Und die Liebe währt am längsten ...

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Tarja Lycron

Und die Liebe währt am längsten ...

Beitrag von Tarja Lycron »

Das Stechen in ihrer Brust ließ nicht nach. Auch nach dem abermaligen Atemzug blieb der Schmerz in ihrer Brust. Sie hatte sich maßlos überschätzt, hatte geglaubt sich selbst verteidigen zu können. Lächerlich, dazu wäre sie nicht einmal in ihren Träumen fähig gewesen. Und jetzt musste sie für ihre eigene Dummheit büßen. Beim Anheben ihres Kopfes breitete sich ein unangenehmes Stechen im hinteren Teil ihres Hauptes aus, der ihr die Übelkeit in den Magen trieb. Und ehe sie sich versah musste sie sich auch schon übergeben. Kein sonderlich angenehmes Gefühl, aber dann, nach ein paar Lidschlägen doch erleichternd.
Da sie sich nicht bewegen konnte – einerseits wegen der unzähligen Schmerzen in ihrem Körper, andererseits wegen der ledernen Fesseln mit denen sie auf einer kalten, glatten Oberfläche festgehalten wurde machte sie sich daran ihre Umgebung zu lokalisieren. Oftmals hatte sie sich mit dem Anwenden ihrer Fähigkeiten irgendwie aus dem Schlamassel holen können, aber immer, wenn sie sich jetzt konzentrierte riss ihre Konzentration nach nur wenigen Momenten ab. Aus ihrer Umgebung wurde sie auch nicht schlau. Dunkel war es um sie herum, nicht ein Geräusch verriet ihren Standort. Kein Wasserrauschen oder ein anderer Laut war zu vernehmen. Viele Möbelstücke konnte sie in dem spärlich eingerichteten Raum auch nicht ausmachen. Ein verstaubtes Bücherregal, ein Schreibtisch der wohl kaum genutzt wurde und viele Spinnweben und Ratten sowie anderes Ungeziefer hatten sich hier ihr kleines Reich aufgebaut. Nicht, dass sie ein Problem mit der Dunkelheit gehabt hätte – sie liebte die Dunkelheit schon immer und anstatt sie zu ängstigen schien die schwarze Nacht immer beruhigend für sie zu sein, als wäre sie seit sie denken konnte ihr ständiger Begleiter gewesen. Ein weiterer Ruck durchzog ihren Körper, doch der Versuch sich von den Fesseln zu befreien scheiterte. Ihre Kraft reichte dafür einfach nicht aus. Resignierend ließ sie sich auf auf die kalte Oberfläche zurück gleiten. Wer konnte Interesse daran haben sie zu entführen? Angestrengtes Nachdenken führte zu nichts. Ihrem Exmann hätte sie es unter Umständen noch zugetraut wäre er noch am Leben gewesen. Aber schwache Gemüter mussten irgendwann sterben, also musste er mausetot sein oder aber seinen Tod extrem gut vorgetäuscht haben. Letzteres schloss sie jedoch komplett aus. Auch wenn die Chance groß war, dass seine Seele einfach weitergewandert war. Vielleicht steckte aber auch die Baronin hinter der Tat? Nein, auch das war ausgeschlossen. Einmal hatte sie mitbekommen wie sie mit einer Waffe umgegangen war und um ehrlich zu sein war selbst ihre vierjährige Tochter besser darin mit einer solchen umzugehen. Über diese Variante musste sie also gar nicht weiter nachdenken. War es ihr Bruder oder gar ihre eigene Schwester? Auch das war vollkommen ausgeschlossen. Sie hatte keinen Kontakt mehr zu ihnen – schon sehr lange nicht mehr. Madlen war recht bald wieder abgehauen und Wilyam? Er hatte sich seit seiner Rückkehr kaum noch für die Familie interessiert. Viele Menschen blieben also nicht mehr. Aber egal wie lange sie darüber noch nachdenken wollte, sie fand keine Person, die ihr derzeit etwas in der Form antun wollte. Oder der sie es von ihrer List her zutrauen würde. Wenn man genauer darüber nachdachte gäbe es sicherlich vermeidliche Feinde, die ihr das Leben schwer machen wollten – Menekaner, Adoraner, Varunesen, all ihre gequälten und gepeinigten Opfer – aber ob diese den Mut dazu hatten war die andere Frage. Also blieb ihr nichts anderes als zu warten. In der Tugend Geduld zu haben war sie nicht gerade eine Meisterin. Aber anderes blieb ihr für den Moment kaum übrig.

