Der Drache, das Reh und der Muntschatz

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Cyrion Sha´Ar

Der Drache, das Reh und der Muntschatz

Beitrag von Cyrion Sha´Ar »

Er war erschöpft... erschöpft bis ins Mark, als er sein Pferd an den Pfosten band und ihm den Sattel mit den gefüllten Satteltaschen abnahm. Das Pferd brummte leise und zufrieden, als er es abrieb, striegelte und ihm die Pferdedecke überlegte. Leise kollerte es, als es ihm zusah, wie er das Heu für die Futterkrippe anschleppte und noch eine kleine Portion Maisschrott und Haferflocken dazumengte. Mit einem letzten Klaps verabschiedete er sich, nahm die Satteltaschen und verschwand ins Haus, wo er sich ersteinmal vor den Kamin niederliess. So müde... Aber er musste noch einige Sachen erledigen, bevor er sich wirklich ausruhen konnte...
Die Kohlen waren abgedeckt, glühten aber noch leise vor sich hin, so das es keinen grösseren Aufwand bedeutete, das Feuer wieder zum laufen zu bringen. Im Licht von Kerzen- und Feuerschein leerte er die Satteltaschen über einer Lederhaut und ordnete den Inhalt. Wieder war einiges zusammengekommen. Einige Edelsteine, diverse Kräuter, Mineralien und Erzeugnisse tierrischer Natur. Recht saubere Spinnenweben, Obsidiansplitter, scharfkantig und glatt wie gesprungenes Glas, Pyrianerzbrocken und Alraunenwurzeln, die er jenen Skelettmagiern aus ihrer halbzerfallenen Kleidung entnommen hatte. Das meiste davon würde er verkaufen können, die edlen Steine würde er vorerst sammeln. Ein Tag wie jeder andere, würde man meinen... Wenn er nicht, anders als sonst, soviel jagen müsste... Jagen für den guten Zweck... Jagen um den Muntschatz zusammen tragen zu können. Gold... er brauchte Gold. Gold für die Dinge, die er besser käuflich erwarb. Gold für Hilfsmittel, um manche Punkte seiner Liste letztlich durchstreichen zu können. Hilfsmittel, die Teuer sein würden. Gold und grüne Edelsteine für das Juwel, das er für Leah herstellen liess. Das Juwel...

Er hatte von Thancred keine Antwort erhalten. War der Brief nie angekommen? Er hatte ihn aufsuchen wollen, doch war Thancred zur Zeit auf Menek'Ur. Sollte er ihm nachreisen? Mit ihm reden? Damit er wenigstens in dieser Sache etwas Fortschritt machte? Je eher er mit ihm sprach, desto besser... und dann konnte er ihn auch noch zu den beiden Punkten seiner Liste fragen, die ihm das meiste Kopfzerbrechen machten. Er würde sicher etwas dazu wissen! Wer sonst, wenn nicht er? Vielleicht dort ein zwei Tage bleiben... An den Strand gehen und es sich gut gehen lassen... Ein paar Tage Erholung. Und nebenbei vielleicht mit Thancred oder anderen möglichen Geschäftspartnern über diverse Geschäfte sprechen... Er brauchte auch Salz... Wer wusste schon, ob Malachai nicht mit ihm auch schwerere Gegner als Dämonen jagen würde - alles was recht war, wenn er nur zu Gold käme...

"Götter, diese Frau bringt mich noch ins Grab..."
Mit dieser Frau war sein persönlicher Drachen gemeint. Savea. Sie, die sie ihm einen Muntschatz aufbrum...erlegte, der allerdings alles von ihm abforderte, insbesondere Ausdauer und Geduld, sein Ziel, Leah zu heiraten, zu erreichen. Er würde es auch erreichen - selbst die beiden letzten Punkte würde er schon irgendwie erfüllen! Und wenn es das letzte war, was er tat... wenn er nicht vorher an blanker Erschöpfung starb.
Es war nicht nur das Jagen, das ihn erschöpfte... Das Studieren der Etikettebücher, die ihm Isumar Wiedegrein kopiert hatte, das Studieren der in Varuna und Adoran ansässigen Adeligen... Das gewissenhafte Vor- und Nacharbeiten der Lehrstunden seiner Ausbildung, wollte er doch sichergehen, das er nichts von Wichtigkeit übersah oder vergass.
Demnächst würde noch mehr dazu kommen - wenn die Ausbildung vorbei war, würde er einer Anstellung im Hause Elbenau und dann noch wohl einer weiteren Ausbildung als Rekrut im Regiment nachgehen.
Manchmal fragte er sich, ob sie ihn alle zu Tode schuften lassen wollten.
Natürlich - er könnte sich auch Zeit lassen. Niemand verlangte von ihm, das er den Muntschatz schnellstmöglich abhakte. Aber je mehr Zeit er sich damit liess, desto grösser war die Chance, das Leahs Bruder aufkreuzte und ihm auch noch Scherereien machte. Mehr noch, als Leah es selbst vermochte...

Leah... er hatte wieder einen Streit mit ihr gehabt... nein, kein Streit. Eine Meinungsverschiedenheit. Nicht mal eine, die er als wichtig empfand, in anbetracht der Tatsache, das niemand ihn oder Leah zwang, die Bibliothek zu benutzen. Die Bibliothek, die Cyrion so mochte und von der er den Eindruck gehabt hatte, das auch Leah sie würde gut leiden können - kaum waren sie zuhause, regte Leah sich fürchterlich darüber auf, das sie es tatsächlich wagte, neutral zu sein und _alle_ aber wirklich _alle_ willkommen zu heissen. Dabei wusste er nicht mal, ob Letharen wirklich Zutritt hatten, er nahm es einfach nur an. Da Neutralität für ihn bedeutete, auch solche zu dulden. Es bedeutete ja nicht, das die Wiedegreins Letharen mochten. Er mochte sie auch nicht. Sie verursachtem ihm Gänsehaut und er konnte sie in seiner Nähe kaum ertragen. Aber dennoch duldete er sie an einem Ort, der von sich aus die Neutralität wahrte. Würde er sie jemals in der Bibliothek vorfinden und ihre Anwesenheit nicht ertragen können, würde er gehen und ein andern mal wieder kommen. Aber er würde die Neutralität des Ortes wahren und keinen Zirkus veranstalten. Die Neutralität und der Frieden einer Bibliothek - gerade dieser Bibliothek - waren ihm wichtiger als seine persönlichen Zu- und Abneigungen.
Vermutlich war es gerade das, was Leah wieder dazu veranlasst hatte, recht impulsiv und unvernünftig die Krallen an ihm zu wetzen. Er schmunzelte müde und rollte sich auf den Fellen zusammen. >Wohl eher Hörner...< Die Tatsache, das er mit dieser Art der Neutralität einher ging und sich _nicht_ aufregte, wie sie es tat.Sondern völlig ruhig blieb - wohl auch etwas, worüber sie sich aufregte. Warum sollte er auch? Die Bibliothek war nicht sein Heim. Es war ein Hort des Wissens, mehr nicht. Für ihn kein Grund sich übermässig aufzuregen. Aber Leah sah das anders. Wieder mal ihr Glaube, der sie unvernünftig handeln liess...
Ihr Glaube... ob Darna auch so handeln würde? Oder ob sie vernünftigen Argumenten zugänglich sein würde? Er wusste es nicht. Aber er konnte auch kaum vernünftige Argumente anbringen, wenn er die Religion, die Temora darstellte, nur Oberflächlich kannte. Vielleicht sollte er wirklich mal die Schriften zu zu Temora lesen, nur damit er verstand, was Leah und ihre Gefährten bewegte und gegebenfalls Argumente bringen konnte, die auch für Leah - wenn auch widerwillig - einen Sinn ergaben.
>Noch mehr lesen... und studieren... Och nee...<
Aber letzten Endes würde ihm wohl nichts übrigbleiben. Wenn Leah zuviele Streitpunkte fand, die nicht geklärt werden konnte, mochte es sein, das sie von sich aus sagte, das ihre Liebe keine Zukunft hatte - das die Welten, in der sie beide lebten, zu verschieden waren.
Sollte es je dazu kommen - wären alle seine Bemühungen für die Katz. Das lange Werben, die Suche nach dem Muntschatz, all jene Dinge, die er unternommen hatte, Leah an sich zu binden... Selbst die Überlegungen, seinen Rabenhort, sein Gut zu verlegen - etwas, was im Leben eines Rabenkriegers eher selten vorkam, hatte er sich erstmal für einen Platz entschieden, wären dann umsonst.
Etwas, das er nicht zulassen, nicht hinnehmen wollte. Lieber dann noch irgendwoher ein Quentchen Energie aufbringen, das er sich mit den Lehren Temoras beschäftigte - und auch vielleicht mit der priesterlichen Auffassung zur Lehre Eluvies... Rein nur um Streitigkeiten zu vermeiden.
>Mutter, was ein Ärjer...< Doch was blieb ihm übrig. Nichts. Entweder er bemühte sich, bis er aus den Stiefeln kippte oder er gab auf... Er hatte keine andere Wahl. Alles oder Nichts... Darauf lief es letztlich hinaus.
Cyrion Sha´Ar

Beitrag von Cyrion Sha´Ar »

