"Hart am Wind!" gröhlte irgendwer von oben herunter. Klaas stand gerade so dümmlich wie sonst auch. Nur eines war anders, trotz des Alkohols in seinem Körper taumelte er, das Meer war ruhig, einem Ententeich gleich, innerlich wusste er, wie unbrauchbar er in diesem Moment war. Vallas eilte an ihm vorbei, rempelte ihn beinahe über den Haufen, fast rasend ging die Linke an die Reeling um sich dort abzufangen, die Rechte hielt die überlaufende von Muscheln überzogene Flasche.
"Kiek ut do Dösbaddl!" brummte er ihm hinterher, er gab sich einen Schluck aus seiner Flasche und sah Vallas hinterher, der sich an der Takelage zuschaffen machte.
"Arrr achsou! Dett meent er middm Wind un hard hähä ick heff schon jedacht de oll Kaptäin hett nejoa hähähähä"
Schaurig lachte er los, warf die Flasche hinter sich und stieg zur Treppe, jedoch verfehlte das Holzbein die erste Stufe um einen halben Schritt und er flog unsanft die Treppe hinunter und landete hart auf dem Deck.
Er ließ sich nichts weiter anmerken, brummelte unverständliche Flüche vor sich hin und rappelte sich auf klopfte seine Kleidung ab und sah sich kurz um, einige der Männer hingen bereits in den Segeln und Vallas hatte seine Arbeit fast verrichtet, er hob die Schultern und friemelte sich eine neue Flasche aus den Lumpen, welche er gierig mit den Zähnen entkorkte und sich direkt in den Rachen schlug.
"Schiff vorraus!" kam es nach sehr kurzer Zeit von oben "Nech moa een wohlverdientn Pause darf men mokn, klei mien puddlich Mors doa obn, ick sey am süppn!" bölkte er nach hinten, jedoch eilte bereits der Kapitän von oben herunter, weshalb sich Klaas ebenso in Bewegung setzte, eher flüchtend als tatsächlich ein Ziel vor seinem einen Auge endete seine Flucht vor der Kanone am Bug, er fluchte abermals unverständliches Zeug.
"Bereit machen zum Feuern!" kam es abermals von hinten, diesmal von Vallas.
Klaas ließ sich Zeit, es musste ja nur den Anschein erwecken als würde er etwas tun, also richtete er die Kanone ganz gemütlich aus ohne direkt das Schiff anzupeilen.
"Matrose! Mach die Bugkanone fertig zum Feuern und warte auf meinen Befehl" kam es von Kapitän Perera.
Klaas kurz in sich zusammen "Verflucht, wieso imma mi..." brummend buchsierte er die Kanone erneut aus, die Augenklappe wurde aufs andere Auge geschoben, während er ruhig die feinjustierung vornahm.
"Arrr! De verfluchte Kanone set Feuerbereyd un utjerichtet nechjoa, wenne wett.." doch bevor Klaas enden konnte brüllte der Kapitän "FEUER FREI!" und wie von selbst ging der Glimmspan in Klaas Hand an die Lunte.
Nach recht kurzem zischen knallte es ziemlich laut, die Kanone selbst rollte knapp an Klaas Holzbein vorbei und bremste schlagartig. Den Flug der Kugel und den angerichteten Schaden hatte er nicht beobachtet, er hörte nur ein "Nachladen und Feuerbereit sein, auf Befehl feuern"
Er brummte kurz, griff sich jedoch direkt zwei Pakete des schwarzen Blitzpulvers und schob sie in das Kanonenrohr, weit kamen diese Pakete jedoch nicht, da seine fetten speckigen Hände kaum durch die Öffnung des heissen Kanonenrohrs kamen, so folgte direkt der Ladestock um die beiden Pakete tiefer in den Kanonenlauf zu plümpern.
"Arrr, wett hett hi nu secht? Sejelreyssa?" gröhlte er nach hinten als er gerade zur Kugelkiste stiefelte. Keine Antwort....
"EY DOA! Labskaus inne Ohrn!? Sejelreyssa oda wett normalet?" bölkte er abermals nach hinten, wieder keine Antwort....
"Denn improvimisieren wa halt hähä, ick nehm da Sejelreyssa, mit jenuch Zunda underm Mors reyssn de ooch Löchers."
Gesagt - Getan, er griff sich zwei aneinanderhängende Kugeln, die durch eine Kette miteinander verbunden waren und schob sie in den Kanonenlauf, die beiden Kugeln rollten wie von allein runter bis zu den Blitzpulverpaketen, dann nickte er fest und grinste breit, vor stolz über seine getane Arbeit. Doch dies sollte er bereuen, ein heftiger Schlag mit der flachen Rechten platzierte sich auf seinem Hinterkopf "DOCH NICHT DIE! DU IDIOT!" wieder war der Kapitän hinter ihm gewesen, vor Schreck über den Schlag stand er still und ließ sich anbrüllen, konterte nach wenigen Augenblicken wieder "Räh! Wenn keena mit mi spookn tut nä!" Klaas suchte offensichtlich nach Ausflüchten "Denn muss mi improvidingsn!"
