… findet sich in den frühen Morgenstunden eine Gestalt ein, welche es augenscheinlich nicht darauf abgesehen hat, sich in Heimlichkeit zu üben. Aus der Entfernung werden die Wachen auf der Mauer trotzdem keine wirkliche Bedrohung feststellen können.
Hakrat war mehrere Tage gewandert, hatte auf der Suche nach dieser ominösen Burg das letzte Vermögen gegeben, um zumindest etwas Proviant und einen Wasserschlauch dabeihaben zu können. Nun hatte er sein Ziel erreicht. Hoffte er. Das Himmelszelt verlor noch den nächtlichen Schimmer unzähliger Sterne, als sein Auge das erste Mal die von Menschenhand geformten Umrisse im Schatten des Gebirges erblickt hatte. Nun, da die Sonne sich schon mit einem klaren Schein im Osten ankündigte, war er nahe genug heran, um die Wachen hinter den Zinnen erblicken zu können. Hier also lag es, das Zentrum der „Bruderschaft Temoras“, wie es ihm das gerüstete Mädchen des "Heiligen Ordens der Temora" beschrieben hatte.
Bei näherer Betrachtung sehen die Wachen eine in sehr kostengünstige Kleidung – Lumpen – gehüllte Gestalt, die neben einer mageren Gürteltasche noch einen schon sehr schlapp hängenden Trinkschlauch am Gurt mit sich führt. Das vielleicht Wertvollste an diesem Mann ist eine Bardike, die jedoch die Klinge versteckt. Jene ist in Leder eingeschlagen und somit nicht wirklich ein Ausdruck unmittelbarer Gefahr. Viel gibt es somit nicht zu sehen an dem kahlgeschorenen Kerl, der zu frühmorgendlicher Stunde einen recht beachtlichen Lärm veranstaltet.
„He da oben!“, schrie Hakrat aus vollster Lunge. Vielleicht war es der frische Morgendunst, der ihn dazu animierte, umso lauter zu werden. „Man hat mir gesagt, man findet hier einen Haufen, der weniger schwafelt und keine Kinder Spielzeugrüstungen spazierentragen lässt!!“ Nur eine kurze Pause war den Wachen vergönnt, deren Schicht doch so ereignislos hätte enden können. „Habt wohl ein paar Feiglingen zu viel Entschlossenheit gezeigt, so unbeliebt, wie ihr zu sein scheint, haha!“
„Wenn ihr noch jemanden gebrauchen könnt, der mit euch das ketzerische Pack ausrotten und den Blauhäuten ein wenig das Fell gerben will, hier stehe ich! Hakrat Dunkeltann!“
Nach diesen wenigen Worten wird es still, doch wie zum Protest und wohl nicht zur Freude der Nieren wird die Gestalt den Stiel der Bardike neben sich in den Boden rammen und sich im Schneidersitz daneben niederlassen, recht genau gegenüber des Tores der Schwertwacht.
„Ich hab‘ alle Zeit der Welt!“
Und damit endet die anmaßende Ansprache des vorlauten Kerls, denn er bleibt dort im Schneidersitz, stützt den Kopf auf eine Hand und stiert widerlich hartnäckig zu den Toren. Hin und wieder wird man ihn dabei erwischen, wie er sich in der Nase, im Ohr oder im Mund herumgrabscht, sollte zu viel Zeit ins Land gehen.