Die Axt schlug von oben auf die Schulter herab, zerriss die vermoderte Kleidung, spaltete den Knochen darunter, dass er nur noch durch einen dünnen Knochenrest und trockenen ledrigen Sehnen mit dem restlichen Körper verbunden war. Ein Ruck als sich die Axt von dem Knochen löste und Cyrion zurücksprang, den eigenen Turmschild hebend um das Schwert aufzuhalten, das da in dumpfer, aber stur-kraftvoller Manier immer wieder nach ihm hieb. Die Klinge war rostig, schartig ob der vielen Male, wo es gegen die Wande geschlagen hatte... Er selbst achtete sehr wohl darauf, das seine Schwünge mit der Axt kraftvoll, aber sehr kontrolliert waren - holte er mit der Axt zu weit aus oder zog er sie unachtsam durch, mochte die Klinge von der Wand verbogen oder auch schlichtweg stumpf werden. Doch der Untote vor ihm... Knochen zeigten sich vielfach, die Haut hing in Fetzen herab - am Kopf zeigten sich vertrocknete Reste von Haaren. Die Augen waren oft nicht mehr da - und wenn doch, wirkten sie wie vertrocknete Rosinen, die nutzlos in den Augenhöhlen lagen. Einzig an der Kleidung konnte man erkennen, das jenes Skelett einst ein stolzer Krieger gewesen war. So stolz auf seine Fähigkeiten, das er hier her kam, sich einen Bissen vom Kuchen zu nehmen, sei es der Goldkuchen oder auch jener der Ehre und des Ruhmes. Nur war der arme Teufel an jenem Bissen erstickt... und hier geblieben.
Cyrion hatte keines wegs vor, sein Leben hier zu beenden und hier als Zombie durch die Gänge zu schlurfen wie andere Krieger und Kämpfer vor ihm - doch dazu musste er seinem gegenüber von den verdammten Schild befreien. Viel wussten jene Skelette nicht, doch waren ihre Bewegungen gelenkt durch die Erfahrungen und Reflexe der Menschen, die sie einst gewesen waren - sie wussten, wie sie einen Schild handhaben mussten! Aber sie waren langsam... und machten Fehler.
Keuchend sah er sich um. Er hörte es Schlurfen - irgendwo kam schon wieder etwas an. Es war kein Weltuntergang, er konnte es auch mit zweien gleichzeitig aufnehmen, doch in diesen engen Gängen war es eher sehr unangenehm. Ein Zwitschern, hoch und schrill war weiter den Gang hinunter zu hören. Diese kleine geflügelten affenartigen Tierchen. Götter, sie waren ihm lästig! Sie quietschten, flatterten wild wie Fledermäuse mit ihren Flügeln und zerrten, kratzten und bissen an allem, was sie in die Pfoten bekamen. Sie konnten einen erheblich irritieren und von einem gefährlicheren Gegner ablenken. Der Sekündliche Blickschweif kehrte zu dem Skelett zurück - wieder wurde die Axt geschwungen, der Schld gehoben, ihn zu rammen - die Finte gelang und das Skelett schob seinen Schild etwas zur Seite, die Schulter wurde sichtbar. Ein schneller Schlag, präzise geführt, aber nicht so kraftvoll, wie er ihn gerne gehabt hätte - und doch... der Knochen knirschte, ein zwei Sehnen wurden gekappt, eine weitere angeschrammt mit der Klinge - der Arm mit dem schweren Schild fiel herab, nutzlos nun, und baumelte an den letzten Sehnen gegen die Beine des Skeletts. Ein Schritt zurück gesprungen, harrte er der Dinge, die da oft kamen.
>Lass ihn kommen... lass ihn...< dachte er angespannt, gerade so über den Schildrand hinweglinsend, die Axt etwas zur Seite gehalten, bereit zum Schwung. Der Schild zog am leichten Skelett - behinderte es. Es schwankte beim Gehen, stolperte. Cyrion schoss vor, er hatte auf diesen moment gewartet, wo das Skelett Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht haben würde. Ein Stoss mit seinem Schild, als die Waffe des Untoten zur Seite schwang um das Gleichgewicht aufrecht zu erhalten und das Skelett fiel zu Boden. Es brauchte nun nicht mehr viel. Ein paar Schläge mit der Axt und es rührte sich nicht mehr. Die Nase rümpfend fuhr er mit den Fingern über die Reste der Kleidung. Diese Untoten waren wenigstens trocken... die Zombies waren schlimmer. Sie stanken! Aber dieser hier... Aye... Er konnte etwas in den Resten des Beutels ausmachen. Leder hielt sich länger als blosser Stoff und der Beutel war aus Leder gewesen. Er nickte zufrieden mit seiner Ausbeute. ein Rubin - eher selten zu finden und einige Goldstücke. Doch nicht so heilig und nobel gewesen, der Grund des inzwischen Verstorbenen, her zu kommen... Nunja, der mensch musste auch von was leben. Cyr ebenso. Die Schätze einsteckend nahm er seine Axt wieder auf und machte sich wieder auf den weg, dem Zwitschern entgegen.

Tief atmete er die kristallklare Luft ein, als er aus dem Halbdunkel in die Mondbeschienene Schneelandschaft trat. Keine Zeit zu rasten - er konnte Spuren von skelettierten Füssen sehen, Reste von Stiefeln, Umhänge und Roben, die im Schnee schliffen und ihre Spuren hinterliessen. Aber er hatte Glück... andere waren vor ihm hier gewesen und hatten den Weg frei geräumt. er konnte sie sehen, die zerbrochenen Knochen der Toten. Jetzt musste er nur noch zum Pferd laufen. Jenes war eine gute Weile entfernt. In Sicherheit zwar, aber dennoch... Der Trab durch den Schnee gab ihm fast den Rest. Er war so müde, so erschöpft. Sein Leib schmerzte, er hatte wieder einige Prellungen einstecken müssen. Ein kleiner Preis angesichts des heeren Zieles.
>Aber Götter... musste sie die einzelnen Zielpunkte so hoch ansetzen?!< Ein Gedanke, der ihm oft kam. Jetzt nach Hause... oder doch nach Varuna? Zuhause hatte er es privater, aber... Er blickte wieder zum Mond. Er war recht hoch gestiegen. Die Tage wurden länger, und dennoch war es schon abend... die siebte Stunde vielleicht. Es war nachmittag gewesen, als er in die Höhlen ging. Er bezweifelte, das er ein heisses Bad bekommen würde - im Stadthaus der Hohenfelsens. Vielleicht sollte er doch sehen, das er ein öffentliches Bad aufsuchte. Das und frische Kleidung. Er würde den Panzer reinigen müssen - er stank zum Himmel. Und seine Kleidung ebenfalls. Vielleicht konnte er sie einer Wäscherin ein paar Münzen zusätzlich zustecken, wenn sie sich um die Kleidung kümmerte... Dinge die ihm durch den Kopf gingen, während er zu seinem Pferd zockelte. Die akuten Dinge zuerst. Bad. Frische Kleidung. Dann die Bank, auf die er das verbrachte, was er gefunden hatte. Etwas zu essen. Reinung seiner Ausrüstung. Reinung seiner Kleidung. Und dann konnte er endlich entspannen. Mochte sein, das bis dato die 9 Stunde abends schlug. Mochte sein, das er Sethric, diesen Gauner, zu dieser Stunde bei ihr vorfand. Vielleicht auch Savea, die ihn streng beäugte, ob er Leah so behandelte, wie sie es wollte. Vielleicht würde sie Knappenpflichten nachgehen - im Kloster oder auch im Stadthaus... so oder so, er würde Zeit mit ihr verbringen, oder wenigstens in ihrer Nähe. Sich ein weiteres Mal in ihre Erinnerung rufen. Und wenn er die Möglichkeit und Zeit fand, sich mit ihr unterhalten. Und vielleicht den einen oder anderen kleinen Streitpunkt aus der Welt räumen.
Müde führte er sein Pferd Richtung Stadt. Dieses hielt Abstand von ihm. Es mochte seinen Leichenmodergeruch genauso wenig wie er selbst. Frische Kleidung aus der Bank besorgen - und dann ein heisses Bad nehmen... Ein schönes langes entspannendes Bad. Die Aussicht darauf war so verheissungsvoll, das sogar Gedanken an Leah im Augenblick in völige Vergessenheit gerieten.
Cyrion Sha´Ar

Beitrag von Cyrion Sha´Ar »

Sorgfältig nahm er die Feder und tunkte sie in die Tinte. Ein kurzes Abstreifen der überschüssigen Tinte, dann zog er durch einen Punkt des Muntschatzes einen Strich. Was kam als nächstes? Die Stirn kräuselte sich, während er darüber nachsann, wie lange er dafür wohl brauchen würde. Lange Zeit. Das wusste er. Die längste die er hatte. Jemanden suchen, der so einen Gegenstand besass. Sie waren selten. Sehr sehr selten. Das einzige Beispiel dafür, das er gefunden hatte, befand sich in jener Bibliothek, welches von dem Ehepaar Widegrein geführt wurde. Und diese würden es ihm ums verrecken nicht verkaufen - er brauchte gar nicht nachfragen.
Doch wer hatte noch einen jener seltenen Objekte? Das musste er herausfinden. Es würde nicht leicht werden, das wusste er...
Welche Punkte gab es noch? Wieder bildeten sich Falten auf der Stirn. Hmm... für diese Jagdtrophäe würde er mit auch nach Lameriast müssen... Oder sehen, wo er sonst noch welche von diesen Hünnen auftreiben konnte. Schwierig sicherlich. Er wusste nicht, von welchen jener hmm Clans? Stämme? ...er sich verhalten musste. Dann aber wiederum... So schwer konnte es auch nicht sein, oder? Nur ein paar Felle für den Vorleger.
Er seufzte schwer. Es gab Tage, da hasste er Savea. Das sie es ihm so schwer machte, wenn die Dinge doch so klar auf der Hand lagen. Er wollte sie heiraten. Sie liebte ihn. Er bemühte sich nach Leibeskräften, sich in jene Gesellschaft, die von Adel und Etikette bestimmt war, ein zu ordnen. Und dann sowas... >Wer braucht das, um aller Götter willen? Leah bestimmt nicht. Er auch nicht. Götter, sie könnten mit einem Wyrmherz mehr anfangen oder mit Drachenblut... vielleicht einer Drachenschuppe. Das konnte man wenigstens verkaufen...
Er rollte das Pergament wieder zusammen. Sich wiederholt darüber ärgern brachte nichts. Er musste sich dran setzen und die Dinge ins rollen bringen, dann würde er sie bald in den Armen nehmen können, wenn sie nächtens von Alpträumen erwachte. Tief einatment stand er auf und nahm seinen Umhang. Es wurde Zeit, das er wieder einige Informationen einholte. Vielleicht konnte er jetzt etwas über die Anguren herausfinden.
Leah Katuri

Beitrag von Leah Katuri »

Die Welt versank im Chaos. Varuna gesperrt und leer; wenige Wachen waren nur noch vor Ort, um die Grenze im Blick zu behalten. Die Menschen suchten nun Schutz in Adoran, bezogen dort neue Räumlichkeiten und versuchten, ihr bescheidenes Leben fortzuführen. Alltag mochte zumindest den Schein wahren, dass alles noch im Lot war und man glücklich sein durfte.

So war es nicht verwunderlich, dass am frühen Vormittag der Wirt der Herberge ihr wieder ein schalkhaftes Grinsen schenkte und der Knappin so ein noch schlechteres Gewissen auferlegte. Zu Recht in ihrem Ermessen, sodass kein Wort der Verteidigung folgte auf die ein oder andere Spitze des alten Herrn und sie froh war, als sie ihr spätes Frühstück beendet hatte und rasch in ihr Zimmer zurückkehren konnte. Die Liste ist ja bald fertig...es wird nicht mehr lange dauern. Immer wieder schob sich der Gedanke in ihren Schopf; während des Waschens, dem Umkleiden und dem Gang zur kleinen Kapelle. Etwas störte sie ganz und gar an diesem Satz, an der Tatsache...und das war die Zeit: Bald. Cyrion hatte es mehrfach betont, fast eifriger Weise. Die Liste wäre bald erledigt, die Punkte Saveas abgearbeitet...um dann die Verlobung zu feiern. Ein Innehalten des Körpers auf einer der vielen Strassen Adorans, als ihr jenes schlagartig bewusst wurde und es ihr heiß und kalt durch den Körper lief.
Ehefrau...Der Gedanke hatte einen schalen Beigeschmack und erinnerte sie in einer gewissen Art und Weise an ihre Heimat. Hatte er nicht gesagt, sie würde dann ihm gehören? Aber er wollte doch sie nicht an ihrem Weg hindern....die konnte ja Temora dienen. Mit einem leichten Kopfschütteln, das wohl den ein oder anderen Passanten auf den Strassen amüsierte, ging sie weiter und machte einen Schlenker, um nicht direkt in das Kirchengebäude zu kommen.
Sie würde seinen Namen tragen, tagein, tagaus mit ihm leben. Es verwirrte sie, dass sie noch immer so unsicher in diesen Gedanken war. Sie war sich ihrer Gefühle sicher und wusste, dass es das Richtige war. Und doch wurde es zu einer Entscheidung, die einiges ändern würde.