"Nix da, Abwarten und auf Anweisung warten! Neu laden aber schnell" kam es von seinem Kapitän.
So griff Klaas ein Stück weit in den Kanonenlauf murrte dann jedoch "Mien Fingers sind to fett, ick kimm doa nech inne. WO SET MIEN PULVERÄFFSCHEN!? Kimm her doa do..."
Der Kapitän war ihm abermals zuvor gekommen, er zog den kleinen, vielleicht 6 Lenzen alten Jungen am Ohr herbei und brüllte ihm irgendetwas entgegen, dann schleuderte er den kleinen Jungen vor zu Klaas, welcher ihn breit grinsend empfing und direkt vor die Kanone schubste. "Lous, Finger doa reyn ins Rohr un frieml de Kujel doa ut, wenne nech hinmokst feua ick nä oda ick verpass diä n schnieket Holzbeen hähä." Der Kleine Junge, recht eingeschüchtert, tat wie ihm geheissen wurde und zog die schwere Kanonenkugel nur mühsam aus dem Lauf.
"Aye, unnu jeh doa wech oda ick mok diä Beene, den Rest mok ick, kiek tou un fass nechts weeda an wenn ick et diä nech sech."
Klaas lud eine normale, mehr oder weniger runde, Kugel in die Kanone und gab dem Kapitän mit einem Nicken zu verstehen, dass er abermals Feuerbereit war. "Aye! Dann feuer frei Matrose!" Klaas nickte, setzte die Lunte neu an und gab Zunder. Diesmal verfolgte er den Flug der Kugel, welche sich ohne größere Mühen, wie ein gefrässiges Krokodil in einen Großaffen, in das Heck des Handelsschiffes fraß.
Ihr Schiff nahman Fahrt auf, kurz bevor sie das Schiff jedoch überholt hatten feuerten die Bukaniere unter Deck zwei Salven in das andere Schiff, während einige der Piraten am Fockmast die Segel mühsam einholten um Fahrt zu nehmen.
"Klar machen zum Entern!" gröhlte der Kapitän, doch bevor Klaas auch nur in der Nähe der anderen Reeling war, war Vallas bereits mit einigen anderen Piraten auf das andere Schiff gesprungen und hatte den ungleichen Kampf gegen die unbewaffneten Matrosen aufgenommen, Schüsse fielen und Blut floss. Als Klaas entern konnte, war bereits kein Mitglied der Decksmannschaft mehr am Leben, er murrte, nichtmal fleddern konnte er.
Er war alt geworden, alt und langsam.
Ein Pirat schrie nach dem Kapitän und etwas von Überlebenden, Klaas eilte zu dem Piraten, bevor der Kapitän geentert hatte, vielleicht gab es hier noch etwas zu holen!
Ein junger Mann und eine junge Frau, wieder war Vallas schneller gewesen und hielt beide in Schach. Klaas murrte, dies waren auch keine Seeleute, es waren einfache Reisende gewesen, jene hatten meistens Gold und eine Menge Habseeligkeiten dabei.
Aye! Die würde man ausquetschen können!
Nach kurzem hin und her war abermals der Kapitän in seinem Nacken "An Bord mit den Beiden...und versenkt dieses vermalledeite Schiff nachdem wir alles was wir brauchen gelöscht haben." Klaas legte seine Muskete ruhig an, während Vallas den Beiden befahl sich an Deck zu begeben um von dort auf das Piratenschiff überzusetzen.
Auf dem Piratenschiff gab es ein langes hin und her, Klaas sah seine Flasche am Boden welche er nicht ausgetrunken hatte. Sie rollte, mit einem leichten Rinnsal hintersich herziehend nach Steuerbord, er brummte.
Was hatte er für Opfer gebracht, nur für dieses kleine Schiff von dem er nicht einmal genug Beute hatte um sich eine neue Flasche voll Schnaps bei Ambrosio zu kaufen, war es die vergossene Flasche Schnaps wert gewesen?
Der Mann und die Frau tuschelten vor sich hin, während der Kapitän und Vallas sich über die Art der "Behandlung" unterhielten.
"Arrr sechmoa Kaptäin, dürfn de beedn doa rumtuschln oda wett?"
mit einem kurzem "Nein - dürfen sie nicht" gab sich Klaas zufrieden und legte die Muskete erneut auf den Mann an, jedoch hörte er die Flasche, welche über Deck rollte und sich ihren Weg durch die Reeling ins Meer suchte. Seine Konzentration war nicht dafür da gewesen um auf Gefangene aufzupassen, zu groß war sein innerlicher Schmerz über die verlorene Flasche.
Nach kurzer Dauer hatten sich der Kapitän und die Gäste wohl geeinigt, es gab Gold für das Leben der Beiden, dafür bekamen sie eines der marodesten Beiboote die sie dabei hatten, sollten sie Kielwasser trinken, das Gold war ihres.