Ein neuer Weg...

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Andre Mendez

Ein neuer Weg...

Beitrag von Andre Mendez »

Wie immer war Andre auf der Jagd. Es war nichts Außergewöhnliches einem Wolf nachgeschickt zu werden. Die Tiere bedrohten Schäfer und damit verbunden auch einige der wohlhabenden Händler. Am Nachtlager schliff Andre in aller Ruhe eine der Pfeilspitzen zurecht. Dieses Handwerk war das einzige was er jemals wirklich gelernt hatte. Sicher, es gab eine Zeit in der er sich sein Geld auf andere Weise verdient hatte doch daran mochte er nicht mehr denken. Er verstand sich ausgezeichnet darauf Tiere so zu Ködern, dass sie seinem Gedanken folgten. Alles war wie es schon immer war, nur ein weiterer kleiner Fang der ihm wohl um die zweihundert Münzen bescheren sollte. Alles war wie es immer war, nur mit einem kleinen Unterschied, dieses mal ging etwas schief....
Nach einer Weile kam er wieder zu sich. Der Arm war völlig von Bisswunden zerfressen. Müde und erschöpft schleppte er sich in Richtung Straße. Nur noch dunkel hatte er diese Grenze zur Zivilisation im Kopf. Mittlerweile tanzten verschieden bunte Bilder vor seinem inneren Auge. Er wusste, dass alles nur Illusionen waren und daher hatte er auch keinerlei Angst, bis er jenes Bild sah. Ein großer Vogel mit menschlichem Gesicht näherte sich ihm. Lachend dachte Andre, dass er dem Wahnsinn gänzlich verfallen sei in den letzten Stunden. Er hatte bereits viele Opfer von Wundbrand erlebt, nie war es ein schöner Anblick gewesen und nie war es angenehm sich ihrer zu entledigen. Er wusste wie unangenehm das werden konnte, doch dieses mal lag es an anderen ihm diesen letzten Gnadenstoß zu geben sollte er nicht bei Sinnen aus dem Wald gelangen. Sein Leben schwebte vor ihm in Gedanken daher. Alle die Leute die er in den letzten Jahren besucht, mit denen er Freundschaft geschlossen hatte, alle tauchten vor seinem Auge auf.
Tief im Inneren wusste er, dass das das Ende sein würde. Der Wundbrand war zu tief vorgedrungen, er hatte Dinge gesehen, die lange vergessen waren, es konnte kaum mehr rückgängig gemacht werden....
Zu seinem erstaunen erblickte Andre eine Illusion, derer er schon vorher gewahr, aber jetzt erst richtig bewusst wurde. Ohne Zweifel, es war Getares, so wie er ihn sich immer vorgestellt hatte, seit den Erzählungen in seiner tiefsten Jugend...
Lange nagte an ihm schon die Schuld und er wusste, dass er sich ewig wohl kaum entziehen könnte.
Doch das war anders, anders als alles was er bisher erlebt hatte. Das seltsame Wesen berührte ihn nur einen winzigen Augenblick und doch ronnen ihm die Tränen herunter, als würde es kein Morgen für die Menschen geben. Die Kreatur konfrontierte ihn mit allem, was er so gut und gern begraben hatte. Auf einmal prasselten zwanzig vergessene Jahre auf ihn herab. Unter wehklagenden Schreien bat Andre darum, die Erinnerung stoppen zu lassen. Es waren keine angenehmen Bilder die sich da auf ihn herablegten, im Gegenteil. Er hatte gut daran gearbeitet nichts von Alledem jemals wieder zu sehen, er hatte wirklich fest daran gearbeitet.
Doch auf einmal kam es über ihr, als hätte der Wundbrand des Wolfes sein Nötiges getan damit es so weit kommen konnte. Doch das allein konnte es nicht sein....
Mit schmerzverzerrtem Gesicht lag Andre auf der Lichtung. Die Wunde in seinem Arm schien zu eitern aber das war ihm beinahe willkommen, er wollte die Qual beenden, er wollte, dass die Bilder aufhörten. Bevor Andre jedoch das Messer zurecht rücken konnte schlief er wieder ein und entschwand in die Traumwelt. Alles nur um dort wieder mit seinen alten Schulden konfrontiert zu werden, nur um den Tod seiner Kameraden wieder und wieder zu erleben. Nach Wehklagen und schreien befand er sich auf einmal in einem völlig leeren Raum. Vor ihm lagen Knochen, äußerst ungewöhnliche Knochen. Nach dem Studieren der Überreste konnte er immer noch nicht sagen um welches Tier es sich handelte was Andre als erfahrenen Jäger sehr beunruhigte. Doch da trat ihm eine Stimme schmerzend wie reine Säure in den Kopf...