Ein eigenes Haus...ein gemeinsames Bett. Sie wollte sich jenes noch nicht eingestehen und ließ Cyrion erst einmal allein die Zukunft schön reden, während sie im Hier und Jetzt blieb, um die nötigen Schritte weiter im Blick zu behalten. Milady war immer noch nicht aus dem Nebelwald zurückgekehrt; Hoheit ständig unterwegs und nicht zu sprechen und Savea ständig am pendeln. Zumindest wusste sie, dass sie lebte und stur wie eh und je war. Ein Raunen durchglitt die Luft, als wieder die elendige Frage nach dem Vormund aufkam. Sie hätte sofort Savea wieder verziehen und sie ihr angeboten, doch der eigene Stolz verbot es ihr. Sie hatte sie abgewiesen und würde es wieder tun.
So musste sie weiter Hoheit sprichwörtlich bedrängen. Sie wollte zumindest diese Tradition zu einem guten Ende führen und nach den heimatlichen Regelungen an Cyrion weiter gereicht werden.
Passt auch gut zur Etikette... Noch ein Wort, dass sie Aufseufzen ließ.

Er hatte sie fast soweit...hatte seinen Blick benutzt, um ihre Gedanken wieder wolkengleich davonfliegen zu lassen und alles zu vergessen, was an Ehre und sonstigem wichtig war, um eine Braut zu werden. Sie wusste immer noch nicht, ob sie Malachai dankbar sein sollte oder ihn dafür treten wollte, dass er ihr so die Schamesröte in die Wangen getrieben hatte. Was hat er denn schon gemacht!? Es war doch nur ein Kuss....Nun, so redete sie es sich wenigstens ein, um damit leben zu können. Das Gebet ordnete halbwegs die Gedanken und ließ sie auf das richten, was es noch zu erledigen galt. Liralia musste noch aufgesucht werden, um mit ihr zu besprechen, ob sie die Teestunde mit ihr durchstehen würde bei Hochgeboren von Dragenfurt. Cyrion wollte ihr ein Kleid besorgen, doch wahrscheinlich würde sie sicherheitshalber auch sich darum bemühen. Es war zwar eine fürsorgliche Geste....aber sie erinnerte sich noch zu gut an die Unfähigkeit der Männer im Dorf, die Figur einer Frau ausreichend zu beschreiben. Selbst das Hemd, welches er ihr mitgebracht hatte, zeigte viel zu viel von den Schultern und wahrscheinlich würde es sehr, sehr, sehr lange dauern, bis sie es wirklich einmal vor ihm anziehen würde.
Der Weg führte sie direkt zurück in die Herberge und ihr Zimmer, welches sie derzeit bewohnte. Nur noch ab und an kam sie am Kloster vorbei, um nachzufragen, ob alles beim Rechten geblieben war und immer wieder versicherte Bruder Cassian ihr dieses. Natürlich wenn man von dem gewöhnlichen Trubel absah, der ab und an herrschen konnte.
Rasch wurde Papier und Tinte auf den Tisch gelegt und ein Schreiben verfasst, um es später einem Boten zu überreichen, welcher Hoheit von Hohenfels suchen sollte. Der Lohn für das Wegegeld würde zumindest reichen, um ihn auch in Varuna zur Not suchen zu lassen...oder die Wachen vor den Toren dort mehr als einmal zu befragen. Sie hatte es schlicht gesiegelt, ohne Zeichen, jedoch die Mühe der Buchstaben diesmal ordentlicher gewählt. Nur zu gut waren noch die Worte der Hochgeboren in ihrem Schopf, dass man sich in einem Brief besser ausdrücken musste als meist zu Wort:

Der Herrin Segen, Hoheit von Hohenfels!

Ihr werdet euch wohl nun fragen, warum meine Zeilen ohne einen Deut der Gefahr oder wichtigen Meldung. Wahrscheinlich werden die Brauen sich heben und dann zusammenziehen und nur zu gut eure Miene vorstellbar, wenn ihr mein Zögern in diesen Worten herauslest.
Und doch ist jener Belang auch eine wichtige...wichtig für meine Person.

Vor kurzem teilte mir Cyrion mit, dass die Liste, die die Auflistung des Muntschatzes beinhaltet, bald abgearbeitet sei und so die Punkte erfüllt wären. So würde es an dem Vormund liegen, jenen zu prüfen und mit der Liste Fräulein Saveas abzugleichen.
Mir ist bewusst, dass ihr wichtige Aufgaben derzeit habt und sofern ihr jene Aufgabe nicht übernehmen könnt und möchtet, bitte ich euch zumindest, mir eine Person zu empfehlen, die jenes übernehmen könnte.

Derzeit bewohne ich eines der Herbergszimmer in Adoran und hier zu erreichen, sofern ihr eine Antwort mir zukommen lassen möchtet.

Leah.
Cyrion Sha´Ar

Beitrag von Cyrion Sha´Ar »

Müde kam er zuhause an und liess sich in einen Stuhl sinken. Wieder hatte er etwas erreicht. Wieder war er einen Schritt näher an den Muntschatz gekommen. Das Weisse Bärenfell, das Savea verlangte... Er hatte die Barren zusammen. Barren im Wert von etwa 30-35 Kronen... an die 70 Barren... Genug um die Felle zu bezahlen. Magieresistenz... Aus Coelium und Pyrian. Jetzt brauchte er nur noch die Anguren. Mit den Bunjams reden, die Kontakt zu ihnen hatten. Mit dem Bankier in Bajard reden, sollte er einen von Bryns Familie dort sehen.

Das Bärenfell...
Die Dämonenknochen...
Und dann noch das Artefakt - das Auge.

Er würde bald das Gold für alle die zusammen haben.

Was konnte er noch tun, das er Gold zusammen tragen konnte? Er konnte sein Holz verkaufen. Er hatte reichlich davon. Sein Holz ja. Der Preis für Holz war zur Zeit so hoch, das die Leute Kopf standen. Eine Chance, die nur ein Dummkopf sich entgehen liess. Und ein Dummkopf... nun er war vieles, aber kein Dummkopf.
>Lira würde das anfechten....<
Ein Mundwinkel zog sich hoch. Sie würde schon die Tatsache anfechten, das er ein Recht auf seine blosse Existenz hatte. Würde sie die Mutter anbeten, würde sie in ihren Gebeten wahrscheinlich manchmal mit Mutter streiten, ob die Welt einen Cyrion Sha'Ar brauchte - zumindestens, wenn sie wieder streitlustig war.
Seine Gedanken mit einem Kopfschütteln vertreibend, begab er sich milde erschöpft gen dem Arbeitstisch... Er musste Briefe schreiben. An den Bankier zu Bajard, ein neues Schreiben für die Tafeln dort... sehen, ob seine Anfrage wegen dem Auge inzwischen unter neuen Papieren untergegangen war...
Es gab noch einiges tun...
Tief einatmend griff er zu Pergament und Feder.
Cyrion Sha´Ar

Beitrag von Cyrion Sha´Ar »

Nur noch zwei Bünde Dämonenknochen... Zwei Handvoll in etwa... vermutlich weniger. Dann würde ihm nur noch das Auge fehlen. Und das Haus. Das Haus nicht zu vergessen...
Aber das würde er nun erstmal hinten anstellen. Das Gespräch mit Adrian war gut gewesen. Er wollte sich das mit der Vormundschaft durch den Kopf gehen lassen. Cyrion hatte gedacht, seine Karten sähen verdammt gut aus. Vielleicht würde Adrian den letzten Punkt streichen. Das zweite Artefakt - das Auge. Womit er nicht gerechnet hatte, war, das Adrians Amnesie ihm einen Strich durch die Rechnung machen würde. Adrian hatte Leah vergessen... und damit auch Cyrions Beziehung zu Leah. Und das Leah unglaublich scheu war, wenn es um solche Belange wie Liebe, Verlobung, Heirat und allen andere Dinge ging, die damit zu tun hatten.
Adrian hatte mit ihr gesprochen... Und war nicht überzeugt, das sie Cyrion wirklich heiraten wollte. Wie konnte Leah auch überzeugend sein, wenn ein vieldeutiger Blick sie schon erröten und stottern liess?
Werbe um sie, hatte er gesagt... Er, Cyrion, sollte dafür sorgen, das sie nicht zögerte, wenn es um die Frage der Verlobung ging. Ihm praktisch entgegen flog mit der Bitte, sie vom Fleck weg zu heiraten.
Leah? Nicht zögern? Nicht zögern vor einer Verlobung? Gar einer Hochzeit? Der Mann musste Fantasieren! Cyrion nannte sie nicht umsonst sein Reh! Rehe waren Fluchttiere!
Er atmete tief ein, als er mit einen nach Rosen duftenden Säcken und einem kleinen Straus Mischblumen die Tür zur Herberge hinein trat. Ich muss ein Reh zähmen... ging ihm durch den Kopf, als er den überraschten Wirt zunickte.
"Grüsst euch. Lasst ihr mich eben in Fräulein Da'Kaar's Zimmer? Wie ihr seht, will ich sie überraschen."
Der Teller, der gerade geputzt wurde, wurde beiseite gelegt, als der Mann den Kopf bedauernd schüttelte.
"Ich kann euch nicht einfach in ihr Zimmer lassen, wenn sie nicht da ist."
Ein Mundwinkel wurde zur Seite gezogen, als er wieder ein kleines Hinderniss vor sich hatte.
"Dann kommt mit und steht meinetwegen in der Tür. Ich will nur etwas vorbereiten, was sie freuen wird... sollte..." er hielt erneut inne. "Ich hoffe, es freut sie."
Skeptisch wurde er betrachtet, bevor er langsam nickte. "Ich werde gleich die Zimmer saubermachen - ich kann mit Fräulein Leahs anfangen und ihr könnt solange drin bleiben, wie ich brauche... Aber nicht länger!"
Ein breites Grinsen zeigte sich auf seinen Zügen. Na bitte - geht doch! "Einverstanden!"

Rosenduft war zart in dem Zimmer warzunehmen... Duft, der von den Blütenblättern aufstieg, die auf ihrem Bett und ihren Kissen verteilt waren. Eine Decke aus weisen Rosenblüten... Wieder mal hatten seine Rosenbüsche zu Hause hergehalten. Rasch setzte er die letzten roten Rosenköpfe auf die Decke, während der Wirt breit grinsend zusah.
"So... fertig..." gab er leise wieder und nickte zufrieden, als er etwas zurück trat und den Satz beäugte, den die Blüten bildeten.

