Feuer gescheucht und mit einem anständigen Proviantpaket und dem Schreiben auf den Weg geschickt.
Andreas Myrtol

Beitrag von Andreas Myrtol »

Kanubio’s Bote wurde in der Burg empfangen und zum Gesindelhaus verwiesen, von dort er sein Mahl erhielt und den Empfänger des Schreibens antraf. Im Zimmer des Empfängers. Mit einem leisen und vor allem erleichternden Stöhnen, ließ sich der Knappe in seinen Stuhl fallen. Der vom Boten übermittelte Brief lag vor ihn auf dem Tisch, jenen er an sich nahm und auseinanderfaltete. Und während er die Zeilen einprägsam durchlas, und mit der freien Hand sich die Stirn massierte, war der im Käfig befindliche Falke durchaus interessiert was sein „Kumpel“ da so machte. Mit einem sachten Lächeln, dann wieder nachdenklichen Ausdrucks, legte Andreas am Ende der Zeilen den Brief beiseite und vollführte mit raschen Handgriffen die Bereitstellung benötigter Utensilien für ein Rückschreiben. Nicht nur dass der Falke seine Neugierde mit einem Kreischen und zwirbeln am Gitter signalisierte, war ein weiterer Störfaktor, der den Knappen zum Murren brachte, die heruntergebrannte und erloschene Kerze. Und das noch am Abend, was die Folge war, dass es fürchterlich dunkel in sein Zimmer wurde. Der Dicke musste den seltsamen Anblick eines Knappen ertragen, wie der in Dunkelheit umhüllt mit ausgestreckten Armen in Richtung seiner Tür taumelte. Dieser holte sich prompt von der liebenswürdigen Magarete eine neue Kerze, die er, wohlgemerkt vor dem Eintreten seines Zimmers, anzündete, um bei seinem Antwortschreiben einfacher anzuknüpfen. Mit einem bestätigten Nicken vollendete der Knappe sein Schreiben und holte den ausgeruhten ‚Dicken’ behutsam aus dem Käfig heraus, dessen Neugierde so immens war, dass er wegen Andreas’ & Kanubio’s Schreiben auf den Tisch stapfte. Perplex betrachtete Andreas den „lesenden Falken“, der sich zu den Buchstaben beugte und sie anschaute. Der Recke lud ohne Komplikationen den Turmfalken auf seinen Unterarm und versah ihn mit seinen Antwortschreiben. Abermals: „Such Kanubio mein Dicker“, als dann zusätzlich der Knappe ihm ein Gaumenschmaus von leckeren Mäusen versprach, mit der Einschätzung, dass der Dicke verstand was sein Herrchen sagte. Ein Kreischen als Bestätigung für das Gesagte? und der Dicke wurde durch das Fenster entlassen, auf den Flugweg zu Kanubio.

31. Goldblatt

Mein guter Kanubio,

O- wie freu ich mich!
Deine Zeilen sind Bestätigung dafür,
dass unsere Vorstellungen wahr wurden!
Andererseits bin ich verwundert, dass ein Kronritter mit guter Laune, im spaßigen Gelage,
vermag mit Thyren schritt zu halten? Ich selbst würd’ gar bei einem Met
umfallen und Dinge vollführen, die mich in aller Peinlichkeit berühren!
Obwohl- es wundert mich eigentlich doch nicht so sehr.

Tugolf! Wie sehr muss es ihm nun wohl ergehen,
dass auch seine Wünsche wahr wurden, gönn’ ich ihm von tiefsten Herzen.
Richt’ ihm bitte von mir aus, meine besten Grüße,
und ich stets weiterhin auf euerem –beiden- Besuch warte!
Doch dazu muss ich im Hause sein, ich weiß mein Bester.
Und dass Liliana Tugolf und Bjoern versorgte, lässt mich ebenso in guter Laune bringen,
dass sie wohl von der Reise zurückkehrte und gut ergeht.

Unvorstellbar traurig ist es dennoch, diese Schritte
nicht selbst miterlebt haben zu dürfen. Aber es stärkt mich und schenkt mir
Freude, deine Worte über diese Entwicklungen zu erhalten!