Als er aufwachte war Andre zwar vom Äußerlichen her noch derselbe, doch er wirkte irgendwie verändert. Er begann seltsame Dinge zu verkünden und mit anderen zu teilen. Im allgemeinen Auge hin schien er einfach gläubig geworden zu sein, bei näherem Hinsehen jedoch schien er neben Wahnsinn und Angst kaum mehr seiner selbst zu sein. An dem Tag begann die Rote Gestalt ihre Wege durch die Tavernen zu gehen und ihre eigenen Lehren zu verbreiten...
Andre Mendez

Beitrag von Andre Mendez »

Der erste Kontakt war geglückt. Erstaunlicherweise konnte er mehrere Leute von seiner Art zu denken überzeugen. Vorher hatte er wirklich nicht damit gerechnet. Im stillen der Herberge hatte er mehrere Krüge an der Wand zerschmettert als er glaubte alte Bekannte vor sich zu sehen und doch schienen die Leute seinen Worten zu lauschen. Je mehr er darüber nachdachte um so mehr beunruhigte ihn das, Sie verfielen so leicht seinen Worten, auch ohne wie er, so wie er glaubte, von Getares verbliebener Macht berührt worden zu sein.
Er schüttelte sich kurz. Das musste ein Zufall gewesen sein, anders konnte er es sich kaum erklären. Als er begann die Robe zu tragen spielte er mit dem Gedanken sie auf seinem letzten Gang zu tragen, sie zu seinem letzten Kleidungsstück zu machen. Doch auf einmal war alles anders. Wollte er noch vor wenigen Stunden der Qual entfliehen begann er auf einmal neue Möglichkeiten zu sehen. Auf einmal hatte er die Möglichkeit den Menschen Hoffnung zu schenken, den Menschen Mut zu schenken, den sie bei der Kirche einfach nicht mehr fanden. Er verstand es noch nicht ganz, aber seltsamerweise schienen die Menschen auf einmal seine Worte zu respektieren.
Beinahe ehrfürchtig lauschten sie ihnen und jedwede Spitzfindigkeit verschwand nach wenigen Sätzen.
Lachend vergaß er am Abend Tränen in seinem Bett in der Herberge. Zum ersten mal seit undenklich langer Zeit wurde er von einer breiten Masse akzeptiert. Auch wenn er zuvor noch im Sinn gehabt hatte allem ein Ende zu bereiten, der Last der Vergangenheit zu entfliehen, jetzt sah alles anders aus. Weiter lachend wischte er sich die Tränen aus dem Gesicht.
Einfach so von der Welt zu verschwinden, das würde ihnen nicht recht sein. Nein, die anderen würden sich wenn dann einen Abgang mit viel Drumherum wünschen. Genau das schwebte ihm im Moment vor. Ihm bot sich die einmalige Möglichkeit viele Menschen das erfahren zu lassen was er erfahren hatte und auf einmal schien er keinerlei Zweifel mehr zu haben. Das sein Arm nach wie vor dick geschwollen war interessierte Andre recht wenig, körperlicher Schmerz war weit fort gerückt auf der Liste der Empfindungen...
Andre Mendez

Beitrag von Andre Mendez »

Einige Tage später breitete sich eine beruhigende und angenehme Leere in dem Arm aus. Er hatte fast zwei volle Tage Ruhe gebraucht aber mittlerweile fühlte er sich wieder kräftig genug um längere Ausflüge zu machen. Dabei wurde ihm immer mehr bewusst, dass er den Arm wohl nie wieder wie früher benutzen würde können. Erschrocken und fasziniert zugleich von seiner eigenen Resignation, durchwanderte er die Städte und besuchte hier und da eine der Tavernen um sich kurz auszuruhen. Durch die Ruhezeit fiel das Fassen klarer Gedanken jetzt wieder erheblich leichter. Deswegen verbrachte er die Pausen nur mit Beobachten.
Erstaunt bemerkte er Dinge, die ihm vorher nie aufgefallen wären. Es waren nur schlichte Kleinigkeiten aber dennoch faszinierten sie ihn ungemein. Viele verschiedene Reisende konnte er so in Augenschein nehmen, darunter auch eine Gruppe von Priestern. Zuerst dachte er darüber nach sein Gedankengut mit ihnen zu teilen aber dank der kurzen Ruhepause besann er sich eines Besseren. Ihm war schon oft zu Ohren gekommen wie man mit Andersdenkenden verfährt, sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite. Nein der direkte Kontakt mit so einer großen Gruppe würde noch etwas warten müssen bis er wieder ganz bei Kräften war und ihnen all seinen Willen entgegen setzen konnte. Daher verbrachte er die folgenden Abende meist in einer der schwach beleuchteten Tavernenecken und las in alten Schriften die er sich mit viel Mühe besorgt hatte. Es gab noch soviel für ihn aufzuholen, warum also nicht gleich damit anfangen?
Ab und an verirrte sich ein neugieriger Gast zu ihm. Das war perfekt, in seinen doch ziemlich wilden Gedankensprüngen der letzten Tage fiel ihm das auf. Personengruppen waren nie so aufnahmebereit wie einzelne Menschen. Einzelne Menschen hatte er sogar schon so weit gebracht, dass sie zumindest glaubten sie würden die Welt ähnlich wie er sehen. Bei Gruppen war das nie der Fall, zu wenig konnte er auf die einzelnen Leute eingehen und ihnen die Dinge erklären, ohne dass sich andere einmischten. Ein Grund mehr Gruppen wie die der Priester zu meiden, vorerst zumindest. Doch auch bei den Einzelnen war es kaum mehr als eine Illusion. Das jedoch war egal, denn einzig und allein ihr Glaube war dabei von Bedeutung. Würden sie wirklich verstehen was er glaubte gesehen zu haben, sie würden ihn vermutlich auf den nächstgelegenen Scheiterhaufen packen und aufgrund von Wahnsinn verbrennen. Das wollte er vermeiden so lange es möglich war. Ihm war durchaus bewusst, dass das womöglich das unvermeidliche Ende sein könnte aber auch das störte ihn nicht mehr. Seltsam wie spät er erst diesen neuen Weg für sich entdeckt hatte, wirklich seltsam.
Das ging ihm auch diesen Abend wieder durch den Kopf. Wirklich seltsam, wo er doch so viel erfüllender war als der Alte. Zwar hatte er an dem Abend weniger Erfolg damit Leute zu finden die seinen Glauben verstanden und teilten, dennoch traf er einige Interessante Menschen. Unter ihnen waren sogar ein Magier, welcher keinen großen Hehl daraus machte, und ein Gardist. Es war interessant wie jeder von ihnen die Sache aus einem anderen Blickwinkel sah. Erfrischend auch die junge Frau mit ihrem kecken Gemüt. Mit einem zufriedenen Lächeln konnte er das Herbergszimmer betreten.
Erst hier stellte er fest, dass die Wunde seltsam aussah und mit einem dumpfen Pochen meldete der Arm sich wieder zurück für die Nacht...
Andre Mendez

