Treibe dich selbst, wie die Klinge sein soll - schmiede erneut, wenn du brichst
Erst wenige Wochenläufe ist es her, dass der für einen Thyren recht kleine, dafür umso stämmigere Kerl von der Dame im Wind nach Wulfgard geführt wurde.
Hier ist vieles anders als in seiner alten Heimat. Der Clan, in dem er nun lebt, sowie das Fort, sind viel größer und die Claner leben in angenehmen Überfluss. Immer wieder geschieht etwas, was Tugolf aus seiner einst so unerschütterlichen Ruhe bringt. Noch drei Mondläufe zuvor hätte er sich nicht vorstellen können, dass sich mehr als einmal in zwei Wochenläufen etwas Aufregendes ereignen könnte.
Ein Schmied nach alter Tradition
Waffen und Brünnen zu fertigen, darin sah der bereits etwas ältere Tugolf schon immer seine Bestimmung. Hier solle er sich außerdem im Kampf üben, legt ihm Trystjarn, sein neuer Jarl, nahe. Er, der sein ganzes Leben lang lieber Waffen gefertigt hatte, als mit den Schwertern auf die Jagd zu gehen, sollte nun auf seine alten Tag selbst das Kettenhemd überstreifen und die Axt schwingen? Seine Erlebnisse in jüngster Zeit haben ihm allerdings gezeigt, dass der Rat seines Jarls nicht unbegründet ist.
Silber, Kupfer und Eisen waren ihm bei seiner Ankunft auf Lameriast wohl bekannt. Von Diamant und Gold hatte er bereits gehört, doch war es in der kargen Mine seiner alten Heimat nicht aufzufinden gewesen. Als Zuschläger hatte er seit seinem 10. Lebensjahr bei Ekwin Bunjam den traditionellen Stil der Thyren zu schmieden erlernt und nach seiner Flucht aus Ulfsteinn in den darauf folgenden 15 Jahren perfektioniert, doch taugten seine Fertigkeiten kaum mehr etwas, als er seinen Fuß auf Lameriast setzte. Pyrian und Coelium findet man hier in den Minen, zwei Erze, die ihm völlig unbekannt waren – und, wie er später noch erfahren würde, auch Mithril.
Es galt, sich mit den Kräften und Eigenheiten, die diesen Erzen innewohnen, zu beschäftigen, um sie richtig verarbeiten zu können. Sosehr Tugolf in seiner Jugend mit seinem Schicksal gehadert hatte, dass er seinen Dah in der Schlacht zu Gunlöd verloren hatte und sich seiner der Schamane Kunolf angenommen hatte, so sehr dankt er nun den Ahnen für diesen Beistand, denn sein Wissen um die Elemente erleichtern Tugolf, mit der Verarbeitung der für ihn neuen Erze schneller voran zu kommen.
Nie in all den Jahren zuvor hatte er seine Werkstücke für so gut befunden, dass er gewagt hätte, sie zu siegeln. Als er Runas neue Axt und Schild ihrer eingehenden Endprüfung unterzieht, stellt er fest, dass sie besser fast nicht hätten gelingen können. So entschließt er sich, diese beiden Stücke als die ersten mit einem Siegel zu versehen. An geeigneter Stelle graviert er Tiwaz, die Rune, mit der Tugolf beginnt, mit der darüber gelegten Anfangsrune von Bunjam, Berkana, ein, umschlossen von einem Kreis. Vorsichtig schlägt er den Kupferdraht in die ausgestochene Nut. Samft reibt er mit dem Daumen darüber, prüft, ob die Tauschierung glatt ist, poliert nach und betrachtet stolz und zufrieden sein Werk.