O- ich will dir davon berichten!
Ich war auf dem Weg zur Stadt,
denn die Gräfin bat mich um eine Besorgung vom Heiler.
Dabei durfte ich ausnahmsweise den edlen Weißen reiten.
O- so sein prachtvolles Tier! Ich nutzt’ die Gegebenheit aus,
als ich auf ein weites und leeres Feld Grün stieß, durch zu galoppieren.
Die Pferde in der Grafschaft sind voller Bedeutsamkeit,
und entsprechend ihr Stellenwert hoch. Sie zu reiten -ob Mann oder von Frau- ist erfahrungsgemäß unbeschreiblich wunderbar.
Nein! Nicht wunderbar, es ist, faszinierend!
Vom Tempo langsam besonnen, und die Stadt erreichend,
waren mir die kalten Tage so unwichtig erschienen,
dass mich das Reiten von all meinen Sinnen ergriff!?


Und in der Stadt angekommen, kam mir ein junger Bursche entgegen,
über den ich dir erzählen will, und endlich dazu komm’.
Er bot mir seine Hilfe an, mich durch die Stadt zu führen, was mir sehr zu Gute kam,
denn ich wusst’ nicht so recht den Weg zum Stadtheiler. Ich akzeptierte sodann.
So stieg ich vom Weißen ab, und ließ ihn im Stall zurück. Als ich meinen jungen Begleiter folgte,
merkte ich seine Aufregung, unnatürlicher Bedingung.
Er drückte sich gegen mich, um uns durch die Flut von Leuten zu steuern,
denn wie so immer am Helligen Tag in der Stadt, sind die Straßen voll von Kaufleuten
und Käufer. Er führte mich zwar zu etwas abseits gelegenen Straßen, doch richtig zum Heiler,
von dort er sich eiligst verabschieden wollt’. Du wusstest nicht davon,
dass ich mit zwei Bauernjungen aufwuchs, dessen Pfiffigkeiten ich kannte,
um Leute zu verärgern. Ich ergriff rasch die Hand meines kleinen Gefährten.
Der Junge schaute mich an, als ahnte was ihm bevor stand.
Mit einem schelmischen Grinsen beugte ich mich zu ihm herab,
und seine Augen quirlten über vor Angst, die mich gebannt fixten und wahrscheinlich
meine Narben entlang fuhren. Als ich meine Finger, vor allem sachte, mehr um sein Handgelenk schnürte,
erzählt’ ich leise von einigen Kulturen. Jene Kulturen, aus Fantasie,
die Dieben ihre Hände abschlagen und ihre Finger gekocht zum Essen zwingen.

Mein Nachwuchsdieb schluckte,- stockte und betrachte seine Hände- o weh.
Und nach einer kurzen Musterungspause fragte er mich vorsichtig, ob es wahr wäre.
Mir war vor Aufprusten zumute. Mit einem Wink’ forderte ich mein Goldbeutel zurück,
dessen er versucht hat sich zu bemächtigen, mir aber glücklicherweise nicht entging.
Wie hätt’ ich bloß ausgesehen, der das Heilermittel für die Gräfin nicht bezahlen könnt’?
Ich verneinte auf Antwort hin, aber wäre mir nicht sicher ob es so was wirklich gäbe.
Übel, übel! Mein Spaß ging wohl über die Strenge, aber der Junge
blieb jedenfalls bei mir, ich ihn stellte, warum er die Gutmütigkeit
ausnutzte um mich zu bestehlen. Mir war die Antwort schon bewusst,
und seine Vergangenheit. Des Weisen Name war Albert- 11 Jahre der Bursche.
Ich „erlaubte“ ihn mich zu begleiten, das vom Heiler abgeholte zu tragen, bis zur Burg,
während ich ritt und er lief- als Strafe. Nach seinem Gejammer,
wie es ihm leid täte und wann ich ihn entlasse, kam er aus dem großen Staunen nicht heraus,
als wir endlich die Burg erreichten. Mit einem verdattenden Ausdruck fragte er mich prompt,
ob er einen Ritter bestohlen hätte. Ich beließ es bei der Antwort – Nein- und grinste.
Magarete, eine treue Angestellte der Gräfin, eilte mir entgegen, rufend mit Herr Knappe,
als ich dann wieder die Aufmerksamkeit von Albert erlangte. Er wirkte verblüfft.
Sie half mir vom Ross und brachte den Weißen zurück im Stall,
wobei sie sich noch erkundigte, warum ich solang benötigte- die Gräfin wartete schließlich.
Ich wollt’ nicht lügen, aber erzählt ihr davon, dass mein junger Gefährte hier vermutlich nach etwas
Unterschlupf und Essen suchte- wohl an auch Arbeit. Obwohl das letzte Wort etwas
Unmut in ihn auslöste, verdeutlichte ich ihm auch, Übungen zu Schwert und Schild
wäre ein Unterpunkt davon. Magarete nahm sich ihn an,
und Albert entschuldigte sich nochmals bei mir und reichte mir das Abgeholte.
Ich will meinen, und habe mich davon auch überzeugt, dass es ihm bestens ergeht
und er sich froh schätze. Seltsamerweise spricht er meinen Namen genauso aus,
wie Luca (Es sei hier erwähnt, ein frecher Bengel der wegen seines Stursinns, aber zugleich liebenswerte Naivität gefürchtet, geduldet? ist, will ich meinen) es in Gerimor stets macht- ob es am Alter liegt?