...mehr als alles andere

"Gut... dann lass uns vorsichtig die Decke darüber ausbreiten..." Überraschung löste der Mann seine verschränkten Arme. Er hatte, nachdem er beobachtet hatte, wie Cyr hier und da Zettel mit Schnüren festband, interessiert beobachtet, wie Cyr weiter vorging und das Saubermachen völlig vergessen. Cyr hatte ihm auf Fragen einige der Zettel lesen lassen.
Hier liebe ich dich besonders...
Hier denk ich an dich...
Hier träum ich von dir...
Wo die Stellen nicht wirklich ersichtlich waren, hatte er noch eine Blume hinzugefügt...
Beim Obstkorb eine Traubenhyazinthe. Stiefmütterchen lagen hinter der Kerze auf ihrem Nachttisch. Eine Narzisse beim Fenster. Eine jede Blume hatte ihre Bedeutung. Eine Knappin würde gewiss auch die Blumensprache erlernen - es gehörte einfach zum guten Ton.
"Warum wollt ihr das zudecken?! Der Anblick würde jede Frau von den Füssen fegen!" Der Wirt sah sich nochmal um. "Ihr gebt euch mehr Mühe als jeder andere, den ich bisher kennengelernt habe."
Den leichten Stoff der Decke greifend, reichte er ihm seine beiden Ecken.
"Weil ich ich möchte, das sie nach und nach alles entdeckt... Wie bei einem Puzzle. Dann freut sie sich immer wieder aufs Neue." Innerlich dachte er allerdings auch: [k]Sonst könnte das ein gewaltiger Schuss in den Ofen werden...[/k]
Vorsichtig breitete er mit des Wirts Hilfe den leichten Sommerbezug auf dem Bett aus. Die Blütenblätter würden dadurch nicht zerdrückt werden, aber dafür mochte es sein, das man an der leicht unebenen Oberfläche über den Blütenköpfen erahnen konnte, das da etwas darunter war. Er legte noch rasch mit einem verschmitzten Lächeln eine Krokus auf die Mitte des Bettes. 'Ich sterbe vor Unruhe' - das war eine Bedeutung, die die Krokus haben konnte... Passend, so dachte er.
"So... dann mal hinaus... der hier kommt noch aussen an die Türklinke." Gab er wieder und deutete auf auf den kleinen Blumenstrauss in seinen Händen. Eine Primel, Aurikel, Anemone, sowie weisser und dunkler Flieder. Das ganze mit Himmelschlüssel umringt. Ein Kärtchen steckte auch in diesem Strauss - ein einfaches
Ich liebe dich....
Ein kleines Lächeln umspielte seine Züge. Er würde zugern ihr Gesicht sehen, wenn sie eine Überraschung nach der anderen fand. Nun er würde sie vielleicht irgendwann heute noch sehen... Vielleicht auch erst morgen. Er würde sehen...
Als sie beide aus dem Raum waren, band er den Straus an die Klinke, dankte dem Wirt und ging gut gelaunt summend seiner Wege.
Cyrion Sha´Ar

Beitrag von Cyrion Sha´Ar »

Margeriten.... oder viel mehr ihre Blütenköpfe... mit kristallener Süsse versehen... Ein kleines Herz aus kandierten Margeriten. Kandierte Veilchen lose darum verteilt. Eine Süssigkeit auf einem Teller an ihrem Nachttisch. Umsichtig setzte er einen kleinen Zettel dazu.

Ja sie sind essbar. Auf das sie dir den Tag versüssen...
Cyrion
Sie hatte ihn wissen lassen, das sie Margeriten mag... Und er dachte, etwas originelleres als ein blosser Strauss würde ihr gewiss mehr gefallen. Nun er würde es letztlich feststellen.
Wenn sie ihn heute abend empfing, um erneut den Kirschjoghurt zu geniessen, war sie ihm wohlgesonnen.
Wenn es wieder überwältigend für sie war, wie seine letzte etwas originellere Aktion... Dann würde er erneut nur ihre Staubwolke bewundern können, die sie hinterliess.
Bei ihr musste man wirklich in Massen vorgehen. Ein Blümchen hier, ein kleines Sträusschen an ihrem Fensterbrett, immer einher gehend mit einer kleinen schwarzen Feder oder einem zu einem Vogel geschnitztem dunklem Stück Holz, kaum drei Finger breit in der Flügelspanne.
Kleine Erinnerungen, damit sie mit einem Lächeln an ihn dachte. Damit sie mit Überzeugung Ja sagte, wenn der Muntschatz beisammen war.

Der Muntschatz... er war verändert worden... Die Artefakte nicht länger Teil davon.
Dafür musste er zwei einzigartige Gegenstände für sie erstellen... Etwas, was er bereits in Arbeit hatte. Das Juwel.... und der Holzadler. Beides einzigartig. Das Juwel her wegen der Idee und Thancreds und seiner Zusammenarbeit. Der Adler... nun diesen einen Adler konnte, wie er war, nur Cyrion schnitzen. Sein Stil... seine Arbeit. An und für sich konnten andere es vielleicht besser... und schneller... Aber dies war Cyrions Adler für Leah... in seinen Augen einzigartig genug.

Noch einmal blickte er sich aus dem Fenster um, bevor er sich genauso aus diesem stahl, wie er eingestiegen war. Wenn der Wirt ihn nicht reinliess, musste er sich andere Wege suchen. Mit einem verschwitzten lächeln schloss er das Fenster wieder und begab sich zu seinem wartenden Pferd im Stall... Es gab noch einiges zu tun. Doch nun war sein Ziel endlich in greifbarer Nähe!
Zuletzt geändert von Cyrion Sha´Ar am Samstag 27. Juni 2009, 16:18, insgesamt 2-mal geändert.
Leah Katuri

Beitrag von Leah Katuri »

Es war wieder spät geworden an diesem Tag. Die Messe in der Kirche, der Ritt nach Berchgard und gen Kloster, wobei sie wieder einmal unbewusst Zoes Haus länger in Augenschein nahm. Sie hatte Zeit und keinen Druck im Nacken, sodass Teron im langsamen Schritt unter ihr den Weg beschritt und sie sich vom Wiegeschritt des Braunen einlullen ließ. Scheppernd gesellte sich der Klang der Rüstung dazu und hier und da zupfte ein Sommerwind an ihrem Wappenrock, um sie doch nicht gänzlich einschlafen zu lassen.
Der Ausritt war ruhig, kein Mensch gesellte sich aufmerkend in ihr Blickfeld oder rief den Anlass herauf, Alarm zu schlagen. Selten in diesen Zeiten, konnte man doch selbst kurz vor Adoran mit unliebsamen Begegnungen rechnen.

Die Prozedur am Stadttor dauerte wieder seine Zeit. Teron wurde gerade gründlich untersucht, während sie dem Wachmann wieder einmal erklären durfte, dass die Rüstteile sorgsam verstaut werden in der Herberge, wo sie sich umkleide. Wie immer sollte jemand dies bestätigen und wie eh und je benannte sie Erindo, den Herbergsbesitzer. Das Schwert jedoch gab sie brav ab, ehe sie mit Pferd und Rüstung zur Herberge ging, wissend, dass in der nächsten halben Stunde ein Wachmann zur Kontrolle erscheinen würde. Es war ihr Recht...und eigentlich auch egal. Zumindest machten die Männer ihre Arbeit und das gewissenhaft. Sie grüßte rasch in den Tavernenraum hinein, Erindo so wissen lassend, dass sie zurück war und zielte mit dem nächsten Umwenden direkt ihre Tür zum Zimmer an. Alles schien mit dem ersten Blick wie immer...
Die Riemen des Halsschutzes wurden gelöst und gesellte sich mit den eingehakten Fäustlingen bald auf den Tisch. Rasch und routiniert waren die Bewegungen in der Rüstung und zeigten, dass sie es schon allzu sehr gewohnt war. Die Armplatten fanden neben den kleinen Teilen nun den Platz auf der Platte, als sie sich umwendete und den Zopf zu lösen begann. Seufzend wendete sie sich zum Bett, auf die Kante setzend, die nächsten Riemen bearbeitend, als sie innehielt.

Der Blick starr zum Nachtisch, fuhr sie geradezu wieder auf und ließ den Blick wachsam durch das Zimmer schießen. Wer hatte...? Ein langsames Dämmern, der Blick schoss zwischen Tür und Fenster und sorgte mit dem nächsten Gedanken bereits für ein Aufglühen der Wangen. Ein Einbrecher, der nichts stahl, sondern etwas hinterließ....eine Sache, mit der wohl kaum jemand umgehen konnte. Unbeholfen ließ sie den Blick noch etwas über das Herz vor sich und dem Raum pendeln, um mit einem leisen Raunen sich zunächst dazu zu entschliessen, sich umzuziehen. Der Wachmann konnte jederzeit klopfen und sie wollte nicht unbedingt im halben Kettenhemd ihm noch öffnen. Heiß durchdrang das Blut die Wangen bei dem weiteren Gedanken und die Scham durchschoss sie Momente. Rasch waren sämtliche Teile geordnet, abgelegt und jederzeit wieder greifbar, getauscht durch weitere Leinenstoffe an ihrem Körper nun, als sie sich endlich die Zeit nahm, sich im Schneidersitz auf das Bett zu setzen und eine der Blüten samt Notiz an sich zu nehmen. Kurz huschte ein Lächeln über die Lippen, als sie die wenigen Zeilen las.

„Essbar...“ Schmunzelnd drehte sie die Blüte etwas in den Fingern hin und her und betrachtete das samtene Glitzern auf den hellen Blättern. Ob er sie in Honig getunkt hatte? Sie hätte wohl nicht herausblitzen lassen sollen, dass sie hier und da manchmal eine Naschkatze war. Das Lächeln vertiefte sich eine Spur und eines der Blüten abzupfend, wurde es testweise in den Mund geschoben.
Eine Spur bitter und doch durchzog sofort der süße Geschmack den Mundraum, legte sich auf die Zunge und hinterließ so einen vollkommen eigenen Ton. Sie würde wohl hier und da noch probieren, doch das gesamte Kunstwerk zu zerstören war nicht in ihrem Sinn.

Mümmelnd legte sie die Blüte ab und ging in den Schankraum, um dort nur den nächsten Brief zu erhalten von Erindo oder vielmehr...von einem jungen Burschen, der wild auf den Herbergsbesitzer einredete und zu erklären versuchte, dass das Schreiben nur persönlich abzugeben sei. Es dauert nicht allzu lang, bis die Fronten geklärt und die Knappin ihr Schreiben bekam, die Zeilen las und die Miene etwas leidlich verzogen wurde. Ja, sie mochte die Freiin und das Geschenk war...wirklich nett gemeint. Sie mochte schon die Anpassungen der Rüstung nicht...das ständige Präsentieren, anprobieren, umkleiden...langsam atmete sie durch und sagte dem Jungen, er würde Antwort erhalten, jedoch erst am nächsten Tag. Rasch war noch das Abendbrot geordert und die Schritte der Knappin führten sie wieder ins Zimmer, wo der Brief achtlos auf dem Tisch landete.
Ein weiteres Mal musste sie aufschmunzeln...Ich hoffe, er macht sich das nicht zur Gewohnheit. Der Blick gen Fenster, überprüfte sie unbewusst die Gegend.