Als sie am gefühlten nächsten Morgen ihre Augen aufschlug war noch immer nichts geschehen. Ihre Lippen waren spröde und rissig und sehnten sich nach einem Schluck Wasser. Es half nichts sie mit Speichel zu benetzen, das machte alles nur noch schlimmer. Noch immer hatte sie keine Ahnung, wo sie derzeit war. Immer wieder hatten sich ihre Gedanken zu Leonie geschlichen und natürlich auch zu Lucan. Ob die beiden schon nach ihr suchen würden? Sie wusste nicht einmal, wie lange sie schon weg war. Die Sehnsucht nach den Beiden war sehr groß und erschwerte die Last ungemein, die gerade auf ihren Schultern thronte.

Endlich, nach langem Schweigen hörte sie Schritte. Schritte, die sich ihr und den Räumlichkeiten näherten. Schweigend wurde eine schwere Eisentür aufgeschoben und der grelle Lichteinfall tat ihr in den Augen weh. “Wer seid ihr?“ ertönte ihre raue, angeschlagene Stimme, die förmlich nach Wasser flehte. Aber sie erntete nichts weiter als Schweigen und dem Klirren von Ketten, die ihr um die Gelenke gelegt wurden. Mit einem Ruck wurde sie aufgezogen, die ledernen Fesseln wurden gelöst. Unmittelbar vor ihr stand etwas zu essen und auch etwas zu trinken, aber sie hatte keine Chance daran zu kommen. Wieder hörte sie Schritte. Sie zog an den Ketten, die um ihre Gelenke lagen und erntete dafür den ersten Schlag in ihr Gesicht. Der Hunger und der Durst hatten ihren Körper innerlich schon vertrocknen lassen, als das sie noch etwas an Kraft besaß, um dem Stand zu halten. Ein Schatten schob sich durch die Tür des Verließ und sie sah erneut zu dem Fremden auf. Versuchte, etwas von seinem Gesicht zu erkennen. Aber sie sah nur düstere Schatten. “Du wirst uns die Geheimnisse des Ordens der Arkorither anvertrauen...“ dröhnte die dunkle, männliche Stimme. Tarjas Leib zitterte, sie war nahe daran sich zu übergeben. Im Grunde hatte sie keine Wahl. Würde sie das Geheimnis der Arkorither erzählen würde sie hier überleben, aber anderweitig des Todes sein. Würde sie hier schweigen würde sie den Tod finden. Und darauf hoffen, dass ein edler Prinz auf einem weißen Schimmel vorbei kam konnte sie nicht. Sie selbst hatte die Verbindung zu Lucan gelöst als das er sie retten konnte. Auch wenn man sagte, dass sich Liebende immer wussten, was mit dem Anderen war. Hatte sie Hoffnung?