Ich schmunzle noch immer. Der Junge dürft’ hier in der Burg bleiben,
so er sich anständig benehme und Magarete helfe. Ich hatte mich natürlich bei der Gräfin für meine beanspruchte Zeit entschuldigen müssen, sie schien es mir aber nicht allzu sehr zu verübeln.
Ich habe meine Koffer zu packen. Wie sehr mir die Trennung von diesen Leuten hier schwer fallen wird, wenn der 6. Tag des kommenden Mondes erreicht. Sie sind mir Teil geworden meines Herzens.
Doch wie ich mich freue bald daheim zu sein, bei geliebter Frau und Kind’. Dessen erstaunte Mine
ich mir wünsch’ zu sehen, wenn ich überraschend erschein’.
Auf ein baldiges Wiedersehen mein lieber Freund.

Andreas
Andreas Myrtol

Beitrag von Andreas Myrtol »

Mein liebster Freund,

Verzeih mir, dass ich dir lang meiner Schrift entsetzte, waren mir meine Gedanken fern eigener Begabungen, als dass ich hätte die Möglichkeit dir, als meinen liebsten Freund, das Recht zu erfüllen, das Wissen um meiner Seele in Worte niederzulegen. Es geschah unvorstellbar vieles, dass es mir vollkommen aus meinen Sinnen trieb! Verzeih. Ich kehrte Heim nach Gerimor, zur geliebten Familie! Nahm sie in meinen Armen und schenkte ihnen tausend Küsse zur Versöhnung, liebend! wegen meines langen Aufenthaltes in der Grafschaft meines Kronritters. Es erfüllt ein Mann wie mich mit Stolz, sehen zu dürfen, dass wenn sich auch alles verändert'- diese einzige Unveränderung, unbeschreiblich zu lieben`, stets verblieb wie in meinen Gedanken! Hoffnung! Wie soll ich dir sagen? Mich beschlich die Ahnung, du wusstest von der Abreise meines Vaters, und ich mir keinen Gefallen daran täte, dir in überschwänglichem Glück zu berichten, dass ich ihn wieder sah. Und doch mag & will ich es sagen!

O- Hendrik! Mein Vater, er ist hier! Wie mich Freude überkommt, auch ein Zerren meiner Glieder!
Begraben sei die Vergangenheit bei langen nicht, denn bei dem Anblick seiner Augen erkannte ich diese Pein. Wir teilten ihn. Fort an, seid diesen Tag, leben wir in Furcht vor diesen Schatten, dessen hiesige Schneide über unsere Häupter wandert und nicht gedenkt mit ihrer verfluchten Klinge die Leiden zu besänftigen, sondern zu schüren! Als versetze sie uns mit jedem einzelnen Schnitt eine brennende Qual und belässt es kurz als die Erlösung zu bescheren, süffisant lächelnd.

Lang! Lang war er meinen Sphären verflogen,
und nun ist er hier, bei uns! Wahrlich, es tut mir auch gut. Er erzählt’ mir, wie er habe die Bücher eingeatmet in der kurzen Zeit in Adoran, denn seine Leidenschaft, wie die in alten Tagen, behält bislang ihren erstrahlenden Wert, wie die Sternen Augen, das Funkeln der unruhigen Fenster der Stadt bewandern. Wie sehr es mich fängt, es dünkt liebsam meinen Engel die Vorstellung einer Familie, und zugleich in Trauer versinkt über die ihre eigenen. Es hoben sich ihre saphirgleichen Sterne zu mir rauf, als meine Finger zwischen den ihren versenkten und ich versprach, dass unsre Liebe ein geteiltes Leid und Glück gleich sei, und meine Familie die ihre nun sein möchte. Und wie immer wenn ich dieses Lächeln von ihren Wesen empfing, ich seufze über diese Genugtuung in den Ecken unserer Welt, welches sie mir schenkte und sprach: „Vergiss deinen Kummer, denn liebe einen Engel! Denn ich weiß, du vermagst niemand anderen wie sie zu finden! Verlangt’ so der Tag dir Abschied zu nehmen, es bestünde keine Gängigkeit mit ihr, sondern eine für dich bestandswährende Zweisamkeit, die dich trunken von allen Sinnen raubt, wie es köstlichen Wein täte“. Eluive.