Man würde sehen, was dem Raben noch einfiele...die Knappin ließ die Gedanken jedoch an dem Abend in andere Richtungen schweifen und beschäftigte sich vor allem damit, wie sie den Besuch bei einer Schneiderin umgehen konnte...
Cyrion Sha´Ar

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Späne lagen auf dem Tisch und auf seinem Schoss, die er grob wegwischte, während er einmal mehr den Vogel im Ganzen betrachtete. Wie lange arbeitete er nun wieder an dem Adler? Jenen in Lebensechter Grösse, wie er auf einem Holzpfahl sass, die Flügel ausgestreckt, als wäre er gerade gelandet und hätte erst jetzt sein Gleichgewicht gefunden.
Er wusste es nicht. Er hielt sich wieder mal mit Tränken gegen Müdigkeit und Katzenauge über Wasser. Er wollte so wenig Zeit wie möglich verschwenden und rasch fertig werden, auf das er ihr eine Freude machen konnte und den Brautschatz endlich beisammen hatte.
Draussen war es wieder mal dunkel - nur das diesmal ein Hauch von Röte den Horizont überzog. Verdammt, er hatte wieder mal die ganze Nacht gearbeitet, ohne es zu merken...
Dafür war nun ein Fuss soweit fertig, die Krallen sich scharf gebogen ins Holz grabend. Die Flügel ausgestreckt, waren sie leicht nach hinten gerichtet. Staub hatte sich auf ihnen gefunden, als er den Vogel vor vielleicht zwei Wochen wieder angegangen war Die Flügel hatte er schon vor Monaten gefertigt, den Vogel aber dann wegen dem Mundschatz ruhen lassen. Als Adrian ihm auftrug, ihr etwas besonderes zu geben statt der elendigen Artefakte, war ihm sofort der Vogel ins Gedächtnis gekommen und er hatte an ihm weiter gearbeitet. Hatte den Rücken und den Schwanz geschnitzt. Die Federn wirkten etwas Windgerüttelt, die Holzmaserung würde, wenn er die Feinarbeit anging, hier und dort gut mitspielen, die Federn schattieren oder ihnen dunklere Ränder geben, wie es bei den Vögeln manchmal tatsächlich so war. Der Kopf war bisher nur grob ausgearbeitet, kaum mehr als ein Klotz in Greifvogelform. Auch die Brust war bisher kaum mehr als eine grob beschnitzte Fläche, hier und dort auch noch die Zeichnung eines Kohlestiftes zu sehen. Der zweite Fuss war bisher nur in der Nähe des Ersten etwas ausgearbeitet, der Rest immer noch ein Stengel mit Klötzen als Zehen dran.
Sich zurück sinken lassend, atmete er seufzend aus. Er war müde. Seine Augen brannten leicht. Sie würden stärker brennen, hätte er nicht von einer Heilerin gesagt bekommen, wo er Augentrost fand - jene kleine Pflanze, deren Saft man einfach aus dem Stengel direkt ins Auge pressen musste und schon fand man Erleichterung bei gereizten Augen. Er hatte noch so viel zu tun... Feinarbeit... Schleifen, polieren, mit klarer dunkler Holzfarbe lackieren, wo die Vögel gewöhnlich dunkler in der Farbe waren. Doch für jetzt war er erstmal fertig...
Die Katzenaugen, deren Pupillen gross, schwarz und rund waren, blickten gen den sich erhellenden Himmel und wichen etwas von ihrer runden Form ab, versprachen bei weiterem Licht, eine geschlitzte Form an zu nehmen.
Der Trank, der Müdigkeit vertrieb, war am abklingen. Er konnte es spüren. Vielleicht noch 10 minuten... 15 höchstens - dann würde er so müde sein, das einschlief, egal,was er gerade tat. Er sollte aufstehen und hochgehen. Sich erhebend, wischte er Holzspäne von seinem Wams wie auch von seinen Hosen, schüttelte die Beine aus und hüfte überrascht, als Ameisen sich in seinem Bein bemerkbar machten. Kurz darauf fluchte er lauthals, als aus den wenigen Ameisen in ein zwei Minuten ganze Ameisenhügel wurden, darauf versessen, ihn merken zu lassen, das er in der Tat Beine hatte.
Scheisse...!
Dachte er mit Inbrunst, während er die Augen zusammen kniff, sich in den Tisch festkrallte und es nicht wagte, sich zu bewegen. Er hatte während des Arbeitens wieder den Bezug zu Zeit und Raum verloren. Ein Grund, warum er nur Abends und an freien Tagen an dem Vogel arbeitete - so wie heute..
Als das Kribbeln abklang, wischte er mit den Händen grob die Späne auf und schob sie in den Abfalleimer. Aufräumen konnte er, wenn er wieder wach war. Wieder flog sein Blick über den Vogel. Musternt, schätzend, äusserst kritisch.
Doch ja, er gefiel ihm. Er hoffte, das er auch Leah gefallen würde. Mit einem kleinen Lächeln begab er sich die Treppe nach oben, Spähne aus seinem Haar fischend. Leah... Sie war derzeit auf Reisen im Auftrag von Darna. Er hoffte, das der Vogel fertig werden würde, bis sie zurück kam. Er hoffte ebenso, alles andere beisammen zu haben, so das er sie überraschen konnte. Vielleicht wieder etwas, wo sie eher flüchtete, wenn sie erschöpft von der Reise ankam und feststellte, das sie vom Fleck weg verlobt werden konnte. Hoffentlich würden die Geschenke sie so in Anspruch nehmen, das dieser Gedanke nicht so überwältigend wirkte. Aber bis es soweit war, hatte er noch einiges zu tun.
Nach dem Schlafen... Seine Gedanken wurden schwerer, wie auch der Körper, als Erschöpfung sich mit dem Abklingen des Trankes bemerkbar machte. Mutter... hatte er es übertrieben? Das die Müdigkeit wie die rasch hereinbrechende Dunkelheit in der Wüste über ihn herfiel? Es fiel ihm schon überraschend schwer, sich zu entkleiden, die Glieder bleischwer werdend. Als er sich ins Bett begab, waren seine Sinne in Dunkelheit umhüllt, kaum das sein Kopf das Kissen berührte.
Cyrion Sha´Ar

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Vorsichtig hobelte er die Federn aus dem Holz, folgte den Linien, die er eingezeichnet hatte. Der Übergang von Kopf und Hals in den Rücken, von der Brust in den Bereich des Bauches mit den Beinen. Wieder lagen allerlei Holzschnipsel um ihn herum, zierten seine Beine, flogen ihm sogar in den Zopf, während er draussen im vollen Licht arbeitete, den Vogel auf dem Rücken liegend auf seinem Schoss. Es war unbequem, aber da das Licht hier oben besser war, nahm er es hin... ebenso wie die kleinen Schnittwunden an seinen Händen, wo er schon mal abgerutscht war. Bald... Bald konnte er mit der Feinarbeit anfangen. Federn genauer ausarbeiten. Linien in den Beinen... das Windzerzauste Gefieder besser darstellen. Der starre wachsame Ausdruck des Vogelgesichtes... und letztlich der Pfosten, auf dem er stand, diesen Alt wirken lassend. zerschliessen von Wind, Sonne und Regen. Risse darstellen... das grob Behauene...
Ja... er war sich sicher, sie würde sich freuen. War sich sicher, das dies etwas war, was sie durchaus als etwas besonderes erachten würde. Zusammen mit der Rose würde er dann den Schatz voll haben... er musste nur noch Lira treffen, hatte er doch Wort erhalten, das sie weitere Knochen für ihn hatte. Und wenn sie erstmal verlobt waren... dann... ja dann...
Er hielt inne, einen moment ins nichts starrend und seufzte dann ergeben, weiter schnitzend..
...würde sie ihm die Hölle auf Erden bescheren, wenn er tatsächlich 'mit dem Flug ihren Acker umgraben' würde, wie man es landläufig gerne umschrieb. Ein paar Kirschen pflücken mochte drin sein, aber die eine... Er fragte sich langsam, ob Priester, die nicht heiraten durften, so fühlten. Eunuchen mussten recht glücklich dran sein, sich nicht damit auseinander setzen zu müssen, das der Wille da war, aber ein unsichtbarer Keuschheitsgürtel einem den Zugang verwehrte - und der einzige Schlüssel ein Ehering war. Während er im Trockenen hing, durfte er zusehen, wie sein Bruder schon das zweite Mal Vater wurde. Etwas frustrierend allerdings.
Wieder hobelte er Spähne fort, liess sie vom Wind davon wehen. Seine Bewegungen waren gemessen, konzentriert. Immer wieder blickte er den Vogel im Ganzen an, um zu prüfen, ob es wirklich passte. Das Holz war nicht einfach zu bearbeiten. Schwere Eiche, der Vogel dem entsprechend gewichtig. Aber dafür würde er Wind und Wetter standhalten können. Er plante, diesen Vogel auf einen der Pfosten zu stellen, die das Tor zieren würden. Auf dem anderen Pfosten würde er einen Raben setzen, mit in etwa derselben Haltung. Ungewöhnlich die Paarung, ja... Es mochte sein, das manch einer in Adoran dann über ihn rätseln würde.... aber das machte ihm wenig aus. Wer sich wundern mochte, konnte ihn gerne dazu fragen. Er würde nicht verbergen, wer er war. Würde nicht verleugnen, das er dem alten Glauben an die Vögel des Schutzes - die Raben - anhing. Es war nichts Schlechtes daran und er würde sich dies auch von niemanden einreden lassen.
Wieder zeichnete sich eine Feder ab, nahm Form an und er ging zur nächsten über. Aye... Er hatte viel gegeben für dieses Mädchen. Er würde wohl auch noch mehr geben, bis sie vollends die seine war. Das einzige, was er noch tun müsste, war sie überzeugen. Und daran arbeitete er... Wenn er sie auch gerade nicht durch kleine Aufmerksamkeiten an sich erinnern konnte. Sie war verreist... Er wusste nicht, wann sie zurück kommen würde. Und dabei vermisste er sie jetzt schon.
Tief einatment blickte er hoch, zur Sonne. Aye es war bald soweit. Den Vogel zur Seite legend, stand er auf und wischte sich das Holz vom Leib. Er musste bald wieder los zum Dienstantritt. Rasch verbrachte er den Vogel wie auch sein Werkzeug in den Keller, bevor er sich umzog und gen Adoran ritt... Dienstantritt... Eine feste Anstellung bei den Hohenfelsens. Etwas, dem er ebenfalls mit Vorfreude entgegen sah. Bald schon war er auf dem Weg, ritt gen Bajard. Das einzige was zurück blieb waren Schreie von Raben... und im Wind fliegende Holzspäne.
Cyrion Sha´Ar