Wie viele Tage es letztendlich immer so fort ging und ihr das Essen sowie das Trinken nur ein paar Fingerbreit von ihr aufgestellt wurden und sie die grausamsten Foltereien über sich ergehen ließ konnte Tarja letzten Endes nicht mehr sagen. Sie war noch nie die Ernährteste gewesen, aber ihr Körper bestand nach etwa fünf bis sieben Tagen nur noch aus Haut und Knochen. Ihren Geist konnte sie kaum noch zum klaren Denken bewegen und sie nahm nur soviel Nahrung und Flüssigkeit zu sich, als das sie sich bei Bewusstsein halten konnte. Ein hervorragender Plan, wenn man sich einen anderen Menschen gefügig machen wollte. Sie selbst hätte es nicht anders gemacht. Sie versuchte immer wieder, all ihre Konzentration zu bündeln, um irgendwie entkommen zu können, aber ihr Körper zeigte ihr recht schnell, dass sie keine Kraft mehr hatte. Keiner der Knochenbrüche in ihren Armen und Beinen, keine der Wunden an ihrer Schläfe, an ihrer Hüfte, über ihre Brust hinweg wurden versorgt. Ihr linkes Auge war nach dem Schlag mit dem Schürhaken des Ofens auch deutlich in Mitleidenschaft gezogen worden und von den restlichen Blessuren ihres Körpers wollte sie gar nicht erst sprechen, selbst wenn sie noch fähig gewesen wäre zu sprechen.

Sie hatte die Hoffnung längst aufgegeben, irgendwann aus dieser Gefangenschaft lebend entkommen zu können. Ein Wunder hätte geschehen müssen, an das sie niemals mehr geglaubt hatte. Aber wie immer hatte sie außerordentliches Glück in ihrem Leben. Am Rande ihres Bewusstseins hörte sie eine vertraute Stimme. „Leonie, bleib hier stehen. Und wenn ich sage 'Lauf!', dann läufst du in die Richtung, die ich dir gezeigt habe.“.
Leonie – das war der Name ihrer Tochter. Wie konnte Leonie hier sein? Und die vertraute Stimme, wie konnte das sein? Ihre Gedanken spielten ihr einen Streich, da war sie sich sicher. Sie versuchte ihre Stimme zu nutzen, aber aus ihrem geöffneten Mund trat kein Laut. Sie versuchte ihr rechtes Auge zu öffnen, was sie aufgrund der Schmerzen und der eitrigen Flüssigkeit jedoch recht schnell aufgab. War das ihr Liebster? Hatte er sie gefunden?
„Was haben sie dir nur angetan?“, sie hörte seine Stimme so nah bei sich, dass es fast schon Realität sein konnte. Sie hasste solche Träume. Lucan? War er es?
Sie spürte, wie ein unsagbarer Schmerz sich durch ihren Körper zog, als sie von der schweren Metallplatte angehoben wurde. Leblos sackte ihr Kopf nach hinten, sie konnte ihn selbst kaum mehr halten. „Ich bringe dich nach Hause...“
Nach Hause. Nach Hause. Es war gemein, in solchen Träumen gefangen zu sein. Sie zwang ihren schwachen Geist dazu aufzuwachen. Lieber war sie in diesem Kerker gefangen, als das ihr Geist ihr langsam einen Streich spielte. Sie wollte aufwachen – und verlor stattdessen ihr Bewusstsein.

Das kühle Wasser auf ihrer Stirn lies sie aufwachen. Sie blinzelte kurz mit dem rechten Auge und sah schwaches Licht von Kerzen. Sie blinzelte ein paar Mal und versuchte ihren Blick zu klären und erhaschte einen Blick auf lange, blaue Haarsträhnen. Sie wollte ihren Arm heben, was aber beim Versuch scheiterte. Sie blickte an sich herab und sah die vielen Bandagen, blutige Bandagen, die um ihren Körper gelegt waren. Sie versuchte sich zu rühren, aber nichts geschah. Aus dem Augenwinkel heraus sah sie ihre Tochter am Bettende stehen. “Wird Mama wieder gesund?“, fragte sie leise. Er lächelte das kleine Mädchen an und sprach einige Worte zu ihr, ehe er dann zu Tarja sah. „Schau, Mama ist wach.. es geht ihr sicher bald wieder gut.“ - Tarja lächelte, oder versuchte sich zumindest daran. Sie war froh, wieder zuhause zu sein. Auch wenn sie einige Abstriche gemacht hatte, sie war am Leben. Und das war die Hauptsache.