Tugolf Bunjam ~ Treibe dich selbst …
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Tugolf Bunjam
Seine ersten Begegnungen mit Städtern
Nur selten waren in Tugolfs alter Heimat Städter zum Handel in ihr bescheidenes Fort gekommen, welche die stabilen Werkstücke der Thyren schätzten. Gerne verkaufte der kleine Clan an jene, die ihnen wohl gesonnen waren und so sollte es auch hier sein. Tugolf beschließt, sich auf zu machen nach Gerimor, um jene, die dort leben, kennen zu lernen. Wohl würden es hauptsächlich Städter sein, doch hörte er von anderen Völkern, die er zum einen schon aus den Erzählungen Kunolfs kannte, die ihm zum anderen aber noch völlig unbekannt sind.
Die ersten Tage auf Gerimor sind höchst verwirrend für den Thyren. Sie scheinen verrückt zu sein, diese Städter. Tugolf wendet sich jedoch nicht sofort von ihnen ab oder verurteilt sie. Er sammelt weiter Eindrücke, beobachtet, lauscht ihren Worten, versucht zu verstehen und zu kombinieren.
Wäre es bei den Tiefländern üblich, Buch zu führen, würde da als erstes notiert sein:
Städter sperren sey in Käfige eyn. Auch wenn sey sey einem Clan zugehörig fühlen, so leben sey doch jeder in einem eygenen dieser Steynhäuser, fern von ihren anderen Clanern.
Die Weyber ziehen sey ganz dünne Vorhänge an, wenn sey in die Felle gehen und die Kerle gar noch viel festeres Zeug, weyl sey Angst haben, ihre Kammer könnte brennen oder eyn Bär würd des Nachts reynkommen. Diese Angst muss es seyn, die sey dazu treybt, dass sey sey im Schlaf oft umdrehen und so wild mit den Beynen strampeln, dass sey unbedeckt in ihren Holzgestellen liegen und frieren.
Wenn sey sey eynander vorstellen, sagen manche von ihnen ihren Rufnamen zweyfach, dafür verschweygen sey den Namen ihres Dahs.
Da solche Aufzeichnungen im Alltag eines Thyren nicht vorkommen, wird sie auch niemals jemand zu lesen bekommen.
Tugolf trifft allerdings auch auf Städter, die ihm vernünftiger erscheinen und die ihm geduldig so manches erklären. Wie ein trockener Schwamm saugt er ihre Worte in sich auf, überdenkt sie und begreift langsam, als sich Stück für Stück einer ihm fremden Welt ineinander fügt.
In seinem nie geführten Aufzeichnungen hätte er geschrieben:
Es gibt zwey Reyche. Alumena und Rahal.
Die Gebiete der Thyren, Menekaner, Elfen und Zwerge sehen die Städter ney als Reych an. Würden jene Völker ihre Gebiete jedoch Reych nennen, dann würd es für die Städter allerdings auch eyn Reych seyn. Sehr seltsam -> nachforschen, wie die Völker selbst das sehen!
Völker unterscheyden sey von den Bewohnern genannter Reyche dadurch, dass sey eynen gemeynsamen Glauben haben, dass sey alle in dem Volk untereynander kennen, dass sey gemeynsam wo wohnen und eyne Gemeynschaft bilden. Sey vertrauen dem Wort ihres Jarls und folgen ihm.
In Alumena glauben sey an unterschiedliche Götter, sey haben keyne gemeynsame Geschichte und keyne eynheytlichen Traditionen. Ihr Jarl, den sey König nennen, sagt ihnen zwar was, doch nehmen sey seyn Wort nur als Rat, dem man ney zu folgen braucht. Nur eyn paar wenige folgen ihm bedingungslos. Er verspricht ihnen, dass sey in Frieden leben können, bringt aber mit Taten, wie dass er sey auf eyne Schlacht gegen Rahal eynlässt, die eyne Stadt wie Varuna in Schutt und Asche legt, viel Unheyl über die Städter. Sey trauen ihm ney und fürchten noch mehr um ihr Leben. Selbst in ihren Steynhäusern fühlen sey sey ney sicher, obwohl er überall Wachen aufstellt. Sogar an eynem Pass, der mit Steynen ungangbar gemacht ist. Vielleycht, damit keyner die Steynbrocken klaut.