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Es war nicht leicht, mit einem Stichel zu arbeiten. Oder einem kleinem Messer. Winzigkeiten hier und da weg zu hobeln. Feinste dünne Späne oder auch mal eine flache breite Fläche, dünn wie kräftiges Pergament, zuweilen gar durchscheinend wirkend. Hier und dort arbeitete er Unebenheiten ins Gefieder, war es ja nicht so, das man jede einzelne Feder sehen konnte. Nur dort, wo der Wind schon mal in einer Böh gegen die Federn fuhr, hoben sie sich etwas vom restlichen Gefieder ab, bis der Vogel sein Gefieder rüttelte und und Wind wie Bewegungen sie wieder geschmeidig und glatt erschienen liessen - einzig leichteste Unebenheiten und Farbveränderungen mochten eine Erkennung möglich machen... Doch so wie der Vogel sich hielt, würden viele Federn klar erkennbar sein... Federn am Hals... an den Füssen... Der Schwanz. Und natürlich die Flügel. Aye... die Flügel würden die meiste Feinarbeit brauchen. Eine elendige Arbeit, aber machbar... Jede Schwungfeder war klar erkennbar. Die Federn, die sie bedeckten ebenfalls. Das Holz hier war vergleichsweise dünn - konnte gegebenfalls brechen. Er musste vorsichtig sein, den Vogel nicht fallen zu lassen oder ernsthaft irgendwo an zu stossen.
Mit dem Stichel kerbte er die Federn ein. Gab ihnen Individualität. Adern hier und da dargestellt, Kerben hier und da... Schnabel und Augenlinien nachziehen. Den bleichen bekrallten Füssen etwas gebend, das sie natürlicher aussehen lassen würde. Feinarbeit... er würde sie nicht an einem Tag schaffen, wenn er durcharbeitete. Vermutlich gerade so an zwei Tagen. Aber da er immer nur für ein paar Stunden arbeiten konnte...
Er würde Darna fragen müssen, ob er einen Tag, vielleicht sogar zwei haben durfte, um in Ruhe zu arbeiten. Möglich, das er so schneller fertig werden konnte und nicht unter Umständen noch über eine Woche brauchte.
Wieder rieselten mit jedem Zug feinste Späne an ihm vorbei. Er musste sich stehts dran erinnern, das er es nicht übertreiben sollte mit der Detailiertheit. Er liebte Vögel und schnitzte gerne... Er arbeitete bereits lange genug an diesem Stück hier, um sagen zu können, das er bei weitem zu langsam arbeitete, um je ein Schnitzer genannt zu werden. Und er arbeitete nicht fehlerlos... Es gab Fehler. Stellen wo er abgerutscht war. Stellen, wo er etwas zuviel weggeschnitten hatte... Doch wusste er, wie dies zu kaschieren. Wusste er, wie man andere Stellen mit Farben verstecken konnte. Einen Berufsschnitzer würde er damit nicht narren können, aber Leah, die keine Kennerin war... Und andere...
Wieder arbeitete er an einer Feder, bekam etwas von den Spänen in die Nase und musste sich wegdrehen um heftig zu niesen. Gott, dieser Holzstaub, dieser Kleinmist, den die leichteste Brise, sogar der eigene Atem, davon wehen konnte, er ging ihm gehörig auf den Geist. Holzmehl lag hier und da auf, wo er mit der Pfeile am Werk gewesen war, um die Krallen und den Schnabel oder auch die eine oder andere Feder besser auszuarbeiten.
Draussen war es warm genug, das er, wenn er hier kurz sauber machte, sich abduschen konnte, um auch den Staub an sich los zu werden und weiter zu arbeiten. Der Blick ging zum Fenster raus und ein Lächeln huschte ihm über die Züge... Aye... vielleicht sollte er genau das mal tun. Mit einem breiten Schmunzeln legte er die Werkzeuge nieder und begab sich nach draussen in den Garten, während der Adler allein gelassen auf dem Tisch hockte.
Cyrion Sha´Ar

Beitrag von Cyrion Sha´Ar »

Er hustete. Wind hatte den Feinstaub ihm in die Maske getragen, die er trug. Feinstaub... Überall. In den Falten seiner Kleidung, an seinen Händen, in seinen Augenwinkeln und noch aufliegend auf dem Holz des Adlers. Hin und wieder fächerte er den Staub davon, die Pergamentseite für diesen Zweck missbrauchend.
Schleifen. Glätten... Polieren. Hin und wieder die Maske abnehmen und Staub wegpusten. Manchmal auch einen Pinsel nehmend, wenn er nicht mit seinem Atem an die Stelle kam. Oder einen Strohhalm benutzend.
Langwierige Arbeit... Die mehr in den Nacken ging als alles davor. Als er den Nacken mal bewegte, hörte er es knirschen, dann knacken. Vielsagend bezüglich darüber, wie bequem das alles für ihn war.
Neben sich hatte er mehrere Pfeilen liegen. Glättsteine, ein Gefäss mit Feinsand, mehrere feuchte Tücher zum abwischen. Sauberes klares Wasser in einer Schale. Das und ein grosser Adler, der nicht daran dachte, so federleicht zu sein, wie seine Gestalt versprach. Er musste auf Stärke oder Leichtigkeitstränke verzichten - sie würden seine Handhabungen vielleicht verfälschen und er wollte nichts abbrechen.
Wieder schmirgelte er an einer Stelle. Milderte Linien ab. Lies matten Glanz entstehen, wo er meinte, keine Farbe auftragen zu müssen... vielleicht. Letztlich würde er erst am fertigen Stück sehen, ob noch was getan werden musste.
Er liess sich nun mehr Zeit. Erlaubte sich, nachts wieder durch zu schlafen - wenn er nicht gerade Wachdienst hatte. Der Morgen, an dem Adrian ihn mit einer Fuhre Wasser geweckt hatte, das er vor Schreck aus dem Bett fiel, hatte ihm gereicht. Er hatte seinen Dienst verschlafen... nicht das irgendwer ihm gesagt hätte, wann der Dienst exakt anfing, aber er konnte wohl davon ausgehen, das er wenigstens mit den Hausherren aufstehen sollte. Das sein eigener Herr ihn wecken musste...
Nein... dann lieber langsamer an den Vogel heran gehen, selbst wenn er nicht fertig werden würde, bis Leah zurück kam.
Es war ja nicht wirklich so, das es eilte... ging man davon aus, das seine Libido kein Stimmrecht hatte. Schwer seufzend fächelte er wieder Staub fort.. Staub, der zu kleinen Funken und Flämmchen wurde, sobald er über das kleine Feuer geweht wurde, das seine Bratäpfel, Maronen und Süsswurzeln röstete.
Gedankenvoll betrachtete er wieder den Vogel in einem Stück. Aye... er war gut geworden. Und er würde noch besser werden. Kein Zweifel daran, das er hier das eine Stück hatte, das Adrian von ihm verlangt hatte.
Mit einem Lächeln hob er den Stein, wieder eine Stelle zu glätten und zu schleifen. Leah würde sein sein... Und wenn es das letzte war, was er tat.
Cyrion Sha´Ar

Beitrag von Cyrion Sha´Ar »

