Schlüsselgedanken

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Tarja Lycron

Schlüsselgedanken

Beitrag von Tarja Lycron »

„Erhebe dich, mein Kind! Es ist an der Zeit für dich.“
Die pochenden Kopfschmerzen und die Stimmen in ihren Gedanken ließen nicht nach. Was bei Alatar war passiert, dass sie sich darauf eingelassen hatte? Sie hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht das Blut von ihrer Kleidung und ihrem Körper zu wischen – es haftete noch immer an ihr. Manch einer würde meinen, es würde ihr sehr gut stehen. Als sie wach wurde eilte sie ins Bad hinab. Sie wollte es so schnell wie möglich loswerden und alle Erinnerung auslöschen. Zurecht hatte sie immer Angst. Und jetzt? Jetzt hatte sie ebenso den Tod gefunden wie viele vor ihr.
Seufzend setzte sich die Arkoritherin auf. Sie spürte ihre Knochen und hatte nicht einmal den Elan irgendetwas dagegen zu tun. Dieses leichte Ziehen in ihrem Rücken gab ihr wenigstens dieses eine Signal des Lebens. Sie hatte aufgehört zu zählen, wie lange dieser koma-artige Zustand nun schon anhielt. Irgendwie schien um sie herum auf einmal alles so erdrückend.

Die Arkoritherburg hatte sie eine Weile nicht mehr gesehen. Weder diese, noch die Insel, noch die Schüler, noch den Rest. Sie hatte im Moment weitaus Wichtigeres zu tun: Sie kümmerte sich um sich selbst und – um es zu verdeutlichen – um ihre Tochter, die sie Dank der Verbannung sehr lange nicht mehr gesehen hatte. Die Sehnsucht war groß gewesen, da durfte ihr keiner übel nehmen wenn sie nun nur Augen für ihr kleines Mädchen hatte. Sie sah in die hellen Augen ihrer Tochter, die noch ungewöhnlicher waren als ihre eigenen. Was sollte aus diesem Mädchen einmal werden? Ein leiblicher Vater, der sich aus dem Staub gemacht hatte und mittlerweile in das Reich Kra’thors geflüchtet war. Eine Mutter, die immer und immer wieder versagte. Die Arkoritherin biss sich auf die Lippen, bis das Blut an diesen zu schmecken war. Wieder ein Zeichen dafür, dass sie lebte. Sie presste die Lippen aufeinander und seufzte langgezogen. Sollte sie es wirklich drauf anlegen? Es könnte genauso gut den Tod für sie bedeuten. Aber gemeinsam mit ihrem Liebsten? Wieder ertönte ein langes Seufzen. Es brachte doch nichts.

„Aus dir wird einmal mehr, mein kleiner Engel...“, flüsterte sie und drückte dem Mädchen einen Kuss auf die Stirn. „Aber Mama, du bist doch eine mächtige Magierin!“, entgegnete ihre Tochter. Tarja lächelte, aber das lächeln war ein verbittertes. „Manchmal ist der Lauf der Dinge anders..“, und sie presste ihre Tochter fest an sich. Manchmal gab es keinen anderen Ausweg als sich dem Lauf der Dinge erstmals hinzugeben. Was die Zeit bringen würde? Das wusste die Magierin erst recht nicht. Aber eines wusste sie: Sie würde ihrer Tochter lernen, dass sie selbst Blutsverwandte am besten gleich ausrotten sollte, bevor diesen irgendetwas zu Kopfe steigen würde.

Kaum eine Nacht verging, als die Arkoritherin aufbrach und sich aus dem Haus stahl. Wohin sie ging war niemandem so wirklich klar. Und was sie dort suchte – an dem fremden, unbekannten Ort – würde so schnell auch keiner wissen. Zu ausgeprägt war ihre Selbstdisziplin sich nicht durch ihre eigenen Gedanken zu verraten.
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