Meine liebste Tochter ließ meinen Vater nicht aus den Augen, als wär’ er ein Gespenst, an dem gezerrt werden darf und gespielt. Schönes Schauspiel durchdringt mein Herz, er, mein Vater, verkündete mir seinen Stolz über das was ich erreichte, dank meines Knappendasein’s und zugleich mit Unmündigkeit. Nach zwei verstrichenen Jahren, nahmen sich Vater und Sohn wieder in die Arme. Wohl an Hendrik, besser könnt’ es mir nicht gehen.

Neben meinem Dienst als Knappe des ehrenwerten Grafen, strebe ich nun den Dienst eines Rekruten an,
des Regiments zu Hohenfels. Die Aufgaben sind närrisch schlicht, die fahrenden Leute nach ihren Kampfwaffen abzusuchen, und diese am Tore abzustellen. So sie zurückkehren, wieder zu übergeben sind. Tag ein und Tag aus. Tag ein und Tag aus. Wichtige Treffen sprossen aus dem Boden heraus,
wie die zarte Blüte aus einer Knospe, und umso mehr bin ich, und meine Gemahlin, in reger Tätigkeit.
Allerdings zeugt es davon, wie sich stets die Dinge wiederholen. Manche Dinge davon, sind mir nahe und liebenswert, andere hingegen hinterlassen den Eindruck, als bestraf’ ich mich selber. Bestraf mich selber mit der Aufrüstung, bestraf mich selber mit Zorn und kriege dafür die Anerkennung der andren, die ich nicht mal brauche. Du verstehst mich. Mein Verlangen ist wie ein ruhiges Meer, und das Toben bleibt aus,
solang ich sie bei mir finde. Ein alter von mir wird Freund Vater und, das Traurige daran, wie ich find’,
ist die ferne zwischen ihm und mir. Mir glitt es vollkommen vom Bilde, und ich mich nun freuen darf über die Neuerungen, die in kürze ihren Lauf nehmen. Man saß, trank und redete miteinander.

Es war lange nicht mehr so. Ich hoffe auf einen Tag mit dir, an dem wir uns zusammen setzen, und gedenken, meinen Vater erneut die Bücher zu entwenden! Ohja, damit sich die alten Tage neu erheben,
und ein Lächeln sich in die Zukunft setzt.

Wohl an Hendrik, schreib mir.

Andreas Myrtol
Andreas Myrtol

Beitrag von Andreas Myrtol »

14. Alatner

Lieber Hendrik,

ich schreibe dir in Not, dringlicher.
Ich werde sterben, mit dem Wissen es wird binnen kurzer Zeit geschehen.

Was hat mich geritten? tief zu fallen und zu denken, ich könnte aufstehen um mein Wort zu verkünden?
Ich täte gut daran den Adel zu gefallen, und wenn doch alles in mir vergeht, der letzte Atemzug,
was bleibt mir dann? Blanker Starrsinn und Beugung, stets dasselbe und ich vergaß was ich war,
und nun darf ich mich daran erinnern? Jetzt in diesen Moment? Mit dem Wissen alles zu verlieren,
was mich trug und einzigartig machte? Es ist zu spät und ich trauer’.

Was wäre aus mir geworden, wenn ich Sir Rafael nicht begegnete? Ich wär’ kein Knappe, ich wäre kein Ehemann und ich wär’ kein Vater- wäre aber zudem lebend und zugleich atemlos. Wie habe ich es mir zu erklären? Diesen Satz, ich hörte ihn in der Nacht, ich wäre in der Lage die Welt zu verändern! Es zerreißt mich, wie nur?! Wie, wie und wie! Wie? Und wie? Wie habe ich es den anderen zu erzählen?
Wenn ich mich selbst gräme, es meiner Frau zu gestehen, was sie besser verkörpert als ich je verkörpern könnte. Außer dir? Ich weiß, nicht mal warum du.

Wie lange noch? Darf ich atmen.
O- du reicher Sternenhimmel, der du mir das Reinste gabst und es mir fürsprichst, wie reich hast du mich werden lassen, dass ich an mir selbst ersticke.
Ich habe Angst.


alt Andreas Myrtol
Andreas Myrtol

Beitrag von Andreas Myrtol »

24. Hartung

Mein guter Freund,
es ist wahr, wenn meine Krankheit zu heilen wäre, so würden diese Menschen es tun.

