Sie hatte gewartet und gewartet… und letzten Endes dann doch nicht mehr erwartet, dass der Herzog ihrem Gesuch auch nur ein Fünkchen Aufmerksamkeit geschenkt habe, bis… ja bis der Bote vor dem Tor stand und ausrichten ließ, seine herzogliche Hoheit hätte ein offenes Ohr für ihren Belang… jetzt.
Jetzt? Bei allen Kreaturen, sie fuhr sich durchs Haar, prüfte den Sitz des Kleides, keine Zeit sich umzuziehen, jetzt hieß jetzt!
Und so eilte sie mit fliegenden Fahnen, nein Rockschößen die Straßen Adorans entlang bis zum herrschaftlichen Anwesen seiner herzoglichen Durchlaucht.
Die Einrichtung war noch spärlich zu nennen, es schien keine Dienerschaft anwesend, wenn überhaupt vorhanden, der Herzog selbst öffnete die Tür.
Auch während des Gespräches konnte sie keinerlei Wachen ausmachen, vielleicht hinter einer der Türen, aber hätte sie ihm Böses gewollt, vermutlich wäre es ihr gelungen.
Kurz, es machte den Eindruck, als hätte der Herzog das Anwesen gerade erst bezogen und alle Dienerschaft unterwegs um irgendwelche Besorgungen zu tätigen.
Der Herzog also ein Mann ohne Furcht und Tadel, nicht nur von Geburt von Adel, nein, er erwies sich als dezent, nicht anstößig humorvoll, um seine Untertanen bemüht und besorgt.
Die Antworten wohl überlegt und mit einer Sicherheit, die keinen Zweifel daran ließ, dass er wußte, wovon er sprach.
„Euer herzogliche Hoheit, es geht hierbei um die Angelegenheit eines Werbenden um sein zukünftiges Eheweib. Es ist doch richtig, dass ein einmal ausgehandelter Muntschatz auch dann weiterhin Bestand hat, wenn es einen Wechsel beim Vormund gibt?“
„Es gibt keinen Grund warum es sich ändern sollte, denn der Muntschatz dient der Absicherung des Eheweibs und nicht des Vormunds.Oder meint ihr den Muntschatz wo sich der Ehemann das vormundschaftliche Recht über sein Weibe erkauft?“
„Nein Euer herzogliche Durchlaucht, ersteres war von mir gemeint.. die Absicherung des Eheweibes, bei frühem Ableben des Gemahls.“
„Dann hat der Muntschatz Bestand, auch wenn der Vormund wechselt.“
Sie konnte den ersten Stein förmlich plumpsen hören, der ihr vom Herzen fiel.
Sie hatte sich nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt, war sicher in den standesgemäßen Bräuchen, wie sie einzuhalten waren.
„Aber vergesst nicht, dass der Vormund bis zur Hochzeit Recht über sein Mündel hat, im Zweifelsfall auch über ihre Besitztümer.“
„Gewiss Euer herzogliche Hoheit. Hier ist es jedoch so, dass das Mündel noch nicht über irgendwelche Besitztümer verfügt und der erste Vormund aufgrund von einigen unschönen Vorkommnissen zurück getreten ist und ein Vormund anstelle des ersten gesucht und gefunden wurde, der aber glaubte, der Muntschatz könne nach seinem dafürhalten geändert und neu verhandelt werden.“
„Also wenn ich der Bräutigam wäre Färulein Savea würde ich dem Vormund klar machen dass es nichts zu verhandeln gibt. Denn es ist selbstverständlich, dass ich für meine Frau das Mögliche getan habe. Mich würde also solch ein Vorschlag beleidigen und dem Vormund nicht bekommen.“
„Ja Euer herzogliche Hoheit, weil Ihr in der Situation Rückgrat hättet, wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf.“
Mehr gab es nicht hinzuzufügen, dachte sie sich, ob der Worte des Herzogs, aber er legte noch nach.
„Wenn ihr wollt, erinnere ich den Vormund gern daran, sich an die Gepflogenheiten unserer Kultur zu halten Fräulein Savea.“
Sie war seiner herzoglichen Hoheit zu Dank verpflichtet, wohl mehr, als er jemals ahnen konnte, aber sie war nicht hier, um die Personen bloß zu stellen, solange dies nicht von Nöten war, sondern um Gewissheit zu bekommen.
„Es würde, wenn es nicht zu viele Umstände machen würde, mir genügen, wenn Ihr mir dies schriftlich bezeugen würdet, dass dem so ist Herzog vom Greifenhain.“
„Ich will nicht für das ganze Reich sprechen Fräulein Savea, es mag sicherlich Orte im Reich geben wo Gesetze anders ausgelegt werden. Aber auf meinem Land versichere ich Euch gern meiner Worte.“
Erst als sie das Schriftstück auch in Händen hielt, die Tinte noch frisch, das Siegel kaum getrocknet, konnte sie es auch tatsächlich glauben und es machte ihr Mut für die zweite Frage.
„Sollte sich von außerhalb des Reiches jemand durch einen Teil des Muntschatzes gestört fühlen und daraufhin jemanden beauftragen, etwas persönliches des vorherigen Vormunds zu erbringen, mit der Absicht, jener Person einen Fluch anzubinden... wäre derartiges zu ahnden?“
„Nun Fräulein… ich will, dass keinem meiner Untertanen ein Leid geschieht. Leider ist das nicht immer möglich. Dennoch wäre ein schändlicher Fluch ein Angriff auf einen meiner Untertanen, was ich auch so ahnden würde, wenn ich dem Verursacher habhaft würde.“
Ein zweites Mal gab er ihr die Sicherheit, zu sagen, was er meinte und sie zweifelte keinen Augenblick an dem Wahrheitsgehalt seiner Aussage.
„Ihr habt mir Sicherheit zurück gegeben Herzog vom Greifenhain. Ich werde dafür Sorge tragen, dass dies nicht unerwähnt bleibt, in Adoran und dem Reiche.“
Anders konnte sie ihre Dankbarkeit gerade nicht in Worte fassen, obwohl sie sonst um Worte nie verlegen schien.
Sie hatte getan, was sie tun musste, hatte keine Namen genannt und der Herzog hatte keine Namen verlangt.
Es mochte ein seltsames Bild abgeben, wie sie steifen Kreuzes, der üblichen korrekten Haltung, aber beschwingten Schrittes die heimatliche Gesindestube erreichte.
Der Herzog, die Hausdame und gewisse Regeln
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Savea Falkenlohe
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