Nein – wieder wird man diese Worte nie auf Pergament geschrieben finden!
Da dem skeptischen Tugolf einiges an diesen Erklärungen seltsam erscheint, beschließt er, selbst mit den Völkern darüber zu reden. Die Geyster meinen es gut mit ihm und kreuzen am nächsten Tag seinen Weg mit dem eines Zwergen. Dieser klärt den Schmied darüber auf, dass das Volk der Khaz-Aduir in einer großen unterirdischen Stadt lebt und nicht nur diese sondern sogar den ganzen Berg, den ihnen der Bergvater zu beschützen aufgetragen hat, als „ihr Reych“ ansieht. Bei dieser Begegnung erfährt Tugolf noch einiges mehr und stellt fest, dass das Volk der Zwerge doch recht ähnliche Ansichten vertritt wie das Volk der Thyren. Sie scheiden in gegenseitigem, wohlwollenden Respekt.
Kurz darauf, nach seiner Begegnung mit zwei Seeleuten, von denen der eine im Spinnen von Seemannsgarn wohl unschlagbar ist und Tugolf und Widogard offenbar als hirnlose Trollköppe einstuft, wäre folgendes in das Notizbuch des Schmiedes eingeflossen:
Um besonders höflich zu erscheynen, schleckt der Kerl eynem Weyb beym Verabschieden kurz über die Hand.
Trotz der Umstände, die eine Rückreise nach Lameriast macht, kehrt Tugolf all nächtlich von seinen Ausflügen nach Wulfgard zurück. Er braucht die Ruhe und Geborgenheit des Forts, um sich seinem tiefen und erholsamen Schlaf hinzugeben und um das Erlebte und Erfahrene zu überdenken.
Nur selten waren in Tugolfs alter Heimat Städter zum Handel in ihr bescheidenes Fort gekommen, welche die stabilen Werkstücke der Thyren schätzten. Gerne verkaufte der kleine Clan an jene, die ihnen wohl gesonnen waren und so sollte es auch hier sein. Tugolf beschließt, sich auf zu machen nach Gerimor, um jene, die dort leben, kennen zu lernen. Wohl würden es hauptsächlich Städter sein, doch hörte er von anderen Völkern, die er zum einen schon aus den Erzählungen Kunolfs kannte, die ihm zum anderen aber noch völlig unbekannt sind.
Die ersten Tage auf Gerimor sind höchst verwirrend für den Thyren. Sie scheinen verrückt zu sein, diese Städter. Tugolf wendet sich jedoch nicht sofort von ihnen ab oder verurteilt sie. Er sammelt weiter Eindrücke, beobachtet, lauscht ihren Worten, versucht zu verstehen und zu kombinieren.
Wäre es bei den Tiefländern üblich, Buch zu führen, würde da als erstes notiert sein:
Städter sperren sey in Käfige eyn. Auch wenn sey sey einem Clan zugehörig fühlen, so leben sey doch jeder in einem eygenen dieser Steynhäuser, fern von ihren anderen Clanern.
Die Weyber ziehen sey ganz dünne Vorhänge an, wenn sey in die Felle gehen und die Kerle gar noch viel festeres Zeug, weyl sey Angst haben, ihre Kammer könnte brennen oder eyn Bär würd des Nachts reynkommen. Diese Angst muss es seyn, die sey dazu treybt, dass sey sey im Schlaf oft umdrehen und so wild mit den Beynen strampeln, dass sey unbedeckt in ihren Holzgestellen liegen und frieren.
Wenn sey sey eynander vorstellen, sagen manche von ihnen ihren Rufnamen zweyfach, dafür verschweygen sey den Namen ihres Dahs.