Wieder strich er mit einem Pinsel die dunklere Teerfarbe auf. Er arbeitete vorsichtig, hatte schon mit hellerer, eher goldener, Teerfarbe die Teile bearbeitet, die bei dem Vogel ohnehin heller sein sollten. Nun allerdings bearbeitete er den Rücken, den Schwanz und die Flügel...
Der Anstrich würde eher aromatisch riechen, wenn er damit fertig war, nicht klebrig sein, wie manche vielleicht vermuten mochten... jetzt allerdings klebte es wie Schneckenleim und stank zum Himmel.
Zu stark die ätherischen Düfte, zu schwül das Wetter ohne wirklichen Wind. Er schwitzte, während er bei offenem Fenster im Haus den Adler bemalte, das das reiche Haar als hochstehenden Pflechtzopf zurück gebunden, auf das er nicht einfach am Adler festklebe. Es reichte ihm schon, wenn seine Kleidung an ihm feuchtgeschwitzt klebte. Wieder wischte er sich die Augenbraue, verschob das Stirnband etwas, welches schon feucht von Schweiss war. Heute war wirklich ein ausserordentlich heisser Tag. Aber es erlaubte der Farbe auch, etwas schneller als gewöhnlich zu trocknen. Genau das, was er brauchte. Dann würde es nicht allzulange dauern, bis er sein Haus wieder lüften konnte. Er hätte auch draussen arbeiten können, aber flog draussen zuviel Zeug herum. Pollen von den Nadelbäumen in der Nähe, Fliegen, Mücken, Ameisen mit Flügeln... Er wollte das nicht unbedingt am Adler mitkleben haben. Sich zurück lehnend ächzte er. Nur noch ein Flügel. Ein mikriger Flügel. Dann war er fertig. Keine Holzspäne mehr. Kein Holzstaub, der ihn zum Husten brachte. Kein Teer, in dessen Gestank er ertrank. Ein fertiger Holzvogel. Ein fertiges Juwel. Dann nur noch ein paar Dämonenknochen...
Und... ja. Diese verfluchten Wolfsfelle. Sie waren ja seltsamerweise immer noch Teil des Muntschatzes... Ersetzt durch Ettinhäute... und dennoch Teil des Muntschatzes in sofern, das er sie den Bunjams geben sollte, in seiner Hoheit beisein.
Den Bunjams von allen Leuten. Er verstand es nicht. Er vertraute Adrian, aber er verstand es nicht. Wann immer er mit Bunjams sprach, stellte er fest, das sie ein egoistischer Haufen waren, die nichts mehr gemein hatten mit den Hinrah, wie er sie einst kannte. Ein grosses Rudel. Denken und Handeln wie Wölfe... Tz... Ihn wunderte wirklich das 'Wolf' ihnen noch gewogen war, hatten sie mit Wölfen nichts mehr gemein, nein, sie vermenschlichten sie. Was interessierte einen Wolf in Gerimor, was ein Bunjam von ihm dachte? Einen Wolfsdreck!
Seine Lippen pressten sich zusammen, als er an die Worte dachte, die ihm entgegen geschleudert worden waren.
Wir sind mit den Wölfen verbrüdert... sicher. Glasklar. Wussten die Wölfe das?
Er bezweifelte es. Ein Wolf in Gerimor würde nur eines wissen, wenn er einen Bunjam sah: Ein grosser Zweibeiner, der aussah wie die Zweibeiner, die Jagd auf ihn machten, aber anders roch, unter anderem nach Revierfremden Wolf. Was würde ein Wolf tun, wenn er einem anderen Wolf begegnete, oder auch einem etwas, das er nicht einordnen konnte. Mit Vorsicht beäugen... nach Dingen suchen, die er erkannte. Bedrohen vielleicht. Wenn es nicht wegging, gar näher kam, angreifen oder wegrennen - kam darauf an, wie weit dieses fremde Wesen seinem Bau war und ob er fliehen konnte! Ein Wolf lebte im Hier und Jetzt - wie jedes Lebewesen, welches Mutter geschaffen hatte. Es interessierte sich nicht dafür, was ein Bunjam dachte oder tat. Er würde nicht hingehen, ihm die Pfote reichen und denken: danke, das du mich vor dem da verteidigt hast.
Weitere Worte waren gefallen, die ihn ernsthaft verärgert hatten. Wolfsschlächter. Würde er auch den Wald abholzen, wenn er krank wäre? Er schüttelte sein Haupt. Wie stumpfsinnig konnte man sein? Wie konnte man behaupten, Wölfe und ihr Verhalten zu kennen, wenn man es so offensichtlich nicht tat? Wie konnte man anderen absprechen, tatsächlich genug zu wissen, um eine eventuell harsche Entscheidung zu treffen. Wieder wurden ihm und anderen Gier vorgeworfen.
Götter... er behandelte Wölfe nicht anders, als Tiefländer vermutlich die anderen Waldtiere mit Ausnahme der Wölfe behandelte. Er behandelte alle Tiere gleich. Selbst die Raben. Er nannte Raben nicht seine Brüder, sondern seine Freunde, Gefährten oder Familiare. Er neigte vielleicht seinen Kopf, wenn er einen sah in Achtung dessen, was ihnen nachgesagt wurde, woran er glaubte. Aber er behandelte sie nicht, als wären sie heilig... Er behandelte sie nicht, als wären sie Menschen.
Sicher... Er war wütend, wenn jemand einen Raben abschoss - aber warum wurden sie abgeschossen? Nicht weil jemand ihre Federn haben wollte. Oder ihr Fleisch. Nein, sondern weil jemand glaubte, sie seien bösartig. Würden Krathor dienen. Es war etwas gänzlich anderes, sie abzuschiessen, weil man glaubte, sie seien böse. Dummheit... pure Dummheit. Und einen Wolf zu vermenschlichen, war genau das gleiche.
Nein... Er verstand es nicht mehr. Die Hinrah... das waren Tiefländer gewesen. Mit ihnen hatte er reden können. Mit ihnen konnte man diskutieren. Konnte man Dinge erklären....
Damals war auch Shaja noch dabei gewesen.
Shaja...
Sie hatte die Hinrah tatsächlich noch etwas lehren können. Genauso wie sie von den Hinrah lernte.
Sie lehrte, wie Wölfe tatsächlich dachten. Was für sie wichtig war. Sie lernte, wie Menschen dachten und zusammen lebten. Sie lernte genug, um zu wissen, das Menschen mit ihrem Denken schlimme Dinge anrichteten. Sie konnte mit den Tiefländern einigermassen auskommen. Verliess sie aber, als diese beschlossen, nach Lameriast über zusiedeln. Ob sie jetzt noch die Tiefländer verstehen oder achten würde? Er bezweifelte es.
Sie, die Wolfsfrau. Aufgewachsen bei Wölfen. Sie, die mehr Wolf als Mensch war. Die wölfisch dachte. Von diesem wölfischen Denken, vom Hier und Jetzt, war nichts mehr übrig, das er in diesen Bunjams erkennen konnte. Vermenschlichung der Wölfe. Nein... Das Erbe der ersten Tiefländer in diesen Landen war fort. Der Wunsch Falks nicht mehr vorhanden. Statt dessen mischten sie sich in die Belange der anderen, weil zufällig ein Wolf impliziert war, den sie nicht gesehen hatten. Dessen gesundheitlicher Zustand von ihnen nicht hatte beurteilt werden können.
Nein... es war ja so bequem, einem Städter zu brandmarken, er sei zu dumm, um einen Wolf beurteilen zu können. Und das zu jemanden, dessen Volk vom und im Wald lebte. Der zwar weit mehr von Vögeln verstand, als von den restlichen Waldtieren, aber immer noch genug wusste, um eine fatale Krankheit zu erkennen.
Wie lange hatte er damals die Wölfe beschlichen? Hatte sie beobachtet? Hatte lang genug geforscht, um zu entscheiden, das der Wolf nicht zu retten sei? Wieviel Zeit hatte er sich gelassen, um die wenigen noch gebrauchten Wolfsfelle aus eigener Bogenhand zusammen zu tragen? Jahre. Tage, nein Wochen der Beobachtung von Rudeln und Einzeltieren. Wenn sie gesund wurden, zog er weiter. Wenn es ihnen schlechter ging und er den Eindruck hatte, sie würden es nicht mehr machen... Ein einziger Schuss reichte.
Diese seltsame Behauptung der Tiefländer, das ein Fell eines kranken Tieres nicht mehr brauchbar sei... Bekamen kranke Tiere aus dem Nichts Risse und Wunden im Fell? Verloren sie Grundlos ihre Haare? Nein... Es mochte etwas verdreckt sein, stumpf vielleicht vom Glanze her, wenn es nicht mehr geputzt wurde. Vielleicht Ungeziefer... Aber all das bis auf den Glanz war auch bei anderen Fellen der Fall. Statt Dreck Blut... Flöhe vielleicht. Man wusch das Fell. Man kämmte es. Man behandelte es mit diversen Mittelchen, die nur Gerbern bekannt waren und schon war das Fell wieder hergestellt. Glänzte wieder.
Waren die Gerber der Tiefländer so schlecht, das sie nicht mal um diese Mittel wussten? Er wusste es nicht. Aber er war sich sicher, das Städter modernere Mittel besassen, bessere Mittel und mehr Wissen um die Behandlung von Fellen als Thyren.
Es gibt offenbar vieles, in denen jene, deren Sinne wach waren und nicht verblendet durch falsche Vorstellungen, besser waren als selbst die Thyren.
Wie sonst sollte er sich erklären, das die Thyren handelten, wie sie es taten? Wölfe vermenschlicht. Der Tod als etwas ungewolltes, selbst wenn ein jedes reissende hungrige Tier die Wölfe in dem Zustand, in dem sie waren, jene angegriffen hätte - leichte Beute - gerade für jene, die auch das Fleisch von Raubtieren verzehrten. Aber, ihm, einen Menschen, war es übel genommen worden. Weil er nicht das Fell liegen liess. Sondern es mitnahm, wie es ihm selbst Falk gesagt hatte, das es so sein sollte.
Er wusste genug um Wölfe, das er sie einschätzen konnte. Genug Wissen durch Gespräche mit Waldläufern. Gespräche mit Shaja. Wissen, das er aus Bücher bezog. Eigene Erfahrungen nicht zuletzt. Und trotzdem wurde er als Wolfsschlächter beschimpft. Wurden ihm Dinge an den Kopf geworfen von Leuten, die dann wiederum sagten: nein, wir beleidigen dich nicht, das wäre gegen unsere Ehre, da wäre gegen das Gastrecht. Was verstanden diese Leute schon von Ehre und Gastrecht, das sie beides auslegten, wie es ihnen gefiel und ihn trotzdem beleidigten, indem sie behaupteten er schlachte Wölfe ab aus Gier. Gier von allen Dingen! Das letzte, an das er dachte! War es Gier, das er alles sammelte und verwertete, was er vorfand, es aber nicht verbrauchte oder verkaufte, weil er dafür keinen Bedarf sah? War es wirklich Gier, das er 34 Felle zuhause hatte und dann nochmals Felle kaufte und ein paar von kranken Tieren erjagte, weil er sein Mädchen heiraten wollte und dies von ihm verlangt wurde? Es hätten Rotwildfelle sein können... Bärenfelle... Fuchsfelle... Bei jedem Tier wäre es ihnen vermutlich völlig egal gewesen. Aber weil es Wölfe waren... War dies GIER?
Nein...
Aber es war allerdings blanker Irrsinn von den Tiefländern, so zu reagieren. Und das von einem Naturvolk. Er konnte darüber nur den Kopf schütteln. Und sich ärgern, das er es sich gefallen lassen musste, sich beleidigen zu lassen, während er unter Gastrecht stand, welches sie behandelten, wie ihnen lieb war.
Und ihnen sollte er die Felle aushändigen. Er musste mit Adrian sprechen und ihn fragen, welche Pläne er dahin gehend hatte. Ob ihm bekannt war, das die Bunjams nicht länger mit jenen der Hinrah zu vergleichen waren.
Wieder tunkte er den Pinsel in den Teer und strich weiter über das Holz.
Es war eigentlich ein mittleres Disaster. Adrian, der von ihm wollte, das er die Felle... verschenkte. Als wäre er schuldig, was er nicht war. Welchen Plan verfolgte er?
Dann Savea, die frei verlangte, das er ihr die Felle zu übergeben hatte. Sie, die nicht länger der Vormund war. Sie, der er keine Rechenschaft mehr schuldete. Sie hatte kein recht dazu, ihm einfach einen Teil seines Besitzes abzuverlangen - Muntschatz oder nicht. Und jetzt wollte sie auch noch Nevyn mit einbringen. Diesen Fakelschwinger. Das war genau, was er gerade jetzt brauchte!
Die Bunjams, die sich anmassten, über ihn zu richten, ohne zu wissen, was gewesen war. Ohne, das es sie interessierte. Sie hörten nur, was sie hören wollten. Alles andere ignorierten sie.
Wieder schüttelte er sein Haupt, strich in ruhigen Zügen über die Schwungfeder, wenn er sich innerlich doch überhaupt nicht so ruhig fühlte. Er wusste nicht recht, wie er das alles handhaben sollte. Überlegte schon, ob er die verdammten Felle nicht einfach verkaufen - oder sogar verbrennen sollte. Sollte keiner sie haben, wenn sich alle darum stritten. Und doch... so bequem diese Lösung war, es war auch nicht das wahre...
Was konnte er tun? Im Augenblick nicht viel. Zu Adrian gehen und reden. Das konnte er am ehesten tun. Diese vermaledeite Sache mit den Bunjams endgültig über die Bühne bringen. Vielleicht konnte er dann in Frieden sein Mädchen ehelichen. Es wurde wirklich langsam Zeit, das er Nägel mit Köpfen machte.
Cyrion Sha´Ar

Beitrag von Cyrion Sha´Ar »