Wohl hoff’ ich im Bestreben, wie auch die ereifernden Geschehnisse ihre Geschichte der Pein und Zeugnis an mich eindrücklich hinterlassen, in ihrer Verflechtung dass richtige getan zu haben, um im Willen für derer die ich gehe, zurückzukehren.

Und im Glauben an die Unsterblichkeit, jene Hinterlassenschaften die einer wie ich, oder gar völlig Fremder vermag mit Worten und Bemühung an sich erinnern zu lassen, vermag ich jedoch nicht ganz zu bestärken. Der Tod ist mir genauso gewiss, wie jeder ihm erliegen wird. Es bestünde in einer der letzten Atemzüge alle unvorhergesehenen Worte- eine abschließende Wende, die man vom Herzen sich wünscht, um sich von den Sünden die begangen wurde, in einem letzten Akt der blutige Träne reuevoll zu verabschieden. Das Ungewisse daran sei, wenn der Glanz unserer Sphären entkräftet um dann zu erlischen, im Angesicht unseres blanken Starrsinns zu hinterfragen, ob unsere Gültigkeit anerkannt wurde in ihrem Wert. Einer wie ich, wenn auch keiner wie ich sein kann, sondern ich mich berufe auf mein Eigen,
es mir gestattet sei in einer rechtmäßigen Gültigkeit, das Lächeln auf meiner Miene zu offenbaren, ob der Schönheit die ich genoss und mir das Reinste gab, was mir diese Zeit geben konnte. Wenn auch mit dem Wissen dass die Stunden verstreichen werden und das Fortlaufen mir verwehrt wird, ich verbleibe mit dem Wissen der eigenen Unsterblichkeit meinen letzten Atemzug leicht auszuhauchen, diesen einzigen und einen Engel geliebt zu haben, im gemeinsamen Werk den Sinn meines Lebens erfüllt zu haben.
Wie sehr man sich dann noch binnen eines Bruchteils, der in seiner Beschaffenheit ewig erstreckt, wünschte es weiter fortzuführen, man glücklich sein dürfte- diese Erfahrung erlebt zu haben.
So betrachtet, ist dass Gelübde mit meiner Gemahlin der größte Reichtum den ich ewig mit mir trage,
und Bestand und Zeugnis unserer Tochter- mein Engelchen. Es ist eine endlose Vergangenheit die weiter getragen wird, in einem Zyklus: die Unsterblichkeit, unsere Unsterblichkeit, weiter geführt an die Sterblichkeit.


Ich verdank mein Leben einer Paladina und einen guten Freund. Es wär’ um mich gewesen, ohne diese Erkenntnis zu besitzen. Nun fiele es mir einfacher, wenn ich zugeben muss, ich schmunzle, niemals freiwillig. Dafür sind wir einfach nicht beschaffen. Und doch etwas Gutes musste ich erkennen ob meiner Lage, dass ich meinen Werdegang verstand. Und es klingt albern Hendrik, wenn ich dir sage, dass meine Mutter und meine Schwester mir verziehen, nein! Es- gab nichts zu verzeihen, sondern zu versichern. Es waren seltsamer Bilder, die ich, ungern dir schildern möchte. Sie waren schmerzlich und doch befangen einer Glückseligkeit, die mein Herz erwärmte und vom eisigen Tod befreite.

Wie auch Temora mir ihr Licht erwies, ihre Kraft wohl an die Paladine führte um mich zu finden,
war mir nach Frist wieder genesen. Sie gelobte ob meines Erwachens Tage an meiner Seite zu verbringen, die ich nicht habe abzulehnen, begrüße und zugleich ungern erlebe. Es ziemt sich nicht die Sicherheit eines Hauses in Frage zu stellen, noch die Aufgabe in der Anwesenheit zu verletzen- doch hat es nichts mit meiner Retterin zu tun. Ich bin ein wenig wirr ob diesen regen Besuchen in meinem Haus,
und es kostet ebenso die Kraft, die mir noch schwer fällt aufzuwenden. Nachdenklich verweile ich vor diesen Brief wie bis vor, um dann wieder- zu sagen, es wird sich mir etwas Gutes zeigen, anbei meiner überalles geliebten Tochter bei mir finde und meine Frau bei mir weiß.

Im Ganzen, bleiben meine Gedanken nach wie vor; denn meine Versprechen finden ihre Unsterblichkeit im Wesen meiner geliebten.

Gehab dich derweil wohl mein Bester, und schreib mir.

Andreas Myrtol
Zuletzt geändert von Andreas Myrtol am Sonntag 24. Januar 2010, 13:56, insgesamt 6-mal geändert.
Antworten