Nach wenigen Tagen und viel Wasser fing sich langsam auch ihre Stimme wieder.
„Wer hat mir das angetan?“, flüsterte sie. Lucan konnte ihr darauf bisher keine Antwort geben. „Wir werden sie finden und sie dafür zur Rechenschaft ziehen.“, er berührte sanft ihre Wange und streichelte darüber. Dieses Gefühl stimmte sie zufrieden, auch wenn die innerliche Unruhe von Tag zu Tag wuchs.
Als der Tag entlassen wurde und die Nacht sich über das Land zog öffnete sie ihre Augen wieder. Irgendetwas war anders. Es war ungewöhnlich ruhig im Schlafzimmer, Lucan saß an ihrer Seite und schlief. Er hatte nicht einmal wirklich ihr Bett verlassen seit sie wieder hier war. Sie hob ihre Hand an und streichelte über sein weiches Haar. Warum hatte sie ihn eigentlich jemals verlassen? So friedlich wie er da lag – sie hatte vom Beginn ihrer Ausbildung am Orden der Arkorither gewusst, was in ihm steckte. Womöglich war sie die Einzige, die es je gesehen hatte. Und von ihm hatte sie gelernt.
Sie seufzte leise.
Der Schmerz, der ihren Körper durchzog, war ein anderer als der, den sie sonst gespürt hatte. Er war nicht intensiv, aber anders. Sie rüttelte an seinem Arm, um ihn zu wecken. „Lucan..“, hauchte sie leise. Er sah sie schlaftrunken an. Ihr rechtes, verbliebenes Auge sah ihn mit einer Wärme an, die ihre beiden Augen gemeinsam niemals hätten ausstrahlen können. „Pass auf Leonie auf...“, hauchte sie erneut und drückte seine Hand. Er sah sie an und schüttelte den Kopf. „Nein. NEIN! Das wirst du selber tun...“, herrschte er sie an, als er merkte, was all das zu bedeuten hatte. „Es kehrt sich alles von innen nach außen, Liebster. Ich spüre es..“, sie ließ ihre Hand langsam sinken. „Tarja, hör zu. Hör zu! Wir holen einen Heiler, du wirst das überstehen. Du hast ganz andere Dinge überstanden...“. Sie lächelte ihm auf seine Worte hin entgegen und sah ihn ein letztes mal an. „Ich hab genug vollbracht, Liebster. Ich habe dich immer geliebt.. und werde es auch immer tun.“
„Bleib bei Bewusstsein.. hör zu! Hör auf mich, sieh mich an und gib dich dem Gefühl nicht hin!“,
doch die Worte Lucans erreichten sie nicht mehr. Ihr Herz hörte auf zu schlagen, wie auch ihre Zeit am Orden aufhörte. Sie hatte ihre Freiheit gefunden. Die Freiheit, nach der sie sich in den letzten Wochen immer wieder gesehnt hatte. Sie war von all den Strafen und all den Demütigungen befreit.

Und in dieser Nacht – in der Nacht des Todes von Tarja – regte sich um Saryas Hals etwas. Das Amulett, welches Tarja immer um ihren Hals trug, der schimmernde Rubin mit dem lodernden Feuer im Inneren legte sich um ihren Hals und schmiegte sich an die warme Haut der schlafenden, jungen Arkoritherin. Erst am nächsten Morgen würde sie vermutlich merken, dass das Amulett um ihrem Hals lag und alle Zeichen richtig deuten – die Zeit der Magistra Tarja Lycron war vorüber. Und mit ihr ging einer der stärksten Teile des Ordens.

