Spaet Abends, Nebelschwaden lagen um Varuna und das Licht der sonst so grellen Straßenlaternen verlor sich inmitten des dichtem Nebels, waren die Straßen wie ausgestorben. Nur vereinzelt konnte man zwei leuchtende Punkte, die Augen einer Katze wahrnehmen.
Vom Nebel und der Dunkelheit sichtlich genervt, marschierte er, die Laterne vorran gehalten, in Richtung des Gardekastells. Der Nebel wog so schwer, dass er trotz Laterne kaum den passenden Torschlüssel fand. Recht müde trat er nun ein, löschte das schon ziemlich herrunter gebrannte Laternenlicht und nahm seine Kappe ab. Um diese Zeit war dort wohl niemand bis auf die Nachtwache anzutreffen, jene die er schon gut kannte. Er selbst war eine dieser Nachtwachen, wenn auch mehr freiwillig als befehligt. Grüßend salutierte er vor den andren und begab sich umgehend in das obere Stockwerk. Nur allzu froh war er einen bequemen Sessel aufzufinden, in den er sich hineinsinken ließ und einige Augenblicke verschnaufte.
>>Alsdann!<<
sprach er wohl mehr zu sich, den er ward dort oben allein. Niemand der ihn bei seiner Arbeit stören könnte. So griff er schließlich in seine Tasche hinein und entnahm dieser ein Tintenfässchen sowie eine feine, spitz geschnitzte Feder. Rasch begann er schließlich einen Bericht aufzusetzen:
Berichterstattung
Temora's Segen, werter Hauptmann.
Vom heutigem Tage sind follgende Vorfälle zu berichten:
Vorfall 1 Ein Kind, der Ursprung wohl niederen Standes, irrte alleine vor den Toren Varunas umher. Ich nahm mich dem jungen Jan Braeuer an und brachte ihm zum Heiler, der ihn schon ungeduldig erwartete, um diesem die Kräutertinktur für seine Mutter mitzugeben. <<Erneut tunkt er die schon beinahe ausgetrocknete Feder in's Tintenfass>> Dank an jenen, der sich ihm dann annahm und Tinktur sowie Kind sicher zur Mutter brachte.
Vorfall 2 Eine Gruppierung, vermummt und unfreundlich, die durch die Gassen von Varuna zog und Unruhe stiften wollte. Ich nahm mich ihrer an, worauf hin sie die Flucht ergriffen. Sie verteilten sich, sodass ich die Verfolgung aufgeben musste. Ich werde diesem Vorfall nach gehen, und erneut Bericht erstatten.
Ansonsten keine weiteren Vorfälle. Weitere Berichterstattung erfolgt morgen.
Lang lebe die Königin!
Geschwungen unterschreibt er
Ian Vondran,
Kadett der königlichen Garde
Zufrieden seufzend lässt er schließlich die Feder im Tintenfass bis auf den Grund sinken und bläst kurz die Tinte auf dem Papier, trocken. Nachdem er jenen Bericht schließlich eingerollt, und mit einem Lederband prophylaktisch zugebunden hatte, begab er sich wieder in den Besprechungsraum im Erdgeschoss. Jenes Schriftstück auf dem Platz des Hauptmannes positioniert, schnuerrte er den Umhang ab, den mittlerweile hatte sich sein Koerper wieder aufgewärmt.
Seinem Ehrgeiz wegen, war er geschafft, geschafft doch zufrieden mit sich und seiner gewissenhaften Arbeit, und so schleppte er sich ein letztes Mal für diesen Tag die Treppe hinauf in den Schlafraum, in dem er sich nur noch auf ein Bett fallen ließ und schließlich vor Erschöpfung einschlief.