Da solche Aufzeichnungen im Alltag eines Thyren nicht vorkommen, wird sie auch niemals jemand zu lesen bekommen.
Tugolf trifft allerdings auch auf Städter, die ihm vernünftiger erscheinen und die ihm geduldig so manches erklären. Wie ein trockener Schwamm saugt er ihre Worte in sich auf, überdenkt sie und begreift langsam, als sich Stück für Stück einer ihm fremden Welt ineinander fügt.
In seinem nie geführten Aufzeichnungen hätte er geschrieben:
Es gibt zwey Reyche. Alumena und Rahal.
Die Gebiete der Thyren, Menekaner, Elfen und Zwerge sehen die Städter ney als Reych an. Würden jene Völker ihre Gebiete jedoch Reych nennen, dann würd es für die Städter allerdings auch eyn Reych seyn. Sehr seltsam -> nachforschen, wie die Völker selbst das sehen!
Völker unterscheyden sey von den Bewohnern genannter Reyche dadurch, dass sey eynen gemeynsamen Glauben haben, dass sey alle in dem Volk untereynander kennen, dass sey gemeynsam wo wohnen und eyne Gemeynschaft bilden. Sey vertrauen dem Wort ihres Jarls und folgen ihm.
In Alumena glauben sey an unterschiedliche Götter, sey haben keyne gemeynsame Geschichte und keyne eynheytlichen Traditionen. Ihr Jarl, den sey König nennen, sagt ihnen zwar was, doch nehmen sey seyn Wort nur als Rat, dem man ney zu folgen braucht. Nur eyn paar wenige folgen ihm bedingungslos. Er verspricht ihnen, dass sey in Frieden leben können, bringt aber mit Taten, wie dass er sey auf eyne Schlacht gegen Rahal eynlässt, die eyne Stadt wie Varuna in Schutt und Asche legt, viel Unheyl über die Städter. Sey trauen ihm ney und fürchten noch mehr um ihr Leben. Selbst in ihren Steynhäusern fühlen sey sey ney sicher, obwohl er überall Wachen aufstellt. Sogar an eynem Pass, der mit Steynen ungangbar gemacht ist. Vielleycht, damit keyner die Steynbrocken klaut.
Nein – wieder wird man diese Worte nie auf Pergament geschrieben finden!
Da dem skeptischen Tugolf einiges an diesen Erklärungen seltsam erscheint, beschließt er, selbst mit den Völkern darüber zu reden. Die Geyster meinen es gut mit ihm und kreuzen am nächsten Tag seinen Weg mit dem eines Zwergen. Dieser klärt den Schmied darüber auf, dass das Volk der Khaz-Aduir in einer großen unterirdischen Stadt lebt und nicht nur diese sondern sogar den ganzen Berg, den ihnen der Bergvater zu beschützen aufgetragen hat, als „ihr Reych“ ansieht. Bei dieser Begegnung erfährt Tugolf noch einiges mehr und stellt fest, dass das Volk der Zwerge doch recht ähnliche Ansichten vertritt wie das Volk der Thyren. Sie scheiden in gegenseitigem, wohlwollenden Respekt.
Kurz darauf, nach seiner Begegnung mit zwei Seeleuten, von denen der eine im Spinnen von Seemannsgarn wohl unschlagbar ist und Tugolf und Widogard offenbar als hirnlose Trollköppe einstuft, wäre folgendes in das Notizbuch des Schmiedes eingeflossen:
Um besonders höflich zu erscheynen, schleckt der Kerl eynem Weyb beym Verabschieden kurz über die Hand.
Trotz der Umstände, die eine Rückreise nach Lameriast macht, kehrt Tugolf all nächtlich von seinen Ausflügen nach Wulfgard zurück. Er braucht die Ruhe und Geborgenheit des Forts, um sich seinem tiefen und erholsamen Schlaf hinzugeben und um das Erlebte und Erfahrene zu überdenken.