Trocken raschelte der Strauss, als er ihn vorsichtig vor sich hielt, dem Wirt entgegen. Diese blickte ihn perplex an, hatte er doch noch nie Blumen bekommen, geschweige den Trockenblumen von einem Kerl. Ja gut, er kannte den Kerl, insofern musste er grinsen.
"Weisst, zu dem Ufer musst du allein aufbrechen. Ich kann nicht schwimmen."
Cyrion lachte bei dem Kommentar, den er zu hören bekam, noch bevor er sagen konnte, wofür die Blumen waren.
"Die Ufer, die ich anstrebe, sind auch eher als die Gewässer von Da'Kaar bekannt. Das Fräulein ist noch nicht zurück gekommen?"
Fragte er gutgelaunt und liess den Strauss in den Krug gleiten, den ihm der Wirt hinhielt, sein Lächeln eine Spur gedämpfter, als der Mann den Kopf schüttelte.
"Ney, das Fräulein ist noch nicht wieder hier aufgetaucht. Wohl aber weiss ich, wo ich sie hinschicken soll, wenn sie zurück kommt. Milady von Hohenfels war da sehr genau." Er deutete auf den getrockneten Wildblumenstrauss. "Ich soll ihn ihr geben, alsbald sie zurück kommt?"
Der Krieger nickte leicht und liess den Blick kurz sinnend zu dem Strauss schweifen. Eine schöne Überraschung sicherlich, von ihm Blumen zu bekommen, die sich hielten, wenn er ihr schon keine frischen geben konnte.
"Aye den Strauss und dieses kleine Begrüssungsschreiben hier." Womit er ihm eine Pergamentrolle übergab, ein Grinsen auf seinen Zügen sichtbar werden.
"Oha... Wieder ein Versuch, das Herz der Dame zu gewinnen?" Ein erheitertes Brummen war von dem Mann vor ihm zu hören, während er beides beiseite legte und weiter Teller wusch.
"Aye, kann man sagen. Tja... ich bin dann mal wieder unterwegs. Vergesst es bitte nicht. Und habt Dank."
Sein Gegenüber lachte leise. "Wo werd ich, wo sie immer so ein interessantes Gesicht macht, wenn es um euch geht."
Mit erheitertem Schnaufen begab sich Cyrion wieder aus dem Gebäude zu seinem Pferd. Immerhin war schon mal für ein warmes Willkommen gesorgt... Und vielleicht auch für eine umso wärmere Begrüssung von ihrer Seite her, wenn sie ihn sah.

Wenn Leah das Schreiben und den Strauss denn erhalten würde, mit viel gutgelauntem Geschmunzel des Wirtes, würde sie folgendes nach dem Öffnen zu lesen bekommen:

Liebste Leah,

Wenn Du denn hier nach langer Reise wieder erscheinst,
Auf das Du auf unser Fehlen hin denn nicht gleich beweinst,
Liebste Freundin, Verweile nicht in Sorge und Verwunderung,
Begebe Dich sogleich gen dem werten Haus der Heilung.
Mit einem Lächlen Du dann beim Heilerhaus findest,
Was mit Liebe, Freundschaft und Heimat Du verbindest.

Wir erwarten Deiner getreu...

Cyrion Ceylon Sha'Ar
Und das Haus von Hohenfels.
Cyrion Sha´Ar

Beitrag von Cyrion Sha´Ar »

...Du widerst mich an...

Die Worte schwebten immer wieder in seinen Geist, während er wie immer Wache hielt am Fenster, die Stirn an das kühle Fenster gelehnt... Und mit ihnen ihre Haltung, ihr Gesichtsausdruck... ihr Blick. Ihre Worte ein Pfeil, der sein Ziel fand. Immer wieder, wann immer diese Worte in Momenten der Ruhe aus dem Nichts kamen, ihn heim zu suchen.
Ehrlichkeit... Er hatte mit ihr ehrlich sein wollen. Ehrlichkeit in Bezug auf die Vorstellungen, die er für diese Ehe hatte. Das sie so reagierte...
Sicher... Es war ein Bruch der Etikette gewesen. Alles war ein Bruch der Etikette gewesen an diesem Abend am See. Sein Versuch, sie zu verführen mit süssen Worten und Taten. Worte, die andeuteten, wie er sich die sehr privaten Nächte in ihrer Ehe vorstellte... Sinnliche Vorstellungen allesamt.
Konnte er wissen, das Sinnlichkeit etwas war, das in ihren Augen keinen Platz ausserhalb des Schlafgemachs in ihrer Ehe hatte?

Tagelang hatte er auf ihre Rückkehr gewartet, sich den Kopf zermartert, was er ihr sagen würde, wenn er sie wieder sah. War oft bei der Taverne eingekehrt, um zu fragen, ob sie wieder da wäre. Er hatte sie vermisst, auch wenn sie im Streit auseinander gegangen waren. Erinnerungen an ihr Lächeln waren in seiner Erinnerung aufgeblüht, süss und warm - Erinnerungen, die den Tag ihrer Rückkehr heiss herbei sehnen liessen.
Und am Tag ihrer Rückkehr... wieder Streit... Streit von allen Dingen... War er wirklich der Trottel, den sein Bruder ihn manchmal schimpfte, das er es nicht fertig brachte, nicht mit ihr zu streiten? War es einfach, das sie beide einander nicht mehr verstanden?

...Du widerst mich an....

Wieder schwebte dieser Satz in seinen Geist und vor seinem inneren Augen sah er ihr Gesicht, verzogen, als würde sie etwas widerwärtiges erblicken - ihn...
Tief einatment schloss er die Augen, doch der Schemen, der ihn heimsuchte, verschwand nicht. Er konnte es nicht ungesehen machen.
Wie konnte ein einziger Satz ihn so fertig machen? Es war wie damals, bei der Schneeballschlacht mit seinem Bruder, wo sie ihn so beschimpfte, das ihm schlecht wurde.
Wieder... Nicht eingehaltene Etikette...
Etikette... Ein steifes Gefüge, das so viele Seelen einfing und einsperrte, knechtete. Er hatte gedacht, im Privaten könnten sie lockerer sein. Sein, wer sie wirklich waren. Ein paar Minuten nur der, der er war. Keine Etikette. Keine Maske, die über die wahren Gedanken und Absichten hinwegtäuschte. Und ihre Reaktion darauf...

"Wider ich dich wirklich an? Ist dies dein Ernst?"

Er hatte sie das gefragt... Eine Schwäche, nach zu fragen, aber er konnte nicht glauben, das sie dies wirklich so gemeint hatte. Sie sprach so viel aus, wenn sie zornig war. Doch ja. Sie hatte es ernst gemeint. In diesem einem Moment, wo er die Maske abgenommen hatte, hatte er sie angewidert. Es hätte mal andere Zeiten gegeben, sagte sie. Die anderen Zeiten... in denen er nicht so ehrlich gewesen war Zurückhaltender war?
War es das, was sie wollte? Eine Maske mit seinem Gesicht? Freundlich? Zuvorkommend? Sie in angemessenem Masse auf angemessene Weise liebend? Nicht wirklich er?
Die Arme verschränkend, liess er den Blick schweifen. Ihm war kühl, obwohl es nicht wirklich kalt war. Tief atmete er ein und aus. Er wusste nicht mehr, was sie dachte. Wusste nicht mehr, was sie wollte. Sie lernte mehr und mehr über Etikette, über das Ritterdasein... Veränderte sich.
Es gab inzwischen soviele Streitpunkte, das er nicht mehr wusste, ob er wirklich das war, was sie sich als Ehemann wünschte. Wünschte sie sich einen Cyrion ohne Raben? Ohne Freunde wie Khazkal? Ohne Dinge, die ihr Ritterdasein stören könnten? Ohne ihr offenbar lästige Anwandlungen, sie zu verführen? Ohne den Wunsch, sie zu berühren? Was wollte sie von ihm? Er wusste es nicht. Frug er sie, bekam er nur zu hören: finds selber raus. Die Bissigkeit in ihrem Ton inzwischen etwas, das er... Nun es überraschte ihn, wenn sie normal mit ihm sprach, gar liebevoll.
Das kann es doch nicht sein...?
Würde er mit seinem Bruder darüber sprechen, er wusste, was dieser sagen würde. 'Verlass sie.' würde er sagen. Das dies nicht gesund für ihn wäre.
Wo war die Leah, die er lieben gelernt hatte? Das Mädchen, das so süss errötete... Die plötzlich so leidenschaftlich werden konnte, das es ihm die Luft nahm? War sie letztendlich gar nicht wirklich existent? Nur ein Traum, verloren im Gefüge der Etikette?
Wieder atmete er schwer ein.
Nach besten Wissen und Gewissen hatte er gekämpft um sie... Der Mundschatz, der Ärger mit den Tiefländern. Savea, die sich wiederholt in seine privaten Belange einmischte. Forderungen, denen er so gut wie möglich nachging, ein Jonglieren, auf das er nicht unter ihnen begraben wurde, auf das er sie heiraten konnte. Ein Ziel, das mal näher, mal ferner war. Und dann ihre Worte, die ihn zielgenau trafen und doch einknicken liessen.
Hat das alles noch einen Sinn...?
Dies war ihm an jenem Abend, als sie ihm jene Worte ins Gesicht warf, durch den Kopf gegangen. Wollte sie ihn noch wirklich? War es nicht besser, es bleiben zu lassen, wenn sie ihn doch verabscheute. Wenn sie sich nur stritten? Welche Zukunft hatte eine Ehe, in der man sich nur stritt? Ein Schlachtfeld im eigenen Haus...
Er schüttelte sein Haupt und durchkreuzte den Raum, aus dem gegenüberliegenden Fenster zu blicken. Er hatte mit ihr geredet. Ihr unter Erklärungen gesagt, das sie sich genau überlegen musste, ob sie ihn wirklich haben wollte - mit Warzen und allem. Auch hier das Ergebnis... anders als erhofft. Vermutlich glaubte sie, er habe mit ihr gespielt. Würde sie nun nicht mehr haben wollen, weil sie nicht 'mitspielte' und ihm gefällig war. Sie hatte der gleichen geschrien, als sie wutentbrannt wie schockiert über seine Worte aus dem Haus gestürmt war. Kannte sie ihn so wenig, das sie das wirklich glauben könnte? Wofür hatte er dann gekämpft? Sein Leben riskiert? Zeit und Gold investiert? Wofür?!
Ein dumpfer Schlag erklang, als seine Faust mit Wucht gegen die steinerne Wand donnerte und dort verblieb. Schwer und tief atmete er ein, spürte nach einem Moment, wie Feuchtigkeit seine Finger berührte. Seine Knöchel waren aufgeplatzt, bluteten... Ein fast willkommener Schmerz, doch half er nicht über den Tumult in ihm hinweg.
Wieder schloss er schmerzlich die Augen, kniff sie zusammen, der Atem schaudernd, als er ihm aus der Lunge fuhr. War er in ihren Augen zu solcherlei fähig? Solch ein Bastard? Wann hatte er ihr Grund gegeben, genau das von ihm zu denken, zu glauben?
Er wusste es nicht. Er wusste nichts. Nur das sein Traum auseinander fiel und er nicht wusste, wie er das aufhalten sollte. Wieder hörte er ihre Stimme im Geiste, Wunden in sein Herz ätzend, als sein Blick leer über die Wiesen hinter dem Haus wanderte.

...Du widerst mich an....
Zuletzt geändert von Cyrion Sha´Ar am Montag 3. August 2009, 16:28, insgesamt 2-mal geändert.
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