Beitrag von Andre Mendez »

Die folgenden Tage vergingen wie im Fluge. Langsam aber sicher hatte Andre immer mehr Gefallen an seiner neuen Tätigkeit gefunden. Mittlerweile war er sich seiner Sache selbst im klaren unvernebelten Zustand sicher. So würde er sein Leben weiter führen und beenden wollen. Zu dieser Entscheidung war er gekommen, nachdem er die Für und Wider gründlich abgewogen hatte. Reichtum sollte keine seiner Sorgen sein, den hatte er wirklich lang genug angehäuft und was hatte es ihm am Ende gebracht? Als er darüber nachgedacht hatte musste er unverhofft lachen. Irgendwie war es schon amüsant, wie wenig einem diese materiellen gesetzten Ziele doch letztendlich boten wenn man sie erreicht hatte. Geradezu albern empfand er es mittlerweile.
Wenn er nicht von goldenen Tellern speisen würde, würde der Reichtum wohl ausreichen um ihn und eine zehnköpfige Familie ein Leben lang zu versorgen. Daher verbrachte er die Tage auch bei ruhigen Spaziergängen durch die Wälder. Die Sorgen die er früher einmal hatte schienen dabei gänzlich von seinen Schultern genommen. Wahrlich, es würde ihn wohl kaum jemand wiedererkennen.
An den Abenden änderte sich auch einiges. Viel gezielter und klüger ging er jetzt dabei vor, fremde Menschen anzuhören und ihnen seine Ideen zu unterbreiten. Das forsche Vorstoßen in ungewisse Gefilde war vorbei, jetzt hatte wieder der Verstand die Oberhand gewonnen. Umso seltsamer kam es ihm vor, dass dieser die neu erworbenen Wahrheiten mittlerweile einfach akzeptierte. Das jedoch deutete er nur als ein weitere Zeichen und maß dem daher nur mindere Bedeutung zu.
Einzig und allein der Arm bereitete ihm weiterhin Schwierigkeiten. Mittlerweile war er ein wirklich unschöner Anblick und dank des nüchternen Verstandes kam er nicht umher sich selbst einzugestehen, dass er wahrscheinlich nicht ewig unbehandelt so weitermachen könnte. Die Schmerzen selbst waren erstaunlich gering, nur in den späten Abendstunden begannen sie ihn zu ermüden. Um seinen Geist zu stärken widmete Andre sich einer seiner alten Beschäftigungen wieder, dem Schach. Seit jeher beruhigte ihn dieses Spiel und eben diese Rolle sollte es auch jetzt einnehmen.
So oft spielte er für sich selbst an den Abenden, dass die Figuren sich rasant abnutzten und er bald schon ein neues Spiel erwerben musste. Dabei begegnete er wieder dem jungen Gardisten welcher auch zugleich großes Interesse an dem Spiel bekundete. Etwas widerwillig aber dann doch voller Freude über das Interesse des Mannes brachte er ihm schließlich bei, wie man es spielte in seiner Heimat.
Erstaunlich gut wendete der junge Mann die soeben erst erlernten Dinge im Spiel selbst an. Andre war zum ersten mal seit langem wirklich erstaunt über die Fähigkeiten eines Menschen. Auf dem Weg zur Herberge dachte er noch lange darüber nach und spielte einzelne Züge vor seinem geistigen Auge in Ruhe durch. Erst als er wieder im Bett lag wurde ihm der eigentliche Grund schlagartig wieder bewusst, wegen dem er die Zerstreuung gesucht hatte. An ruhigen Schlaf, war ab diesem Zeitpunkt wohl nicht mehr zu denken...
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