Bevor ichs vergesse: Mein vollkommener Dank geht an PO Lucan, in welchen ich einen wahnsinnigen RP-Partner wie auch guten Freund gefunden habe und dem ich eine wahnsinnig schöne, lange und geniale Zeit auf Alathair zu verdanken habe. Und natürlich auch all denen, die meine Postings gerne gelesen haben. Ich hätte euch gerne mehr geschenkt - aber manchmal darf es einfach nicht sein. Als letztes natürlich noch dem wunderbaren Mann an meiner Seite. :)
Zuletzt geändert von Tarja Lycron am Montag 31. August 2009, 22:15, insgesamt 2-mal geändert.
Pavel Istor

Beitrag von Pavel Istor »

Feine, milchige Fäden zog der Rauch durch die Dunkelheit, fort von den qualmenden Kerzen, die bis eben noch mit dem flackernden Lichtschein ihrer Flammen den steinernen Raum erhellt hatten. Es hatte nur einer knappen Handbewegung und eines einfachen Eingriffes in die Klänge der Schöpfung bedurft, und alles Feuer im Raum erstarb zeitgleich in einem letzten ohnmächtigen Zug, nicht fähig, sich gegen den brutalen Schlag zu wehren. Wie der Spielball einer höheren Macht hatten sie ihre Aufgabe getan – und wurden wieder abberufen. Nur eine einzige Lichtquelle war von der Gewalt dieses Ausbruches verschont geblieben und verteidigte standhaft seine Umgebung gegen die drückende Beklommenheit der Dunkelheit, hüllte den glatten Tisch aus Birkenholz, auf dem sie stand, in einen zauberhaften roten Schein, der anderenorts fast romantisch gewirkt hätte, in der Heimstatt der Arkorither jedoch das Gefühl einer tödlichen Gefahr widerspiegelte.

Wenig mehr als einige Konturen der Gesichtszüge waren vom Meister des Arkoritherordens zu erkennen, der in einigem Abstand in den Schatten der Dunkelheit neben dem Tisch stand und dorthin starrte, ohne das seine Züge für den Augenblick auch nur eine emotionale Regung vermuten ließen. Die Neuigkeit, die ihm zugetragen worden war, hatte ihn überrascht. Und er hasste es, überrascht zu werden. Doch sie irrten sich nie, und sie hatten ihm ihren Tod übermittelt. Er brauchte keine Bestätigung, er musste sich nicht vergewissern – er tat es dennoch. Das Buch mit dem dunklen, schwarzen Einband lag so schwer auf der in das sanfte Rot der Feuerquelle getauchten Tischplatte, als bestünde es aus Stein, und ein Gefühl einer schrecklichen, unnatürlichen Kälte ging davon aus. Der Meister lächelte schwach und die Lichtschatten verzogen diese Regung zu einer grotesken Grimasse. Er konnte seine Besonderheit in den Klängen der Schöpfung spüren, wie unnatürlich und mächtig es war. Aber er fürchtete es nicht.

Behutsam streckte er seine Hand nach dem schwarzen Einband aus. Seine Finger hatten das Buch noch nicht berührt, als ein Ruck durch den mächtigen Gegenstand ging und der Buchdeckel mit einem leisen Windhauch aufblätterte und dabei – gewollt oder ungewollt – einige Seiten mit sich nahm. Immer mehr Seiten wechselten in rascher Folge von Rechts nach Links, bis das Buch mittig aufgeschlagen liegen blieb. Der Meister trat einen Schritt näher heran, legte die Fingerspitzen an die Tischkante neben dem Buch und warf einen Blick in die aufgeschlagene Seite. Im ersten Moment offenbarte sich ihm einfach nur das weiße, unbeschriebene Pergament, aus dem die ganze Schrift zu bestehen schien. Dann, wie aus dem Nichts – und der Arkorither hatte dabei das erstaunliche Gefühl, von diesem Artefakt betrachtet und beobachtet worden zu sein – erschienen blasse, rote Schriftzüge auf dem weißen Papier, zuerst kaum lesbar, dann immer deutlicher. Es waren nur einige wenige, und manche von ihnen hatte er noch nie gelesen. Aber unter ihnen war jener eine, den er gesucht hatte.

Tarja Thyrmon

Mit dem eigenen Blute geschrieben blieben die Worte in diesem Buch so frisch und unverfälscht wie an jenem Tage, da sie geschrieben wurden. Doch dieser Name… das Blut war getrocknet, der Pakt war erfüllt und ihre Seele hatte ihren Zweck erfüllt. Ohne das Pergament zu berühren, fuhr der Meister mit den Fingern der rechten Hand knapp über den Zeichen hinweg. Leblos, kraftlos. Als er die Hand zurückzog, schlug das Buch wie von selbst mit einem kleinen Knall wieder zusammen. Er brauchte es nicht mehr, er hatte nun Gewissheit. Ein Wink, ein magischer Befehl, und das Buch verschwand, und einen Herzschlag später auch die düstere Aura, die es umgeben hatte.

Durchatmend ließ sich der Meister auf einen Stuhl niedersinken und sah in die Nacht hinein. Der Orden hatte eine mächtige Schwester verloren, die in ihrem Leben mehr als nur einer Ordensleitung die Treue und den Dienst erwiesen hatte. Ein bedauerlicher Verlust, der sie jedoch nicht weiter zu beunruhigen hatte. Doch er musste erfahren, was eine so ehrgeizige Maga in die Knie zwingen konnte. Dunkle Schatten, die selbst das Schwarz der Nacht noch zu verfinstern schienen, bildeten sich um den Arkorither, als ein Hauch von einem Gedanken nach der Elegida des Ordens schickte.
Jana Layani Thyrmon

Beitrag von Jana Layani Thyrmon »

In ihrer Brust pochte es. Es war mitten in der Nacht, der Mond schien silbrig hell und durchflutete auf merkwürdige Art und Weise ihr Zimmer. Gerade stand sie noch am Bücherregal ... ehe sie für einen kurzen Moment von dunklen Schatten eingehüllt wurde.
Jana blickte sich um, aber nichts mehr war zu sehen. Der Raum schien bis auf das silbrig glänzende Licht, leer wie immer. Spüren konnte sie es. Irgendetwas war anders. Ein stechender Schmerz durchzog sie plötzlich, als würde ihr das Herz herausgerissen. Sie schloss die Augen in diesem Moment und hielt dem Schmerz stand, keine Miene verzog sie, doch innerlich schien sie zu verbrennen und sie wusste, dass gerade in diesem Moment etwas geschah, was nicht hätte passieren dürfen.

Man könnte meinen, dass sie selbst spürte wie das Licht um Tarja erlosch. Mit jedem Windhauch, mit jeder weiteren Phase spürte Jana, wie das Leben aus ihrer Cousine wich. Es war ein merkwürdiges, unbeschreibliches Gefühl, es schien fast, als würde sie selbst dem Tod ausgeliefert sein. Ein Band das förmlich zersprang und plötzlich im Nichts endete. Die plötzliche Stille die sie ummantelte schien Jana zu erdrücken und sie konnte nichts dagegen tun. Ruhe und unendliche Stille.

Langsam sank die Arkoritherin auf den Boden, ihre Knie schienen sie nicht mehr halten zu wollen. Sie lehnte sich gegen die kalte, schwarze Steinmauer, ihr Blick geradeaus und starr. Ein Bild, ein Gedanke umgab sie, der Meister wusste es also auch schon.

Tarja ließ ihr Leben. Somit verlor der Orden wieder eine fähige, mächtige Maga, welche treu ihre Dienste tat. Jemand wollte dem Orden schaden und es gelang ihm, mit jeder neuen Tat aufs neue. Wieder wurden sie in die Knie gewzungen, wieder galt es die Lücken auszufüllen.

'Ich werde ihn finden, ich werde alle finden, keiner wird nochmals versuchen am Orden zu zweifeln oder ihn gar auszulöschen. Meine Rache wird bitter sein.' die Worte brannten sich förmlich in ihr Gedächtnis.
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